Federal Armaments Factories: Future Uncertainties and Mitigation Strategies
Legislator-Zusammenfassung
KI-generiertThis parliamentary interpellation and subsequent debate addressed concerns about the future of federal armaments factories in Switzerland. The primary issues raised were the anticipated decline in arms orders, potential job losses, and the need to maintain national security and technical expertise. The government acknowledged these challenges, stating that while federal armaments factories are deemed necessary for national security, they face uncertainty due to budget constraints and a shrinking domestic market. The government also confirmed that these factories are permitted to undertake civilian contracts to ensure utilization and employment, though limitations exist. The debate concluded with a recognition of the difficult situation and a commitment from the government to mitigate negative regional impacts, while also acknowledging the need for continued budget scrutiny.
Legislator-Regeste
KI-generiertArt. 1 erster, Art. 1 ten, Art. 25 Absatz; Federal Armaments Factories: Future Uncertainties and Mitigation Strategies: The primary issues raised were the anticipated decline in arms orders, potential job losses, and the need to maintain national security and technical expertise. The government acknowledged these challenges, stating that while federal armaments factories are deemed necessary for national security, they face uncertainty due to budget constraints and a shrinking domestic market. The government also confirmed that these factories are permitted to undertake civilian contracts to ensure utilization and employment, though limitations exist. The debate concluded with a recognition of the difficult situation and a commitment from the government to mitigate negative regional impacts, while also acknowledging the need for continued budget scrutiny.
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Interpellation Ziegler 128 7 mars 1991
und die Leute verfolgt werden. Das sind in der Regel nicht in Art.1
erster Linie demokratische Länder - sonst müssten die Leute Antrag der Kommission
ja auch nicht flüchten. Umgekehrt müssen wir uns in Zukunft Für die Hilfe an die drei von den Boykottmassnahmen in der
die Frage stellen: Wollen wir unsere Hilfe vorwiegend Ländern Golfkrise am stärksten....
zukommen lassen, die wirtschaftlich schwach, aber demokra-
tisch sind und die ganz eindeutig die Menschenrechte einhal- Art. 1
ten? Die Zielsetzung ist hier sicher gut. Aber dann stellt sich Proposition de la commission
natürlich ein anderes Problem: Die Leute, die in Diktaturen le- Un crédit....
ben, können nicht unbedingt etwas dafür, dass sie in solche .... aux trois pays les plus touchés par les mesures de boycott
Länder hineingeboren worden sind. Vielleicht muss man ih- appliquées lors de la crise du Golfe.
nen trotzdem zu helfen versuchen.
Ich habe gesagt, dass dies nicht die letzte Botschaft ist, und Angenommen -Adopté
dies wird nicht die letzte Diskussion sein. Bereits in der näch-
sten Woche wird in Luxemburg über die Fortsetzung dieses Art. 2
Programms diskutiert werden. Ich gehe davon aus, dass man Antrag der Kommission
dort auch über andere Themen und über andere Länder disku- Zustimmung zum Entwurf des Bundesrates
tieren wird - dazu in einer veränderten Situation; denn min- Proposition de la commission
destens ist jetzt der Krieg vorbei, wenn auch die Sanktionen Adhérer au projet du Conseil fédéral
noch nicht zu Ende sind.
Was die Türkei anbelangt, muss man sagen, dass der Bundes- Angenommen -Adopté
rat natürlich immer wieder die Türkei auf die Menschenrechts-
verletzungen hingewiesen hat. Er wird das auch in Zukunft Gesamtabstimmung - Vote sur l'ensemble
tun. Er wird seine Meinung ganz sicher geltend machen. Wenn Für Annahme des Entwurfes 29 Stimmen
wir hier helfen, wird er auch unsere Vorstellungen einbringen. (Einstimmigkeit)
In bezug auf Israel ist die Situation anders. Israel wurde durch
die Boykottmassnahmen nicht so sehr betroffen. Das ist auch
klar dargelegt worden. Das hat hier keinen Platz, sondern es An den Nationalrat-Au Conseil national
ist eine begrenzte Hilfe für diese drei Länder. Wie das in der
Zukunft aussieht, ist eine Frage, die wir heute nicht entschei-
den können. Letztlich ist es nicht so, dass wir nur in Verbin-
dung mit internationalen Organisationen helfen. Vielmehr ist
es auch möglich, unsere Entwicklungshilfe gezielt einzuset- #ST# 90.782
zen, damit wir dort helfen können, wo es besonders nötig ist
und wo Sie auch finden, es sei besonders gerechtfertigt. Interpellation Ziegler
Es ist zu sagen, dass auch Kuwait seinen Beitrag leisten muss.
