Federalism vs. Popular Sovereignty: Constitutional Amendment on Double-Majority Votes
Legislator-Zusammenfassung
KI-generiertThe parliamentary initiative proposed amending the Federal Constitution to require a qualified majority of cantons (two-thirds) to overturn a popular majority in votes requiring both. The initiative argued that demographic shifts have amplified the power of minority cantons, leading to an increased risk of "collision" between popular and cantonal majorities, particularly given the rising frequency of double-majority votes. The commission, while acknowledging the demographic changes and increased collision risk, ultimately rejected the initiative, emphasizing that the double-majority requirement is a cornerstone of Swiss federalism and reflects the equal rights of cantons as constituent parts of the federation, a principle they did not wish to disturb.
Legislator-Regeste
KI-generiertArt. 68 GRN, Art. 68 RCN, Art. 123 Texte; Federalism vs. Popular Sovereignty: Constitutional Amendment on Double-Majority Votes: The initiative argued that demographic shifts have amplified the power of minority cantons, leading to an increased risk of "collision" between popular and cantonal majorities, particularly given the rising frequency of double-majority votes. The commission, while acknowledging the demographic changes and increased collision risk, ultimately rejected the initiative, emphasizing that the double-majority requirement is a cornerstone of Swiss federalism and reflects the equal rights of cantons as constituent parts of the federation, a principle they did not wish to disturb.
Schlagwörter
KI-generiertZitierte Gesetzesbestimmungen
KI-generiertVerwandte Entscheide
KI-generiertZentrale Rechtsfragen, extrahiert von Legislator
KI-generiertThis provision is listed as the category for the parliamentary initiative concerning the qualified majority of cantons.
Volltext
Initiative parlementaire. Majorité des cantons 1918 N 7 octobre 1993
#ST# 92.3451 der Bundesverfassung in dem Sinne, dass nur ein qualifizier-
tes Ständemehr ein Volksmehr zu Fall bringen kann.
Motion SGK-NR Die Kommission hat am 24. Juni die Initiantin angehört.
Bundesgesetz Begründung der Initiantin
über die Heilmittelkontrolle Wandel der Kantonsdemographie zuungunsten des Demo-
Motion CSSS-CN kratieprinzips
Loi fédérale sur le contrôle In den letzten Jahrzehnten hat sich das Gewicht des Föderalis-
des médicaments musprinzips (Gleichheit der Gliedstaaten) zuungunsten des
Demokratieprinzips («one man, one vote») verändert: 1848
wog eine Neinstimme aus Appenzell Innerrhoden bei einem
Doppelmehrreferendum das 11fache einer Zürcher Nein-
stimme, heute hingegen das 38fache.
Wortlaut der Motion vom 26. Oktober 1992 Die kleinste theoretische Sperrminorität d. h. die notwendige
Der Bundesrat wird beauftragt, ein Bundesgesetz über die Anzahl Neinstimmen, um bei einem Doppelmehrreferendum
Heilmittelkontrolle vorzulegen, welches das interkantonale eine Vorlage zu Fall zu bringen, sofern die Neinstimmen opti-
Heilmittelkonkordat ersetzen kann. mal auf die Kantone verteilt sind, liegt heute bei 9 Prozent der
Stimmberechtigten.
Texte de la motion du 26 octobre 1992 Bei einem qualifizierten Ständemehr (d. h., nur noch eine
Le Conseil fédéral est prié de proposer une loi sur le contrôle Zweidrittel-Ständemehrheit, 15,5 Stände, könnte ein Volks-
des médicaments qui remplace la convention intercantonale mehr zu Fall bringen) würde die theoretische Sperrminorität
sur le contrôle des médicaments. mindestens auf 17,4 Prozent steigen. Auch in diesem Fall
könnte theoretisch noch eine Minderheit, nämlich 34,8 Pro-
Schriftliche Erklärung des Bundesrates zent der Stimmberechtigten (d. h. diejenigen der 16 kleinsten
vom 24. Februar 1993 Stände) über die Annahme einer Vorlage entscheiden. Mit die-
Der Bundesrat ist bereit, die Motion entgegenzunehmen. sem Vorschlag wird das Föderalismusprinzip nicht verletzt,
sondern nur der demographischen Entwicklung (Abwande-
Déclaration écrite du Conseil fédéral rung in die städtischen Ballungszentren) angepasst
du 24 février 1993 Inflation des Doppelmehrreferendums
Le Conseil fédéral est prêt à accepter la motion. Doppelmehrabstimmungen sind heute keine Seltenheit mehr
und finden immer häufiger statt: So wurden zwischen 1950
Ueberwiesen - Transmis und 1970 nur 50 Doppelmehrreferenden durchgeführt. Zwi-
schen 1971 und 1990 stieg ihre Zahl hingegen auf 120.
Steigende Gefahr von Volks- und Ständemehrkollisionen
Der kombinierte Effekt der sinkenden theoretischen Sperrmi-
norität und der steigenden Anzahl von Doppelmehrabstim-
#ST# 93.405 mungen erhöht offenbar die Gefahr von Volks- und Stände-
mehrkollisionen: Alle fünf real aufgetretenen Kollisionen sind
Parlamentarische Initiative neueren Datums. Die erste 1955, die letzte 1983, die übrigen in
(Robert) den siebziger Jahren. Alle Abstimmungen betreffen im wei-
Qualifiziertes Ständemehr teren stark polarisierende Sachthemen (Mieterschutz, Bun-
bei Doppelmehrabstimmungen desfinanzen, Bildungsartikel, Konjunktur-und Energiepolitik).
Die erhöhte Kollisionsgefahr zeigt sich auch bei der Zunahme
Initiative parlementaire der Beinahekollisionen (EWR-Abstimmung als letztes Bei-
(Robert) spiel).
Votatipns fédérales avec double majorité. Ein Beitrag zur eurokompatiblen Umgestaltung politischer In-
Majorité qualifiée des cantons stitutionen
Kein EG-Land kennt Ratifikationsmechanismen, bei denen es
Kategorie III, Art 68 GRN - Catégorie III, art 68 RCN ein Doppelmehr von Volk und Ständen braucht. Mit einem
qualifizierten Ständemehr wird einerseits dem schweizeri-
schen Föderalismusgedanken Rechnung getragen, anderer-
seits sinkt die Gefahr von oben erläuterten Kollisionen und er-
höht damit die Verlässlichkeit der Schweizer Politik im Aus-
Wortlaut der Initiative vom 1. März 1993 land, was wiederum ihre Beteiligungs- und Einflusschancen
Die Bundesverfassung sei in dem Sinne abzuändern, dass für erhöht
Abstimmungen, die sowohl das Volks- wie das Ständemehr
verlangen nur ein qualifiziertes Ständemehr von zwei Drittel re- Erwägungen der Kommission
spektive 15,5 Ständen ein Volksmehr zu Fall bringen kann. Die schweizerische Bundesverfassung verlangt eine Mehrheit
von Volk und Ständen für Verfassungsänderungen (Art. 123
Texte de l'initiative du 1er mars 1993 Abs. 1), für die innert Jahresfrist erforderliche nachträgliche
La Constitution fédérale doit être modifiée de sorte que, pour Genehmigung extrakonstitutioneller Bundesbeschlüsse
les votations qui nécessitent la majorité du peuple et des can- (Art 89bis Abs. 3) sowie für den «Beitritt zu Organisationen für
tons, seule une majorité qualifiée des cantons, soit deux tiers kollektive Sicherheit oder zu supranationalen Gemeinschaf-
ou 15,5 cantons, puisse faire échec à la majorité du peuple. ten» (Art. 89 Abs. 5). Das Erfordernis des doppelten Volks-und
Ständemehrs bildet analog der Gleichberechtigung von Natio-
Mitunterzeichner - Cosignataires: Bär, Baumann, Gardiol, nal- und Ständerat einen der institutionellen Grundsteine der
Misteli, Rebeaud, Thür (6) schweizerischen Bundesstaatlichkeit, an welchem die Kom-
mission nicht rütteln möchte. Neben dem Grundsatz der glei-
Frau Zölch unterbreitet im Namen der Kommission den fol- chen Rechte der Bürgerinnen und Bürger steht gleichberech-
genden schriftlichen Bericht: tigt der Grundsatz der gleichen Rechte der Kantone als Träger
des Bundes. Eine wesentliche Funktion der Bundesverfas-
Wir unterbreiten Ihnen gemäss Artikel 21 ter des Geschäftsver- sung besteht in der Kompetenzverteilung zwischen Bund und
kehrsgesetzes den Bericht der vorprüfenden Kommission Kantonen: Die Kantone haben mit ihrer mehrheitlichen Zu-
über die von Frau Robert am 1. März 1993 eingereichte parla- stimmung zur Bundesverfassung von 1848 einen Teil ihrer
mentarische Initiative. Die Initiative verlangt eine Aenderung Kompetenzen an den Bund abgetreten; es ist nichts als folge-
Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften
Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées
Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali
Motion SGK-NR Bundesgesetz über die Heilmittelkontrolle
Motion CSSS-CN Loi fédérale sur le contrôle des médicaments
In Amtliches Bulletin der Bundesversammlung
Dans Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale
In Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale
Jahr 1993
Année
Anno
Band IV
Volume
Volume
Session Herbstsession
Session Session d'automne
Sessione Sessione autunnale
Rat Nationalrat
Conseil Conseil national
Consiglio Consiglio nazionale
Sitzung 14
Séance
Seduta
Geschäftsnummer 92.3451
Numéro d'objet
Numero dell'oggetto
Datum 07.10.1993 - 08:00
Date
Data
Seite 1918-1918
Page
Pagina
Ref. No 20 023 219
Dieses Dokument wurde digitalisiert durch den Dienst für das Amtliche Bulletin der Bundesversammlung.
Ce document a été numérisé par le Service du Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale.
Questo documento è stato digitalizzato dal Servizio del Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale.