Swiss Federal Railways 1992 Financial Report Debate
Legislator-Zusammenfassung
KI-generiertThis document is a parliamentary debate regarding the 1992 financial report and accounts of the Swiss Federal Railways (CFF/SBB). Speakers express concerns about the financial crisis facing the SBB, the need for significant cost-saving measures, and the potential impact on regional transport services. There is also discussion about the delays in infrastructure projects, such as the renewal of a radar beacon, and the need for parliamentary oversight of major investments. The debate highlights a tension between centralizing services on profitable main lines and maintaining essential regional connections, with various proposals and criticisms raised regarding the future direction and funding of the national railway system.
Legislator-Regeste
KI-generiertArt. 66 Abs. 1 ATSG; Swiss Federal Railways 1992 Financial Report Debate: Speakers express concerns about the financial crisis facing the SBB, the need for significant cost-saving measures, and the potential impact on regional transport services. There is also discussion about the delays in infrastructure projects, such as the renewal of a radar beacon, and the need for parliamentary oversight of major investments. The debate highlights a tension between centralizing services on profitable main lines and maintaining essential regional connections, with various proposals and criticisms raised regarding the future direction and funding of the national railway system.
Schlagwörter
KI-generiertZitierte Gesetzesbestimmungen
KI-generiertVerwandte Entscheide
KI-generiertZentrale Rechtsfragen, extrahiert von Legislator
KI-generiertProvision concerning costs for the appeal.
Volltext
CFF. Gestion et comptes 1992 460 14 juin 1993
kann es nicht anders nennen, man muss im Zusammenhang #ST# 93.027
mit der Erneuerung des Drehfunkfeuers Trasadingen von ei-
ner zehnjährigen Leidensgeschichte sprechen. Zehn Jahre SBB. Geschäftsbericht und Rechnungen 1992
haben wir uns schwergetan, um dann endlich ein Funkfeuer,
das der Sicherheit dient, realisieren zu können. Mit dem zwei- CFF. Gestion et comptes 1992
stufigen Verfahren zementieren Sie gerade in diesem für die
Botschaft und Beschlussentwurf vom 21. April 1993
Flugsicherheit vitalen Bereich eine unverantwortliche Verlän- Message et projet d'arrêté du 21 avril 1993
gerung der Verfahrensdauer. Es muss hier gesagt werden,
Bezug bei der Generaldirektion SBB,
dass Ihr Vorgehen, Ihr Konzept, 7 bis 12 Monate mehr bean- Hochschulstrasse 6,3030 Bern
spruchen wird als die bundesrätliche Lösung. Es wird 7 bis S'obtiennent auprès de la Direction générale des CFF,
12 Monate länger gehen, wenn Sie Ihrem Konzept zustimmen, Hochschulstrasse 6,3030 Berne
denn das Vorprüfungsverfahren mit seinen gesetzlich festge- Beschluss des Nationalrates vomi. Juni 1993
legten Fristen, Herr Büttiker, nimmt allein im besten Fall 7 Mo- Décision du Conseil national du 1er juin 1993
nate in Anspruch, und das nur dann, wenn keinerlei Fristver-
längerung verlangt wird, was in der Praxis bekanntlich ja nicht
vorkommt! Im Normalfall wird es also sicher 8 bis 9 Monate
dauern, bis überhaupt das eigentliche Konzessionsverfahren
eingeleitet werden kann. Das ist doch genau das Gegenteil
dessen, was wir heute brauchen, was heute not tut Denken Bühler Robert, Berichterstatter: Die Schweizerischen Bundes-
Sie an die Verhandlungen, denken Sie an Alcazar, denken Sie bahnen haben sich in den letzten Jahren in eine fast aussichts-
an die Schwierigkeiten, die wir im Vergleich mit anderen Flug- lose Lage hineinmanövriert Trotzdem gibt es für das Jahr
häfen schon haben. Ich habe in diesem Rat schon mehrmals 1992 Positives zu berichten. Nehmen wir es voraus: Nach wie
etwas darüber gesagt. Wenn wir Ihre Lösung wählen und vor sind im grossen und ganzen die Leistungen der SBB wie
diese Verfahrensdauerfür die Anpassung unserer nationalen etwa die Sicherheit und die Zuverlässigkeit gut Die Bähnler er-
Luftfahrtinfrastruktur-Anlagen verlängern, verlieren wir noch bringen bemerkenswerte Dienstleistungen. Der neu zusam-
jede Wettbewerbsfähigkeit Wir erschweren damit unter ande- mengesetzten Generaldirektion dürfen wir Vertrauen schen-
rem vor allem auch die Ausgangslage der Swissair. Und hier ken; sie ist gewillt zu handeln, und sie ist bereit, rigorose Mass-
noch einmal das Stichwort Luftverkehrsabkommen mit der nahmen zu ergreifen, um eine Wende zum Besseren herbeizu-
EG, aber auch das Stichwort Alcazar: Das dürfen wir in dieser führen.
Situation nicht zulassen! Nun aber zu den eher negativen Seiten:
Ich bitte Sie deshalb eindringlich, im Interesse der Sache auf 1. Die SBB seien ein Sanierungsfall, sagt die Groupe de réfle-
die Linie des Nationalrates einzuschwenken. Grabenkämpfe xion. Und die Direktion stellt selber fest, die SBB seien in einer
und Machtdemonstrationen zwischen den beiden Räten kön- finanziellen Krise. Wenn es nicht gelingt, durch kurzfristige
nen wir uns in der heute schwierigen luftfahrtpolitischen Situa- Massnahmen diese Krise in den Griff zu bekommen, wird mit-
tion schlichtweg nicht leisten. Wichtig ist jetzt auch, dass wir telfristig und längerfristig nichts aus der Renaissance der
das Gesetz möglichst rasch in Kraft setzen und im Interesse Schiene, sondern die Talfahrt würde ungebremst in den Ab-
unserer Landesflughäfen und der Swissair von den Verbesse- grund fahren. Der Bundesrat ist gleicher Meinung; ich zitiere
rungen tatsächlich auch Gebrauch machen. Wenn wir das Ge- ihn gemäss Seite 11 der Botschaft: «Es ist unabdingbar, dass
setz in dieser Session nicht verabschieden können, werden die SBB im Rahmen ihrer unternehmerischen Möglichkeiten
wir die ganze Verhandlung mit der EG beeinträchtigen. den zweifellos noch verfügbaren Spielraum weiter ausschöp-
Ich muss es sagen: Die Situation auf unserem Flughafen Zü- fen. Auch wenn die Rahmenbedingungen ungünstig sind,
rich-Kloten ist heute sehr schlecht. Verspätungen und Warte- muss es die primäre Aufgabe der SBB bleiben, Fehlbeträge zu
schlaufen in der Luft häufen sich. Man kann nicht mehr landen, verhindern. Vor diesem Hintergrund erwartet der Bundesrat,
weil die Flugzeuge nicht mehr parkieren können. Bauliche dass die eingeleiteten Massnahmen (Reduktion Personalbe-
Massnahmen, zusätzliche Standplätze, Ueberholspuren auf stand, Optimierung Fahrplan, Abbau Stationsbesetzung,
den Rollwegen sind dringend notwendig. Damit diese einiger- neues Rangierkonzept, neue Güterverkehrskonzepte wie
massen speditiv an die Hand genommen werden können und 'Cargo Domizil 2000') noch erweitert und intensiviert
nicht wie das Funkfeuer in Trasadingen zehn Jahre benötigen, werden....»
brauchen wir das Gesetz jetzt rasch, und zwar in der Fassung Wie stellt der Bundesrat sicher, dass die vorgegebenen For-
des Nationalrates und des Bundesrates. derungen auch tatsächlich umgesetzt werden? Schon in den
Ich möchte Sie deshalb dringend bitten, hier keine Differenzen letzten Jahren hat der Bundesrat analoge Massnahmen ver-
mehr zu schaffen. langt Weil sie nichts fruchteten, wurden sie Jahr für Jahr fort-
Ich möchte Sie bitten, zu beachten, was sich im Ausland tut geschrieben, wie eben auch dieses Jahr. Man könnte das
Ich möchte Sie bitten, zu überlegen, dass der Flughafen Zü- belegen und aus den Berichten 1990 und 1991 zitieren. Mit
rich-Kloten für das Mittelland, ja für die ganze Schweiz eine der Durchsetzung dieser harten Massnahmen darf nicht zu-
ganz grosse wirtschaftliche Bedeutung hat Ich möchte Sie bit- gewartet werden, bis die von der Groupe de réflexion vor-
ten, dem Bundesrat und dem Nationalrat zuzustimmen. gesehenen Massnahmen analysiert sind. Die Sparpotentiale
müssen konsequenter und sofort ausgeschöpft werden.
