Swiss Neutrality and Economic Sanctions in the Gulf Crisis
Legislator-Zusammenfassung
KI-generiertThe Swiss Federal Council responded to several parliamentary interpellations regarding the Gulf crisis, addressing issues of economic sanctions against Iraq and Kuwait, the impact on Swiss businesses, and implications for Swiss neutrality policy. The Council affirmed that Switzerland's autonomous decision to join the international economic sanctions was consistent with its neutrality, as it aimed to uphold international law and prevent aggression, rather than militarily engaging in the conflict. Regarding economic repercussions, the Council acknowledged potential difficulties for some Swiss companies but stated that general compensation was not legally foreseen, although the unemployment insurance system could offer some relief. The Council also committed to reviewing export controls on war materials and potentially creating new legal bases for managing future situations where Swiss businesses are affected by international sanctions, while emphasizing that direct military intervention or aligning with the United States' actions was not the policy.
Legislator-Regeste
KI-generiertArt. 11 Absatz, Art. 4 Ab, Art. 4 Abs. 1 Bst, Art. 3 der Verordnung, Art. 102 Ziff. 8 und 9 der Bundesverfassung, Art. 51 der Verordnung über die Arbeitslosenversicherung; Swiss Neutrality and Economic Sanctions in the Gulf Crisis: The Council affirmed that Switzerland's autonomous decision to join the international economic sanctions was consistent with its neutrality, as it aimed to uphold international law and prevent aggression, rather than militarily engaging in the conflict. Regarding economic repercussions, the Council acknowledged potential difficulties for some Swiss companies but stated that general compensation was not legally foreseen, although the unemployment insurance system could offer some relief. The Council also committed to reviewing export controls on war materials and potentially creating new legal bases for managing future situations where Swiss businesses are affected by international sanctions, while emphasizing that direct military intervention or aligning with the United States' actions was not the policy.
Schlagwörter
KI-generiertZitierte Gesetzesbestimmungen
KI-generiertVerwandte Entscheide
KI-generiertZentrale Rechtsfragen, extrahiert von Legislator
KI-generiertCited in relation to the scope of the commercial ban against Iraq and Kuwait and its impact on companies.
Cited as the legal basis for the Federal Council's economic measures against Kuwait and Iraq, relating to the Federal Council's duty to safeguard Switzerland's interests abroad.
Cited as a potential recourse for companies facing difficulties due to the embargo, allowing for reduction of working hours and unemployment benefits.
Cited in relation to the export of war material, particularly to conflict zones, and the criteria for prohibiting such exports.
Cited in relation to the Federal Council's prohibition of the export of a rocket test stand and biotechnological equipment potentially used for biological warfare agents.
Cited regarding exceptions to the economic sanctions against Iraq and Kuwait.
Cited in relation to the potential prohibition of war material exports to Gulf states and Turkey due to conflicts and dangerous tensions.
Cited for the imposition of costs on the appealing party.
Cited for the inadmissibility of the appeal.
Cited for the inadmissibility of the appeal.
Volltext
Crise du Golfe. Interventions parlementaires 1508 N 24 septembre 1990
Frau Daepp: Die Zuckerrübenverarbeitungskampagne be- Golfkrise.
#ST#
ginnt nächstens. In den nächsten Tagen werden die Zuckerrü- Parlamentarische Vorstösse
ben geerntet und in die Zuckerfabriken geliefert. Wäre es nicht
höchste Zeit - Sie haben mir das letzte Woche mündlich ver- Crise du Golfe.
sprochen -, dass Sie heute den Zuckerrübenpreis beraten Interventions parlementaires
würden, damit die Produzenten endlich wissen, wieviel sie für
ihre Rüben erhalten, die sie bereits ein halbes Jahr gepflegt
und gehegt haben? Ich möchte Ihnen danken dafür, dass Sie
es wenigstens probiert hätten, wenn alle anwesend gewesen
wären.
Bekanntlich forderten die Rübenpflanzer eine Preisanpas-
sung von 2.20 Franken pro 100 kg, das haben Sie bereits er- 90.664
wähnt. Ich glaube, wir dürfen uns auf diese Berechnungen
stützen. Sie entsprechen auch dem neuen Zuckerbeschluss. Dringliche Interpellation
Die letzte Zuckerrübenpreisanpassung - ich möchte nicht ein- der Kommissison für auswärtige Angelegenheiten
fach immer mit den letzten drei Jahren vergleichen -, welche Golfkrise
den Pflanzern materielle Verbesserungen brachte, geht ins Interpellation urgente
Jahr 1976 zurück. Das möchte ich hier festhalten. Seither sind de la commission des affaires étrangères
die Produktionskosten nach unseren Berechnungen um Crise du Golfe
34 Prozent, der Rübenpreis um 12 Prozent gestiegen.
Frage: Wird nächsten Montag die Preiserhöhung festgelegt?
M. Delamuraz, conseiller fédéral: Pour l'heure, Madame la
Conseillère nationale, je ne peux que vous assurer que le Con- Wortlaut der Interpellation vom 16. August 1990
seil fédéral traitera cet objet lundi prochain. Der Bundesrat wird eingeladen, das Parlament über die neue-
ste Entwicklung in der Golfregion zu orientieren und eine Ein-
schätzung der von ihm getroffenen Massnahmen vorzuneh-
men.
Texte de l'interpellation du 16 août 1990
Le Conseil fédéral est prié d'informer le Parlement sur les der-
niers développements dans la région du Golfe et de procéder
à une appréciation des mesures qu'il a prises.
90.667
Dringliche Interpellation
der liberalen Fraktion
Wirtschaftssanktionen gegen Irak
Interpellation urgente
du groupe libéral
Sanctions économiques envers l'Irak
Wortlaut der Interpellation vom 17. September 1990
Die internationale Verurteilung des irakischen Ueberfalls auf
Kuwait erfolgte spontan und deutlich.
Diese Verurteilung wurde durch den Beschluss des Sicher-
heitsrates der Organisation der Vereinten Nationen bestätigt,
welcher sich einstimmig, bei zwei Enthaltungen, für Wirt-
schaftssanktionen gegenüber dem irakischen Aggressor aus-
gesprochen hat.
Die Schweiz als Nicht-Uno-Mitglied hat rasch beschlossen,
sich diesen Wirtschaftssanktionen anzuschliessen und ist da-
mit zahlreichen Demokratien gefolgt.
Welche Konsequenzen hat dieser Schritt für die zukünftige Ge-
staltung der schweizerischen Neutralitätspolitik?
Wird mit diesem Schritt eine Einschränkung der bisher völli-
gen Unabhängigkeit der schweizerischen Aussenpolitik be-
wirkt?
Texte de l'interpellation du 17 septembre 1990
La condamnation par la communauté internationale de l'inva-
sion irakienne du Koweït a été claire et spontanée.
Elle a été confirmée par la décision du Conseil de sécurité de
l'Organisation des Nations unies qui, à l'unanimité moins deux
abstentions, s'est déclaré favorable à des sanctions économi-
ques à rencontre de l'Irak.
24. September 1990 N 1509 Golfkrise. Parlamentarische Vorstösse
Pays non membre de l'ONU, la Suisse a décidé rapidement de le rôle de la politique économique extérieure que la Suisse a
s'associer aux sanctions économiques, suivant en cela pratiquée ces dernières années à l'égard des pays du Golfe?
l'exemple de nombreuses démocraties. Quelles conclusions le Conseil fédéral tire-t-il de la crise du
Quelles conséquences cette décision aura-t-elle sur la con- Golfe en ce qui concerne la pratique des exportations d'armes
ception future de la politique suisse de neutralité? (par exemple livraison de produits à usages multiples, tels que
La totale indépendance de la politique extérieure de la Suisse les avions de type PC-7 ou PC-9, livraison d'éléments d'arme-
s'en trouvera-t-elle restreinte? ment etc.)? Le Conseil fédéral est-il prêt, en vertu de
l'article 11, 2e alinéa, de la loi fédérale sur le matériel de guerre
Sprecher-Porte-parole: Burckhardt (livraison à destination de territoires où des conflits armés ont
éclaté ou menacent d'éclater ou dans lesquels régnent des
tensions dangereuses), à interdire la livraison de matériel de
guerre aux pays du Golfe, y compris à la Turquie?
90.684
Dringliche Interpellation
der sozialdemokratischen Fraktion 90.686
Golfkrise
Dringliche Interpellation
Interpellation urgente
der LdU/EVP-Fraktion
du groupe socialiste
Neutralitätspolitik
Crise du Golfe
nach den Irak-Sanktionen
Interpellation urgente
du groupe Adl/PEP
Sanctions à ('encontre de l'Irak
et politique de neutralité
Wortlaut der Interpellation vom 18. September 1990
1. Wieweit kann der Beschluss des Bundesrates, die Wirt-
schaftssanktionen gegen den Irak zu unterstützen, als Zei-
chen für eine Neuorientierung der schweizerischen Neutrali-
tätspolitik beurteilt werden, hat doch der Bundesrat zum Bei- Wortlaut der Interpellation vom 18. September 1990
spiel Boykottmassnahmen gegenüber Südafrika während Erstmals hat sich die Schweiz voll - und nicht nur durch Ein-
Jahren immer wieder abgelehnt? führung des courant normal -an Sanktionen beteiligt, die vom
2. Welche Handlungsmöglichkeiten sieht der Bundesrat für Uno-Sicherheitsrat verhängt wurden. Wir stellen dem Bundes-
die Schweiz, zu einer politischen Lösung des Golfkonflikts bei- rat in diesem Zusammenhang die folgenden Fragen:
zutragen? 1. Worin unterscheidet sich das Verhalten der Schweiz von
Ist der Bundesrat aufgrund der wachsenden Flüchtlingsnot in demjenigen, zu dem sie bei einer Mitgliedschaft in der Uno
der Golfregion bereit, die humanitäre Hilfe zur Lösung des verpflichtet gewesen wäre? Sehen wir uns heute nicht in der
Flüchtlingsproblems über den bereits beschlossenen Rah- Lage, dass wir die Pflichten - nicht aber die Rechte - eines
men hinaus massiv aufzustocken? Uno-Mitgliedstaates haben?
3. Inwiefern ist nach Auffassung des Bundesrates die Golfkrise 2. In welchen Fällen wird die Schweiz in Zukunft ähnliche
unter anderem die Folge der starken wirtschaftlichen und mili- Sanktionen verhängen? Wird dies zum Beispiel auch bei Völ-
tärischen Einflussnahme sowie der massiven Aufrüstung der kerrechtsverletzungen der entsprechenden Art der Fall sein,
Golfstaaten durch die Industrieländer in Ost und West? Wie wenn die Uno keine Sanktionen verfügt? Wird sich die
beurteilt der Bundesrat diesbezüglich die Rolle der schweizeri- Schweiz an Sanktionen der Uno beteiligen, wenn diese nicht
schen Aussenwirtschaftspolitik gegenüber den Staaten in der wegen Verletzung des Völkerrechts sondern zum Beispiel we-
Golfregion in den letzten Jahren? gen Menschenrechtsverletzungen verhängt werden?
Welche Schlüsse zieht der Bundesrat aus der Golfkrise in Be- 3. Kontrastiert die jetzige harte Haltung der Schweiz nicht selt-
zug auf die Praxis der Waffenausfuhr (zum Beispiel Lieferung sam mit den früheren Beiträgen zur irakischen Rüstung durch
von sogenannten Dual-use-Produkten wie PC-7/PC-9 Flug- die Lieferung von sowohl zivil als auch militärisch verwend-
zeuge, Lieferung von Waffenkomponenten usw.)? baren Gütern?
Ist der Bundesrat gestützt auf Artikel 11 Absatz 2 des Kriegs- 4. Welche Folgerungen für die Sicherheitspolitik der Schweiz
materialgesetzes (Lieferung in Konflikt- und Spannungsge- zieht der Bundesrat aus der Golf krise?
biete) bereit, die Lieferung von Kriegsmaterial an die Golfstaa- 5. Die Verordnung vom 7. August 1990 sieht in Artikel 4 Ab-
ten, einschliesslich die Türkei, zu verbieten? satz 1 Ausnahmen für die Wirtschaftssanktionen vor. Wie viele
Ausnahmebewilligungen wurden erteilt, welche Güter in wel-
Texte de l'interpellation du 18 septembre 1990 chen Mengen betreffen sie? Welches sind die Begründungen
1. Comme on le sait, pendant des années, le Conseil fédéral a für die einzelnen Ausnahmen? In welchen Situationen wurde
toujours refusé de participer aux mesures de boycottage insbesondere die Härteklausel (Art. 4 Abs. 1 Bst. e) ange-
contre l'Afrique du Sud. Dans ces conditions, dans quelle me- wandt?
sure la décision du gouvernement de soutenir les sanctions
économiques à rencontre de l'Irak témoigne-t-elle d'un chan- Texte de l'interpellation du 18 septembre 1990
gement dans la politique de neutralité de la Suisse? Pour la première fois, la Suisse a participé pleinement - et non
2. Selon le Conseil fédéral, de quels moyens d'action dispose seulement en introduisant le principe du courant normal - à
la Suisse en vue de contribuer activement à une solution politi- des sanctions décrétées par le Conseil de sécurité de l'ONU.
que de la crise du Golfe? Dans ce contexte, nous posons les questions suivantes au
Vu la détresse croissante des réfugiés dans la région du Golfe, Conseil fédéral:
le Conseil fédéral est-il prié d'accroître massivement l'aide hu- 1. En quoi le comportement de la Suisse se distingue-t-il de
manitaire en vue de trouver une solution au problème des réfu- celui qu'elle aurait dû adopter si elle était membre de l'ONU?
giés. Dans la situation actuelle, n'avons-nous pas les obligations
3. De l'avis du Conseil fédéral, dans quelle mesure la crise du d'un Etat membre de l'ONU, sans en avoir les droits?
Golfe est-elle liée à la forte influence économique et militaire 2. Dans quels cas la Suisse décrétera-t-elle à l'avenir des sanc-
des puissances industrielles à l'Ouest comme à l'Est, ainsi tions similaires? Le fera-t-elle par exemple aussi en réponse à
qu'au réarmement massif des pays du Golfe par ces mêmes des violations du droit international public, violations suscepti-
puissances? A ce propos, comment le Conseil fédéral juge-t-il bles d'entraîner de telles mesures, dans les cas où l'ONU n'or-
Crise du Golfe. Interventions parlementaires 1510 N 24 septembre 1990
donnera pas de sanctions? La Suisse participera-t-elle à des - La Suisse est sortie de sa neutralité traditionnelle pour parti-
sanctions de l'ONU lorsque ces dernières seront décrétées ciper aux sanctions de la communauté internationale contre
par exemple en raison de violations des droits de l'homme, et l'Irak. La cohérence ne commande-t-elle pas qu'elle le fasse
non à la suite d'une violation du droit international public? également dans d'autres situations?
3. La dureté dont la Suisse fait actuellement preuve ne con- - La crise du Golfe aurait-elle une pareille ampleur si l'Irak
traste-t-elle pas étrangement avec les contributions précéden- n'avait pas pu équiper son armée de moyens de destruction
tes à l'armement de l'Irak, sous la forme de livraisons de mar- modernes grâce aux livraisons des pays industrialisés?
chandises à usage tant civil que militaire? - Comment faut-il juger la participation de l'industrie suisse à
4. Quelles conclusions pour la politique de sécurité de la l'équipement militaire de l'Irak?
Suisse le Conseil fédéral tire-t-il de la crise du Golfe? - Si la Suisse considère qu'il eût mieux valu ne pas livrer d'ar-
5. L'ordonnance du 7 août 1990 prévoit, à l'article 4, 1er ali- mements à l'Irak, ne devrait-elle pas renoncer totalement à ex-
néa, des exceptions aux sanctions économiques. Combien porter des armes vers le tiers monde, afin de pouvoir exiger
d'autorisations ont été accordées, quelles marchandises con- des autres pays industrialisés qu'ils en fassent autant?
cernent-elles, et en quelles quantités? Sur quels motifs se fon-
dent ces différentes exceptions? Dans quelles situations la Sprecher-Porte-parole: Rebeaud
clause des cas de rigueur (article 4,1er alinéa, lettre f) a-t-elle
notamment été appliquée? Le président: En accord avec le Conseil fédéral, nous avons
décidé de procéder comme suit: il s'agit là d'une procédure
Sprecher- Porte-parole: Widmer écrite, mais étant donné que le Conseil fédéral n'a donné sa
réponse que ce matin, il ne lui était pas possible d'utiliser la
forme écrite, dans les deux langues. C'est la raison pour la-
quelle il répondra maintenant aux diverses interpellations ur-
gentes. En accord avec MM. Felberet Delamuraz, conseillers
fédéraux, nous avons décidé de dissocier les cinq premières
90.691 interpellations urgentes des deux dernières. Nous aurons
donc deux débats.
Dringliche Interpellation
der grünen Fraktion M. Felber, conseiller fédéral: Je vous prie de bien vouloir ex-
Golfkrise cuser d'entrée de cause la relative longueur de la réponse du
Interpellation urgente Conseil fédéral, qui est justifiée par le fait que nous répondons
du groupe écologiste simultanément, en ce qui concerne les problèmes politiques,
Crise du Golfe à cinq interpellations.
La première moitié de l'année 1990, nous pouvions tous nous
réjouir de la détente Est-Ouest et des premiers effets positifs
qu'elle avait eus sur certains conflits régionaux: en Afrique
australe, en Amérique centrale, en Afghanistan, dans le sud-
Wortlaut der Interpellation vom 18. September 1990 est asiatique. Certains, parmi les observateurs de la politique
Der Bundesrat wird gebeten darzulegen, welche Schlussfol- internationale, en étaient déjà à évaluer ce qu'on appelle les
gerungen er aus den Ereignissen nach der Invasion Kuwaits dividendes de la paix. A qui vont-ils profiter?
durch den Irak zieht. Er wird insbesondere ersucht, zu folgen- Nous avons donc été surpris, et avec nous les meilleurs servi-
den Fragen Stellung zu nehmen: ces d'information occidentaux - ayons la franchise de le re-
- Hätte die Golfkrise international die gleiche Bedeutung er- connaître - par l'invasion brutale, nocturne, du Koweit, le
langt, wenn sie die Erdölversorgung der Industrienationen 2 août dernier, alors même que l'auteur de ce forfait internatio-
nicht gefährden würde? nal était en pourparlers avec les autorités koweïtiennes. On a
- Müssten die Industrienationen zur Verminderung der Gefahr pu néanmoins se féliciter de voir le Conseil de sécurité de
eines weltweiten Konflikts nicht versuchen, ihre Abhängigkeit l'ONU, puis la communauté internationale quasi unanime,
von den Förderländern durch die Herabsetzung ihres Erdöl- condamner ce coup de force flagrant.
verbrauchs zu verringern? Evidemment, cette crise a une résonance considérable dans
- Die Schweiz ist von ihrer traditionellen Neutralität abgewi- le monde. Elle revêt une dimension stratégique, car elle me-
chen und hat sich den von der internationalen Gemeinschaft nace de remettre en question le contrôle sur les plus grandes
gegen den Irak verhängten Sanktionen angeschlossen. Sollte réserves pétrolières de la planète. A ce sujet, on né peut s'em-
sie dies aus Gründen der Kohärenz nicht auch in anderen Si- pêcher d'observer que l'Occident a la mémoire assez courte.
tuationen tun? Il faut attendre une réelle menace pour s'aviser que nous de-
- Hätte die Golfkrise dasselbe Ausmass angenommen, wenn vrions peut-être réduire notre dépendance envers le pétrole.
nicht der Irak dank den Lieferungen modernster Vernichtungs- Les données militaires: sur le terrain, l'Irak a renforcé sa pré-
mittel durch die Industrieländer seine Armee hätte aufrüsten sence militaire au Koweit et dans le sud de l'Irak, région où, se-
können? lon le Pentagone américain, 265 000 combattants feraient face
- Wie ist der Beitrag der schweizerischen Industrie zur militäri- aux troupes de l'Occident. Le désengagement sur le plan ira-
schen Aufrüstung des Iraks zu beurteilen? nien, terminé le 22 août, permettrait d'autre part au président
-Müsste die Schweiz-falls sie der Auffasungist, dasssiedem Saddam Hussein de disposer d'environ 500000 hommes
Irak besser keine Waffen geliefert hätte - nicht den Waffenex- supplémentaires, dont quelques dizaines de milliers ont déjà
port in die Dritte Welt vollständig einstellen, um dies auch von été déployés le long de la frontière avec la Turquie et celle avec
den anderen Industrieländern verlangen zu können? la Syrie.
En ce qui concerne les Etats-Unis, environ 150 000 hommes
Texte de l'interpellation du 18 septembre 1990 sont installés en Arabie Saoudite, à Abu Dhabi, Qatar, et dans
Le Conseil fédéral est prié de dire quelles conséquences il tire les Emirats arabes unis. L'acheminement du matériel lourd se
des événements qui ont suivi l'invasion du Koweït par l'Irak, en poursuit. Près de 50 navires de guerre américains sont actuel-
prenant position notamment sur les questions suivantes: lement dans le Golfe, en Mer Rouge ou en Méditerranée,
- La crise du Golfe aurait-elle pris la même importance sur le épaulés par des unités navales des pays de l'Union euro-
plan international, si elle ne mettait pas en danger l'approvi- péenne occidentale - que j'ai cités tout à l'heure - et du camp
sionnement en pétrole des pays industrialisés? occidental, dont certains, en particulier la France et la Gran-
- Pour réduire le danger d'un conflit mondial, les pays indus- de-Bretagne, ont également dépêché des forces aériennes et
trialisés ne devraient-ils pas mettre tout en oeuvre pour réduire terrestres au Proche-Orient. D'autres Etats non européens:
leur consommation de pétrole, afin de réduire leur dépen- l'Egypte, la Syrie, ont fourni et continuent de fournir des contin-
dance à l'égard des pays producteurs? gents, stationnés pour la plupart en Arabie Saoudite.
24. September 1990 N 1511 Golfkrise. Parlamentarische Vorstösse
Les Etats-Unis souhaitent voir se constituer à plus longue a défini les conditions d'une participation de la Suisse à des
échéance de nouvelles structures internationales de maintien sanctions économiques. L'adoption de sanctions économi-
de la paix pour la région, incluant la présence de forces ar- ques n'est pas contraire au droit de la neutralité. Ce droit n'im-
mées de pays arabes modérés. pose pas à l'Etat neutre le devoir de maintenir des relations
La récupération du Koweit serait une opération difficile qui en- économiques avec une partie impliquée dans un conflit.
traînerait ipso facto la destruction des puits de pétrole et provo- L'adoption ou non de sanctions économiques par un Etat neu-
querait un nombre important de victimes de part et d'autre. Or, tre en permanence doit être appréciée du point de vue de sa
la détermination du président des Etats-Unis sera populaire politique de neutralité, et la mise en oeuvre de cette politique
aussi longtemps qu'elle ne sera pas la cause de pertes incon- est laissée à sa discrétion.
sidérées en vies humaines. Or, au vu de l'utilisation par M. L'Etat neutre en permanence doit cependant tout mettre en
Saddam Hussein des boucliers humains à proximité des cen- oeuvre pour ne pas être entraîné dans une guerre et s'abstenir
tres névralgiques de l'Irak - utilisation qui est totalement de tout ce qui pourrait l'impliquer militairement dans un tel
contraire à l'article 28 de la 4ème Convention de Genève à la- conflit. Pour les raisons suivantes, le Conseil fédéral parvient à
quelle l'Irak a adhéré en 1956 - aussi longtemps que nous ne la conclusion que les mesures économiques prises à l'encon-
pouvons pas écarter cette menace, une intervention occiden- tre de l'Irak ont été décrétées dans l'intérêt de la politique de
tale ne peut être sérieusement envisagée. neutralité de la Suisse.
La politique de la Suisse: l'invasion militaire du Koweit par Premièrement, il ne fait aucun doute que l'Irak a violé de ma-
l'Irak le 2 août 1990 viole l'interdiction de recourir à la force pré- nière flagrante des normes fondamentales du droit des gens
vue par le droit coutumier international, viole l'article 2, ali- par l'invasion militaire et l'annexion du Koweit. Un petit Etat
néa 4, de la Charte des Nations Unies. Conformément à cet ar- comme la Suisse a un intérêt essentiel à ce que le droit interna-
ticle, les membres de l'organisation s'abstiennent dans leurs tional soit respecté, en particulier le principe selon lequel tous
relations internationales de recourir à la menace ou à la force les Etats doivent s'abstenir de recourir à la menace ou à l'em-
contre l'intégrité territoriale ou l'indépendance politique d'un ploi de la force contre l'intégrité territoriale ou l'indépendance
Etat. politique d'un pays. La Suisse se doit donc de soutenir la com-
Le 2 août, respectivement le 7 août 1990, le Conseil fédéral a munauté des Etats lorsque celle-ci réagit contre l'entité qui a
publiquement condamné l'invasion du Koweit par les troupes violé le droit d'une manière flagrante.
irakiennes. Il a exigé leur retrait immédiat et inconditionnel. Deuxièmement, la communauté internationale a été quasi
C'était ce que j'appellerai la phase déclamatoire de la politique unanime à condamner l'Irak et à adopter des sanctions écono-
étrangère que nous tenions à consolider. Comme le Conseil miques. Les mesures décidées par le Conseil de sécurité de
de sécurité, dans sa résolution 662 et la très grande majorité l'Organisation des Nations Unies lient tous les Etats membres
des pays du monde entier, la Suisse ainsi ne reconnaît pas de cette organisation, y compris les Etats neutres d'Europe. Il
l'annexion du Koweit par l'Irak, ce qui a été porté à plusieurs existe de bonnes raisons de penser que ces mesures sont mi-
reprises à la connaissance des autorités irakiennes, du repré- ses en oeuvre de manière universelle et qu'elles ne manque-
sentant légitime du Koweit et du gouvernement résidant ac- ront pas d'avoir des conséquences tangibles pour l'Irak à plus
tuellement à l'étranger. ou moins brève échéance.
