Postulate on Standard German Use in Federal Institutions
Legislator-Zusammenfassung
KI-generiertThis document concerns a postulate requesting the federal council to explore measures to encourage federal institutions to primarily use Standard German (Hochdeutsch) in both spoken and written communication, with exceptions for specific local or regional content. The postulate's reasoning highlights concerns that the increasing use of Swiss dialects in public life, including media and education, is leading to linguistic isolation, hindering intellectual development, and potentially undermining national unity. The federal council agreed to consider the postulate.
Legislator-Regeste
KI-generiertPostulat Sager 90.712; Postulate on Standard German Use in Federal Institutions: The postulate's reasoning highlights concerns that the increasing use of Swiss dialects in public life, including media and education, is leading to linguistic isolation, hindering intellectual development, and potentially undermining national unity. The federal council agreed to consider the postulate.
Schlagwörter
KI-generiertVerwandte Entscheide
KI-generiertZentrale Rechtsfragen, extrahiert von Legislator
KI-generiertThis is the primary subject of the document, directly addressing the use of dialect in federal institutions.
Volltext
14. Dezember 1990 N 2445 Postulat Sager
Mitunterzeichner-Cosignataires: Aguet, Ammann, Bundi, Eg- Der Deutschschweizer schlingert damit zunehmend in eine
genberger Georges, Euler, Haering Binder, Hubacher, Lanz, «sprachliche Schizophrenie«: Er spricht eine Sprache, die er
Ledergerber, Longet, Mauch Ursula, Oft, Reimann Fritz, Stap- kaum schreibt, und schreibt eine Sprache, die er immer selte-
pung, Uchtenhagen, Ulrich, Züger (17) ner spricht. Derweil der Deutschschweizer fast nie in seiner
Mundart schreibt, ist er im internationalen Kontakt zunehmend
Schriftliche Begründung - Développement par écrit gezwungen, in seiner Schriftsprache zu sprechen. Dann er-
Der Urheber verzichtet auf eine Begründung und wünscht weist es sich, wie stark seine Fähigkeit zum mündlichen Aus-
eine schriftliche Antwort. druck auf hochdeutsch gelitten hat.
Mit der Hochsprache und deren Pflege werden Grammatik
Schriftliche Erklärung des Bundesrates und Satzlehre gelehrt. Neuere Erkenntnisse deuten an, dass
vom 14. November 1990 dadurch auch die Grundlage zu strukturiertem und logischem
Déclaration écrite du Conseil fédéral Denken gelegt wird. Es könnte' sehr wohl sein, dass die
du 14 novembre 1990 sprachliche Verarmung Denkfähigkeit und Denkleistung in
Der Bundesrat ist bereit, das Postulat entgegenzunehmen. Mitleidenschaft zieht.
Wer den Gebrauch der Mundart in Schule, Kirche und an den
Ueberwiesen - Transmis Medien gefördert und die Verwendung des Hochdeutschen
bewusst eingedämmt hat, glaubte vielleicht, aus Sorge für die
Mundart zu handeln, hat sie aber im Grunde erst gefährdet.
Die schweizerischen Dialekte sind ein reiches Erbe und zeu-
gen für die kulturelle Vielfalt der deutschen Schweiz. Sie müs-
#ST# 90.712 sen sich jedoch an einer disziplinierten und geregelten Schrift-
sprache orientieren, wenn sie nicht verkümmern sollen.
Postulat Sager Der ausgedehnte Gebrauch der Mundart an Radio und Fern-
Mundart sehen ist besonders verhängnisvoll. Unter diesem Einfluss
werden die Unterschiede unserer Dialekte verschwinden; sie
in Institutionen des Bundes laufen Gefahr, sich zu einer interkantonalen Einheitssprache
Usage du dialecte zu entwickeln. Dann wird die Versuchung wachsen, ein sol-
sur le plan fédéral ches interkantonales Schweizerdeutsch zu schreiben. Der
wahre und echte Freund der deutschschweizerischen Dia-
lekte setzt sich aus diesem Grund für die vermehrte Förderung
des Hochdeutschen an den Schulen und den Gebrauch der
Schriftsprache an den elektronischen Medien ein.
Wortlaut des Postulates vom 20. September 1990 Auch auf der staatspolitischen Ebene muss Alarm geschlagen
Der Bundesrat wird im Rahmen seiner Zuständigkeiten beauf- werden. Mit einer einheitlichen schweizerdeutschen Schrift-
tragt zu prüfen, inwiefern er gesetzliche oder andere Massnah- sprache würde sich nämlich die deutsche Schweiz vollends in
men treffen kann, um Institutionen des Bundes zu veranlas- die geistige Isolation begeben und sich vorab von der Roman-
sen, grundsätzlich hochdeutsch zu sprechen (SRG/DRS, die und dem Tessin absondern, deren Bewohnern die Erler-
ETHZ) bzw. zu schreiben (PTT, SBB). Sinnvolle Ausnahmen nung der international recht wichtigen deutschen, nicht aber
wie beispielsweise DRS-Sendungen lokaler oder sprachregio- einer deutschschweizerischen Sprache zugemutet werden
naler Natur sollen möglich bleiben. darf.
