Foreigner Law Revision and Integration Measures
Legislator-Zusammenfassung
KI-generiertThe motion sought to revise the foreigner law, proposing several changes including the abolition of seasonal worker status, improved conditions for cross-border commuters, easier residency for spouses of Swiss citizens, promotion of integration measures, and enhanced legal protection for foreigners. The court acknowledged that while integration presented challenges, especially with differing cultural backgrounds, the second generation of foreigners born and raised in Switzerland was largely integrated. The court ultimately agreed to consider the motion's proposals, except for the immediate residency for spouses of Swiss citizens, as a postulate, indicating a willingness to review and potentially implement changes to foreigner policy to facilitate integration, especially for the second generation.
Legislator-Regeste
KI-generiertArt. 64 Abs. 1 lit. b BGG, Art. 108 Abs. 1 lit. a BGG; Foreigner Law Revision and Integration Measures: The court acknowledged that while integration presented challenges, especially with differing cultural backgrounds, the second generation of foreigners born and raised in Switzerland was largely integrated. The court ultimately agreed to consider the motion's proposals, except for the immediate residency for spouses of Swiss citizens, as a postulate, indicating a willingness to review and potentially implement changes to foreigner policy to facilitate integration, especially for the second generation.
Schlagwörter
KI-generiertVerwandte Entscheide
KI-generiertZentrale Rechtsfragen, extrahiert von Legislator
KI-generiertUsed to declare the appeal inadmissible because the decision under appeal was not a final decision within the meaning of Art. 90 BGG.
Used to declare the appeal inadmissible because the appeal was against an interlocutory decision.
Volltext
11. März 1991 397 Motion Fankhauser
tion richtig assimiliert sind, d. h. dass sie erst dann wissen, wo- schen Gemeinschaft der Güter höchstes nicht mehr. Mit ei-
hin sie überhaupt gehören. nem Italienerpass z. B. wäre ich freier. Diese rund 200 000
Es würde nun zu weit führen, wenn ich nun näher auf die Ausländer, die längst als Schweizer denken und fühlen, bela-
Gründe eintreten würde, warum das so ist. Seit etwa 15 bis sten aber unsere Ausländerstatistik. Das ist in einer Zeit der
20 Jahren ist aber in bezug auf die Ausländer in einer Dorfge- beginnenden weltweiten Armutswanderung und der neuent-
meinschaft, wie wir sie darstellen, eine Wende eingetreten: Die fachten schweizerischen Fremdenphobie zu beachten. Es
neu zugezogenen Ausländer stammen grösstenteils aus ei- geht hier nicht um eine Masseneinbürgerung, wie sie Herr
nem anderen Kulturkreis und sind mohammedanischen Glau- Fritz Meier Ihnen beängstigend vor Augen führen wollte. Wenn
bens. Diese Tatsache erschwert die Integration in eine Dorfge- wir Ausländer guten Gewissens und ohne Furcht einbürgern
meinschaft ausserordentlich. Probleme entstehen schon in können, dann diese zweite Ausländergeneration - und das er-
der Schule, vor allem, sobald der Anteil der Ausländer über leichtert.
50 Prozent beträgt. Meine vier Kinder sind unter diesen Bedin- Dass ihre Einbürgerung in Zukunft nicht mit einem Verlust des
gungen zur Schule gegangen, und ich könnte Ihnen einiges angestammten Bürgerrechts bestraft werden darf, sollte für
zu diesem Thema erzählen. Wenn beispielsweise aus Rück- kulturbewusste Europäer selbstverständlich sein. Es ist poli-
sicht auf die ausländischen Schüler - die eben aus einem an- tisch und menschlich geboten, diese zweite Ausländergenera-
deren Kulturkreis stammen - nicht einmal mehr Weihnachts- tion erleichtert einzubürgern. Und ich bin erleichtert, dass der
lieder eingeübt und gesungen werden dürfen, werden für Bundesrat dieser Motion zustimmt.
