Switzerland's Postulate on Turkish Human Rights Violations
Legislator-Zusammenfassung
KI-generiertThe Swiss government was asked to file a state complaint against Turkey for massive human rights violations, particularly in Kurdish regions, citing increased emergency measures, human rights abuses, and the influx of refugees. The government acknowledged the worsening situation in southeastern Turkey, noting that while Turkey had derogated from certain European Convention on Human Rights obligations and subsequently notified the Council of Europe, and had made some legislative changes, the overall human rights situation, especially in the southeast, had deteriorated. However, the government ultimately requested that the motion be transformed into a postulate, indicating a less confrontational approach while still committing to continued dialogue and intervention in favor of those whose rights are violated.
Legislator-Regeste
KI-generiertArt. 15 der Europäischen Menschenrechtskonvention; Switzerland's Postulate on Turkish Human Rights Violations: The government acknowledged the worsening situation in southeastern Turkey, noting that while Turkey had derogated from certain European Convention on Human Rights obligations and subsequently notified the Council of Europe, and had made some legislative changes, the overall human rights situation, especially in the southeast, had deteriorated. However, the government ultimately requested that the motion be transformed into a postulate, indicating a less confrontational approach while still committing to continued dialogue and intervention in favor of those whose rights are violated.
Schlagwörter
KI-generiertVerwandte Entscheide
KI-generiertZentrale Rechtsfragen, extrahiert von Legislator
KI-generiertUsed to explain the Turkish government's right to derogate from EMRK obligations in a state of emergency.
Volltext
Motion Bäumlin 1340 N 21 juin 1991
Schriftliche Erklärung des Bundesrates drücklich erlaubt, hat die türkische Regierung am 10. Mai 1990
Déclaration écrite du Conseil fédéral Massnahmen getroffen, welche die in der EMRK enthaltenen
Der Bundesrat beantragt, die Motion in ein Postulat umzuwan- Verpflichtungen derogieren, indem sie den in dieser Region
deln. bereits geltenden Notstand verschärften und ausdehnten. Ge-
mäss derselben Bestimmung der EMRK hat die türkische Re-
Ueberwiesen als Postulat - Transmis comme postulat gierung am 23. August 1990 dem Europarat diese Massnah-
men notifiziert.
Nach zahlreichen Informationen aus verschiedenen Quellen
haben die Verschlimmerung der politisch-militärischen Situa-
tion im Südosten Anatoliens sowie die Ausdehnung und Ver-
#ST# 90.976 schärfung des Notstandes in dieser Region zahlreiche Men-
schenrechtsverletzungen mit sich gebracht. Der massive Zu-
Motion Bäumlin strom irakischer Kurden in dieses Gebiet im letzten März/April
Staatenbeschwerde gegen die Türkei hat nicht zu einer Entspannung der Lage beigetragen.
Besonders im letzten Jahr intervenierten die Bundesbehörden
Requête interétatique mehrmals bei den türkischen Behörden zugunsten der Ach-
contre la Turquie tung der Menschenrechte, namentlich jener der kurdischen
Bevölkerung (vgl. Antwort auf die dringlichen Interpellationen
90.886 und 90.897 der grünen Fraktion und der sozialdemo-
kratischen Fraktion vom 26. und 27. November 1990, ad
Ziff. 2). Die Interventionen haben in diesem Zusammenhang
Wortlaut der Motion vom 14. Dezember 1990 an die unabdinglichen Voraussetzungen für Frieden und Si-
Der Bundesrat wird aufgefordert, gegen die Türkei eine Staa- cherheit in dieser Region erinnert. Dies sind einerseits die Ach-
tenbeschwerde wegen massiver Verletzung der EMRK beson- tung der Rechte der dort ansässigen Menschen, darin Inbe-
ders in den kurdischen Gebieten und gegenüber der kurdi- griffen die spezifischen Rechte der Minderheit kurdischen Ur-
schen Opposition einzureichen, wie dies 1981 schon einmal sprungs und ihrer Angehörigen, besonders das Recht, ihre ei-
fünf Staaten des Europarates gemacht haben. gene Sprache öffentlich zu gebrauchen und zu lehren, sowie
das Recht auf ihr eigenes kulturelles Leben; andererseits wirt-
Texte de la motion du 14 décembre 1990 schaftlicher und sozialer Fortschritt in dieser unterentwickel-
Le Conseil fédéral est chargé de déposer une requête interéta- ten Region. Es bleibt darauf hinzuweisen, dass das EDA daran
tique contre la Turquie pour cause de violation massive de la ist, für den östlichen Teil der Türkei ein Programm der Entwick-
Convention européenne des droits de l'homme, en particulier lungszusammenarbeit zu prüfen, welches hauptsächlich die
dans les régions kurdes et à l'égard des opposants kurdes, Schaffung von Arbeitsplätzen zum Ziel hat. Das EVD prüft
ainsi que cinq Etats du Conseil de l'Europe l'ont déjà fait en auch die Möglichkeit der Vergabe eines Mischkredites oder
1981. anderer Formen der Finanzhilfe.