A la suite de la résolution 661 du Conseil de sécurité du 7 août La participation de la Suisse à ces sanctions s'imposait égale-
1990, le Conseil fédéral a adopté le même jour encore une or- ment du point de vue de la solidarité internationale. La Suisse,
donnance instituant de manière autonome des mesures éco- n'étant pas membre de l'ONU, a été amenée à prendre une
nomiques envers la république d'Irak et l'Etat du Koweit. L'or- décision autonome -je tiens à préciser qu'il faut renvoyer les
donnance interdit toute activité commerciale avec ces deux journalistes de langue française à leurs dictionnaires car ils ne
pays, notamment l'importation et le transit de marchandises savaient pas ce que signifiait «autonome» et traduisaient le len-
d'origine irakienne et l'exportation de marchandises à destina- demain ce terme par «plus faible»! Dans un conflit opposant
tion de l'Irak. Sont en outre interdites toutes transactions finan- deux parties aussi inégales, à savoir d'un côté l'entité qui a
cières à l'intention du gouvernement irakien, à l'intention violé le droit et de l'autre l'ensemble de la communauté inter-
d'entreprises ou de particuliers en Irak ou au Koweit. Peuvent nationale, le principe du traitement paritaire n'est guère appli-
être exceptés de cette ordonnance l'exportation et le transit cable. En ne s'associant pas aux sanctions économiques ou
notamment de marchandises à des fins médicales, ainsi que en se bornant à maintenir les échanges au niveau du courant
de denrées alimentaires dans des situations exceptionnelles normal, la Suisse se serait pratiquement et moralement ran-
au titre de l'aide humanitaire. gée du côté de l'Irak. Une pareille attitude n'aurait pas été
Le Département fédéral de l'économie publique peut accorder comprise à l'étranger, ni en Suisse. Notre crédibilité dans le
de telles dérogations. Cette décision a été non seulement monde entier en aurait gravement souffert et nous n'aurions
comprise, mais appréciée par l'ensemble de nos concitoyens. même pas profité, économiquement, de cette décision de
Elle a été appréciée et soulignée par la communauté interna- peur, de couardise, de lâcheté.
tionale. Si nous avons pu agir rapidement, c'est grâce aux ser- Les sanctions économiques adoptées ne risquent pas d'en-
vices des divers départements fédéraux qui ont travaillé avec traîner la Suisse dans un conflit armé et ne l'empêcheront pas
conscience, rapidité, ce qui a permis au Conseil fédéral en cas de guerre de se conformer aux devoirs qui lui sont im-
d'adopter le texte de l'ordonnance qui allait entrer en vigueur posés par le droit de la neutralité. La décision du Conseil fédé-
quelques heures après sa décision, soit peu après l'adoption ral ne préjuge en rien l'adoption de sanctions à l'avenir ou la
des sanctions prises par le Conseil de sécurité. question de savoir si la participation à des sanctions décrétées
En ce qui concerne les avoirs koweitiens en Suisse, le 2 août par exemple par la Communauté européenne seraient ou non
1990, le Conseil fédéral a invité les banques à faire preuve compatibles avec la neutralité de la Suisse. Le Conseil fédéral
d'une vigilance accrue, les a engagées à refuser, en cas de n'a fait qu'appliquer à un cas concret notre politique continue
doute, des demandes de retrait. Mais le 10 août 1990, i! a pro- de neutralité, instrument de notre politique étrangère. Si la
mulgué une ordonnance précise en vertu de laquelle des me- question des sanctions devait se poser encore un jour, de la
sures de blocage doivent être prises pour assurer la protection même manière, après avoir pesé les intérêts en présence et
des valeurs patrimoniales en Suisse de l'Etat du Koweit. Les pris en considération tous les paramètres, en particulier les
avoirs koweitiens sont ainsi protégés tant que la question du devoirs découlant du statut de neutralité permanente de la
droit d'en disposer n'est pas résolue. Suisse, le Conseil fédéral serait amené à se prononcer au sujet
S'agissant de l'appréciation des sanctions économiques suis- de la participation de notre pays à de telles mesures.
ses sous l'angle du droit de la neutralité et de la politique de En ce qui concerne la fermeture de notre ambassade au Ko-
neutralité, il convient de souligner qu'à plusieurs reprises déjà, weit, devant l'ultimatum irakien de fermer sa représentation di-
le Conseil fédéral a déclaré que la Suisse, au besoin, pourrait plomatique au Koweit d'ici le 24 août 1990, la Suisse a décidé,
s'associer à de telles mesures. Il s'est en particulier exprimé à en étroite collaboration avec d'autres Etats - principalement
ce sujet dans son message du 21 décembre 1981 concernant les Etats neutres et les Etats de la Communauté européenne -
l'adhésion de la Suisse à l'Organisation des Nations Unies. Il y de passer outre à cette sommation et de laisser en poste son
Crise du Golfe. Interventions parlementaires 1512 N 24 septembre 1990
chargé d'affaires et son responsable de chancellerie, MM. militaire fédéral, le Département fédéral de l'économie publi-
Besomi et Bischof. Cette décision traduit la volonté de la que, le Département fédéral de justice et police, le Départe-
Suisse à la fois de protester contre l'annexion du Koweït et sa ment fédéral des transports, des communications et de l'éner-
disparition de la carte politique, de ne pas reconnaître cette gie. Les membres de cette cellule se réunissent pratiquement
annexion, et d'être solidaire de la communauté internationale, chaque jour, analysent et jugent en permanence la situation et
et enfin sa volonté de protéger les citoyens suisses restés sur son développement dans cette région, tirent des conclusions,
place. Ce n'est que le 12 septembre, lorsque tous les Suisses en informent le Conseil fédéral. En outre, la cellule est respon-
désireux de quitter le Koweït l'eurent fait- il n'y reste qu'une fa- sable pour les questions techniques et assure une perma-
mille qui a déclaré expressément vouloir y demeurer- après le nence de 24 heures sur 24. Les responsables en poste dans la
départ des représentants des Etats neutres, finlandais et sué- région du Golfe qui se trouvaient en vacances au début des
dois, des diplomates norvégiens et des diplomates de trois hostilités ont tous été invités à regagner leur poste sans délai.
ambassades de la communauté, le Portugal, le Danemark et Parallèlement, le Département de l'économie publique a mis
la Grèce, que nos représentants ont reçu l'instruction de se re- sur pied un groupe de travail pour discuter de la mise en appli-
tirer du Koweit en même temps que le représentant diplomati- cation des mesures économiques. Le 18 septembre, notre
que autrichien. nouvel ambassadeur en Irak, M. Friedrich Moser, s'est envolé
Il est sans doute plus facile de parler de générosité assis der- pour Bagdad après avoir reçu l'agrément des autorités irakien-
rière un pupitre à Berne que lorsqu'on est représentant diplo- nes et sur notre instruction personnelle précise. Par ailleurs
matique au Koweit après le 2 août 1990. La sécurité physique notre ambassade sera temporairement renforcée par l'arrivée
de nos représentants était menacée, la situation ne cessait de prochaine d'un vice-consul.
se dégrader, ces hommes étaient des prisonniers dans leur ré- Mesdames et Messieurs, il appartient à la diplomatie du
sidence. Cette démarche a été effectuée sous la contrainte, XIXe siècle de croire qu'on s'oppose à un pays en retirant son
elle ne peut donc être interprétée que comme la mise en veil- ambassadeur en période de crise. C'était l'époque où il n'y
leuse temporaire de l'ambassade de Suisse au Koweit. Cela avait pas de téléphone, où il n'y avait pas de télex, où il n'y avait
n'implique en aucune manière une quelconque reconnais- pas de Telefax, où il fallait rappeler son ambassadeur pour
sance par la Suisse de l'annexion de ce pays par l'Irak. Cette écouter ce qu'il avait à dire et lui donner des instructions. Au-
prise de position juridique a été portée officiellement à la con- jourd'hui, il est indispensable que nos gens restent sur place
naissance des autorités irakiennes. quand il y a des crises, c'est le seul moyen pour nous d'être in-
En ce moment, MM. Besomi et Bischof qui ne jouissent plus formés, c'est le seul moyen pour nos interlocuteurs étrangers
depuis le 24 août d'un statut particulier au regard de la Con- de recevoir notre point de vue dans les plus brefs délais.
vention de Vienne sur les relations diplomatiques, demeurent Il faut cesser de réclamer sans cesse le rappel des ambassa-
bloqués à Bagdad mais nous nous efforçons d'obtenir, pour deurs en période de crise. Avec cette tradition, on en est à
eux aussi, leur retour en Suisse. l'époque de Stendhal, éventuellement de Paul Claudel, mais
Les démarches entreprises en vue de l'évacuation des ressor- pas à la fin du XXe siècle!
tissants suisses et autres étrangers: avant que la crise du Golf Dans le contexte actuel, la seule contribution que la Suisse
n'éclate, environ cent Suisses résidaient au Koweit et septante peut apporter à une solution politique de la crise, c'est de s'as-
autres en Irak. Au début du mois d'août, la plus grande partie socier, encore une fois de manière autonome, aux résolutions
de la colonie suisse se trouvait, par chance, en vacances, loin des Nations Unies. Nous ne pouvons pas nous désolidariser.
de ces pays. Au terme d'un voyage mouvementé de plusieurs Il y a en outre toute la dimension humaine provoquée par cette
jours, 37 Suisses du Koweit ont réussi à quitter l'Irak les 23 et crise, qui ne nous est pas indifférente. Cette crise engendrée
27 août via Bagdad et la frontière turque. Le 2 septembre, pro- par l'occupation d'un petit Etat par l'Irak a condamné des cen-
fitant de l'offre du président irakien à l'endroit des femmes et taines de milliers d'étrangers, sur un total de 1,5 à 2 millions, à
des enfants, six Suissesses et six enfants ont pu revenir en un exode dramatique vers les pays voisins. Si quelque
Suisse. A l'heure actuelle, 87 citoyens suisses, dont plusieurs 100 000 personnes ont provisoirement pu être accueillies en
sont des doubles-nationaux se trouvent encore en Irak et au Jordanie dans des camps de tentes, environ 360 000 person-
Koweit. nes déplacées provenant d'Egypte et de divers pays asiati-
Notre ambassade de Bagdad entretient des contacts réguliers ques - le Bangladesh, le Sri Lanka, le Pakistan, les Philippines
quasi quotidiens avec tous nos compatriotes. Leur état de - attendent leur rapatriement à la frontière jordano-irakionne,
santé est jugé satisfaisant, nos compatriotes subissent néan- et leur sort est extrêmement précaire. Il y a encore une autre
moins des pressions psychologiques toujours plus mar- préoccupation majeure, à savoir le ravitaillement du très grand
quées. Le Conseil fédéral condamne avec véhémence le fait nombre de travailleurs asiatiques - environ 400 000. Le Co-
que les Suisses et tous les autres étrangers désireux de quitter mité des sanctions de l'ONU étudie présentement la manière
la zone du conflit soient retenus en otages - le terme s'impose de leur venir en aide.
- depuis des semaines par les autorités irakiennes, qu'ils La Suisse a été l'un des premiers pays à se mobiliser pour sou-
soient contraints à vivre séparés, éloignés de leurs familles. tenir des campagnes d'aide en faveur des personnes dépla-
Nous dénonçons cette atteinte au droit des gens et nous expri- cées, bloquées en Jordanie. Par leurs efforts conjugués, le Co-
mons notre sympathie aux familles que cet ignoble acte de vio- mité international de la Croix-Rouge, la Ligue des Sociétés de
lence a brutalement séparées. Le Conseil fédéral assure les la Croix-Rouge et du Croissant-Rouge, le Corps suisse pour
personnes concernées qu'il n'aura de cesse de leur faire quit- l'aide en cas de catastrophes ont fait ce qui était en leur pou-
ter l'Irak et que les démarches en vue de leur évacuation se voir pour atténuer la détresse des personnes déplacées, blo-
poursuivront en étroite collaboration avec tous les Etats neu- quées à la frontière jordano-irakienne. Vingt-cinq délégués du
tres, avec les autres pays de l'Europe de l'Ouest. CICR sont à l'oeuvre dans trois camps de transit jordaniens.
A cet effet, le Département fédéral des affaires étrangères a Réagissant sans délai, la Division aide humanitaire et aide
entrepris plusieurs démarches officielles, tant à Berne qu'à suisse en cas de catastrophes du Département des affaires
Bagdad. Au cours de celles-ci, nos porte-parole ont en outre étrangères a dépêché neuf experts en Jordanie.
protesté contre l'annexion du Koweit et contre la sommation Par ailleurs, des centaines de citernes d'eau, des installations
de fermer notre ambassade dans ce pays. Ces négociations de distribution d'eau, des canalisations préfabriquées, des jer-
bilatérales ont été menées conjointement avec trois Etats neu- ricans, des couvertures à usages multiples et des tentes, re-
tres: la Suède, la Finlande et l'Autriche. présentant un montant total de quelques centaines de milliers
Dès que la crise du Golfe a éclaté, une cellule de crise, char- de francs, ont déjà été acheminés. Deux spécialistes des com-
gée de toutes les questions relatives au conflit, et actuellement munications délégués par le Corps suisse pour l'aide en cas
dirigée par l'ancien ambassadeur en Irak, a immédiatement de catastrophes prêtent leur concours à la Croix-Rouge jorda-
été constituée au sein du Département des affaires étrangè- nienne en vue de créer un réseau de communications reliant
res. Sont représentés dans cette cellule les services du Dépar- les camps. Des mesures d'aide en faveur des personnes dé-
tement des affaires étrangères touchés par ce type de conflit placées en Turquie sont à l'étude actuellement.
ainsi que les autres départements concernés: le Département La Direction pour l'aide humanitaire et la coopération techni-
24. September 1990 N 1513 Golfkrise. Parlamentarische Vorstösse
que a débloqué, dès le début de la crise, environ 600 000 autorisation. La liste des substances qui ne peuvent pas être
francs pour soutenir l'action du CICR sur le terrain. Le Comité exportées sans autorisation spéciale a été complétée la der-
international pour les Migrations des Nations Unies a reçu de nière fois en 1989. Actuellement, ces substances sont au nom-
notre part une somme de 250 000 francs destinée au finance- bre de douze. En outre, la Suisse participe aux travaux du
ment d'un objectif prioritaire, le rapatriement des réfugiés. Le groupe Australie qui coordonne et, dans la mesure du possi-
17 septembre, il y a une semaine exactement, le Conseil fédé- ble, uniformise dans le domaine de la chimie les contrôles na-
ral a accordé 10 millions de francs à titre d'aide d'urgence, tionaux des pays industriels occidentaux les plus importants.
principalement en faveur des victimes de la crise du Golfe blo- Afin d'empêcher l'utilisation abusive d'installations ou de par-
quées en Jordanie. Sur ce montant, 6 millions sont destinés ties d'installations et de leur technologie, auxquelles la législa-
au financement conjoint des ponts aériens - la Suisse a affrété tion sur le matériel de guerre ou sur l'énergie atomique n'est
un appareil charter pour le transport des personnes déplacées pas applicable, le Conseil fédéral a chargé un groupe de tra-
- alors que 4 millions sont destinés à l'aide sur le terrain, pour vail d'élaborer une future base légale. Celle-ci sera destinée au
les personnes déplacées attendant leur rapatriement. Ces der- contrôle de l'exportation d'installations qui pourraient servir à
nières sont assistées par l'Organisation des Nations Unies et la fabrication d'armes chimiques et biologiques ou à la techno-
les organisations humanitaires. logie en matière de construction de missiles. Ce groupe de tra-
Une aide financière et économique aux pays tiers directement vail aura vraisemblablement préparé un premier projet au
touchés par la crise du Golfe est à l'étude. Là aussi, la Suisse cours de l'hiver 1990-1991.
est disposée à fournir sa contribution, qui ne sera pas négli- Le Conseil fédéral prendra prochainement une décision de
geable, vous aurez l'occasion de le mesurer. Nous estimons principe au sujet des exportations d'armes à destination des
que la distribution à titre humanitaire de vivres à l'Irak doit s'ef- pays du Golfe et de la Turquie. Aucune exportation ne sera au-
fectuer exclusivement par l'intermédiaire d'organisations torisée vers ces régions avant que cette décision ne soit prise.
internationales ou de la Croix-Rouge, ce qu'indiqué par ail- Par ailleurs, à la suite des postulats du 21 novembre 1989 dé-
leurs le texte de la résolution du Conseil de sécurité. Pour l'ins- posés par la Commission de gestion du Conseil national,
tant, la distribution de denrées alimentaires n'entre pas en li- après son inspection dans le domaine du matériel de guerre,
gne de compte pour notre pays à titre immédiat, mais par le le champ d'application de la loi sur le matériel de guerre devra
truchement de ces organisations humanitaires. La livraison de être examiné ainsi que toute la pratique qui en découle.
médicaments, telle que prévue en vertu de résolutions de l'Or- Au sujet de la question posée par le groupe écologiste concer-
ganisation des Nations Unies et de l'ordonnance fédérale, est nant une interdiction d'exportation de matériel de guerre à
subordonnée à l'autorisation du Département fédéral de l'éco- destination du tiers monde, il convient de constater que la loi
nomie publique. Celui-ci a donné son accord la semaine der- en vigueur n'offre pas, dans les circonstances actuelles, une
nière, à la suite de demandes expresses de firmes suisses, base légale suffisante. Les critères contenus dans les arti-
pour des cas limités et des produits pharmaceutiques au sens cles 10 et 11 de la loi sur le matériel de guerre sont donc appli-
strict du terme. La politique pratiquée en la matière par la cables à tous les Etats.
Suisse correspond à celle de l'ensemble des pays de l'OCDE. Je terminerai par une brève analyse de l'évolution de la situa-
En vertu de la législation actuelle sur l'exportation de matériels tion. L'intransigeance de M. Saddam Hussein qui, le 28 août,
de guerre, aucune arme n'a été livrée à l'Irak pendant toute la a proclamé le Koweït 19e province d'Irak et rebaptisé l'an-
guerre du Golfe. Quant à l'éventuelle participation d'entrepri- cienne capitale de l'émirat, n'est pas entamée et reste de na-
ses suisses à la production de l'industrie irakienne d'arme- ture à compromettre les chances d'un règlement négocié. Au-
ment, seules sont connues des autorités compétentes les ven- jourd'hui, la crise du Golfe est entrée dans une nouvelle phase
tes de marchandises dont l'exportation est autorisée en vertu qui devrait montrer si la communauté internationale sait avoir
des lois et prescriptions en vigueur. Il est néanmoins difficile la fermeté de faire respecter les sept résolutions du Conseil de
de déterminer dans quelle mesure des produits destinés à une sécurité, car l'Organisation des Nations Unies ne sortirait pas
production civile auraient pu servir à des fins d'armement - renforcée si ses résolutions devaient rester lettre morte. Mais
nous pensons plus spécialement au domaine chimique. Lors- encore faudrait-il, à propos des résolutions de l'ONU, ne pas
que récemment des indications ont laissé penser que l'Irak avoir des exigences sélectives. Pour la communauté des
s'employait à mettre sur pied des installations de production Etats, les résolutions de l'ONU ne sont pas négociables, elles
de gaz de combat chimiques et biologiques ainsi que leurs doivent être appliquées sans condition par l'Irak. Or, le prési-
systèmes porteurs, des fusées, nous avons examiné avec une dent Hussein s'est enfermé dans une attitude de refus que
attention toute particulière les affaires susceptibles de donner seul l'embargo pourra peut-être ébranler.
lieu à un emploi abusif, portées à notre connaissance. Cependant, si le blocus parvient à mettre l'économie de l'Irak
C'est ainsi que le Conseil fédéral, se référant à l'article 102, dans une situation insupportable, une initiative désespérée
chiffre 8, de la Constitution fédérale, a interdit, en novembre reste possible. La crise pourrait s'étendre à d'autres pays de la
1989, l'exportation d'un stand d'essai de fusées, l'exportation région. Les Etats-Unis n'excluent pas un recours à la force si
et l'installation d'appareils biotechniques qui pouvaient être les sanctions tardaient à avoir les effets escomptés. L'Union
utilisés pour la production de gaz de combat biologiques. Plus soviétique et la plupart des autres Etats préconisent quant à
récemment, le Ministère public a fait séquestrer des pièces eux de s'en tenir à l'embargo. Les sanctions, rien que les sanc-
métalliques d'une maison suisse, qui auraient pu être desti- tions, toutes les sanctions! Pour notre part, nous devons être
nées à la fabrication du fameux super-canon en Irak. L'Office prêts à soutenir tout effort international visant à éviter ce que
fédéral des affaires économiques extérieures s'est adressé, ce certains, même parmi mes amis, ont appelé la logique de
printemps, au Vorort pour le rendre attentif à la préoccupation guerre.
des autorités suisses au sujet d'une possible participation Cette nouvelle crise au Moyen-Orient aura démontré, pour la
suisse au développement de l'industrie irakienne d'arme- première fois depuis 1945, la large convergence de vues entre
ment. les deux grandes puissances et leurs gouvernements, Mos-
Ainsi que vous l'avez par ailleurs appris par la presse, une en- cou et Washington. Elle aura donné à l'URSS l'occasion d'être
quête est menée par le Ministère public de la Confédération, politiquement présente dans la région. Pour notre pays, cette
afin de déterminer si deux entreprises suisses pourraient avoir crise nous rappelle que la détente Est-Ouest ne peut et ne doit
commis une infraction à la loi sur l'énergie nucléaire. pas nous faire oublier toutes les autres sources de conflits.
Enfin, le Conseil fédéral a interdit cet été, avant les événe- Notre politique, telle qu'elle sera définie dans le domaine de la
ments, l'exportation d'un laboratoire et d'une installation de sécurité dans un prochain rapport doit aussi prendre en
développement destinés à la production de carburant pour fu- compte les crises extra-européennes, leurs causes et les con-
sées. Depuis que l'Irak a procédé aux premiers engagements séquences de ces crises sur la Suisse.
d'armes chimiques, des mesures ont été prises pour éviter la Dans sa politique envers l'Irak, la Suisse a suivi une ligne de
prolifération de ces armes. Ainsi, la loi fédérale sur le matériel conduite conforme à la très grande majorité des Etats. Il ne
de guerre a été complétée, en 1987, par une ordonnance con- s'agit pas d'exclure l'Irak en tant qu'Etat, en tant que nation de
cernant la désignation des substances chimiques soumises à la Communauté des nations, mais de démontrer que l'agres-
Crise du Golfe. Interventions parlementaires 1514 N 24 septembre 1990
sion ne paie pas, que celui qui foule délibérément aux pieds Seite des Iraks gestellt, hätte dem Image unseres Landes ge-
les normes les plus élémentaires du droit des gens ne peut schadet. Dies alles ist wohl zutreffend. Allein, es ist die Frage
pas le faire impunément. Il s'agit aussi, à travers les sanctions, zu stellen, ob dies die stichhaltigen Argumente waren, ob es
d'éviter le renouvellement de telles agressions, de telles prises nicht herzhafter und glaubwürdiger gewesen wäre, zu sagen:
d'otages, et de faire respecter la prééminence du droit re- «Wir schliessen uns einfach aus Solidarität den weltweiten
connu par les parties dans les relations internationales. Pour Massnahmen an. Wir wollen mithelfen, diese krasse Verlet-
un petit pays comme la Suisse, il s'agit là d'un intérêt fonda- zung des Völkerrechtes zu beseitigen!» Das Wort Solidarität,
mental. Mais il ne faut pas cacher une autre réalité. S'ils veu- von dem wir sonst so häufig Gebrauch machen, hätte ohne
lent éviter de nouvelles agressions, les pays industrialisés du weitere Beifügungen zur Begründung herangezogen werden
monde devront à l'avenir s'interroger sérieusement sur leurs können. Wie es der Bundesrat formulierte, tönt es fast ein biss-
exportations d'armes, sur leurs exportations de technologies chen so, als ob es mit seinem Mut nicht gerade sehr weit her
avancées ou de matériel servant en fin de compte à la multipli- wäre.
cation à travers la planète des arsenaux destinés à servir des Und noch eine weitere Bemerkung in diesem Zusammen-
intérêts qui s'opposeront très vite aux nôtres. hang: Der Bundesrat hat auch erklärt, er habe seinen Be-
Le président irakien essaie de diviser le front international qui schluss für die Sanktionen autonom gefasst. Es ist wohl anzu-
l'a condamné. Il tente de placer son agression, puis l'annexion erkennen, dass der Bundesrat schnell reagiert hat, dass er im
du Koweït sous l'étiquette de l'opposition entre l'Occident et la Hinblick auf den zu erwartenden Beschluss der Uno die nähe-
nation arabe ou bien entre les pays industrialisés et le tiers ren Umstände und Folgen von Sanktionen aus juristischer,
monde. Il ne faut pas nier qu'il existe souvent une incompré- politischer und wirtschaftlicher Sicht seriös abklären Hess und
hension profonde entre l'Occident et le monde arabe et qu'on dass er schliesslich aus freiem Entschluss gehandelt hat, und
doit s'employer à la surmonter. La position de la Suisse, celle zwar rechtzeitig, nur einige Stunden nach dem Beschluss des
des pays occidentaux n'est pas une position anti-arabe, elle Sicherheitsrates. Aber dass er völlig autonom gehandelt hätte,
est la position de pays qui choisissent le droit pour régler les entspricht wohl nur zum Teil den Realitäten. Richtigerweise
problèmes. C'est encore plus vrai que le problème du tiers hat der Bundesrat vorher sowohl die ändern zwei Neutralen
monde est loin d'être résolu, mais nous devons fermement dé- als auch die übrigen Mitglieder der Efta konsultiert, die alle ihre
mentir, dénoncer des amalgames qui ne cherchent qu'à légiti- Bereitschaft zum Mitmachen signalisierten. Alsdann gab es
mer un évident acte d'agression. Il est dans l'intérêt de la die Aufforderung des Sicherheitsrates, die Nichtmitgliedstaa-
Suisse'et de toute la communauté internationale de faire com- ten der Uno sollten sich auch an den Sanktionen beteiligen.
prendre que dans notre monde la force du droit doit l'emporter Damit war klar, dass die Schweiz gar nicht anders konnte. Der
sur le droit de la force. (Applaudissements) Sanktionsentscheid war trotzdem für die Schweiz einmalig,
wie er auch für die Uno wegen dessen Schnelligkeit und Ein-
Abstimmung - Vote mütigkeit, einmalig war.
