Swiss Federal Council's Response to GATT Uruguay Round and Development Policy
Legislator-Zusammenfassung
KI-generiertThe Swiss Federal Council's response to an interpellation regarding the GATT Uruguay Round and development policy acknowledges the importance of the negotiations for Switzerland's export-oriented economy but addresses concerns about the agricultural sector, stating that reforms and direct payments will compensate for any income loss to maintain a viable agricultural industry. The Council asserts that the GATT will not jeopardize food security, as Switzerland's self-sufficiency rate is projected to remain stable, and that measures are in place to support rural settlement and landscape maintenance. Furthermore, the Council clarifies that agricultural job losses are linked to broader economic trends, not directly to GATT, and reiterates its commitment to a balanced GATT outcome that considers the multifacility and ecological aspects of agriculture.
Legislator-Regeste
KI-generiertArt. 31 a Landwirtschaftsgesetz, Art. 31 b Landwirtschaftsgesetz; Swiss Federal Council's Response to GATT Uruguay Round and Development Policy: The Council asserts that the GATT will not jeopardize food security, as Switzerland's self-sufficiency rate is projected to remain stable, and that measures are in place to support rural settlement and landscape maintenance. Furthermore, the Council clarifies that agricultural job losses are linked to broader economic trends, not directly to GATT, and reiterates its commitment to a balanced GATT outcome that considers the multifacility and ecological aspects of agriculture.
Schlagwörter
KI-generiertZitierte Gesetzesbestimmungen
KI-generiertVerwandte Entscheide
KI-generiertZentrale Rechtsfragen, extrahiert von Legislator
KI-generiertCited as the legal basis for indirect compensation payments to support the agricultural sector's transformation and competitiveness.
Cited as the legal basis for indirect compensation payments to support the agricultural sector's transformation and competitiveness.
Volltext
Gatt. Interpellations 1796 N 4 octobre 1993
gen und der Einbezug der vor- und nachgelagerten Stufen in Ist der Bundesrat in diesem Zusammenhang bereit, sich nach
die Revitalisierung bzw. Deregulierung sind daher für eine zu- den Grundsätzen des Gesetzes vom 19. März 1976 über die
kunftgerichtete Landwirtschaft und Agrarpolitik ebenfalls von internationale Entwicklungszusammenarbeit und humanitäre
entscheidender Bedeutung. Wir verweisen auch auf das bun- Hilfe einzusetzen und in folgenden Punkten Aenderungen
desrätliche 12-Punkte-Programm im 7. Landwirtschaftsbe- zum Entwurf der Schlussakte zu beantragen:
richt, dessen Realisierung zügig voranschreitet. Der Bundes- 1. Textilien
rat wird jedoch allfällige Preissenkungen oder andere Abbau- DerTextilbereich soll rascher als vorgesehen wieder den Gatt-
massnahmen im Rahmen seiner finanzpolitischen Möglich- Regeln unterstellt werden, so dass die am wenigsten ent-
keiten mit Direktzahlungen kompensieren, soweit es die Exi- wickelten Länder spätestens in fünf Jahren einen substantiel-
stenz einer leistungsfähigen Landwirtschaft erfordert len Nutzen daraus ziehen können.
3./4. Der Bundesrat erwartet, dass die im 7. Landwirtschafts- 2. Landwirtschaft
bericht verankerten Oberziele auch nach einem Gatt- Die Entwicklungsländer sollen autonom und zeitlich unbe-
Abschluss erreicht werden können. Die Sicherstellung der schränkt Massnahmen ergreifen dürfen, um ihre eigene Pro-
Nahrungsmittelversorgung wird nicht gefährdet, da das Gatt duktion zu fördern und die Nahrungsmittelversorgung sicher-
keine grössere Abnahme des seit unserem Gatt-Beitritt (1966) zustellen.
von rund 55 Prozent auf 65 Prozent angestiegenen Selbstver- 3. Marktzutritt
sorgungsgrades zur Folge haben wird. Dank der vorgesehe- Nicht nur die Einfuhrzölle auf Rohstoffen, sondern auch auf
nen grünen Kategorie von internen Stützungsmassnahmen den bearbeiteten Produkten aus Entwicklungsländern sollten
werden auch die Sicherstellung der dezentralen Besiedlung spürbar herabgesetzt werden.
und die Landschaftspflege durch das Gatt nicht in Frage 4. Geistiges Eigentum und Handels- bzw. Dienstleistungsin-
gestellt vestitionen
5. Zwischen dem Rückgang der landwirtschaftlichen Bevölke- Anstatt den Entwicklungsländern nur längere Uebergangspe-
rung und dem Anstieg der Arbeitslosenquote besteht kein di- rioden zuzugestehen, sollen sie selber in Funktion ihrer eige-
rekter Zusammenhang. Es ist vielmehr so, dass sich der Struk- nen Entwicklungspolitik und der verschiedenen Phasen über
turwandel in der Landwirtschaft bei schlechter Wirtschaftslage die Liberalisierungsmassnahmen entscheiden können.
mit hoher Arbeitslosigkeit verlangsamt - und umgekehrt So 5. Autonome Liberalisierung
hat die mittlere jährliche Abnahme der Erwerbstätigen in Das Gatt sollte den autonomen Liberalisierungsanstrengun-
der Landwirtschaft 4,1 Prozent von 1960 bis 1970 betra- gen der Entwicklungsländer Rechnung tragen und ihnen da-
gen, 1,9 Prozent von 1970 bis 1980 und 2,7 Prozent von 1980 fürweitere Konzessionen anbieten.
bis 1990. 6. Multilaterale Handelsorganisation (MTO)
6. Die Politik des Bundesrates zielt dahin, dass auch nach ei- Die Statuten der MTO sollten einen institutionellen Rahmen
nem Gatt-Abschluss eine eigene leistungsfähige Landwirt- schaffen, der es ermöglicht, bei den nächsten Verhandlungen
schaft im Sinne des Verfassungsauftrages aufrechterhalten alle mit dem Handel zusammenhängenden Bereiche zu be-
werden kann. Mit den sowohl aus internen als auch aus exter- rücksichtigen (restriktive Handelspraktiken der Multinationa-
nen Gründen eingeleiteten Agrarreformen haben wir Instru- len, Umweltschutz, Internationalisierung der Kosten, Arbeits-
mente geschaffen, um den Einkommensausfall soweit wie nö- bedingungen, Entwicklung, Technologietransfer usw.).
tig ausgleichen zu können. Weiter wird mit der Botschaft zur Wäre es auf der anderen Seite nicht angebracht, das Gatt
Revision des Milchwirtschaftsbeschlusses sowie mit der Ein- würde die Ergebnisse für die Entwicklungsländer rasch evalu-
setzung von drei Expertenkommissionen eine Revitalisierung ieren?
bzw. Deregulierung angestrebt, welche der Landwirtschaft die
Rationalisierung und Kostensenkung erleichtern soll. Diese Texte de l'interpellation du 2 mars 1993
Massnahmen sollen ihr, zusammen mit den neuen Direktzah- Les négociations commerciales de l'Uruguay Round ne doi-
lungen, erlauben, auch unter härteren Konkurrenz- und Wett- vent pas se limiter aux politiques de libéralisation des relations
bewerbsbedingungen zu bestehen und die Marktanteile im In- commerciales, mais elles doivent créer par des mesures d'ac-
und Ausland halten bzw. erweitern zu können. Deshalb wer- compagnement des conditions qui permettent à tous les peu-
den fairen Welthandelsregeln und einem effizienten Marketing ples et en particulier aux pays en développement de tirer profit
in Zukunft noch grössere Bedeutung zukommen. des effets de cette libéralisation.
Abschliessend hält der Bundesrat fest, dass er sich bei den Dans cette perspective, le Conseil fédéral est-il prêt à s'enga-
Gatt-Verhandlungen weiterhin für ein ausgewogenes Ver- ger, selon les principes de la loi du 19 mars 1976 sur la coopé-
handlungsergebnis einsetzen wird, das der Multifunktionalität ration au développement et l'aide humanitaire internationales,
der Landwirtschaft und namentlich auch den ökologischen en proposant des amendements au projet d'Acte final de l'Uru-
Anliegen Rechnung trägt guay Round, sur les points suivants:
1. Textiles
La réintégration du secteur aux règles du Gatt devrait se faire
plus rapidement, afin que les pays les moins avancés en parti-
culier puissent en bénéficier d'une manière substantielle au
#ST# 93.3056 plus tard dans un délai de cinq ans.
2. Agriculture
Interpellation Darbellay La prise de mesures autonomes par les pays en développe-
Gatt. Uruguay-Runde ment pour promouvoir leur production propre et assurer leur
und Entwicklungspolitik sécurité alimentaire devrait être autorisée sans limite dans le
temps.
Gatt. Uruguay Round 3. Accès aux marchés
et politique de développement Non seulement les droits de douane sur les importations de
matières premières, mais aussi sur les produits transformés
en provenance de pays en développement devraient être ré-
duits d'une manière sensible.
4. Propriété intellectuelle et investissements liés au com-
Wortlaut der Interpellation vom 2. März 1993 merce/services
Die Handelsverhandlungen der Uruguay-Runde dürfen sich Le choix des mesures de libéralisation devrait être laissé aux
nicht auf die Politik der Liberalisierung der Handelsbeziehun- pays en développement en fonction de leur politique de déve-
gen beschränken. Sie müssen auch mit flankierenden Mass- loppement, des différentes phases, et non seulement par des
nahmen Bedingungen schaffen, die es allen Völkern und vor étapes transitoires plus longues.
allem den Entwicklungsländern ermöglichen, einen Nutzen 5. Libéralisation autonome
aus der Liberalisierung zu ziehen. Le Gatt devrait tenir compte des récents efforts de libéralisa-
4. Oktober 1993 N 1797 Gatt. Interpellationen
tion autonome des pays en développement et leur offrir en ne seront pas remis en cause, contrairement à ce qui pourrait
contrepartie des concessions compensatoires. être le cas pour ce qui est des régimes préférentiels.
6. Organisation multilatérale du commerce (MTO) 4. Propriété intellectuelle, services, investissements
Les statuts de la MTO devraient créer un cadre institutionnel Les PED reconnaissent aujourd'hui l'importance d'un sys-
qui permette, lors de prochaines négociations, de prendre en tème multilatéral de règles en matière de propriété intellec-
considération tous les domaines liés au commerce (pratiques tuelle, de services et d'investissements liés au commerce. De
commerciales restrictives des multinationales, protection de plus, le développement d'une législation nationale conforme
l'environnement, internationalisation des coûts, conditions de aux règles multilatérales du commerce constitue une étape
travail, développement, transfert de technologie, etc.). importante vers l'amélioration des conditions-cadres d'inves-
Ne serait-il pas opportun, d'autre part, que le Gatt procède ra- tissement et de production. Il en résultera une augmentation
pidement à une évaluation des résultats pour les pays en dé- de leur attrait comme place d'investissements. Dans le do-
veloppement? maine des services, le cycle de l'Uruguay débouchera sur un
accord qui rendra applicable à ce secteur les principes fonda-
Mitunterzeichner-Cosignataires: Keine -Aucun mentaux de l'Accord général et mettra à disposition des parti-
cipants un instrument de libéralisation qui devrait permettre
Schriftliche Begründung - Développement par écrit une ouverture progressive et ordonnée des marchés dans ce
L'auteur renonce au développement et demande une secteur. Dans le domaine des investissements également, les
réponse écrite. engagements résultant de la négociation devraient être adap-
tés au niveau de développement des participants.
Schriftliche Stellungnahme des Bundesrates 5. Libéralisation autonome
vom 19. Mai 1993 Le cycle de l'Uruguay constitue une occasion pour les PED de
Rapport écrit du Conseil fédéral transformer les libéralisations autonomes réalisées au titre de
du 19 mai 1993 réformes internes en libéralisations contractuelles au titre du
Le Gatt est un traité international dont les objectifs sont la pro- Gatt, en échange desquelles ils pourront obtenir des conces-
motion du bien-être, la pleine utilisation des ressources mon- sions de leurs partenaires.
diales et l'accroissement de la production et des échanges de 6. Organisation multilatérale du commerce (MTO)
produits. Le Gatt n'est pas un accord de libre-échange. Les L'organisation multilatérale du commerce devrait avoir pour
Etats membres du Gatt cherchent à réaliser les objectifs qu'ils fonction d'assurer la gestion et l'évolution cohérente
se sont fixés par étapes. Les pays en développement (FED) des 26 accords qui résulteront du cycle de l'Uruguay. Comme
bénéficient au titre du Gatt d'un traitement spécial et différen- c'est déjà le cas aujourd'hui, les futurs programmes de négo-
cié depuis 1965, en vertu duquel ils disposent d'une certaine ciation seront définis par les gouvernements participants à
flexibilité en ce qui concerne les niveaux d'engagements aux- une négociation commerciale multilatérale et non pas par l'or-
quels ils sont appelés à souscrire et les modalités de mise en ganisation elle-même. Les programmes en tant que tels doi-
oeuvre de ces engagements. vent être adoptés par consensus. Des sujets tels que le com-
Dans le cycle de l'Uruguay, lancé à Punta del Este le merce et l'environnement, les conditions de travail et les prati-
20 septembre 1986, les FED ont joué pour la première fois un ques commerciales restrictives sont d'ores et déjà reconnus
rôle actif dans la préparation et dans la négociation multilaté- comme des sujets potentiels pour une nouvelle négociation,
rale. Dans le cadre du Round, les PED agissent au sein de plu- après la clôture de l'Uruguay Round.
sieurs coalitions, notamment dans les secteurs des textiles et 7. Evaluation des résultats pour les PED
de l'agriculture. Dans tous les quinze thèmes de négociation, La Déclaration de Punta del Este prévoit qu'une telle évalua-
les PED ont obtenu des délais de transition plus longs pour la tion devra se faire. Les participants y procéderont après la fin
mise en oeuvre des résultats. Cela vaut particulièrement pour des négociations, mais avant la signature de l'Acte final. Nous
les pays les moins avancés (PMA), qui forment également une en traiterons dans le message qui sera adressé aux Chambres
coalition spécifique dans le cadre de la négociation. Les résul- fédérales après la clôture de la négociation.
tats du Round, tels qu'ils se dessinent pour les PED, semblent Par ailleurs, le chef du DFEP abordera le sujet de l'influence
conformes aux principes de la coopération suisse au dévelop- des négociations du cycle de l'Uruguay sur les pays en déve-
pement. Il n'y a donc pas, dans ce domaine, une nécessité loppement dans le cadre de ses rapports périodiques aux
particulière d'agir pour le Conseil fédéral. Chambres sur l'avancement des négociations de l'Uruguay
1. Textiles Round.
La négociation est pratiquement terminée. Le délai de transi-
tion de dix ans qui a été retenu pour la réintégration du secteur Hess Peter: Namens der CVP-Fraktion erkläre ich mich nicht
textile dans le Gatt correspond à un compromis équilibré entre befriedigt von der Antwort auf unsere Interpellation 93.3387,
certains pays industrialisés et certains PED. Une réouverture da sie keine neuen Elemente gegenüber den bisherigen Ant-
de ce dossier augmenterait le risque d'aboutir à une période worten enthält. Ich beantrage daher Diskussion.
transitoire plus longue. Le projet d'accord sur les textiles com-
prend en outre des dispositions qui tiennent compte des situa- Präsident: Herr Hess Peter beantragt Diskussion. - Sie sind
tions particulières des pays les moins avancés. damit einverstanden.
