Swiss Linguistic Communities Interpellation
Legislator-Zusammenfassung
KI-generiertThe interpellation concerned the need to improve understanding between Switzerland's linguistic communities, particularly after the EFTA vote revealed deep-seated differences. The government acknowledged the importance of this issue and was exploring ways to foster cooperation through media, youth exchange programs, and support for cultural meeting places. While recognizing the financial constraints, the government stated its commitment to exploring these measures within the framework of national research programs and existing legal foundations for cultural promotion and broadcasting.
Legislator-Regeste
KI-generiertArt. 55bis Abs. 3 BV, Art. 3 Absatz, Art. 55bis al. 3 BV, Art. 3 Abs. 1 des Gesetzes über Radio und Fernsehen, Art. 3 Abs. 1 der Konzession der SRG vom 18. November 1992, Bundesbeschluss vom 22. März 1991 (SR 414.41; Swiss Linguistic Communities Interpellation: The government acknowledged the importance of this issue and was exploring ways to foster cooperation through media, youth exchange programs, and support for cultural meeting places. While recognizing the financial constraints, the government stated its commitment to exploring these measures within the framework of national research programs and existing legal foundations for cultural promotion and broadcasting.
Schlagwörter
KI-generiertZitierte Gesetzesbestimmungen
KI-generiertVerwandte Entscheide
KI-generiertZentrale Rechtsfragen, extrahiert von Legislator
KI-generiertThis provision on the independence and autonomy of radio and television programming is cited in the context of the SRG's mandate to promote understanding between linguistic communities.
This article mandates radio and television to consider and present the diversity of the country and its population, which is relevant to promoting understanding between linguistic communities.
This part of the SRG's concession concretizes the mandate to promote understanding and exchange between regions, linguistic communities, and cultures.
This law allows the federal government to financially support youth organizations with a nationwide scope, contributing to intergenerational and interregional exchange.
This federal decree concerns the promotion of mobility within Switzerland, particularly in higher education, which contributes to understanding between linguistic regions.
Volltext
Interpellation Grossenbacher 618 N 19 mars 1993
Koordination zwischen den an verschiedenen Orten beste- - die Voraussetzungen dafür zu schaffen, damit die Aktivitäten
henden Aktivitäten im Bereich Europafragen notwendig ist. bestehender Begegnungsstätten von nationaler Bedeutung
Ueberdies war beabsichtigt, ein Schwerpunktprogramm «Eu- (zum Beispiel «Maison latine» in Bern, Stapferhaus Lenzburg
ropa» (SPP) auszuschreiben, um die vordringlichsten Fragen oder Schloss Waldegg in Solothurn) im Sinne der Förderung
in einem europäischen Kontext möglichst bald wissenschaft- des sprachübergreifenden Verständnisses zwischen den Ver-
lich aufarbeiten zu lassen. Dieses SPP sollte nicht nur Rechts- tretern der vier schweizerischen Sprachkulturen ausgebaut
fragen beinhalten, sondern multidisziplinär ausgestaltet wer- und intensiviert werden können?
den. Entsprechend diesem Konzept hätten überdies Finanz-
mittel für die sogenannte Auftragsforschung bereitgestellt wer- Texte de l'interpellation du 17 décembre 1992
den sollen. Les résultats de la votation sur l'EEE ont mis en lumière les dif-
Angesichts der angespannten Finanzlage des Bundes ist es férences de mentalité qui existent entre les communautés lin-
zurzeit nicht möglich, Sondermittel für die Realisation dieser guistiques de Suisse. Compte tenu des conceptions visible-
Vorschläge zur Verfügung zu stellen, zumal eine Kompensa- ment fort divergentes des Alémaniques et des Romands quant
tion im Bereich von Wissenschaft und Forschung auch nach à l'avenir de notre pays, il faut aujourd'hui prendre des mesu-
Konsultation der Schweizerischen Hochschulkonferenz nicht res pour améliorer le dialogue et la compréhension mutuelle.