In der Beurteilung unserer Neutralität nun will der Bundesrat
Für den Antrag auf Diskussion offensichtliche Mehrheit nach dem Sanktionsentscheid keine historische Wende er-
Dagegen Minderheit blicken. Er beruft sich auf das Haager Abkommen betreffend
Rechte und Pflichten eines Neutralen von 1907. Dieses aufer-
Le président: En ce qui concerne la succession des orateurs lege dem Neutralen strikte Enthaltung im Kriegsfalle und Ver-
et des oratrices, je vous propose les modalités suivantes: s'ex- bot von finanzieller, Waffen- und Munitionshilfe, schreibe in
primeront, premièrement, les auteurs des interpellations, qui wirtschaftlicher Hinsicht aber nichts vor. Unter bestimmten Be-
sont d'ailleurs souvent les porte-parole des groupes. Ils auront dingungen könne ein Neutraler auch wirtschaftliche Massnah-
à disposition, quant ils sont porte^parole des groupes, dix mi- men ergreifen.
nutes, si ce n'est pas le cas, cinq minutes. Ensuite, s'exprime- Angesichts der Einmütigkeit des Uno-Beschlusses vom Au-
ront les porte-parole des groupes qui n'ont pas présenté gust 1990 waren nun diese bestimmten Bedingungen gege-
d'interpellation, puis les orateurs à titre individuel. ben. Der Bundesrat erklärte denn auch, sein Beschluss sei
Je vous rappelle encore une fois que nous discutons des cinq keine grundsätzliche Abkehr vom traditionellen Neutralitäts-
premières interpellations qui concernent le Département fédé- kurs. Er gedenke in Zukunft die Sachlage von Fall zu Fall zu er-
ral des affaires étrangères. wägen. Diese Auffassung hat uns heute Herr Bundesrat Felber
wieder bestätigt.
Bundi: Ich glaube, ich darf eines im Namen der gesamten So sehr man für diese bundesrätliche Interpretation Verständ-
Kommission für auswärtige Angelegenheiten tun, nämlich nis aufbringt, fällt es einem schwer, sie in allen Punkten zu tei-
Herrn Bundesrat Felber für die umfassenden Darlegungen zur len.
Interpellation, die wir eingereicht haben, danken. Einmal gilt es festzuhalten, dass die Schweiz während fast ei-
Wir alle waren über die brutale Niederschlagung Kuwaits über- nes Jahrzehnts nach dem Ersten Weltkrieg - als Mitglied des
rascht. Das Schweizer Volk hat eigentlich einmütig die Verur- Völkerbundes - die Maxime der differentiellen Neutralität klar
teilung der Invasion durch den Bundesrat, und ebenfalls das und offen verkündet hatte, d. h. sie hatte sich zum Mitmachen
unbedingte Verlangen nach Rückzug, gebilligt. Der Bundesrat bei wirtschaftlichen Sanktionen verpflichtet. Aufgegeben hat
hat heute die Gründe für sein Handeln nach Ausbruch der sie diesen Grundsatz schliesslich aus Nützlichkeits-, um nicht
Golfkrise dargelegt. Er hat damit die Ausführungen, die er am zu sagen aus egoistischen Erwägungen. Teilweise begreiflich
16. August vor der aussenpolitischen Kommission machte, war die damalige Abkehr, weil der Völkerbund nicht universal
weitgehend bestätigt. Die Kommission hat schon damals dem und zudem auch am Abbröckeln war.
Bundesrat für sein rasches Handeln gedankt. Sie hat gross- Heute ist die Uno eine universelle Völkerorganisation. Sankti-
mehrheitlich seinen Beschluss, die Wirtschaftsmassnahmen onsbeschlüsse, welche von diesem Gremium einmütig gegen
gegen den Irak mitzuvollziehen, begrüsst und unterstützt. Sie Aggressoren gefasst werden, werden wir in Zukunft- nicht nur
hat aber keinen einheitlichen Gesichtspunkt in Bezug auf die von Fall zu Fall - alle mittragen müssen. Also kann unser neu-
Interpretation des mit der Boykottmassnahme verbundenen tralitätspolitischer Kurs meines Erachtens klar definiert wer-
Neutralitätskurses oder in Bezug auf die künftig zu führende den: différentielle Neutralität für alle einstimmig von der Uno
Neutralitätspolitik erlangt. Die heutige Diskussion mag dazu beschlossenen Sanktionen. Ueberdies wird man um die
beitragen, auch eine teilweise Klärung dieser Frage herbeizu- Frage nicht herumkommen, ob diese différentielle Neutralität
führen. nicht auch je nach Fall bei menschenrechtsorientierten Sank-
Ich möchte zunächst kurz auf die Begründung der schweizeri- tionen oder bei Sanktionen der ganzen Europäischen Ge-
schen Sanktionen durch den Bundesrat eingehen. In mehre- meinschaft gelten soll.
ren Verlautbarungen des Bundesrates nach seinem Sankti- Zur Golfkrise möchte ich folgendes beifügen: Erstmals wird
onsbeschluss wurde erklärt, ein Abseitsstehen der Schweiz ein Aggressor durch eine fast einmütige Kundgebung der Völ-
wäre ihr als Schwäche und Feigheit ausgelegt worden. Dieses kergemeinschaft verurteilt und in die Schranken gewiesen,
Verhalten hätte uns in den Augen der Weltöffentlichkeit auf die durch eine weltumspannende Aktion soll er zum Rückzug ge-
24. September 1990 N 1515 Golfkrise. Parlamentarische Vorstösse
zwungen werden; das ist lobenswert und verdient uneinge- Der Bundesrat hat soeben diese Fragen, die wir gestellt ha-
schränkte Unterstützung. Zwei Probleme in diesem Zusam- ben, in sehr befriedigender Weise beantwortet. Die liberale
menhang gilt es jedoch zu beachten und nicht einfach zu ver- Fraktion dankt ihm dafür.
drängen: Es mag Gründe internationalen Rechts, insbesondere der
Das eine ist der Gegensatz zwischen reich und arm. Der ge- Neutralitätsrechte, geben, welche es dem Bundesrat hätten
waltige Reichtum, welcher in Kuwait angehäuft und zur Schau nahelegen können, andere Wege mit ähnlicher Zielsetzung zu
gestellt wurde, musste gegenüber den armen Nachbarn als suchen, aber trotzdem hat der Bundesrat auf solche Auswege
eine Provokation erscheinen. In einer an Rohstoffen überquel- verzichtet und sich klar und loyal gegenüber den Aktiven in der
lenden Region äusserte sich ein Verteilungsproblem, dem Weltgeschichte, die jetzt gestaltet wird, geäussert.
man in den weit entfernten Industriestaaten wohl kaum die not- Man könnte für diese Stellungnahme zahlreiche gute Gründe
wendige Aufmerksamkeit geschenkt hatte. Es ist auch ein Pro- angeben. Ich werde hier nur versuchen, einige aus der ge-
blem, das sich eines Tages auf eine viel grössere Region aus- schichtlichen Entwicklung erwachsene Gründe anzuführen.
weiten könnte, nämlich auf die Nord-Süd-Dimension. Um hier Das sich dem Ende zuneigende 20. Jahrhundert, unser Jahr-
einen offenen Konflikt grösseren Ausmasses zu verhindern, hundert, hat zwei in Europa herbeigeführte Weltkriege erlebt,
braucht es wohl viel grössere Anstrengungen der Industrie- in welchen es die Aufgabe der Schweiz gewesen ist, die Alpen-
staaten als bisher. Im Kampfe gegen Armut und Verschuldung stellung zu halten und sich die demokratische Freiheit zu wah-
der Entwicklungsländer braucht es massive Ausgleichsfonds ren. Eine klare, allen verständliche und fast allen erwünschte
im ökonomischen, sozialen und ökologischen Bereich. Pflicht.
Der zweite Punkt betrifft die Waffenausfuhr: Saddam Husseins Vor dem Ersten Weltkrieg beherbergte Europa fünf Imperien:
Aufrüstung erfolgte zu einem grossen Teil mit westlicher Hilfe. auf der feudalen Seite die Kaiserreiche Deutschland, Oester-
Westeuropäische und amerikanische Hochtechnologieunter- reich-Ungarn und Russland, auf der freiheitlichen Seite Frank-
nehmen wetteiferten im Beliefern des Irak mit Rüstungsgütern. reich und Grossbritannien. Aus dieser Situation ist damals
An der Lieferung von Industriewaren, die indirekt der Kriegs- eine so spannungsgeladene politische Atmosphäre entstan-
führung dienen, beteiligte sich auch die Schweiz. Wir haben den, dass es, wie es uns viele Historiker darstellen, fast unge-
heute Beispiele von Herrn Bundesrat Felber gehört. Diese Tat- wollt zum kriegerischen Konflikt kommen musste.
sachen werfen die Frage nach einschränkenderen Massnah- Das Kriegsglück hätte sich trotz schlechter politischer Füh-
men für die Ausfuhr von indirekt zu Kriegszwecken dienenden rung dem deutschen feudalen Reich zuwenden können, wenn
Gütern auf. Sie lassen aber auch die Lieferung von Kriegsma- nicht in höchster Not die USA bereit gewesen wären, durch ei-
terial an nichtdemokratische, labile, unberechenbare Staaten genes militärisches Eingreifen die Situation für die Demokra-
und Regierungen als sehr bedenklich erscheinen. Es ist sehr tien und die Freiheit zu retten. Man muss sich einmal vor Au-
zu begrüssen, dass der Bundesrat eine Arbeitsgruppe einge- gen führen, dass schon damals - und trotz der Monroe-Dok-
setzt hat, die diesen gesamten Fragenkomplex abklären soll. trin - den amerikanischen Bürgern zugemutet worden ist, ihre
Zum Schluss: Es ist schon mehrfach gesagt worden, Neutrali- Söhne in einen Krieg, der eigentlich gegen ihren Willen unter
tätspolitik sei Interessenpolitik. Soweit unter Interessenpolitik Dritten entbrannt war, in Todesgefahr zu schicken - für eine
nicht nur unsere internen Interessen gemeint sind, einverstan- Sache, die eigentlich gar nicht die ihre gewesen ist.
den. Gerade heute aber und vor allem im Rahmen der Golf- Auf Anregung der USA ist der endliche Sieg anno 1918 mit der
krise muss sich unsere Devise von Neutralität und Solidarität Konstituierung eines von den USA insinuierten und den Frie-
bewähren. Damit meine ich, dass unser Engagement im Rah- den garantierenden Völkerbundes besiegelt worden, dessen
men der Flüchtlingshilfe, bei humanitärer Aktionen, aber auch segensreiche Wirkung am harten Frieden von Versailles schei-
in der Wirtschaftshilfe an die von der Golfkrise betroffenen An- tern musste, einen Frieden, der - letzten Endes ohne die ent-
rainerstaaten bedeutend auszubauen und zu verstärken ist. täuschten USA abgeschlossen - die Keime eines zweiten eu-
Herr Bundesrat Felber hat eine Reihe von Massnahmen erläu- ropäischen Krieges schon in sich barg.
tert, die der Bundesrat in Gang gesetzt hat, um in dieser Rich- Wie es zu diesem Zweiten Weltkrieg kam, haben viele von uns
tung zu helfen. Ich möchte aber Herrn Bundesrat Felber zum miterlebt: die Schwäche des Balkanraumes, das Wiederer-
Schluss doch fragen, ob er der Auffassung ist, dass diese be- wachen des deutschen Militarismus, die faschistischen Er-
schlossene Hilfe genügt oder ob nicht umfassendere Pakete, folge in Abessinien, das Akzeptieren der Rheinlandbesetzung
die annähernd an die Grössenverhältnisse unserer Nachbar- und des Einmarsches in Oesterreich durch die sogenannten
staaten herankämen, beschlossen werden müssten. Siegermächte, die Kapitulation Grossbritanniens und Frank-
reichs in München, die Besetzung der Tschechoslowakei im
März 1939, und endlich der Ueberfall auf Polen.
Burckhardt: Die Besetzung Kuwaits durch die irakische Ar- Ich erinnere mich genau des bösen Eindruckes, den uns da-
mee ist das bisher gefährlichste Ereignis in einer Reihe gros- mals, am 26. August 1939, das Bild Molotows und Ribben-
ser Ereignisse der letzten Jahre, von denen wir wohl sagen trops in den Tageszeitungen gemacht hat. Die beiden Aussen-
dürfen, sie stellten zusammen einen weltgeschichtlichen minister unterzeichneten den Freundschaftsvertrag, der dem
Schub dar, der unsere Gesellschaft unwiderbringlich in neue Deutschen Reich und Russland die Teilung Polens und damit
Bahnen mit neuen Möglichkeiten und neuen Gefahren lenkt. die Eröffnung des Zweiten Weltkrieges ermöglichen sollte. Im
Wir kennen die Elemente dieses Schubes von der Perestroika Hintergrund des Bildes von damals war ein lachender Stalin
bis zur Beendigung des Kalten Krieges. In diese Reihe wird zu sehen. Den wenigsten aber ist die Europareise des ameri-
nun die Golfkrise eingeordnet. Mit einem grossen Unterschied kanischen Sonderbotschafters Sumner Welles in Erinnerung
allerdings: Während die neuesten Ereignisse in Europa einem geblieben, der im Winter 1939/40 die europäischen Gross-
Wegweiser in Richtung Frieden folgen, weist die Stossrich- mächte im Auftrag des Präsidenten Roosevelt besucht und ge-
tung am Persischen Golf in bestürzendem Masse auf Krieg: mahnt hat, zum Frieden zurückzukehren: November/Dezem-
auf Oelkrieg, auf Religionskrieg, auf Rassenkrieg, auf Sozial- ber/Januar 1939/40, ohne Erfolg.
krieg. Letzten Endes ist der siegreiche Ausgang des Zweiten Welt-
Die Welt hat auf die irakische Provokation in erstmaliger Einig- krieges wiederum und weitgehend dem aktiven Eingreifen der
keit rasch reagiert und zwei Grossmassnahmen eingeleitet, USA zu verdanken, welche diesen weder verschuldet noch ge-
Wirtschaftssanktionen gegen Irak unter Führung des Uno- wollt hatten. Auch in Jalta hat es nicht an den amerikanischen
Sicherheitsrates und Aufmarsch von Luft-, See- und Land- Zielsetzungen, sondern eher an der tödlichen Krankheits-
streitkräften im Golfgebiet unter Führung der USA. Die schwäche ihres Präsidenten gelegen, dass es zur Teilungssi-
Schweiz- da wollen wir dankbar sein - hat sich kurz entschlos- tuation eines Eisernen Vorhanges in einer so harten Weise hat
sen in die Aktion der Sanktionen eingeordnet. Damit haben kommen können.
sich für die Schweizer eine Reihe von Fragen bezüglich der Mit dem Marshall-Plan haben die Amerikaner ihrem Teil, d. h.
Neutralität und Unabhängigkeit sowie der Möglichkeiten, wei- dem westlichen Teil Europas, zum überraschenden Wirt-
terhin bei Konflikten ihre guten Vermittlerdienste anzubieten, schaftswunder verholten. Sie haben auch unter Truman 1947
ergeben. mit einer Luftbrücke den demokratischen Teil Berlins für den
Crise du Golfe. Interventions parlementaires 1516 N 24 septembre 1990
Westen erhalten. Sie haben sich überall im Namen ihres De- werden! Dieser Stopp ist sofort zu erlassen. Ich bitte Sie ganz
mokratieverständnisses für die Freiheit und für die Demokratie dringend um einen entsprechenden Beschluss.
eingesetzt; selbst in Vietnam, in ihrer Art, wo ihnen als unge- In einem Punkt muss ich Ihnen, Herr Bundesrat, widerspre-
wollte Erben der Franzosen der Kampf gegen den Kommunis- chen. Sie haben gesagt, es sei schon möglich, dass ziviles
mus ins Haus gestanden hat. Material, das während des irakisch-iranischen Krieges dorthin
Sie haben es sich zur Pflicht gemacht, gegen Diktaturen und geschickt worden sei - legal nach dem Buchstaben des Ge-
gegen die Machtgelüste der UdSSR anzutreten, das schlechte setzes -, auch für den Krieg gebraucht worden sei. Ich wäre
Beispiel der nachgebenden Haltung Münchens vor Augen. So froh, wenn der Bundesrat nicht nur nach dem Buchstaben,
ist es nicht nur das Verdienst Gorbatschows, dass im Bereiche sondern auch nach dem Geist des Gesetzes entscheiden
des russischen Imperiums Tauwetter herrscht, sondern auch würde. In Einzelfällen wissen wir, Sie und ich und wir alle, ganz
jenes der USA, welche im kalten Krieg nicht nachgegeben ha- genau, dass Material für den Kriegseinsatz gebraucht worden
ben. ist. Ich habe vor Jahren eine Anfrage zu Notstromgruppen ge-
Und nun müssen die Amerikaner am Golf wieder mit militäri- stellt, die an das Luftfahrtministerium von Irak geschickt wur-
scher Macht antreten, die Möglichkeit eines Krieges im Auge den. Es kann doch niemand behaupten, dieses kriegswichtige
müssen sie die Verantwortung für den Weltfrieden im grossen, Material sei für irgendwelche friedlichen, zivilen Zwecke ver-
für das Schicksal zahlreicher Geiseln im kleinen weitgehend wendet worden. Das wussten wir alle; wir sollten vor uns selber
auf ihre Schultern laden. ehrlicher sein.
Man glaube nicht, die USA seien kriegslüstern. Das Prinzip der Ich wäre dankbar, wenn der Bundesrat nach diesen Erfahrun-
Monroe-Doktrin, sich ausserhalb Amerikas nicht zu engagie- gen über die Bücher gehen würde. Es gibt noch andere
ren, beweist das Gegenteil. Sie greifen trotzdem ein, weil sie Punkte, die es dringend nötig machen und die ich wegen der
wissen, dass man von ihnen weltweit Hilfe erwartet, wenn es Zeitbegrenzung nicht detailliert darstellen kann. Der Bundes-
gefährlich wird, und dass letzten Endes heute das Schicksal rat hat über die Grundsatzfrage - Kriegsmaterial in die arabi-
ihrer eigenen Nation vom Weltgeschehen abhängig ist, das schen Staaten, in den nahöstlichen Raum - zu lange nicht sel-
sie deshalb mitlenken helfen müssen. Sie haben sich bei der ber entschieden, sondern es der Verwaltung überlassen, ob-
Erfüllung ihrer politischen Supermachtpflichten finanziell und wohl er eigentlich vom Gesetz her verpflichtet wäre, dort, wo es
wirtschaftlich geschwächt, während die Hauptverursacher ganz schwierig und heiss ist, selber zu entscheiden.
des Zweiten Weltkrieges so etwas wie wirtschaftliche Super- Etwas Ueberraschendes ist geschehen. Ich habe vor mir die
mächte geworden sind - das sind Japan und Deutschland -, erwähnte Verordnung des EVD überWirtschaftsmassnahmen
immer noch vom Schütze der USA abhängig. gegenüber der Republik Irak und dem Staat Kuwait. In Arti-
Es ist wirklich wichtig, dass wir gegenüber den USA als unse- kel 1 Absatz 1 steht, dass diesen Sanktionen auch «die Ver-
rer Schutzmacht loyal bleiben - im Rahmen der uns gegebe- mittlung von Waffen» unterstellt ist. Erinnern Sie sich: Wie viele
nen Möglichkeiten der Neutralität-, und loyal gegenüber der Male haben wir im Falle des Kriegsmaterialexportes gesagt,
Uno, welche mit Sanktionen den Frieden aufrechterhalten will, auch die Vermittlung von Waffen sollte dem Verbot unterstellt
den sie sich auf ihre Fahnen geheftet hat. werden! Wie viele Male haben uns die Vorsteher des EMD ge-
sagt: 1951, Bundesgerichtsentscheid! Wie an die Bibel haben
Braunschweig: Ich schliesse mich dem Dank an Herrn Bun- sie sich damals an diesen Bundesgerichtsentscheid von vor
desrat Felber für die Ausführungen und vor allem die Arbeit an, vierzig Jahren geheftet. Und heute ist es möglich, auf Departe-
die er in den letzten Wochen leisten und für die Entscheidun- mentsstufe mit einem Federstrich auch die Vermittlung von
gen, die er treffen musste. Dieser Dank umschliesst selbstver- Waffen einzubeziehen. Ich hoffe, dass die Vermittlung ebenso
ständlich auch alle seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die speditiv in das Kriegsmaterialrecht einbezogen wird.
daran beteiligt waren und in kurzer Zeit weitreichende Ent- In einem weiteren Punkt bin ich von der bisherigen Diskussion
scheidungentreffen mussten. nicht befriedigt. Ich kann das Personalisieren und die Ausrich-
Schliesslich sage ich ausdrücklich: Unsere Solidarität gehört tung dieses Konflikts auf Saddam Hussein nicht mitvollziehen.
den Geiseln, denn ihr Schicksal ist ein entsetzliches Schick- Ich habe es noch in den Ohren: Vor Jahren hat man in dersel-
sal; ich denke dabei besonders an die getrennten Familien, ben Weise von Nasser gesprochen; später von Ghadhafi, den
auch an die Flüchtlinge, die Verfolgten und Unterdrückten. die USA sogar zu Tode bombardieren wollten. Heute will man
Ich bin dankbar, dass uns Herr Felber zugesichert hat, es sei so etwas wieder planen, es gibt einzelne Militärs, die solche
schon manches geleistet worden und es werde noch etliches Ideen aussprechen. Dann war Arafat der Feind, dann bis vor
zu leisten sein. Ich ermutige ihn, gerade in dieser Beziehung kurzem Khomeiny - bis zu seinem Ende aus Altersgründen.
so grosszügig wie möglich zu sein. Wenn wir heute und dort Ich glaube nicht ganz an dieses personenbezogene Sünden-
helfen, ist das Risiko etwas kleiner, dass dereinst die Flücht- bockdenken. Wenn Saddam Hussein getötet würde, dann kä-
linge an unsern Grenzen stehen und neue und grössere men Nachfolger, die wahrscheinlich dieselbe Auffassung ver-
Schwierigkeiten bereiten. Denn wir wissen, dass ein Teil unse- treten würden. Nach dem Tode von Khomeiny ist in der irani-
res Volkes nicht sehr tolerant ist. Auch deswegen sollten wir an schen Politik auch nicht ein ganz anderer Weg eingeschlagen
Ort und Stelle soviel wie möglich tun. worden. Wir spüren doch diesen fundamentalistischen Auf-
Wir stehen voll und ganz hinter Bundesrat Felber in der Verur- bruch in allen arabischen Staaten! Ich wäre dankbar, Herr
teilung des Regimes von Saddam Hussein. In einem Punkt al- Bundesrat, wenn Sie zu diesem Aspekt Ergänzendes sagen
lerdings gehen wir noch einen Schritt weiter: Was Saddam könnten.