Bei seinem Besuch in Ankara vom 4. bis 6. April dieses Jahres
Mitunterzeichner - Cosignataires: Aguet, Ammann, Bär, Bé- hat der Departementschef die Haltung der Schweiz zur Frage
guelin, Bircher Silvio, Bodenmann, Borei, Braunschweig, der Menschenrechte in der Türkei erneut bekräftigt. Am
Brügger, Bundi, Caccia, Carobbio, Danuser, Darbellay, Fank- 12. April 1991 sind die Artikel 140 bis 142 und 163 des türki-
hauser, Gardiol, Grendelmeier, Haering Binder, Hafner Ru- schen Strafgesetzbuches, welche eine Reihe von Meinungs-
dolf, Hafner Ursula, Haller, Herczog, Jeanprêtre, Lanz, Leder- delikten unter schwere Strafe - sogar unter Todesstrafe - stell-
gerber, Leuenberger-Solothurn, Longet, Luder, Matthey, ten, sowie das Gesetz Nr. 2932, welches den Gebrauch der
Mauch Ursula, Meyer Theo, Neukomm, Petitpierre, Pitteloud, kurdischen Sprache verboten hatte, ausser Kraft gesetzt wor-
Rechsteiner, Reimann Fritz, Ruffy, Seiler Rolf, Stamm, Stap- den. Das gleichzeitig erlassene Anti-Terror-Gesetz schwächt
pung, Ulrich, Vollmer, Weder-Basel, Zbinden Hans, Ziegler, den Schutz der Menschenrechte jener Personen, welche des
Zwygart (46) «Terrorismus» - durch das Gesetz sehr breit definiert - ver-
dächtigt werden. Wie sich diese Revisionen in der Praxis aus-
Schriftliche Begründung - Développement par écrit wirken werden, wird sich erst weisen. Ebenfalls am 12. April
Die Urheberin verzichtet auf eine Begründung und wünscht wurde eine Teilamnestie erlassen, welche zur Freilassung von
eine schriftliche Antwort. 46 000 Personen, darunter eine unbekannte Zahl politischer
Gefangener, führen soll.
Schriftliche Stellungnahme des Bundesrates Auf internationaler Ebene ist darauf hinzuweisen, dass die Tür-
vom 3. Juni 1991 kei 1987 das Individualbeschwerderecht vor der Europäi-
Rapport écrit du Conseil fédéral schen Menschenrechtskommission sowie 1990 die obligatori-
du 3 juin 1991 sche Gerichtsbarkeit des Europäischen Gerichtshofs für Men-
In seinen Antworten auf die Interpellation Stappung vom schenrechte anerkannt hat. Dies sowie der erste Besuch des
21. September 1988 (88.586, vgl. ad Ziff. 10) und auf die Frage europäischen Ausschusses zur Verhütung von Folter im
Bäumlin Ursula vom 25. September 1989 hatte der Bundesrat Herbst 1990 in den türkischen Haftanstalten sollten zu einem
bereits zweimal seiner Auffassung Ausdruck gegeben, dass besseren Schutz der Menschenrechte, im besonderen zum
es nicht opportun sei, beim Europarat eine Beschwerde ge- Schütze vor Folter, beitragen.
gen die Türkei einzureichen. In der letzten Antwort hatte der Zusammenfassend ist festzustellen, dass die Lage in der Tür-
Bundesrat auch versprochen, die Frage wieder zu prüfen, kei im Vergleich mit der äusserst problematischen Menschen-
wenn die Menschenrechtslage sich nicht in einem günstigen rechtslage unter dem Ausnahmezustand, welcher 1980 vom
Sinn entwickeln sollte. militärischen Regime über das ganze Land verhängt worden
Die von schweren Unruhen geprägte Situation im Südosten war, unter der Zivilregierung seit 1983 eine relativ günstige Ent-
der Türkei hat sich seit dem Frühjahr 1990 merklich ver- wicklung erfahren hat, mit Ausnahme des Südostens des Lan-
schlechtert, als Folge einer massiven Zunahme der Guerilla- des, wo sie sich seit dem vergangenen Jahr verschlechtert
Aktionen der PKK sowie von militärischen Operationen der tür- hat.