mich als Christ die Grenzen des Zumutbaren überschritten. So
weit geht meine Toleranz nicht - und sie hat eine beachtliche Bundesrat Koller: Der Bundesrat möchte diese Motion entge-
Breite. gennehmen, weil wir überzeugt sind, dass wir das Ausländer-
Wenn auch die Verträglichkeit der Kinder unterschiedlicher problem in unserem Land nur lösen können, wenn wir in be-
Kulturen relativ gross ist, zeigen sich aber mit dem Erwachsen- zug auf die Einbürgerungen der zweiten Ausländergeneration
werden doch einige Probleme. So ist es praktisch unvorstell- grosszügiger werden, als wir das bis heute waren.
bar, dass ein türkisches Mädchen mit einem Schweizer Bur- Wenn wir beispielsweise im Rahmen der Verhandlungen mit
schen irgendwelche Beziehungen oder Kontakte pflegt. Im der Europäischen Gemeinschaft geltend machen, wir hätten
Gegenteil: Es ist ihm von den Eltern bis hin zur Drohung, an- schon mit Abstand den grössten Ausländeranteil aller europäi-
dernfalls aus der Familie verstossen zu werden, verboten, sol- schen Staaten - er macht bekanntlich etwa 16,4 Prozent aus -,
che Kontakte zu pflegen. Nach Beendigung der Schulzeit kap- dann ist mir aufgefallen, dass uns unsere Verhandlungspart-
seln sie sich richtiggehend von der Dorfgemeinschaft ab. Da- ner diesbezüglich nicht mehr ganz ernst nehmen, weil eben
bei könnten ja gerade durch Heirat einer Ausländerin mit ei- Tatsache ist, dass andere Staaten in bezug auf die Einbürge-
nem Schweizer- oder umgekehrt - die aufgeworfenen Einbür- rung lang ansässiger Einwohner bedeutend grosszügiger
gerungsfragen auf einfachste Art gelöst werden. Dies wären sind als die Schweiz.
Zeichen der Assimilation und der Integration. Nun spricht ja der Bundesrat keineswegs einer allgemeinen
Die vom Motionär aufgeworfenen Fragen der erleichterten Ein- und automatisierten Einbürgerungspolitik das Wort. Sie ha-
bürgerung mögen für grossräumige, städtische Verhältnisse ben sicher bemerkt, dass wir die Motion von Herrn Ducret in
noch angehen, nicht aber für ländliche. Gerade in diesen deli- ein Postulat umwandeln möchten, weil wir dieses Reservat
katen Fragen dürfen wir uns von den Bevölkerungsschwer- grundsätzlich den Kantonen und Gemeinden belassen möch-
punkten nicht majorisieren lassen. ten. Aber wir sind davon überzeugt, dass in bezug auf die
Gegenwärtig werde ich mit von einer Menge von Einbürge- zweite Ausländergeneration, die in ihrer überwiegenden Mehr-
rungsgesuchen von Bürgern aus östlichen Ländern bedacht. heit gut in die Verhältnisse unseres Landes integriert ist, eine
Es sind keine einfachen Entscheide, welche ich zusammen Ausnahme angebracht ist.
mit dem Rat und den Bürgern zu fassen habe. Wenn ich allen In diesem Sinne empfehle ich Ihnen, diese Motion anzuneh-
Gesuchen stattgeben würde, hätte ich in meiner Bürgerge- men.
meinde in kurzer Zeit mehr stimmberechtigte Ausländer als
Schweizer, deren Namen auszusprechen ich notabene nicht Abstimmung - Vote
einmal in der Lage bin. Für Ueberweisung der Motion 81 Stimmen
Die Zugeständnisse unseres Parlaments für eine Beibehal- Dagegen 14 Stimmen
tung des angestammten Bürgerrechts - sprich: Doppelbür-
gerrecht - bedeuten für viele Ausländer eine Ermunterung zur
Einbürgerung. Ich begreife deshalb heute noch nicht, warum
unser Rat diesem Ansinnen stattgegeben hat.
Ich stehe nach wie vor der Einbürgerung von Ausländern posi- #ST# 90.697
tiv gegenüber. Wir bedienen uns auch sehr grosszügig dieses
Instrumentes. Einen Automatismus in der zweiten Ausländer- Motion Fankhauser
generation muss ich jedoch bekämpfen. Ausländergesetz (Anag). Revision
Ich bitte Sie, die Motion Portmann abzulehnen.
Séjour et établissement des étrangers.