Hussein Kuwait angetan hat, ist das eine; was er darüber hin- Dieser Auf bruch, der nicht nur in Irak stattfindet, sondern auch
aus auch seinem eigenen Land -Teilen des Volkes, den Min- in Nordafrika, im Iran und in den Nachbarstaaten, bereitet uns
derheiten, der Opposition und vor allem den Kurden-angetan grosse Mühe. Ich habe schon mehrmals, auch an diesem Ort,
hat, ist ein zusätzliches Verbrechen, und das verurteilen wir zu- gesagt, wir mussten uns mehr um die Geschichte der arabi-
sätzlich und in ganz besonderer Weise. Deshalb stehen wir schen Staaten, um ihre Kultur, vor allem aber um ihr Denken
hinter den getroffenen Wirtschaftssanktionen. und Fühlen und um den Islam kümmern, um diesen Aufbruch
Ich greife eine Frage heraus, weil wir ihr in unserer Interpella- besser verstehen und beurteilen zu können. Dann kämen wir
tion besonderes Gewicht geschenkt haben, nämlich die Frage zu weniger falschen Schlüssen und würden die Golfkrise um-
des Kriegsmaterialexportes. fassender und weniger isoliert beurteilen.
An dieser Stelle - muss ich sagen, Herr Bundesrat Felber - Es gibt in dieser Region nicht nur die Annexion Kuwaits, son-
wäre ich dankbar, wenn Sie noch etwas deutlicher sagen dern auch den Bürgerkrieg in Libanon. Seit Jahrzehnten wird
könnten, weswegen bis heute noch kein Ausfuhrverbot für alle dieses Land zugrunde gerichtet. Die Staaten, die militärisch
Golfstaaten beschlossen worden ist. Warum hat der Bundes- aktiv geworden sind, haben für den Staat Libanon bisher kaum
rat bei den Wirtschaftssanktionen so speditiv gehandelt und den kleinen Finger gerührt. Dort sind eben keine Oelinteres-
hier so schleppend? Nach Pressemeldungen soll er erst am sen im Spiel. Dieses ungleiche Verhalten muss uns peinlich
14. November 1990 darüber entscheiden. Es dürfen doch berühren wenn nicht gar beschämen. Es gibt zusätzlich den
heute einfach keine Waffen mehr in diese Gebiete geschickt Konflikt in den besetzten Gebieten Israels sowie den Kurden-
24. September 1990 N 1517 Golfkrise. Parlamentarische Vorstösse
Konflikt in mindestens drei Staaten. Von den'Kurden sprechen dass es in der Sowjetunion rund 50 Millionen Moslems gibt.
viele Leute erst heute, obschon die Kurden schon seit Jahren Wenn diese Völkerschaften, die sich alle im Süden der Sowjet-
verfolgt und nicht nur in Irak unterdrückt werden. union aufhalten, von den aggressiven fundamentalistischen
Dann gibt es - auf einer zweiten Ebene - schon seit über vier- Bewegungen ergriffen würden, so wäre die heutige Sowjet-
zig Jahren den Konflikt zwischen Israel und den arabischen union politisch erledigt. Die Sowjetunion hat deshalb ein ganz
Staaten. Wir im Westen und die Vereinigten Staaten, die vorhin eminentes Interesse daran, dass die Entwicklung, die sich
hochgelobt worden sind, haben in den letzten Jahren nichts jetzt im Irak abzeichnet, gestoppt wird. Ob diese Einigkeit, die
mehr zur Lösung dieses Konflikts beigetragen. auch noch andere Gründe hat, in Zukunft andauert, das ist
Es gibt auf einer dritten Ebene den Konflikt zwischen der indu- wieder eine andere Frage.
strialisierten und der Dritten Welt. Herr Bundesrat, Sie haben Auf diesem Hintergrund ist der Sanktionsbeschluss des Bun-
das erwähnt, aber mir scheint diese Problematik doch von desrates zu interpretieren als eine schüchterne, vorsichtige
grösserer Bedeutung zu sein, als Sie es dargestellt haben. Rückkehr zu früheren Vorstellungen von schweizerischer Neu-
Ich frage mich, ob später die Geschichtsschreibung nicht sa- tralitätspolitik. Da komme ich auf ein Anliegen, das ich Ihnen
gen wird, in der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts habe es schon bei anderer Gelegenheit unterbreiten durfte und das ich
den Konflikt Vereinigte Staaten/Vietnam, Sowjetunion/Afgha- für wirklich wesentlich halte: Die Schweiz und die Schweizer
nistan und die Industriestaaten gemeinsam gegen die arabi- Politiker leben heute immer noch in der falschen Vorstellung,
schen Staaten gegeben. dass die Neutralitätspolitik, die wir ungefähr seit Ende der
Kommt noch das Seltsame hinzu, dass die arabischen Staa- dreissiger Jahre betreiben, die richtige und einzig mögliche
ten ausserordentlich geteilt sind und differenziert zu Irak/ Neutralitätspolitik sei. Das ist grundfalsch, denn unser junger
Kuwait Stellung nehmen. Vor Wochenfrist haben sich 10 oder Bundesstaat von 1848 hat eine ganz andere Aussenpolitik,
12 Staaten in Amman versammelt, die eher dem Irak naheste- eine aktive, unternehmungslustige Neutralitätspolitik betrie-
hen. Wir müssen darüber nachdenken, warum das so ist. Jetzt ben.
sind Iran und Syrien zusammengekommen. Sie haben die Er- Ich erinnere daran, mit welcher Tapferkeit, mit welchem Mut
oberung von Kuwait verurteilt, aber auch die Intervention der und weicher Entschlossenheit man sehr bald nach der Grün-
Vereinigten Staaten gegen Irak abgelehnt. Saudi-Arabien, das dung des Bundesstaates, nämlich im Jahr 1856/57, die soge-
vielleicht von den Vereinigten Staaten «gerettet» worden ist, nannte Neuenburger Krise bewältigt hat. Die Preussen wollten
hat gesagt: Keine militärischen Handlungen von unserem Ter- damals ihre Rechte im Fürstentum Neuenburg Wiederaufle-
ritorium aus! ben lassen. Was war die Reaktion des schweizerischen Bun-
Meine letzte Frage: Kann die Schweiz wirklich gar nichts ande- desrates? Man mobilisierte die Armee, man wählte Dufour
res tun, als nur die Uno unterstützen? Wir haben in all diesen noch einmal zum General. Dufour entwarf sofort einen An-
arabischen Staaten unsere qualifizierten Botschafter. Könnten griffsplan, er wollte von Schaffhausen aus nordwärts gegen
wir von ihnen nicht mehr von diesen Differenzen erfahren? die Preussen marschieren, ohne jedes Zögern das schweizeri-
Könnten wir uns nicht an den Prozessen, die sich abspielen, sche Territorium aktiv verteidigen und sich ohne Rücksicht auf
beteiligen? Sollten wir nicht höhere Ansprüche an unsere Di- irgendwelche theoretische Erwägungen ganz klar für die na-
plomaten und an uns selber stellen? Das würde weiter führen, tionale Aufgabe engagieren.
wäre fruchtbarer, als wenn wir bei der Verurteilung stehenblei- Sie erinnern sich daran, wie die Schweiz sich noch nach dem
ben. Was die Verurteilung anbelangt, sind wir uns ja ohnehin Ersten Weltkrieg verhalten hat, also 1918. 1918 hat die
einig. Schweiz den Grossmächten einen eigenen Entwurf für eine
Weltfriedensorganisation unterbreitet. Das war ein interessan-
Widmer: Ich möchte versuchen, die Thematik der Sanktionen ter, wirkungsvoller Vorschlag; er hat wesentlich dazu beigetra-
gegen Irak in den grösseren Rahmen der Entwicklung schwei- gen, dass Genf Sitz des Völkerbundes und mehrerer anderer
zerischer Neutralitätspolitik zu stellen. Selbstverständlich be- internationaler Organisationen wurde.
grüssen wir, wie alle ändern, den Beschluss des Bundesrates, An diesem Beispiel sehen Sie sehr gut, dass wir heute noch
sich den Uno-Sanktionen anzuschliessen. Man muss sich von dieser früheren, aktiven Aussenpolitik profitieren. 1945
aber im klaren sein, dass es sich dabei um einen ganz norma- aber - das ist das Gegenbeispiel - waren wir so eingeschüch-
len, mehr oder weniger opportunistischen Beschluss gehan- tert, so daran gewöhnt, uns auch geistig ins Réduit zurückzu-
delt hat. Man muss sich noch mehr im klaren sein darüber, ziehen, dass wir weitgehend passiv blieben und dass die Ent-
dass der Bundesrat gar keine Möglichkeit hatte, irgend etwas wicklung an uns vorbeigezogen ist.
anderes zu beschliessen. Es wurde demzufolge auch keine Es ist ausgeschlossen, dass die Schweiz auf die Dauer immer
heilige Kuh geschlachtet; davon kann gar keine Rede sein, noch von den Leistungen früherer Generationen zehren kann.
schon deshalb nicht, weil - um beim gleichen Bild zu bleiben - Insofern bin ich auch mit Herrn Bundi einverstanden, der ge-
gar keine heilige Kuh vorhanden war, weder im Stall noch auf wisse Vorbehalte gegenüber den vorsichtigen Formulierun-
der Wiese. gen des Bundesrates angebracht hat, als wären die Sanktio-
Warum nicht? Weil es für eine begriffsgetreue Neutralitätspoli- nen mit der Neutralitätspolitik nicht vereinbar. Wir sind ent-
tik mindestens zwei verschiedene Parteien haben muss, wenn schieden der Auffassung, Sanktionen gehören zu einer akti-
möglich noch mehr. In diesem Fall aber herrschte, wie Ihnen ven Neutralitätspolitik. Allerdings bedeutet das, Neutralitäts-
allen geläufig ist, bei allen für uns relevanten Gesprächspart- politik soll nicht von Krämergeist, sondern von Idealismus, von
nern, also bei den westlichen Demokratien, von Anfang an Solidarität, von Humanität getragen werden. Da muss natür-
eine vollständige Einigkeit, es gab für uns gar keine Wahlmög- lich der Name Dunantfallen, derfür unsere Aussenpolitik auch
lichkeit. heute noch massgebend ist.
Man könnte nun etwas darüber nachdenken, wieso auf einmal Damit komme ich zu einem ganz wesentlichen Gedanken: Es
eine solche doch recht überraschende Einigkeit entstehen ist höchste Zeit, dass das Parlament die Aussenpolitik als ein
konnte. Ich will nur einen einzigen Aspekt auswählen, mögli- wesentliches Thema erkennt. Ich fürchte, Sie sind sich nicht
cherweise ist es der wichtigste: Offensichtlich hat sich die Hal- bewusst, was sich im Laufe der letzten zwei Monate abgespielt
tung der Sowjetunion gegenüber den westlichen Demokratien hat, nämlich folgendes: Bei der höchstwahrscheinlich wichtig-
- das ist Ihnen allen geläufig, Stichwort Perestroika - grundle- sten Frage, vor der die Schweiz heute steht - bei der Bezie-
gend gewandelt. Die Sowjetunion war gezwungen, auch in hung der Schweiz zur EG -, ist die Initiative nicht vom Parla-
diesem Fall, sich sogleich den Wünschen der westlichen De- ment, nicht von den Parteien, sondern von zwei Printmedien
mokratien anzuschliessen. Dafür gab es verschiedene übernommen worden, die eine Volksinitiative gestartet haben.
Gründe: Wir sind in den verschiedensten Zirkeln jetzt eifrig beschäftigt,
Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten der Sowjetunion. Das nachzuvollziehen, was andere ausserhalb des Parlamentes in
Land braucht Dollars und harte Mark, um sich wirtschaftlich zu Gang gesetzt haben. Anders ausgedrückt: Das Parlament
erholen. Aber, was sicher wichtiger ist und gerne vergessen muss nun endlich einmal zur Einsicht kommen, dass es eine
geht: die Sowjetunion wird unmittelbar bedroht von den fun- Illusion ist, die Schweiz als ein Land zu sehen, das sich ohne
damentalistischen Entwicklungen im Islam. Bedenken Sie, Aussenpolitik, möglichst ohne Aussenpolitik, so durch die
Crise du Golfe. Interventions parlementaires 1518 N 24 septembre 1990
Schwierigkeiten schlängeln kann. Das führt selbstverständlich les Occidentaux doivent s'interroger sérieusement sur le rôle
- das wird Sie nicht überraschen -zum Stichwort Uno. des livraisons d'armes dans les pays du tiers monde. Nous
Herr Bundesrat Felber hat sehr richtig aus der Botschaft vom avons pu lire dans les journaux de dimanche que le Conseil fé-
Jahre 1981 zitiert, die dannzumal den Uno-Beitritt einleiten déral avait renoncé à interdire la livraison de matériel de re-
wollte. Damals wurde ausdrücklich und richtig gesagt: Auch change pour des canons de 35 mm. destinés à des porte-
wenn man nicht Mitglied der Uno ist, wird man früher oder spä- avions séoudiens. N'aurait-il pas mieux valu, tout de suite, que
ter gezwungen sein, sich an wirtschaftlichen Sanktionen zu le gouvernement interdise d'exporter la moindre arme dans
beteiligen, ob es einem passt oder nicht. Das war damals der les Etats du Golfe comme dans ceux du tiers monde? En effet,
Hauptauseinandersetzungspunkt in der Volksabstimmung. nous savons que la plupart de ces Etats n'ont pas une stabilité
Die Gegner des Uno-Beitrittes haben immer gesagt: Das ist politique nous permettant d'être assurés que les armes que
das Gefährliche, das müssen wir vermeiden. Wenn wir Uno- nous leur vendons ne seront pas utilisées à de tristes fins.
Mitglied werden, dann müssen wir mitmachen bei solchen Les Etats-Unis et l'Occident, malgré ou à cause d'eux, sont en
Wirtschaftssanktionen, und das darf auf keinen Fall gesche- train de choisir d'autres alliés contre Saddam Hussein. On a
hen. Sie haben beim Publikum Echo gefunden, wie Sie alle traité celui-ci de boucher: je veux bien, il a du sang sur les
wissen. Der Beitritt wurde abgelehnt. mains, mais je voudrais que l'on me dise pourquoi tout à coup,
Nun, was haben wir heute für eine Tatsache? Der Bundesrat son voisin Hafezel-Assad ne mériterait pas, lui aussi, ce qualifi-
hat Wirtschaftssanktionen beschlossen. Damit nicht genug, catif. Le jeu des alliances des bouchers les uns contre les uns
die Oeffentlichkeit hat absolut positiv darauf reagiert. Mit ande- ne mène nulle part, à long terme. La seule chose que nous
ren Worten, etwas abgekürzt: Man hat gute Gründe anzuneh- puissions entreprendre, puisque nous ne sommes pas dépen-
men, es sei nun der Zeitpunkt gekommen, das Thema Uno- dants des Etats-Unis pour les messages politiques que nous
Beitritt wiederaufzunehmen; nicht nur allein deshalb, weil adressons au reste du monde, c'est de mettre en oeuvre une
Liechtenstein nun Mitglied der Uno geworden ist. Das muss politique exemplaire de non-exportation d'armes et de réduc-
uns nicht unbedingt zwingende Begründung sein. Aber es tion de notre dépendance à l'égard du pétrole.
sind sachliche Gründe, die uns heute zwingen, das Thema Cela est une politique à long terme mais, selon vos propos,
wiederaufzunehmen. Deshalb haben wir - damit möchte ich Monsieur le Conseiller fédéral, nous devrions avoir la mémoire
schliessen-ein Postulat eingereicht, das vom Bundesrat Aus- moins courte. J'espère donc que le gouvernement suisse
kunft darüber wünscht, wann er der Uno beizutreten gedenkt. prendra désormais cette menace au sérieux, et j'attends avec
intérêt votre réponse sur ces points précis.
M. Rebeaud: Je pourrais vous annoncer, presque comme un
perroquet, à la suite des propos de M. Widmer, que cette dis- Auer: Vorerst möchte ich, auch im Namen der freisinnigen
cussion a aussi eu lieu au sein de notre groupe et que nous Fraktion, Herrn Bundesrat Felber für seine Antwort und ihm
déposons aujourd'hui, non pas un postulat mais une motion und seinen Mitarbeitern für den Einsatz in den letzten Wochen
demandant que soit rapidement reprise la question de la parti- herzlich danken.
cipation pleine et entière de notre pays aux travaux de l'Orga- Es lohnt sich, wieder einmal - Herr Widmer gab schon den An-
nisation des Nations Unies. stoss dazu - über die Neutralität nachzudenken. Wir können
Dans l'ensemble et dans les grandes lignes, notre groupe dabei - wenn wir die Diskussion verfolgen - drei Lager ausma-
peut se déclarer satisfait des réponses du Conseil fédéral aux chen:
questions contenues dans son interpellation. Je demande ce- Ein erstes, eher konservatives, sieht in der Neutralität ein un-
pendant au représentant du gouvernement de nous en dire umstössliches Dogma, einen unverrückbaren Teil helveti-
davantage su certaines de ses déclarations. En effet, si nous schen Selbstverständnisses, fast so alt wie die Eidgenossen-
sommes satisfaits de sa réponse, nous ne pouvons pas, pour schaft selbst und offenbar für die Ewigkeit bestimmt. Das «Stil-
l'instant, nous déclarer rassurés. Pour cela, nous n'aurions lesitzen» nach der Lektion von Marignano habe sich bewährt.
pas besoin d'un discours du Conseil fédéral mais de préci- Aufs Maul hocken sollten wir weiterhin. Das überwältigende
sions sur sa politique. Nein des Volkes zum Uno-Beitritt ist zu einem erheblichen Teil
La première concerne le pétrole. Il me paraît évident - si évi- auf diese Haltung zurückzuführen.
dent que le Conseil fédéral n'a pas jugé utile de le répéter - Das zweite Lager vertritt die Gegenthese. Es kann deshalb
que l'unanimité des Etats industrialisés et presque de tous nicht a priori als fortschrittlich bezeichnet werden, wohl aber
ceux de la planète, quant à l'intervention de l'ONU sur le conflit teils als überheblich. Die Neutralität sei längst überholt, eine
du Golfe, est due au fait que les grandes puissances ont un «heilige Kuh», das «Instrument von berechnenden Krämersee-
intérêt économique et stratégique à ce que la région ne soit len», das «Kalkül von blossem Opportunismus und Eigen-
pas déstabilisée, et surtout à ce que les prix du pétrole n'aug- nutz», alles andere als moralisch; man drücke sich damit bloss
mentent pas trop rapidement. Les dernières expériences de nichtswürdig vor internationalen Solidaritätspflichten.
crise pétrolière, qui ont été relativement légères par rapport à Hierzu zweierlei:
celle qui résulterait d'un embrasement militaire dans le Golfe, 1. Right or wrong - der Neutralitätsgedanke ist in unserem
nous ont rendus prudents à cet égard. Volk tief verankert. Als befürwortender Referent für den Uno-
Monsieur Felber, vous avez déclaré ajuste raison: «l'Occident Beitritt habe ich das weidlich erfahren müssen. Ob wir diese
a la mémoire un peu courte. Il devrait peut-être réduire sa dé- Einstellung richtig oder falsch finden: Dass viele Mitbürgerin-
pendance à l'égard du pétrole». Quand vous parlez de l'Occi- nen und Mitbürger die Neutralität als eine tragende Säule un-
dent, de qui s'agit-il? J'ai le sentiment que, dans le cas particu- serer helvetischen Identität betrachten, ist zu respektieren.
lier, le rôle principal de l'Occident est joué par les Etats-Unis, 2. Die Neutralität-wenn auch nicht sie allein-hat uns nun seit
mais que la totalité du monde industrialisé participe, de près bald 200 Jahren vor Kriegen verschont. Ohne chauvinistisch
ou de loin, à l'action de ce pays, pour les mêmes raisons (la zu sein oder die helvetische Schulmeisterrolle spielen zu wol-
dépendance à l'égard du pétrole). Nous sommes aussi l'Occi- len: Wenn andere Länder unserem Beispiel gefolgt wären,
dent et nous aussi, petite Suisse, sommes coupables d'avoir wäre uns mancher Krieg erspart geblieben. Nicht von unge-
eu la mémoire courte. Notre dépendance à l'égard du pétrole fähr ist heute die strukturelle Nichtangriffsfähigkeit à la Suisse
et notre consommation excessive de cette ressource rendent ein aktuelles Postulat in der internationalen Konfliktverhinde-
explosive la situation mondiale. Notre neutralité ne nous proté- rungspolitik geworden. Allzu tief brauchen wir also das Licht-
gera pas contre les dégâts éventuels d'une troisième guerre lein der bewaffneten Neutralität nicht unter den Scheffel zu
mondiale liée à une crise autour du pétrole. stellen.
Par conséquent, le Conseil fédéral - maintenant qu'il en a les Das dritte Lager sieht in der Neutralität weder ein unerschütter-
compétences grâce à l'acceptation par le peuple de l'article liches Dogma noch etwas, das auf den Schutthaufen der Ge-
sur l'énergie - est-il décidé à mettre tout en oeuvre pour ré- schichte gehört, sondern ein durchaus bewährtes, freilich den
duire notre dépendance à l'égard du pétrole? Umständen anzupassendes Instrument unserer Aussenpoli-
Ma deuxième question porte sur les armes. Monsieur le Con- tik; kein Selbstzweck, sondern ein Mittel zum Zweck, nämlich
seiller fédéral, vous avez dit à juste titre, une fois de plus, que zur Wahrung der Unabhängigkeit des Landes.
24. September 1990 N 1519 Golfkrise. Parlamentarische Vorstösse
Die Auffassung dieses dritten Lagers deckt sich mit jener des Zweitens waren anfänglich die Informationen aus dem Bun-
Bundesrates und unserer Fraktion. Dabei unterscheiden wir deshaus nicht eindeutig und offenbar nicht koordiniert. Die In-
zwischen dem Neutralitätsrecht und der Neutralitätspolitik. terpretationen der Neutralitätspolitik durch Staatssekretär Ja-
Das erstere, völkerrechtlich verankert, verpflichtet den Neutra- cobi am 6. August und anderntags durch Bundesrat Felber
len, sich aus kriegerischen Auseinandersetzungen herauszu- stimmten nicht überein, zumindest nicht gemäss der Bericht-
halten. Das ist nach wie vor der Hauptzweck der Neutralität. erstattung.
Weniger klar - und in der Handhabung schwieriger - ist die Mit einem Hinweis auf den erwähnten früheren Positionsbe-
Neutralitätspolitik. Die Behauptung wäre blauäugig, sie sei zug des Bundesrats in den Uno-Berichten hätte der unnötige
stets konsequent und geradlinig gewesen, wir seien nicht mit- publizistische Wirbel um «heilige Kühe» und «neutralitätspoliti-
unter vom Weg der Tugend abgewichen - zuweilen unter er- sche Wendehälse» vermieden werden können.
heblichem ausländischem Druck -, die aussenpolitische Ge- Das Dritte ist keine Kritik, sondern ein Wunsch: Das Mitma-
sinnung habe stets mit der Neutralitätspolitik übereinge- chen an den Uno-Sanktionen möge den Bundesrat nicht hin-
stimmt, wir hätten nicht oft wirtschaftlichen Ueberlegungen die dern, auch Bagdad die Guten Dienste der Schweiz anzubie-
Priorität eingeräumt-einräumen müssen! ten. Zwar sieht es im Moment nicht so aus, als trachte Saddam
Berechtigt ist aber auch nicht der Vorwurf, allein Opportunis- Hussein nach einer friedlichen Lösung. Aber seine spektaku-
mus habe unsere Neutralitätspolitik geleitet. Man kann sie als lären politischen Kehrtwendungen und aufrührerischen Bran-
Interessenpolitik qualifizieren. Aber kein Staat handelt aussen- dreden sind Teile von kalkuliertem Nervenkrieg.
politisch altruistisch und stellt nicht eigene Interessen in den Dass das verbal Verkündete nicht alleweil mit dem wirklich Ge-
Vordergrund! wollten übereinstimmt, gilt bei den Arabern noch mehr als an-
Solidarität übt der Bundesrat aus mit seinen Massnahmen zur derswo. Man kennt das aus den Basaren. In der Diplomatie ist
humanitären Hilfe für die Hunderttausenden von Flüchtlingen es ebenso. Wir hoffen, dass die Krise ohne Krieg überwunden
am Golf. werden kann.
Unsere Beteiligung an den Uno-Sanktionen gegenüber Irak ist Den USA gebührt Dank, dass sie mit ihrer Streitmacht ein uner-
- auf der einen Seite nahezu euphorisch, auf der ändern eher bittliches, für Saddam Hussein offensichtlich unerwartetes
resignierend - als «Bruch mit der bisherigen Politik» und als «Halt!» geboten haben. Trotz west-östlicher Uebereinstim-
«Abdankung der Neutralität» kommentiert worden, als «histori- mung wäre der Beschluss des Sicherheitsrates blosse Maku-
sche Kehrtwende» und - wieder einmal - als «Schlachten einer latur, wenn nicht die USA der Uno ein Machtinstrument in die
heiligen Kuh». Das alles ist es nicht! Hände gegeben hätten.
Wenn der Bundesrat zumindest in einem Punkt bemerkens- Zum Schluss: Wir werden in den nächsten Jahren gewiss nicht
werte Weitsicht gezeigt hat, dann hier. Im Uno-Bericht von darum herumkommen - Herr Widmer hat darauf hingewiesen
1981 wird nämlich ausgeführt: «Dauernd neutrale Staaten wer- -, die Neutralität neu zu diskutieren. Anlass dazu geben wer-
den, ob sie Mitglieder der Uno sind oder nicht, in allen Fällen den u. a. die zunehmende globale Interdependenz, das verän-
den umfassend gehandhabten wirtschaftlichen Sanktionen derte Europa und unsere Stellung darin, die Entwicklung der
der Organisation Rechnung tragen müssen: die Mitglieder EG und unsere Beziehungen zu ihr, die zukünftige Sicher-
aufgrund ihrer Mitgliedverpflichtungen, die Nichtmitglieder heitspolitik, z. B. im Falle kooperativer Sicherheitssysteme,
unter dem Druck der nicht weniger imperativen Sachzwänge» und wohl auch die Ueberprüfung der Waffenausfuhr, vielleicht
(Botschaft vom 21.12.81, S. 54). wenn wir die Frage des Uno-Beitritts erneut prüfen müssen.
