Legislator Rechtsprechung & Gesetzgebung
VPB 90-712 KI-generiert

Postulate on Standard German Use in Federal Institutions

Geschäftsnummer VPB 90-712
Gericht / Behörde
Rechtsordnung Schweiz · Verwaltungspraxis der Bundesbehörden (VPB) (CH)
Entscheiddatum
Ausgang Gutgeheissen (Allowed)

Legislator-Zusammenfassung

KI-generiert

This document concerns a postulate requesting the federal council to explore measures to encourage federal institutions to primarily use Standard German (Hochdeutsch) in both spoken and written communication, with exceptions for specific local or regional content. The postulate's reasoning highlights concerns that the increasing use of Swiss dialects in public life, including media and education, is leading to linguistic isolation, hindering intellectual development, and potentially undermining national unity. The federal council agreed to consider the postulate.

Legislator-Regeste

KI-generiert

Postulat Sager 90.712; Postulate on Standard German Use in Federal Institutions: The postulate's reasoning highlights concerns that the increasing use of Swiss dialects in public life, including media and education, is leading to linguistic isolation, hindering intellectual development, and potentially undermining national unity. The federal council agreed to consider the postulate.

Schlagwörter

KI-generiert
Sprachregelung öffentlich-rechtliche Einrichtung Gliedstaat parlamentarisches Postulat sprachliche Diskriminierung LINGUA-Herkunftsanalyse
KI-generiert

Zentrale Rechtsfragen, extrahiert von Legislator

KI-generiert
Postulat Sager 90.712

This is the primary subject of the document, directly addressing the use of dialect in federal institutions.

Fragen Sie sich, wie dieser Entscheid auf Ihren Fall anwendbar ist?

Prüfen Sie diesen Entscheid zusammen mit Bundesrecht, kantonalen Erlassen, Kommentaren und Folgeentscheiden in Legislator AI.

Fall in Legislator öffnen →

Volltext

14. Dezember 1990 N 2445 Postulat Sager

Mitunterzeichner-Cosignataires: Aguet, Ammann, Bundi, Eg- Der Deutschschweizer schlingert damit zunehmend in eine

genberger Georges, Euler, Haering Binder, Hubacher, Lanz, «sprachliche Schizophrenie«: Er spricht eine Sprache, die er

Ledergerber, Longet, Mauch Ursula, Oft, Reimann Fritz, Stap- kaum schreibt, und schreibt eine Sprache, die er immer selte-

pung, Uchtenhagen, Ulrich, Züger (17) ner spricht. Derweil der Deutschschweizer fast nie in seiner

Mundart schreibt, ist er im internationalen Kontakt zunehmend

Schriftliche Begründung - Développement par écrit gezwungen, in seiner Schriftsprache zu sprechen. Dann er-

Der Urheber verzichtet auf eine Begründung und wünscht weist es sich, wie stark seine Fähigkeit zum mündlichen Aus-

eine schriftliche Antwort. druck auf hochdeutsch gelitten hat.

Mit der Hochsprache und deren Pflege werden Grammatik

Schriftliche Erklärung des Bundesrates und Satzlehre gelehrt. Neuere Erkenntnisse deuten an, dass

vom 14. November 1990 dadurch auch die Grundlage zu strukturiertem und logischem

Déclaration écrite du Conseil fédéral Denken gelegt wird. Es könnte' sehr wohl sein, dass die

du 14 novembre 1990 sprachliche Verarmung Denkfähigkeit und Denkleistung in

Der Bundesrat ist bereit, das Postulat entgegenzunehmen. Mitleidenschaft zieht.

Wer den Gebrauch der Mundart in Schule, Kirche und an den

Ueberwiesen - Transmis Medien gefördert und die Verwendung des Hochdeutschen

bewusst eingedämmt hat, glaubte vielleicht, aus Sorge für die

Mundart zu handeln, hat sie aber im Grunde erst gefährdet.

Die schweizerischen Dialekte sind ein reiches Erbe und zeu-

gen für die kulturelle Vielfalt der deutschen Schweiz. Sie müs-

#ST# 90.712 sen sich jedoch an einer disziplinierten und geregelten Schrift-

sprache orientieren, wenn sie nicht verkümmern sollen.

Postulat Sager Der ausgedehnte Gebrauch der Mundart an Radio und Fern-

Mundart sehen ist besonders verhängnisvoll. Unter diesem Einfluss

werden die Unterschiede unserer Dialekte verschwinden; sie

in Institutionen des Bundes laufen Gefahr, sich zu einer interkantonalen Einheitssprache

Usage du dialecte zu entwickeln. Dann wird die Versuchung wachsen, ein sol-

sur le plan fédéral ches interkantonales Schweizerdeutsch zu schreiben. Der

wahre und echte Freund der deutschschweizerischen Dia-

lekte setzt sich aus diesem Grund für die vermehrte Förderung

des Hochdeutschen an den Schulen und den Gebrauch der

Schriftsprache an den elektronischen Medien ein.

Wortlaut des Postulates vom 20. September 1990 Auch auf der staatspolitischen Ebene muss Alarm geschlagen

Der Bundesrat wird im Rahmen seiner Zuständigkeiten beauf- werden. Mit einer einheitlichen schweizerdeutschen Schrift-

tragt zu prüfen, inwiefern er gesetzliche oder andere Massnah- sprache würde sich nämlich die deutsche Schweiz vollends in

men treffen kann, um Institutionen des Bundes zu veranlas- die geistige Isolation begeben und sich vorab von der Roman-

sen, grundsätzlich hochdeutsch zu sprechen (SRG/DRS, die und dem Tessin absondern, deren Bewohnern die Erler-

ETHZ) bzw. zu schreiben (PTT, SBB). Sinnvolle Ausnahmen nung der international recht wichtigen deutschen, nicht aber

wie beispielsweise DRS-Sendungen lokaler oder sprachregio- einer deutschschweizerischen Sprache zugemutet werden

naler Natur sollen möglich bleiben. darf.

Ebenfalls auf der staatspolitischen Ebene ist ein meist überse-

Texte du postulat du 20 septembre 1990 hener Umstand von Belang. Im Gespräch mit einem Romand,

Le Conseil fédéral est prié d'examiner, dans les limites de ses der ja das gleiche Französisch spricht wie die meisten Ro-

compétences, quelles mesures légales ou autres il peut pren- mands, befindet sich der Basler, Berner oder Zürcher als Ver-

dre pour inciter les institutions fédérales à s'exprimer par prin- treter zwar der nationalen Mehrheit, aber doch auch als Vertre-

cipe en bon allemand, que ce soit oralement (SSR/DRS, ter eines von vielen Dialekten in der Lage einer sprachlichen

EPFZ) ou par écrit (PTT, CFF). Toutefois, les exceptions fon- Minderheit. Diese Tatsache hat viel dazu beigetragen, dass

dées, telles les émissions locales de la DRS ou celles qui ont der Schweiz die virulentesten Minderheitenprobleme erspart

trait aux dialectes, doivent être possibles. geblieben sind.

Noch kaum in die Diskussion einbezogen wurde die europäi-

Mitunterzeichner - Cosignataires: Allenspach, Auer, Basler, sche Integration. Die Verwirklichung des Binnenmarktes auf

Bircher Silvio, Bundi, Burckhardt, Columberg, Dietrich, Eng- Ende 1992 wird im Rahmen des Europäischen Wirtschaftsrau-

ler, Eppenberger Susi, Euler, Fischer-Sursee, Fischer-Seen- mes auch auf die Efta-Länder Einfluss haben. Damit werden in

gen, Giger, Graf, Grendelmeier, Gysin, Hess Peter, Keller, Lo- der Schweiz zweifellos zentrifugale Kräfte geweckt und geför-

retan, Müller-Meilen, Nebiker, Ott, Portmann, Reimann Maxi- dert. Die geschilderte Selbstisolierung der deutschen Schweiz

milian, Rychen, Seiler Hanspeter, Spalti, Widmer, Zölch (30) müsste eine solche Tendenz noch stärken.

Und schliesslich: Gemäss Verfassung ist das Deutsche eine

Schriftliche Begründung - Développement par écrit der drei Verwaltungs- und eine der vier nationalen Sprachen.

Die Mundart in der deutschen Schweiz erlebte vor allem wäh- Damit war nicht die Mundart gemeint. Die «Schweizermacher»

rend der beiden Weltkriege Hochkonjunktur, nachdem sie sollten daran gehindert werden, die Beherrschung der Mund-

während der zweiten industriellen Revolution im 19. Jahrhun- art als Voraussetzung der Einbürgerung zu fordern.

dert vom Hochdeutschen verdrängt worden war. Gerade nach

der Machtergreifung Hitlers gehörte die sprachliche Abgren- Schriftliche Erklärung des Bundesrates

zung von Deutschland zur geistigen Landesverteidigung, und vom 14. November 1990

das war in jener Zeit zugleich ein Akt der Solidarität gegenüber Déclaration écrite du Conseil fédéral

der Romandie und dem Tessin. du 14 novembre 1990

Seit Ende der fünfziger Jahre ist das Hochdeutsche in Anglei- Der Bundesrat ist bereit, das Postulat entgegenzunehmen.

chung .an die Entwicklung in der Bundesrepublik geschwächt

worden. Es sind namentlich die Achtundsechziger, die heute Ueberwiesen - Transmis

in Medien, Schulen und Kirchen den Ton angeben. Selbst an

der ETH Zürich ist das Schweizerdeutsch in Uebungen, Semi-

narien und Prüfungen geläufig und in Bern gerade an der na-

turwissenschaftlichen Fakultät verbreitet. Predigten in Mund-

art sind längst keine Ausnahmen mehr. Und selbst PTT und

SBB verwenden in Inseraten und Plakaten zuweilen Dialekt.

Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften

Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées

Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali

Postulat Sager Mundart in Institutionen des Bundes

Postulat Sager Usage du dialecte sur le plan fédéral

In Amtliches Bulletin der Bundesversammlung

Dans Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale

In Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale

Jahr 1990

Année

Anno

Band V

Volume

Volume

Session Wintersession

Session Session d'hiver

Sessione Sessione invernale

Rat Nationalrat

Conseil Conseil national

Consiglio Consiglio nazionale

Sitzung 15

Séance

Seduta

Geschäftsnummer 90.712

Numéro d'objet

Numero dell'oggetto

Datum 14.12.1990 - 08:00

Date

Data

Seite 2445-2445

Page

Pagina

Ref. No 20 019 357

Dieses Dokument wurde digitalisiert durch den Dienst für das Amtliche Bulletin der Bundesversammlung.

Ce document a été numérisé par le Service du Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale.

Questo documento è stato digitalizzato dal Servizio del Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale.