Thurgau Asylum Initiative: Border Controls Approved, Quotas Rejected
Legislator-Zusammenfassung
KI-generiertThe Swiss Federal Assembly considered a cantonal initiative from Thurgau to combat asylum law abuse. The initiative proposed strengthening border controls and establishing quotas for asylum seekers. The National Council's Political Institutions Committee recommended approving the border control measure, classifying it as fulfilled due to existing government efforts, while rejecting the quota system as it violated international non-refoulement principles. The Assembly ultimately voted to approve the border control measure but classify it as fulfilled, and to reject the quota system, aligning with the committee's majority recommendation.
Legislator-Regeste
KI-generiertZiff. 2 keine Folge zu geben; Thurgau Asylum Initiative: Border Controls Approved, Quotas Rejected: The initiative proposed strengthening border controls and establishing quotas for asylum seekers. The National Council's Political Institutions Committee recommended approving the border control measure, classifying it as fulfilled due to existing government efforts, while rejecting the quota system as it violated international non-refoulement principles. The Assembly ultimately voted to approve the border control measure but classify it as fulfilled, and to reject the quota system, aligning with the committee's majority recommendation.
Schlagwörter
KI-generiertVerwandte Entscheide
KI-generiertZentrale Rechtsfragen, extrahiert von Legislator
KI-generiertThe court decided to approve and close the first point of the initiative, considering it fulfilled.
The court decided not to follow the second point of the initiative.
Volltext
7. Juni 1993 N 1041 Asylpolitik. Initiativen und persönliche Vorstösse
Hess Peter, Hollenstein, Hubacher, Iten Joseph, Jaeger, Jäggi Der Grosse Rat des Kantons Thurgau beschloss am 17. Juni
Paul, Jeanprêtre, Jöri, Keller Anton, Kühne, Leemann, Leu Jo- 1992, der Bundesversammlung eine Standesinitiative gegen
sef, Leuba, Leuenberger Ernst, Loeb François, Manie, Marti den Missbrauch des Asylrechts zu überweisen.
Werner, Matthey, Maurer, Meier Hans, Meier Samuel, Misteli, Initiiert wurde dieses Begehren durch eine Volksinitiative, die
Mühlemann, Nabholz, Marbel, Nebiker, Oehler, Perey, Phili- am 26. Juni 1991 bei der Staatskanzlei des Kantons Thurgau
pona, Raggenbass, Rebeaud, Rechsteiner, Robert, Rohrbas- eingereicht wurde. Zusätzlich zu den oben genannten Punk-
ser, Ruckstuhl, Ruffy, Rutishauser, Rychen, Sandoz, Savary, ten forderte die Volksinitiative die Ausschaffung aller illegal
Scheidegger, Scheurer Rémy, Schmid Peter, Schmied Walter, eingereisten Asylbewerber. Der Grosse Rat beschloss, die
Schnider, Segmüller, Seiler Hanspeter, Spielmann, Spoerry, Standesinitiative ohne diesen Punkt zu überweisen, da diese
Steiger, Steinegger, Strahm Rudolf, Stucky, Theubet, Thür, Forderung gegen das Völkerrecht verstösst.
Tschäppät Alexander, Tschopp, Tschuppert Karl, Verterli, Voll- Der Ständerat hat am 10. Dezember 1992 beschlossen, Zif-
mer, Wanner, Weder Hansjürg, Wick, Wittenwiler, Wyss Paul, fer 1 der Standesinitiative Folge zu geben, ihn aber als erfüllt
Wyss William, Zbinden, Ziegler Jean, Zisyadis, Zölch, Züger, abzuschreiben und Ziffer 2 keine Folge zu geben.
Zwahlen, Zwygart (138) Die Staatspolitische Kommission, welcher dieses Geschäft zur
Vorberatung zugewiesen wurde, prüfte die Standesinitiative
Für den Antrag Moser/SD/Lega-Fraktion stimmen: am 22. Januar 1993 in Anwesenheit von Vertretern des Bun-
Votent pour la proposition Moser/groupe DS/Ligue: desamtes für Flüchtlinge. Grundsätzlich hielt die Kommission
Allenspach, Bischof, Borer Roland, Bortoluzzi, Dreher, Etique, fest, dass sich die Lage im Asylbereich seit der Einreichung
Giezendanner, Jenni Peter, Kern, Maspoli, Miesch, Moser, der Volksinitiative am 26. Juni 1991 entspannt hat. Die Zahl der
Neuenschwander, Reimann Maximilian, Scherrer Jürg, Stal- Asylgesuche ist im Vergleich zum Vorjahr gesunken. Die Kom-
der, Stamm Luzi, Steffen, Steinemann (19) mission ist sich bewusst, dass sich die Situation jederzeit wie-
derverschärfen kann und die Forderung nach Verstärkung der
Der Stimme enthalten sich - S'abstiennent: Grenzkontrollen wieder an Aktualität gewinnen könnte.