Schon zuvor, im zweiten Uno-Bericht von 1969 und im dritten Wir wissen nicht, wie sich die schweizerische Neutralitätspoli-
Uno-Bericht von 1976, hatte der Bundesrat dargelegt, nicht- tik weiterentwickeln wird. «C'est le secret de l'avenir», wie der
militärische Sanktionen seien nicht zum vornherein unverein- Neutralitätsexperte par excellence, Edgar Bonjour, kürzlich
bar mit der Neutralität. Genau jetzt ist der vom Bundesrat skiz- sagte. Aufgabe des Parlaments ist es jedenfalls, diese Fragen
zierte Fall eingetreten: Der Sicherheitsrat beschloss die Sank- zu diskutieren und den Souverän auf einen möglichen Wandel
tionen einmütig, und zwar - erstmals in der Geschichte der hinzuweisen.
Uno - nicht mit dem Ziel, innenpolitische Veränderungen her-
beiführen zu wollen, wie in den Fällen Rhodesien und Süd- Rychen: Die SVP-Fraktion verurteilt die Aggression Iraks ge-
afrika, sondern als Gegenzug zu einer verdammungswürdi- gen Kuwait. Mildern Einmarsch in Kuwait und auch mit der offi-
gen und brutalen Aggression auf ein Mitgliedland. ziell deklarierten Annexion dieses Kleinstaates wurde das Völ-
Eine «historische Wende» ist nicht die Haltung des Bundes- kerrecht auf krasseste Weise verletzt. Dies ist schlicht unan-
rates, sondern es sind die erstmalige Geschlossenheit der in nehmbar. In diesem Sinne unterstützen wir die Sanktionspoli-
der Uno vereinten Völkergemeinschaft und die von ihr Schlag tik des Bundesrates. Die Solidarität, die weltweit geübt wurde,
auf Schlag getroffenen, drastischen Massnahmen gegenüber vor allem auch die Geschlossenheit, die Einigkeit unter den
dem Irak. Grossmächten in Ost und West, die Einigkeit der ständigen
Historisch ist allenfalls-was das Verhalten deraussenstehen- Mitglieder des Uno-Sicherheitsrates, all dies ist beein-
den Schweiz betrifft -, dass sich unser Land rasch und ohne druckend. Als Kleinstaat sind wir von den Vorgängen in der
Wenn und Aber einem Uno-Entscheid anschliessen konnte - Golfregion beeindruckt, weil auch hier sich wieder etwas ab-
anschliessen musste! Das war kein «mutiger Entscheid», wie gespielt hat, das in der Geschichte oft vorkommt: Der Grosse,
kommentiert wurde, sondern schlicht ein solcher der Vernunft. vergreift sich am Kleinen. Dies berührt unsere politische Seele
Es blieb gar keine andere Wahl. Ein Nein oder nur eine Be- ganz besonders.
schränkung auf den Courant normal hätte uns dem Vorwurf In diesem Zusammenhang hat sich die SVP-Fraktion die
der Feigheit, der Schwäche und des unsolidarischen Verhal- Frage gestellt, wie es sich jetzt in diesem Fall mit der Neutrali-
tens ausgesetzt. Man hätte uns der Begünstigung des Aggres- tätspolitik unseres Landes verhält. Die Frage, die gestellt war,
sors bezichtigt. Die grosse Mehrheit des Volkes, die u. a., wie war eindeutig: Handelt es sich hier nun um eine Wende in der
schon Herr Widmer sagte, der drohenden Sanktionsverpflich- Neutralitätspolitik, ja oder nein? Die SVP gibt eine ganz klare
tungen wegen den Beitritt zur Uno, eines angeblich saftlosen Antwort: Nein, es ist keine Wende in der Neutralitätspolitik.
Debattierklubs abgelehnt hat, die grosse Mehrheit des Volkes Auch in diesem Sinne stützen wir den Bundesrat in seiner Hal-
dürfte den Bundesratsentscheid begrüsst haben. Unsere tung.
Fraktion unterstützt die Haltung der Landesregierung. Natürlich, auch das unterstreichen wir: Neutralitätspolitik
Drei kritische Bemerkungen seien gestattet: muss neue aussenpolitische Umfelder beachten. Neutralitäts-
Erstens erfolgte unmittelbar nach der Aggression Iraks keine politik muss auch aus unserer Sicht fähig sein, mit Verände-
Stellungnahme des Bundesrates, sondern bloss eine solche rungen in dieser Welt fertig zu werden. Unser neutralitätspoliti-
des EDA. Ueberdies war diese dem Wortlaut nach - bei allem sches Handeln muss aber von Fall zu Fall festgelegt werden.
Respekt vor der Sprache der Diplomaten - angesichts des hin- Jedes neue Ereignis ist neu zu beurteilen. Wer also aus dieser
terhältigen und brutalen Vorgehens der irakischen Militär- Sanktionspolitik, diesem Sich-anschliessen an die weltweiten
macht gegenüber dem Kleinstaat allzu sanft und leisetrete- Sanktionsmassnahmen, ableiten möchte, dass wir das in je-
risch. dem Fall tun, wenn es andere auch machen, der zieht wahr-
Crise du Golfe. Interventions parlementaires 1520 N 24 septembre 1990
scheinlich die falschen Schlüsse. Wir wollen keine Wende in wären diskriminiert gewesen in dieser Welt. Man muss doch
dem Sinn, dass wir uns für alle Zukunft festschreiben, sondern schlicht und einfach feststellen: Es blieb uns nichts anderes
wir wollen eine pragmatische Neutralitätspolitik und keine übrig, als diese Sanktionen ebenfalls zu treffen.
dogmatische. Aber gleichzeitig muss man feststellen, dass die Selbstbestim-
Die SVP hält also an der Neutralität der Schweiz ganz klar fest. mung unseres Landes von aussen her ganz erheblich unter-
Diese Neutralität ist ja nicht nur historisch gewachsen, sie ist laufen wird. Das zeigt die Problematik des Neutralitätsstatutes
auch mehr als eine politische Tradition, sie ist nämlich ein sehr unseres Landes auf. Der Bundesrat hat zu Recht erklärt, dass
wichtiges Instrument, ein Mittel eines Kleinstaates, um sich zu die Sanktionen keine grundsätzliche Wende in der Neutrali-
schützen. tätspolitik bedeuten. Es war ein überlegter, abgewogener Ent-
Wir warnen vor zu leichtfertigem Umgang mit der Neutralität. scheid für einen Fall, für den Fall Irak/Kuwait. Also keine diffe-
Die Diskussion im Nachgang zu diesem Bundesratsbe- renzièlle Neutralitätspolitik, obwohl auch diese vertreten wer-
schluss hat den Eindruck hinterlassen, dass es Kreise in die- den könnte. Denn schon in der Botschaft von 1919, die der
sem Staat gibt, die jetzt mit dieser Neutralitätspolitik leichtfertig Bundesrat zum Beitritt zum Völkerbund veröffentlicht hat, hat
umgehen wollen. Vertrauenswürdige Neutralität lässt sich nur Max Huber erklärt, die geographische Lage und die wirtschaft-
durch jahrzehntelange Politik erarbeiten, vor allem das Ver- liche Abhängigkeit würden es der Schweiz äusserst schwer
trauen in die Neutralität und Neutralitätspolitik. Ich möchte fast machen, sich der mittelbaren Wirkung der Sperrmassnahmen
sagen: Neutralität ist wie ein rohes Ei - wenn man es fallen zu entziehen.
lässt, dann ist es endgültig zerschlagen. Es gibt keinen Grund, Ich denke, es ist notwendig, Diskussionen zu führen und den
von unseren neutralitätsrechtlichen, freiwillig eingegangenen Neutralitätsstatus zu überdenken, im Hinblick auf die EG, aber
Verpflichtungen abzurücken. Die Neutralitätspolitik braucht auch im Hinblick auf die universelle Gemeinschaft der Uno.
auch in Zukunft subtiles Ueberlegen und Handeln, vorsichti- Bei beiden aber stellt sich die Frage: Können wir mitbestim-
gen Umgang. men, oder können wir es nicht? Können wir nur reagieren?
Als dritte Frage stellte sich die SVP die Frage der Solidarität. Sind wir gezwungen zur Anpassung? Ich bin mit Herrn Wid-
Sind wir Profiteure? Sind wir jene, die nur von der Neutralität mer, mit Herrn Auer sehr einverstanden, dass die Frage des
profitieren wollen und dann alle negativen Lasten den übrigen Uno-Beitritts, die Frage unseres Verhältnisses zur EG rasch
Staaten gemeinsam überlassen wollen? Ja, es stellt sich tat- neu gestellt werden muss. Ich denke, dass auch Frau That-
sächlich die Frage der Fünfer-und-Weggli-Politik auch hier. cher bei ihrem Besuch in der Schweiz sehr ermutigende Si-
Diese Frage ist ernst zu nehmen. Unsere Antwort darauf ist: gnale gesetzt hat.
Wir sind der Meinung, dass es richtig ist, wie der Bundesrat es In der Samstag/Sonntag-Ausgabe der «Neuen Zürcher Zei-
gemacht hat, nämlich im humanitären Bereich, im Bereich des tung» hat Professor Dr. Schindler unter der Ueberschrift «Neu-
Flüchtlingsdramas am Golf zu helfen. Wir meinen aber, Herr tralität am Wendepunkt?» Ueberlegungen zur Neutralität
Bundesrat Felber, dass es einiges mehr sein könnte, dass un- heute angestellt. Er vergleicht die neuesten Entwicklungen mit
sere Solidarität in diesem Fall grösser und massiver ausfallen dem Rechtsgutachten, das er seinerzeit für die Graupe de ré-
dürfte, dass wir also für die Hilfe zur Heimschaffung von diesen flexion und den Bundesrat im Zusammenhang mit dem Inte-
Flüchtlingen, dass wir für das menschliche Schicksal etwas grationsbericht erstellt hat.
mehr tun dürften als im Rahmen von 10 Millionen Franken. Er hält drei Entwicklungen der Neutralitätspolitik fest, die sich
In diesem Sinne stehen wir.für die Politik des Ja zur Neutralität, geändert haben:
des Ja zu diesen Sanktionen. Wir sollten uns offen halten für 1. Die geopolitische Funktion verliert an Bedeutung.
zukünftige Fälle, von Fall zu Fall entscheiden zu können. Aber 2. Das gleiche gilt für die innenpolitische Funktion angesichts
wir sagen auch klipp und klar ja zu einer starken, sichtbaren der Entwicklungen der Technik, des Kommunikationswesens,
Solidarität, und ich wiederhole, Herr Bundesrat Felber, in Sa- der Wirtschaft, des Verkehrs, derOekologie, der Internationali-
chen Solidarität gegenüber den Flüchtlingsdramas in der Gol- sierung all dieser Probleme.
fregion darf man mehr unternehmen. 3. Was bleibt, ist die Funktion der Guten Dienste, also eine der
wesentlichen Funktionen schweizerischer Neutralität.
Dietrich: Die CVP-Fraktion begrüsst das Vorgehen des Bun- Ich denke, die Schweiz ist nach wie vor geeignet, gute Dienste
desrates und ist einverstanden mit dem Beschluss, sich den zu leisten. Denn wir haben uns daran gewöhnt, innenpolitisch
Sanktionen der Uno anzuschliessen, der im Volk hohe Akzep- seit Jahrhunderten einvernehmliche Lösungen zu finden. Wir
tanz gefunden hat. Wir sind mit fast allen Schweizern empört haben Erfahrungen als Schutzmacht, in der humanitären Hilfe,
über die Verletzung des Völkerrechts durch den Potentaten als Ueberwachungsorgan bei Waffenstillstandsverhandlun-
des alten Babylon. Wir haben aber auch gesehen, wie verletz- gen usw.
lich der Friede ist und wie hilflos wir der Ungewissheit entge- In früheren Jahrhunderten sind die Schweizer als Söldner in
genstehen, der Angst beispielsweise vor dem Einsatz von che- fremde Lande gezogen, haben Kriege geführt. Ich denke, trotz
mischen Kampfmitteln. allem sollten wir aus schweizerischer Tradition heraus versu-
Wir danken dem Bundesrat, seinen Mitarbeiterinnen und Mit- chen - auch im Golfkonflikt -, unsere Guten Dienste nicht als
arbeitern, besonders aber auch allen Leuten an der Front, vom Söldner für den Krieg, sondern als Diener für den Frieden, als
IKRK, vom Katastrophenhilfekorps, die Hilfe leisten. Wir sind milice de paix, anzubieten.
der Meinung, dass die humanitäre Hilfe soweit wie möglich Die Neutralität ist in unserem Land in der Geschichte, in der
mithelfen soll, menschliches Ungemach zu erleichtern. Tradition und im Staatsverständnis verwurzelt. Es ist aber not-
Auch in der Kommission für auswärtige Angelegenheiten hat wendig, dass wir uns an unser Pflichtenheft erinnern. Ich
die Haltung des Bundesrates gute Aufnahme gefunden, wenn denke, das Parlament muss jetzt die Diskussion milder Regie-
auch die Mitwirkung des Parlaments und die Diskussion um rung pflegen. Es heisst in unserem Pflichtenheft, in Artikel 85
Probleme der Neutralität einen recht breiten Raum eingenom- BV: «Die Gegenstände, welche in den Geschäftskreis beider
men haben. Angesichts der Entwicklungen: - Sanktionen, An- Räte fallen, sind insbesondere folgende: 6. Massregeln für die
schluss an die Uno-Resolution, Veränderungen im West-Ost- äussere Sicherheit, für Behauptung der Unabhängigkeit und
Verhältnis, Beziehungen zu Europa - müssen die Dimensio- Neutralität der Schweiz .... ».«Massregeln», also die Regeln für
nen der schweizerischen Neutralität neu überdacht werden, das Mass. Es ist Zeit, dass wir uns zum Gespräch und zum Ent-
wie das auch von einzelnen Vorrednern gesagt worden ist. Da- scheid über eine zukunftsgerichtete, eine praktikable und
bei dürfte der Sicherheitsbericht, der in Aussicht gestellt ist glaubwürdige Neutralitätspolitik finden.
und eine ganzheitliche Beurteilung der Sicherheitslage brin-
gen wird, massgebend zu berücksichtigen sein. Was wäre bei-
spielsweise geschehen, wenn sich die Schweiz der Uno nicht Meier-Glattfelden: Ich zitiere aus einer Rede von George Bush
angeschlossen, keine Sanktionen ergriffen hätte? Hätten wir vom 11. September 1990: «Eine neue Welt kämpft um ihre Ent-
die Wirtschaftstätigkeiten aufrechterhalten können? Was wäre stehung; eine ganz andere Welt als die, die wir bisher kannten.
im Falle einer Blockade durch die anderen Mitgliedstaaten ge- Eine Welt, in der Rechtsstaatlichkeit das Dschungelgesetz ab-
genüber uns geschehen? Wir wären ins Offside gekommen, löst. Eine Welt, in der Nationen die gemeinsame Verantwor-
24. September 1990 N 1521 Golfkrise. Parlamentarische Vorstösse
tung für Freiheit und Gerechtigkeit anerkennen. Eine Welt, in wird. Die Schweiz als Ursprungsland des Roten Kreuzes
der der Starke das Recht des Schwachen respektiert.» könnte damit ein Zeichen setzen und der ganzen Welt einen
Tatsächlich, in einer vor kurzem noch undenkbaren Koalition Friedensdienst leisten.
stellt sich der sowjetische Präsident Gorbatschow zusammen
mildem Präsidenten der Vereinigten Staaten gegen einen blu- Spalti: Die Golfkrise ist in ihrer Ursache und in den zum Teil
trünstigen Diktator, der das Völkerrecht schon mehrmals auf noch völlig offenen Auswirkungen viel zu komplex, um in fünf
das schändlichste gebrochen hat. Minuten dazu umfassend Stellung nehmen zu können. Es
Die grüne Fraktion begrüsst die Haltung unseres Bundesra- können wohl nur einige Gedanken und erste offensichtliche
tes, der sich in der Golfkrise nicht hinter die traditionelle Neu- Schlüsse geäussert werden.
tralität verschanzt, sondern die Sanktionen der internationalen Es ist ein seltsames Gefühl, im schweizerischen sicherheitspo-
Völkergemeinschaft mitträgt. Wir wünschen uns allerdings litischen Umfeld und bei den Diskussionen, die bei uns geführt
diese Haltung auch bei anderen Verletzungen des Völker- werden, mitzuerleben, wie die viertgrösste Militärmacht der
rechts und der Menschenrechte. Wenn aber die internationale Welt - und das ist Irak - einen souveränen Kleinstaat militä-
Zweckgemeinschaft am Golf nicht nur gegen den irakischen risch besetzt und in brutalster Art und Weise das Völkerrecht
Diktator Erfolg haben will, sondern, wie George Bush sagt, zu verletzt.
einer gerechteren und friedlicheren Weltordnung führen soll, Wir können nun beklagen, dass es vor allem westeuropäische
braucht es längerfristig eben mehr als Soldaten, Waffen und Industriestaaten und die Sowjetunion waren, die den Irak auf-
Milliarden für das Rüstungsgeschäft. Es braucht eine neue, gerüstet haben. Wir mögen beklagen, dass das kleine Land
auf Harmonie und Gerechtigkeit statt auf Vorherrschaft und mit dem höchsten Pro-Kopf-Einkommen nicht die notwendige
Profit ausgerichtete Politik. Kraft aufgebracht hat, sich ein Instrument zur Erhaltung der ei-
Wo waren die Weltmächte, als Saddam Hussein die Massaker genen Souveränität zu schaffen. Es wäre aber naiv zu glauben,
an Tausenden von Kurdinnen und Kurden verübte? Diese Gift- diese Vorgänge, die etwa 2000 km entfernt sind, würden uns
einsätze wären nicht möglich gewesen, ohne die Lieferung nicht betreffen. Ich glaube, ein wesentlicher Schluss, den es
von entsprechenden Substanzen durch die Industrieländer. einmal zu ziehen gibt, ist der, dass auch mit Blick auf die neuen
Auch hätte der iranisch-irakische Krieg ohne die Lieferung der Konstellationen der Supermächte die Entwicklung der sicher-
weltweiten Rüstungsindustrie nicht über sieben Jahre lang ge- heitspolitischen Lage weder langfristig berechenbar noch vor-
dauert. Wir alle wissen, wie die durch die Ost-West-Entspan- aussehbar ist. Rasche und abrupte Szenenwechsel, wie eben
nung geschockte Rüstungsindustrie aufatmete, als Saddam jetzt im Golf, sind immer möglich, wenn die militärischen Po-
Hussein Anfang August zuschlug. Man kann wieder liefern. tentialevorhanden sind.
Für Milliarden an die Saudis, für Hunderte von Millionen an die Es lässt sich auch nicht vom Tisch wischen, dass trotz aller
Israelis; auch an Aegypten und die Emirate sollen Waffen ge- Entspannungs- und Abrüstungsschritte seitens der Gross-
liefert werden. Auch die Schweiz hat und hatte Anteil an die- mächte weiterhin eminente Bedrohungen über dieser Welt lie-
sem Waffengeschäft in das Spannungsgebiet Naher Osten - gen. Die Aufspaltung in Nord-Süd, in verschiedene Rassen
ich erinnere Sie daran: 1980 bis 1988, trotz Golfkrieg, für unge- und Religionen, in Arm und Reich, ist immer noch stärker als
fähr 850 Millionen Franken Rüstungsgüter in die Türkei, nach die einigenden und verbindenden Kräfte. Es ist zu hoffen, dass
Saudi-Arabien, Oman und Pakistan-, hat doch unser Bundes- gerade Europa im Zusammenhang mit der Golfkrise neben
rat das Kriegsmaterialgesetz mit den Begriffen «Spannungs- den Problemen der wirtschaftlichen und der politischen Inte-
gebiet» und der Definition davon, was Kriegsmaterial ist, sehr gration wieder einmal über seine sicherheitspolitische Rolle
grosszügig zugunsten der Rüstungsindustrie ausgelegt. nachdenkt, nicht zuletzt im Zusammenhang mit dem peniblen
Auch der Irak besitzt trotz unserem Kriegsmaterialgesetz Waf- Verhalten einzelner EG-Staaten gegenüber den Ereignissen
fentechnologie made in Switzerland; brasilianische Raketen- im Golf.
werfer sind mit Contraves-Elektronik bestückt. Ich erinnere an Drei Dinge scheinen mir sicherheitspolitisch besonders er-
die Stabilisatorflügel der Alusuisse, an Granaten. Wir betrei- wähnenswert:
ben seit langem das Waffengeschäft mit Saudi-Arabien. Unse- Erstens einmal ist die Erkenntnis erschreckend, dass unter
rer Meinung nach wären diese Geschäfte nach Kriegsmaterial- dem Deckmantel strategisch-nuklearen Gleichgewichts, wie
gesetz nicht möglich gewesen. man es nennt, skrupellose Diktatoren ihr Land bis an die
Herr Bundesrat Koller, damals Chef des EMD, hat uns in der Zähne bewaffnen und sich eine regionale Vormachtstellung
GPK erklärt, Saudi-Arabien gehöre zu keinem Spannungs- verschaffen können. Diese Vormachtstellung, rücksichtslos
gebiet, wie wenn Saudi-Arabien Hunderte von Kilometern weit ausgenützt, hat gerade im Mittleren Osten wegen der Bedeu-
weg vom Golf, von Iran und von Irak wäre. Auch jetzt ist Saudi- tung der Region für die Oelversorgung internationale Dimen-
Arabien scheinbar immer noch kein Spannungsgebiet. Immer sionen erreicht. Und die Frage - die uns nun wirklich nicht
noch werden vollkommen legal Waffen nach Saudi-Arabien gleichgültig sein kann - stellt sich, ob die Welt noch den Willen
geliefert, vor allem von Bührle. Unser Bundesrat handelt nicht. und die Macht hat - das gehört nämlich dazu -, solchen Dikta-
MUSS denn der Krieg zuerst ausbrechen, bis er endlich diese toren Einhalt zu gebieten. Nur ein Land - das ist keine beson-
Waffenausfuhr stoppt? ders erfreuliche Feststellung -, nämlich die USA, ist noch in
Kurzfristig mag sogar ein Waffeneinsatz der internationalen der Lage, dies zu tun, und die USA engagieren sich im Mitt-
Völkergemeinschaft gegen den irakischen Diktator nötig wer- leren Osten auch für uns, das muss einmal deutlich gesagt
den. Langfristig aber wird das Hineinpumpen von Waffen in werden.
die Staaten der Golfregion die Quelle von weiteren, gefährli- Zweiter Punkt: Auch innenpolitisch drängt sich eine Lehre auf.
chen Konflikten sein. Der ehemalige US-Aussenminister Kissinger hat einmal ge-
Eine neue Welt braucht weniger und nicht mehr Waffen. Die sagt: «Die Grundursache des Dilemmas unsererZeit liegt darin,
Milliarden, die heute wieder für Rüstung ausgegeben werden, dass-wenn der Friede zum einzigen politischen Ziel wird -die
fehlen für den wirtschaftlichen Ausgleich zwischen Nord und Furcht vor dem Krieg zur Waffe in den Händen der Rücksichtslo-
Süd, zwischen Ost und West. Sie fehlen auch für den Schutz sesten wird; das erzeugt die moralische Abrüstung.» Und ge-
der ökologischen Lebensgrundlagen. nau mit dieser Situation rechnet der Herrscher über den Irak.
Herr Bundesrat Felber, ich habe aus Ihrem Votum heraus- Diese moralische Abrüstung müssen auch wir verhindern.
gehört, dass Sie diese Waffenlieferungen auch in Frage stel- Friede und Freiheit werden in dieser Welt nicht ohne Macht
len. Sie haben auch auf das Nord-Süd-Gefälle hingewiesen. durchzusetzen sein. Das zeigt sich im Golf wieder deutlich.
Ich danke Ihnen dafür; aber der Bundesrat soll jetzt handeln. Friedeund Freiheitwerden immerwiedergegen Aggressionen,
Die Schweiz als machtpolitisch kleines, aber wirtschaftlich gegen Skrupellosigkeit verteidigt werden müssen.
sehr starkes Land, sollte vorangehen in einer neuen Friedens- Und noch ein Drittes und Letztes: Das grosse Problem der ato-
politik. maren Rüstung ist heute viel weniger das Potential der Gross-
Die grüne Fraktion hat deshalb eine Motion eingereicht, die mächte, sondern jenes von regionalen Aggressoren, von tota-
verlangt, dass Bundesverfassung und Gesetzgebung so ge- litären Regimen, die kaum unter Kontrolle gehalten werden
ändert werden, dass die Ausfuhr von Kriegsmaterial verboten können. Westeuropa liegt heute bereits im Wirkungsbereich
Crise du Golfe. Interventions parlementaires 1522 N 24 septembre 1990
solcher nuklearer Raketen, die von Verrückten eingesetzt wer- Weltislamismus oder Panarabismus zu kreieren. Dafür gibt es
den können! keinen legitimen Grund.