Das ist ebenfalls ein sehr grosser Beitrag - 2500 Millionen Eidgenössische Rüstungsbetriebe
Franken in diesem Programm, ganz abgesehen von den an- Entreprises fédérales d'armement
deren Programmen. Die Verteilung ist schon einigermassen
ausdiskutiert worden. Zur Diskussion stand die Betroffenheit
auf der einen und die Leistungsfähigkeit auf der anderen Seite.
Ich danke Ihnen, wenn Sie dieser Vorlage zustimmen.
Wortlaut der Interpellation vom 3. Oktober 1990
Eintreten wird ohne Gegenantrag beschlossen Gemäss offiziellen Mitteilungen des EMD zeigt die Planung bis
Le conseil décide sans opposition d'entrer en matière 1995, dass alle sechs eidgenössischen Rüstungsbetriebe mit
Auslastungsproblemen zu kämpfen haben werden. Mit einem
Detailberatung ~ Discussion par articles Rückgang von Rüstungsaufträgen und einem Verlust von Ar-
beitsplätzen in diesen Betrieben sei zu rechnen.
Titel Gestützt auf Artikel 25 Absatz 4 Geschäftsreglement des Stän-
Antrag der Kommission derates wird der Bundesrat ersucht, Auskunft darüber zu ge-
Bundesbeschluss über die Hilfe der Schweiz an die drei von ben:
den Boykottmassnahmen in der Golfkrise am stärksten betrof- I.Wie beurteilt der Bundesrat für die nächsten Jahre den
fenen Staaten (Aegypten, Jordanien, Türkei) Rückgang der Rüstungsaufträge in den eidgenössischen Rü-
stungsbetrieben?
2. Was unternimmt der Bundesrat, damit trotz Rückgang der
Titre
Rüstungsaufträge
Proposition de la commission
Arrêté fédéral concernant l'aide fournie par la Suisse aux trois a) die Auslastung der eidgenössischen Rüstungsbetriebe ge-
währleistet bleibt;
pays les plus touchés par les mesures de boycott appliquées
b) Entlassungen vermieden werden können und den betroffe-
lors de la crise du Golfe (Egypte, Jordanie, Turquie)
nen Regionen die Arbeitsplätze in den Rüstungsbetrieben er-
halten bleiben;
Ingress c) das Know-how langfristig erhalten werden kann;
Antrag der Kommission d) die Versorgung der Armee mit Rüstungsgütern auch in Kri-
Zustimmung zum Entwurf des Bundesrates senzeiten gewährleistet ist?
3. Ist der Bundesrat bereit, den eidgenössischen Rüstungsbe-
Préambule trieben eigenen Handlungsspielraum zuzugestehen, damit
Proposition de la commission diese die Auslastung mit zivilen Aufträgen sichern können?
Adhérer au projet du Conseil fédéral 4. Hält der Bundesrat staatseigene Rüstungsbetriebe weiter-
hin für notwendig und unverzichtbar?
Schönenberger, Berichterstatter: Wir haben im Titel einge-
fügt, «von den Boykottmassnahmen in der Golfkrise am stärk- Texte de l'interpellation du 3 octobre 1990
sten betroffenen Staaten», um klarzumachen, dass es hier nur Selon des communications officielles du DMF, il ressort de la
um die Boykottmassnahmen und um nichts anderes geht. planification que jusqu'en 1995, les six entreprises fédérales
Das gleiche gilt auch für Artikel 1. d'armement devront faire face a des problèmes d'utilisation
des capacités. Il faut s'attendre à une diminution des comman-
Angenommen -Adopté des et à une perte d'emplois.