möglich ist Le Conseil fédéral est-il disposé, dans la mesure de ses
Der Bundesrat misst aber der Intensivierung der Forschung im moyens,
Bereich der Europafragen nach wie vor eine grosse Bedeu- - à encourager la coopération entre les médias électroniques
tung bei. Er lässt daher prüfen, ob wesentliche Elemente des du Tessin, de la Suisse alémanique et de la Suisse romande,
ursprünglichen Konzepts im Rahmen der 7. Serie der Nationa- par exemple sous forme de programmes d'échange ou de co-
len Forschungsprogramme (NFP) verwirklicht werden könn- productions? Serait-il possible de sous-titrer des émissions de
ten. In diesem Zusammenhang wird auch zu klären sein, ob al- télévision d'intérêt national, qui sont diffusées sur l'une de nos
lenfalls ein bestehendes Institut die Funktion der Programm- chaînes et peuvent être captées dans les autres régions lin-
leitung und Koordination wahrnehmen könnte. guistiques?
Der Bundesrat wird über die NFP noch im Verlaufe dieses Jah- - à faire en sorte qu'un programme d'échange inspiré de
res endgültig entscheiden. «Jeunesse pour l'Europe», puisse être réalisé au niveau
suisse?
Präsident: Der Interpellant ist von der Antwort des Bundesra- - à faire en sorte que les activités organisées dans des lieux de
tes nicht befriedigt und verlangt Diskussion. rencontre d'importance nationale («Maison latine» à Berne,
Stapferhaus à Lenzbourg ou château Waldegg à Soleure)
Abstimmung - Vote soient développées et intensifiées, afin d'améliorer la compré-
Für den Antrag auf Diskussion 67 Stimmen hension entre les représentants des quatre communautés lin-
Dagegen 13 Stimmen guistiques de Suisse?
Verschoben - Renvoyé Mitunterzeichner - Cosignataires: Keine - Aucun
Schriftliche Begründung - Développement par écrit
Nicht erst das Ergebnis der EWR-Abstimmung hat die Gegen-
#ST# 92.3563 sätzlichkeiten zwischen der Deutschschweiz und der Roman-
die sichtbar gemacht
Interpellation Grossenbacher Bereits im Vorfeld der Abstimmung spürte man, dass ein un-
Förderung des Verständnisses überwindlicher Graben sich zu bilden begann.
zwischen den verschiedenen Junge Romands, die in die Deutschschweiz kamen, um ihr Ja
schweizerischen zum EWR darzulegen, wurden kaum angehört Die von West-
schweizer Zeitungen initiierten Beilagen für Deutschschweizer
Sprachkulturen und -regionen
Zeitungen wurden kaum zur Kenntnis genommen.
Amélioration de la compréhension Ein Dialog fand nicht statt Das Ergebnis der EWR-Abstim-
entre les communautés linguistiques mung gilt es anzunehmen. Wir können und dürfen uns aber
nicht der Pflicht entziehen, uns mit den Folgen, die dieses Er-
gebnis nach sich gezogen hat, auseinanderzusetzen.
1991 haben wir die multikulturelle Schweiz - als einmaliges
Phänomen - immer wieder hervorgehoben. Bereits 1992 stel-
Wortlaut der Interpellation vom 17. Dezember 1992 len wir fest, dass die Solidarität zwischen den Kulturen nicht
Die Resultate der EWR-Volksabstimmung haben die in unse- spielt.
rem Land bestehenden Mentalitätsunterschiede zwischen Solidarität lässt sich nicht per Knopfdruck herbeizaubern.
den Sprachkulturen und -regionen deutlich zum Ausdruck ge- Schon gar nicht in Zeiten des Konfliktes. Solidarität zu erlan-
bracht Angesichts der offenbar stark unterschiedlichen Auf- gen ist eine Daueraufgabe, ein Prozess; denn sie wächst auf
fassungen vor allem zwischen der Deutsch- und Westschweiz dem Boden des gegenseitigen Kennenlernens, der gegensei-
über die Festlegung der Rahmenbedingungen für die gemein- tigen Achtung und gegenseitigen Akzeptanz.
same Zukunft unseres Landes sind Massnahmen zur Verbes- Wenn wir die Solidarität innerhalb unserer multikulturellen
serung des Dialogs und damit des gegenseitigen Verständnis- Schweiz erhalten wollen, müssen wir etwas tun.