Fischer-Hägglingen, Frey Walter, Gysin, Mauch Rolf (4) Die Kommission kam zu folgenden Schlüssen:
Zu Ziffer 1 :
/Abwesend sind - Sont absents: Der Bundesrat setzte am 13. Februar 1991 eine interdéparte-
Aubry, Bäumlin, Blatter, Blocher, Bodenmann, Borradori, Büh- mentale Arbeitsgruppe «für ausserordentliche Lagen im
rer Gerald, Caccia, Daepp, Deiss, Dormann, Ducret, Fasel, Flüchtlingsbereich» ein und gab ihr unter anderem den Auf-
Fischer-Seengen, Frey Claude, Friderici Charles, Giger, Hild- trag, die rechtlichen, personellen, organisatorischen und tech-
brand, Keller Rudolf, Ledergerber, Leuenberger Moritz, Mae- nischen Voraussetzungen zu schaffen, um für den Fall ausser-
der, Maitre, Mauch Ursula, Meyer Theo, Müller, Pidoux, Pini, ordentlicher Lagen im Flüchtlingsbereich so rasch als möglich
Poncet, Ruf, Scherrer Werner, Schmidhalter, Schwab, Seiler das Grenzwachtkorps und die Grenzpolizeiorgane durch For-
Rolf, Sieber, Stamm Judith, Suter, Wiederkehr (38) mationen der Armee verstärken oder Truppen für die Betreu-
ung einsetzen zu können.
Frau Haller, Vizepräsidentin, stimmt nicht Der Bundesrat behandelte den Bericht der Arbeitsgruppe und
Mme Haller, vice-présidente, ne vote pas liess die notwendigen rechtlichen Grundlagen ausarbeiten.
So sollen unter anderem im Rahmen des neuen Militärorgani-
Ziff./Ch. 5 sationsgesetzes die rechtlichen Grundlagen für einen subsi-
diären Einsatz von Truppen zugunsten des Grenzwachtkorps
Abstimmung - Vote oder zur Betreuung schutzsuchender Ausländer geschaffen
Für den Antrag der Mehrheit 108 Stimmen werden. Für den Fall, dass sich die Lage im Asylbereich kurz-
Für den Antrag der Minderheit 34 Stimmen fristig verschärft, besteht bereits auf Verordnungsebene ein
ausgearbeiteter Entwurf, der vom Bundesrat zur Kenntnis ge-
nommen, aber noch nicht verabschiedet worden ist Die aktu-
elle Lage erfordert keine Verstärkung der Grenzkontrollen.
#ST# 92.303 Die Kommissionsmehrheit beantragt, dieser Forderung Folge
zu geben, sie aber als erfüllt abzuschreiben, da der Bundesrat
Standesinitiative Thurgau die notwendigen Massnahmen bereits getroffen hat, um innert
Gegen den Missbrauch des Asylrechts kürzester Frist auf einen Zustrom von Asylsuchenden reagie-
Initiative du canton de Thurgovie ren zu können. Zudem weist sie darauf hin, dass der National-
Contre l'abus du droit d'asile rat bereits am 2. Juni 1992 beschlossen hat, ein Postulat zu
überweisen, das den Bundesrat auffordert, zur besseren Si-
Beschluss des Ständerates vom 10. Dezember 1992 cherung unserer Grenzen folgende Möglichkeiten zu prüfen:
Décision du Conseil des Etats du 10 décembre 1992 1. die Verstärkung des Grenzwachtkorps;
2. die Verstärkung der Grenzwacht durch Einsatz von Truppen
als Notmassnahme;
3. technische Ueberwachungseinrichtungen gegen illegalen
GrenzübertritL
Wortlaut der Initiative vom 3. Juli 1992 Die Minderheit der Kommission beantragt, der Forderung
Der Bund wird aufgefordert: nach Verstärkung der Grenzkontrollen ebenfalls Folge zu ge-
1. die Grenzkontrollen zu verstärken, um die illegale Einreise ben und gleichzeitig ein Postulat zu überweisen, denn mit den
von Asylbewerbern zu erschweren und die Tätigkeit von bereits getroffenen Massnahmen werde die Forderung des
Schlepperorganisationen zu unterbinden; Kantons Thurgau noch nicht erfüllt Vor allem fordert die Min-
2. eine Quotenregelung für Asylanten einzuführen. derheit Massnahmen gegen die Tätigkeit der Schlepperorga-
nisationen und zudem eine entsprechende Vorbereitung im
Texfe de l'initiative du 3 juillet 1992 Hinblick auf einen Zustrom von Asylsuchenden.