7. März 1991 129 Interpellation Ziegler
Conformément à l'article 25, 4e alinéa, du règlement du 3. Jeder Betrieb, auch ein Rüstungsbetrieb, nimmt Schaden,
Conseil des Etats, le Conseil fédéral est invité à donner des wenn er nicht mehr voll ausgelastet ist. Mitarbeiter - auch Ka-
renseignements sur les points suivants: derleute - ziehen aus. Gute Mitarbeiter sind nicht mehr erhält-
1. Que pense le Conseil fédéral du recul des commandes lich. Know-how geht verloren. Auch die Rüstungsbetriebe
dans les entreprises fédérales d'armement ces prochaines an- müssen mit allen Mitteln für Vollbeschäftigung sorgen, für die
nées? volle Auslastung des Betriebes. Bei den eidgenössischen Rü-
2. Qu'entreprend-il pour qu'en dépit de la diminution des com- stungsbetrieben müsste man wohl sogar sagen, es muss ih-
mandes nen unbedingt die Möglichkeit gegeben werden, dass sie für
a) l'utilisation des capacités des entreprises fédérales d'arme- Vollbeschäftigung und volle Auslastung sorgen können.
ment soit garantie; 4. In diesem Zusammenhang interessiert insbesondere, ob
b) les licenciements soient évités et les régions concernées die einzelnen Betriebe die unternehmerische Freiheit haben
conservent leurs emplois; oder sie erhalten, auch private Aufträge anzunehmen und aus-
c)-le savoir-faire soit assuré à long terme; zuführen. Man müsste diesen Betrieben die gleiche unterneh-
d) l'approvisionnement de l'armée en armes et en munitions merische Freiheit zugestehen, wie sie Betriebe in der Privat-
soit garanti même en temps de crise? wirtschaft haben. Nur wenn diese Betriebe diese Freiheit ha-
3. Le Conseil fédéral est-il prêt à accorder aux entreprises fé- ben, sind wichtige, unabdingbare Voraussetzungen erfüllt, um
dérales d'armement une marge de manoeuvre suffisante pour bereits bei der Acquisition konkurrenzfähig sein zu können.
permettre à celles-ci d'exécuter des commandes de caractère Die Betriebe müssen volle Freiheit haben, die Vollbeschäfti-
civil pour utiliser leur capacité? gung und die volle Auslastung nötigenfalls mit privaten Aufträ-
4. Le Conseil fédéral considère-t-il que des entreprises fédéra- gen sicherzustellen. Im übrigen hat auch der Bund nur so Ge-
les d'armement restent indispensables et qu'il n'est donc pas währ, dass diese Betriebe mit der notwendigen Kapazität ak-
possible d'y renoncer? tions- und einsatzfähig sind und bleiben.
Zum Schluss gestatten Sie mir zwei, drei Sätze speziell zum
Mitunterzeichner-Cosignataires: Keine -Aucun Kanton Uri. Die Bedeutung, die dem Betrieb der Munitionsfa-
brik in Uri zukommt, ersehen Sie aus einigen wenigen Zahlen.
Ziegler: Gemäss Information des EMD müssen die eidgenös- Es handelt sich um den zweitgrössten Betrieb im Kanton. Die-
sischen Rüstungsbetriebe in den nächsten Jahren mit einem ser Betrieb beschäftigt zirka 1000 Mitarbeiterinnen und Mitar-
Rückgang der Rüstungsaufträge rechnen. Zudem wurde für beiter. Diese 1000 Menschen sind ein Vierzehntel aller Be-
alle Rüstungsbetriebe ein Abbau von Arbeitsplätzen progno- schäftigten im Kanton Uri oder ungefähr 7 Prozent. Primär soll
stiziert. Die Sorge um die Gewährleistung der Versorgung un- selbstverständlich die Munitionsfabrik im Kanton Uri Rü-
serer Armee mit den erforderlichen Rüstungsgütern, aber stungsbetrieb bleiben, Rüstungsaufträge erfüllen. Sie soll
auch die Sorge um die Erhaltung der Arbeitsplätze in den ver- aber die Möglichkeit haben, auch im privaten Bereich tätig zu
schiedenen Regionen, in denen diese Betriebe stehen, haben werden, um die Auslastung, die Vollbeschäftigung und die Ar-
mich veranlasst, dem Bundesrat verschiedene Fragen zu un- beitsplätze etwa im heutigen Ausmass zu erhalten.