2. Agriculture
La mise en oeuvre des résultats de la négociation agricole qui Hess Peter: Die CVP-Fraktion bekennt sich zu einer offenen
comprend aussi une diminution des subventions à l'exporta- Wirtschaftsordnung. Eine offene Wirtschaftsordnung ist für un-
tion, devrait avoir un effet positif tant sur la production locale ser exportorientiertes Land von grösster Bedeutung. Wir set-
que sur les exportations de produits agricoles en provenance zen uns daher dafür ein, dass weltweit der kostspielige Protek-
de PED. Le projet d'Acte final prévoit, dans ce domaine aussi, tionismus abgebaut wird. Ein erfolgreicher Abschluss der
un traitement spécial et différencié en faveur de PED importa- Gatt-Verhandlungen mit der vorgesehenen Ausweitung der
teurs de produits agricoles et n'empêche aucunement les Gatt-Regeln auf Dienstleistungen, Investitionen und geistiges
PED de prendre des mesures pour promouvoir leur produc- Eigentum sowie unter Einbezug der Landwirtschaft und des
tion propre et pour assurer leur sécurité alimentaire. Textilsektors, die bisher faktisch bzw. formell vom Gatt ausge-
3. Accès au marché nommen waren, ist für die CVP von hoher Priorität Das gleiche
Pour les produits manufacturés, les PED bénéficient d'ores et trifft für das verbesserte Verfahren der Streitschlichtung zu.
déjà de droits préférentiels au titre du Système généralisé de In diesem Zusammenhang sind wir uns alle bewusst, dass
préférences. Il s'agit toutefois de mesures autonomes de la auch für die schweizerische Landwirtschaft, für ihr Ueberle-
part des pays développés. L'avantage principal des négocia- ben, eine Neuausrichtung der Strukturen unabdingbar ist. Wir
tions d'accès au marché au Gatt pour les PED réside dans l'as- geben uns dabei Rechenschaft, dass der landwirtschaftliche
surance contractuelle qu'ils obtiendront que les abaissements Sektor in den meisten Industrieländern zu einem der am stärk-
tarifaires des pays développés, de 33 pour cent en moyenne, sten regulierten und subventionierten Wirtschaftsbereiche ge-
Gatt Interpellations 1798 N 4 octobre 1993
worden ist Die dadurch hervorgerufenen Handelsverzerrun- stehen werden, diesem Abschluss nicht mit geschlossenen
gen haben bewirkt, dass im Landwirtschaftssektor praktisch Augen entgegensehen können. Als Bauer und Bürger der
keine internationale Arbeitsteilung gemäss den natürlichen Schweiz bin ich selbstverständlich an einem guten Gang der
Standortbedingungen mehr stattfindet. Wirtschaft interessiert, aber nur solange dies nicht auf dem
Im Rahmen der Uruguay-Runde hat der Bundesrat am 3. April Buckel einer kleinen Minderheit ermöglicht wird. Die Landwirt-
1992 seine überarbeitete Agrarofferte eingereicht Er Hess sich schaft akzeptiert Lösungen, wenn sie ihr nicht nur Nachteile
dabei - wie er seither immer wieder betonte - von den Zielset- bringen. Die hier aufgezeigte Problematik ist der Grund mei-
zungen des 7. Landwirtschaftsberichtes leiten: Sicherstellung ner Interpellation vom 15. Juni 1993.
der Nahrungsmittelversorgung, Sicherstellung der dezentra- Leider bringt das vorgeschlagene Agrardossier im Gatt-
len Besiedlung sowie Riege der Landschaft mit Zurverfügung- Abkommen Marktanteilverluste, was Kürzungen der Produk-
stellung eines intakten Erholungsgebiets. tionsmengen, z. B. bei der Milch und beim Futtergetreide, zur
Noch in der Stellungnahme zur Interpellation Wyss William Folge hätte. Heute suchen wir in der Agrarpolitik Lösungen,
vom 1. September 1993 führte der Bundesrat aus, er werde mit denen wir das internationale Preisgefälle ausgleichen
sich bei den Gatt-Verhandlungen für ein ausgewogenes Ver- könnten. Laut Lagebericht des Schweizerischen Bauernver-
handlungsergebnis einsetzen, das der Multifunktionalität und bandes hat sich das bäuerliche Einkommen stark verschlech-
namentlich den ökologischen Anliegen Rechnung trage. So tert, und das bereits ohne Gatt. Um der Landwirtschaft über-
weit, so gut Doch bei näherer Prüfung fällt auf, dass der Bun- haupt die Chance geben zu können, einigermassen zu überle-
desrat seit der Präsentation der Agrarofferte vom 3. April 1992 ben, brauchen wir zusätzliche Mittel.
keine neuen Akzente mehr gesetzt hat, obwohl er dazu mehr- Im weitern muss der Bundesrat alles daransetzen, dass der
fach aufgefordert worden war. Im Gegensatz dazu haben an- Landwirtschaft die heutigen Marktanteile erhalten bleiben. Ne-
dere Länder neue oder ergänzende Forderungen einge- ben der vorgesehenen Herabsetzung der Exportsubventio-
bracht. Die jüngsten Vorstösse Frankreichs sind ja noch tau- nen im Gatt dürfen nicht auch noch die subventionierten Men-
frisch. gen reduziert werden. Seit der Uruguay-Runde von 1986 hat
Die CVP-Fraktion ist nicht der Illusion verfallen, dass das Vor- sich in bezug auf das Export-/lmportverhältnis bei gewissen
abkommen von Blair House, das die globalen Agrarpositio- Agrarprodukten einiges geändert. Die vorgesehenen Marktzu-
nen der USA und der EG festlegt, nochmals neu verhandelt trittsverpflichtungen gegenüber ausländischen Lieferanten
werden könnte. Wir vertreten jedoch mit Nachdruck die Auffas- müssen den heutigen Verhältnissen angepasst werden. Dies
sung, dass im Rahmen der schweizerischen Agrarofferte Ge- ist ein weiterer Grund, das Agrardossier zu überarbeiten.
wichtsverschiebungen noch möglich sind, stehen die ent- In der Antwort des Bundesrates auf meine Interpellation zeich-
scheidenden Schlussverhandlungen doch noch bevor. net sich ein Widerspruch ab. In seiner Antwort auf die Frage 1
In diesem Sinne fordern wir den Bundesrat auf: gibt er zu, dass eine volle Kompensation des Abbaus der pro-
1. am Verzicht auf Mengenreduktionen bei den Exportsubven- duktegebundenen Stützung durch Direktzahlungen aus fi-
tionen für Milchprodukte festzuhalten; nanzpolitischen Gründen nicht möglich sei. In der Antwort auf
2. nach Möglichkeit die Reduktion der internen Stützung für die Frage 2 verweist der Bundesrat auf das bundesrätliche
Milch unter 15 Prozent herabzusetzen. 12-Punkte-Programm im 7. Landwirtschaftsbericht In diesen
Statt dessen könnten wir uns Kompensationen im Bereich der 12 Punkten ist unter anderem die Zusicherung ergänzender
Marktzutrittsbarrieren vorstellen, denn eine zukunftorientierte, Direktzahlungen zur Sicherung eines angemessenen Einkom-
dynamische Landwirtschaft wird sich ohnehin offenen Märk- mens und zur Abgeltung der gemeinwirtschaftlichen Leistun-
ten stellen müssen und können. Auch wollen wir nicht verges- gen ohne Vorbehalte enthalten.
sen, dass die Schweiz bereits autonome Vorleistungen er- In der Antwort auf die Frage 6 hält der Bundesrat fest, dass die
bracht hat; ich denke an die Milchkontingentierung oder an neuen Agrarreformen der schweizerischen Landwirtschaft
produktionslenkende Massnahmen im Hinblick auf Extensi- auch in Zukunft eine gute Ueberlebenschance ermöglichen.
vierungen, die mit zusätzlicher Gewichtung in Rechnung ge- Ich hoffe, dies trifft auch zu.
stelltwerden müssten. Weil aus finanzpolitischen Gründen nur beschränkte Mittel für
Herr Bundesrat, ich bin der Meinung, dass wir am Ende eines Ausgleichszahlungen zur Verfügung stehen, sind im Gatt un-
langwierigen Prozesses stehen, bedaure es aber, dass der bedingt agrarpolitische Rahmenbedingungen auszuhandeln,
Bundesrat, entgegen mehrfacher Zusicherungen, meines die unseren Bauern weiterhin gute Marktchancen einräumen.
Erachtens noch nicht die letzten Trümpfe zugunsten unserer Wir sind gezwungen, unter schweizerischen Verhältnissen zu
Landwirtschaft ausgespielt hat produzieren. Unsere Betriebe unterstehen schweizerischen
Ich bitte Sie, bei den nun bevorstehenden Schlussverhandlun- Kostenverhältnissen.
gen die geforderten Akzentverschiebungen vorzunehmen; Mit der abschliessenden Bemerkung des Bundesrates bin ich
dies in der Meinung, dass wir so zu einem ausgewogenen Ge- einverstanden, und ich danke ihm für seine Anstrengungen,
samtergebnis kommen, das für unsere Volkswirtschaft insge- dass den gemeinwirtschaftlichen Leistungen der Bauern,
samt tragbar sein wird. sprich Multifunktionalität, in Zukunft mehr Beachtung ge-
schenktwird.
Wyss William: Dass die schweizerische Wirtschaft und ihre Grundsätzlich bin ich mit der Antwort des Bundesrates auf
Unternehmen am Abschluss der Uruguay-Runde ein substan- meine Interpellation nicht befriedigt Ich vermisse eine klare
tielles Interesse haben, versteht sich. Der Abschluss bringt der Strategie, wie er bei der gegenwärtigen Bundesfinanzlage die
Industrie, dem Gewerbe und den Dienstleistungsbetrieben agrarpolitischen Reformen durchzuführen gedenkt Struktur-
eine verbesserte Ertragskraft Sie sollen international wettbe- bereinigungen lösen die Probleme nicht Wir brauchen geeig-
werbsfähigerwerden. nete Rahmenbedingungen.
Leider wurde bei der Vorbereitung der Uruguay-Runde das
Agrardossier zu einseitig zugunsten der stark exportorientier- M. Darbellay: Monsieur le Conseiller fédéral, votre réponse à
ten Agrarländer ausgearbeitet Die grossen klimatischen Un- •'mon interpellation du 2 mars ne me satisfait pas totalement
terschiede, der Selbstversorgungsgrad und die gemeinwirt- Comme vous le dites très bien, le Gatt n'est pas un accord de
schaftlichen Leistungen der inländischen Landwirtschaft wur- libre-échange, mais c'est un traité international destiné à créer
den ungenügend berücksichtigt Auf Druck der bäuerlichen de meilleures conditions de commerce, et destiné par là, je
Bevölkerung haben europaweit verschiedene Staaten diesbe- vous cite: «à favoriser la promotion du bien-être». Il me semble
züglich Korrekturen angemeldet Auch unser Bundesrat hat que ceci est tout à fait normal et pour atteindre ce but, il ne
beim Gatt auf die Multifunktionalität unserer Landwirtschaft s'agit pas d'éliminer toutes les barrières, il ne s'agit pas de
hingewiesen und verlangt, dass die Abgeltung gemeinwirt- supprimer toutes les digues. La loi du 19 mars 1976 nous fait
schaftlicher Leistungen der Landwirtschaft Gatt-konform sein obligation d'avoir le souci des pays en développement. Pour
solle. ces pays-là, le Gatt a une importance toute particulière. Vous
Sollte nun ein Gatt-Abschluss inklusive Agrardossier in Aus- donnez des réponses à mes questions, mais je trouve qu'il y a
sicht gestellt werden, dann werden wir Landwirte, wie Sie ver- beaucoup de conditionnels et j'aimerais voir un certain nom-
4. Oktober 1993 N 1799 Gatt. Interpellationen
bre de ces conditionnels se transformer en affirmations ou en kungen mit Gatt-konformen Massnahmen. Ob die Direktzah-
indicatifs. lungen genügen, ist fraglich, zumal im Hinblick auf unsere
En ce qui concerne l'agriculture, par exemple, il est important leere Bundeskasse. Was gedenkt also der Bundesrat im Be-
que les pays en développement puissent protéger leurs pro- reich der Abfederung zusätzlich zu tun?
pres produits de manière à pouvoir promouvoir une agri- Gleichzeitig müssen wir den Vertretern der Landwirtschaft auch
culture vivrière qui est de première importance pour eux. sagen, dass sie mit staatlicher Hilfe nur dann rechnen können,
Un souci également en ce qui concerne l'organisation multila- wenn die übrige Volkswirtschaft gesund ist Denn jeder Fran-
térale du commerce: effectivement, le Gatt est appelé à évo- ken, der an sie als Subvention bezahlt werden kann, muss zu-
luer et il est important que, dans cette évolution, on tienne erst von der übrigen Volkswirtschaft verdient werden. Protest-
compte des pratiques commerciales restrictives des multina- aktionen vor oder im Bundeshaus, wie wir sie bereits erlebt ha-
tionales, qu'on tienne compte de l'environnement, en particu- ben, sind fehl am Platz, zumal man das Vertragswerk in seinen
lier du suivi de Rio, et qu'on tienne compte également des Auswirkungen und in seiner endgültigen Fassung überhaupt
principes de la «good governance», de manière à ce que les noch nicht kennt. Es sei hervorgehoben, dass nicht nur unsere
droits des peuples soient respectés. Voilà, pour ce qui Bauern vom Gatt tangiert werden, sondern auch unsere Pro-
concerne le volet «pays en développement». duktionsbetriebe und Dienstleistungsunternehmen, die ja eine
Nous avons aussi des territoires en développement chez grössere Konkurrenz erhalten, auch im Heimmarkt.
nous, sans que je veuille faire de comparaisons. Il est évident Wir halten es für selbstverständlich, dass unsere Verhand-
que l'industrie tirera immédiatement profit du Gatt, par contre lungsdelegation den gegebenen Spielraum ausnützt, soweit
le problème de l'agriculture, on l'a déjà soulevé ici et on vous sie das kann; dies um den Schwierigkeiten in der Urproduk-
en parlera encore, est nettement plus délicat. Je pense, parti- tion zu begegnen, auch wenn die Latte der Erwartungen nicht
culièrement, au secteur fruits et légumes qui était relativement allzu hoch gelegt werden darf. Das Wohl der Landwirtschaft
bien protégé par le système des trois phases, même si celui-ci liegt auch der FDP am Herzen; schliesslich weist ja unsere
n'était pas parfait. Et il semble que ce système des trois pha- Fraktion die grossie Zahl von Bauern und Produzenten in der
ses serait-j'utilise aussi le conditionnel ici-condamné. Ceci Urproduktion auf!
est d'une importance considérable pour ce secteur. A mon Was wir jetzt brauchen, ist eine klare Information, um den Ab-
sens, il est absolument indispensable de prendre des mesu- bau von Vorurteilen zu erwirken, aber auch ein gewisses Ver-
res sérieuses de compensation à l'intérieur du pays, et de pré- trauen in unsere Delegation. In diesem Zusammenhang er-
voir des délais d'adaptation suffisamment longs et suffisam- laube ich mir allerdings die Frage zu stellen, wie es eigentlich
ment souples, de manière que ce secteur ne risque pas de dé- zu den Erklärungen von Herrn Bundespräsident Ogi gekom-
périr. Il est également possible de prendre des mesures de po- men ist, als er Premierminister Edouard Balladur in Paris be-
litique agricole qui compensent la diminution de barrières suchte und sich zum Blair-House-Streit äusserte, der uns ja
douanières. nicht direkt berührt.