La Confédération est invitée à: Zu Ziffer 2:
1. intensifier les contrôles afin de rendre plus difficile l'entrée il- Die Kommission beantragt, die Einführung einer Quotenrege-
légale des requérants d'asile et d'enrayer l'activité des filières lung abzulehnen. Die Quotenregelung hätte zur Folge, dass
de passeurs; die erste Person, die nach Erschöpfung der Quote um Asyl
2. établir un système de quotas pour les personnes cherchant nachsucht, sofort und ohne Verfahren ausgeschafft werden
asile. müsste. Diese Person könnte ja tatsächlich politisch verfolgt
und bei einer Rückschaffung an Leib und Leben gefährdet
Frau Zölch unterbreitet im Namen der Kommission den fol- sein. Ihre Ausweisung würde gegen das völkerrechtliche Prin-
genden schriftlichen Bericht: zip des Non-refoulement verstossen, das sowohl in der Flucht-
Politique d'asile. Initiatives et interventions personnelles 1042 N 7 juin 1993
lingskonvention als auch in der Europäischen Menschen- des quotas. Ce système aurait pour conséquence que la pre-
rechtskonvention geregelt ist mière personne à dépasser les quotas et qui demande asile
Die Kommission ist der Ansicht, dass die Einführung einer doit être expulsée immédiatement et sans procédure. Or, il est
Quotenregelung im Rahmen einer alle Ausländerkategorien effectivement possible que cette personne fasse l'objet de
einschliessenden Migrationspolitik überprüft werden müsste. poursuites politiques et que sa vie et son intégrité corporelle
soient menacées en cas de refoulement Une telle mesure
MmeZölch présente au nom de la commission le rapport écrit d'expulsion violerait le principe de non-refoulement, principe
suivant: de droit international, réglé aussi bien dans la convention sur
les réfugiés que dans la Convention européenne des droits de
Le Grand Conseil de Thurgovie a décidé, le 17 juin 1992, de l'homme. La commission est d'avis qu'il y a lieu d'examiner la
transmettre à l'Assemblée fédérale une initiative cantonale question de savoir si, dans le cadre d'une politique de migra-
contre les abus du droit d'asile. tion incluant toutes les catégories d'étrangers, il est opportun
Cette requête a été suscitée par une initiative populaire dépo- d'introduire un système de quotas.
sée le 26 juin 1991 à la Chancellerie d'Etat du canton de Thur-
govie. En plus des points mentionnés ci-dessus, l'initiative po- Antrag der Kommission
pulaire demandait l'expulsion de tous les requérants d'asile Ziff. 1
entrés illégalement en Suisse. Le Grand Conseil a décidé de Die Kommission beantragt mit 16 zu 6 Stimmen:
transmettre l'initiative saufen ce qui concerne ce dernier point, Mehrheit
qui est contraire au droit international. Der Initiative Folge geben, sie aber als erfüllt abschreiben.
Le Conseil des Etats a décidé, le 10 décembre 1992, de don- Minderheit
ner suite au chiffre 1 de l'initiative, mais de le classer et de ne (Seiler Hanspeter, Aubry, Borer Roland, Fischer-Seengen,
pas donner suite au chiffre 2. La Commission des institutions Schmied Walter, Steffen)
politiques, saisie de cet objet, a examiné l'initiative le 22 janvier Der Initiative Folge geben und ein gleichlautendes Postulat
1993 en présence de représentants de l'Office fédéral des réfu- überweisen.
giés. La commission a constaté que, fondamentalement, la si-
tuation dans le domaine de l'asile s'était détendue depuis le Ziff. 2
dépôt de l'initiative, le 26 juin 1991. Le nombre des demandes Die Kommission beantragt mit 17 zu 5 Stimmen, der Initiative
d'asile a baissé par rapport à l'année précédente. La commis- keine Folge zu geben.
sion est consciente que la situation peut s'aggraver atout mo-
ment et que les besoins d'un contrôle accru aux frontières Antrag Steinemann
peut redevenir d'actualité. Der Initiative Folge geben
La commission est parvenue aux conclusions suivantes: Schriftliche Begründung
Ad chiffre 1 : Auch die Standesinitiative Thurgau befasst sich mit den Miss-
Le 13 février 1991, le Conseil fédéral a institué un groupe de ständen im Asylwesen, die heute keineswegs durch einzelne
travail interdépartemental, «Situations extraordinaires dans le eingeleitete Massnahmen als erfüllt zu betrachten sind.