ses angezeigt Ist der Bundesrat gewillt, im Rahmen des ihm
Möglichen Schriftliche Stellungnahme des Bundesrates
- darauf hinzuwirken, dass im Bereich der nationalen elektro- vom 3. Februar 1993
nischen Medien eine vermehrte Zusammenarbeit zwischen Rapport écrit du Conseil fédéral
Tessin, Deutsch- und Westschweiz (beispielsweise in Form du 3 février 1993
von Austauschprogrammen oder Gemeinschaftsproduktio- Die Abstimmung über einen Beitritt der Schweiz zum EWR hat
nen) stattfindet? Besteht die Möglichkeit, Fernsehsendungen die divergierenden Kräfte zwischen den Sprachregionen un-
von nationalem Interesse, die auf einer Senderkette in einer seres Landes augenfällig werden lassen. Der Bundesrat hat
Landessprache ausgestrahlt werden und in den jeweils ande- dieser Problematik jedoch nicht erst heute seine Aufmerksam-
ren Sprachregionen empfangen werden können, mit Unterti- keit geschenkt So hat er bereits 1983 das Nationale For-
teln zu versehen? schungsprogramm 21 «Kulturelle Vielfalt und nationale Identi-
- dahin gehend aktiv zu werden, dass analog dem Beispiel tät» mit dem Ziel bewilligt, mehr über die Gründe dieses Phä-
«Jugend für Europa» ein entsprechendes Austauschpro- nomens sowie über seine Auswirkungen auf das politische
gramm auf schweizerischer Ebene realisiert werden kann? und soziale Leben zu erfahren.
19. März 1993 N 619 Interpellation Grossenbacher
Die Verständigung unter den Sprachgemeinschaften wird verwendet wird. Die Sportprogramme auf dem dafür reservier-
auch als Zielsetzung im Bericht über die Legislaturplanung ten Kanal verdrängen zudem auch ab und zu die Sendungen
1991 bis 1995 aufgeführt. Die Entwürfe für einen Kulturförde- der anderen Sprachregionen. Mit der Einführung des vierten
rungsartikel in der Bundesverfassung (BB11992 l 533) wie Fernsehkanals, welcher vom Bundesrat im Dezember 1992
auch für die Revision des Sprachenartikels (BB11991 II 309), beschlossen wurde, sollte diese Einschränkung jedoch besei-
welche sich beide zurzeit in der parlamentarischen Beratung tigt werden können.
befinden, sind unter diesem Blickwinkel ausgearbeitet wor- 2. Jugendpolitik
den. Sie bilden die entscheidenden Grundlagen der künftigen In seinem Bericht über die Legislaturplanung 1991 bis 1995
Politik des Bundes im angesprochenen Bereich. Die künftigen hat sich der Bundesrat auch die Verstärkung seines Engage-
konkreten Massnahmen zur verstärkten Förderung des inter- ments im Bereich des Jugendaustausches zum Ziel gesetzt.
kulturellen Austausches sind jedoch, eine Annahme der bei- Das Bundesgesetz vom 6. Oktober 1989 zur Förderung der
den Verfassungsartikel vorausgesetzt, vom Wohlwollen des ausserschulischen Jugendarbeit (SR 446.1) erlaubt dem
Parlamentes abhängig. Bund die finanzielle Unterstützung von gesamtschweizerisch
Zu den konkreten Fragen der Interpellantin nimmt der Bun- tätigen Jugendorganisationen.
desrat wie folgt Stellung: Bei der Zumessung der Finanzhilfen wird den Kriterien der ge-
1. Politik im Bereich Radio und Fernsehen samtschweizerischen Tätigkeit, der überregionalen Zusam-
Gemäss Artikel 55bis der Bundesverfassung ist die Gesetzge- menarbeit und Koordination sowie der Mehrsprachigkeit der
bung betreffend Radio und Fernsehen Sache des Bundes. Da- Organisationen (mehrsprachige Publikationen, mehrspra-
bei sind jedoch die Unabhängigkeit von Radio und Fernsehen chige Veranstaltungen usw.) besonderes Gewicht gegeben.