Je vous remercie d'avance pour les réponses que vous vou-
drez apporter à mes questions. Hämmerle: Ich beschränke mich auf einen Aspekt des Gatt-
Abkommens, die Landwirtschaft Zwar ist das nur ein relativ
Stucky: Wenn wir das heutige Umfeld betrachten, müssen wir kleiner Bereich des ganzen Komplexes, er gibt aber mit Ab-
feststellen, dass die Position unseres Landes eindeutig stand am meisten zu reden. Andere Fraktionssprecherinnen
schwieriger geworden ist. Die Blockbildung hat sich verstärkt, der SP werden über andere Problembereiche referieren.
in Nordamerika mit der Nafta, in Europa mit der Ausweitung Es gibt eine gängige Gleichung: Abschluss des Gatt-Abkom-
der EG. Im Fernen Osten laufen die Bestrebungen zum Aus- mens in der heute bekannten Form gleich Katastrophe für die
bau der Asean, nachdem Australien ganz eindeutig seine Aus- schweizerische Landwirtschaft. Es werden die wildesten Un-
senpolitik weg von Europa, weg von den USA und hin zum Fer- tergangsszenarien an die Wand gemalt. Wir haben da eine klar
nen Osten, zu seinen Nachbarn, ausrichtet. Sogar die Süd- andere Auffassung:
amerikaner und die Afrikaner haben sich in den Verhandlun- Das Gatt verlangt von der Schweiz, dass sie die über uns hän-
gen über ein Kaffeeabkommen gefunden. gende Käseglocke abbaut. Es geht vor allem um die unsägli-
Der aktuelle Streit zwischen Frankreich und den USA zeigt, wie che Käsesubventionierung, um die Lockerung von Einfuhrbe-
sich Auseinandersetzungen zwischen nationalen Politiken au- schränkungen und um die Reduktion von Exportsubventio-
tomatisch zu Reibungen zwischen den Blöcken ausweiten nen bzw. deren Umwandlung in Zölle. Milch und Käse seien
können. Die Entwicklung ist für Kleinstaaten besonders ge- die strategischen Erfolgsprodukte der schweizerischen Land-
fährlich, da die Grossen das Geschäft unter sich aushandeln wirtschaft, behaupten deren Lobbyisten. Es fragt sich nur, wel-
können. Unsere Abhängigkeit vom Welthandel ist zudem be- cher Käse da gemeint ist: Einen würzigen Berg- oder Alpkäse
sonders intensiv. mit Biolabel verkauft ein guter Vermarkter in Stuttgart locker für
Nach der Ablehnung des EWR ist unsere Stellung verwundba- über 20 DM pro Kilo - ohne Gatt-widrige staatliche Stützungs-
rer geworden, ohne Rückendeckung seitens der Gruppe massnahmen. Der Emmentaler aber, von dem man nie ganz
Efta/EG. Wir sind - kurz und bündig ausgedrückt - auf den Er- richtig weiss, ob es sich wirklich um Käse oder halt doch nur
folg der Uruguay-Runde angewiesen. Ein Misserfolg würde um Edelgummi handelt, ist nicht so einfach zu vermarkten.
den Rückfall in die Abschottung der Märkte bedeuten, die Li- Das Gatt macht uns diese Tatsache sehr schmerzlich be-
beralisierung im Dienstleistungssektor für lange Zeit aufs Eis wusst, das ist wahr; aber wir sehen nicht, was daran stossend
legen und den seit langem geforderten Rechtsschutz für gei- sein sollte.
stiges Eigentum verunmöglichen. Tangiert wäre also nicht al- Gerade im Bereich der Landwirtschaft wird das Gatt-Abkom-
lein unsere Industrie, sondern tangiert wären auch die Dienst- men den von uns durchaus erwünschten Reformprozess wei-
leistungsunternehmen und weiter der Forschungsstandort ter beschleunigen. Die«green box» ermöglicht ökologisch be-
Schweiz. gründete Direktzahlungen, sie ermöglicht eine marktkon-
Wir bitten, diesen gesamtwirtschaftlichen Rahmen auch zu be- forme Landwirtschaftspolitik. Man muss diese nur wollen.
achten, wenn wir uns der Landwirtschaft zuwenden. Deren Be- Nach Ihren zaghaften Beschlüssen von letzter Woche zum
denken dürfen allerdings nicht leichtgenommen werden, ins- Milchwirtschaftsbeschluss habe ich allerdings meine ernsthaf-
besondere die Auswirkungen etwa im Ackerbau, wenn durch ten Zweifel, ob Sie das wirklich wollen. Ihr dauerndes Festhal-
das Gatt-Abkommen Anbauflächen stillgelegt werden müs- ten an der Mengenpolitik, an den grossen Mengen, wird sich
sen. Die Schwierigkeiten in der Ueberproduktion im Milchsek- eines Tages bitter rächen. Intégrations- und handelspolitisch
tor kennen wir nach der Diskussion der letzten Woche genü- ist aus der Sicht der Landwirtschaft zu empfehlen: Ja zu einem
gend, um zu wissen, dass nicht einfach auf Viehwirtschaft um- baldigen Gatt-Abschluss unter Inkaufnahme von Ueber-
gestellt werden kann. Der Entwicklung ihren Lauf zu lassen ist schussmengenreduktion und Abbau von produktegebunde-
unserer Landwirtschaft ebenfalls nicht zumutbar, zumal sie in nen Subventionen, ein Ja aber auch zu einem intelligenten
den letzten Jahren bereits eine Einkommenseinbusse hinneh- neuen Anlauf für einen EWR-Beitritt, welcher gerade der Land-
men musste. Es braucht also eine Abfederung der Gatt-Wir- wirtschaft viel bringen würde.
Gatt Interpellations 1800 N 4 octobre 1993
Es ist unsinnig, jetzt einen direkten Weg in die EG zu suchen, zahlen, dann sind wir keinen Deut besser als die Amerikaner
wenn man mit dem Gatt nicht mehr ein und aus weiss. Es ist mit ihrem Getreidedumping. Dass der Bundesrat bei seiner Of-
unsinnig, liebe Bauernpolitiker, jetzt über das Gatt-Abkom- ferte ausgerechnet die exportsubventionierten Mengen über-
men zu wettern, von dem Sie ganz genau wissen, dass es haupt nicht reduzieren und auch die Höhe der Exportsubven-
kommen wird. Es ist unsinnig und verantwortungslos, dies tionen nur beschränkt reduzieren will, muss man daher schon
jetzt gegenüber den Bauern zu tun! Sie werden in Bälde zu sehr kritisch hinterfragen.
den Bauern gehen und ihnen erklären müssen, dass man das Die Haltung der grünen Fraktion lässt sich wie folgt zusam-
Gatt-Abkommen abschliessen muss. menfassen: Mit Blick auf das agrarpolitische Gestrüpp in unse-
Die Strategie des Alleingangs und des Bilateralismus ist ge- rem Land können wir verschiedene Spielregeln des Gatt sehr
rade für die Landwirtschaft verheerend. Dies gilt beim Gatt ge- wohl als heilsam ansehen. Wir begrüssen den Verzicht auf Ex-
nauso, wie es hinsichtlich Europa gilt; dies sollten Sie endlich portsubventionen; Dumping ist unfair. Wir nehmen mit Freude
zur Kenntnis nehmen. zur Kenntnis, dass dank der «green box» ökologische Direkt-
zahlungen unbestritten sind.
Baumann: Ich beschränke mich bei meinen Ausführungen Wir akzeptieren die Tarifizierung als handelspolitische Schutz-
auf den Agrarbereich der Gatt-Vorschläge. Frau Misteli wird massnahme. Soweit könnte man sagen: «Gatt sei Dank!»
die übrigen Themen behandeln. Wenn aber durch den sanitarischen und phytosanitarischen
Vor drei Jahren haben wir dem Bundesrat für seine Gatt-Politik Kodex wie durch den Kodex über technische Handelshemm-
ein Fuder Bio-Mist vor das Bundeshaus gekippt Inzwischen nisse strenge nationale Umwelt- und Tierschutznormen aus-
scheint der Mist geführt, die Gatt-Verhandlungen scheinen gehöhlt werden sollten, dann müsste man eher wieder von
kurz vor dem Abschluss oder - auch das ist möglich - kurz vor «Gattastrophe» reden. Diese Auswirkungen können wir im Mo-
dem Scheitern zu stehen. Wir müssen jetzt Bilanz ziehen: Ist ment nicht abschätzen.
an den Gatt-Verhandlungen und im Bundeshaus in der Zwi- Der Bundesrat ist gehalten, hier den ganzen Spielraum auszu-
schenzeit etwas Brauchbares gewachsen? Ist die Gatt-Offerte loten und rechtzeitig Klarheit zu schaffen. Wenn ein Bundesrat
der Schweiz akzeptabel? in Paris verlangt, dass über das Blair-House-Abkommen neu
Wir haben im Laufe der letzten Jahre Forderungen aufgestellt, verhandelt werden müsse, mag das die französischen Bauern
um das Gatt sozial und ökologisch zu verpflichten. Dabei ha- freuen; mir kommt es aber eher vor wie ein Witz von der Maus
ben wir uns von folgenden vier Thesen leiten lassen: und dem Elefanten.
1. Nahrungsmittel haben eine andere Qualität als übrige Han- Sollte das Gatt-Abkommen der Uruguay-Runde nicht zu-
delsgüter. Freier Handel für Grundnahrungsmittel kann kein stande kommen oder in der Schweiz in einer Referendumsab-
Ziel sein; wenn schon Handel, dann fairer statt freier Handel. stimmung abgelehnt werden, dürfte - auch das ist nicht weg-
Die einseitige Ausrichtung der Bodennutzung auf kurz- und zudiskutieren - die Schweizer Landwirtschaft vom Regen in
mittelfristige Gewinne führte und führt zu Ueber- und Unternut- die Traufe kommen.
zung. Ein Viertel der landwirtschaftlichen Nutzfläche der Erde Der Bundesrat wird noch viel Aufklärungsarbeit leisten müs-
gilt heute bereits als geschädigt- mit düsteren Aussichten auf sen. Die Broschüre einer Bundesratspartei mit dem Titel «Gatt
die langfristige Ernährungssicherheit der Erdbevölkerung. klapp und klirr» - Entschuldigung: «Gatt klipp und klar» - ge-
Die «green box» lässt nach Zusicherung des Bundesrates öko- nügt dazu sicher nicht
logische, produktionsunabhängige Direktzahlungen zu. Das
ist ein Verhandlungserfolg, der möglicherweise sogar der M. Spielmann: Le Gatt - l'Accord général sur les tarifs doua-
Schweiz zuzuschreiben ist niers et le commerce - est né en 1947 avec, pour domaine
2. Jedes Land soll für seine Inlandproduktion seinen eigenen d'application, le commerce des marchandises. Depuis 1986,
Agrarschutz aufrechterhalten können. Wir akzeptieren, dass après les négociations de l'Uruguay Round, on veut étendre
dies einheitlich mittels Zöllen gemacht werden soll. Die gene- son domaine d'application au commerce des services, c'est-
relle Tarifizierung, also die Umwandlung sämtlicher nichttarifä- à-dire aux opérations financières d'assurance, aux transports,
rer Handelshemmnisse in Zölle, ist richtig, weil die Offenle- aux voyages, à la communication, aux loisirs, à l'audiovisuel et
gung der handelsrelevanten Vorschriften zu mehr Transpa- à la culture.
renz führt. Das heisst noch nicht, dass wir dann den vollständi- On justifie cette revendication de l'élargissement de son do-
gen Abbau der Zölle akzeptieren würden. maine d'application parce que le commerce des services, très
3. Energie und Ressourcen sollten weltweit durch Steuern faible en 1947, représente aujourd'hui plus de 35 pour cent
oder Lenkungsabgaben wesentlich verteuert werden. Wenn des transactions mondiales. Il réclame pour ces services l'ap-
alle Menschen dieser Welt den USA-Standard im Energiever- plication des principes qui régissent le commerce des mar-
schleiss beanspruchen würden, wären die heute bekannten chandises: la clause de la nation la plus favorisée, la clause du
Reserven bekanntlich innert weniger Jahre erschöpft Höhere traitement national, l'accès au marché, la libéralisation et la
Energiepreise würden einen anständigen Distanzschutz ent- transparence des échanges.
stehen lassen. «Radiesli» aus Südafrika wären dann nicht C'est donc à ce domaine plus particulièrement culturel que je
mehr wettbewerbsfähig. Leider finden sich darüber keine Be- voudrais consacrer les quelques minutes que j'ai à cette tri-
stimmungen im Gatt. bune.
4. Die Weltmarktpreise sind manipulierte Preise, also Dum- Si le Gatt considère la culture, l'audiovisuel, comme des servi-
pingpreise. Viele Anbieter und Produzenten sind abhängig ces, des objets de commerce devant être traités comme des
von wenigen Nachfragen, also eine klassische Monopolsitua- marchandises, c'est, à mon avis, oublier qu'il y a deux types de
tion. Als Beispiel sei das am Getreide illustriert: Es sind gerade services: les services marchands et les services non mar-
noch sieben Welthandelsfirmen, die den Weltgetreidemarkt chands. Ces derniers sont d'intérêt général, collectif, mais ne
unter sich aufteilen. Die Staaten, welche Weizen exportieren, relèvent pas de l'économie générale. Ils sont partie intégrante
insbesondere die USA, werden ihre Weizenüberschüsse of- d'une économie où interviennent souvent des subventions,
fenbar nur noch mit massiven Exportsubventionen los. Der des péréquations tarifaires, des gestions sociales tendant à
manipulierte Welthandelspreis für Getreide liegt bei 10 corriger les inégalités, des objectifs de maîtrise, par exemple
bis 20 Franken pro Zentner. Der subventionierte Getreidepreis celle du réseau des télécommunications ou des réseaux de
in der Schweiz beträgt etwa 100 Franken pro Zentner; er ist distribution cinématographique. Ce n'est donc pas au Gatt de
also fünf-bis zehnmal höher. régler le monde culturel, qui deviendrait ainsi un monde de
Das Gatt verbietet im Prinzip Exportsubventionen; das scheint best-sellers sans créativité. Qu'on ne nous parle pas de notre
uns richtig und wichtig. Aber gerade hier muss sich die refus d'une défense corporative: l'écriture, l'image, la pein-
Schweiz wohl selber an der Nase nehmen: «Was du nicht ture, la musique ne sont pas des corporations, ce sont des di-
willst, das man dirtu', das füg' auch keinem ändern zu.» mensions de la vie, et la vie n'est pas une corporation.