domaine des réfugiés», qu'il a entre autres choses chargé de Die Lage im Asylbereich hat sich keineswegs längerfristig ent-
créer les conditions nécessaires d'ordre juridique, personnel, spannt, wie es die Mehrheit der Staatspolitischen Kommission
organisationnel et technique aux fins de renforcer aussi rapi- und der Bundesrat glauben machen wollen. Gerade durch die
dement que possible, par des formations militaires, le corps neueste Entwicklung in Deutschland werden wir uns wieder
des gardes-frontière et les organes de la police des frontières mit vermehrter illegaler Einwanderung befassen müssen.
en cas de situation extraordinaire dans le domaine des réfu- Ich beantrage, der Standesinitiative Thurgau in vollem Wort-
giés. Le Conseil fédéral a traité le rapport du groupe de travail laut Folge zu geben, auch wenn der Bundesrat im Februar
et fait élaborer les bases juridiques nécessaires. C'est ainsi 1991 mit dem Einsatz der interdepartementalen Arbeits-
que, notamment dans le cadre de la nouvelle loi sur l'organisa- gruppe für ausserordentliche Lagen im Flüchtlingsbereich ei-
tion militaire, les bases juridiques nécessaires à l'engagement nen Schritt in die richtige Richtung getan hat Konkrete Resul-
subsidiaire de troupes pour renforcer le corps des gardes- tate mit Handlungsauftrag sind vom Bundesrat noch nicht ver-
frontière ou la prise en charge d'étrangers cherchant protec- abschiedet worden. Mit den bis heute getroffenen Massnah-
tion seront créées. Au cas où la situation dans le domaine de men werden die Forderungen des Kantons Thurgau jedenfalls
l'asile devrait s'aggraver à court terme, un projet d'ordon- nicht vollständig erfüllt
nance existe déjà, projet dont le Conseil fédéral a pris acte, Schlepperorganisationen sind nach wie vor sehr aktiv und Vor-
mais qu'il n'a pas encore adopté. La situation actuelle ne re- bereitungen im Hinblick auf einen erneut zu erwartenden Zu-
quiert pas un renforcement des contrôles à la frontière. strom von Asylsuchenden müssen konkretisiert werden.
La majorité de la commission propose de donner suite à cette Auch die in Ziffer 2 verlangte Einführung einer Quotenrege-
requête, mais de la classer du moment que le Conseil fédéral a lung ist gutzuheissen, da unsere Schweiz - trotz bundesrätli-
déjà pris les mesures nécessaires de manière à réagir dans de chen Versprechen - schon heute einen zu hohen Ausländer-
brefs délais en cas d'afflux de réfugiés. La commission signale anteil aufweist. In Anbetracht der Entwicklung der ausländi-
en outre que le Conseil national a déjà décidé, le 2 juin 1992, schen Wohnbevölkerung ist es legitim und höchste Zeit, sich
de transmettre au Conseil fédéral un postulat l'invitant à exami- mit dieser Frage konkret zu befassen.
ner les possibilités suivantes pour une meilleure surveillance Die Schweiz ist eines der dichtest bevölkerten Länder der
de nos frontières: westlichen Welt und schon deshalb kein Einwanderungsland.
1. le renforcement du corps des gardes-frontière; Ein Ausländeranteil von 18 Prozent, wie wir ihn heute bereits
2. le renforcement de la surveillance à la frontière par l'enga- haben, ist nun wirklich genug. Im Kanton Genf beispielsweise
gement de troupes à titre de mesure d'urgence; sind mehr als ein Drittel Ausländer! Und zu den Ausländeran-
3. des dispositifs techniques de surveillance contre un pas- teilen der Wohnbevölkerung kommen noch Zehntausende,
sage illégal de la frontière. die sich in der Schweiz aufhalten, aber in der offiziellen Stati-
La minorité de la commission propose également de donner stik nicht erwähnt sind.
suite à la demande relative à l'intensification des contrôles à la Die Zukunft lässt keine Aenderung erwarten, erhöhen sich
frontière et de transmettre un postulat, les mesures déjà adop- doch die Ausländerzahlen in zunehmendem Tempo auch
tées ne satisfaisant pas encore aux exigences du canton de durch Geburtenüberschuss. So vergrössert sich die ausländi-
Thurgovie. La minorité de la commission souhaite avant tout sche Wohnbevölkerung durch Nettoeinwanderung und Ge-
que des mesures soient prises pour enrayer les activités des fi- burtenüberschuss jedes Jahr um eine Stadt der Grosse von
lières de passeurs et pour faire face de manière adéquate à un Luzern, oder innert der letzten fünf Jahre also um eine Erhö-
éventuel afflux de requérants d'asile. hung von über 280 000 Personen, was etwa der Bevölkerung
Ad chiffre 2: des Kantons Tessin entspricht
A l'unanimité, la commission propose de rejeter le système Immer grösser wird auch der Anteil von Personen aus Ländern
7. Juni 1993 N 1043 Asylpolitik. Initiativen und persönliche Vorstösse
anderer Kulturkreise, deren Integration äusserst problema- zulässig ist. Es bestehen auch entsprechende Rechtsgut-
tisch ist und früher oder später zu sozialen Spannungen füh- achten.