sowie die Autonomie bei deren Programmgestaltung zu wah- Nationale oder internationale Jugendaustauschprojekte wer-
ren (Art. 55bis Abs. 3 BV). den ebenfalls unterstützt Zudem wurde Intermundo, die
Artikel 55bis der Bundesverfassung wird durch das Bundes- schweizerische Dachorganisation der Jugendaustauschorga-
gesetz über Radio und Fernsehen (SR 784.4) konkretisiert. Ar- nisationen, mit tatkräftiger Unterstützung des Bundes ge-
tikel 3 Absatz 1 Buchstabe b dieses Gesetzes beauftragt Ra- schaffen.
dio und Fernsehen damit, die Vielfalt des Landes und seiner Tatsächlich existiert jedoch auf Bundesebene kein dem Aus-
Bevölkerung zu berücksichtigen und der Oeffentlichkeit tauschprogramm «Jeunesse pour l'Europe» direkt vergleich-
näherzubringen. Diese Bestimmung wird in der neuen Kon- bares Programm. Ein solches, mit den geeigneten Partnern -
zession der SRG vom 18. November 1992 (BB11992 VI 567) Jugendorganisationen, kantonale Behörden, Schweizerische
weiter konkretisiert, welche den Auftrag zur Förderung des ge- Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren usw. -abge-
genseitigen Verständnisses und des Austausches zwischen sprochen und konzipiert, könnte jedoch dem Jugendaus-
den Landesteilen, Sprachgemeinschaften und Kulturen ent- tausch neue Impulse geben und wäre im Rahmen des beste-
hält (Art. 3 Abs. 1 der Konzession). Zu diesem Zweck sollen ei- henden Gesetzes durchaus zu verwirklichen. Die Kosten, die
nerseits die Fernsehprogramme landesweit ausgestrahlt wer- Modalitäten und die Bereitschaft der Partner für ein solches
den, und andererseits soll je ein Radioprogramm der französi- Projekt bedürfen allerdings noch einer genaueren Abklärung.
schen, italienischen und deutschen Schweiz in den anderen Nicht zuletzt hängt die Verwirklichung von der finanziellen Si-
Sprachregionen zur Ausstrahlung gelangen, soweit es die Ver- tuation des Bundes ab.
sorgung mit lokalen und regionalen Programmen zulässt Auf- Wir möchten hier noch betonen, dass die Aktivitäten des Bun-
grund fehlender Frequenzen konnte diese Zielsetzung beim des auf dem Gebiet der Jugendförderung dem Grundsatz
Radio jedoch noch nicht erreicht werden. Der Bundesrat hat der Subsidiarität verpflichtet sind, wonach zuerst die Privaten,
deshalb die PTT beauftragt, geeignete technische Mittel zur die Gemeinden und die Kantone in diesen Bereichen aktiv
Verbesserung dieser Situation zu prüfen, um die vom Gesetz- werden. Die Politik des Bundes zielt vor allem darauf ab, gün-
geberfixierten Ziele erreichen zu können. stige Rahmenbedingungen zu schaffen und einen Teil der
Die Möglichkeit der Rezipienten, Programme anderer Sprach- nötigen Mittel für die ausserschulische Jugendarbeit zur Ver-
regionen zu empfangen, ist ohne Zweifel ein geeignetes Mittel fügung zu stellen. Diese Haltung entspricht denn auch dem
zur Förderung der interkulturellen Verständigung und des Bedürfnis der Jugendlichen selbst, die immer wieder fordern,
Austausches von Ideen. Zur Erleichterung der Verständigung Projekte grundsätzlich selber initiieren und durchführen zu
wird in Artikel 3 Absatz 6 der Konzession zudem festgelegt, können und nicht bloss die Angebote der Erwachsenen zu
dass in wichtigen, über die Sprach- und Landesgrenzen hin- konsumieren.