Abstimmung - Vote 2. Damit das Parlament vermehrt Mitverantwortung wahrneh-
Für den Antrag Gadient 26 Stimmen men kann, muss es bei wichtigen Investitionen mitbestimmen
Für den Antrag der Kommission 12 Stimmen können. Mit dem Investitionsvolumen, das wir nur zur Kennt-
nis nehmen können, sind später nicht mehr beeinflussbare
Abschreibung - Classement Folgekosten verbunden. Nachdem der Bund für den grössten
Teil der SBB-Infrastruktur zuständig ist und diese auch be-
Antrag des Bundesrates zahlt, sollte es selbstverständlich sein, dass das eidgenössi-
Abschreiben des parlamentarischen Vorstosses gemäss Sei- sche Parlament etwas dazu zu sagen hat
te 1 der Botschaft Vor längerer Zeit wurde vom Ständerat eine Motion überwie-
Proposition du Conseil fédéral sen - der Nationalrat wandelte sie leider in ein Postulat um -,
Classer l'intervention parlementaire selon la page 1 du mes- die verlangte, dass dem Parlament eine entsprechende Ge-
sage setzesrevision zu unterbreiten sei. Danach sollten die Kompe-
tenzen zur Festlegung der Investitionsgrössen mindestens
Angenommen -Adopté teilweise auf das Parlament verlagert werden. Wann gedenkt
der Bundesrat, diesem Auftrag nachzukommen? Auch hier
An den Nationalrat-Au Conseil national sollten die Auswirkungen der Groupe de réflexion bzw. das
neue Leitbild nicht abgewartet werden.
14. Juni 1993 461 SBB. Geschäftsbericht und Rechnungen 1992
3. Dass der Spardruck auch Auswirkungen auf den Regional- steg Aktiengesellschaft beteiligt. Das echte Defizit summiert
verkehr haben wird, steht ausser Diskussion. Aber der Sparhe- sich damit auf rund eine Viertelmilliarde Franken.
bel muss in allen Bereichen angesetzt werden, nicht nur beim Die Produktivität, und das im Gegensatz zu den PTT-Betrie-
Regionalverkehr. Völlig falsch wäre es, wenn die diesbezügli- ben, hat sich verschlechtert Die Verkehrsleistungen haben im
chen Defizite einfach den Kantonen aufgebürdet würden. Eine Personenverkehr um 4,5 Prozent abgenommen, im Güterver-
blosse Kostenverlagerung ändert an der gesamtwirtschaftli- kehr um 5,5 Prozent, und der Personalbestand wurde nur mi-
chen Misere nichts. nim - um 0,4 Prozent - verringert. Die entsprechenden Ver-
Anderseits wäre ein «Kahlschlag» bei den Regionalzügen ver- gleichswerte bei den PTT-Betrieben: Verkehrsleistungen im-
fehlt. Randregionen müssen auch künftig mit einem Grundan- mer noch plus 2 Prozent und Personaleinsparungen 1,3 Pro-
gebot des öffentlichen Verkehrs versorgt werden. Die Revision zent Die Folge davon ist eine um 118 Millionen Franken hö-
des Eisenbahngesetzes, die eine Gleichstellung aller Ver- here Belastung für den Bund - mit 1,991 Milliarden knapp un-
kehrsträger des öffentlichen Verkehrs anstrebt, scheint ein er- ter der 2-Milliarden-Grenze. Im Investitionsbereich wurden
folgversprechender Weg zu sein, den Regionalverkehr effizi- 1971 Millionen Franken investiert. Damit sind die SBB um
enter und kostengünstiger zu gestalten. Die damit verbun- 204 Millionen Franken unter dem Budget geblieben. Auch ge-
dene Einbindung der Kantone ist eine gute Voraussetzung für genüber dem Vorjahr wurden diese Investitionen um 117 Mil-
wesensgerechtere Lösungen im Regionalverkehr. Also: nicht lionen Franken reduziert, vor allem sind die Bauleistungen zu-
einfach die Lasten vom Bund auf die Kantone verschieben rückgenommen worden. Aber immerhin konnte ein Schwer-
oder auf die Strasse ausweichen, sondern gemeinsam die be- gewichtsprojekt, der Huckepack-Korridor, zügig vorangetrie-
ste Lösung für den Regionalverkehrsuchen und realisieren! ben werden, so dass er im nächsten Jahr in Betrieb genom-
Die Seetalbahn, die in aller Mund ist, könnte ein klassisches men werden kann.
Beispiel werden. Die Zahl der Unfälle und Toten ruft - ich Die Produktionsmittel befinden sich, auch bei diesem leicht re-
möchte fast sagen, schreit-seit Jahren nach einer Sanierung. duzierten Plafond, immer noch klar auf Expansionskurs. Be-
Für einen Luzerner Standesvertreter ist es schmerzlich einzu- züglich ihres produktiven Beitrages haben solche Investitio-
gestehen, dass eine Maximallösung durch den Bund nicht nen nur einen Langfristeffekt, wir können nicht von einem Jahr
mehr finanziert werden kann - dazu stehe auch ich -, dass sie aufs andere bereits einen entsprechenden Zusatzertrag er-
unrealistisch geworden ist. Das heisst nun aber nicht, dass die warten.
Verlagerung des Verkehrs auf die Strasse die einzig mögliche Seitens der neuen Führung der SBB wird betont, dass die
Alternative ist Bei diesem Beispiel können alle Interessierten, Bahn als öffentlicher Dienst etwas kostet, und es ist eine politi-
Bund, Kantone - also Luzern und Aargau - und Gemeinden sche Frage, wieviel dieser öffentliche Dienst kosten darf.
zeigen, dass sie kreativ genug sind, neue, einfachere und wirt- Gleichzeitig wurde auch klar signalisiert, dass die neue Füh-
schaftlichere Lösungen zu finden. Unter anderem könnte ich rung die Zeichen der Zeit erkannt hat, dass man nicht mehr auf
mir eine moderne Trambahn auf dem jetzigen Trassee vorstel- die Politik warten will, sondern dass man handeln will und
len. Statt Fronten aufzubauen, wie das jetzt geschieht, sind dass diesen Herbst Resultate vorliegen müssen. Im personel-
echte Auseinandersetzungen zu einer Konsensfindung not- len Bereich wurden entsprechende Massnahmen eingeleitet.
wendig. Die GPK erwartet vom Bundesrat: Per Ende März konnte der Personalbestand um 850 Stellen re-
1. die Durchsetzung der eingeleiteten Sparanstrengungen; duziert werden.
2. eine Verlagerung der Kompetenzen bei den Investitionsbe- Die Ziele sind klar: eine Verbesserung der Qualität, eine ver-
schlüssen auf das Parlament, also die Unterbreitung einer stärkte Kundenorientierung und eine Steigerung der Produkti-
diesbezüglichen Gesetzesrevision; vität, die Realisierung von Zukunftsprojekten mit Vernunft, ein
3. für die Kantone eine faire Lösung bei der Sanierung des Re- aktives Mitwirken an der Bahnreform und nicht zuletzt die Er-
gionalverkehrs. In diesem Sinne empfehle ich Ihnen im Na- haltung der guten Substanz der SBB. Auf den Regionalver-
men der GPK, den Geschäftsbericht 1992 der SBB zu geneh- kehr ist der Sprecher der GPK bereits eingegangen. Hier
migen. möchte ich nur noch zusätzlich erwähnen, dass wir es mit ei-
nem milliardenschweren Kostenblock zu tun haben und dass
Schule, Berichterstatter: Die rezessive Konjunktur lässt die es hier nicht einfach zu einem Lastentransfer zu den Kantonen
Strukturschwächen unserer Bundesbahnen offen zutage tre- hin kommen darf. Weiterhin ist ein Akzent im Investitionsbe-
ten. Die erwähnte Graupe de réflexion hat dazu festgehalten: reich zu setzen: rationellere Betriebsführung, kondukteurloser
«Unter den heutigen Rahmen- und Marktbedingungen kön- Betrieb, das bedeutet sogenannte aussenglatte Türen, damit
nen die SBB nicht wettbewerbsfähig sein.» Diese Graupe de das Aufspringen verunmöglicht wird. Die SBB sind sich be-
réflexion empfiehlt eine Neuorientierung der Verkehrspolitik, wusst, dass bei diesen Investitionen die Sicherheitsprobleme
eine Neuabgrenzung von Aufgaben und Netz, eine Unterneh- nicht vergessen werden dürfen; diese konzentrieren sich aber
mungsreform und schliesslich eine Refinanzierung und die regional auf den Raum Zürich.