ren muss. Insbesondere auch die Belastung der Bevölkerung Bei Asylgesuchen, welche dann ausserhalb der Quote einge-
durch zu viele kriminelle Asylbewerber muss endlich reduziert reicht werden - ich habe dies bereits mehrmals erwähnt -,
werden! müssen die völkerrechtlichen Grundlagen trotzdem geprüft
Der Deutsche Bundestag hat am 26. Mai 1993 das neue Asyl- werden. Die Frage der Quotenregelung muss vertieft diskutiert
recht gebilligt und sein Einverständnis zu einer Begrenzung werden - dies gilt auch im Hinblick auf den Vorstoss für ein Mi-
der Zuwanderung gegeben. Die restriktiven Neuregelungen grationsgesetz - und im Zusammenhang mit einer umfassen-
treten auf den 1. Juli in Kraft. Deutschland hat demonstriert, den Einwanderungspolitik geprüft werden und nicht isoliert im
dass eine weitere ungebremste Masseneinwanderung von Rahmen der Asylpolitik.
Wirtschaftsflüchtlingen in Zentraleuropa nicht mehr zu verkraf- Herr Steinemann hat in der Begründung seines Antrages, der
ten ist, und wird seine Grenzen für die wachsenden weltweiten Initiative auch in diesem Punkte Folge zu geben, auf die neue
Wanderungsbewegungen möglichst undurchlässig machen. deutsche Gesetzgebung verwiesen. Dazu ist nochmals festzu-
Bis zu 80 Prozent der Ankömmlinge können nach neuem halten - wie Herr Bundesrat Koller dies am Freitag bereits ge-
Recht keinen Asylantrag mehr stellen. Wer durch einen Nach- tan hat -: Das neue deutsche Recht nähert sich mit der Aufhe-
barstaat einreist, wird dahin zurückgeschickt. bung des subjektiven Rechtsanspruchs auf eine materielle
Wegen der Restriktionen in Deutschland werden nun vermehrt Prüfung jedes einzelnen Asylgesuches nur den übrigen euro-
wieder viele Asylbewerber bei uns auftreten. Allein in den er- päischen Gesetzgebungen an. Auch das schweizerische
sten vier Monaten dieses Jahres sind über 160 000 Asylbewer- Recht ermöglicht seit vielen Jahren die Rückschaffung in ein
ber in Deutschland eingereist.... Der Druck auf die Schweiz «Safe country», und dazu gehören alle EG-Staaten. Wichtig
wird enorm zunehmen. sind in diesem Zusammenhang aber die Rückführungsab-
Diese Asylfragen sind wichtige Aspekte der Bevölkerungs- kommen, insbesondere dasjenige mit Italien. Hier ist Druck
politik! Ich bitte Sie, dieser Initiative Folge zu geben. aufzusetzen.
Die Staatspolitische Kommission beantragt Ihnen daher mit
Proposition de la commission 17 zu 5 Stimmen, Ziffer 2 der Initiative keine Folge zu geben
Ch.1 und damit auch den Antrag Steinemann abzulehnen.
La commission propose, par 16 voix contre 6:
Majorité M. Borei François, rapporteur: Deux points sont soulevés par
Donner suite à l'initiative, mais la classer. cette initiative: la question du contrôle aux frontières et la ques-
Minorité tion des quotas.
(Seiler Hanspeter, Aubry, Borer Roland, Fischer-Seengen, Je commencerai par la seconde. Les quotas étaient déjà un
Schmied Walter, Steffen) argument avancé pour repousser l'initiative 91.310 du canton
Donner suite à l'initiative et transmettre un postulat de même d'Argovie. Si nous admettions ce principe des quotas, nous
teneur. devrions dénoncer entre autres la Convention de Genève sur
les réfugiés et nous ne voulons pas demander au Conseil fé-
Ch. 2 déral de dénoncer cet accord international ainsi que d'autres
La commission propose, par 17 voix contre 5, de ne pas don- dont la teneur serait semblable. Nous vous invitons donc fer-
ner suite à l'initiative. mement à repousser cette proposition, décision qui a été prise
en commission par 17 voix contre 5.