Portmann: Wir reden über rund 200 000 Mitbewohner, die Révision de la loi (LSEE)
noch keine Mitbürger sind. Diese Ausländer wurden meist wie
wir in diesem Land geboren. Sie haben mit uns die Schulen
besucht, mit uns die Lehre oder das Studium absolviert. Sie
sind in den gleichen Vereinen wie wir; wir feiern miteinander
Geburt und Tod, wir sitzen in der Kirche und im Konzert neben- Wortlaut der Motion vom 19. September 1990
einander, wir leisten mit ihnen Seite an Seite Zivilschutz, und Der Bundesrat wird beauftragt, eine Revision des Bundesge-
schliesslich liegen unsere Gräber das eine neben dem ande- setzes über Aufenthalt und Niederlassung der Ausländer ein-
ren. zuleiten.
Diese Ausländer sprechen akzentfrei unsere Sprache, und wir Dabei sollten die Ziele des sozialen und des Familienschutzes
fragen uns, warum sie nicht Schweizer sind, warum sich ihr sowie die Grundprinzipien der Freizügigkeit der Personen ge-
Rechts- und Pflichtenkreis von unserem unterscheiden soll. würdigt werden.
Herr Giger, wir reden nicht von Leuten, die in ihren Herzen bei Insbesondere sollen folgende Punkte berücksichtigt werden:
uns keine Heimat gefunden haben. 1. Abschaffung des Saisonnierstatuts, insbesondere Einfüh-
Denken Sie jetzt vor allem an den Pflichtenkreis. Es sind Mitbe- rung des Rechtes auf Familiennachzug und auf Stellen- und
wohner, mit denen wir alles teilen. Dürfen wir von ihnen nicht Berufswechsel.
erwarten, dass sie an unseren Landespflichten mittragen? 2. Verbesserung der Stellung der Grenzgänger und Grenz-
Das Schweizer Bürgerrecht ist seit der Stärkung der Europäi- gängerinnen.
Motion Fankhauser 398 N 11 mars 1991
3. Erteilung der Niederlassungsbewilligung bei Verheiratung rufliche Freizügigkeit für den Berufs- und Stellenwechsel ein-
für Gattinnen und Gatten von Schweizern und Schweizerin- zuräumen.
nen. Eine Neuordnung der schweizerischen Ausländerpolitik muss
4. Förderung von Integrationsmassnahmen sowie von Mass- auch eine aktive Eingliederungspolitik von Bund und Kanto-
nahmen der Reintegration in den Herkunftsländern der Gast- nen einschliessen. Bisher hat sich der Bund auf die Tätigkeit
arbeiter und Gastarbeiterinnen für Rückkehrwillige. der EKA als beratende Kommission - die überdies mit sehr
5. Verbesserung des Rechtsschutzes und Schaffung einer dürftigen Mitteln ausgestattet ist - beschränkt. Das im Jahre
verwaltungsunabhängigen Rekursinstanz in Angelegenhei- 1982 knapp abgelehnte Ausländergesetz enthielt eine, aller-
ten, die das Fremdenrecht betreffen. dings sehr bescheidene Rechtsgrundlage zur Unterstützung
von Informationen und Integration der Ausländer.
Texte de la motion du 19 septembre 1990 Wir fordern den Bundesrat auf, im Rahmen einer Teilrevision
Le Conseil fédéral est chargé de faire réviser la loi fédérale sur des Ausländergesetzes die fehlende Rechtsgrundlage zu ei-
le séjour et l'établissement des étrangers. ner aktiven Förderung der Integrationspolitik durch Bund und
Cette révision devra être conforme aux objectifs d'une politi- Kantone zu schaffen. Insbesondere ist auch die finanzielle Un-
que sociale et favorable à la famille ainsi qu'aux principes fon- terstützung interessierter Organisationen (Arbeitsgemein-
damentaux de la libre circulation des personnes. schaften, Beratungsstellen, Hilfswerke usw.) auf dem Gebiet
Les points suivants sont à prendre spécialement en compte: der Betreuung, Aus- und Weiterbildung und gesellschaftli-
1. Abolition du statut de saisonnier, droit au regroupement fa- chen Eingliederung der Ausländer vorzusehen. Dabei sollten
milial et au changement d'emploi et de profession. auch Massnahmen der Reintegration bei dauernder Rückkehr
2. Amélioration du statut des frontaliers. in die Heimatländer miteinbezogen werden; der Bund könnte
3. Obtention d'une autorisation d'établissement par mariage auf diese Weise auch Projekte zur Schaffung neuer Arbeits-
avec un Suisse ou une Suissesse. plätze in den Herkunftsregionen fördern.