aus interessierenden Informationssendungen in der Regel die 3. Begegnungszentren auf nationaler Ebene
Hochsprache zu verwenden ist Den verschiedenen Begegnungszentren kommt auf dem Ge-
Die SRG bemüht sich darüber hinaus um einen Finanzaus- biet der Verständigung zwischen den Sprachgemeinschaften
gleich zwischen den Sendeanstalten der verschiedenen eine verbindende Rolle zu. Zum grössten Teil sind sie kanto-
Sprachregionen zugunsten der sprachlichen Minderheiten, nale oder private Institutionen und stehen damit nicht im direk-
was eine notwendige Voraussetzung zur Wahrung der kultu- ten Einflussbereich des Bundes. Ihr Ausbau kann daher nicht
rellen Vielfalt in der Schweiz darstellt Damit wird die Grund- von der Eidgenossenschaft initiiert werden. Als Zeichen der
lage für einen Dialog und eine Zusammenarbeit unter gleich- grundsätzlichen Unterstützung solcher Aktivitäten hat sich der
berechtigten Partnern geschaffen. Bund jedoch vor kurzem in Form eines einmaligen finanziellen
Die gesetzlichen Grundlagen und die Konzession enthalten ei- Beitrages an der Gründung der Stiftung «Maison latine» betei-
nen klaren Auftrag an die SRG, die Verständigung zwischen ligt Weitere Unterstützungen des Bundes hängen jedoch von
den Sprachgemeinschaften zu fördern. Die Mittel und Wege den vom Parlament allenfalls zur Verfügung gestellten Mitteln
zur Erreichung dieses Ziels - Koproduktionen, Untertitelun- ab.
gen, Austausch von Sendungen, Regionalredaktionen usw. - Im Hochschulbereich hat der Bund bereits die Möglichkeiten
wurden in Respektierung der durch die Bundesverfassung ga- des Bundesbeschlusses vom 22. März 1991 (SR 414.41)
rantierten Autonomie in der Programmgestaltung bewusst wahrgenommen und mit einem Sonderprogramm die Mobili-
nicht präzisiert. tät im Inland gefördert.
In den letzten Jahren sind jedoch auch auseinanderstrebende Neben dem Abbau von administrativen Mobilitätshindernis-
Tendenzen sichtbar geworden. Dabei geht es auf institutionel- sen an den Hochschulen selbst werden namentlich auch zu-
ler Ebene um die vor einigen Jahren erfolgte Dezentralisierung sätzliche Mobilitätsstipendien für Studierende unterstützt. Zur-
der «Tagesschau», welche eine einheitliche Sicht der behan- zeit sind dies rund 600 pro Jahr, bei denen grundsätzlich ein
delten Themen wie auch den Informations- und Programm- Wechsel in eine andere Sprachregion verlangt ist. Die Univer-
austausch erschwert hat In der Dezentralisierung widerspie- sitäten tragen damit wesentlich zu einer innerschweizerischen
geln sich Bestrebungen, in den Fernsehprogrammen ver- Verständigung über die Sprachgrenzen hinweg bei.
mehrt die Besonderheiten jeder einzelnen Sprachregion zum
Ausdruck zu bringen. Weiter ist anzufügen, dass in den elek- Präsident: Die Interpellantin ist von der Antwort des Bundes-
tronischen Medien der Deutschschweiz zunehmend Dialekt rates teilweise befriedigt und verlangt Diskussion.
Interpellation Jori 620 N 19 mars 1993
Abstimmung - Vote Schrittliche Begründung - Développement par écrit
Für den Antrag auf Diskussion offensichtliche Mehrheit Seit 1981 erstmals Aids als Immunschwächesyndrom be-
Dagegen Minderheit schrieben wurde und 1983 das HI-Virus (= human immunde-
ficiency virus) gezüchtet und nachgewiesen werden konnte,
Verschoben - Renvoyé sind leider alle Versuche im Forschungsbereich erfolglos ge-
blieben, diese Krankheit zu heilen oder einen Impfstoff zu ent-
wickeln. Somit beschränkt sich heute die Bekämpfung der
Aids-Erkrankung auf Präventionskampagnen und der prophy-
laktischen und therapeutischen Verabreichung von Medika-
menten, die zur Krebsbehandlung entwickelt wurden. Es
herrscht allgemein die Meinung, HIV löse bei den damit Infi-
#ST# 92.3496 zierten früher oder später Aids aus und führe ohne Ausnahme
zum Tode. Diese momentan ausweglose Situation stellt für die
Interpellation Jöri Betroffenen eine grosse Belastung dar.