Proposition Steinemann En ce qui concerne le chiffre 1, après audition de divers repré-
Donner suite à l'initiative sentants de l'administration, la commission est arrivée à la
conclusion que le Conseil fédéral était prêt à prendre si néces-
Frau Heberlein, Berichterstatterin: Mit seiner Initiative ver- saire des mesures en cas d'afflux de réfugiés, mais il n'estime
langte der Grosse Rat des Kantons Thurgau zwei inhaltlich völ- pas devoir prendre, pour l'instant, des mesures concrètes,
lig verschiedene Massnahmen. Ziffer 1 verlangt eine Verstär- au-delà de celles qui ont déjà été décidées. La commission
kung der Grenzkontrollen, um die illegale Einreise zu erschwe- partage ce point de vue, par 16 voix contre 6, et estime donc,
ren und die Tätigkeit von Schlepperorganisationen zu unter- comme M. Steinemann, qu'il faut donner suite à ce point de
binden. l'initiative, mais que l'on peut le classer étant donné qu'il est
Der Ständerat beschloss auf Antrag des Bundesrates, diesem réalisé.
Antrag Folge zu geben und ihn als erfüllt abzuschreiben. Die La minorité Seiler Hanspeter de la commission veut reprendre
Staatspolitische Kommission des Nationalrates schliesst sich la même idée sous forme d'un postulat, ce que la majorité juge
diesem Antrag mit 16 zu 6 Stimmen an. Bezüglich Ziffer 1 wäre inutile étant donné que le Conseil national a déjà transmis un
der Antrag Steinemann also überflüssig, weil wir der Standes- postulat ayant une teneur fort similaire. Nous avons voté le
initiative Folge geben, sie dann aber abschreiben. Damit brin- 2 juin 1992, ici en plénum, un postulat prévoyant: 1. le renfor-
gen wir zum Ausdruck, dass das Anliegen berechtigt ist Es cement du corps des gardes-frontière; 2. le renforcement de la
wurde in verschiedenen parlamentarischen Vorstössen aufge- surveillance à la frontière par l'engagement de troupes à titre
griffen. Eine interdépartementale Arbeitsgruppe des Bundes- de mesure d'urgence; 3. des dispositions techniques de sur-
rates hat sich damit beschäftigt und u. a festgestellt, dass veillance contre un passage illégal de la frontière.
rechtliche Grundlagen für einen subsidiären Einsatz von Trup- Un postulat a déjà été voté le 2 juin 1992, pourquoi dès lors en
pen - zur Unterstützung des Grenzwachtkorps -, die im Rah- voter un second qui va dans le même sens, une année après?
men des neuen Militärorganisationsgesetzes zur Betreuung Ce ne serait guère utile et c'est pourquoi nous vous proposons
von Asylbewerbern eingesetzt würden, zuerst geschaffen wer- de considérer le chiffre 1 de l'initiative de Thurgovie comme
den müssten. pouvant être accepté, puis classé, de ne pas donner suite au
In einer vorbereiteten Verordnung schuf der Bundesrat nun chiffre 2 et de refuser le postulat de la minorité Seiler Hans-
die Grundlagen, damit notfalls kurzfristig eingeschritten wer- peter.
den könne. Zusammen mit den bereits überwiesenen Postula-
ten ist dieser Forderung also vollumfänglich Genüge getan. Seiler Hanspeter, Sprecher der Minderheit: Zuerst eine gene-
Aus diesen Gründen beantragt Ihnen die Mehrheit der Staats- relle Vorbemerkung: Standesinitiativen haben im eidgenössi-
politischen Kommission, Ziffer 1 der Initiative Folge zu geben, schen Parlament, so sagt man, immer einen schweren Stand,
sie aber als erfüllt abzuschreiben und das Postulat der Minder- und im Volk, wenn man mit Grossräten der Kantone diskutiert,
heit abzulehnen. heisst es etwa, sie würden im Bundeshaus sowieso unter den
In Ziffer 2 wird auf andere Weise - nicht wie in der Standesin- Tisch gewischt Dieses Image besteht tatsächlich nicht ganz
itiative Aargau - nochmals eine Quotenregelung festgelegt zu Unrecht; wir sind sehr selten bereit, etwas aus einer Stan-
Auch hier sind wir aus rechtlichen Gründen zum Schluss ge- desinitiative zu übernehmen.
kommen, dass eine starre, zahlenmässige Begrenzung nicht Darf ich darauf hinweisen, dass sich Kommissionsmehrheit
Politique d'asile. Initiatives et interventions personnelles 1044 N 7 juin 1993
und Kommissionsminderheit in einem einig sind. Beide wollen fänglichem Zögern heute viel konsequenter Strafen gegen-
nämlich in Ziffer 1 - es geht um die Verstärkung der Grenzkon- über ertappten Schleppern fällen.