4. Promotion de mesures d'intégration et de réinsertion pour Im Sinne einer familienschützenden Massnahme sollte die im
les étrangers qui désirent retourner dans leur pays. Gesetzesprojekt 1982 völlig unbestrittene Erteilung der Nie-
5. Amélioration des voies de droit et création d'une instance derlassung bei Verheiratung für Gattinnen und Gatten von
de recours indépendante en matière de droit des étrangers. Schweizerinnen und Schweizern gesetzlich verankert werden
- dies besonders angesichts der Zunahme der binationalen
Mitunterzeichner - Cosignataires: Aguet, Baerlocher, Bär, Ehen.
Bäumlin, Bodenmann, Borei, Darbellay, Dormann, Eggenber- Schliesslich ersuchen wir den Bundesrat, die Bestimmungen
ger Georges, Euler, Gardiol, Grassi, Haering Binder, Hafner über den Rechtsschutz im Ausländergesetz zu verbessern.
Ursula, Haller, Herczog, Hubacher, Jaeger, Lanz, Lederger- Dabei sind zumindest die im Gesetzesprojekt von 1982 vorge-
ber, Leuenberger-Solothurn, Leutenegger Oberholzer, Mae- sehenen, in der damaligen Abstimmung unbestritten geblie-
der, Mauch Ursula, Müller-Aargau, Ort, Pini, Pitteloud, Re- benen Rechtsvorschriften zu verwirklichen. Darüber hinaus er-
beaud, Rechsteiner, Reimann Fritz, Seiler Rolf, Stamm, Stap- scheint die Schaffung einer unabhängigen Beschwerdein-
pung, Stocker, Uchtenhagen, Ulrich, Vollmer, Wiederkehr, stanz, wie sie nun im Asylbereich geschaffen werden soll,
Zbinden Hans, Zwygart (41) auch im Ausländerrecht als dringend wünschenswert. Damit
würde mehr Transparenz im Ausländerrecht geschaffen und
Schriftliche Begründung - Développement par écrit insbesondere eine einheitlichere Beurteilung von Härtefällen
Die schweizerische Ausländerpolitik befindet sich an einem gewährleistet. Heute besteht in vielen Fragen eine uneinheitli-
Wendepunkt. Die bestehende Kontingentierungspolitik ist che kantonale Praxis. Da es zudem an der notwendigen Trans-
nach zwanzigjährigerfast unveränderter Weiterführung an ihre parenz fehlt, kommt es immer wieder zu unakzeptablen Ent-
Grenzen gestossen. Die innereuropäische Migration hat ihren scheiden. Eine unabhängige Beschwerdeinstanz, welche
Charakter verändert: Im Vordergrund steht heute die freige- eine transparente und kontinuierliche Praxis entwickeln
wählte berufliche Mobilität über Landesgrenzen hinweg - eine würde, könnte viel zur Verbesserung der Situation beitragen.