Angesichts der Erfolglosigkeit im Bereich von Therapie und
Ausrichtung der Aids-Forschung Impfung zehn Jahre nach der Erstbeschreibung der Aids-
Orientation de la recherche sur le sida Erkrankung erscheint es legitim, sich zu überlegen und zu fra-
gen, ob die Virushypothese nicht einer Korrektur bzw. einer Er-
gänzung bedarf. Jedenfalls mehren sich die Stimmen ernst zu
nehmender Wissenschafterinnen und Wissenschafter, welche
nicht mehr bereit sind, die Monokausalität der HI-Viren als
Wortlaut der Interpellation vom 8. Dezember 1992 Aids-Erreger aufrechtzuerhalten. Diskutiert werden soge-
Ich bitte den Bundesrat, im Zusammenhang mit der Ausrich- nannte Kofaktoren, die den Krankheitsausbruch mitbeeinflus-
tung der Aids-Forschung folgende Fragen zu beantworten: sen, weil sie das Immunsystem beeinträchtigen. Solch im-
1. Wie hoch beliefen sich die Forschungsgelder des Bundes munsupressive (= das Immunsystem unterdrückende) Risi-
insgesamt in den letzten Jahren für die Aids-Forschung, und kofaktoren bei Homosexuellen und Drogenabhängigen sind
welchen Auftrag hat die Eidgenössische Kommission zur Kon- gehäufte Geschlechtskrankheiten mit entsprechend häufigen
trolle der Aids-Forschung? Antibiotikabehandlungen, Medikamentenmissbrauch, Dro-
2. In welchem Umfang bewegt sich der Anteil der Forschungs- gensucht, Fehlernährung, gesellschaftliche Ausgrenzung und
gelder in den letzten Jahren, der für die Aids-Forschung auf Hoffnungslosigkeit.
der Basis der Virushypothese bewilligt wurde? All diese Risikofaktoren verursachen vermehrt Stress, der ur-
3. Gewährleistet die Zusammensetzung der Eidgenössischen sächlich in Zusammenhang mit dem Ausbruch der Aids-
Kommission für Aids-Fragen respektive der Eidgenössischen Erkrankung gebracht wird. Die monokausale Virushypothese
Kommission zur Kontrolle der Aids-Forschung auch eine Dis- wird mit den zusätzlichen Risikofaktoren um die Stresshypo-
kussion über die Monokausalität der HI-Viren als Aids-Erreger these von Aids ergänzt Mit dieser Ergänzung eröffnen sich
hinaus? möglicherweise neue Perspektiven im Bereich medikamentö-
4. Wie hoch beliefen sich in den letzten Jahren die gesproche- ser und ernährungsbezogener Prophylaxe- und Therapie-
nen Beträge, um vermehrt Kenntnisse über die Stresshypo- möglichkeiten, die bisher brachlagen.
these zu erhalten? Die verantwortlichen Behörden des schweizerischen Gesund-
5. Ist der Bundesrat angesichts der allzustark auf die Virus- heitswesens sind aufgerufen, sowohl die Virus- wie die Stress-
hypothese aufgebauten Aids-Forschung nicht auch der Mei- hypothese der Aids-Erkrankung sachlich und unvorein-
nung, eine Denkpause bzw. eine Neuorientierung der Ausrich- genommen einander gegenüberzustellen und -falls notwen-
tung in der Aids-Forschung sei angebracht und eventuell da- dig - Schlüsse für eine Neuausrichtung der Aids-Forschung
mit auch in der Zusammensetzung der Eidgenössischen daraus zu ziehen. Dieses Vorgehen ist im Interesse der Direkt-
Kommission zur Kontrolle der Aids-Forschung? betroffenen gerechtfertigt und zur Ueberwindung der Hoff-
nungslosigkeit angezeigt Selbstverständlich muss auch in
Texte de l'interpellation du 8 décembre 1992 Zukunft der Prävention erste Priorität eingeräumt werden, um
Je prie le Conseil fédéral de répondre aux questions suivantes Neuinfektionen mit dem HI-Virus zu verhindern.