Schaffung neuer Finanzierungsgrundlagen für die SBB. Alles Beim Cargo Domizil ist eine konsequente Ausgestaltung als
Fragen, die uns nächstens beschäftigen müssen, nämlich be- Profitcenter vorgesehen. Hier gilt auch der Grundsatz, dass
vor der Leistungsauftrag der SBB Ende 1994 ablaufen wird. die Kantone, die Regionen eingebunden sein und auch um-
Die Rechnung 1992 belegt die Richtigkeit der Aussage, dass weltpolitisch vertretbare Lösungen realisiert werden müssen.
die SBB im finanziellen Bereich zum Sanierungsfall geworden Eine einseitige Konzentration auf die bereits sehr stark ver-
sind. Die Ertragsziele wurden nicht erreicht: minus 19 Millio- kehrsbelasteten Zentren wäre aus dieser Sicht sicher höchst
nen Franken beim Personenverkehr, vor allem aber minus problematisch!
110 Millionen im Güterverkehr. Der Aufwand dagegen, bud- Der Zusammenarbeit mit den Gewerkschaften wird seitens
getiert mit 6,3 Milliarden Franken, ist präzis eingetroffen. Der der Generaldirektion - unseres Erachtens zu Recht - eine
Personalaufwand allein hat um 7,8 Prozent auf über 3,5 Milliar- hohe Priorität eingeräumt; es sind ja 90 Prozent des SBB-Per-
den Franken zugenommen, und damit hat sich diese fatale sonals gewerkschaftlich organisiert. Man spricht von einem
Kosten-/Ertrags-Schere weiter geöffnet. Contrat social: Die SBB garantieren die Arbeitsplätze, aber sie
Der Fehlbetrag muss mit 136 Millionen Franken ausgewiesen erwarten umgekehrt vom Personal örtliche und funktionale
werden. Das ist eine Verschlechterung gegenüber dem Bud- Flexibilität, und das ist unsererseits zu begrüssen. Wir dürfen
get von 29 Millionen oder gegenüber dem entsprechenden aber gewisse Misstöne nicht überhören. Für mich ist die jüng-
Vergleichsjahr 1991 um über 100 Millionen Franken. Aber das ste Streikdiskussion unverständlich und deplaziert Wir mei-
ist nur die halbe Wahrheit. Im Ausmass von 106 Millionen nen, wir sollten vom Personal beim Umbau der SBB eine kon-
Franken sind nämlich stille Reserven aufgelöst und ausseror- struktive Mitwirkung erwarten dürfen, nicht zuletzt in ihrem ur-
dentliche Gewinne vereinnahmt worden, vor allem aus der eigensten Interesse.
Einbringung des Kraftwerkes Amsteg in eine neu gegründete Auch in die langfristige Strategie setzt die neue Führung
Aktiengesellschaft. An dieser Buchtransaktion hat der Bund grosse Hoffnungen. Sie ist offen für neue Lösungen, für län-
85 Millionen Franken «verdient». Nun sind die SBB mit 90 Pro- gerfristige Dimensionen. Auch das Projekt Swissmetro ist für
zent und der Kanton Uri mit 10 Prozent an der Kraftwerk Am- die Generaldirektion der SBB heute kein Tabu mehr. Solche
CFF. Gestion et comptes 1992 462 14 juin 1993
Fragen sollen offen angegangen werden. Vor allem will man bare Weise durchaus noch Kosten sparen lassen, und zwar
heute richtigerweise die Verkehrssysteme auf ihre Kompatibili- sparen lassen, bevor man zur völligen Tilgung von Zugsange-
tät mit solchen heute noch visionären Vorstellungen für eine boten schreitet und damit dem Regionalverkehr irreparablen
ferne Zukunft prüfen. Aber vorderhand sind vordringlich die Schaden zufügt? Einem Regionalverkehr notabene, der bis zu
akuten Probleme zu lösen. Eine ganz zentrale Aufgabe ist es, 40 Prozent Fahrgäste an die Hauptachsen, an die Intercity-
die SBB finanziell einigermassen im Gleichgewicht zu halten. Strecken, liefert. Letztlich sägt man gar an dem Ast, auf dem
Dies wiederum heisst nichts anderes, als dass Kosten und Er- man bisher noch sitzt
träge in eine Balance zu bringen sind, und zwar rasch, sonst 2. Wir sind zur Neat gestanden. Doch wir sehen unsere Anlie-
entgleist dieser Zug unweigerlich. Gestatten Sie mir vor die- gen, unsere Ostschweizer Interessen auch hier bereits wieder
sem Hintergrund eine ganz kurze Schlussbemerkung, die ich gefährdet Die Neat wird mehr kosten, als der Bevölkerung vor-
mir nicht verkneifen kann: Was wäre wohl, wenn wir als näch- gerechnet worden ist, und wenn der Güterverkehr nicht zwin-
stes Traktandum die Rechnung 1992 der staatlichen Luftfahrt- gend auf die Schiene verlagert wird, droht sogar eine riesige
gesellschaft abzunehmen hätten? Ich hoffe sehr, dass uns ein Fehlinvestition. Darüber mehr am nächsten Mittwoch, wenn
solcher weiterer Sanierungsfall erspart bleibt und dass sich wir über die Alpen-Initiative sprechen werden.
die Swissair ohne Staatskrücken über Wasser bzw. in der Luft Wie bei «Bahn 2000» werden die Verantwortlichen auch hier
halten kann. Daran müssen wir denken, wenn wir uns überle- nicht um eine gewisse Prioritätensetzung herumkommen.
gen, der Swissair politische Vorgaben zu machen. Und Sie, Herr Bundespräsident, haben sich bereits in gewis-
Doch zurück auf den Boden: Die Finanzkommission empfiehlt sen Avancen unüberhörbar für eine Begünstigung der Ro-
Ihnen einstimmig, die Jahresrechnungen 1992 der SBB zu- mandie ausgesprochen. Dafür mag es gute Gründe geben.
sammen mit dem Geschäftsbericht zu genehmigen. Aber wir fühlen uns einmal mehr als die Geprellten. Nach all
den früheren Versprechen, die man der Ostschweiz gemacht
Onken: Ich bin Herrn Bühler Robert dankbar, dass er für mich hat und die nicht eingehalten worden sind, möchten wir nun
die Berichterstattung über den Geschäftsbericht der SBB nicht ein weiteres Mal zurückstecken müssen - wir nicht und
übernommen hat Das enthebt mich einer gewissen präsidia- auch nicht unsere europäischen Partner in diesem «euroregio-
len Zurückhaltung, Herr Bundespräsident, und ich kann als nalen» Wirtschaftsraum Baden-Württemberg, Bayern und Vor-
Ostschweizer Standesvertreter und als Thurgauer Ständerat arlberg. Wir bestehen also auf dieser zugesicherten ersten
frei und unbeschwert ein paar Worte zur Verkehrspolitik und Dringlichkeit bei der Einbindung in das Neat-Konzept und
zur SBB-Politik der jüngsten Vergangenheit sagen. auch auf unseren Zulaufstrecken.
Den SBB und auch Ihnen, Herr Bundespräsident, als zuständi- 3. Wir sind zu Cargo Domizil gestanden, sogar - wenngleich
gem Departementsvorsteher, steht der Wind recht steif ins Ge- natürlich mit gewissen Bedenken - zu einer Neukonzeption
sicht Es macht sich allenthalben Unmut breit, der noch kei- dieses Cargo Domizil im Rahmen eines reduzierten Netzes,
neswegs seinen Höhepunkt erreicht hat Gerade in der Ost- bei dem wir schon schmerzliche Zugeständnisse haben ma-
schweiz ballt er sich merklich zusammen. Dabei brauchten die chen müssen. Doch nun soll diese Restrukturierung offen-
SBB-Direktion und auch die Verkehrsverantwortlichen des sichtlich noch weiter getrieben, sollen uns noch zusätzliche
Bundes in dieser schweren Zeit Freunde und Partner: Kan- Opfer zugemutet werden. Es ist uns noch ein einziges Zen-
tonsregierungen, die ihnen die Stange halten und sich nicht trum im Kanton verblieben, dasjenige im thurgauischen Ver-
gegen «Bern» auflehnen, und Politiker, welche die Neuerun- kehrsknotenpunkt Romanshorn. Nach den neuesten Informa-
gen in Verantwortung mittragen und sie nicht torpedieren. tionen will man jetzt auch daran Hand anlegen. Ein ganzer
In der Ostschweiz durften Sie bis anhin auf diese Bereitschaft Kanton, ein Gebiet von 1000 Quadratkilometern Fläche,
und auf diese Mitverantwortung zählen. Wir sind für Ihre Poli- würde somit von St. Gallen und von Winterthur aus bedient
tik, Herr Bundespräsident, geradegestanden. Heute fühlen wir werden: Stückgutverkehr total auf der Strasse, mit Lastwagen
uns aber zunehmend im Stich gelassen. Wir hören Sie zwar und mit Lieferwagen, und das nur wegen der fehlenden Ko-
weiterhin in gewohnter Weise beschwörend von Optimismus stenwahrheit, die den Strassenverkehr gegenüber dem Bahn-
und Zukunftshoffnung reden und vernehmen auch die Be- verkehr so sehr begünstigt! Ich finde das absolut unzumutbarl
teuerungen für den öffentlichen Verkehr, aber in der Praxis ern- Es ist auch ein Schlag ins Gesicht der Umweltpolitik des Bun-
ten wir eigentlich nur Nachteile, Rückschläge und Verluste. Ich des, ja selbst noch Ihres eigenen Programmes «Ener-
belege diese Behauptung gerne mit ein paar Fakten: gie 2000», Herr Bundespräsident, wo man zäh um beschei-
1. Wir sind zur «Bahn 2000» gestanden. Doch wir befürchten, dene Fortschritte bei der rationelleren Energieverwendung
dass sie bei uns nicht mehr stattfinden wird. Denn Ihrem Auf- ringt, während hier offenbar diese gleiche Energie bedenken-
trag gemäss hat die Konzentration auf das Kerngeschäft, auf los verpufft werden kann.