Ich meine, für jene, die etwas denken, sind das bedenkliche
Erkenntnisse. Müller-Meilen: Die Politik des Bundesrates, eine Politik der
Sanktionen und der Demarchen bei Irak gegen den Ein-
marsch in Kuwait und gegen die Verhinderung der Ausreise
Ott: Ich kann dem Bundesrat nur zustimmen und gratulieren der Ausländer, hat die breite Mehrheit der Schweizer Bevölke-
zu dem Entschluss, das Handelsembargo der Uno mitzuvoll- rung hinter sich. Ich teile weitgehend die Auffassungen von
ziehen. Herrn Bundesrat Felber, ich teile aber auch die pessimistische
Es war dies freilich kein aussergewöhnlicher und kein beson- Beurteilung der Friedenschancen im Mittleren Osten. Die Si-
ders mutiger, aber es war ein demonstrativ richtiger Ent- tuation im Golf gibt mir zu fünf an sich lapidaren, aber doch
schluss. nicht selbstverständlichen Feststellungen Anlass und zu vier
Wie wäre die neutrale, humanitäre Schweiz dagestanden vor Fragen:
den Augen der ganzen Welt, vor allen befreundeten Staaten, Die Golfkrise zeigt, dass auch hochgerüstete, kleine und mitt-
wenn wir aus sinnwidrigem - ich betone: sinnwidrigem - Neu- lere Nationen zu einer Gefahr für den Frieden, in besonderen
tralitätsverständnis heraus als einziger Staat den Aggressor Fällen sogar für den Weltfrieden werden können. Das heisst,
faktisch gegen die Weltgemeinschaft unterstützt hätten? Es dass wir gegenüber allen Tendenzen zur Friedenseuphorie
gab nur eine vertretbare Antwort. Das war die Antwort des Bun- vorsichtig sein müssen; die Friedensapostel, die vor einem
desrates. Jahr nicht laut genug auftreten konnten, sind auch etwas ruhi-
Wir haben in den Beratungen der nationalrätlichen Kommis- ger geworden.
sion vor der Uno-Abstimmung seinerzeit genau diesen Fall mit Die Golfkrise ist aber auch ein Zeichen dafür, dass der Verbrei-
einem eindeutigen Ergebnis schon durchgespielt. Wir hätten tung von Atombomben und chemischen Waffen Einhalt gebo-
durch ein anderes Verhalten die Maxime der Neutralität aufs ten werden muss. Denn skrupellose Diktatoren können in vie-
schwerste kompromittiert. Meines Erachtens muss dieser Ent- len Gegenden der Welt an die Macht kommen, und sie hätten
scheid des Bundesrates als Präjudiz dienen für jeden künfti- wohl in extremis keine Hemmungen, auch Atomwaffen einzu-
gen analogen Fall. setzen.
Zum ersten Mal in ihrer Geschichte funktioniert die Uno so, wie Erstmals ist eine Zusammenarbeit der Supermächte zur Ein-
sie in ihrer Gründungsakte eigentlich gemeint war. Bisher war dämmung eines Aggressors und zur Rückgängigmachung ei-
dieser ursprüngliche Zweck der Uno immer blockiert worden. ner Aggression Wirklichkeit geworden. Das ist ein hoffnungs-
Bei allen grossen sonstigen Leistungen der Uno war dieser ur- volles Zeichen. Es ist aber zugleich auch der Beweis dafür,
sprüngliche Zweck durch die Uneinigkeit der Grossmächte, dass es neben der Zusammenarbeit nur eine Macht in der Welt
also durch das Veto, immer blockiert worden. Korea und Rho- gibt, die einen solchen Aggressor heute stoppen kann: die
desien sind keine regulären Fälle im Sinne der Uno-Charta. Vereinigten Staaten, wenn sie auch mit der Hilfe der Uno und
Zum ersten Mal zeigt sich, dass die Idee eines Völkerfriedens anderer Mächte agieren. Darin kommt die Bedeutung auch
durch ein kollektives Sicherheitssystem der Völker keine Illu- der Atlantischen Allianz für Europa zum Ausdruck. Wenn man
sion bleiben muss. Darum ist die Golfkrise ein so entscheiden- auch nicht mit allem einverstanden sein kann, was die Verei-
der Testfall für die Zukunft, ein Testfall, der kein Nachgeben nigten Staaten in der Weltpolitik bisher getan haben, so muss
von Seiten der Uno und der Weltgemeinschaft duldet. Er dul- man diese positiven Seiten heute doch deutlich unterstrei-
det auch kein Junktim mit irgendeinem ändern politischen chen und für ein gerechtes Urteil hervorheben.
Problem, so sehr wir wünschen, dass das Volk der Palästinen- Die Golfkrise zeigt die Gefährlichkeit der Extremisten und Fun-
ser bald seine Autonomie und Eigenstaatlichkeit gewinnen damentalisten aller Schattierungen in der Politik, die kein Ver-
möge. Aber der Fall des Ueberfalls, der Annexion Kuwaits dul- antwortungsgefühl für die gesamte Menschheit und keine
det kein Junktim, denn es muss ein für allemal klar werden, Achtung vor Menschenrechten und Freiheit haben; deshalb
dass Aggression sich nicht lohnen darf. Und heute scheint die ist auch der Weltfriede immer und immer wieder gefährdet.
Welt an dem Punkt angelangt zu sein, wo dieser lebenswich- Zu den vier Fragen: Unsere Neutralitätspolitik ist in der Golf-
tige Grundsatz durchgesetzt werden kann. krise flexibler, das heisst aber auch in der Anwendung schwie-
Es darf aber auch auf einen Punkt nachdrücklich hingewiesen riger geworden. Die Beteiligung an Sanktionen könnte künftig
werden - einige Vorredner haben es schon getan -, nämlich auch einige Probleme stellen, zum Beispiel: Wo sieht der Bun-
darauf, wie verantwortungslos und egoistisch die Aufrüstung desrat etwa die heikle Grenze zwischen internationaler Solida-
des Irak während des Iran-Irak-Krieges durch viele Staaten, rität und nationaler Neutralität bei anderen aggressiven Aktio-
sowohl im Osten wie im Westen, war. Man hätte sich den Golf- nen und Besetzungen, wie sie etwa in früherer Zeit bei den
konflikt in dieser Form durch ein verantwortlicheres Verhalten Falkland-lnseln durch Argentinien geschehen sind, was ja
im internationalen Waffenhandel ersparen können. auch unter Bruch des Völkerrechts geschah. Wo ist ein ein-
Wenn wir über die neue Weltsituation nach dem Ende des kal- stimmiger Uno-Beschluss Voraussetzung für die Beteiligung
ten Krieges nachdenken, über das Verständnis und die Mög- der Schweiz an solchen Sanktionen? Oder: Wo liegen die
lichkeiten der Neutralitätspolitik, wenn wir neu durchdenken, Grenzen?
was die Aufgabe der Neutralen heute sein kann, so drängt sich Wie gross sind die Fluchtgelder, die seit Beginn der Golfkrise
der Gedanke auf, dass der Neutrale ein Vorkämpfer des Frie- in die Schweiz geströmt sind? Werden sie Auswirkungen auf
dens und der Sicherheit unter den Völkern sein muss. Sein die Zinsentwicklung in Richtung auf eine Senkung haben?
ganzer und kompromissloser Einsatz muss der Stärkung und Und eine weitere Frage, die für unser Land von grosser Wich-
Verfeinerung des internationalen Sicherheitsnetzes gelten, tigkeit ist: Wie wirken sich die Produktionsausfälle, die ja auf-
das heute in Entstehung begriffen ist: Nicht nur im Bereich der gefangen werden sollen, und die Unsicherheit kurz- und lang-
friedlichen Konfliktlösung - hier ist ja die Schweiz ein Cham- fristig auf die Entwicklung des Oelpreises und damit indirekt
pion, wenigstens auf dem Gebiete der KSZE -, sondern auch auf die Inflation in der Schweiz aus?
auf Gebieten wie einer strengen internationalen Kontrolle des Im ganzen hat der Bundesrat wohl eine richtige Politik geführt,
Waffenhandels, der Non-Proliferation von Massenvernich- und wir müssen ihm dafür dankbar sein.
tungswaffen, des totalen Atomtestverbotes und der Einbezie-
hung der qualitativen Entwicklung von Waffentechnologie in Sager: Nach den «weltgeschichtlichen Betrachtungen», an-
die Rüstungskontrollgespräche. Das ist die Aufgabe des Neu- gestellt vom Herrn Kollegen Burckhardt, der es seinem Na-
tralen in der gegenwärtigen Weltstunde: das Friedensnetz zu men, und vom Kollegen Widmer, der es seinem Stand als Hi-
verstärken. storiker schuldig war, und in der Nachfolge der Ausführungen
Lassen Sie mich mit einer Bemerkung schliessen: Die berech- des Kollegen Auer möchte ich mich einem recht konkreten
tigte Verurteilung der irakischen Aggresssion darf uns im We- Problem zuwenden. Zwei Vorbemerkungen:
sten nicht dazu verleiten, anstelle des alten Feindbildes vom 1. Ich bin erstens kein sturer, unbelehrbarer Anhänger und
totalitären Weltkommunismus nun ein neues Feindbild vom Vertreter der Neutralität. Ich kann mir leicht vorstellen, dass sie
24. September 1990 N 1523 Golfkrise. Parlamentarische Vorstösse
in der Neutralität einer Union Europas, aufgehen oder in der Nations Unies, cette soudaine réapparition de la vocation des
Solidarität zu einer Union Europas untergehen kann. Die Neu- Nations Unies n'est bien sûr pas totalement innocente.
tralität ist für mich Instrument der Aussenpolitik. Indes ist zu Lorsqu'on entend s'exprimer ceux qui s'élèvent aujourd'hui
berücksichtigen-auch durch uns-, dass sie wegen ihrer jahr- contre Saddam Hussein, on ne peut s'empêcher de penser à
hundertelangen Praktizierung einen emotioneilen Wert und des pyromanes qui crient au feu. D'ailleurs, la lecture de cer-
damit auch einen Zielcharaktererhalten hat. tains journaux, et notamment de journaux américains, est tout
2. Ich bin im Grunde genommen darüber erstaunt, wie wenig à fait édifiante. On peut lire ainsi que l'Europe et les peuples
die Neutralität, und zwar rechtlich und politisch, in ihrer gan- d'Europe, à l'abri pendant des décennies sous le parapluie
zen Tiefe ausgelotet wird, weshalb wir recht oft zu falschen américain, ont provoqué l'atrophie des muscles politiques
Schlussfolgerungen gelangen können. susceptibles de soutenir une action militaire. C'est là un rappel
Es haben einige Personen und einige Zeitungen den Stand- utile, tout comme les but fixés à ce conflit: souveraineté et inté-
punkt vertreten, dass die Einhaltung der Sanktionen durch un- grité du Koweit. Breszinski, l'ancien conseiller à la Maison-
ser Land eine Aufgabe oder eine Aenderung unserer Neutrali- Blanche, est plus précis. Il écrit, dans le Herald Tribune que le
tätspolitik bedeute. Das ist völlig falsch, auch wenn es noch so but en fait est d'assurer l'approvisionnement pétrolier. Proté-
hohe Personen sagen oder noch so weit verbreitete Zeitungen ger les flux pétroliers est en fin de compte un impératif améri-
ausführen. Das ist keine Aenderung, sondern es ist die konse- cain, alors que la libération du Koweit relève de la responsabi-
quente Weiterführung unserer Neutralitätspolitik unter verän- lité de la communauté internationale. Il est clair que si l'on sé-
derten Umständen. pare ainsi les missions des objectifs on peut s'attendre à ce
Wir haben uns vor Augen zu halten, dass die Konflikte bleiben qu'à une victoire militaire, même aléatoire, succède une dé-
- die Golfkrise zeigt es uns auf eindringliche Art und Weise -; faite politique.
aber die Formen der Konfliktausübung können sich verän- Autre question importante: comment Saddam Hussein, le
dern, und das haben wir mitzuberücksichtigen. grand ami de l'Occident, est-il devenu en une nuit le grand Sa-
Im Neutralitätsrecht, das Bestandteil des völkerrechtlichen tan? Pourtant personne n'ignorait les moyens utilisés contre
Kriegsrechtes ist, wird die Neutralität im Falle eines militäri- son peuple par cet ami de l'Occident. C'est par la violence qu'il
schen Ueberfalles ausgesetzt. Heute und als Folge der unge- est arrivé au pouvoir et l'on peut citer à son actif le massacre de
heuervertieften gegenseitigen Abhängigkeit und der verstärk- milliers de communistes en 1963, ce qui ne souleva d'ailleurs
ten internationalen Vernetzung ist die Aggression Saddam que fort peu d'émotion ou d'envolées lyriques des médias
Husseins gegen Kuwait als eine Angriffshandlung zu verste- contre un régime qui était paré alors de toutes les vertus. En-
hen, welche die Neutralität aussetzen muss und die Sanktio- suite, une politique qui afait fuir des centaines de milliers d'Ira-
nen rechtfertigt. kiens: la répression des Kurdes, des villages rasés, des popu-
Der Nachweis für die Richtigkeit dieser Meinung kann auch lations gazées. Qui d'ailleurs se soucie aujourd'hui à l'ONU
ausfolgender Ueberlegung abgeleitet werden: Wenn Sanktio- des droits des Kurdes, qu'ils soient en Irak, en Turquie ou en
nen und weitergehende Reaktionen ausgeblieben wären, so Iran? Pour donner un éclairage plus crédible à la soudaine
hätte Saddam Hussein mit einer an Sicherheit grenzenden mutation de Saddam Hussein et au rôle personnel que lui attri-
Wahrscheinlichkeit auch Saudi-Arabien überfallen und annek- buent les médias dans ce conflit, il convient d'examiner la si-
tiert. Das aber hätte einem Mann, der nur mit pathologischen tuation de l'ensemble du monde arabe.
Massstäben gemessen werden kann, eine Machtfülle gesi- Tout d'abord la dette: 208 milliards de dollars de dette, tandis
chert, die einen Weltenbrand hätte verursachen müssen; dann que les avoirs dépassent 670 milliards de dollars, mais ces
wären alle Massnahmen der Staatengemeinschaft und der avoirs sont concentrés dans six pays, qui composent le Con-
Schweiz zu spät gekommen. seil de coopération du Golfe, à savoir Arabie Saoudite, Bah-
Im Lichte dieses Hinweises bin ich erstaunt, dass man nun for- rein, les Emirats arabes unis, Koweit, Oman et Qatar. Ensem-
dern kann, die Waffenausfuhr sei einzustellen. Will man damit ble, ils ne dépassent pas 10 millions d'habitants, sans la popu-
unterstreichen, dass der hochbewaffnete Saddam Hussein lation étrangère, mais ils disposent d'un excédent de 462 mil-
das Recht habe, seine Nachbarstaaten zu überfallen? Will man liards de dollars déposés dans les banques occidentales,
damit diesen Nachbarstaaten das Recht nehmen, sich selber alors que 190 millions d'autres Arabes croulent sous le poids
verteidigen zu können? Will man sich hinter dieser Forderung de la dette et de ses intérêts, une dette qui représente 32 pour
verstecken und einmal mehr die Neutralität als Passivität auf- cent du produit brut de tous les pays arabes et 181 pour cent
fassen und handhaben, wie es zu Recht vom Kollegen Widmer de leurs exportations, pétrole compris. On peut ajouter à cette
kritisiert worden ist? situation le refus d'aide et d'investissement de ces pays en-
Eine letzte Bemerkung: Ich bin angenehm überrascht über die vers les pays arabes, moins de 7 pour cent des investisse-
Bekundungen der Solidarität durch unsere Regierung, nur ments à l'étranger se faisant vers d'autres pays arabes.
habe ich sehr wenig davon erfahren. Ich war während des Mo- Il y a aussi le fait que le Koweit a produit, selon des informa-
nats August in einem ausländischen Spital und konnte keine tions du Newsweek du 13 août, des quantités énormes de pé-
Schweizer Sender empfangen, aber BBC. Mitte August wurde trole au-dessus des quotas auxquels il a droit selon l'OPEP,
dort zu meinem Entsetzen mitgeteilt, dass die Schweiz mit dont il est membre; de plus il a cassé les prix, à tel point que,
Schweden, Indonesien und Malaysia die Botschaft in Kuwait selon ces informations, l'économie irakienne aurait perdu plus
geschlossen hätte, was ja nicht zutraf. Der Irrtum ist möglich, de 14 milliards de dollars en quelques années.
aber es ist keine Korrektur erfolgt, auch nicht durch unsere On peut encore ajouter l'exigence du remboursement de la
schweizerische Botschaft in London. Das hätte doch getan folle dette due à l'aventure iranienne de l'Irak, qui dépasse les
werden sollen. Und es hätte sich vielleicht auch als günstig er- 10 milliards de dollars.
wiesen, wenn die Parlamentarier laufend über diese Bekun- Tous ces événements ont certainement contraint l'Irak à une
dungen der schweizerischen Solidarität orientiert worden wä- nouvelle fuite en avant, à une nouvelle aventure militaire, fuite
ren. en avant qui sera payée encore une fois au prix fort par une po-
pulation déjà meurtrie par la guerre contre l'Iran, qui fit, dans
M. Spielmann: Pour être clair, je voudrais préciser d'emblée l'indifférence générale, des milliers de victimes. Ces réalités
que je suis d'accord avec le Conseil fédéral et sa condamna- doivent être fixées dans nos esprits si nous voulons mesurer
tion de l'invasion du Koweit par l'Irak. Je salue les décisions les conséquences de nos décisions et rester crédibles. Com-
prises qui auraient d'ailleurs encore plus de crédibilité si elles ment l'être par exemple, face au déploiement actuel de forces,
s'appuyaient davantage sur une logique constante de con- face aux multiples violations qui ont fait l'objet de décisions de
damnation des interventions militaires et de violation des l'ONU mais restées sans suite? La Syrie, par exemple, qui,
droits de l'homme que sur une politique d'alignement sur les sans la moindre légitimité, occupe une partie du Liban et con-
Etats-Unis. tribuerait aujourd'hui à chasser les troupes irakiennes du Ko-
S'il est réconfortant d'entendre soudain, dans un monde do- weit. Et la résolution N° 242 de l'ONU, de novembre 1962, qui
miné par l'argent et la violence, des nations unanimes plaider condamne l'occupation par la force de la Cisjordanie et de
le droit de redonner sa véritable vocation à l'Organisation des Gaza par l'armée israélienne et qu'aucune mesure pratique
Crise du Golfe. Interventions parlementaires 1524 N 24 septembre 1990
n'a suivi pour la faire respecter en vingt-trois ans. Voilà l'appli- zum Irak schlägt. Wir laufen da sehenden Auges ins offene
cation sélective du droit qui nuit à la crédibilité des démarches Messer.
actuelles. Ich frage den Bundesrat: Ist er bereit, der Oerlikon-Bührle so-
On peut ajouter encore l'annexion de Jérusalem-Est en 1968, wie allen anderen Fabrikanten von Waffen oder Zubehör von
l'occupation des îles Tumb par le shah d'Iran en 1971, l'an- Kriegsmaterial sofort zu verbieten, aufgrund des Gesetzes,
nexion du Golan par Israël en 1981, l'invasion de la Syrie. On das ihm zur Verfügung steht, diese Lieferungen weiterhin in
pourrait multiplier les exemples, sans oublier le raid américain diese Länder zu schicken?
sur la Libye, le minage des ports du Nicaragua où les Etats-
Unis ont refusé de reconnaître le droit de la justice et la compé- Bonny: Im Rahmen meiner fünfminütigen Redezeit werde ich
tence de la Cour de La Haye. Voilà autant de situations qui font mich auf die Auswirkungen der Golfkrise auf unsere Neutrali-
que si l'on veut être crédible, il faut qu'on s'appuie sur une poli- tätspolitik konzentrieren, insbesondere auf die Frage unserer
tique suivie et continue et non pas sur une politique sélective. Partizipation an den vom Uno-Sicherheitsrat beschlossenen
Donner la primeur à la force du droit sur le droit à la force, Wirtschaftssanktionen. Vorweg möchte ich sagen, dass ich
comme l'a dit le Conseil fédéral, je suis d'accord, mais la déter- Herrn Bundesrat Felber für seine nuancierten Ausführungen
mination n'interdit ni la réflexion ni l'indépendance, faute de zu unserer Neutralitätspolitik sehr dankbar bin. Er hat einiges
quoi elle ne serait que participation ou soutien à une aventure wieder ins Lot gebracht. Das war aber auch dringend nötig.
militaire dont les pages de l'histoire sont déjà trop marquées In einzelnen Massenmedien, aber auch bei verschiedenen Po-
par les drames subis par les populations. litikern war die Verwirrung mit Bezug auf unsere Neutralitäts-
politik zeitweise sehr gross. Der Kolumnist einer am Sonntag
Frau Grendelmeier: Es erfüllt mich mit stiller Genugtuung, erscheinenden Zeitung sprach vom Ende der Neutralität.
wenn ich den Ausführungen nachlausche, die ich zum Thema Gleich titelte auch eine grosse Monatszeitschrift. Diese politi-
Neutralität und der Kompatibilität der Neutralität mit der aktuel- schen und journalistischen Schnellschüsse hatten eines ge-
len Politik des Bundesrates in Betracht ziehe. Das war nicht meinsam: Sie übersahen Essentialien, Grundprinzipien unse-
immer so. Es werden Erinnerungen wach; sie sind erst etwa rer Aussenpolitik und unserer Neutralitätspolitik. Vielleicht
vier Jahre alt. Während der Debatte zum Beitritt der Schweiz wollten diese Leute sie auch nicht sehen.
zur Uno wurde die Neutralität immer wieder und bei jeder Ge- Da wird leider in einzelnen Voten oberflächlich - auch heute in
legenheit dazu benützt - um nicht zu sagen: missbraucht -, dieser Diskussion - über Neutralität gesprochen. Es wird nicht
um sich weiterhin als Igelchen in einer bösen Welt benehmen unterschieden - das gehört eben zu diesem Grundsätzlichen
zu können. - zwischen Neutralitätsrecht und Neutralitätspolitik. Das Neu-
Wir wissen nun - nicht erst seit dem Votum von Sigmund Wid- tralitätsrecht besteht aus einigen wenigen, aber klar umrisse-
mer -, dass die Neutralität keine heilige Kuh ist, es nicht sein nen Normen, die vor allem auf dem Haager Abkommen von
darf, dass sie lediglich ein Instrument ist und keine Ideologie; 1907 basieren. Die Neutralitätspolitik demgegenüber umfasst
trotzdem wird sie von verschiedenen Leuten nach wie vor ge- einen viel weiter gesteckten, aber auch einen entsprechend
handhabt, als wäre sie eine Religion, nicht nur eine Ideologie. flexibleren Bereich von möglichen Massnahmen. Dadurch sol-
Allerdings handelt es sich um eine Religion, die für den Sonn- len die politischen Voraussetzungen - so möchte ich es kurz
tag taugt und nicht für alle Tage. Eine Religion sozusagen umschreiben - geschaffen werden, welche die Rolle als Neu-
nach Bedarf, zum Beispiel zur Sicherung der Bequemlichkeit, traler im internationalen Konzert der Weltpolitik glaubwürdig
zur Sicherung von Vorurteilen, aber auch von Vorteilen, vor al- erscheinen lässt.
lem von wirtschaftlichen Vorteilen. Sie dient aber auch zur Er- Der Begriff «glaubwürdige Politik» scheint mir ein Schlüssel-
haltung des «Logenplatzes», auf dem wir uns so bequem in- wort zu sein. Wer sich überlegt, wie sich das Mitmachen der
stalliert haben, von dem aus man die Weltgeschichte, das Schweiz an den Wirtschaftssanktionen der Uno gegenüber
Weltgeschehen, aus einiger Sicherheitsdistanz betrachten Irak zu Neutralitätsrecht und Neutralitätspolitik verhält, kommt
kann, wo man - ohne Verantwortung übernehmen zu müssen, rasch zu ziemlich klaren Erkenntnissen. Wer sich einigermas-
aber auch ohne einen eigenen Beitrag leisten zu müssen - ab- sen im Neutralitätsrecht auskennt, weiss, dass diesbezüglich
wägen kann, wo wir handeln sollen oder eben nicht. für uns nicht das geringste Problem besteht. Neutralitätsrecht-
Ich möchte sagen: Wir huldigen da einer Art «Prinzip Torquato liche Pflichten beziehen sich praktisch ausschliesslich auf die
Tasso», den Goethe sagen liess: «Erlaubt ist, was gefällt.» Und Teilnahme beziehungsweise Nichtteilnahme an militärischen
gefallen hat uns schon immer das Geschäft, Neutralität auf Handlungen. Neutralitätspolitisch ist die Antwort nach der
oder ab, hin oder her. Eine Neutralität, die es erlaubt, mit Waf- Kompatibilität unseres Mitmachens bei den Wirtschaftssank-
fen zu handeln, ist an sich erstaunlich und meines Erachtens tionen vielleicht etwas weniger offenkundig, aber doch klar ge-
unwürdig. Und wenn wir gestern in der «Sonntags-Zeitung» le- nug. Entscheidend ist dabei, dass der Beschluss des Sicher-
sen konnten, dass die Waffenfabrik Oerlikon-Bührle Waffen heitsrates der Uno einstimmig erfolgte, dass sich praktisch die
nach Saudi-Arabien schicken darf, offenbar mit dem Segen ganze Welt hinter den Sanktionsbeschluss gestellt hat. In casu
der Behörden und mit dem fadenscheinigen Argument, sie geht es also weniger um eine Frage der Parteinahme zwi-
müsse Verträge einhalten, so ist das nur noch Opportunismus schen zwei Lagern, sondern angesichts der flagranten Verlet-
und hat mit Neutralität nicht mehr viel zu tun, ganz sicher nicht zung von Völkerrecht durch Saddam Hussein vielmehr um
mit Glaubwürdigkeit. Es ist erstaunlich, dass der Bundesrat eine Frage der Solidarität, die ja mit der Neutralitätspolitik zu-
nicht Gebrauch macht von seiner gesetzlichen Möglichkeit, sammen eine der Maximen unserer Aussenpolitik ist.
nach dem Bundesgesetz zum Kriegsmaterialexport sofort und Lieber Kollege Sigi Widmer, bei aller Anerkennung deiner aus-
jederzeit diese Lieferungen zu verbieten, wenn es sich um ein senpolitischen Kenntnisse muss ich doch sagen, dass hierein
Krisengebiet handelt. Wer heute noch behauptet, Saudi-Ara- fundamentaler Unterschied gegenüber der damaligen Diskus-
bien liege nicht in einem globalen Krisengebiet, der ist auf bei- sion um den Uno-Beitritt besteht. 1986 und in den Jahren vor-
den Augen blind. Wie gesagt, das ist nur ein einziges Beispiel, her, als wir den Uno-Beitritt diskutierten, stand die Welt noch
wo wir unsere Neutralität schon immer geritzt haben, aber ein im Zeichen des kalten Krieges. Es bestand eine Polarisierung,
besonders beschämendes. die sich sehr stark auch in der Uno ausgewirkt hat. Unter die-
Auf dem Spiel steht unsere Glaubwürdigkeit. Das ist das ein- sen Auspizien waren punkto Wirtschaftssanktionen andere
zige, was wir inzwischen überhaupt noch verlieren können. Voraussetzungen gegeben, als dies heute der Fall ist.