en rapport avec la recherche sur le sida:
1. Combien la Confédération a-t-elle dépensé ces dernières Schriftliche Stellungnahme des Bundesrates
années pour la recherche sur le sida, et quel est le mandat de vom 17. Februar 1993
la Commission fédérale de la recherche sur le sida? Rapport écrit du Conseil fédéral
2. Quels montants ont été dépensés ces dernières années du 17 février 1993
pour la recherche sur le sidafondée sur l'hypothèse du virus? Die Eidgenössische Kommission zur Kontrolle der Aids-For-
3. La composition de la Commission fédérale pour les problè- schung (KKAF) beurteilt Gesuche, welche ihr unterbreitet wer-
mes liés au sida et celle de la Commission fédérale de la re- den. Sie tut dies vorurteilsfrei und ohne eine Hypothese ge-
cherche sur le sida permettent-elles une remise en question genüber einer anderen zu privilegieren. Die Projekte, die der
de la monocausalité des virus HIV en tant qu'agents pathogè- KKAF unterbreitet werden, reflektieren die Meinungen ihrer
nes du sida? Autoren.
4. Quels ont été les montants alloués ces dernières années en Als Aids (Acquired Immuno Deficiency Syndrom) wird ein
vue d'aquérir de nouvelles connaissances sur l'hypothèse du Krankheitsbild bezeichnet, das sich durch zunehmende
stress? Schwächung der Immunabwehr des Menschen auszeichnet;
5. La recherche sur le sida étant essentiellement fondée sur diese Immunschwäche führt zum Auftreten von gehäuften In-
l'hypothèse du virus, le Conseil fédéral n'estime-t-il pas aussi fektionen durch normalerweise nicht oder wenig krankma-
qu'il conviendrait de prendre le temps de réfléchir, voire de chende Erreger, zu verschiedenen Krebsformen, zu einem Ab-
réorienter la recherche sur le sida et que, le cas échéant, il fau- bau der Hirnfunktionen und sehr oft zum Tode.
drait revoir la composition de la Commission fédérale de la re- Es existiert in der Fachwelt eine hohe Uebereinstimmung über
cherche sur le sida? die zentrale Rolle, welche das HI-Virus bei der Auslösung der
erwähnten Immunschwäche und damit der Aids-Erkrankung
Mitunterzeichner - Cosignataires: Bär, Baumann, Béguelin, spielt, denn:
Bühlmann, Bundi, Carobbio, Caspar-Hutter, de Dardel, Dor- - mit modernen Analysemethoden ist das Virus bei allen aids-
mann, Eggenberger, Gross Andreas, Haering Binder, Hafner kranken Personen nachzuweisen;
Ursula, Haller, Hämmerle, Herczog, Hollenstein, Ledergerber, - wenn das Aids-Virus in einer gegebenen Bevölkerung auf-
Leemann, Leuenberger Ernst, Matthey, Misteli, Robert, Stei- tritt, treten nach einigen Jahren unvermeidbar Fälle von Aids
ger, Strahm Rudolf, Thür, Tschäppät Alexander, Züger (28) auf;
Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften
Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées
Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali
Interpellation Grossenbacher Förderung des Verständnisses zwischen den verschiedenen
schweizerischen Sprachkulturen und -regionen
Interpellation Grossenbacher Amélioration de la compréhension entre les communautés
linguistiques
In Amtliches Bulletin der Bundesversammlung
Dans Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale
In Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale
Jahr 1993
Année
Anno
Band I
Volume
Volume
Session Frühjahrssession
Session Session de printemps
Sessione Sessione primaverile
Rat Nationalrat
Conseil Conseil national
Consiglio Consiglio nazionale
Sitzung 16
Séance
Seduta
Geschäftsnummer 92.3563
Numéro d'objet
Numero dell'oggetto
Datum 19.03.1993 - 08:00
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Seite 618-620
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