terbreiten. Die Fragen bedürfen eigentlich keiner weiteren Prä- Ich hoffe deshalb, dass diese Zusagen möglich sind, denn
zisierung. Lassen Sie mich aber trotzdem zu einigen Punkten nicht nur die Munitionsfabrik und nicht nur der Kanton Uri sind
Ausführungen machen. auf diese Oeffnung angewiesen, sondern auch die ändern Rü-
1. Das Schweizervolk will auf seine Armee nicht verzichten. Es stungsbetriebe.
hat dies bei der Abstimmung über die Armeeabschaffung klar
zum Ausdruck gebracht. Solange die Schweiz eine Armee hat, Bundesrat Villiger: Zur Frage 4 von Herrn Ständerat Ziegler:
braucht sie Rüstungsgüter. Die Rüstungsbetriebe haben den Der Bundesrat hält bundeseigene Rüstungsbetriebe auch in
Auftrag, die Armee mit Rüstungsgütern zu versorgen. Das be- Zukunft für notwendig und für unverzichtbar. Es zeichnet sich
deutet: Wenn in Zukunft die Versorgung unserer Armee mit ja noch keinerlei europäische Sicherheitsordnung ab, die un-
Rüstungsgütern gewährleistet sein soll, müssen die bestehen- sere Armee unnötig machen würde oder in die wir eingebettet
den Rüstungsbetriebe erhalten bleiben und auch weiter be- werden könnten. Deshalb müssen wir unsere nationale Si-
schäftigt werden, dies um so mehr als offenbar - wie das Bei- cherheit weiterhin auf eine eigene eigenständige Armee ab-
spiel Bührle zeigt - die Rüstungsproduktionsbereitschaft der stützen können. Der Bundesrat hat darüber übrigens in sei-
Privatwirtschaft ständig abnimmt. Ob unter diesen Vorausset- nem Bericht über die Sicherheitspolitik auch keine Zweifel of-
zungen eine Redimensionierung der eidgenössischen Rü- fengelassen. Damit diese Armee mit den erforderlichen Waf-
stungsbetriebe möglich ist, muss bezweifelt werden. Einer fen und Geräten und mit der nötigen Munition ausgerüstet
Ueberprüfung der Struktur der Rüstungsbetriebe steht aber werden kann und damit auch Unterhalt und mögliche Verbes-
selbstverständlich nichts im Wege. Es genügt jedoch nicht, serungen des eingeführten Materials sichergestellt werden
Aufgabe und Struktur der eidgenössischen Rüstungsbetriebe können, ist der Bund auch in Zukunft auf eigene Rüstungsbe-
zu überprüfen, wie das in einem Postulat, das der Bundesrat triebe angewiesen. Es ist klar, dass wir in der Waffenproduk-
entgegengenommen hat, gefordert wird. Gerade unter den tion nie autonom werden können; aber bei der Munition ist es
veränderten Verhältnissen bezüglich Rüstungsproduktion in sehr entscheidend. Wir benötigen das Know-how auch im
der Privatwirtschaft muss auch sichergestellt werden, dass die Falle einer Krise, wo wir von aussen nichts mehr bekommen,
Rüstungsbetriebe ihren Auftrag weiterhin erfüllen können. Das um vorhandenes Material ausstatten, verbessern und reparie-
kann aber bedeuten, dass nicht nur nicht redimensioniert wer- ren zu können. Wir sind darauf angewiesen, und zwar um so
den kann, sondern erweitert werden muss. mehr-Sie, Herr Ständerat Ziegler, haben das Beispiel Bührle
2. Diese Rüstungsbetriebe bestehen seit Jahrzehnten, die Mu- erwähnt -, als wegen unserer restriktiven Waffenexportpraxis
nitionsfabriken teilweise wesentlich mehr als hundert Jahre. der Rüstungsstandort Schweiz sehr schlecht geworden ist.