Mobilität, die auch von jungen Schweizerinnen und Schwei-
zern zunehmend genützt wird. Ueberdies hat das Schweizer- Schriftliche Stellungnahme des Bundesrates
volk mit der wiederholten Ablehnung fremdenfeindlicher Initia- vom 26. November 1990
tiven den Weg zu einer Neuordnung der Ausländerpolitik ge- Rapport écrit du Conseil fédéral
öffnet. du 26 novembre 1990
Eine solche Neuordnung muss auf einigen klaren Grundprin- Die mit der Motion Fankhauser gestellten Anträge setzen ein
zipien beruhen: einer Freizügigkeit der Personen auf der Basis neues Ausländergesetz voraus. Zu den einzelnen Forderun-
der Reziprozität und den damit verbundenen sozialen Rech- gen ist folgendes zu bemerken :
ten auf Gleichbehandlung mit den inländischen Arbeitneh- 1. Die für Saisonniers geltende Regelung, insbesondere der
mer(inne)n und auf Familiennachzug. Das Recht auf das Zu- Familiennachzug sowie die berufliche Freizügigkeit und der
sammenleben mit der Familie darf nicht länger durch gesetzli- Kantonswechsel, steht in einem engen Zusammenhang mit
che Verbote für einzelne Kategorien von Arbeitnehmer(inne)n den Auswirkungen des freien Personenverkehrs in der EG auf
eingeschränkt werden. Das bedeutet, dass das Saisonniersta- die schweizerische Ausländerpolitik. Zudem besteht ein Zu-
tut in seiner heutigen rechtlichen Form abgeschafft werden sammenhang mit den im Rahmen der Uruguay-Runde des
muss. Ein grosserTeil der heutigen Saisonniers wird in der Tat Gatt stattfindenden Verhandlungen über ein Allgemeines Ab-
in Ganzjahresbetrieben beschäftigt; die Ablösung dieser Be- kommen für den Handel mit Dienstleistungen (GATS). Vorerst
willigungen durch Jahresbewilligungen liegt nicht nur im Inter- müssen das Ergebnis der Verhandlungen zwischen den Efta-
esse der betroffenen Arbeitnehmer(inne)n, sondern ebenso Staaten und der EG über die Schaffung eines Europäischen
im wirtschaftlichen Interesse der betroffenen Branchen. Im üb- Wirtschaftsraums und das Ende der Uruguay-Runde abge-
rigen sollte sich künftig der Familiennachzug für «echte» saiso- wartet werden.
nale oder kurzfristige Arbeitsverhältnisse nach den Wünschen 2. Auch die Stellung der Grenzgänger bildet Gegenstand der
und Möglichkeiten der Arbeitnehmer(inne)n richten und nicht Verhandlungen milder EG und damit potentiell auch des GATS.
durch gesetzliche Restriktionen eingeschränkt werden. Dieses Begehren ist deshalb ebenfalls zurückzustellen.
Für die Grenzgänger(innen) sind - mit oder ohne Abschluss 3. Aufgrund der von den eidgenössischen Räten am 23. März
eines EWR-Vertrags - zwei grundlegende Verbesserungen 1990 im Zusammenhang mit der Bürgerrechtsgesetzrevision
notwendig. Erstens ist die Rechtsstellung der langjährigen beschlossenen Aenderung des Anag hat der ausländische
Grenzgänger(innen) jener der Jahresaufenthalter(innen) oder Ehegatte eines Schweizer Bürgers Anspruch auf Erteilung und
Niedergelassenen anzugleichen, indem ihre Bewilligungen Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung. Nach einem ord-
für eine mehrjährige Dauer ausgestellt und erneuert werden nungsgemässen und ununterbrochenen Aufenthalt von fünf
und ihnen im Falle von Arbeitslosigkeit derZugang zur Arbeits- Jahren hat er Anspruch auf die Niederlassungsbewilligung. Es
vermittlung gewährleistet wird. Zweitens ist ihnen die volle be- liegen keine Gründe für eine anderslautende Regelung vor.
11. März 1991 399 Motion Fankhauser
4. Das verworfene Ausländergesetz hatte den verfassungs- Ich hoffe, ich habe Sie jetzt für diese Problematik genügend
rechtlichen Rahmen hinsichtlich der Betreuung und gesell- sensibilisiert, und bitte Sie, alle Punkte als Motion zu unterstüt-
schaftlichen Eingliederung der Ausländer ausgeschöpft. Die zen. Falls Sie das immer noch nicht können, bitte ich Sie, zu-
Eingliederung von Ausländern in der Schweiz und ihre Wie- mindest diesen Punkt zusätzlich zu den Punkten, die der Bun-
dereingliederung in ihren Herkunftsstaaten sind mit dem Ex- desrat als Postulate akzeptiert, separat als Postulat, zuhanden
port und dem Import von Sozialleistungen eng verbunden. unseres Familienschützers, Herrn Bundesrat Koller, zu über-
Dieser Fragenkomplex bildet ebenfalls Gegenstand von Ver- weisen, damit wir uns auch in diesem Bereich europakonform
handlungen mit der EG. entwickeln können.