Der Schweizer Emmentaler Käse ist ein Dumpingprodukt par C'est dans cet esprit que je voudrais demander au Conseil fé-
excellence. Wenn wir jährlich über 500 Millionen Franken Ex- déral de prendre une position très claire et de ne pas en rester
portsubventionen für unseren grosslöcherigen Hartkäse be- à ces limites, c'est-à-dire une approche où la culture sera do-
4. Oktober 1993 N 1801 Gatt. Interpellationen
minée par le marché, et demander que l'on construise un nou- meilleur compte, on en verrait beaucoup qui seraient plus per-
vel espace public international pour la culture en dehors du formants, plus incisifs, plus conquérants de marchés exté-
Gatt, dans lequel pourrait intervenir sous des formes nouvelles rieurs. L'Etat a sans doute trop protégé les paysans, comme il
et créatrices un nouvel espace public construit autour de la avait jadis trop protégé l'horlogerie, en les mettant, de ce fait,
responsabilité et qui se nourrirait du mouvement critique où se trop sous tutelle. En les protégeant moins, libéralisera-t-on
croiseraient et s'enrichiraient les démarches artistiques, socia- leur régime, afin d'avoir moins, finalement, à les assister.
les, humaines, de connaissance, éthiques, individuelles et in- En conclusion, le groupe libéral appuie le Conseil fédéral et
dustrielles. ses diplomates dans leurs efforts, afin qu'aboutisse l'Uruguay
Il s'agit donc, dans cette perspective, détenir un nouveau dis- Round. Et les libéraux mettent tout cela en relation avec l'effort
cours, d'en finir avec le volet culturel, bien sûr, et de faire en intérieur, extrêmement nécessaire, de libéralisation de l'éco-
sorte que le Gatt laisse se poursuivre, dans ses terrains de pré- nomie en vue de la relance.
dilection, des activités aussi importantes que le Fonds moné-
taire international, la gestion de la Banque mondiale ou le suivi Frau Bäumlin: Die Uruguay-Runde des Gatt entpuppt sich je
de la Conférence de Rio. Mais il faut que les pratiques et la länger, je mehr als eine Quadratur des Kreises, ja man könnte
perspective culturelles fassent l'objet d'un autre type de ré- geradezu von einer Quadratur des Globus sprechen: Ihre drei
flexion et de travail de la part des intellectuels, des artistes, des Hauptziele -Abbau des Zollprotektionismus, Aufbau von Mo-
chercheurs et des juristes chargés préparer et d'élaborer des nopolrecht beim geistigen Eigentum, Verquickung von Gatt
propositions concrètes définissant les contours de la vie dé- und Bretton-Woods-lnstitutionen - widersprechen sich ge-
mocratique à tous les niveaux. C'est ce que nous voulons genseitig fundamental. Das tun sie - und das ist die für mich
créer, ce nouvel espace international, et c'est ce qui a été dé- entscheidende Dimension - vor allem auf Kosten der Südhe-
fini et discuté déjà. C'est dans ce sens que je souhaiterais que misphäre.
le Conseil fédéral représente notre pays dans l'institution du Die schwächeren Partner in dieser undemokratischen und in-
Gatt. transparenten Verhandlungsrunde sassen entsprechend im-
mer am kürzeren Hebel. Wegen ihrer differierenden Interessen
M. Eggly: En cinq minutes, que dire de vraiment important? wurden sie auch gegeneinander ausgespielt. Die Wirtschafts-
Le groupe libéral insiste depuis le début sur l'importance des grossmächte machten das Rennen. Die Umwelt, die traditio-
négociations du Gatt. Pour un pays comme la Suisse, dont un nelle Landwirtschaft, die kleinräumigen Gewerbe werden den
franc sur deux se gagne dans les échanges extérieurs, les né- Weltwirtschaftsaufschwung, den Mr. Sutherland letzthin von
gociations du Gatt sont évidemment primordiales. Davantage den IWF-Ländern als Beweis ihrer Führungsqualität verlangt
que pour d'autres pays, un échec de la libéralisation mon- hat, letztlich bezahlen müssen.
diale, un retour au protectionnisme seraient hautement dom- «Die das Gatt klar dominierenden Industrieländer sichern sich
mageables. Au moment des négociations sur l'Espace écono- in der Uruguay-Runde die künftigen Märkte, so dass die globa-
mique européen, nous avons dit et répété que, dans notre vi- len Ungleichgewichte weiter verstärkt werden.» Das ist ein Zi-
sion, l'Europe ne devait pas être une Europe forteresse, avec tat aus dem SPS-Wirtschaftskonzept Damit ist belegt, dass im
une barrière, mais un point d'appui pour une mondialisation Nord-Süd-Verhältnis nichts Neues passiert ist Um so erstaun-
des échanges. Pour la Suisse, avec le coup d'arrêt européen licher ist die Aussage des Bundesrates in der Antwort auf die
de surcroît, la réussite de l'Uruguay Round est pressante et Interpellation Darbellay, er sehe bezüglich der Uruguay-
prioritaire; nous en sommes convaincus. Les libéraux Runde keinen Handlungsbedarf in entwicklungspolitischer
aimeraient encore croire à un déblocage favorable à la fin de Hinsicht. Auch soll eine Folgeabschätzung zwar vor der Unter-
l'année. zeichnung der Schlussakte, aber eben erst nach Verhand-
Nous sommes conscients qu'il faudrait que cela donne des lungsabschluss vorgelegt werden.
atouts supplémentaires aux pays en voie de développement. Kann der Bundesrat den Verdacht entkräften, dass die Katze
Il en va aussi, on le voit bien, d'un intérêt de stabilité politique erst aus dem Sack gelassen wird, wenn der technologiestarke
général, lequel concerne autant la Suisse que les autres, sans Norden und seine Multis vertraglich erreicht haben, was sie er-
parler de la dimension éthique de la question. Et nous pen- reichen wollen, nämlich Investitions-, Dienstleistungs- und
sons aussi, dans le cadre du Gatt naturellement, aux pays Produktionsbedingungen nach ihrem Gusto?
d'Europe centrale et de l'Est Die längeren Uebergangsfristen für die Entwicklungsländer
Mais il y a l'agriculture, un domaine qui ne peut pas être assi- sind dagegen ein sehr schwacher Trost Der folgenschwerste
milé complètement aux autres. Le lien avec un territoire donné Bereich der ganzen Uruguay-Runde sind für die Entwick-
des paysans, la nécessité d'une part d'autoapprovisionne- lungsländer die Trips-Verträge, übt doch der Norden massi-
ment, le fait que l'agriculture représente une base de sécurité, ven Druck auf den Süden aus, die Patentregelungen der Indu-
l'équilibre sociologique d'un pays qui est important, tout cela strieländer zu übernehmen. Das Gatt soll zum Patent-Weltpoli-
doit donc évidemment nous faire considérer le cas de l'agri- zisten werden und die Souveränität der sich industrialisieren-
culture comme un cas particulier. den Entwicklungsländer brechen.
Toutefois, Monsieur le Conseiller fédéral, nous savons bien Die Patentregel des Dunkel-Entwurfes, die der Bundesrat an-
que l'agriculture n'aurait rien à gagner d'un blocage général à scheinend übernommen hat, ist eine schreckliche Bedrohung
cause d'elle. Certes, nous regardons la position française für die ärmsten Entwicklungsländer. Alles ist patentierbar -
avec sympathie, dans le bras de fer qui oppose la France aux auch Lebewesen. Die USA patentieren unterdessen bereits
Etats-Unis. Nous voyons bien que l'Union suisse des paysans menschliche Gene! Ausnahmen können zwar gemacht wer-
se demande maintenant si la carte européenne, après tout, la den, z. B. aus ethischen Gründen, aber diese Ausnahmen
carte communautaire, ne serait pas la meilleure sauvegarde sind entwicklungsfeindlich und haben Einbussen im Techno-
contre, notamment, les surplus américains. logietransfer zur Folge. Pflanzensorten müssen unter ein spe-
Toutefois, les libéraux sont persuadés que l'agriculture ne zielles Schutzsystem gestellt werden, das erst noch nach vier
peut pas échapper à l'esprit du Gatt, à l'idée de la concurrence Jahren überprüft und aberkannt werden kann. Da heisst es für
et des marchés ouverts. Il est logique, par conséquent, que la die Entwicklungsländer: Vogel friss oder stirb!
soupape de sûreté d'une évolution vers la libéralisation com- Anfang März 1993 nahmen über 200 000 indische Bäuerinnen
prenant l'agriculture soit ce système des paiements directs und Bauern an einer Protestkundgebung in Neu-Delhi teil und
compensatoires par rapport à la dure loi du marché. forderten ihre Regierung auf, den Gatt-Vertrag, der die Paten-
Ce n'est pas très satisfaisant, Monsieur le Conseiller fédéral, tierung von Samen und Pflanzen vorsieht, zurückzuweisen.
aux yeux des libéraux. C'est un peu par résignation que nous Diese ärmste Bevölkerungsschicht Indiens befürchtet, sonst
nous laissons emmener sur cette piste. D'ailleurs, si l'on avait ihre Rechte auf eigenes Saatgut und damit ihre Ernährungsba-
moins embêté les paysans par mille chicanes, par mille sis zu verlieren.
contraintes, par mille limites, s'ils avaient pu, par exemple, Die gleiche Schweiz, die in der Patentierungsfrage zuvorderst
s'équiper plus librement en machines et de toutes les maniè- mit den USA marschiert, unterstützt Indien als Schwerpunkt-
res, y compris sur les marchés étrangers, à meilleur prix et à land der Entwicklungszusammenarbeit. Was hat nun Vorrang:
Gatt. Interpellations 1802 4 octobre 1993
die 1976 ins Gesetz geschriebenen Prinzipien der Entwick- Jaeger: In der Interpellation der christlichdemokratischen
lungszusammenarbeit oder die von der Spitzentechnologie Fraktion wird der Bundesrat aufgefordert, seine Verhand-
und auch vom Bund gepushte Patentpolitik? lungsposition nochmals grundsätzlich zu überprüfen. Das ist
Warum hat der Bundesrat die entwicklungspolitischen Grund- ein gewaltiges Wort und sehr locker ausgesprochen. Ich frage
sätze in der Uruguay-Runde bisher nicht offensiver vertreten mich nur, warum und wie er denn seine Verhandlungsposition
und die für die Entwicklungsländer überlebensnotwendigen neu überdenken soll. Sind neue Fakten da?
Verhandlungsspielräume nicht besser genutzt? Ist er bereit, Richtig, ja, es sind neue Fakten da - und zwar haben wir zum
das in letzter Minute noch nachzuholen? Oder: Wann gibt der EWR nein gesagt. Das wird uns natürlich noch mehr nötigen,
Bundesrat wenigstens das Mandat für die nächste Verhand- uns bei diesen Verhandlungen kooperativ zu verhalten. Es ist
lungsrunde, in der er sich dann hoffentlich offensiver einset- wahrscheinlich kaum möglich, etwas anderes zu tun als das,
zen wird, bekannt? was der Bundesrat tut. Und wenn er schon seine Verhand-
lungsposition zu überprüfen hat, so ist das für ihn sicher eine
Wanner: Zwei Voraussetzungen sind klar und weitgehend Daueraufgabe. Er wird das ohnehin und immer tun. Die Forde-
nicht bestritten: die hohe Bedeutung des Gatt-Abkommensfür rung der christlichdemokratischen Fraktion bleibt Rhetorik.
unsere Wirtschaft und die Tatsache, dass Wirtschaft letztlich Aus der gleichen Interpellation geht auch das Dilemma zwi-
nur als Ganzes betrachtet werden kann und somit die Land- schen der Notwendigkeit einer offenen und zuverlässig gere-
wirtschaft Bestandteil dieser Wirtschaft ist Deshalb scheint mir gelten Weltmarktorganisation auf dereinen Seite und der Not-
der Moment gekommen, in der jetzigen Schlussphase der wendigkeit eines Schutzes der binnenwirtschaftlichen Berei-
Uruguay-Runde pragmatische Schritte auf dem innenpoliti- che auf der anderen Seite hervor. Das ist ein durchaus ernst zu
schen Parkett zu unternehmen, soweit das von der Sache her nehmendes Dilemma. Es ist ein Dilemma, das uns Sorge be-
richtig und von den Voraussetzungen her möglich ist. Es reiten muss, aber trotzdem gilt es auch hier, die Fakten etwas
macht heute keinen Sinn mehr, das Gatt-Abkommen als Gan- zu relativieren und -vor allem-sie nüchtern zu betrachten.
zes zu bekämpfen. Nicht die Grobschlosserei, sondern die Zunächst zum Umweltschutz, der ja in der besagten Interpella-
Feinmechanikerarbeit ist zum jetzigen Zeitpunkt gefragt. tion auch angesprochen ist. Das Gatt - das muss ganz klar ge-
Es gibt verschiedene Gründe, wieso heute der erfolgreiche sagt sein - hat nichts, aber auch gar nichts gegen die Lösung
Abschluss des Gatt-Abkommens noch wichtiger geworden von länderspezifischen Umweltschutzproblemen nach dem
ist, als dies vor zwei oder drei Jahren der Fall war. Obwohl ein Inlandprinzip. Diesbezügliche Befürchtungen sind in diesem
EWR-Beitritt ein Gatt-Abkommen nicht ersetzt hätte, ist nach Zusammenhang fehl am Platz.
dem Nein vom 6. Dezember 1992 der Druck betreffend Gatt- Frau Bäumlin hat vorhin etwas zur Lage der Entwicklungslän-
Abkommen gewachsen. Es kommt dazu, dass sich die bilate- der gesagt. Ich habe durchaus Verständnis, wenn sie hier ge-
ralen Verhandlungen unseres Landes mit der EG - minde- wisse historisch tradierte Vorbehalte gegenüber dem Gatt und
stens teilweise - in der Sackgasse befinden. der Welthandelsliberalisierung vorbringt. Aber es muss natür-
Selbstverständlich ist es für die Landwirtschaft nach wie vor lich auch ganz klar gesehen werden, dass die Position der Ent-
richtig und erwünscht, das herauszuholen, was möglich ist wicklungsländer gerade bei der Uruguay-Runde eine sehr mit-
Dennoch: Zum jetzigen Zeitpunkt sind drei Punkte nicht nur bestimmende war. Es muss, nüchtern gesehen, eingestanden
der Erwähnung wert, sondern hier muss der Bundesrat sein werden, dass hier gewisse Vorteile zugunsten der Position der
ganzes politisches Gewicht einbringen, damit Verbesserun- Entwicklungsländer geschaffen werden konnten, gerade
gen erzielt werden können. auch dank der veränderten Haltung der grossen, der wirt-
1. Zur Schutzklausel: Es ist es nicht annehmbar, dass zusätzli- schaftsmächtigen Blöcke in den Verhandlungen. Denken Sie
che Massnahmen an der Grenze in bezug auf die Tarifizierung nur etwa an die Uebergangsfristen.