kischen Armee. Es ist vor allem die Bevölkerung kurdischen Der Bundesrat wird weiterhin zugunsten von Personen, deren
Ursprungs, die darunter leidet. Sie ist Opfer zahlreicher Ueber- Rechte in der Türkei verletzt werden, intervenieren und parallel
griffe, welche von den anwesenden Truppen begangen wer- dazu mit der türkischen Regierung einen kontinuierlichen Dia-
den. log führen, welcher auf der Ueberzeugung beruht, dass
Wie Artikel 15 der Europäischen Menschenrechtskonvention Rechtsstaatlichkeit und Respektierung der Menschenrechte
(EMRK) «im Falle eines Krieges oder eines anderen öffentli- als Faktoren von Gerechtigkeit, Gleichheit und Freiheit essen-
chen Notstandes, der das Leben der Nation bedroht» aus- tielle Komponenten einer pluralistischen Demokratie sind und
21. Juni 1991 1341 Postulat H u bâcher
einen wichtigen Beitrag zu Frieden und Sicherheit des Landes ganzen Welt noch rechtzeitig einigermassen begegnen zu
darstellen. können, ist eine rasche und wirksame Verstärkung des Grenz-
Wenn sich die Menschenrechtslage vor allem im Südosten schutzes dringendst erforderlich! Nebst einer Erhöhung des
des Landes in nächster Zeit nicht verbessern sollte, ist der Bestandes an Grenzwächtern ist vor allem ein Einsatz der
Bundesrat bereit, die Opportunität einer Beschwerde zu prü- Schweizer Armee zur Unterstützung des Grenzwachtkorps un-
fen, nach dem Vorbild jener Beschwerde, welche im Jahre erlässlich. Verschiedene Armeeeinheiten sind bereits für den
1981 von fünf Mitgliedern des Europarates als Folge der Men- Neutralitätschutzdienst ausgebildet. Bekanntlich hat Oester-
schenrechtsverletzungen durch die türkische Regierung ein- reich mit Erfolg zu entsprechenden Massnahmen gegriffen, in
gereicht worden war. Finnland werden derartige Schritte vorbereitet.
Nachdem Bundesrat Arnold Koller mehrfach den Einsatz der
Schriftliche Erklärung des Bundesrates Armee zur Bewachung der Landesgrenze vor illegalen Grenz-
Déclaration écrite du Conseil fédéral übertritten ernsthaft in Erwägung gezogen hat, muss die Lan-
Der Bundesrat beantragt, die Motion in ein Postulat umzuwan- desregierung nun - angesichts der sich verschärfenden Lage
deln. -unverzüglich zur Tat schreiten!
Ueberwiesen als Postulat - Transmis comme postulat Schriftliche Stellungnahme des Bundesrates
vom 15. Mai 1991
Rapport écrit du Conseil fédéral
du 15 mai 1991
1. Der Bundesrat hat bereits in Zusammenhang mit der Motion
#ST# 90.997 Baggi (89.645) im Dezember 1989 zur Frage der Personalauf-
stockung des Grenzwachtkorps Stellung genommen. Trotz
Motion Ruf der momentan etwas entspannteren Lage auf dem Arbeits-
Schweizer Landesgrenze. markt erscheint eine solche kurz- oder mittelfristig unreali-
Verstärkter Schutz stisch. Der Bestand an Grenzwächtern wurde letztmals per
1. Januar 1991 angepasst und auf 1943 erhöht. Dieser Sollbe-
vor illegalen Grenzübertritten stand ist jedoch aufgrund der nach wie vor bestehenden Re-
Passage illégal de la frontière. krutierungsschwierigkeiten nicht erreicht. Der Bundesrat wird
Renforcement de la protection die Entwicklung weiterhin im Auge behalten.
2. Derzeit wird die Unterstützung des Grenzwachtkorps durch
den Einsatz von Formationen der Armee durch eine interdé-
partementale Arbeitsgruppe geprüft.
Wortlaut der Motion vom 14. Dezember 1990 Schriftliche Erklärung des Bundesrates
Der Bundesrat wird beauftragt, den Schutz der Schweizer Lan- Déclaration écrite du Conseil fédéral
desgrenze vor illegalen Grenzübertritten durch folgende Der Bundesrat beantragt, die Motion in ein Postulat umzuwan-
Massnahmen wirksam zu verstärken: deln.