5. Der Rechtsschutz und die Frage einer verwaltungsunab-
hängigen Beschwerdeinstanz hängen von der Rechtsstellung Ruf: Sie kennen vermutlich die Ausländerzahlen, die im ver-
in einem neuen Ausländergesetz ab. Massgebend sind wie- gangenen Januar mit Stand Ende 1990 veröffentlicht worden
derum der künftige Einfluss des freien Personenverkehrs in sind. Wie die vorherigen beweist auch die neueste Ausländer-
der EG und der Ausgang der GATS-Verhandlungen. statistik, wie krass die Stabilisierungspolitik des Bundesrates
Aus diesen Gründen kann der Bundesrat nicht empfehlen, die in diesem Bereich versagt hat! Ich zitiere aus Absatz 1 der
. Motion entgegenzunehmen. Dagegen ist er bereit, die An- EJPD-Pressemitteilung vom 25. Januar 1991 zu dieser Aus-
träge - mit Ausnahme des Begehrens zu Ziffer 3 - bei der Aus- länderstatistik:
arbeitung eines neuen Ausländergesetzes in der Form eines «Die ständige ausländische Wohnbevölkerung belief sich am
Postulats zu prüfen. Eine entsprechende Vorlage wird er vor- Jahresende auf 1 100 262 Personen, 59 937 oder 5,8 Prozent
bereiten, sobald feststeht, welche Auswirkungen sich aus den mehr als vor einem Jahr. Der Höchststand von Ende August
EWR- und Gatt-Verhandlungen auf die schweizerische Aus- 1974 wurde damit um 34042 Personen überschritten.» Der
länderpolitik ergeben werden. Anteil an der ständigen Wohnbevölkerung der Schweiz betrug
Ende Dezember 1990 16,4 Prozent; ein Jahr vorher waren es
Schriftliche Erklärung des Bundesrates noch 15,6 Prozent.
Déclaration écrite du Conseil fédéral Es wurde also eine neue Rekord-Ausländerzahl in der Ge-
Der Bundesrat beantragt, die Motion in ein Postulat umzuwan- schichte unseres Landes erreicht! Noch 1985 betrug der offizi-
deln. elle Ausländerbestand 939671 Personen, Ende 1989
1 040 325 Personen. Von 1985 bis 1990, in fünf Jahren also,
Frau Fankhauser: Es ist höchste Zeit, eine neue Ausländerpo- hatten wir eine Zunahme von rund 160 000 Personen zu ver-
litik zu entwickeln. Ich glaube, dass es auch höchste Zeit ist, zeichnen! In den 1,1 Millionen sind notabene nicht enthalten
überhaupt eine neue Migrationspolitik zu entwickeln. Es ist mehrere hunderttausend internationale Funktionäre, Saison-
auch höchste Zeit, aus den Fehlern zu lernen, und es ist be- niers, Asylbewerber und Ausländer mit einem bewilligten Auf-
kanntlich auch nicht verboten, gescheiter zu werden. Deshalb enthalt von weniger als einem Jahr - von den Schwarzarbei-
sollten wir jetzt Eckpfeiler für eine sozialverträgliche Auslän- tern, deren Grössenordnung schätzungsweise auch sechs-
derpolitik setzen. stellige Zahlen erreicht, ganz zu schweigen.
Wir wissen alle, dass das Saisonnierstatut nicht mehr zu halten Nicht berücksichtigt in den offiziellen Zahlen - dies sei bei die-
ist. Im Grunde genommen ist der Bundesrat mit mir und mit ser Gelegenheit einmal mehr in Erinnerung gerufen - sind zu-
den zahlreichen Mitunterzeichnern und -Unterzeichnerinnen dem die mehreren hunderttausend Einwanderer, die seitdem
der Motion einverstanden, mit Ausnahme von Ziffer 3 meines Zweiten Weltkrieg eingebürgert und durch Neueinwanderer
Vorstosses. Der Bundesrat will aber das Ganze auf die lange ersetzt wurden. Für die Zunahme ist auch 1990 erneut eine
Bank schieben und führt die EG-, die Efta-, die Gatt-Verhand- massive Mehreinwanderung verantwortlich: 59587 Auswan-
lungen, die Uruguay-Runde an, um uns auf später zu vertrö- derungen standen sage und schreibe 117 711 Einwanderun-
sten. Gerade diese Verhandlungen zeigen, wie wichtig es ist, gen gegenüber.