erst dann möglich sind, wenn die Importe 125 Prozent der Re- Auch was die Agrarpolitik anbelangt, wären da einige Dinge
ferenzperiode erreichen. Das könnte im Extremfall dazu füh- richtigzustellen, hätte man die Zeit dazu. Denken Sie etwa an
ren, dass die inländische Produktion in einzelnen Bereichen die Direktzahlungen: Die Direktzahlungen gemäss Artikel 31 a
nicht nur gedrosselt, sondern weitgehend auf ein absolutes und 31 b Landwirtschaftsgesetz sind notifizierbar im Sinne der
Minimum und auf ein wirtschaftlich nicht mehr sinnvolles Mass grünen Kategorie und damit Gatt-konform. Die nichtökonomi-
reduziert wird. schen Ziele können also mit der Uruguay-Runde durchaus
2. Zur Frage der Tarifizierung respektive des Aufschubes: Im realisiert werden.
Gegensatz zu den Herren Hämmerle und Baumann bin ich der Denken wir daran: Die Uruguay-Runde ist ein «single
Meinung, dass wir in den letzten Jahren richtige und erfolgrei- package», wir können nicht einzelne Optionen herausneh-
che Schritte unternommen haben, um unsere Landwirt- men. Unser Verhandlungsspielraum ist relativ eng. Wir müs-
schaftspolitik zu reformieren. Mehr Markt ist gefragt, das ist sen uns im klaren sein, dass es um Ziele geht, die unsere
richtig. Aber auf der anderen Seite könnten diese Bemühun- kleine, offene Volkswirtschaft im Zentrum interessieren. Den-
gen durch einen raschen und zum Teil sogar unkontrollierba- ken Sie an die Erleichterung des Marktzugangs in für die
ren Abbau der jetzt bestehenden Massnahmen an der Grenze Schweiz wichtigen Bereichen wie Pharmazeutika und chemi-
gefährdet oder unterlaufen werden. sche Produkte; an die Einbeziehung des Immaterialgüter-
3. Die Frage der «green box»: Es ist anzuerkennen, dass hier schutzes und die Erhöhung der Rechtssicherheit für Direktin-
wesentliche Fortschritte erzielt worden sind. Es ist aber, Herr vestitionen im Ausland; an die Erleichterung der Marktzu-
Bundesrat, dennoch erwünscht und meiner Meinung nach gangsbedingungen für Dienstleistungserbringer.
wichtig und machbar, hier weiteren Druck auszuüben, damit Das alles sind Dinge, die für unsere Volkswirtschaft natürlich
möglichst viele Massnahmen in diese «green box» übernom- von ganz grosser Bedeutung sind. Dass der Agrarhandel in
men werden können und somit nicht den Abbauverpflichtun- der Uruguay-Runde gegen den Industriehandel ausgespielt
gen des Gatt-Abkommens unterstehen. Mir scheint es gerade wird, ist eine Tatsache, an der auch die Schweiz nicht vorbei-
zum heutigen Zeitpunkt wichtig, dassdieErhaltungder Produk- kommt. Und trotzdem gibt es für die Schweiz, auf lange Sicht
tionsanteile unserer Landwirtschaft vorangetrieben wird. Eine gesehen, auf jeden Fall keine Alternative zu diesem Abkom-
Landwirtschaft - das wissen Sie gut genug -, die letztlich nur men, zu dieser Verhandlungsrunde. Ich würde sogar sagen,
noch auf Direktzahlungen angewiesen ist, kann ihre Aufgabe ein Scheitern der Uruguay-Runde wäre kein Grund zur Scha-
nicht erfüllen und vor allem am Markt nicht mehr bestehen. denfreude. Im Gegenteil: Ein Scheitern der Uruguay-Runde
Wir sind zurzeit - das ist an und für sich richtig und verständ- könnte sich - gerade nach dem EWR-Nein der Schweiz - auf
lich - im Begriff, zusätzliche Sparmassnahmen anzuordnen. unsere Volkswirtschaft sogar sehr nachteilig, wenn nicht ver-
Aber Sie können die Landwirtschaft nicht der Scherenbewe- heerend auswirken.
gung aussetzen, auf der einen Seite die Verluste durch das Ich möchte Sie deshalb bitten, dieser Sache etwas nüchterner
Gatt-Abkommen in Kauf zu nehmen und auf der anderen Seite und positiver gegenüberzustehen und nicht einfach immer
aus innen- oder vor allem finanzpolitischen Gründen in zwei nur das Negative zu sehen.
Bereichen der Agrarpolitik, die Gatt-konform sind, zusätzli-
chen Kürzungen zu unterliegen.
4. Oktober 1993 N 1803 Gatt. Interpellationen
Moser: Die Auto-Partei hat in der EWR-Diskussion das Gatt Bedenken Sie auch, dass unsere Sozialwerke nur aufrechter-
immer klar als Schutz vor allfälligen EG-Repressalien ins Feld halten werden können, wenn wir auch bereit sind, die Rah-
geführt. Hauptzielsetzung des Gatt ist es, wettbewerbsverzer- menbedingungen für eine gesunde und weltoffene Wirtschaft
rende Mechanismen abzubauen, wirtschaftliche Handels- zu verbessern. Das Gatt kann diesen Beitrag leisten, und der
sanktionen zu verhindern und damit eine Wohlstandsförde- Standort Schweiz kann nach dem Abschluss der Uruguay-
rung zu erreichen. Es sind genau diejenigen Rahmenbedin- Runde wieder aufgewertet werden. Das Tor zu einem freien
gungen angesprochen, welche ein kleines, exportorientiertes Welthandel ist geöffnet.
Land dringend braucht Demzufolge ist es klar, dass wir dieses
Sicherheitsnetz für die Schweiz im internationalen Welthandel Hess Peter: Herr Moser von der Auto-Partei, Sie reklamieren
als unverzichtbares System aufrechterhalten und ausbauen für sich profundes Gatt-Wissen. Sie müssten eigentlich wis-
wollen. sen, dass die Schlussverhandlungen im Zusammenhang mit
Warum die CVP-Fraktion gerade jetzt eine dringliche Interpel- diesem Abkommen noch nicht stattgefunden haben. Sie kom-
lation zu den Gatt-Verhandlungen eingebracht hat, ist uns völ- men doch nur dazu, die Frage nach dem Zeitpunkt der Einrei-
lig schleierhaft, denn die sogenannte Uruguay-Runde steht chung dieser dringlichen Interpellation zu stellen, weil Sie den
praktisch vor dem Abschluss. Die heutige Debatte ändert am Gatt-Mechanismus nicht verstehen.
Ausgang dieser Verhandlungen rein gar nichts. Vielleicht kann Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, die Dossiers nochmals zu öff-
uns ein Exponent der CVP-Fraktion erklären, warum es dieser nen und die Fragen, die wir dem Bundesrat gestellt haben, zu
erst heute einfällt, eine Diskussion über bereits verhandelte beantworten. In zwei, drei Monaten wird es vielleicht zu spät
und abgehakte Themen in dieser Runde zu verlangen. sein. Aber vielleicht stellen Sie sich auch einmal hin und stu-
Die von der CVP-Fraktion aufgeführten Forderungen an die dieren den Gatt-Mechanismus; dann werden wir sehen, wer
Verhandlungsdelegation sind geradezu lächerlich! Was glau- hier wirklich mit der Sache vertraut ist.
ben Sie denn, welchen Stellenwert die Schweiz unter den
Gatt-Verhandlungspartnern einnimmt? Sie wollen laut Ihrer In- Frau Misteli: Ich werde mich kurz zum Verhandlungsprozess
terpellation umweltschutzpolitische Anliegen klar den han- und zur Auswirkung auf die Zusammenarbeit mit den Entwick-
delspolitischen Interessen überordnen, und Sie verlangen lungsländern äussern.
auch noch einen «Heimatschutz» für die schweizerische Milch- In einem Interview sagte der neue Gatt-Generaldirektor Peter
wirtschaft. Sutherland, dass die Konsequenzen eines Fehlschlages für
Meine Damen und Herren der CVP-Fraktion: Dieses sektori- die Schweiz, welche ausserhalb der grossen Wirtschafts-
elle Denken ist erschreckend. Das Gatt und die Verhandlun- blöcke steht, aber jeden zweiten Franken im Export mit diesen
gen der Uruguay-Runde befassen sich mit allen Wirtschafts- verdient, sehr einschneidend wären. Die grüne Fraktion ist
bereichen. Der Bereich der Landwirtschaftsverhandlungen ebenfalls der Meinung, dass es ein internationales Handelsab-
macht lediglich etwa einen Fünfzehntel der Verhandlungen kommen braucht, doch haben wir hinsichtlich des Gatt-
aus. Abkommens, wie es vielleicht Mitte Dezember unterzeichnet
Ein Verbot von wettbewerbsverzerrenden Subventionen ist für werden soll, einige Fragen, auch Zweifel.
die Schaffung einer gesunden und freien Marktwirtschaft uner- Im Zusammenhang mit dem Abkommen wird immer wieder
lässlich. Damit kommen wir zum springenden Punkt: Für die von mehr Transparenz gesprochen, doch der Verhandlungs-
Schweiz als Industriestaat wird es unumgänglich sein, unse- prozess selbst ist alles andere als transparent oder demokra-
ren Agrarmarkt zu öffnen, wenn wir - umgekehrt! - unsere In- tisch. Wieder einmal wird vom Bundesrat ein für uns und un-
dustriegüter und Dienstleistungen weiterhin in alle Welt ver- sere Wirtschaft entscheidendes Abkommen unterschrieben,
kaufen wollen. Es ist völlig unbestritten: Wenn die Schweiz ge- welches offiziell in seinem Wortlaut nicht bekannt ist. Diskus-
samthaft verbesserte Exportbedingungen erhalten will, muss sionen wie die heutige kommen ein wenig zu spät. Das Parla-
sie auch Gegenleistungen erbringen. Gratiskäse gibt es nur in ment hätte die Leitplanken für die Delegation früher festlegen
der Mausefalle! müssen und die Bevölkerung über die Notwendigkeit dieses
Bedenkt man, dass das Gatt mit seinen über 110 Mitgliedstaa- internationalen Handelsvertrages laufend informieren und die
ten 90 Prozent des gesamten Welthandels abdeckt, dann Diskussion darüber in die Wege leiten sollen.
muss auch dem letzten Schweizer und der letzten Schweizerin Ein weiterer Aspekt: Den Entwicklungsländern gehen entspre-
die Bedeutung dieses Systems deutlich werden. Ein Abseits- chend einer Auflistung des UNDP, des Entwicklungsprogram-
stehen gibt es für uns nicht! Das Gatt bietet internationale mes der Vereinten Nationen, 500 Milliarden Dollar im Jahr auf-
Rechtssicherheit und ist gerade für ein kleines Land wie die grund des heutigen Protektionismus im Welthandel verloren.
Schweiz von vitalster Bedeutung. Die Forderungen, die die EG Das Gatt schätzt diesen Verlust auf etwa 100 Milliarden US-
in den bilateralen Verhandlungen gegenüber der Schweiz Dollar im Jahr. Die Wirklichkeit wird zwischendrin liegen. Wirt-
jüngst gestellt hat, zeigen deutlich, wie es ist und wie mit ei- schaftsexperten zufolge würde die Ausdehnung des Freihan-
nem kleinen Land umgesprungen wird, wenn ein entspre- dels mit der siebenten Gatt-Runde ein zusätzliches Welthan-
chendes multilaterales Handelssystem fehlt. delsvolumen bis zu 200 Milliarden US-Dollar entstehen las-
Die Auto-Partei hofft, dass die Uruguay-Runde möglichst bald sen. Die Schlussfolgerung, dass die Entwicklungsländer ge-
abgeschlossen sein wird, denn damit werden auch Zollreduk- winnen würden, liegt nahe. Doch werden es nur einige der
tionen von durchschnittlich einem Drittel ermöglicht Dieser Drittweltländer sein, vor allem in Asien; die ärmeren Entwick-
Zollabbau bedeutet für die Schweiz eine Erleichterung des Zu- lungsländer können nicht mitreden.
gangs zu besonders wichtigen Märkten, wie dies die USA, Ja- Im Gatt verhandeln vor allem die wirtschaftsmächtigen Län-
pan, Kanada und verschiedene Entwicklungsländer sind. Zu- der, wie wir es gerade in letzter Zeit bei den Blair-House-Ver-
dem bekommen wir für die Inlandproduktion Rohstoffe aus handlungen mitverfolgen konnten. Diese Verhandlungen wer-
dem Ausland zu verbilligten Preisen. Andererseits ist eine Li- den enorme Folgen für die Drittweltländer haben.
beralisierung im öffentlichen Beschaffungswesen heute nicht Grosse Auswirkungen auf die wirtschaftlichen Möglichkeiten
mehr zu verhindern. Wir sind jedoch überzeugt, dass der be- der Drittweltländer werden die handelsbezogenen Aspekte
troffene Wirtschaftssektor durch die wesentlich bessere Pro- der Schutzrechte für geistiges Eigentum, abgekürzt Trips,
duktivität und Qualität im Vergleich zum Ausland nach wie vor haben.
wettbewerbsfähig sein wird. Das Gatt-Sekretariat und allen voran die USA, die Schweiz, die
Ich möchte nicht vergessen zu erwähnen, dass wir von einem EG und Japan - also die grossen Wirtschaftsmächte - stellen
Werk sprechen, von dessen Abschluss der Wohlstand der sich auf den Standpunkt, dass fehlender Patentschutz wie ein
Schweizer Bevölkerung abhängt. Dieses Werk ist lebenswich- nichttarifarisches Handelshemmnis behandelt werden soll.
tig und unterscheidet sich vollständig vom protektionistischen Fehlender Patentschutz müsste dann nach den Gatt-Regeln
und meines Erachtens unwürdigen EWR-Abkommen. Wir alle, mit Handelssanktionen bestraft werden.