trolle - Folge geben. Die Mehrheit würde Ziffer 1 als erfüllt ab- Natürlich müssen wir auch auf nationaler Ebene das Nötige
schreiben, die Minderheit vertritt hier einen differenzierteren unternehmen. Das zuständige Finanzdepartement hat in die-
Standpunkt Wenn man Ziffer 1 als erfüllt abschreiben würde, ser Sache einiges unternommen. Der Einsatz des Grenz-
hiesse das bestätigen, dass in Sachen Grenzkontrollen, dass wachtkorps ist heute viel flexibler. Man bildet vermehrt Einhei-
in Sachen illegaler Einreise von Asylbewerbern, dass in Sa- ten, die mobil dort eingesetzt werden können, wo tatsächlich
chen Erschwerung der Tätigkeit von Schlepperorganisationen illegale Einreisen getätigt werden. Die Zahl der aufgegriffenen
bereits alles zum besten bestellt sei. Wir wissen alle genau, illegal Eingereisten ist daher in den letzten Jahren ständig ge-
dass dem nicht so ist stiegen. Im übrigen haben wir das Grenzwachtkorps besser
Ich habe mich auch vor Ort erkundigt, ich habe Bekannte, die ausgerüstet, damit es diese wichtige Aufgabe erfüllen kann.
im Grenzwachtkorps arbeiten und mir bestätigt haben, dass Wenn Ihnen nun Ständerat, Bundesrat und Kommissions-
sie manchmal tatenlos zuschauen müssen und nicht handeln mehrheit beantragen, diese Ziffer als erfüllt abzuschreiben,
können. Die entsprechenden Mittel stehen ihnen zumindest dann in dem Sinn, dass uns klar ist, dass eine effiziente Grenz-
im Moment nicht zur Verfügung. Es besteht also in diesem überwachung eine Daueraufgabe ist Wenn Sie aber daüber
Punkt Handlungsbedarf. hinausgehen wollen, müssen Sie sagen, was Sie tun wollen:
Es kommt etwas dazu, Frau Heberlein hat es schon angespro- Wollen Sie die Armee aufbieten? Oder wollen Sie das Grenz-
chen: In Deutschland hat man die Asylpolitik bedeutend ver- wachtkorps zahlenmässig verdoppeln oder verdreifachen?
schärft oder will sie verschärfen, und das wird bestimmt nicht Wenn das nicht der Sinn des Antrages der Minderheit ist, dann
ohne Auswirkungen auf unser Land bleiben. Herr Bundesrat bin ich überzeugt, dass Sie mit gutem Grund auch diesen Teil
Koller hat uns am letzten Freitag ein paar Zahlen genannt der Standesinitiative abschreiben können. Dabei ist es ganz
Auch sie wurden hier wiederholt Unserer Meinung nach sind klar, dass wirksame Grenzkontrollen eine Daueraufgabe des
präventive Massnahmen zu treffen. Ich verweise auf die Argu- Bundes sind und dass der Bundesrat alles unternehmen wird,
mentation von Kollege Mühlemann vom letzten Freitag -dieje- um diese Aufgabe situationsgerecht und möglichst gut erfül-
nigen, die noch anwesend waren, haben es gehört Er hat sehr len zu können.
treffend gesagt, wie die Sorgen der Bürger in einem Grenzkan-
ton aussehen, wie es der Thurgau und Schaffhausen sind. Mühlemann: Ich glaube, eine persönliche Erklärung ist hier
Es bietet sich hier Gelegenheit, einen Teil, einen Punkt aus ei- notwendig, weil Herr Bundesrat Koller heute die Stellung-
ner Standesinitiative herauszunehmen, ihm Folge zu geben nahme zum Antrag der Minderheit Seiler Hanspeter etwas an-
und ihn - übrigens in Postulatsform - zu überweisen. Wir ders formuliert hat als am Freitag; da waren sehr viele von Ih-
könnten damit ein Zeichen setzen, dass wir nicht einfach alles, nen nicht da
was in Standesinitiativen verlangt wird, gleich wieder ab- Herr Bundesrat, Sie haben am Freitag für den Antrag der Min-
wehren. derheit Seiler Hanspeter sehr viel Verständnis gezeigt, indem
Ich bitte Sie in diesem Sinne und im Auftrage der Minderheit, Sie klar darauf hingewiesen haben, dass zwar theoretisch, auf
Ziffer 1 Folge zu geben wie die Kommissionsmehrheit; über- dem Papier, Verstärkungen des Grenzwachtkorps vorgese-
weisen Sie den Inhalt dieser Ziffer gleichzeitig als Postulat an hen seien, dass aber die Zusammenarbeit zwischen den De-
den Bundesrat, um zum Ausdruck zu geben, dass wir gewillt partementen - zwischen Ihrem Departement, dem Finanzde-
sind, die Grenzkontrollen zu verstärken, um illegales Einreisen partement und dem Militärdepartement - schwierig sei und
von Asylbewerbern zu erschweren und vor allem die Tätigkeit dass man hier praktische Uebungen machen müsste.
von Schlepperorganisationen nach Möglichkeit zu unter- Ich bitte Sie deshalb, dem Antrag der Minderheit Seiler Hans-
binden. peter mit gutem Gewissen zuzustimmen.