Wie leichtfertig wir mit dieser Glaubwürdikeit umgehen, hat ge- Ich muss auch sagen, dass bei einigen Aeusserungen im Zu-
nau dieses Beispiel gezeigt. Ich bin mit Herrn Sager nicht ein- sammenhang mit dem sogenannten Ende unserer Neutrali-
verstanden; es tut mir leid, ihm widersprechen zu müssen: Ich tätspolitik der Vater des Gedankens mitgespielt hat, nämlich
teile sein Erstaunen darüber nicht, dass wir gegen eine Aufrü- diese für gewisse Leute unsympathische Konstante unserer
stung von Saudi-Arabien sind. Wir wissen inzwischen, dass es Politik abzuschütteln.
auch für die USA gefährlich sein kann, für 20 Milliarden Dollar Und noch ein Zweites: In der Neutralitätspolitik, aber auch in
an ein arabisches Land Waffen zu liefern, von dem wir nicht der Aussenpolitik, ist es entscheidend, dass sie langfristig an-
wissen, ob es sich nicht eines Tages - genau wie der Iran - gelegt ist. Wir haben glücklicherweise in der Neutralitätspolitik
24. September 1990 N 1525 Golfkrise. Parlamentarische Vorstösse
selber eine gewisse Bandbreite, die es erlaubt - wie im vorlie- Vorstoss unternehmen -, hier einen Riegel zu schieben. Waf-
genden Fall -, uns an neue Situationen anzupassen; aber es fenhandel und Aufrüstung sind noch nie langfristige frucht-
wäre verheerend, wenn wir diese Konstante wegen einer Si- bare Instrumente der Aussenpolitik gewesen. Sie waren im-
tuation, wie sie jetzt gegeben ist, gleichsam wegen einer politi- mer nur reiner Opportunismus.
schen Modeströmung aufgeben würden.
Ich glaube, dass die Neutralitätspolitik nach wie vor in unse- Herczog: Nachdem wir nun alle die Sanktionen gegen Irak
rem Volk stark verankert ist. Das Schlimmste für unsere Aus- befürworten und nachdem wir über unsere Neutralitätspolitik
senpolitik - wir glauben, unter Bundesrat Felber Fortschritte hinlänglich gestritten haben, muss sich uns notwendiger-
gemacht zu haben - wäre, wenn wir eine Aussenpolitik führen weise die Frage stellen: Wo liegen allfällige politische Lö-
würden, die sich nicht mehr im Volk abstützen kann. sungspotentiale des Konfliktes? Wie kann man dieser «Logik
des Krieges», wie dies von Mitterrand bezeichnet wurde, aus-
Jaeger: Wir haben bei früheren Gelegenheiten schon ver- weichen? Für uns lautet die Hauptfrage - für den Westen, für
schiedentlich die bundesrätliche Aussenpolitik kritisiert: passi- die Schweiz und ihre guten Dienste -: Mit welchen Mitteln
ver Absentismus, Neutralität im Sinne der Gesinnungsneutrali- kommen wir - die westlichen Demokratien - mit der arabi-
tät. Ich möchte Sie, Herr Bundesrat, zu diesem neuen Akt der schen Welt in ein dauerhaftes Bündnis? Wie man in ein dauer-
Aussenpolitik, wie Sie ihn dokumentiert haben, beglückwün- haftes Bündnis hineinkommen könnte, zeigt sich an zwei ent-
schen. Ich möchte Ihnen gratulieren, dass Sie nicht nur die scheidenden Punkten:
Neutralität als Instrument der Aussenpolitik, sondern als In- Erster Punkt: die Israelpolitik. Wie Arnold Hottinger ausführlich
strument einer aktiven Aussenpolitik interpretiert und umge- in der «Neuen Zürcher Zeitung» beschrieben hat, wäre ein ge-
setzt haben. ' rechter Friede mit Israel anzustreben. Und gerecht heisst hier
Wenn in der heutigen Diskussion verschiedentlich darauf hin- ganz spezifisch ein Friede, der von der arabischen Welt ins-
gewiesen wurde, es gehe darum, zwischen Neutralitätsrecht gesamt und auch von den Palästinensern - nicht allein von der
und Neutralitätspolitik zu unterscheiden, möchte ich, Herr PLO - als gerecht betrachtet würde. Dieser gerechte Friede mit
Bonny, betonen, dass wir in erster Linie über Neutralitätspolitik Israel ist eine wichtige Voraussetzung, um in der Golfregion
zu entscheiden haben. Denn das Neutralitätsrecht ist ein ge- von dieser politischen Konfliktsituation wegzukommen.
gebenes Faktum. Aber wir haben hier unsere Politik zu formu- Eine zweite wichtige Voraussetzung: dass die Schweiz, die
lieren. Andere Stimmen, die sagen, die Neutralität als solche USA, generell die westliche Welt, Vorsicht in den Allianzen
sei aufgegeben worden, übersehen, dass Neutralitätspolitik pflegt mit Regimen, die äusserst aristokratischen oderfeudali-
immer nur Reflex der weltpolitischen Situation oder in unse- stischen Strukuren frönen. Sie kennen diese Länder; sie um-
rem Fall auch der europapolitischen Situation sein kann. Da geben den Golf. Es kann Kuwait, es kann Saudi-Arabien sein.
haben doch qualitativ verschiedene, fundamentale Verände- Wir dürfen uns nicht in Allianzen hineinzwingen, die uns in ein
rungen der weltpolitischen Konstellationen stattgefunden, die Herrschaftsbündnis mit Regimes bringen, die aus momenta-
eine neue Pragmatik unserer Neutralitätspolitik verlangen. nen Bündnisabsichten heraus das Volk gegen uns, gegen die
Die Golf krise, so schrecklich sie sich - vor allem auch mit ihren demokratischen Länder aufbringen, die den Nationalismus,
Risiken - darstellt, hat eines aber gezeigt: Sie war die Lack- den Fundamentalismus derart weit treiben und so das, was
musprobe für die Entspannung zwischen den Supermächten heute eine leitende Ideologie in der arabischen Welt ist, näm-
Ost und West. Die einhellige Annahme des Sanktionenkon- lich die Ablehnung gegenüber dem Westen, massiv fördern.
zepts hat bewiesen, dass sich das West-Ost-Verhältnis offen- Zum Schluss noch einmal: Wir müssen uns - neben der Neu-
sichtlich grundlegend und definitiv verändert hat. Das hat für tralitätspolitik, neben dem, dass man jetzt den USA so gross
unsere Neutralitätspolitik, ihre Formulierung und ihre Interpre- dankt, dass sie im Golf aufmarschiert sind - überlegen, wo po-
tation ganz einschneidende Konsequenzen. Aber nicht nur litische Lösungen gesucht werden müssen, bevor der erste
das. Auch unser europäisches Umfeld verlangt eine Neufor- Schuss fällt, wie es vielleicht verschiedene Medien gern haben
mulierung der bisher gehandhabten Neutralität. Auch die Uno möchten:
präsentiert sich jetzt in einem anderen Licht. 1. In der Israel-Politik sollen nicht nur die Irak-Resolutionen
Zugegeben, Herr Bonny, die Situation hat sich geändert, die der Uno durchgesetzt werden, sondern es sollen auch jene
Grossmächte neutralisieren sich innerhalb der Uno nicht mehr Resolutionen akzeptiert und konsequent befolgt werden, die
gegenseitig per Veto, sondern arbeiten offensichtlich zusam- Israel von den besetzten Gebieten weghaben möchten.
men. Aber, Herr Bonny, damals war dieser Zustand nicht die 2. Wir dürfen uns nicht in Allianzen hineindrängen lassen, wo
Schuld der Uno, sondern das war die damalige weltpolitische wir plötzlich als Bündnispartner von feudalistischen Regimes
Konstellation. Die Uno ist ein dynamisches Gebilde, die Welt- dastehen und nicht mehr im Bündnis mit der Bevölkerung
politik auch. Wir sind deshalb der Auffassung, dass heute- un- handeln können.
ter diesen veränderten Voraussetzungen - neu über einen Bei-
tritt zur Uno diskutiert werden muss. Auch die Neutralitätsfrage Keller: Ich möchte dem Bundesrat meine Anerkennung und
muss in diesem Zusammenhang in einem neuen Licht disku- meinen Dank aussprechen, dass er mit Blick auf den Sankti-
tiert werden, zusammen mit dem Parlament, zusammen auch onsbeschluss der Uno sofort erkannt hat, dass er gar nicht an-
mit dem Souverän. ders handeln konnte, als er handelte. Er erfüllte damit die Er-
Eine letzte Bemerkung zum Waffenausfuhraspekt: Herr Spalti wartungen der Völkergemeinschaft. Er erfasste aber auch die
hat mit Recht darauf hingewiesen, es zeige sich die Problema- politische Einstellung des eigenen Volkes.
tik, wenn ein Abenteurer wie Saddam Hussein mit Waffen be- Es sei noch kurz daran erinnert, wie wir uns anlässlich der De-
liefert werde. Einverstanden! Denken wir aber daran, wie der batte über den Eintritt der Schweiz in die Uno ausserordentlich
Westen seinerzeit das Schah-Regime aufgerüstet hat. Als die- schwer getan haben mit der Frage, wie wir uns verhalten soll-
ses Regime durch den Khomeiny-Fundamentalismus abge- ten, wenn allenfalls einmal der Uno-Sicherheitsrat einen Sank-
löst worden ist, hat man dessen Gegner, den Irak, aufgerüstet. tionsbeschluss fassen sollte. Das schien den damaligen Geg-
Die Schweiz war dabei. Jetzt ist man daran, wieder andere nern eines Beitritts ein fast unlösbares Problem. Früher als er-
Machtträger aufzurüsten, immer nach dem Prinzip: «Rüste wartet sind wir nun vor einen solchen Uno-Beschluss gestellt
den Feind deines Feindes auf.» Die Schweiz macht wieder mit. worden, und was die damaligen Uno-Befürworter immer wie-
Ich meine, das ist falsch. Waffenhandel, Aufrüstung führen in der gesagt haben, trifft ein: Auch als Nicht-Uno-Mitglied kann
jedem Fall und immer ins Schlamassel. Wir werden es früher sich die Schweiz in einem solchen Fall gar nicht anders verhal-
oder später mit neuen Potentaten zu tun haben. Ich weiss ten als einen Sanktionsbeschluss mitzutragen. Das damals
nicht, wer das ist. Aber es könnten durchaus jene sein, die jetzt eher hochstilisierte Problem erweist sich bei der ersten Gele-
von uns in der Meinung aufgerüstet werden, sie würden uns genheit in seiner ganzen Nichtigkeit.
helfen, einen Feind zu bekämpfen. Auch dieser Feind könnte Natürlich: Eine ungeteilte Eingliederung in die internationale
abgelöst werden und der Freund von heute könnte der Feind Solidarität hat auch Nachteile. Hätte die Schweiz nicht mitge-
von morgen werden. macht, hätte sie sich auf die Position des Courant normal zu-
Ich bitte den Bundesrat - wir werden einen entsprechenden rückgezogen -für mich besteht kein Zweifel, dass dann Sad-
Crise du Golfe. Interventions parlementaires 1526 N 24 septembre 1990
dam Hussein die Schweizer Geiseln entlassen hätte. So sehr étrangère qui - nous le répétons - ne doit pas se traduire par
das auch mit Blick auf diese 87 Schweizerinnen und Schwei- peur, couardise ou lâcheté. Elle doit aussi faire valoir que la
zer, die im Irak festgehalten werden, wünschenswert wäre, so Suisse neutre sait être solidaire des autres Etats du monde.
sehr wäre doch auch diese Privilegierung der Schweiz durch Dans le cas particulier, il est évident que la décision paraissait
einen verachtenswerten Diktator unserem Ansehen internatio- plus facile à prendre parce qu'une absence de la Suisse aurait
nal abträglich gewesen. signifié qu'elle seule donnait pratiquement raison à l'Etat qui
Ich möchte zum Schluss Herrn Bundesrat Felber noch eine avait ouvertement et clairement violé les principes du droit des
Frage stellen. Ich gehe davon aus, dass die Uno ihre weltpoliti- gens. Cela dit, nous continuons à affirmer que le Conseil fédé-
sche Rolle, die ihr seit Wilsons Völkerbund nach dem Ersten ral n'a pas voulu manifester une volonté particulière de chan-
Weltkrieg zugedacht war, heute offensichtlich immer besser gement profond de la politique étrangère de notre pays. Il a uti-
erfüllt. Meine Frage: Wie steht es heute mit den Guten lisé les possibilités actives que lui donne la politique de neutra-
Diensten der Schweiz? Wären diese innerhalb der Uno nicht lité s'appuyant sur le droit de la neutralité.
besser zu erfüllen? Oder anders gefragt: Sind sie ausserhalb Je vous assure, Mesdames et Messieurs les conseillers natio-
der Uno nicht weniger gefragt als früher? naux, que le Conseil fédéral n'a pas discuté quatre heures de
cette possibilité après qu'il est entré en possession des analy-
M. Felber, conseiller fédéral: Permettez-moi, après ce long ses qui lui ont été fournies, concernant précisément la limite
débat, d'abord de vous remercier de vous être exprimés si pré- entre le droit de la neutralité et la politique de neutralité. Il lui a
cisément à propos des problèmes que posait la situation du fallu quelques heures de réflexion, une discussion nourrie et
Golfe et, plus particulièrement, de la prise de position du Con- une approbation. C'était la possibilité que le Conseil fédéral
seil fédéral qui s'est rallié aux sanctions du Conseil de sécurité saisissait d'utiliser activement la politique de neutralité. S'agis-
de l'Organisation des Nations Unies. Vous me permettrez-je sait-il d'un changement? Pas dans notre esprit, puisque nous
crois que vous le comprendrez à cette heure tardive - de ne disons que lorsque nous devons manifester notre solidarité,
pas m'appesantir sur chacune des questions, mais de repren- nous pouvons utiliser cette politique de neutralité. Ce qu'il y
dre les principaux domaines que vous avez bien voulu traiter. avait d'évident, c'est que c'était relativement nouveau. En ef-
A M. Bundi, président de la Commission des affaires étrangè- fet, les circonstances internationales qui nous permettaient
res de votre Conseil, je répète que nous considérons - nous le d'appliquer de cette manière dynamique la politique de neu-
ferons toujours - que la décision du Conseil fédéral de se ral- tralité, ces circonstances internationales étaient nouvelles,
lier aux sanctions et d'adopter une ordonnance appliquant avaient changé. C'est là l'élément le plus important qui a per-
des sanctions était une décision autonome. Nous pouvions, mis au Conseil fédéral et à tous ceux qui ont préparé cette dé-
soit ne pas prendre position, soit nous rallier plus tard à cette cision de la justifier.
tradition helvétique du courant normal que beaucoup de gens Cela ne signifie donc pas que si les circonstances chan-
nous ont proposée. Mais, lorsque leurs lettres nous sont par- geaient brutalement - ce que nous ne souhaitons pas nous
venues, la décision était déjà prise. Nous aurions très bien pu puissions d'une manière égale appliquer tout le temps le
choisir cette position. Il fallait prendre une position formelle même type de décision. Encore une fois, s'il s'agit de politique
d'une manière autonome, c'est-à-dire tout à fait indépen- de neutralité, le gouvernement devra chaque fois se pronon-
dante, quant à l'adoption de sanctions suisses par rapport aux cer, analyser et décider ensuite des applications qu'il fera de
événements du Koweit. celle-ci. Nous sommes heureux de souligner que la situation
Le principal problème que vous avez soulevé sur le plan politi- générale, politique, aux Nations Unies entre les différentes
que est relatif à la position de la Suisse et des pays de la com- pays de la communauté internationale nous a permis de nous
munauté internationale, plus particulièrement de ceux formant engager, avec cette dernière, dans une mesure qui nous pa-
les démocraties occidentales pluralistes, par rapport à la situa- raissait justifiée, judicieuse, nécessaire. Nous souhaitons que
tion qui existait avant le 2 août 1990 au Koweit. Ce sont les des circonstances analogues ne se représentent pas, parce
questions de MM. Herczog, Braunschweig et Jaeger. Nous qu'elles sont toujours significatives de guerre et de tensions,
pouvons affirmer que la position du Conseil fédéral ne doit pas mais nous souhaitons, si cela devait se présenter encore, que
être considérée comme le soutien à un régime particulier, la même unanimité dans les Etats de la communauté interna-
c'est-à-dire à celui que certains d'entre vous considèrent tionale apparaisse de manière à ce que nous puissions nous
comme féodal, celui du Koweït. Nous avons simplement pris associer à cette solidarité internationale.
une position qui condamnait la violation du droit des gens, des L'autre problème que vous avez très directement discuté est
articles du droit international public et de la Charte des Nations celui des exportations d'armes, lié à la situation actuelle du
Unies par la République d'Irak. Je le répète: «Pas de soutien à Golfe. Comme nous l'avons dit dans notre première interven-
tel ou tel gouvernement.» De même - et c'est très important - tion, le Conseil fédéral regrette - question de M. Rebeaud -
la Suisse tient à manifester par sa prise de position qu'elle n'a que l'Occident - dont nous faisons partie, ne nous cachons
pas la volonté de suivre une politique antiarabe. Cela me per- pas derrière les mots, nous sommes donc parmi les corespon-
met de répondre directement à M. Braunschweig qui nous de- sables - ait permis, pas toujours par des gestes, mais par men-
mandait de ne pas trop personnaliser la crise Irak-Koweit à tra- talité, par peur, par timidité ou par lassitude, d'armer un pays
vers le chef de l'Etat irakien. Comment voulez-vous ne pas la qui, aujourd'hui, nous montre de quelle manière il peut retour-
personnaliser? Nous n'avons pas pris position contre le peu- ner ses armes contre la paix pour déclencher une crise très
ple irakien! En général, nous ne prenons pas position contre grave. Nous croyons, en effet, que des fautes ont été commi-
une république, mais contre la violation du droit qui a été déci- ses. Comme plusieurs d'entre vous l'ont dit, nous admettons
dée par un chef d'Etat tout puissant. Dans ce pays, il n'y a pas qu'armer l'ennemi de son ennemi ne signifie pas que l'on ne
deux chefs d'Etat tout puissants. Il y en a un, il s'appelle Sad- va pas retrouver, à la fin du compte, un autre ennemi devant
dam Hussein et il faut avoir le courage de dire son nom. Ce soi. C'est parfaitement correct, nous admettons cette analyse.
n'est pas une prise de position contre le peuple irakien, mais Cependant, nous aimerions vous rappeler un certain nombre
contre la direction de la République irakienne. Ici, on ne peut d'éléments. Il n'y a pas besoin d'une intervention particulière
pas faire autrement que de personnaliser la question. C'est un aujourd'hui pour empêcher une livraison d'armes dans les
élément de politique générale qu'il nous paraît important de pays du Golfe. La loi actuelle suffit, puisqu'elle précise qu'on
soulever et qui répond à plusieurs de vos questions. ne peut pas livrer d'armes dans les pays situés dans une ré-
Le deuxième problème fait plutôt partie de notre définition de gion en crise. Il n'y a pas de discussion possible: lorsque tous
la politique de neutralité. Je ne vais pas reprendre chacun des les jours on parle de la crise du Golfe, que les pays de cette ré-
éléments qui ont été soulignés, établis et défendus. Le Conseil gion sont en crise, nous pouvons appliquer les dispositions de
fédéral a très clairement fait la différence entre le principe de la loi sur l'exportation du matériel de guerre pour empêcher
neutralité qui, par l'intermédiaire des accords de La Haye du toute exportation. Cela signifie qu'il n'y a pas besoin de déci-
18 octobre 1907, engage les pays neutres à des droits et des sion spéciale du Conseil fédéral. Toute nouvelle demande de-
devoirs précis, en particulier en cas d'affrontement militaire, et puis le 2 août d'exportation de matériel de guerre en direction
la politique de neutralité qui est l'instrument de la politique des pays du Golfe est tout simplement interdite.
24. September 1990 N 1527 Golfkrise. Parlamentarische Vorstösse
L'autre problème est celui des autorisations accordées avant si l'on ne veut pas détruire des centaines de milliers d'hommes
la crise, et nous vous accordons que le Conseil fédéral devra et de civils. Elle est entre les mains de l'Organisation des Na-
se préoccuper de ces problèmes. Donc, en ce qui concerne tions Unies qui a voté des résolutions, et qui est chargée avant
les pays qui recevaient des armes suisses, comme l'Arabie tout de négocier. Elle est aussi entre les mains des pays ara-
Saoudite, comme peut-être la Jordanie -je ne les connais pas bes et de la Ligue des Etats arabes qui pourra sans doute,
par coeur - qui avaient des fournisseurs suisses au bénéfice mieux que tout autre, convaincre les Etats arabes d'aboutir à
d'autorisations d'avant la crise du Golfe, les fournisseurs ne une solution.
sont pas nécessairement dans l'obligation de nous informer Cela ne signifie pas que nous n'ayons rien à dire. Dès le lende-
qu'ils poursuivent leurs livraisons. De même on peut encore main de notre prise de position, nous avons aussi informé les
hésiter sur un fait, c'est que les pays qui reçoivent les armes ne autres pays neutres d'Europe que nous étions prêts àtravailler
sont pas encore en guerre, même s'ils sont dans une région ensemble à une solution visant à rétablir la paix dans le Golfe.
en crise. Nous admettons que ce problème est important. Nous avons aussi informé les parties au conflit, qui se font face
Le Conseil fédéral, non pas au mois de novembre comme avec leur armée, que nous étions prêts, si elles nous le deman-
récrivaient certains journalistes qui savaient toujours la vérité, daient, à tenter des médiations.
mais dans les très prochaines semaines, va s'occuper de ces Cela dit, nous devons être très prudents parce qu'il ne s'agit
problèmes. Quand pouvons-nous suspendre? Comment pou- pas de donner un mauvais signal et de laisser entendre que
vons-nous suspendre des autorisations qui ont été accor- nous nous désolidarisons en agissant sur ce terrain-là.
dées? Nous ne l'avons fait jusqu'ici qu'une seule fois depuis la Voilà ce que nous tenions à répondre à la plupart des interven-
mise en application de la loi sur les exportations de matériel de tions, en vous remerciant encore une fois d'avoir soutenu le
guerre, à propos de la Chine populaire, quand le Conseil fédé- Conseil fédéral dans sa prise de position.
ral a suspendu toute autorisation qui avait été accordée de li- En ce qui concerne l'ONU, nous aurons sans doute l'occasion
vrer du matériel militaire à la Chine populaire, à la suite des d'en reparler prochainement.
événements du mois de juin 1989 à la place Tien an men. Ce
problème n'est pas bien réglé. Il faudra donc que nous le re- Le président: Les interpellateurs sont satisfaits de la réponse
voyions. Il faudra certainement aussi préciser un certain nom- du Conseil fédéral.
bre d'éléments dans la loi sur l'exportation de matériel de
guerre de manière à ce que les interprétations ne soient pas
trop éloignées les unes des autres.