Handel, Gewerbe, Industrie und Landwirtschaft, sitzen im glei- Hier kommen die neuen Bio- und Gentechniken ins Spiel;
chen Boot, und wir können uns kein sektorielles Denken lei- selbstverständlich werden im Gatt auch lebende Materie und
sten, wie es in einigen Vorstössen zum Ausdruck kommt. biotechnische Erfindungen als patentierbar betrachtet und
Gatt Interpellations 1804 N 4 octobre 1993
sollen in die Gatt-Regeln einbezogen werden. Denn als Vor- Der ganze Gatt-Prozess, welcher seit 1947 andauert, ist Teil ei-
bild gilt das Patentsystem der USA, wo Pflanzen, Tiere, Zellen ner Strategie, die zu einer zentral gelenkten Weltwirtschafts-
und Gene patentierbar sind. Die Schweiz vertritt mit den USA ordnung führen soll. Eines ist voraussehbar: Statt der ge-
diese Position. wünschten Deregulierung und Oeffnung der Märkte wird ein
Bei diesen Patentierungen zahlen wir dann mit unseren Ent- noch höherer babylonischer Verwaltungsturm als jener in
wicklungshilfegeldern unseren Chemiefirmen die Lizenzen für Brüssel entstehen, und die Vorschriften und Richtlinien wer-
die Drittweltbauern. Die grüne Fraktion und ich finden aber, den nicht 17 Ordner, sondern 7mal 17 Ordner füllen.
dass sich der Bundesrat schon bei den Verhandlungen stärker Ein letzter Gedanke: Wer immerdie Macht überdie Versorgung
für die Entwicklungsländer einsetzen sollte und nicht nachher der Menschenmassen mit Nahrung haben wird, wird auch poli-
reparativ-sozusagen als Sozialarbeit- mit den Entwicklungs- tische Macht ausüben und diese notfalls durch Erpressung er-
hilfegeldern die Sache wieder zurechtbiegen sollte. zwingen können. An den Gatt-Verhandlungstischen sitzen
Ich bitte den Bundesrat, sich in den weiteren Verhandlungen nicht nur Philanthropen, sondern knallharte Interessenvertre-
dafür einzusetzen. ter, die je nach Ausgang der Verhandlungen ihren Auftragge-
bern keine, kleineoderRiesengewinneermöglichen. Wenn Mil-
Steifen: Die SD/Lega-Fraktion begrüsst es, dass der Bundes- lionen Tonnen Güter von Kontinent zu Kontinent über Welt-
rat mit der Dringlicherklärung der Interpellation «Gatt-Ver- meere verschoben werden dürfen, gibt es immer ein paar ganz
handlungen. Oekologische und soziale Interessen» aufgefor- Grosse, die die Sache in ihren Händen halten.
dert ist, vor Abschluss der Uruguay-Runde des Gatt Erklärun- Herr Bundesrat Delamuraz, unsere Fraktion erwartet mit Inter-
gen zu seiner Verhandlungsposition und zu seinen Absichten esse Ihre Erläuterungen, insbesondere in bezug auf die Inter-
abzugeben. Dies interessiert uns um so mehr, als bis zum pellation der christlichdemokratischen Fraktion; dieser Text ist
15. Dezember dieses Jahres ein Schlusspaket vorliegen unserer Ansicht nach ein politisch schwer zu lösender gordi-
muss, welches 26 Abkommen enthalten wird, die von den teil- scher Knoten.
nehmenden Staaten als Gesamtes zu übernehmen wären. Die
Zeit des Rosinenpickens in Form von individuellen Vertrags- Vollmer: Es ist zwar nur ein kleiner Trost, wenn wir jetzt an-
abkommen für Gatt-Mitglieder, wie sie bei der Tokio-Runde stelle der verpassten Europadebatte hier wenigstens zur wich-
noch möglich waren, wird nach Abschluss der achten Ver- tigen Uruguay-Runde im Gatt diskutieren dürfen. Diese Gatt-
handlungsrunde vorbei sein. Runde ist für die Schweiz ja nicht nur aussenwirtschaftlich,
Der Wortlaut der Interpellationen Darbellay und Wyss William sondern auch in ihren Auswirkungen auf unser Land - und da-
und die bundesrätlichen Antworten machen deutlich, dass mit innenpolitisch - von grösster Bedeutung.
zwei Hauptsorgen bestehen: einerseits die Sorge, dass nicht Es könnte ja reizvoll sein, jetzt auf dem Umweg der Gatt-Pro-
alle Staaten von der angestrebten Liberalisierung der Handels- blematik doch noch die damit zusammenhängenden wichti-
beziehungen profitieren könnten, und andererseits die Sorge, gen europapolitischen Aspekte einzuflechten; denn in vielem
dass Massnahmen als Folge des Gatt-Abkommens massive sind die Problemstellungen ähnlich, respektive sie erfordern
Auswirkungen auf das Einkommen der Bauern und auf die eine analoge Antwort und ein entsprechendes innenpoliti-
Struktur der schweizerischen Landwirtschaft haben dürften. sches Handeln.
Die Antworten des Bundesrates fallen grosso modo zuver- Es scheint, dass man das jetzt auch bei den Bauern gemerkt
sichtlich aus. Dass eine volle Kompensation des allfälligen Ab- hat. Wenn man die Begründung der Interpellation Wyss Wil-
baus der produktegebundenen Stützung durch Direktzahlun- liam hier gehört hat, spürt man daraus, dass man jetzt dort of-
gen aus innen- und finanzpolitischen Gründen nicht möglich fensichtlich gemerkt hat, dass wir mit der Ablehnung des EWR
sein würde, gibt der Bundesrat gegenüber dem Interpellanten unsere Position im Gatt keineswegs verbessert haben.
Wyss William offen zu. Die Ehrlichkeit des Bundesrates ehrt Ich bin weiss Gott kein Euphoriker eines ungehemmten, die
ihn. Aber diese Tatsache verunsichert viele Bauern noch mehr. regionalen, sozialen und demokratischen Strukturen miss-
Wenn man bedenkt, dass der Tagesverdienst einer Bauernfa- achtenden Welthandels. Aber eines ist im Gatt so klar wie in
milie 1989 im Durchschnitt noch mit 181 Franken angegeben der Europafrage: Es geht nicht nur darum, zu fragen, wie gut
wurde, 1992 aber lediglich noch 113 Franken betrug, was ei- oder weniger gut eine multinationale Institution ist; es geht
ner Senkung von rund 35 Prozent entspricht, versteht man die darum, abzuschätzen, was eine Isolation sowohl für die Ent-
Sorgen unserer Bauern. Als Auswirkungen der heute vorlie- wicklung dieser Organisation wie auch für unser Land in allen
genden Gatt-Bestimmungen befürchten Bauernführer noch Aspekten bedeuten würde. Und da gibt es auch beim Gatt
tiefere Produktepreise, verringerte Produktion wegen ver- keine Zweifel: Gerade für unser Land, das aussenwirtschaft-
mehrter Importkonkurrenz und schliesslich eine Gefährdung lich so extrem verflochten ist, kann es keine Alternative geben.
der Direktzahlungen aufgrund der weiterhin überbeanspruch- Was hingegen beim Gatt not tut, ist insbesondere eine klare
ten Bundesfinanzen. schweizerische Politik, welche die absehbaren negativen Aus-
Im Schachspiel kennt man das Bauernopfer. Liest man be- wirkungen dieses Gatt mit den innenpolitischen Vorkehren mi-
stimmte Verlautbarungen, die prognostizieren, es würden in nimalisiert Und da gibt es ja im Bereiche der Landwirtschaft -
der nächsten Zeit 30 000 bis 50 000 Bauernbetriebe eingehen wir haben das gehört -, aber auch im Bereiche der Entwick-
oder - vielleicht etwas pointierter ausgedrückt - auf dem Altar lungspolitik einiges zu tun. Ohne wirksames Gegensteuer
der Exportwirtschaft geopfert, stellt sich die SD/Lega-Fraktion droht die Gefahr, dass beispielsweise verschiedene Lebens-
die Frage: Ist ein solches Bauernsterben staatspolitisch über- mittelbestimmungen durch den sogenannten Codex alimen-
haupt zu verantworten? Wir sagen: Nein! tarius ausgehöhlt werden. Wir wissen, dass sich innerhalb des
Wir fordern den Bundesrat auf, alles zu unternehmen, damit Gatt gerade die industriellen Lebensmittelhersteller massiv
dieses Horrorszenario nie Wirklichkeit wird. durchgesetzt haben.
Ein Staat, der seinen Nährstand zugrunde richtet, wird früher Vom Bundesrat ist deshalb heute zu verlangen, dass er in ei-
oder später selber untergehen. Wer weiss, wie schnell klimati- nem Bericht die möglichen Spielräume auslotet, in denen wir
sche Turbulenzen riesige Landstriche überfluten und aus- auch unter neuen Gatt-Bedingungen dafür sorgen können,
trocknen können und so Weizen-, Mais- und Reisernten im dass nicht wir als Schweiz den unerwünschten Preis des Welt-
Ausmass von vielen Millionen Tonnen zu vernichten vermö- handels zahlen müssen. Der sogenannte Welthandel ist ja auf
gen, hegt und pflegt die Landwirtschaft in kleinen Räumen. weiten Strecken alles andere als frei. Nicht nur die vorhande-
Bundesrat Brugger hat zu seiner Zeit den Selbstversorgungs- nen Marktmächte und -monopole werden dazu führen, dass
grad der Schweiz als knapp unter 50 Prozent liegend bezeich- wir keineswegs immer die schulbuchtheoretischen Segnun-
net Jetzt soll er plötzlich 65 Prozent betragen, obwohl die gen des freien Marktes verspüren werden - ganz im Gegenteil.
Wohnbevölkerung um rund 700 000 Personen zugenommen Solange die Wegekosten - weltweit noch viel weniger als bei
hat! Ich möchte von Ihnen, Herr Bundesrat Delamuraz, fol- uns-auch die sozialen und ökologischen Kosten beinhalten,
gende Frage beantwortet wissen: Welcher Professor an wel- wird das Ergebnis des Abbaus der sogenannten nichttarifären
chem Institut welcher Universität hat den Selbstversorgungs- Handelshemmnisse noch lange nicht zu einem ökonomisch
grad von 65 Prozent errechnet? vernünftigen Ergebnis führen.
4. Oktober 1993 N 1805 Gatt Interpellationen
In jedem Fall verlange ich aber vom Bundesrat, dass er- nicht davon auszunehmen und andere nicht. Nach Vertragsab-
zuletzt in Respektierung des neuen Artikels 47bis a des Ge- schluss haben die Unterzeichnerstaaten innert 18 Monaten
schäftsverkehrsgesetzes - die parlamentarische Mitwirkung den Vertrag innerstaatlich zu genehmigen und die Vereinba-
in diesem wichtigen Gatt-Bereich, auch im Hinblick auf die rungen in das nationale Recht zu übernehmen. Laut Bundes-
nächsten Abkommen, respektiert und auch ermöglicht Es verfassung untersteht dieses Abkommen dem fakultativen Re-
wäre interessant, dazu - über die schriftlichen Antworten hin- ferendum.
aus-vom Bundesrat noch etwas mehr zu hören. Bei solch umfassenden Vertragswerken gibt es auch immer
Ich war auch überrascht über die Fragen der CVP-Fraktion. Es Gewinner und Verlierer. Verliererin ist momentan ganz eindeu-
kann tatsächlich nicht mehr darum gehen, dass wir in der Uru- tig die Landwirtschaft. Sie wird durch tiefgreifende Einschrän-
guay-Runde eine neue Verhandlungsstrategie auftun. Heute kungen betroffen.
kann es noch darum gehen, dass wir die Folgen dieser Uru- Es stellt sich die Frage, ob die Schweiz zugunsten eines Gatt-
guay-Runde für unser Land mit innenpolitischen Massnah- Abschlusses den Preis von 2 bis 3 Milliarden Franken Einkom-
men abfedern, innenpolitisch eben entsprechend handeln, mensausfall in der Landwirtschaft und Marktanteilsverluste im
damit unser Land und vor allem die Bevölkerung in unserem Umfang einer Produktion von 50000 bis 100000 Hektaren
Land nicht die möglichen schädlichen Folgen dieser soge- hinnehmen soll oder ob dieser Verlust durch die Vorteile in der
nannten Liberalisierung des Welthandels tragen müssen. übrigen Wirtschaft aufgefangen werden kann.
Wir erwarten vom Bundesrat heute klarere Antworten, ein kla- Gleichzeitig werden auch Ausnahmen gefordert, so etwa beim
reres Aufzeigen der Spielräume, die er mit dem Gatt-Abkom- Abbau der internen Stützung für Milch und Zucker. Ein Haupt-
men hat, als das, was er uns in der Stellungnahme zur Interpel- anliegen der Schweiz war es, die Multifunktionalität der Land-
lation der christlichdemokratischen Fraktion dargelegt hat. wirtschaft einzubringen. Schöne Worte der Solidarität vermö-
gen uns nicht zu überzeugen. Hier wollen wir Taten sehen.
Binder: Die geschlossene SVP-Fraktion erklärt sich mit der In- Zusammenfassend halte ich folgendes fest:
terpellation Wyss William einverstanden. Auch wir vermissen 1. Mit unserem heutigen tiefen Selbstversorgungsgrad sind
eine klare Strategie, Herr Bundesrat. Allerdings könnte es wir in erster Priorität dafür, die Menge zu halten.
sein, dass Sie eine haben. Falls ja, bitten wir Sie, uns diese be- 2. Den Besonderheiten des Produktionsstandortes Schweiz
kanntzugeben. Andernfalls bitten wir Sie, raschmöglichst eine ist zwingend Rechnung zu tragen.
zu entwickeln. 3. An den zehnjährigen Fristen ist dringend festzuhalten.
Was heute über das Gatt gesprochen wird, scheint mir wichtig 4. Die Multifunktionalität einer nachhaltigen Produktion ist in
zusein, und zwar aus folgenden Gründen: den Verhandlungen vehement zu vertreten.
1. Die Oeffentlichkeit, das heisst das Volk, ist schlecht darüber 5. Die Schutzklausel muss verbessert werden. Dies ist vor al-
informiert, was das Gatt ist, was es will, was die Auswirkungen lem für die Schweiz mit einem kleinen Markt bei grossem
auf die Schweiz und was die speziellen Auswirkungen auf die Marktzutritt wichtig. Das gleiche gilt für die Friedens- und Ent-
Landwirtschaft sind. wicklungsklausel.
2. Der neue Gatt-Direktor, Peter Sutherland, will die Uruguay- 6. Der Gatt-Vertrag bedroht die bäuerlichen Familienbetriebe,
Runde, das heisst die achte Welthandelsrunde, am 15. De- die als landwirtschaftliche Betriebsform unbestritten gefordert
zember dieses Jahres zum Abschluss bringen. Dieser zeitli- werden: also hundertprozentige Kompensation des Ausfalls.
che Druck stammt zum guten Teil aus den USA, weil Präsident 7. Die Schweiz muss sich dafür einsetzen, dass Massnahmen
Clintons Mandat, das beinhaltet, dem Kongress das Gesamt- gegen Oekodumping gleichwertig behandelt werden wie
abkommen als Gesamtpaket am 15. Dezember, vorzulegen, Handelsregeln, das heisst, Massnahmen eines Staates zur
am gleichen Tag endet. Bekämpfung von Oekodumping dürfen handelspolitisch nicht
3. Im Vorfeld des Budgets 1994 bieten sich heute beste Mög- geahndet werden.
lichkeiten für alle, die Sie hier versammelt sind, Flagge zu zei-
gen, d. h., Vorschläge zu unterbreiten, wie die Schweizer Kühne: Ich gehe davon aus, dass Sie die Offenlegung meiner
Landwirtschaft nach einem allfälligen Gatt-Abschluss unter Interessenbindung von letzter Woche noch im Gedächtnis ha-
einkommensmässig vernünftigen Bedingungen weiterbeste- ben. Ich kann Ihnen nur sagen: Ich bin Milch- und Käsefach-
hen kann. mann wie viele andere in diesem Saal auch.