dass wir jetzt entscheiden, wie wir eine sozialverträgliche Poli- Der Bundesrat hat also seine wiederholten Stabilisierungs-, ja
tik gestalten wollen! sogar Abbauversprechen immer wieder bewusst gebrochen
Wenn Sie erlauben, komme ich jetzt zu dieser ominösen Zif- und das Schweizervolk angelogen! Nun will die Motion Frank-
fer 3, wo der Bundesrat noch immer kein Musikgehör hat. Er hauser eine noch viel weitergehende Lockerung des Auslän-
hatte schon bei der Behandlung des Bürgerrechtsgesetzes derrechts: Familiennachzug für Saisonniers, Verbesserung
kein Musikgehör. Wir haben, so vehement wir konnten, ver- der Stellung der Grenzgänger, Niederlassungsbewilligungfür
sucht zu zeigen, dass es um etwas geht, was Herr Bundesrat ausländische Staatsangehörige sofort bei Heirat mit einem
Koller normalerweise sehr hoch schätzt: die Familienpolitik. Schweizerbürger als wichtigste Stichworte. Dies, obschon
Es ging darum, und es geht immer noch darum, mit einer so- 1982 ein ähnlich einwanderungsfreundliche Ausländergesetz
fortigen Niederlassungsbewilligung der binationalen Ehe ein vom Volk verworfen worden ist: Die damalige Nationale Aktion
Minimum an Sicherheit zu geben. Wir haben damals gekämpft hatte mit Erfolg das Referendum ergriffen.
und mit 93 zu 62 Stimmen verloren, diese Niederlage so ge- Eine Ueberweisung des Vorstosses würde dem Bundesrat
schluckt und gemerkt, dass das falsch war. Frau Segmüller nicht nur indirekt grünes Licht für eine noch viel largere Hal-
hat später in der «Schweizer Familie» gesagt, dass ich sie da- tung bei der Festlegung der jährlichen Einwanderungskontin-
mals für die Bedürfnisse der Familie zu wenig sensibilisiert gente geben. Eine Annahme würde die Landesregierung auch
hätte, was ich jetzt nachhole. ihre Glaubwürdigkeit in den EWR-Verhandlungen noch völlig
Ich bitte Sie, zur Kenntnis zu nehmen, dass kein Nachbarland verlieren lassen, wenn es um Ausnahmeregelungen bzw.
in Europa die Ehepartner so lange warten lässt wie wir, bis sie Schutzklauseln bezüglich des freien Personenverkehrs geht.
die gleiche Aufenthaltsbewilligung erhalten. Ueberall wird Herr Bundesrat Koller, vielleicht will der Bundesrat ja genau
man Mitbürgerin und Mitbürger, sobald man verheiratet ist. diesen Freipass für die EWR-Verhandlungen, den ihm das
Manchmal muss man ein bis zwei Jahre warten, um überhaupt Postulat geben würde, um dann auf einen Parlamentsauftrag
die Nationalität zu bekommen. Aber kein Land trennt die Fami- verweisen und sagen zu können, man sei im Grund der Dinge
lie in der Aufenthaltsregelung so stark wie wir. Ich will nicht al- mit dem freien Personenverkehr einverstanden; es gebe einen
les wiederholen, was ich damals gesagt habe. Aber man muss überwiesenen parlamentarischen Vorstoss in dieser Richtung.
sich vorstellen, was das für eine Familienmutter oder einen Fa- Dass meine Vermutung bezüglich der Haltung des Bundesra-
milienvater heisst, die oder der im Besitz einer solchen Aufent- tes nicht abwegig ist, zeigen die neuesten Aeusserungen ein-
haltsbewilligung ist, fünf Jahre lang in der Freiheit einge- zelner Bundesräte, namentlich von Herrn Delamuraz, hinsicht-
schränkt zu sein und alles Mögliche auf sich nehmen zu müs- lich der künftigen Kursrichtung der Verhandlungen
sen, nur deshalb, weil wir diese Familienpolitik nicht so nach- Schweiz-EG. Dies hat sich vorhin auch bei der Haltung des
vollziehen können. Ich bedaure, dass Frau Segmüller im Mo- Bundesrates zur Motion Portrnann gezeigt. Offenbar wünscht
ment nicht anwesend ist. Ich bin - nachdem ich ihre Aussagen man sich eine vermehrte Einwanderung; da wären auch er-
in der «Schweizer Familie» gelesen habe - überzeugt, dass sie leichterte Einbürgerungen von Nutzen, weil man so die Stati-
mich unterstützen würde. stik wieder frisieren und beschönigen könnte!