Sie bildeten und bilden mit ihren Arbeitsplätzen einen wichti- Wir sind kein zuverlässiger Lieferant mehr. Wir waren aus
gen Bestandteil der Wirtschaft der Regionen, in denen sie ste- rechtlichen Gründen - Neutralität und Waffenausfuhrgesetz -
hen. Diese Regionen, insbesondere wenn es sich um Randge- gezwungen, bestehende Verträge beispielsweise schon zu si-
biete und/oder Berggebiete handelt, sind weiter auf diese Ar- stieren. Das spricht sich sehr rasch herum, und ich bin aus
beitsstätten und Arbeitsplätze angewiesen. Sie müssen die- Sicht des Rüstungsstandortes Schweiz, der für unsere Armee
sen Regionen erhalten bleiben. Wenn für die volle Auslastung wichtig ist, darüber sehr in Sorge, im Bewusstsein, dass Waf-
und Vollbeschäftigung nicht genügend Rüstungsaufträge er- fenexport aus übergeordneten Gründen Grenzen braucht.
teilt werden können, muss diesen Betrieben die Möglichkeit Zur Frage 1. Es zeichnen sich seit einiger Zeit in unseren Rü-
gegeben werden, private Aufträge anzunehmen und auszu- stungsbetrieben für die kommenden Jahre Beschäftigungs-
führen. Die Vollbeschäftigung und die Auslastung müssen probleme ab, die verschiedene Ursachen haben. Die Oeffent-
ständig bestehen. Es sollte nicht einmal der Anschein von lichkeit und das Personal der betroffenen Betriebe wurden be-
Rückgang, von Entlassungsmöglichkeiten und Redimensio- reits im August des letzten Jahres darüber orientiert. Ich muss
nierung erweckt werden. beifügen, dass auch andere Betriebe des EMD, insbesondere
Interpellation Ziegler 130 7 mars 1991
solche der Kriegsmaterialverwaltung und des Bundesamtes den. Sie wissen, dass wir in einem Betrieb sogar zu Kurzarbeit
für Militärflugplätze, in Zukunft mit ähnlichen Problemen kon- übergegangen sind, um eben die Arbeitsplätze langfristig wie-
frontiert sein dürften, ja, ich gehe auch davon aus, dass das der sichern zu können.
ganze EMD als solches im Laufe der nächsten Jahre um etwa Im Fall von weiteren Budgetkürzungen - Sie wissen ja, was
einen Viertel wird schrumpfen müssen, wenn unsere Armee hier politisch alles diskutiert wird - und bei einem weiteren
kleiner wird. Rückgang von Rüstungsbeschaffungen im Inland können
Die Vergabe von Rüstungsaufträgen ist weitgehend abhängig aber Entlassungen nicht für alle Zeiten völlig ausgeschlossen
von den finanziellen Mitteln, die wir in den nächsten Jahren zur werden. Der Bundesrat wird aber alles daransetzen, um in den
Verfügung haben. Und es ist - Sie wissen das - relativ unge- betroffenen Regionen den Rückgang von Arbeitsplätzen in
wiss, wie sich diese entwickeln werden. Jede Beurteilung der verantwortbaren Grenzen zu halten.
Beschäftigungslage im Rüstungsbereich ist deshalb im Mo- Der Bundesrat teilt die Auffassung des Interpellanten, dass die
ment mit ziemlich grossen Unsicherheiten behaftet und ei- langfristige Erhaltung des heute vorhandenen technischen
gentlich nur möglich aufgrund der momentanen Trends. Wissens und Könnens des Personals der Rüstungsbetriebe
Sie wissen, dass der Bundesrat das finanzielle Volumen der von grösser Bedeutung ist. Auch das ist mir persönlich eine
Rüstungsbeschaffung nominell eingefroren hat. Sie haben grosse Sorge. Die Erhaltung von wertvollem Know-how in die-
das im letztjährigen Budget bestätigt; das bedeutet natürlich sen Betrieben ist aber weniger eine Frage des Stellenabbaus;
unter Berücksichtigung der Teuerung einen realen Rückgang. sie hängt mehr mit dem Problem von Ausfällen von Aufträgen
Davon werden einerseits die Privatwirtschaft, aber eben auch für bestimmte Waffensysteme oder Pulversorten oder Geräte-
die sechs bundeseigenen Rüstungsbetriebe betroffen. Dabei systeme über längere Zeit zusammen. Auch hier können wir
werden die beiden Munitionsfabriken in Thun und Altdorf so- leider nicht garantieren, dass nicht wertvolles Know-how ver-
wie die Pulverfabrik Wimmis in grösserem Mass tangiert sein schwindet, vor allem eben auch, weil wir es exportmässig
als die Konstruktionswerkstätte Thun, die Waffenfabrik Bern praktisch unter diesen einschränkenden Bedingungen - ge-
oder das Flugzeugwerk Emmen. Die Auswirkungen im Be- rade vom Bund her-nicht nutzen können.