die einträglichen Hauptlinien, begonnen und damit der schlei- Es gibt mir zu denken, wenn ich einen bundestreuen, gouver-
chende Rückzug aus einer flächendeckenden, kundennahen nementalen und absolut gemässigten Regierungsrat - Ihrer
und bedarfsgerechten Konzeption, in die auch mein Kanton Partei übrigens - an einer öffentlichen Veranstaltung im Thur-
eingebunden war. Wer spricht noch von der Schnellzugsver- gau sagen höre, der Bund könne sich seine Luftreinhalte-Kon-
bindung Konstanz-Kreuzlingen-Zürich, wer vom Ausbau der zeption an den Spiegel stecken, wenn wahr werde, dass auch
Mittel-Thurgau-Bahn, wer von anderen Infrastrukturanlagen, dieses Regionalzentrum noch geopfert werden müsse.
die mit der Ostschweiz verbunden sind, bis hin zum Brüttener Wir sind nicht bereit, das hinzunehmen, nicht nur weil es öko-
Tunnel, der ausführungsreif ist und der noch immer nicht in logisch unsinnig ist, sondern weil es ein weiterer Schlag ge-
Angriff genommen wird? Dieser Tunnel ist der eigentliche gen den öffentlichen Verkehr, gegen den Verkehrsknoten-
Schlüssel der Ostschweiz zur «Bahn 2000». Statt dessen erle- punkt Romanshorn und gegen die öffentlichen Arbeitsplätze
ben wir die systematische Ausdünnung unseres Regionalver- im Oberthurgau ist, denn betroffen sind ja nicht nur die SBB,
kehrs, die Verschlechterung der Anbindungen, die Brüskie- betroffen sind auch der Zoll, das Rangierzentrum und etliche
rung berechtigter kantonaler Fahrplanwünsche. Wir haben Speditionsfirmen.
zähneknirschend hinzunehmen, dass die SBB ab Fahrplan Ein weiterer Schlag, nicht der erste: Auch beim Postauswechs-
1993/94 pro Jahr 62 400 Regionalzugskilometer und 34 100 lungsamt hört man von Abbau sprechen. Beim eidgenössi-
Schnellzugskilometer weniger auf dem Schienennetz des schen Alkohollager ist ebenfalls von Redimensionierungsplä-
Kantons Thurgau erbringen werden. Wir kämpfen zwar immer nen die Rede. Selbst den Sitz der SBB-Bodenseeflotte hat
noch dagegen - der Entscheid liegt demnächst bei Ihnen, man nach St Gallen verlegt und nicht an den See, nicht nach
Herr Bundespräsident -, dass weitere «Taktlücken» in unser Romanshorn, was doch eigentlich naheliegend gewesen
regionales Verbindungsnetz gerissen werden und zusätzliche wäre. Was ist das nur für eine Regionalpolitik!
12800 Kilometer aus dem ohnehin schon zusammenge- Und noch immer warten wir überdies auf eine dritte Bodensee-
schrumpften Angebot verschwinden. •fähre, deren Bedarf seit Jahren ausgewiesen ist Nichts gehtl
Wo bleiben auf der anderen Seite - da halte ich es durchaus Der Schwarze Peter wird offenbar hin-und hergeschoben. Sie,
mit meinem Kollegen Bühler Robert - die vernünftigen Ratio- Herr Bundespräsident, haben uns in einer Antwort an Herrn
nalisierungen und Optimierungen, mit denen sich auf vertret- Uhlmann Hoffnung gemacht, und nun schleppt sich diese Sa-
14. Juni 1993 463 SBB. Geschäftsbericht und Rechnungen 1992
ehe endlos dahin, obwohl keine Beschwerdeschikanen, keine zen» ausgerichtet wären. Das ist nicht meine Vision von den
Umweltverträglichkeitsprüfungen und keine Einsprachen, die Schweizerischen Bundesbahnen. Und um diese Zukunftsvor-
Sie sonst beklagen, zu überwinden sind. Es wäre vielleicht stellung geht es hier. Es kann und darf nicht sein, dass am
durch ein juristisches Gutachten doch nochmals abzuklären, Schluss nur noch die grossen Linien bedient werden, wäh-
ob aus den Treibstoffzollgeldern nicht eine Finanzierung rend die Regionallinien von irgend jemandem betrieben wer-
möglich ist. Meines Erachtens müsste das Artikel 36ter der den können.
Bundesverfassung unter Umweltschutzgesichtspunkten er- Ich hoffe sehr, dass aus dem dereinstigen «Grünbuch», das in
lauben. der Zwischenzeit zu einem «Weissbuch» geworden ist, für
Alles in allem - bitte verzeihen Sie, wenn ich aus meinem Her- viele Randregionen in der Schweiz am Schluss nicht ein
zen keine Mördergrube mache -: Wir fühlen uns in der Ost- «Schwarzbuch» wird. Herr Bundespräsident, ich appelliere an
schweiz und in meinem Kanton hingehalten. Das ist ein ungu- Sie, dafür zu sorgen, dass die Randregionen auch in Zukunft
tes Gefühl. Wir sehen diesen schrittweisen Leistungsabbau, hinreichend versorgt werden, wie es sich für ein vernünftiges
diese schleichende Dezimierung des öffentlichen Verkehrs, Grundangebot gehört
die klare Benachteiligung unserer Region. Und noch haben
wir nur dieses «Grünbuch» der Groupe de réflexion - aus dem Huber: Es gibt eine alte lateinische Redensart: «Très faciunt
jetzt ein «Rotbuch» geworden ist -, aber wir haben noch kei- collegium»: Es braucht drei, um Eindruck zu machen. Ich hätte
nen neuen Leistungsauftrag. Noch sind die SBB gehalten, den es mit Kollege Schiesser halten und sagen können: Beim Vo-
gegebenen Auftrag im Rahmen der Parlamentsbeschlüsse, tum von Herrn Onken substituiere ich den Thurgau, indem ich
gestützt auf das Gesetz und auch auf die gefällten Volksent- «-gau» stehen lasse und einfach «Aar-» voranstelle. Die Konse-
scheide zu erfüllen. Das kann doch eigentlich nicht heissen, quenzen wären im Prinzip die gleichen. Ich muss Ihnen sagen,
dass man dauernd Faits accomplis schafft, also vollendete dass es die gleichen Ueberlegungen und Sorgen sind, die uns
Tatsachen. Das kann auch nicht heissen, dass man alle die im Kanton Aargau plagen. Es sind die Probleme, die mich be-
Fragen, die sich der Politik und den Politikern aus dem neuen schäftigen, weil die Rheintallinie, also die Verbindung zwi-
SBB-Konzept heraus stellen, bereits vorweg und höchst ein- schen der Ostschweiz, der Nordschweiz und der Region Ba-
seitig beantwortet. Wir wollen, was den öffentlichen Verkehr in sel, einer offensichtlich gesteuerten Auszehrung unterworfen
unserer Randregion betrifft, nicht «am ausgestreckten Arm ist Das macht uns ausserordentlich grosse Sorgen.
verhungern». Wir wollen auch nicht als Peripherie den Preis für Ich verstehe durchaus, dass gegenwärtig die nationalen und
die zentralen Grossprojekte bezahlen, denn es ist ganz klar: je die internationalen Probleme bei Ihnen, Herr Bundespräsi-
mehr Mittel dort gebunden werden, desto weniger steht der dent, aber offenbar auch bei der Geschäftsleitung unserer
Randregion zur Verfügung. Wir werden uns, gerade weil wir schweizerischen Bahnen im Vordergrund stehen. Aber überle-
Freunde und überzeugte Verfechter leistungsstarker SBB gen Sie doch einmal ganz einfach, welches die Beiträge sind,
sind, mit allen uns zu Gebote stehenden Mitteln dagegen weh- die -jetzt aus meiner Sicht - der Kanton Aargau geleistet hat,
ren, das Opfer einer verkehrten Verkehrspolitik zu werden, die damit Sie das Problem der «Bahn 2000» lösen können. Wir ha-
dem Strassenverkehr weiterhin ohne Kostenwahrheit grosszü- ben die Heitersberglinie realisieren lassen, in einem Zustand
gig freie Fahrt gewährt, während der regionale Schienenver- von geradezu idealer Zusammenarbeit zwischen dem Bund,
kehr, von einer Renaissance weit entfernt, zunehmend ausge- den Kantonen und den betroffenen Gemeinden, damit die bei-
powert wird. den nationalen Brennpunkte - so etwa aus der Sicht von Herrn
Pilet -, nämlich Zürich und Genf, durch den Aargau rascher
Schiesser: Kollege Onken hat im Namen der Ostschweiz und verbunden werden können. Den Strom dazu beziehen Sie ja
vor allem im Namen seines Kantons, des Thurgau, gespro- nicht vom Mont Soleil, sondern aus den Kraftwerken im Kan-
chen. Er hätte über weite Strecken ebensogut für alle Randre- ton Aargau und auch noch an einigen anderen Orten - auch
gionen unseres Landes sprechen können. aus solchen, die Ihnen als Berner Oberländer nahe sind. Und
Ich will mich kurz fassen: Kollege Bühler Robert hat darauf hin- wo, Herr Bundespräsident, wo haben die Zürcher das Terrain
gewiesen, dass es für die ganze Schweiz ein gewisses Grund- für ihren Rangierbahnhof gefunden? Sie haben dieses Terrain
angebot zu sichern gelte. Damit bin ich vollkommen einver- in Spreitenbach gefunden, im Kanton Aargau, und haben dort
standen. Die grosse Diskussion wird sich aber dann ergeben, im Prinzip die Möglichkeit geschaffen, um wirklich in der
wenn es darum geht, festzulegen, wie dieses Grundangebot Schweiz und über die Schweiz hinaus ein flexibles System des
insbesondere für jene Regionen aussehen wird, die geogra- Transportes von Gütern und von Menschen organisieren zu
phisch nicht im Zentrum liegen. Ebenso wurde gesagt, es können.
könne nicht einfach eine Lastenverschiebung im Regionalver- Nun steht bei uns die Frage des Regionalverkehrs - Kollege
kehr zu Lasten der Kantone erfolgen. Auch dieser Aussage ist Schiesser und Kollege Onken haben das sehr präzis ge-
vorbehaltlos zuzustimmen. Nur muss man sich ganz klar vor sehen - ebenfalls im Zentrum der Ueberlegungen. Ich muss
Augen halten, dass der Bericht der Graupe de réflexion etwas Ihnen sagen, dass die Aeusserungen, die ich in einem glän-
anderes vorsieht. Auch hier wird Klarheit entstehen, wenn die zend gestalteten Rechenschaftsbericht - dazu möchte ich den
konkreten Vorschläge auf dem Tisch liegen. SBB mein persönliches Kompliment aussprechen - auf Sei-
Herr Onken hat darauf hingewiesen, dass aufgrund der Gross- te 9 finde, doch zu gewissen Bedenken Anlass geben. Dort
projekte, die beschlossen worden sind, beim Regionalverkehr heisst es unter dem Titel «Regionalverkehr erhalten»: «Die
Abstriche gemacht werden müssen. Ein solcher Zusammen- SBB sprechen sich grundsätzlich für die Aufrechterhaltung
hang wird zwar immer wieder bestritten. Anlässlich der ent- des Angebots beim regionalen Personenverkehr aus. Insbe-
sprechenden Beschlussfassungen hier im Rat wurde von sei- sondere in Ballungszentren ist dieser, in Zusammenarbeit mit
len des Bundesrates erklärt, der Regionalverkehr habe wegen Kantonen und Gemeinden, gezielt auszubauen. In schwächer
der Neat keine Einbussen zu gewärtigen. Eine solche Position besiedelten Gebieten sind die Betriebsformen konsequent zu
ist heute unhaltbar. Sprechen Sie doch einmal mit dem ge- optimieren.» Nun muss man nicht hochrangiger Theologe mit
wöhnlichen Mann oder der gewöhnlichen Frau von der allen Fähigkeiten zur Bibelauslegung sein, um diese Sätze auf
Strasse. Es wird Ihnen niemand glauben, dass zwischen den ihren wahren Gehalt zu reduzieren. Das heisst schlicht und
Grossprojekten einerseits und dem Abbau beim Regionalver- einfach: Der Regionalverkehr wird in den Ballungszentren auf-
kehr andererseits kein direkter Zusammenhang gegeben sei. rechterhalten, und in den Randgebieten wird er im Prinzip
Es ist doch offensichtlich, dass die Mittel nicht unbegrenzt zur mehr oder weniger abgeschrieben. Der Begriff der Optimie-
Verfügung stehen, dass diese Mittel in anderen Bereichen ein- rung, der konsequenten Optimierung, der hier verwendet
gesetzt werden müssen und dass demzufolge dort Abstriche wird, beinhaltet im Prinzip eine Teilung der finanziellen Lasten
gemacht werden, wo sie am leichtesten gemacht werden kön- zwischen den Kantonen, den Gemeinden und der Eidgenos-
nen, und das ist beim Regionalverkehr. senschaft.
Ich möchte auch in Zukunft Bundesbahnen haben, die für die Ich muss sagen: Ich teile die Meinung meiner beiden Vorred-
ganze Schweiz zur Verfügung stehen, und nicht solche, die ner auch in diesem Punkt, wo sie Ihnen dargelegt haben, dass
nur Teilregionen bedienen, die gleichsam auf zwei «Schwei- durchaus die Gefahr besteht, dass die bahnfreundliche Basis
CFF. Gestion et comptes 1992 464 14 juin 1993
kippt. Herr Bundespräsident, in unseren Gegenden spürt man Ich habe die Zahlen genannt: 12 Milliarden Franken. Wenn wir
sehr viel Enttäuschung. Da ist man ebenfalls der Meinung, so weiterfahren, sind es dann eben bald über 30 Milliarden
dass im Prinzip für die SBB das Netz auf die nationalen Ver- Franken Schulden. Ich frage Sie an: Können wir das einfach
bindungen reduziert ist und dass die «Dinge am Rand» dort gehenlassen? Ich meine nein. Wir können das eben nicht ge-
liegengelassen werden, wo sie sind, nämlich wirklich am henlassen. Die SBB sind nicht irgendein Unternehmen; sie
Rand. sind ein Betrieb mit zahlreichen öffentlichen Funktionen und
Ich möchte Sie daher sehr ermuntern, dass Sie sich mit den Aufgaben. Und diese öffentlichen Funktionen und Aufgaben
beiden zentralen Bahnproblemen auseinandersetzen, die wir werden vom Volk zuwenig benutzt, auch im Kanton Glarus,
Aargauer gegenwärtig haben, nämlich mit der Seetalbahn auch im Kanton Thurgau, auch im Kanton Aargau. Ich muss
zum einen - das Problem haben die Luzerner im übrigen ja mit das klar und deutlich sagen. Wir können Ihnen ja die Erfolgs-
uns gemeinsam - und mit der Rheintalachse zum zweiten. Wir rechnungen der Linien in Ihren Kantone zeigen, dann werden
wissen, dass wir dort, wo wir dem grösseren Ganzen dienen, Sie grosse Augen machen.
keine Nachteile erleiden; aber dort, wo wir eigene Bedürfnisse Es geht niemals darum - dieser Eindruck ist jetzt entstan-
zu befriedigen suchen, stossen wir an Grenzen. Ich frage mich den -, dass wir die Bundesbahnen demontieren wollten. Im
manchmal, ob wir darunter leiden, dass der Kanton Aargau Gegenteil, wir müssen überlegen: Wie können wir diesen Re-
durch einen «Federstrich» in eine Kreisdirektion l und in eine gionen einen angepassten Service sichern, was können wir
Kreisdirektion II geteilt ist, weil wir - mit anderen Worten - an dort, wo die Bahn noch benützt wird, ausbauen und verbes-
zwei Stellen ein geneigtes Ohr finden müssen und nicht nur an sern? Es geht auch um eine Effizienzverbesserung. Es geht
einer Stelle. also nicht um Demontage, sondern um eine angepasste Ver-
Ich möchte Ihnen ganz offen sagen: Wir freuen uns am Aus- besserung dort, wo die Bahn auch benützt wird. Schauen Sie
bau des Bahnhofes Aarau. Wir sind dankbar, dass dieses ab sofort jeden Zug einmal genauer an, nicht nur die schöne
lange, lange vernachlässigte Werk in unserer Kantonshaupt- «Lokomotive 2000», nicht nur die schönen Wagen, sondern
stadt realisiert werden kann. Wir sind beeindruckt durch die schauen Sie auch einmal, wie viele Leute in diesen Zügen sit-
Koordination, durch die Zügigkeit der Arbeiten, die da vorge- zen. Dann werden Sie auch wiederum grosse Augen machen.