Motion Fankhauser 400 N 11 mars 1991
Ich bitte Sie dringend, diesen Vorstoss auch als Postulat abzu-
lehnen.
Bundesrat Koller: Ich will mich kurz fassen. Dass der Bundes-
rat sich eine vermehrte Einwanderung wünscht, ist wirklich an
den Haaren herbeigezogen. Wenn Sie wissen, welche Pro-
bleme wirtagtäglich mit den Kantonen und den Gemeinden zu
lösen haben, beispielsweise auf dem Gebiete des Asylwe-
sens, dann brauche ich keine langen Ausführungen zu ma-
chen. Ich möchte hier noch einmal festhalten, dass wir bereit
sind, die Motion in Form des Postulates entgegenzunehmen,
mit Ausnahme der Ziffer 3. Dass wir die Ziffer 3 ablehnen,
hängt nur damit zusammen, dass wir den letztjährigen Ent-
scheid des Parlamentes respektieren. Wir können doch nicht
ständig Parlamentsentscheide, kaum sind sie getroffen wor-
den, wieder in Frage stellen.
Daher: Annahme als Postulat mit Ausnahme der Ziffer 3.
Präsident: Ich schlage Ihnen vor, dass wir zuerst in eventualer
Abstimmung zwischen Motion und Postulat entscheiden und
das Resultat dann dem Antrag Ruf gegenüberstellen, der den
Vorstoss in keiner Form überweisen will.
Frau Fankhauser: Ich nehme an, Herr Präsident, dass Sie
nach dem Vorschlag von Herrn Bundesrat Koller abstimmen
lassen. Ich möchte wirklich über Ziffer 3 separat abstimmen
lassen, nachdem der Bundesrat sie auch als Postulat ablehnt.
Präsident: Frau Fankhauser, Sie haben natürlich recht. Wir
gehen so vor, wie ich es jetzt gesagt habe bei den Ziffern 1,2,4
und 5. Lieber Ziffer 3 stimmen wir dann separat ab.
Ziff. 1, 2,4,5- Ch. 1, 2, 4, 5
Abstimmung - Vote
Eventuell-A titre préliminaire
Für Ueberweisung als Postulat 49 Stimmen
Für Ueberweisung als Motion 47 Stimmen
Definitiv - Définitivement
Für Ueberweisung des Postulates 64 Stimmen
Dagegen 27 Stimmen
Ziff. 3-Ch. 3
Frau Fankhauser: Nach der Logik der Abstimmung, nachdem
wir die anderen Punkte als Postulat überwiesen haben, wäre
ich dafür, dass wir diesen Punkt auch als Postulat überweisen.
Ich beantrage Ueberweisung als Postulat.
Präsident: Damit fällt der Antrag auf Ueberweisung als Motion
dahin.
Abstimmung - Vote
Für Ueberweisung des Postulates 54 Stimmen
Dagegen 46 Stimmen
Schluss der Sitzung um 19.30 Uhr
La séance est levée à 19 h 30
Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften
Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées
Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali
Motion Fankhauser Ausländergesetz (Anag). Revision
Motion Fankhauser Séjour et établissement des étrangers. Révision de la loi (LSEE)
In Amtliches Bulletin der Bundesversammlung
Dans Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale
In Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale
Jahr 1991
Année
Anno
Band II
Volume
Volume
Session Frühjahrssession
Session Session de printemps
Sessione Sessione primaverile
Rat Nationalrat
Conseil Conseil national
Consiglio Consiglio nazionale
Sitzung 06
Séance
Seduta
Geschäftsnummer 90.697
Numéro d'objet
Numero dell'oggetto
Datum 11.03.1991 - 14:30
Date
Data
Seite 397-400
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