Bundesrat Koller: Zur Quotenregelung muss ich keine Worte Bundesrat Koller: Herr Mühlemann, Sie haben jetzt meine Er-
mehr verlieren. Es geht um das genau gleiche Problem wie bei klärungen etwas missinterpretiert. Natürlich habe ich im Sinne
der Standesinitiative Aargau. Die Kommission hatte in ihren dieser Aufgabe letzte Woche klar gesagt, dass wir hier immer
Akten das Rechtsgutachten von Professor Kälin, woraus ganz nach Verbesserungen suchen müssen, sowohl beim Einsatz
klar hervorgeht, dass Quotenregelungen sowohl mit der des Grenzwachtkorps als auch bei seiner Ausrüstung.
Flüchtlingskonvention wie mit der Europäischen Menschen- Wenn Sie das überweisen, obwohl der Bundesrat ausdrück-
rechtskonvention nicht vereinbar sind, weil wir auf jeden Fall lich anerkennt, dass das eine Daueraufgabe im Sinne der Opti-
das Non-refoulement überprüfen müssen. Es gibt auch kei- mierung ist, dann müssten Sie uns auch wirklich sagen, was
nen anderen Staat in Westeuropa, der diese Verpflichtung zur Sie konkret mehr wollen: Wollen Sie tatsächlich, dass wir in
Ueberprüfung des Non-refoulement nicht einhalten würde. der heutigen Lage die Armee aufbieten, oder wollen Sie ein
Zu Ziffer 1, die fordert, die Grenzkontrollen seien zu verstär- verdoppeltes Grenzwachtkorps? Sonst sprechen wir aneinan-
ken, die illegale Einreise von Asylbewerbern zu erschweren der vorbei. Um diese Klarstellung ging es mir heute.
und die Tätigkeit von Schlepperorganisationen zu unterbin-
den: Hier müssen wir auf zwei Ebenen handeln. Ich kann Sie Ziff.1-Ch. 1
versichern, dass der Bundesrat das auch macht
Zunächst auf der internationalen Ebene: hier vor allem beste- Abstimmung - Vote
hen Handlungsmöglichkeiten. Ich habe Ihnen am letzten Frei-
tag gesagt, dass wir bei der Europäischen Gemeinschaft im- Eventuell -A titre préliminaire
mer wieder vorstellig werden, damit wir, sobald die Dubliner Für den Antrag der Minderheit 64 Stimmen
Konvention von allen EG-Staaten ratifiziert ist, möglichst rasch Für den Antrag Steinemann 13 Stimmen
die Parallelkonvention unterschreiben können. Es besteht die
Chance, dass wir dies nächstes Jahr tun können. Gegenüber Definitiv - Définitivement
der EG sind wir ferner vorstellig geworden, um dem Schen- Für den Antrag der Mehrheit 91 Stimmen
gen/Polen-Uebereinkommen beitreten zu können. Wir haben Für den Antrag der Minderheit 43 Stimmen
glücklicherweise auch zu diesem multilateralen Vertrag posi-
tive Signale von seilen der EG bekommen. Ziff. 2- Ch. 2
Sodann haben wir an vielen internationalen Konferenzen aktiv
mitgewirkt, damit wirklich europaweit effizient gegen das Abstimmung - Vote
Schlepperunwesen vorgegangen wird. Wir haben diesbezüg- Für den Antrag der Kommission
lich in unserem eigenen Recht bereits die nötigen Strafvor- (keine Folge geben) offensichtliche Mehrheit
schriften aufgenommen. Es ist Sache der Kantone, diese Straf- Für den Antrag Steinemann
vorschriften gegen die Schlepper in die Tat umzusetzen. Ich (Folge geben) Minderheit
habe mit Genugtuung festgestellt, dass die Gerichte nach an-
Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften
Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées
Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali
Standesinitiative Thurgau Gegen den Missbrauch des Asylrechts
Initiative du canton de Thurgovie Contre l'abus du droit d'asile
In Amtliches Bulletin der Bundesversammlung
Dans Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale
In Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale
Jahr 1993
Année
Anno
Band III
Volume
Volume
Session Sommersession
Session Session d'été
Sessione Sessione estiva
Rat Nationalrat
Conseil Conseil national
Consiglio Consiglio nazionale
Sitzung 06
Séance
Seduta
Geschäftsnummer 92.303
Numéro d'objet
Numero dell'oggetto
Datum 07.06.1993 - 14:30
Date
Data
Seite 1041-1044
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Ref. No 20 022 790
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