Ebenfalls auf der staatspolitischen Ebene ist ein meist überse-
Texte du postulat du 20 septembre 1990 hener Umstand von Belang. Im Gespräch mit einem Romand,
Le Conseil fédéral est prié d'examiner, dans les limites de ses der ja das gleiche Französisch spricht wie die meisten Ro-
compétences, quelles mesures légales ou autres il peut pren- mands, befindet sich der Basler, Berner oder Zürcher als Ver-
dre pour inciter les institutions fédérales à s'exprimer par prin- treter zwar der nationalen Mehrheit, aber doch auch als Vertre-
cipe en bon allemand, que ce soit oralement (SSR/DRS, ter eines von vielen Dialekten in der Lage einer sprachlichen
EPFZ) ou par écrit (PTT, CFF). Toutefois, les exceptions fon- Minderheit. Diese Tatsache hat viel dazu beigetragen, dass
dées, telles les émissions locales de la DRS ou celles qui ont der Schweiz die virulentesten Minderheitenprobleme erspart
trait aux dialectes, doivent être possibles. geblieben sind.
Noch kaum in die Diskussion einbezogen wurde die europäi-
Mitunterzeichner - Cosignataires: Allenspach, Auer, Basler, sche Integration. Die Verwirklichung des Binnenmarktes auf
Bircher Silvio, Bundi, Burckhardt, Columberg, Dietrich, Eng- Ende 1992 wird im Rahmen des Europäischen Wirtschaftsrau-
ler, Eppenberger Susi, Euler, Fischer-Sursee, Fischer-Seen- mes auch auf die Efta-Länder Einfluss haben. Damit werden in
gen, Giger, Graf, Grendelmeier, Gysin, Hess Peter, Keller, Lo- der Schweiz zweifellos zentrifugale Kräfte geweckt und geför-
retan, Müller-Meilen, Nebiker, Ott, Portmann, Reimann Maxi- dert. Die geschilderte Selbstisolierung der deutschen Schweiz
milian, Rychen, Seiler Hanspeter, Spalti, Widmer, Zölch (30) müsste eine solche Tendenz noch stärken.
Und schliesslich: Gemäss Verfassung ist das Deutsche eine
Schriftliche Begründung - Développement par écrit der drei Verwaltungs- und eine der vier nationalen Sprachen.
Die Mundart in der deutschen Schweiz erlebte vor allem wäh- Damit war nicht die Mundart gemeint. Die «Schweizermacher»
rend der beiden Weltkriege Hochkonjunktur, nachdem sie sollten daran gehindert werden, die Beherrschung der Mund-
während der zweiten industriellen Revolution im 19. Jahrhun- art als Voraussetzung der Einbürgerung zu fordern.
dert vom Hochdeutschen verdrängt worden war. Gerade nach
der Machtergreifung Hitlers gehörte die sprachliche Abgren- Schriftliche Erklärung des Bundesrates
zung von Deutschland zur geistigen Landesverteidigung, und vom 14. November 1990
das war in jener Zeit zugleich ein Akt der Solidarität gegenüber Déclaration écrite du Conseil fédéral
der Romandie und dem Tessin. du 14 novembre 1990
Seit Ende der fünfziger Jahre ist das Hochdeutsche in Anglei- Der Bundesrat ist bereit, das Postulat entgegenzunehmen.
chung .an die Entwicklung in der Bundesrepublik geschwächt
worden. Es sind namentlich die Achtundsechziger, die heute Ueberwiesen - Transmis
in Medien, Schulen und Kirchen den Ton angeben. Selbst an
der ETH Zürich ist das Schweizerdeutsch in Uebungen, Semi-
narien und Prüfungen geläufig und in Bern gerade an der na-
turwissenschaftlichen Fakultät verbreitet. Predigten in Mund-
art sind längst keine Ausnahmen mehr. Und selbst PTT und
SBB verwenden in Inseraten und Plakaten zuweilen Dialekt.
Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften
Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées
Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali
Postulat Sager Mundart in Institutionen des Bundes
Postulat Sager Usage du dialecte sur le plan fédéral
In Amtliches Bulletin der Bundesversammlung
Dans Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale
In Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale
Jahr 1990
Année
Anno
Band V
Volume
Volume
Session Wintersession
Session Session d'hiver
Sessione Sessione invernale
Rat Nationalrat
Conseil Conseil national
Consiglio Consiglio nazionale
Sitzung 15
Séance
Seduta
Geschäftsnummer 90.712
Numéro d'objet
Numero dell'oggetto
Datum 14.12.1990 - 08:00
Date
Data
Seite 2445-2445
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Pagina
Ref. No 20 019 357
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