nommen werden. Aber wir haben andere Probleme, Probleme Wir können dort das Angebot verbessern, wo der Zug auch
der Randgebiete, die ich aus aargauischer Sicht hier artikulie- benützt wird.
ren wollte. Ich möchte auch klar sagen: Die Groupe de réflexion - das ist
Ich bitte Sie, diese Sicht der Probleme nicht zu verdrängen, eine Expertengruppe - hat nun einmal die Situation darge-
sondern diesen Problemen genauso nachzugehen wie in den stellt, was Sie mehrmals in diesem Rat gewünscht haben (ich
Regionen, von denen meine Kolleginnen und Kollegen ge- bin jetzt etwa zum sechstenmal bei einer SBB-Rechnung da-
sprochen haben. bei). Die Groupe de réflexion ist Ihrem Auftrag nachgekom-
men: Offenlegung, Transparenz. Wie sieht die Situation der
SBB aus? Sie sieht eben schlecht aus.
Bundespräsident Ogi: Ich will zunächst den Herren Bühler Ro- Die zentrale Frage ist immer wieder: Wieviel sind Sie für die
bert und Schule für ihre Berichterstattung danken. Ich muss SBB zu zahlen bereit? Sie wurde nicht beantwortet, aber Sie
annehmen, dass Herr Onken - er hat Herrn Bühler auch für die müssen sie jetzt bald beantworten; ich erwähne nur das «Ren-
Berichterstattung gedankt - nicht gehört hat, was Herr Bühler dezvous» mit dem Leitbild der SBB, das wir Ihnen nächstes
gesagt hat Herr Bühler hat ganz klar drei Forderungen aufge- Jahr oder vielleicht schon Ende dieses Jahres vorlegen wer-
stellt Die erste Forderung ist, dass wir die Sparmassnahmen den. Da werden Sie dann gefordert sein, wenn Sie zu entschei-
der SBB durchsetzen. Herr Onken, man kann schon fordern, den haben, welchen Betrag Sie für die SBB zu bezahlen bereit
aber so kann man nicht sprechen. Wie ist die Ausgangslage sind. Dann werden wir einen entsprechenden Service auf-
der SBB, und wie hat man in den letzten Jahren die SBB kriti- bauen. Aber diese Frage hat mir bis heute noch niemand be-
siert, wie wurde von den meisten in diesem Rat gefordert, dass antwortet Gefordert wird dann das Parlament sein, gefordert
wir sparen sollten? Aber wir müssen davon ausgehen, dass wird dann der Bundesrat sein, und gefordert ist auch das De-
die SBB heute 12 Milliarden Franken Schulden haben. Wir partement, das ist selbstverständlich.
müssen davon ausgehen, dass die SBB im Jahr 2000 - wenn Wir müssen auch zur Kenntnis nehmen, dass uns die Mittel
wir nichts tun - 30 Milliarden Franken Schulden haben wer- die Möglichkeiten diktieren. Und Sie haben die Budget-
den, Herr Onken. Die Frage, die ich Ihnen stellen möchte: Dür- hoheit Sie bestimmen, wieviel Geld an die SBB geht. Das
fen wir das einfach so «laisser aller, laisser faire, laisser rou- möchte ich Ihnen in aller Klarheit in Erinnerung rufen, und ich
ler»? Die Verantwortung zwingt uns, das nicht zu tun. erinnere an das «Rendezvous» im Dezember beim Budget
Ich habe am 20. März des vergangenen Jahres eine Groupe 1994. Ich kann Ihnen sagen, wir haben vom Departement aus
de réflexion eingesetzt. Ich habe sie eingesetzt, als klar war, keinen Abbau in bezug auf den nächstjährigen Regionalver-
dass die SBB nicht mehr in der Lage waren, den Leistungsauf- kehr vorgeschlagen. Es ist einfach eine Behauptung, zu sa-
trag 1987 zu erfüllen. Wir haben diese Groupe de réflexion gen, wir hätten hier einen Abbau vorgenommen. Wir haben
nach Gesprächen mit der neuen Generaldirektion der SBB keinen Abbau vorgenommen! Wir werden dann sehen, was
eingesetzt; mit ihr können wir übrigens sehr gut zusammenar- Sie in den Finanzkommissionen beschliessen werden. Wir
beiten, was Herr Bühler auch schon zum Ausdruck gebracht können den heutigen Verkehr aufrechterhalten. Wir können
hat Wir haben es gemacht, als das Weissbuch der SBB vorlag mit Anpassungen Verbesserungen einführen. Das möchte
und als wir einsahen, dass es so nicht weitergehen kann. ich doch auch sagen.
Schauen Sie doch einmal die Züge im Kanton Thurgau an, lie- Wie geht es weiter mit dem Bericht der Groupe de réflexion?
ber Herr Onken, schauen Sie, wie leer diese umherfahren! Wir werden nun aufgrund dieses Berichtes ein Leitbild SBB er-
Schauen Sie einmal die Rechnung an: Im Regionalverkehr arbeiten und dem Bundesrat mit Antrag auf Vernehmlassung
verzeichnen wir rund 60 Prozent der Zugsstunden, und die Er- vorlegen. Dann werden wir uns auch über jene Frage zu unter-
löse decken etwa 30 Prozent seiner Betriebskosten. So kön- halten haben, die Sie als zweite gestellt haben, Herr Bühler
nen wir nicht weitermachen. Robert, nämlich über die Verlagerung der Kompetenzen bei
Wir haben dieser Groupe de réflexion den Auftrag gegeben, den Investitionsbeschlüssen auf das Parlament Ist es richtig,
nach Sanierungsmöglichkeiten für die SBB zu suchen - das dass bei den SBB alle mitreden wollen, oder wäre es nicht rich-
ist genau das, was Sie in diesem Rat immer wieder gefordert tiger, wenn man die Kompetenzen vermehrt der Generaldirek-
haben; lesen Sie das Protokoll nach. Dieser Auftrag entsprang tion der SBB geben würde? Ich möchte Sie bitten, sich auch
der Sorge um die sich allzu schnell verschlechternde Ertrags- diese Frage zu überlegen. Zu viele Köche verderben bekannt-
kraft der SBB, entsprang der Sorge um die rasch wachsende lich den Brei. Und ich bin der Meinung, dass die Unterneh-
Beanspruchung von Bundesmitteln durch die SBB - es sind mung im Rahmen des delegierten Auftrages und der Aufgabe
heute immerhin rund 4 Milliarden Franken, die jährlich in die dann auch selbständig handeln sollte und dass nicht immer-
SBB investiert werden -, entsprang auch der Sorge um die zu- jedenfalls fast immer - von der Politik aus Schwierigkeiten ge-
nehmende Verschuldung der SBB. macht werden sollten.
14. Juni 1993 465 SBB. Geschäftsbericht und Rechnungen 1992
Ich möchte festhalten, dass wir nach der Vernehmlassung stellt haben. Die besten Ingenieure in diesem Land haben das
über dieses Leitbild einen Botschaftsentwurf vorlegen werden, Neat-Projekt geprüft, eine Kostenrechnung angestellt und
den Sie dann im nächsten Frühjahr behandeln können. Bei Zahlen vorgelegt. Ich weiss, jetzt kommen die «Nadelstiche»:
der Behandlung des Leitbildes durch die eidgenössischen 1. Die Geologie sei nicht studiert worden. Lesen Sie einmal die
Räte kann auf die Fragen eingegangen werden, die zum Teil Botschaft! Die Geologie ist in der Botschaft abgehandelt. Wir
schon gestellt wurden: Wieviel SBB? Wieviel Regionalver- können nicht in das Berginnere hineinsehen. Aber beim Gott-
kehr? Wie sollen die SBB geführt werden? usw. Und schliess- hard und beim Lötschberg hat man Erfahrungen. Man hat
lich ist dann auch zu überlegen, welche Anpassungen bei den auch Sondierbohrungen durchgeführt und festgestellt, dass
Gesetzen vorgenommen werden. Ich denke hier an das SBB- am Gotthard, im Pioramassiv, gewisse Probleme vorhanden
Gesetz, an das Eisenbahngesetz usw. sind. Diese Risiken hat man in der Botschaft beschrieben. Ich
Schliesslich wird es in einem vierten Schritt darum gehen, ei- möchte Sie doch bitten, diese Botschaft zu lesen.
nen Unternehmensvertrag für die SBB und eventuell auch für 2. Man hat von Wasserproblemen gesprochen. Auch das
die Regionalbahnen zu erarbeiten. Wir sind der Auffassung, Wasser ist in der Botschaft abgehandelt, auch zum Wasser ha-
dass doch geprüft werden sollte, ob nicht beispielsweise eine ben wir Ausführungen gemacht.
Unternehmung im Vallée de Joux diesen Verkehr zwischen Le 3. Die 40-Tonnen-Limite: Ein untergeordneter Beamter in
Brassus und dem See entlang nach Le Pont besser durchfüh- Brüssel hat gesagt, man würde wieder den 40-Tonnen-Korri-
ren könnte als eine General- oder Kreisdirektion, die ihren Sitz dor verlangen. Ich habe bei der CEMT (Conférence euro-
in Lausanne hat. Daher sollen diese Modelle geprüft werden, péenne des ministres des transports) verschiedene Kollegen
nicht zuletzt Sie haben das auch immer wieder gefordert! Die gefragt, ob das wieder ein neues Thema sei. Keiner wusste et-
Stunde der Wahrheit wird schlagen, wenn das Leitbild kommt, was davon. Man kann eine solche Problematik auch herbeire-
wenn Sie sehen, wie viele Mittel investiert werden, und wenn den. Wir haben die Lust am Scheitern entdeckt! Ich sage es
Sie zu entscheiden haben, wieviel Geld Sie für die Bahn zur noch einmal: Wir wollen nichts mehr lösen, wir sind nicht mehr
Verfügung stellen wollen. bereit, die Probleme von vorne anzupacken. So kann man je-
Sie reden auch immer nur von den Bahnen, aber Sie verges- den Mut und jedes Engagement in Frage stellen.
sen: Wenn wir die Bahnen nicht mehr fördern könnten, wenn Warum haben wir keine jungen Unternehmer mehr in diesem
wir die «Bahn 2000» - auch hier wurde Kritik laut - oder die Land? Weil niemand mehr bereit ist, all diese Widerwärtigkei-
Neat nicht bauen könnten, würde das Strassennetz ausge- ten, all diese Schwierigkeiten zu überwinden, weil man jedem
baut. Hier sind noch rund 350 Kilometer zu bauen, und diese zu Beginn den Mut nimmt. Das ist die Problematik.
350 Kilometer kosten 20 Milliarden Franken, nachdem wir für Zur «Bahn 2000»: Als man von Kosten in der Höhe von 16 Milli-
die 1500 Kilometer bereits etwa 30 bis 35 Milliarden Franken arden Franken sprach, nachdem das Volk am 6. Dezember
ausgegeben haben. 1987 den Betrag von 5,4 Milliarden Franken gesprochen
Zur Seetalbahn möchte ich folgendes sagen: Der Bundesrat hatte, zogen wir die Bremse - das war auch eine «Vernunfts-
hat sich am 31. August 1992 auf einen Beschluss des Bundes- bremse» - und fragten die SBB: Was können Sie für diese
rates aus dem Jahre 1979 abstützen müssen, denn 1979 hat 5,4 Milliarden Franken, inklusive Teuerung macht das unge-
man die Seetalbahn als ein Modell für die Treibstoffzoll Verwen- fähr 8 Milliarden Franken, machen?
dung vorgesehen. Dann haben der Grosse Rat des Kantons Warten Sie jetzt doch ab, Herr Onken! Ich weiss nicht, woher
Aargau und der Grosse Rat des Kantons Luzern entspre- Sie wissen, dass dieses und jenes nicht gebaut werden
chende Pläne gutgeheissen. Heute macht man uns den Vor- könne.
wurf, wir würden für die Seetalbahn 600 Millionen Franken Die Anträge der SBB kommen auf Ende des Monats, und wir
ausgeben, damit 3 Millionen Franken beispielsweise pro Jahr werden dann sehen, was sie vorschlagen. Die Ostschweiz
eingefahren werden könnten. Der Bundesrat hat am 31. Au- wird nicht vernachlässigt, darum haben wir im Rahmen der
gust 1992 nicht 600 Millionen Franken beschlossen, sondern Neat auch den Anschluss der Ostschweiz vorgesehen. Wenn
er hat aufgrund der Beurteilung der Lage für den Vorortsver- Sie die Neat bekämpfen, bekämpfen Sie auch Ihren eigenen
kehr von Luzern Richtung Hochdorf eine Tranche in der Grös- Anschluss. Das möchte ich in aller Klarheit sagen.
senordnung von 60 Millionen Franken freigegeben. Er hat Die Vorschläge der SBB zur «Bahn 2000» werden kommen,
aber das Zwischenstück zwischen Beinwil und Hochdorf und und dann werden wir weitersehen.
vor allem den Erlosentunnel nicht freigegeben - ich möchte Für die Strecke Olten-Solothurn-Biel-Neuenburg-Yverdon-
das deutlich sagen -, weil wir der Meinung sind, dass hier ver- les-Bains-Lausanne wurden seinerzeit 250 Millionen Franken
tiefte Studien und ein vermehrtes Engagement der Kantone eingeplant, und jetzt kostet das plötzlich 1250 Millionen Fran-
notwendig sind, um diesen Anschluss und diese Verbindung ken; ich glaube, Sie hätten uns genau gleich kritisiert, wenn wir
zu rechtfertigen. das einfach hätten laufenlassen. Wir können uns nicht aus der
Der Bundesrat hat im weiteren für die Strecke zwischen Lenz- Verantwortung und «aus dem Auftrag» stehlen, den wir vom
burg und Seon Mittel freigegeben, und das Ganze kostet etwa Volk bekommen haben.
100 Millionen Franken. Diese 100 Millionen Franken werden Zur Neat möchte ich doch sagen, dass die Hochschule
aufgeteilt, indem der Bund ungefähr 60 Prozent durch die St. Gallen eine Studie (datiert vom 13. August 1992) ausgear-
Treibstoffzollkasse übernimmt, weil das eine typische «Treib- beitet hat, die zum Schluss kommt, der Finanzhaushalt des
stoffzollbahn» ist, und für den Rest müssen die beiden Kan- Bundes werde durch die Finanzierung der Neat nicht nachhal-
tone aufkommen. Es kann also keine Rede davon sein, dass tig beeinflusst, auch die Sanierung der Bundesfinanzen werde
wir bereits 600 Millionen Franken ausgegeben haben. Für nicht gefährdet. Die Finanzierung über den Kapitalmarkt sei
mich ist die Seetalbahn eine Problembahn. An dem Tag, als angesichts des investiven Charakters angebracht. Sie habe
die Finanzkommission des Nationalrates ihre Motion einge- keinen Anstieg der Zinsen und keine Verdrängung privater In-
reicht hat, ist ein Knabe überfahren worden. Für die Leute, die vestitionen zur Folge. Es sind ja gescheite Leute, die das ge-
in dieser Gegend wohnen, ist das kein akzeptierbarer Zu- schrieben haben!
stand. Entweder behebt man diesen Zustand, oder man reisst Der Bau der Neat führt zu erheblichen positiven Einkommens-
dieses Trassee ab, aber bei diesem Zustand kann man es und Beschäftigungswirkungen, die Bund und Kantonen ent-
nicht belassen! Tatsache ist, dass der Bundesrat bis jetzt etwa sprechende zusätzliche Steuereinnahmen einbringen. Ich
100 Millionen Franken freigegeben hat. Nun haben wir die Mo- kann nicht begreifen, Herr Onken, dass Sie auf der einen Seite
tion der nationalrätlichen Finanzkommission. Wir haben jetzt die Grossprojekte kritisieren und auf der anderen Seite sagen,
die Arbeiten weitgehend zurückstellen müssen. Diese Arbei- wir seien nicht in der Lage, den Regionalverkehr zu fördern.
ten können also nicht wie geplant vorangehen. Wir fördern den Regionalverkehr dort, wo er benützt, ge-
Es ist auch nicht richtig, wenn man nun die Grossprojekte ge- braucht wird, dort, wo die Züge noch einigermassen mit Leu-
gen den Regionalverkehr ausspielt. Ich staune, wie Herr On- ten besetzt sind.