reich Munition sind grösser, weil die Armee vermehrt tech- Auch die Versorgung der Armee mit Rüstungsgütern in Krisen-
nisch hochentwickelte Munition benötigt, die dank ihrer gros- zeiten ist nicht in erster Linie ein Problem des Stellenabbaus.
sen Wirkung und auch aus preislichen Gründen in reduzierter Es ist ein Problem, ob wir überhaupt den Kern des Know-how
Stückzahl beschafft werden kann. Das hat direkt mit dem Bud- dieser Betriebe erhalten können. Wir werden natürlich alles
get eigentlich nichts zu tun. Aber auch der immer häufigere daransetzen, dass wir die Versorgung auch in Krisenzeiten ge-
Einsatz von Simulatoren, der auch im Interesse des Umwelt- währleisten können.
schutzes liegt, erlaubt eine Reduktion der Stückzahl der Muni- Der Bundesrat hält es für unabdingbar, dass die Armee auch
tion, zumindest für die Bedürfnisse der Ausbildung. Schliess- in Zukunft Rüstungsgüter aus eigener Produktion erhalten
lich wird sich auch die Bestandesreduktion der «Armee 95» kann, obschon das auch aus technologischen Gründen
auf den Bedarf an Uebungsmunition auswirken. Das können schwieriger wird. Wenn Sie die ganze Konzentration der euro-
wir faktisch gar nicht verhindern. päischen Rüstungsindustrie in Betracht ziehen, sehen Sie na-
Aufgrund der Planungsunterlagen, über die wir heute verfü- türlich, dass die Insel Schweiz hier immer mehr auch Pro-
gen, wird in den Jahren 1991 bis 1994 mit einem jährlichen bleme hat, vorne mit dabeisein zu können.
Rückgang - ich lasse mich aber auf dieser Zahl nicht behaften, Zur Frage 3, Herr Ständerat Ziegler, ob die Rüstungsbetriebe
weil sie von den Budgets abhängt, weil sie sich noch ändert zivile Aufträge übernehmen könnten. Die unternehmerische
und weil es Planungszahlen sind - von etwa 200 Arbeitsplät- Freiheit dazu besteht. Aber es gibt gewisse Grenzen in ande-
zen in den Rüstungsbetrieben gerechnet, wobei sie nicht ren Bereichen, die die Konkurrenzfähigkeit beeinträchtigen.
gleichmässig verteilt sein werden. Ich denke hier an Lohnklassen, die eindeutig zu höheren Ko-
Zur Frage 2. Der Bundesrat muss mit aller Deutlichkeit festhal- sten führen als in der Privatwirtschaft. Ich denke an das Beam-
ten, dass er unter den heutigen Voraussetzungen - knapper tenrecht usw., was die Beweglichkeit und Flexibilität gegen-
werdende Mittel, schrumpfender inländischer Markt für Rü- über der Privatwirtschaft einschränkt.
stungsgüter, kleinere Armee - keine Gewähr für die völlige Wir möchten aber diese Möglichkeit in Zukunft noch vermehrt
Auslastung und damit die Vollbeschäftigung der bundeseige- ausnützen. Die Rüstungsbetriebe des Bundes arbeiten schon
nen Betriebe bieten kann. Eine Faustregel: Jede Reduktion seit Jahren auch für private Dritte im In- und Ausland. Ich
unserer Kredite um 100 Millionen kostet bei den Rüstungsbe- denke etwa an das Flugzeugwerk, wo wir für Ariane-Raketen,
trieben 500 Arbeitsplätze und in der Privatwirtschaft nochmals aber auch für Grossflugzeuge sehr wesentliche Teile herstel-
500 Arbeitsplätze. Das ist also ganz erheblich. Sie wissen, len. Wir können fast etwas stolz sein darauf. Man schimpft häu-
dass wir in unserer Enveloppe für die Militärausgaben auf vier fig nur über Staatsbetriebe, aber es wird hier Hervorragendes
Jahre ein Opfer von 2,4 Milliarden Franken gebracht haben, geleistet. Diese Aufträge sind breit gefächert, aber sie betref-
das natürlich nicht nur Rüstung betrifft, aber dort Einfluss hat. fen naturgemäss angrenzende zivile Bereiche, wo das Know-
Der Bundesrat ist an wirtschaftlich gesunden Rüstungsbetrie- how schon einigermassen vorhanden ist. Der Umfang bewegt
ben interessiert, kann aber die Strukturerhaltung um jeden sich derzeit zwischen 6 und 10 Prozent des gesamten Umsat-
Preis nicht verantworten. Die vorgesetzten Stellen der Rü- zes der Betriebe.