Die heutige Lage der Landwirtschaft erinnert stark an das «Lä- Die Position der CVP-Fraktion ist eindeutig richtig und steht im
delisterben», gegen das man sich auch wehrte, mit dem Er- Widerspruch zu den Positionen der Herren Moser, Baumann
folg, dass es trotzdem stattfand. Hinterher haben dies viele be- und Hämmerle. Herr Moser, es ist folgendermassen - ich
dauert, vorab viele, die sich um den Laden nebenan zuwenig möchte Ihnen das mit einem Beispiel erklären, das Sie sicher
gekümmert haben. verstehen -: In den Gatt-Verhandlungen befinden wir uns jetzt
Bei diesem Vergleich stellen sich darum einige Fragen: Wollen an diesem Punkt, an dem der Katalog für ein neues Fahrzeug
wir Aehnliches mit unserer einheimischen Landwirtschaft? herausgekommen ist. Die Konditionen müssen jetzt noch aus-
Wollen wir für unsere bäuerlichen Familienbetriebe immer hö- gehandelt werden, und ob Handelsschluss am 15. Dezember
here Hindernisse bauen, die für viele zunehmend unüberwind- ist, ist nach wie vor offen.
bar werden? Wollen Sie die Verantwortung für den Einbruch Zu den Fragen der Käsequalität: Wöchentlich sind Innovatio-
einer tüchtigen, starken und qualitativ hochstehenden Land- nen schweizerischer Herkunft auf dem Markt - und wem der
wirtschaft übernehmen? Wenn Sie das nicht wollen, dann Emmentaler nicht passt, der hat genügend Ausweichmöglich-
müssen Sie reagieren auf das, was das vorliegende Gatt- keiten. Der Gatt-Vertrag gibt nicht automatisch Zugang zum
Abkommen für die Bauern bringen will: einen Gatt-Vertrag, der europäischen Markt, auch nicht für Bioprodukte. Wenn die
für alle Staaten mit einer auf dem Familienbetrieb basierenden Schweiz im Bereich Landwirtschaft mit den USA verglichen
Agrarwirtschaft grosse Schwierigkeiten bringt So sind denn worden ist, möchte ich hier einfach anfügen, dass in Westeu-
auch die Bauernverbände und Organisationen in fast allen ropa 5 Millionen Tonnen Käse produziert werden und die
Staaten, selbst in den USA und Kanada, höchst beunruhigt Schweiz zu diesen 5 Millionen Tonnen 42 000 Tonnen dazulie-
Die Schweizer Bauern mussten in den letzten drei Jahren ei- fert Daran kann es also wirklich nicht liegen! Dann ist der Käse
nen Einkommensverlust von 29 Prozent hinnehmen. Welche aus Rohmilch hergestellt, die in kleinen Betrieben erzeugt
andere Branche hätte das so einfach hingenommen? Keine! wird, und er wird in absolut kleinen Käsereien fabriziert Wenn
Die Landwirtschaft ist sich aber der Wichtigkeit eines erfolgrei- aus ideologischen Gründen nun Eigengoals für die Landwirt-
chen Gatt-Abschlusses und dessen Bedeutung für die schwei- schaft und die kleinen Betriebe geschossen werden, kann ich
zerische Volkswirtschaft absolut bewusst Ein solches am das nicht verstehen.
Ende von über 100 Staaten unterzeichnetes Abkommen wird Herr Bundesrat, Sie unterschätzen offenbar die negativen Aus-
eine markante Liberalisierung des Welthandels nicht nur mit wirkungen Ihrer Offerte für die Landwirtschaft Das Verteidigen
Waren, sondern auch mit Dienstleistungen bringen. dieser Position allein kann nicht die Zielsetzung sein. Sie ha-
Das angestrebte Abkommen wird ein Gesamtpaket sein. Es ben anlässlich der Sitzung der Kommission für Wirtschaft und
wird also keinem Teilnehmerstaat möglich sein, einzelne Teile Abgaben (WAK) des Nationalrates in La Chaux-de-Fonds die
Gatt Interpellations 1806 N 4 octobre 1993
Gatt-bedingte Mengenreduktion mit 4,7 Prozent beziffert Wir ser Land auch -, werden Ergebnisse also einfach akzeptieren
kommen zu anderen Zahlen: Im besten Falle wären es 6,5 Pro- müssen. Hier kommt wieder der Zusammenhang zur Frage
zent - wenn Milch global gerechnet wird, also die Milchpro- der europäischen Integration: Entweder suchen wir für unser
dukte als eine Gruppe zusammengezählt und in Milchäquiva- Land die praktikabelste Europaintegration via EWR, oder wir
lenten gewissermassen auf ein Produkt umgerechnet werden. sorgen dafür, dass die Gatt-Ordnung der Nachkriegszeit wirt-
Ist das nicht der Fall, werden die Auswirkungen noch gravie- schaftspolitisch aktualisiert wird.
render. Zusammengefasst: Wir können generell sagen, dass ein posi-
Bei den Auswirkungen müssen Marktzutritt, Subventionierung tiver Abschluss des Gatt für unsere Arbeitnehmerinnen und Ar-
der Exporte, interne Stützungen kumulativ gewertet werden. beitnehmer in der Schweiz mehr bringt als kein Abschluss,
Zudem sind indirekte Wirkungen möglich: So kann eine ge- weil sonst auch Kapitalien weggehen, so dass unser Land der-
ringfügige Verschlechterung der Position der landwirtschaftli- artigen sozialpolitischen Druckversuchen ausgesetzt ist, dass
che Erzeugnisse verarbeitenden Industrie gemäss «Schoggi- wir in enorme Schwierigkeiten und Auseinandersetzungen ge-
Gesetz» die Konkurrenzfähigkeit entscheidend schwächen raten werden. Für uns wäre es also eine Notwendigkeit, dass
und zu Verlegungen des Standortes ins Ausland führen. die Rolle der Schweiz im Hinblick auf die nächste Debatte vom
Die Auswirkungen werden für die Landwirtschaft in jedem Fall Parlament so definiert wird, dass die sozialen und ökologi-
gravierend sein, denn es ist sehr einfach: Sehr viele Länder schen Randbedingungen klar bestimmt werden.
wollen Agrargüter exportieren, und die Zahl der zahlungsfähi-
gen Abnehmer ist äusserst bescheiden. In dieser Interessen- M. Cavadini Adriano: On l'a déjà dit, le groupe radical soutient
lage gibt es für die schweizerische Landwirtschaft nur mehr les accords du Gatt Nous sommes conscients que le Gatt ne
oder weniger zu verlieren. Dem stehen etwas vage Aussagen remplace pas l'Espace économique européen, mais c'est un
gegenüber, z. B. die Antwort auf die Interpellation Darbellay - autre pas dans la libéralisation des échanges de produits in-
wo es heisst, die Agrarmärkte könnten sich erholen, und dann dustriels. Le fait d'introduire des règles uniformes dans le jeu
würde das Preisniveau steigen - oder die Versprechungen be- de la concurrence est un élément qui nous intéresse particuliè-
züglich der Sektoren: Wenn es diesen gutgehe, würden sie rement De plus, dans ces accords qui sont en train d'être né-
vermehrt etwas für die Landwirtschaft tun. gociés, il y a un volet concernant les services, un volet la pro-
Herr Bundesrat Delamuraz, Sie werden dereinst wohl nicht priété intellectuelle et un volet les investissements, qui sont
mehr Kapitän des EVD-Schiffes sein, wenn die Bauern für die des éléments nouveaux que nous devons appuyer.
übrige Wirtschaft ins eisige Wasser springen sollen. Vielleicht Dans les services, par exemple, il y aura pour la première fois
sind Sie dann Kapitän einer Jacht auf dem Lac Léman, was ich des règles claires. Avec les règles pour les produits indus-
Ihnen durchaus gönnen mag; aber Sie müssen auch für die triels, cela nous permettra de nous insérer dans un marché
anderen sorgen. Längerfristig wird das Feilschen um Tarife global au niveau international et de rester compétitifs par rap-
nicht zum Erfolg führen, denn Tarife werden erodieren, und sie port aux autres nations. Les règles du Gatt profitent à tous les
werden uns keinen Schutz mehr bieten. Es ist also bei der pays, mais surtout aux petits pays, car elles garantissent que
Milch der Weg über Ausnahmeregelungen zu suchen. les grandes nations n'aient pas un comportement arbitraire,
ou un comportement de fermeture, sur leurs marchés.
Präsident: Ich kann Herrn Kühne, Herrn Fasel und Herrn Si nous pouvons calculer les coûts du Gatt pour l'agriculture, il
Schmid Peter zum Geburtstag gratulieren. (Beifall) est plus difficile de le faire pour les services ou pour l'industrie,
mais sur 15 volets et 26 accords, l'agriculture y est avec 1 volet
Herczog: Vier Bemerkungen zu diesen Interpellationen: et 3 accords. Nous voyons donc comment le Gatt intéresse en
1. Die Position unseres Landes in der aktuellen Uruguay- premier lieu toute l'économie suisse et l'enjeu est donc vital
Runde ist äusserst ungemütlich. Der EWR ist unter anderem pour nos entreprises ainsi que pour nos places de travail,
von jenen abgelehnt worden, die heute das Gatt fordern und même s'il y a quelques problèmes et quelques inconvénients
sich vor dem 6. Dezember 1992 als Bauernbeschützer präsen- pour l'agriculture.
tiert haben. En conclusion, j'aimerais adresser trois questions au Conseil
Die EWR- oder Euro-Debatte wurde hier in Genf abgelehnt, fédéral: quel est le calendrier interne qu'il prévoit, lors de
während erfolglos ein Bilateralismus versucht wird, anderseits l'aboutissement de ces négociations, pour la procédure que
aber keine politischen Konzepte für eine pragmatische Euro- nous devrons suivre en Suisse. Ensuite, quelles pourraient
Integration auf dem Tisch liegen. Gleichzeitig sind wir absolut être la conséquence d'un refus du Gatt par notre pays et les
von den Verhandlungspositionen der EG abhängig. Das Ge- conséquences en fonction aussi des anciennes règles du Gatt
lingen der Uruguay-Runde hängt also allein von der EG und que nous avons encore aujourd'hui Est-ce que ces règles res-
den USA ab. teront en vigueur ou bien ne seront-elles plus disponibles pour
2. Die aktuelle Präferenzordnung ist falsch. Zugunsten der notre nation?
Entwicklungsländer müsste sie erweitert werden, und zwar
müsste sie gerade auf die Agrargüter und die Rohprodukte M. Delamuraz, conseiller fédéral: Ce débat me démontre tout
ausgedehnt werden, damit die Produkte der Entwicklungslän- d'abord que trois questions importantes demeurent encore
der überhaupt einmal auf den Weltmarkt kommen. Aber ge- sans réponse pour un certain nombre d'entre vous et doivent
rade die Agrarprodukte stellen innerhalb der Wirtschafts- retenir notre attention d'abord. C'est à leur examen que je vais
blöcke heute den Hauptstreitpunkt dar. Wir haben das hier bei me livrer très rapidement Dans un second temps, je répondrai
den Interpellationenen auch gesehen. à quelques questions spécifiques qui m'ont été posées avec
3. Diese dringliche Interpellation, das wurde schon erwähnt, plus ou moins d'élégance et avec plus ou moins de procès
kommt etwas zu spät Ich bin aber effektiv der Ansicht, dass wir d'intention. Et je conclurai, si vous m'en donnez le temps.
bei einer nächsten Runde, falls eine solche kommen wird, die La première question consistera à remarquer que le cycle de
Rolle des Parlamentes klar definieren müssen - und zwar zu- l'Uruguay Round n'est certes pas une négociation purement
handen der Rahmenbedingungen, damit die sozialen und agricole et que ses résultats globaux sont pour notre écono-
ökologischen Bedingungen im Inland auch definiert werden mie en général d'une importance et d'une signification consi-
können. Es ist ja heute offenbar so, dass auch im Rahmen des dérables. L'absence de résultats généraux pour le Gatt aurait
Gatt Innenpolitik durch Aussenpolitik bestimmt werden kann pour notre pays un impact négatif proportionnellement plus
und bestimmt werden wird. Es ist unerlässlich, dass der Bun- grand qu'il n'en aurait sur des économies d'un type différent;
desrat uns für die nächsten Runden auch über die möglichen sur des économies qui sont, moins que la nôtre, des écono-
Spielräume und das informiert, was wir sozialpolitisch und mies à valeur ajoutée, et qui sont d'une dimension différente
ökologisch machen können. parce que largement autosuffisantes. Il s'agit de très grands
4. Die Wirtschaftsblöcke EG, USA und Japan stellen in dem pays à côté desquels la situation suisse est une situation de
Moment das Gatt in Frage, da aus binnenmarktpolitischen très forte interdépendance: 86 milliards de francs d'exporta-
Ueberlegungen Gatt-Prinzipien nicht respektiert werden. Jene tion de marchandises, chiffre d'aujourd'hui, 25 milliards de
Länder, die nicht zu den Wirtschaftsblöcken gehören-wie un- francs d'exportation de services. Nous pouvons continuer à
4. Oktober 1993 N 1807 Gatt. Interpellationen
nous développer de cette manière au plan mondial, comme 1992 en matière agricole. Lorsque plusieurs orateurs viennent
nous l'avons fait sur la base de règles générales du Gatt qui me demander quelle est la stratégie du Conseil fédéral, je crois
étaient valables pour tous, mais nous ne pourrions pas le faire qu'il l'a expliquée à longueur de rapports annuels sur la politi-
demain avec des règles dépassées que d'autres pays, nos que économique extérieure, il l'a répétée à de réitérées repri-
concurrents et nos partenaires, auraient abandonnées pour ses devant les commissions spécialisées des deux Cham-
avoir accepté les conséquences de l'Uruguay Round. Que bres, je peux encore vous la répéter ici: s'agissant du secteur
cela soit dit en toute clarté, nous avons intérêt, un intérêt vital - agricole, plus particulièrement visé par M. Hess, le Conseil fé-
comme dirait M. Darbellay - à réussir cette opération pour que déral n'a pas bougé d'un iota, il reste attaché à son offre d'avril
nous soyons à même de disposer de règles performantes, cel- 1992. Cette offre réussira-t-elle, au bout du compte, dans tous
les-là mêmes dont disposeront nos concurrents. ses éléments? Je ne peux pas le dire, la négociation n'est pas
La deuxième remarque que je veux faire a trait, plus particuliè- terminée. Ce que je peux vous dire, en revanche, c'est que le
rement, à l'agriculture. Voyez-vous, lorsque nous nous som- Conseil fédéral et ceux qui le représentent dans les négocia-
mes décidés à entrer au Gatt, et que nous avons obtenu, en tions n'ont qu'un mandat et qu'ils s'y tiennent bec et ongles.
1966, un statut particulier pour notre agriculture, que nous Monsieur Hess, lorsque vous citez la France et sa démarche
sommes les seuls au monde à avoir obtenu - le statut particu- agricole actuelle, j'observe qu'elle présente aujourd'hui des
lier des Etats-Unis est d'une nature différente -, eh bien, nous propositions, des demandes et une offre, dans certains sec-
avons très largement protégé les intérêts de l'agriculture teurs de l'agriculture, que nous avons présentées nous-
suisse. C'était sans doute légitime, mais cela l'a été au détri- mêmes en avril 1992 déjà, c'est-à-dire il y a bientôt dix-huit
ment d'autres secteurs de notre économie, et en particulier du mois. Que cela soit dit, pour que l'on cesse une belle fois de
secteur de l'exportation des biens qui s'est trouvé plus forte- décrire ce Conseil fédéral comme étant grisaille, peu déter-
ment confronté à la concurrence de nombreux exportateurs, miné, laissant aller les choses; il a été extrêmement clair et il
plus mal placé que d'autres pays, d'autres concurrents de la continue de l'être.