ken sagen kann, es werde bei der Neat, die 14,9 Milliarden In bezug auf Cargo Domizil möchte ich Ihnen sagen, dass
Franken kostet, Kostenüberschreitungen geben. Das ist nicht noch nichts definitiv entschieden ist Der Verwaltungsrat der
fair! Ich weiss nicht, welche Berater und Ingenieure Sie ange- SBB ist daran, das neue Konzept zu studieren. Danach wird
Interpellation Flückiger 466 14 juin 1993
der Bundesrat ebenfalls dazu Stellung nehmen müssen. Bundesbeschluss über die Rechnungen und den Ge-
Wenn Sie die Rechnung der SBB betrachten, dann werden Sie schäftsbericht der Schweizerischen Bundesbahnen für
einsehen müssen, dass Cargo Domizil in dieser Form aus fi- das Jahr 1992
nanziellen Ueberlegungen nicht mehr weiter so betrieben wer- Arrêté fédéral sur les comptes et le rapport de gestion des
den kann. Wir brauchen eine Anpassung. Chemins de fer fédéraux pour 1992
Herr Schiesser hat von einer Vision gesprochen. Ich teile die
Auffassung, dass wir auch eine Vision für den Regionalverkehr Eintreten ist obligatorisch
entwickeln müssen. Im Rahmen des Leitbildes werden wir das L'entrée en matière est acquise de plein droit
tun. Aber auf der anderen Seite müssen wir auch die Moderni-
sierung der Bundesbahnen fördern. Wir müssen zur Kenntnis Detailberatung - Discussion par articles
nehmen, dass uns die Eisenbahnentwicklung in Italien, Frank-
reich, Deutschland «überrollt» hat. Wenn Sie die schönen Bil- Titel und Ingress, Art. 1,2
der der Pendolini, der TGV und auch der IGE sehen, dann Antrag der Kommission
müssen Sie sagen: Wir waren einmal an der Spitze, aber heute Zustimmung zum Beschluss des Nationalrates
sind wir es nicht mehr. Es ist dringend notwendig, dass wir
jetzt modernisieren, nachdem auch unsere Transitachsen Hö- Titre et préambule, art. 1,2
hendifferenzen von bis zu 1200 Metern zu überwinden haben, Proposition de la commission
sonst haben wir keine Chance mehr, im internationalen Eisen- Adhérer à la décision du Conseil national
bahnverkehr mitzuhalten. Wir brauchen diese Basistunnel,
diese neuen Eisenbahnlinien, damit wir international wieder Angenommen -Adopté
bei den Leuten sind.
Ich kenne die Sorgen des Kantons Aargau, Herr Huber. Ich an- Gesamtabstimmung - Vote sur l'ensemble
erkenne auch, dass wir mit dem Strom des Kantons Aargau, Für Annahme des Entwurfes 29 Stimmen
der 60 Prozent seiner Produktion verkauft und auch gut dafür (Einstimmigkeit)
bezahlt wird, fahren. Ich weiss, dass der Aargau ein bahn-
freundlicher Kanton ist. Wir haben zwar nicht nur gute Erfah- An den Bundesrat-Au Conseil fédéral
rungen mit dem Huckepack gemacht, aber wir haben die Pro-
blematik miteinander regeln können. Ich muss Ihnen einfach
sagen - denken auch Sie darüber nach, Herr Huber-: Die Er-
löse aus dem Regionalverkehr decken nur rund 30 Prozent
der Betriebskosten; diese Schere ist langfristig einfach nicht
zu verantworten. Deshalb braucht es diese Analyse der #93.3053
ST#
Strecken, und es braucht ein Angebot, das auf die Bedürfnisse
der Regionen zugeschnitten ist Interpellation Flückiger
In diesem Zusammenhang halte ich fest, dass wir mit dieser
Groupe de réflexion, mit dieser Analyse, dieser Situationsdar- Grünbuch über die Zukunft der SBB
stellung eine Offenlegung der Problematik der SBB vorge- Livre vert sur l'avenir des CFF
nommen haben, und jetzt beginnt die politische Knochenar-
beit Jetzt kommen die Entscheide, und da möchte ich Sie alle
einladen - auch die Herren Schiesser, Huber, Onken, Bühler
Robert -, mitzuhelfen, den SBB die Zukunft zu ermöglichen,
die sie verdienen. Sie haben gute Arbeit geleistet Ich möchte Wortlaut der Interpellation vom 1. März 1993
allen Beamten bestens danken. Die SBB sind auch bereit, im Im Januar 1993 veröffentlichte die Groupe de réflexion ein
Sinne von Herrn Bühler Robert selber Massnahmen zu treffen. Grünbuch über die Zukunft der SBB (Zwischenbericht an den
Aber wenn ich Ihnen gut zugehört habe, gehen die schon ein- Chef des EVED). Die Groupe de réflexion hat die Absicht, die-
geleiteten Massnahmen für Herrn Onken bereits zu weit Im sen Zwischenbericht mit den interessierten Kreisen und insbe-
übrigen hat Herr Onken viel gesagt, was ich gerne mit ihm im sondere mit den Direktoren, welche in den Kantonen für den
Detail besprechen möchte. Auch bei der Bodenseefähre dik- öffentlichen Verkehr zuständig sind, zu diskutieren. Leider
tieren die Mittel unsere Möglichkeiten. Wir werden prüfen, ob wurde der Bericht nicht auch in französischer Sprache veröf-
eine Treibstoffzollverwendung möglich ist Bis jetzt hatten wir fentlicht, was zu vielen Missverständnissen führte. Deshalb
den Eindruck, dass das vom Gesetz her nicht möglich ist Sie bitte ich den Bundesrat, die folgenden Fragen in deutscher,
sind anderer Meinung. Aber ich kann Ihnen sagen, dass wir französischer und italienischer Sprache zu beantworten
seit längerer Zeit mit Kantonen in Verhandlung sind. Der Re- (eventuell schriftlich, obwohl das im Reglement des Ständera-
gierungsrat, der da geschimpft hat- lassen Sie ihn freundlich tes nicht vorgesehen ist).
grüssen -, hat bereits auch in anderen Fällen etwas vorlaut Sa- 1. Die Groupe de réflexion geht vom - schwerlich akzeptierba-
chen kritisiert; wir müssen das zur Kenntnis nehmen. Wir ver- ren - Grundsatz aus, dass die Kantone für den gesamten re-
suchen, Lösungen anzubieten, und die Stunde der Wahrheit gionalen Personenverkehr aufkommen (S. 109 des Berich-
wird auch für Sie schlagen, wenn ich Ihnen nächstes Jahr-so tes). Die Linie Delsberg-Pruntrut würde beispielsweise prak-
hoffe ich - das Leitbild präsentieren darf. tisch nicht mehr bedient Welche Kosten würden den einzel-
nen Kantonen entstehen, wenn sie für den Regionalverkehr
Bühler Robert, Berichterstatter: Die Diskussion könnte ein fal- aufkommen müssten? Welche Form des Finanzausgleichs ist
sches Bild hinterlassen. Im Auftrage der geschlossenen GPK vorgesehen? Und welche tatsächlichen Einsparungen wür-
habe ich vorzutragen versucht, dass es uns mit der ersten For- den erzielt, wenn man von der Gesamtbelastung von Bund
derung - Durchsetzung der Sparanstrengungen - ernst ist und Kantonen ausgeht?
Das fordert aber auch uns heraus. Ich möchte hier festhalten: 2. Nach den Angaben des Zwischenberichtes würden die Re-
Auch im Regionalverkehr ist nicht mehr alles machbar, sonst duktion des Netzes um 17 Prozent und der Abbau des regio-
werden wir die SBB nie sanieren können. Es gibt einfachere, nalen Personenverkehrs gesamthaft eine Einsparung von
wirtschaftlichere Lösungen als solche maximale, überdimen- 850 Millionen Franken erbringen (S. 110). Wie wurde dieser
sional grosse Projekte. Ich sage das vor allem deshalb, weil Betrag errechnet?
die Direktion jetzt gewillt ist, solche Sparanstrengungen 3. Da ein bedeutender Teil der Kosten durch die Infrastruktur
durchzuziehen. Stärken wir dieser Direktion den Rücken! der Hauptlinien und der grossen Bahnhöfe verursacht wird,
würden eine teilweise Aufhebung des Regionalverkehrs und
die Schliessung von Nebenlinien den Personalbestand der
Hauptlinien nur unwesentlich beeinflussen. Auf diesen Linien
müsste das Betriebspersonal auf jeden Fall vorhanden sein,
Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften
Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées
Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali
SBB. Geschäftsbericht und Rechnungen 1992
CFF. Gestion et comptes 1992
In Amtliches Bulletin der Bundesversammlung
Dans Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale
In Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale
Jahr 1993
Année
Anno
Band III
Volume
Volume
Session Sommersession
Session Session d'été
Sessione Sessione estiva
Rat Ständerat
Conseil Conseil des Etats
Consiglio Consiglio degli Stati
Sitzung 09
Séance
Seduta
Geschäftsnummer 93.027
Numéro d'objet
Numero dell'oggetto
Datum 14.06.1993 - 18:15
Date
Data
Seite 460-466
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Pagina
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