1. Erhöhung des Bestandes an Grenzwächtern;
2. Einsatz- und wenn nötig Ausbildung -von geeigneten Ein- Präsident: Die Motion wird von den Damen Fankhauser und
heiten der Schweizer Armee zur Unterstützung des Grenz- Haering Binder bekämpft. Die Diskussion wird verschoben.
wachtkorps.
Verschoben - Renvoyé
Texte de la motion du 14 décembre 1990
Le Conseil fédéral est chargé de renforcer la protection de la
frontière suisse et d'empêcher les passages illégaux en pre-
nant les mesures suivantes:
1. augmentation de l'effectif des gardes-frontière; #ST# 91.3001
2. mise en place et, s'il le faut, entraînement d'unités adéqua-
tes de l'armée que l'on chargera d'épauler le corps des gar- Postulat Hubacher
des-frontière.
Bericht über Neutralität
Mitunterzeichner - Cosignataires: Keine - Aucun Rapport sur la neutralité
Schriftliche Begründung - Développement par écrit
Ungeachtet aller Revisionen des Asylverfahrens steigt der Zu-
strom von Asylbewerbern in die Schweiz seit Jahren unge-
bremst an und wird voraussichtlich auch künftig jährlich neue Wortlaut des Postulates vom 21. Januar 1991
Rekordhöhen erreichen. Bei der überwiegenden Mehrheit der Ich ersuche den Bundesrat, baldmöglichst, spätestens bis
Asylanten handelt es sich bekanntlich nicht um echte Flücht- Ende 1992, einen Bericht auszuarbeiten:
linge, sondern um Gesuchsteller aus wirtschaftlichen Grün- - wie er gemäss Artikel 102 Ziffer 9 der Bundesverfassung die
den (über 95 Prozent der Begehren werden letztlich abgewie- Neutralität interpretiert und neu definiert;
sen). Die allermeisten Bewerber gelangen über die grüne - den Bericht den eidgenössischen Räten vorzulegen.
Grenze illegal in unser Land!
Breite Kreise des Schweizervolkes sind wegen dieser anhal- Texte du postulat du 21 janvier 1991
tenden Masseneinwanderung zu Recht tief beunruhigt. 1991 Je prie le Conseil fédéral de présenter aux Chambres fédéra-
muss mit einer zusätzlichen riesigen Migrationswelle aus Ost- les, le plus tôt possible, mais au plus tard pour la fin de l'année
europa, vor allem aus der Sowjetunion, gerechnet werden. 1992, un rapport exposant la façon dont il interprète et redéfinit
Die grosse Zahl der illegalen Einreisen beweist, dass die Lan- la neutralité au sens de l'article 102, chiffre 9 est.
desgrenze völlig ungenügend gesichert ist. Dies kann aller-
dings angesichts des geringen Personalbestandes im unifor- Mitunterzeichner - Cosignataires: Aguet, Bodenmann, Brüg-
mierten Grenzwachtkorps (August 1990:1756 Mann) nicht er- ger, Carobbio, Danuser, Eggenberger Georges, Haering Bin-
staunen. Skrupellose Schlepperorganisationen haben da- der, Hafner Ursula, Herczog, Jeanprêtre, Lanz, Ledergerber,
durch ein sehr leichtes Spiel. Leuenberger-Solothurn, Leuenberger Moritz, Longet, Meizoz,
Um dem (gegenwärtigen und noch zu erwartenden) Massen- Meyer Théo, Pitteloud, Rechsteiner, Reimann Fritz, Ruffy,
zustrom von Wirtschaftsasylanten und Emigranten aus der Stappung, Uchtenhagen, Zbinden Hans, Züger (25)
Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften
Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées
Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali
Motion Bäumlin Staatenbeschwerde gegen die Türkei
Motion Bäumlin Requête interétatique contre la Turquie
In Amtliches Bulletin der Bundesversammlung
Dans Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale
In Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale
Jahr 1991
Année
Anno
Band III
Volume
Volume
Session Sommersession
Session Session d'été
Sessione Sessione estiva
Rat Nationalrat
Conseil Conseil national
Consiglio Consiglio nazionale
Sitzung 16
Séance
Seduta
Geschäftsnummer 90.976
Numéro d'objet
Numero dell'oggetto
Datum 21.06.1991 - 08:00
Date
Data
Seite 1340-1341
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Ref. No 20 020 053
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