Suisse qui disposaient, a priori, de taux de droits de douane Quant à M. Wyss William, qui est intervenu dans le même élan,
meilleur marché et plus facilement accessibles. Il y a donc eu je lui dirai que la politique claire et nette que nous avons choi-
distorsion de la concurrence au détriment de la Suisse. C'était sie, pour les années qui viennent, est donc celle de la réduc-
le prix que l'on payait pour une protection particulière de l'agri- tion des prix et non pas celle de la réduction des quantités.
culture suisse. Nous n'avons pas à le regretter, certes pas, Cette réduction des prix fait l'objet, dans le plan financier
mais nous avons à nous dire, aujourd'hui, que la protection lé- 1994-1997 qui vous sera soumis, d'engagements très précis,
gitime de l'agriculture, d'une agriculture suisse qui connaisse de compensations indirectes sous la forme de paiements indi-
la vitalité, doit être trouvée par d'autres moyens, et c'est en rects, d'année en année, selon l'article 31 a de la loi sur l'agri-
ceci que nous parlons d'une solidarité réciproque qui, vérita- culture, de 707, 773, 798 et 798 millions de francs, tandis que
blement, unit l'ensemble des secteurs de notre économie. pour l'article 31 b, ce seront 114, 197, 322 et 472 millions de
L'ajustement de l'agriculture suisse - et c'est ma troisième francs. C'est un engagement qui a été pris, c'est un engage-
considération - est indispensable, nous le savons bien, et pas ment qui sera présenté incessamment à votre conseil, et c'est
du tout, mais vraiment pas du tout, seulement parce que le cela la stratégie du Conseil fédéral pour aider l'agriculture à se
Gatt l'aurait exigé et parce que nous passerions par toutes ses transformer, en particulier pour être compétitive dans le cadre
exigences à quelque prix qu'elles se situent. Nous le savons du Gatt, mais indépendamment du Gatt, pour être définitive-
bien depuis la discussion du 7e rapport sur l'agriculture, il est ment hors de la zone d'économie de guerre dans laquelle
indispensable que nous adaptions le secteur agricole comme nous l'avons maintenue pendant une soixantaine d'années.
nous l'avons décidé, et comme vous le faites en concrétisant A ces transformations soutenues par les paiements directs,
maintenant par des décisions législatives les conclusions du qui portent prioritairement sur les prix et pas sur les quantités,
7e rapport sur l'agriculture. j'ajoute les déréglementations qui se préparent dans les do-
Mais j'aimerais ajouter deux éléments essentiels: le premier, maines en amont et en aval de l'agriculture, l'accroissement
c'est que non seulement l'agriculture s'adapte et se tourne des efforts au niveau du marketing de l'agriculture et de ses
vers des structures le plus près possible du marché, mais les produits en Suisse et à l'étranger, ainsi que l'adaptation des
autres secteurs de l'économie aussi. Il est bien clair que pour structures.
l'industrie, et demain pour les services, la capacité d'être à la Monsieur Kühne, vous avez cité des chiffres en contestant ce
hauteur des conditions de demain, d'être concurrentiel et de qui avait été exprimé dans le cadre de la Commission de l'éco-
supporter une concurrence redoublée - car c'est cela l'enjeu nomie et des redevances siégeant à La Chaux-de-Fonds. Je
du Gatt, c'est cette multilatéralité et ce libéralisme qui sont né- peux vous dire que, en ce qui concerne le lait, l'offre suisse en-
cessaires - exige aussi des autres secteur une capacité traîne une réduction des contingents et des quantités, c'est
d'adaptation, d'ouverture, et une force de concurrence qui ne vrai, mais de l'ordre de 4,5 à 5 pour cent à l'échéance de
sont pas automatiquement données. 2006. Une offre du Gatt et de Blair House plus rigoureuse, elle,
Je voudrais par cela démontrer que l'agriculture n'est de loin nous entraînerait à une réduction plus importante à
pas le seul secteur de notre économie à devoir s'adapter: les l'échéance de 2001 ou 2002 si l'Uruguay Round est terminé
autres secteurs doivent s'adapter, et comment! La différence aujourd'hui et dans les semaines qui viennent.
est sans doute que cette adaptation est maintenant décidée Sachez, Monsieur Stucky, que de l'entretien que nous avons
d'une manière beaucoup plus résolue qu'elle ne l'était aupara- eu, M. le président de la Confédération et moi-même, il appa-
vant pour l'agriculture, et que pour les autres secteurs de raît que M. Ogi a déclaré à l'issue de sa visite au Premier minis-
l'économie, qui étaient déjà concernés par les rounds anté- tre de la République française, qu'il comprenait que la France
rieurs du Gatt, c'est un élément moins neuf, moins inédit que veuille revoir l'Accord de Blair House, ce que contestent la
pour l'agriculture Commission de la Communauté ainsi, naturellement, que les
J'aimerais ajouter une deuxième considération, parce que Etats-Unis, mais que cela ne nous concerne pas directement,
j'entends parfois dire que l'agriculture suisse serait en quel- car nous ne sommes pas de cet accord de Blair House. C'était
que sorte la seule victime de cette affaire et qu'elle ferait les sa- donc un commentaire extérieur, qui n'entraîne aucune consé-
crifices que les autres ne font pas: non seulement les autres quence directe et pratique en ce qui concerne la Suisse.
secteurs doivent s'adapter, mais encore, et surtout, les agri- J'observe, toujours pour rester dans le domaine agricole, que
cultures de tous les pays du monde doivent également le taux d'autoapprovisionnement de la Suisse a augmenté,
connaître ces adaptations. Vous voyez bien que, s'il y a de la alors que nous nous étions engagés à le limiter, depuis le mo-
résistance dans d'autres pays, c'est précisément parce que ment où nous sommes membres du Gatt, de 55 pour cent où
ces autres pays sont eux aussi soumis à ce processus d'adap- il se situait, à quelque chose comme 65 pour cent aujourd'hui.
tation et de transformation. Il n'est donc pas exact de dire que la perspective du Gatt, ou
Ces trois questions fondamentales étant abordées, je répon- que la perspective des transformations que nous devons ap-
drai tout d'abord à M. Hess Peter, qui s'est exprimé au nom du porter à notre agriculture nous aurait conduits à pratiquer une
groupe PDG, que le Conseil fédéral tient à son offre d'avril politique restrictive dont l'agriculture suisse ferait les frais.
Gatt. Interpellations 1808 4 octobre 1993
C'est tout le contraire qui s'est passé, en violation, il faut le dire, parler seraient soumis au Parlement, vraisemblablement vers
des accords que nous avions pris en 1966. la fin de l'année 1994. Il ferait l'objet d'un traitement parlemen-
M. Wanner a abordé une question essentielle lorsqu'il a parlé taire d'adaptation et de ratification du droit dans l'hiver
de la clause de sauvegarde. J'aimerais vous dire que si la 1994/95, selon toute vraisemblance. Il est clair que, si la date
Suisse a obtenu un certain nombre de choses maintenant de la fin de cette année n'est pas tenue, le processus sera dé-
déjà, dans le cadre en particulier de la négociation de l'Uru- calé d'autant II est clair aussi - hypothèse théoriquement rete-
guay Round du Gatt, elle va continuer sur une voie où elle a nable - que, si l'Uruguay Round capote finalement et ne
bien réussi jusqu'à maintenant, qui est la clause de sauve- conduit qu'à un petit constat et à un petit acquis, cette procé-
garde. Nous jugeons comme insuffisante la clause de sauve- dure de modification du droit intérieur serait réduite à sa plus
garde agricole telle qu'elle est prévue dans le projet d'acte fi- simple expression. Il serait alors même possible qu'il n'y ait
nal. Cette clause, s'il fallait l'appliquer, nous mettrait à décou- pas de décision parlementaire à prendre, l'Uruguay Round
vert lorsque la part des importations par rapport à la consom- ayant vécu et étant remplacé ultérieurement, peut-être, par
mation interne est importante, et nous travaillons d'arrache- une autre négociation. Ça, c'est dans l'hypothèse où les cho-
pied pour que cette clause de sauvegarde soit élargie et ap- ses ne se situeraient pas complètement.
profondie dans l'acte final de l'Uruguay Round. J'aimerais - et ce sera véritablement la conclusion de ce que
Monsieur Darbellay, toujours pour rester dans l'agriculture, le j'ai à vous apporter- dire que le réussite du Gatt n'est pas seu-
système des trois phases est l'objet d'une demande d'excep- lement la réussite des secteurs traditionnellement exporta-
tion de la Suisse, contenue dans son offre d'avril 1992, visant à teurs de notre économie ou traditionnellement investisseurs à
ne tarifier le secteur fruits et légumes qu'après dix ans. Nous l'étranger. C'est quand même le pays tout entier. Je ne vois
nous sommes également engagés à nous battre pour en de- pas que la politique décisive de transformation de l'agricul-
mander le maintien. Car, voyez-vous, dans toute cette volonté ture - qui coûtera au budget public pendant quelques longues
de transformation des structures agricoles, il y a deux erreurs à années assez cher, mais c'est juste - puisse s'accomplir si les
ne pas commettre, et on les commettrait partiellement à suivre secteurs des services et les secteurs de l'industrie sont si mal-
l'offre de base pour l'acte final. La première erreur, c'est de traités dans le monde qu'ils dépérissent et qu'ils ne peuvent
vouloir jouer plus vite que les violons et s'enfermer dans des pas assurer à ce pays le bien-être auquel son ingéniosité, son
délais trop courts pour qu'on puisse digérer ces transforma- inventivité et son travail peuvent légitimement le porter.
tions sans faire des dégâts. La deuxième erreur, c'est de parler J'aimerais vous dire que, dans cette perspective, ce que nous
d'une manière systématique qui ne tienne aucun compte d'un avons enregistré comme résultat aujourd'hui - par rapport à
certain nombre de particularités nationales sur lesquelles ce à quoi nous étions confrontés au début - n'est pas encore
nous voulons insister. totalement satisfaisant du point de vue des intérêts suisses.
Cela m'amène à traiter d'un tout autre objet que l'objet agri- Mais, il y a eu de singuliers progrès. Je vous rappelle, mesda-
cole qui nous retient essentiellement cet après-midi, à savoir mes et messieurs qui vous intéressez à l'agriculture, qu'au dé-
l'exception culturelle pour la Suisse, Monsieur Spielmann, but de la négociation on ne nous demandait rien d'autre, dans
comme pour d'autres pays. Les biens culturels commerciali- un délai de dix ans, que la suppression pure et simple de tous
sables, les films, les vidéos, les programmes de télévision ne les droits de douane et rien d'autre, dans un délai de dix ans,
sont pas des marchandises, comme le disent tout à fait à tort que la suppression pure et simple des subventions. Je crois
les Etats-Unis. Nous voulons leur donner une dimension et que le travail que nous avons fait avec d'autres pour que des
une reconnaissance dans le cadre du Gatt des services, ce fa- solutions aussi barbares que celles-ci soient abandonnées a
meux Gats dont nous espérons qu'il sortira de l'Uruguay porté ses fruits. Même si nous ne sommes pas arrivés, encore
Round actuellement en train d'être finalisé. maintenant, à réussir toutes nos opérations, vous voyez qu'il y
J'aimerais, du même coup alors, insister sur le fait que, a eu de singuliers progrès dans cette démarche. Nous l'avons
contrairement à ce qui a été affirmé à cette tribune, les pays en redit personnellement lors de la visite du nouveau directeur
développement - qui n'ont jamais participé avant 1986 à quel- général du Gatt à Berne, il y a trois semaines.
que round que ce soit dans le cadre du Gatt- participent pour Nous avons poursuivi notre politique de contacts bilatéraux.
la première fois à cette discussion. Pour la première fois, la di- Nous avons poursuivi notre politique de rapprochement avec
mension de nos relations - pas seulement pour les produits ceux des membres du Gatt qui ont des intérêts communs et
agricoles, mais en général - avec ces pays entre dans nos ré- convergents avec les nôtres. C'était la seule politique à
flexions et dans nos équations, et entrera dans le rapport final conduire. Je vais vous dire que cette politique - en particulier
que nous attendons. C'est dire que nous sommes en pré- dans le secteur de l'agriculture - était non seulement indispen-
sence d'un round tout à fait différent de ceux que nous avons sable du point de vue de l'économie, mais aussi du point de
conduits au succès auparavant, et que, dans cet esprit, nous vue de la société. Garen effet, ce que nous défendons, ce n'est
pourrons disposer d'un accord international de plus grande si- pas seulement une agriculture prospère et productrice, c'est
gnification et de plus grande dimension qu'auparavant aussi une société rurale, c'est aussi un peuplement dans les
J'aimerais, en terminant cette réflexion, dire à M. Cavadini régions de montagne ou des préalpes, c'est aussi un art de vi-
Adriano que la forme de la présentation des résultats aux vre. Nous revendiquons le droit à la différence, car les don-
Chambres fédérales sera déterminée, naturellement, par le nées dans ce domaine sont, pour une société comme la so-
contenu qu'auront l'Uruguay Round et ce nouvel accord du ciété suisse, totalement différentes de ce qu'elles sont pour la
Gatt S'il est, comme nous l'espérons, un élément complet qui société américaine par exemple. Alors, que nous ayons sans
fasse avancer le commerce mondial et qui comprenne un cer- doute les mêmes nécessités économiques à accomplir - cha-
tain nombre de décisions, le Conseil fédéral a l'intention de cun à son échelle -, nous en tombons d'accord. Mais que cer-
présenter simultanément aux Chambres fédérales deux mes- taines spécificités nationales -je pèse le terme - puissent être
sages, un message sur les résultats de ce cycle de l'Uruguay, prises en compte, voilà aussi qui fait partie de la culture tout
et un message sur les adaptations de l'ordre juridique suisse, simplement, et pas seulement de l'agriculture.
qui seraient rendues nécessaires par la ratification des résul- C'est dire qu'il y a des raisons fondamentales - en plus des
tats du round. Les droits populaires seront, naturellement, bonnes raisons de défendre l'agriculture suisse -, plus géné-
pleinement sauvegardés. C'est la première fois qu'une négo- rales, qui ont milité pour notre action.
ciation du Gatt ferait l'objet d'une décision du Parlement en
tant que tel, d'une décision d'espèce du Parlement, et les clau-
ses du référendum, du référendum facultatif notamment, se-
ront totalement sauvegardées.
L'hypothèse d'une réalisation des négociations vers la fin de
l'année courante est possible. Je ne la tiens pas pour certaine,
mais à supposer qu'elle se réalise, et que ce soit à la fin de
cette année, en effet, que l'on puisse finaliser les négociations
de l'Uruguay Round, alors ces messages dont je viens de vous
Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften
Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées
Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali
Interpellation Darbellay Gatt. Uruguay-Runde und Entwicklungspolitik
Interpellation Darbellay Gatt. Uruguay Round et politique de développement
In Amtliches Bulletin der Bundesversammlung
Dans Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale
In Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale
Jahr 1993
Année
Anno
Band IV
Volume
Volume
Session Herbstsession
Session Session d'automne
Sessione Sessione autunnale
Rat Nationalrat
Conseil Conseil national
Consiglio Consiglio nazionale
Sitzung 10
Séance
Seduta
Geschäftsnummer 93.3056
Numéro d'objet
Numero dell'oggetto
Datum 04.10.1993 - 15:30
Date
Data
Seite 1796-1808
Page
Pagina
Ref. No 20 023 202
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