stungsbetriebe haben bereits eine Reihe von Massnahmen Die Rüstungsbetriebe streben kurzfristig eine Erhöhung an,
zur Bewältigung des zu erwartenden Auftragsrückganges er- aber es ist zu berücksichtigen, dass es gegenüber einer unbe-
griffen. U. a. werden Möglichkeiten zu intensiverer Betätigung grenzten Ausweitung natürlich auch rechtliche Grenzen gibt.
in angrenzenden zivilen Bereichen gesucht. Ferner sollen Auf- Ich darf Ihnen ein gutes und recht interessantes Beispiel nen-
träge zeitlich so gestaffelt werden, dass die abnehmende Aus- nen: Auf dem Areal der Pulverfabrik Wimmis wird eine Privat-
lastung in den einzelnen Betrieben nach Möglichkeit mit den firma eine Batterie-Recycling-Anlage erstellen. Daran sind
natürlichen Personalabgängen aufgefangen werden kann. viele private Firmen beteiligt, auch die PTT, die SBB, Grossver-
Hier gibt es aber gewisse Einschränkungen. teiler, Batteriehersteller. Die Pulverfabrik stellt das Areal zur
Die Rüstungsbetriebe des Bundes sind finanziell eigenstän- Verfügung und wird die Fabrik wahrscheinlich mit ihrem Per-
dig. Das ist auch gut so. Sie müssen wirtschaftlich geführt wer- sonal betreiben. Das ist eine, glaube ich, gute Lösung in einem
den und Lieferverpflichtungen, laufende Verträge einhalten, Bereich, der rein privatwirtschaftlich nicht rentabel wäre. Die
und das setzt der reinen Handlungsfreiheit einige Grenzen. Anlage wird subventioniert und passt relativ gut in dieses
Es besteht die Absicht, austretende Beamte und Angestellte Areal.
nur noch im Rahmen des langfristigen Bedarfes wieder zu er- Ich muss Ihnen allerdings sagen, dass Rüstungskonversion,
setzen. Den haben wir natürlich auch, vor allem bei qualifizier- die völlige Umstellung auf zivile Bereiche, die von Parlamenta-
ten Arbeitskräften. Kurzfristige und nicht verschiebbare Be- riern in der letzten Zeit gefordert worden ist, etwas anderes ist.
darfsspitzen sollen jedoch durch temporäre Hilfskräfte und Ich glaube, dass Staatsbetriebe, welche die Privatwirtschaft im
zeitlich befristete Anstellungsverhältnisse abgedeckt werden. grossen Stil und in irgendwelchen umfassenden Bereichen
Man will also Entlassungen - wenn immer möglich - vermei- konkurrenzieren, mit unseren ordnungspolitischen Vorstellun-
7. März 1991 S 131 Interpellation Ziegler
gen nicht vereinbar sind. Das hat sich auch nirgends bewährt.
Diejenigen Parlamentarier, die Konversion bei Staatsbetrie-
ben jetzt im grossen Stile fordern, tun das doch aus sehr wenig
eigener unternehmerischer Erfahrung heraus. Ich habe hier
recht viel Erfahrung und weiss, was das braucht. Ich muss Ih-
nen sagen, dass dies in einem Staatsbetrieb im grossen Stile
meines Erachtens praktisch gar nicht machbar ist. Es ist auch
nicht wünschbar, wenn Sie die grossen ausländischen Staats-
betriebe, die jetzt reprivatisiert worden sind, betrachten. Es
sind ja interessanterweise gerade jene Politiker, die das for-
dern, die der Armee mit der Halbierung des Budgets faktisch
den Todesstoss versetzen wollen und die jetzt als «Pfläster-
chen» mittels Konversionen eine Sicherung von Arbeitsplät-
zen verlangen. Ich meine, dass diese Parlamentarier ehrlich
sein sollten, dass sie sich vor ihren vielleicht selber betroffenen
Parteimitgliedern klaräussern und auf die Arbeitsplatzvernich-
tung, die damit verbunden ist, hinweisen sollten.
Ich kann Ihnen, Herr Ständerat Ziegler, wahrscheinlich keine
Antwort geben, die Sie völlig befriedigt, weil die Lage sehr
schwierig ist. Wir stehen jetzt in der vernetzten Planung für den
Umbau des gesamten Departements. Das ist eine riesige Auf-
gabe. Im Zentrum steht natürlich der Umbau der Armee. Das
ist ein komplexes Planungswerk, und wir werden aus Kosten-
gründen mit weniger Personal durchkommen müssen. Das ist
völlig klar, weil wir sonst in den nächsten Jahren mit solchen
Budgets nicht auskommen werden.
Aber Ihre Sorge ist auch meine Sorge. Wir wissen, dass wir
eine regionale Verantwortung haben. Wir werden mit allen Mit-
teln versuchen - aber vielleicht dann auch Ihre Hilfe hin und
wieder bei den Budgets beanspruchen müssen -, diese regio-
nalen Härten so zu berücksichtigen, dass sie tragbar bleiben.
Ziegler: Ich nehme zuerst mit grosser Befriedigung zur Kennt-
nis und danke Herrn Bundesrat Villiger, dass er meine Sorge
um diese Arbeitsplätze und diese Rüstungsbetriebe in den Re-
gionen zu seiner macht. Ich nehme auch mit Befriedigung
Kenntnis davon, dass Rüstungsbetriebe weiterhin notwendig
sein werden, dass der Bundesrat der Meinung ist, dass auf
diese Rüstungsbetriebe nicht verzichtet werden kann.
Selbstverständlich geht es hier nicht um die Abschaffung oder
Nichtabschaffung der Armee, aber ich glaube doch, dass der
Bundesrat auch in diesem Punkt dafür sorgen muss, dass ein
Abstimmungsergebnis nicht auf Umwegen manipuliert wer-
den kann, dass nicht, wenn man das über die Volksabstim-
mung nicht erreicht, auf andere Art der Armee der Todesstoss
gegeben werden kann. Ich nehme aber mit Sorge zur Kennt-
nis, dass man weiterhin von einer ganz massiven Schrump-
fung - auch in den Rüstungsbetrieben - spricht. Das hat mei-
nes Erachtens zur Folge, dass man diesen Betrieben die oben
skizzierte unternehmerische Handlungsfreiheit zugestehen
muss. Herr Bundesrat, es ist wohl klar - Sie haben es selber
auch gesagt -, dass ich mich nur befriedigt erklären kann,
wenn der Bundesrat zusichert, dass alles getan wird, was
möglich ist, um die Auslastung und den Erhalt der Rüstungs-
betriebe zu gewährleisten. Wenn das nicht durch Rüstungs-
aufträge möglich sein wird, so doch dadurch, dass der Bun-
desrat einer Oeffnung der Betriebe für private Aufträge zu-
stimmt. Auch in dieser Beziehung habe ich viel von Ihnen ge-
hört. Ich nehme auch zur Kenntnis, dass die Verordnung über
das Bundesamt für Rüstungsbetriebe Ende letzten Jahres in
diese Richtung geändert worden ist, so dass ich letztlich zu-
gebe: Ich bin nicht ganz befriedigt - das haben Sie selber
auch eingesehen -, aber ich habe sehr viel erfahren, das mich
befriedigt und das meine Sorge kleiner macht.
Schluss der Sitzung um 10.00 Uhr
La séance est levée à 10 h 00
Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften
Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées
Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali
Interpellation Ziegler Eidgenössische Rüstungsbetriebe
Interpellation Ziegler Entreprises fédérales d'armement
In Amtliches Bulletin der Bundesversammlung
Dans Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale
In Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale
Jahr 1991
Année
Anno
Band II
Volume
Volume
Session Frühjahrssession
Session Session de printemps
Sessione Sessione primaverile
Rat Ständerat
Conseil Conseil des Etats
Consiglio Consiglio degli Stati
Sitzung 04
Séance
Seduta
Geschäftsnummer 90.782
Numéro d'objet
Numero dell'oggetto
Datum 07.03.1991 - 08:00
Date
Data
Seite 128-131
Page
Pagina
Ref. No 20 019 867
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