Ensuite, nous devrons revoir également un autre problème
dont il a souvent été question ici, celui de l'application du prin- 90.665
cipe du respect des droits de l'homme. Et là, il est certain que
nous touchons encore un autre domaine mais que l'applica- Dringliche Interpellation
tion du principe du respect des droits de l'homme, comme der Wirtschaftskommission
d'ailleurs la Commission de gestion nous en avait chargés, de- Golfregion. Wirtschaftsbeziehungen
vra devenir un élément important de l'appréciation laissée au Interpellation urgente
Conseil fédéral pour autoriser des livraisons d'armes. de la commission des affaires économiques
Cela dit, nous considérons que le Parlement puis le peuple Région du Golfe. Relations économiques
suisse devront préciser très exactement ce qu'ils souhaitent
dans le domaine des exportations d'armes. Nous savons tous
qu'une interdiction pure et simple de toute exportation, qui
philosophiquement peut être acceptable, signifie la dispari-
tion d'une industrie particulière de notre pays. Tout cela doit Wortlaut der Interpellation vom 21. August 1990
être mis en équilibre, analysé, afin de permettre au Conseil fé- Der Bundesrat wird eingeladen, das Parlament über die Wirt-
déral de présenter au Parlement des propositions plus préci- schaftsbeziehungen mit der Golfregion, insbesondere mit
ses dans le domaine des exportations d'armes. dem Irak und Kuwait, umfassend zu informieren, die Auswir-
En ce qui concerne l'Occident, j'ai répondu à M. Rebeaud que kungen des weltweiten Boykotts wie seiner eigenen Massnah-
nous nous considérons également comme faisant partie de men auf die Schweizer Wirtschaft und die Wirtschaftsentwick-
l'Occident et que nous portons sans aucun doute notre part de lung darzulegen.
responsabilités sur les causes profondes du conflit.
Nous n'aurons jamais de solution réelle. L'Irak était un pays en Texte de l'interpellation du 21 août 1990
totale déconfiture économique dont le régime était, par là Le Conseil fédéral est prié d'informer le Parlement de manière
même, menacé. Il avait subi, c'est vrai, une perte extrêmement approfondie sur les relations économiques avec la région du
importante dans la vente de son pétrole brut, parce que les Golfe, en particulier avec l'Irak et le Koweït, et d'exposer les re-
pays producteurs de l'OPEP n'avaient pas réussi à s'entendre. tombées du boycottage mondial ainsi que ses propres mesu-
Or, cela n'est pas de la faute des Occidentaux ni des consom- res sur l'économie suisse et sur le développement économi-
mateurs occidentaux de pétrole. Il y avait eu des dumping sur que en général.
les prix de gros du pétrole brut et un pays, qui se relevait de
huit ans de guerre - ce que nous n'avions pas non plus sou-
haité - avait besoin de devises et n'a pas pu les obtenir. Il est
vrai que le Koweït, comme l'Arabie Saoudite, ont contribué à la
baisse des prix du pétrole, par conséquent à la diminution des 90.685
recettes d'autres pays producteurs tels que l'Irak, l'Algérie qui
ont perdu énormément et avaient besoin de ces ressources. Dringliche Interpellation Fischer-Seengen
C'est certainement l'un des motifs de cette crise puisque, pré- Auswirkungen des Handelsboykotts
cisément, avant même qu'elle ne soit déclenchée sur le plan gegen die Republik Irak und den Staat Kuwait
militaire, elle avait été l'objet de négociations. auf die schweizerische Wirtschaft
La situation en général: comme plusieurs d'entre vous l'ont re- Interpellation urgente Fischer-Seengen
levé, s'agit-il de la suite ou de la fin des problèmes liés à l'exis- Boycottage économique de l'Irak et du Koweit
tence d'Israël, à l'insécurité au Moyen-Orient? Nous n'en som-
mes pas persuadés. Les informations et les prises de position
ne coïncident pas. Nous pensons que si tous les problèmes
sont bel et bien liés dans cette région du monde, d'une ma-
nière ou d'une autre, ce n'est pas la question Israël/Palestine Wortlaut der Interpellation vom 18. September 1990
qui est certainement le motif le plus important de cette crise. Ich bitte den Bundesrat um die Beantwortung folgender Fra-
Nous savons aussi que la solution du conflit doit être politique gen:
Crise du Golfe. Interventions parlementaires 1528 N 24 septembre 1990
1. Wie viele Unternehmen werden durch das vom Bundesrat L'augmentation des prix du pétrole, le risque accru d'inflation,
am 7. August 1990 erlassene Handelsverbot gegen die Repu- les problèmes budgétaires non résolus restreignent considé-
blik Irak und den Staat Kuwait im Sinne von Artikel 3 der Ver- rablement la marge de manoeuvre de la Banque centrale amé-
ordnung direkt betroffen? ricaine; un assouplissement de la politique monétaire et une
2. Wie gross ist das entsprechende Handelsvolumen in réduction des taux d'intérêt sont peu probables. Heureuse-
Schweizerfranken? ment, la conjoncture très robuste sera moins affectée au Ja-
3. Ist der Bundesrat nicht auch der Ansicht, dass den betroffe- pon et dans la plupart des pays européens occidentaux, no-
nen Unternehmen der ausgewiesene Schaden wenigstens tamment en République fédérale allemande où elle bénéficie
teilweise ersetzt werden sollte? du boom des investissements en vue du marché commun de
1993 et aussi des événements de l'Europe de l'Est.
Texte de l'interpellation du 18 septembre 1990 Mais les grands perdants - mon collègue Felber a eu l'occa-
Je prie le Conseil fédéral de bien vouloir répondre aux ques- sion d'y faire allusion dans le débat intéressant qui a précédé
tions suivantes: mon intervention - sont les pays en développement importa-
1. Combien d'entreprises sont directement concernées, au teurs de pétrole. Ils sont véritablement frappés de plein fouet.
sens de l'article 3 de l'ordonnance, par l'interdiction de com- De même, il faut dire que dans les pays de l'Europe de l'Est,
merce avec la République d'Irak et l'Etat du Koweït, interdic- les problèmes d'adaptation, suite à leur passage à un approvi-
tion décrétée le 7 août 1990 par le Conseil fédéral? sionnement en pétrole au prix du marché mondial - c'est nou-
2. A combien se monte, en francs suisses, le volume des veau pour eux - en seront accentués d'autant.
échanges touché par ces mesures? D'une manière générale, nous ne sommes pas en présence
3. Le Conseil fédéral n'est-il pas aussi d'avis que le préjudice de chocs pétroliers de l'ampleur de ceux de 1973 et 1979. La
justifié subi par les entreprises concernées devrait être au hausse des prix du pétrole reste aujourd'hui inférieure, je dirai
moins partiellement réparé? même nettement inférieure à cent pour cent, alors qu'en 1973
ils avaient quadruplé et qu'en 1979 ils avaienttriplé. La densité
Schriftliche Begründung - Développement par écrit en pétrole de la production dans les pays industrialisés a
Durch den vom Bundesrat am 7. August 1990 verordneten chuté depuis 1973: en Suisse d'un tiers environ. La conjonc-
Handelsboykott gegen die Republik Irak und den Staat Kuwait ture dans les pays industrialisés est aujourd'hui nettement
werden weit mehr Unternehmen betroffen als ursprünglich an- plus robuste et plus saine. Par conséquent, les besoins de cor-
genommen, und das entsprechende Handelsvolumen ist be- rection de politique économique sont plus faibles. On a donc
trächtlich. Unter anderem können auch bereits fertiggestellte appris quelque chose des deux crises antérieures.
Anlagen nicht mehr geliefert werden und die in guten Treuen Mais c'est avant tout l'ajustement structurel et la libéralisation
getätigten Vorinvestitionen (Materialeinkäufe, Projektierungs- des marchés qui ont amélioré la capacité des économies des
und Produktionsarbeiten etc.) gehen in solchen Fällen gröss- pays industrialisés d'absorber les chocs extérieurs. Je parle
tenteils verloren, da eine spätere Lieferung nur selten möglich bien des chocs extérieurs. Enfin, plusieurs pays exportateurs
wäre. Namentlich kleinere und mittlere Unternehmen treffen de pétrole sont aujourd'hui prêts à compenser dans une large
die daraus resultierenden Verluste besonders hart. Es scheint mesure la perte du pétrole irakien et koweitien.
mir deshalb nicht billig, wenn einige wenige, zudem noch En résumé, il apparaît du point de vue de l'examen macro-
meist mittlere und kleinere Unternehmen die Folgen des Boy- économique de la situation mondiale que l'insécurité va en
kotts allein zu tragen hätten. augmentant, qu'il faut s'attendre à un ralentissement de la
croissance de l'économie mondiale et des échanges, pour au-
M. Delamuraz, conseiller fédéral: Je traiterai dans ma ré- tant que les circonstances dans le Golfe n'empirent pas, mais
ponse à la première intervention des effets économiques de la que nous ne sommes pas en vue de drame, de crise, de rup-
crise du Golfe sur la conjoncture internationale et plus particu- ture de l'ordre de celles que nous avons connues en Suisse.
lièrement sur l'économie suisse, puis j'aborderai la deuxième J'en viens plus particulièrement à l'examen de la situation
interpellation de M. Fischer-Seengen. suisse. La nouvelle hausse prévue des taux d'intérêts, des prix
La crise au Proche-Orient, la hausse des pétroles de 18 à du pétrole et le raffermissement du franc se situent heureuse-
30 dollars le baril - c'étaient les chiffres de la semaine der- ment dans une conjoncture solide qui résiste à beaucoup
nière, aujourd'hui ils sont bien plus hauts - ainsi que l'incerti- d'épreuves, ce qui n'était pas le cas auparavant. Les perspecti-
tude sur les marchés financiers ont réveillé les craintes d'un ves de commandes pour le proche avenir sont bonnes, bien
troisième choc pétrolier et d'une récession immédiate. que la demande d'exportation dans l'industrie enregistre des
Les faits: il est vrai de dire que, depuis le début de cette année, signes d'affaiblissement et que, de manière générale, les pro-
la croissance mondiale s'est ralentie, mais que les effets du ra- visions des entrepreneurs se soient considérablement assom-
lentissement ont été ressentis essentiellement aux Etats-Unis, bries. La quatrième hausse des taux hypothécaires, qui reste
dans une certaine mesure en Grande-Bretagne. La hausse d'actualité et qui occupera sans doute votre conseil dans la
des prix du pétrole va renforcer l'inflation et la tendance au ra- troisième semaine de cette session, vient s'ajouter pénible-
lentissement de la conjoncture dans le monde. Les analyses ment et douloureusement - parce que c'est un facteur inté-
de l'OCDE prévoient une accélération de l'inflation de l'ordre rieur et non pas, comme la crise du pétrole, un facteur exté-
d'un demi pour cent, peut-être de trois quarts pour cent pour rieur auquel toute politique monétaire ne peut que peu de
l'année à venir et un recul de la croissance économique des chose - et va malheureusement infléchir la tendance dans lo
pays industrialisés d'un ordre de grandeur comparable, ce qui mauvais sens.
ramènerait les perspectives de croissance de trois pour cent On peut donc s'attendre à un ralentissement prononcé de la
telles que calculées par l'OCDE pour l'année prochaine, à conjoncture intérieure et à un ralentissement un peu plus im-
moins de deux et demi pour cent. Ces prévisions sont établies portant que prévu de la croissance des exportations. Mais il est
sur la base d'une augmentation du prix du pétrole brut d'envi- vraisemblable que le taux d'utilisation des capacités de pro-
ron 10 dollars le baril. Or, je répète qu'il s'agit là d'une augmen- duction, très élevé dans notre pays, et le plein emploi seront
tation qui sera très probablement dépassée, qui est déjà dé- maintenus. Il semble inévitable que les profits des entreprises,
passée aujourd'hui. qui étaient jusqu'à présent très bons, voire excellents, s'éro-
Au vu de la conjoncture fragile aux Etats-Unis, on ne peut pas dent quelque peu et même se dégradent.
exclure même une récession dans ce pays. Chacun sait Les perspectives d'inflation restent relativement bonnes. Cer-
qu'une récession dans ce pays a des significations extra- tes, le taux d'inflation sera légèrement plus élevé dans le cou-
américaines considérables. C'est essentiellement dans le sec- rant de cette année qu'il n'avait été prévu, et surtout au début
teur de l'industrie automobile américaine que l'on ressent ces de l'année prochaine. Nous devons le considérer comme une
signes de récession. donnée. Le franc suisse, dont tout le monde a souhaité le réta-
Les difficultés de la Banque centrale américaine, qui est con- blissement de la belle santé - et on y est arrivé - est facteur de
frontée à la nécessité de lutter contre une inflation qui s'accé- risque, quoiqu'il en soit. Son raffermissement soutient la lutte
lère et de prévenir une récession se sont donc accentuées. contre l'inflation, certes, mais il renforce aussi, du côté des ex-
24. September 1990 N 1529 Golfkrise. Parlamentarische Vorstösse
portations, les dangers d'une récession. A plusieurs occa- nier. Selon une première estimation de mon département, en-
sions, la Banque nationale a déclaré sa disposition à une cer- viron 200 entreprises suisses pourraient être plus ou moins
taine souplesse en cas de situation exceptionnelle. J'ose es- touchées par les mesures d'embargo décidées par le Conseil
pérer qu'elle sera capable, dans ces circonstances et si les si- fédéral.
gnaux extérieurs le veulent, de cette souplesse, non pas en Vous me demandez ensuite quel est le volume des exporta-
discours et en remarques, mais en actes et en décisions. tions concernées en francs suisses. Il est également difficile
Nos relations économiques, puisque c'est la deuxième partie d'indiquer maintenant des chiffres exacts, mais pour ce qui
de la question posée par l'interpellation, avec l'ensemble de la concerne l'année dernière je répète ce que je viens de vous in-
région du Golfe - je parle de l'ensemble du Golfe parce que diquer: les exportations suisses vers l'Irak dépassaient
tout cela se tient et que le conflit ne se limite pas à cette région 300 millions de francs et elles étaient de l'ordre de 94 millions
mais touche l'ensemble du Moyen-Orient - sont, de notre de francs vers le Koweit. Cela représente 0,4 pour cent de la
point de vue, assez différentes. D'une part, le Moyen-Orient totalité des exportations suisses. Les effets directs sur l'écono-
comprend les Etats à revenus pétroliers: Arabie Séoudite, Ko- mie d'exportation suisse sont donc modestes mais, et il est
weit, Bahrein, Qatar, Emirats arabes unis et d'Oman, Irak, Iran; intéressant de le relever, c'est une chose de faire les moyen-
d'autre part, les pays non producteurs de pétrole: Afghanis- nes ou les totaux pour l'ensemble de l'économie, tandis que
tan, Yemen, Jordanie, Liban; et, dans une moindre mesure citer de manière quelque peu décontractée ce chiffre de
mais le produit pétrolier y est relatif: Syrie. 0,4 pour cent seulement, c'en est une autre. Dans l'économie
Economiquement, la région du Moyen-Orient est importante de ces entreprises-là, celles qui ont des flux commerciaux an-
pour la Suisse en raison de ses riches gisements de pétrole et ciens ou nouveaux avec les entreprises de l'Irak et du Koweït,
de gaz naturel; 66 pour cent des stocks pétroliers connus à ce les problèmes se posent dans des termes tout à fait différents
jour dans le monde proviennent de la région. L'Europe occi- et parfois même douloureux. Ce sont finalement, Monsieur le
dentale recueille quelque 60 pour cent de ses besoins en pé- Conseiller national, une quarantaine d'entreprises suisses qui
trole par la production des Etats du Moyen-Orient et cette forte se sont adressées à mon département et, plus particulière-
dépendance de cette région s'élèvera encore dans les années ment, à l'Office fédéral des affaires économiques extérieures-
qui viennent. Elle pourrait atteindre, au tournant de ce siècle, en français Bawi - pour obtenir une autorisation exception-
80 pour cent, en raison du tarissement graduel des gisements nelle. Plusieurs cas concernaient l'exportation de produits
pétroliers de l'Europe du nord et des Etats-Unis. La dépen- pharmaceutiques et c'est dans ce secteur que des autorisa-
dance du Japon vis-à-vis des produits pétroliers du Moyen- tions ont pu être accordées mais elles ne l'ont été - que cela
Orient est encore plus grande. soit bien précisé au passage, comme le rappelait aussi M. Fel-
Du point de vue économique, cette dépendance implique des ber, conseiller fédéral, tout à l'heure - qu'avec l'accord parfait
conditions normales de circulation des produits, des services, des autres Etats ayant pratiqué l'embargo.
des capitaux, avec les pays producteurs de pétrole. Jusque Vous me demandez dans votre troisième question si le Con-
dans un passé très récent, la majeure partie de ces revenus seil fédéral partage l'opinion selon laquelle les entreprises
pétroliers servait à couvrir les besoins en biens d'investisse- concernées seront au moins partiellement indemnisées pour
ment et en services nécessaires au développement économi- les pertes subies. Le Conseil fédéral répond que les soucis
que et structurel de toute la région. Peu à peu, les besoins en des entreprises, et notamment de celles qui avaient de grands
biens de consommation et en investissements de ces régions marchés en cours avec l'Irak ou le Koweit, constituent un pro-
en capitaux, aussi bien dans les Etats d'Europe occidentale blème digne d'attention mais qu'un dédommagement géné-
que d'Amérique du nord et d'Amérique du sud ont pris le re- ral n'est pas prévu. Les mesures économiques envers l'Irak et
lais. le Koweit se fondent sur l'article 102, chiffres 8 et 9, de la Cons-
Pour ce qui concerne la Suisse, la situation est heureusement titution fédérale, qui stipule que le Conseil fédéral veille aux
très différente de celle d'un nombre considérable de pays in- intérêts de la Confédération, à l'extérieur. Il n'existe donc au-
dustrialisés, en ce sens que nous sommes dépendants - et cune base légale qui autoriserait la Confédération, et encore
que nous le serons davantage - de l'ensemble des pays du moins qui la contraindrait, à répondre en tant que telle de dom-
Moyen-Orient producteurs de pétrole, mais beaucoup moins mages consécutifs à des mesures économiques décidées par
de l'Irak et du Koweit. En effet, les importations suisses de le gouvernement. D'après la loi sur la responsabilité, la Confé-
l'Irak, produits pétrochimiques et autres marchandises, ont re- dération répond du dommage causé sans droit à un tiers par
présenté la somme dérisoire de 1,75 million de francs en 1989, un fonctionnaire dans l'exercice de ses fonctions, mais cette
du Koweit de 2,3 millions, cependant que nos exportations disposition ne concerne pas les mesures économiques insti-
vers l'Irak étaient de l'ordre de 300 millions l'an dernier et vers tuées par le Conseil fédéral. Par conséquent, la Confédération
le Koweit de 94 millions, avec des tendances respectivement à ne répond pas de dommages consécutifs aux mesures éco-
la diminution et à la reprise. nomiques prises à l'endroit du Koweit et de l'Irak. D'un autre
Ce ne sont donc pas des interlocuteurs économiques impor- côté, il est bien clair que les autorités fédérales sont prêtes à
tants pour notre économie. Il n'empêche que les problèmes aider les entreprises dans le cadre des lois en vigueur.
de la crise du Golfe ne se réduisent pas aux seules consé- La loi sur l'assurance-chômage, Monsieur Fischer, pourrait of-
quences directes et saisissables sur les comportements com- frir une possibilité. A l'article 51 de l'ordonnance, il est prévu,
merciaux de l'Irak et du Koweit et qu'ils ont, je le répète, des ra- en effet, qu'une entreprise qui perd du travail à la suite notam-
mifications indirectes avec l'ensemble des pays du Moyen- ment d'une interdiction d'exporter des marchandises, peut dé-
Orient. C'est en ceci que la situation peut poser un problème à cider une réduction de l'horaire de travail et bénéficier des in-
la Suisse, à plus long terme. Si la crise s'éternise et si cette der- demnités prévues en ce cas.
nière devait s'aggraver, il est bien clair que toutes les évalua- Voilà dans quelles limites - limites étroites je le reconnais - la
tions, somme toute assez tranquilles et assez bénignes, aux- Confédération pourrait intervenir, s'agissant des entreprises
quelles je me livre devant vous quant à l'avenir, seraient trans- qui, dans ce pays, avaient des contrats, préparaient des
formées dans le sens d'une aggravation peut-être considéra- contrats ou appliquaient des contrats avec l'un ou l'autre de
ble. La situation mérite donc une analyse de tous les instants. ces deux pays.
Cela me conduit à des vues plus concrètes dans la réponse Il est bien clair que nous ferons tout notre possible pour que
que je dois donner à l'interpellation urgente de M. Fischer- ces mécanismes de solidarité collectifs puissent jouer en fa-
Seengen, conseiller national. M. Fischer me demande tout veur d'entreprises qui, frappées par des cas de rigueur, con-
d'abord combien d'entreprises suisses sont directement tou- naîtraient, du fait des décisions gouvernementales, de réelles,
chées par l'article 3 de l'ordonnance qui institue des mesures de profondes et de substantielles difficultés économiques
économiques envers l'Irak et l'Etat du Koweit. Je vous répon- mais, d'une manière générale, l'arsenal qui est à notre disposi-
drai, Monsieur le Conseiller national, qu'il n'est pas encore tion est un arsenal relativement limité.
possible d'indiquer le nombre exact des entreprises suisses
qui sont directement touchées par cette ordonnance. Ces Oehler: Die Wirtschaftskommission hat den Bundesrat in ei-
entreprises devaient s'annoncer jusqu'au 14 septembre der- ner dringlichen Interpellation gebeten, zur Lage namentlich
Crise du Golfe. Interventions parlementaires 1530 N 24 septembre 1990
auch der Schweizer Wirtschaft Stellung zu nehmen. Ich Materials an die Zulieferanten zurückgeschoben werden, so
möchte Herrn Bundesrat Delamuraz für seine Ausführungen dass in den meisten Fällen eine Wiederverwendung ausge-
danken. schlossen wäre.
In unserer Kommission kam klar zum Ausdruck, dass wir den Dazu kommt ein weiteres Problem: Durch den Boykott ist
Bundesrat unterstützen und dass wir mit den ändern Staaten diese Firma gezwungen worden, den Vertrag mit dem iraki-
solidarisch sein müssen. In diesem Sinne haben wir es denn schen Partner zu brechen. Daraus ergibt sich eine Schadener-
auch nicht begriffen, dass von gewissen Seiten vom Bundes- satzpflicht, die besonders dann zum Tragen kommt, wenn ent-
rat verlangt wurde, dass man zum Courant normal zurückfin- sprechende Beträge mit Gegenforderungen des Irak verrech-
den sollte und wir auf diese Art und Weise weiterhin, insbeson- net werden können.
dere mit Irak, Handel betreiben sollten. Es wäre unfair, wenn auf das Unternehmerrisiko hingewiesen
Wir sind dankbar, dass der Bundesrat einen anderen Weg, würde. Der Bundesrat hat das richtigerweise nicht getan. Er
nämlich die Solidarität mit den ändern Staaten, gewählt hat. macht sich dennoch die Sache zu einfach, wenn er sich hinter
Diese Solidarität mit ändern Staaten wird in unserem Lande ei- Artikel 102 Ziffer 8 BV verschanzt und das Fehlen einer Rechts-
nige Unternehmungen etwas kosten. Die Frage liegt nun auf grundlage für die Entschädigungen geltend macht, die sich
der Hand, wer für diese Solidarität aufzukommen hat. aus Handlungen bei der Anwendung dieser Verfassungsbe-
Herr Bundesrat Delamuraz hat eben erwähnt, dass man u. a., stimmung ergeben. Der Verweis auf die Arbeitslosenversiche-
sollte ein Unternehmen in Schwierigkeiten geraten, auf die Ar- rung - Herr Oehler hat das bereits gesagt - stösst auch im vor-
beitslosenversicherung zurückgreifen kann. Meines Erach- liegenden Fall ins Leere, da sich der Schaden nicht in Arbeits-
tens, Herr Bundesrat, ist das ungenügend, insbesondere losigkeit oder Kurzarbeit niederschlägt. Die Frage musste viel-
dann, wenn ein Unternehmen wegen den Boykottmassnah- mehr aus der Optik der Gerechtigkeit und der Zumutbarkeit für
men in existentielle Nöte kommt - existentielle Nöte, welche die betroffenen Unternehmungen beurteilt werden und den
ein Unternehmen mittelfristig an den Rand des Ruins bringen Bundesrat dazu veranlassen, de lege ferenda solchen Fällen
werden. Das bedeutet für mich, dass wir unsere Solidarität mit Rechnung zu tragen.
ändern Staaten, nämlich das Mittun im Boykott, nicht auf Ko- Nach der erstmaligen Anwendung dieser neuen neutralitäts-
sten einzelner Unternehmen ausüben und jene Unternehmen politischen Praxis ist damit zu rechnen, dass sich solche Fälle
das alleine finanzieren lassen dürfen. wiederholen. Neue Massnahmen erfordern hinsichtlich deren
In diesem Sinne genügt es meines Erachtens nicht, wenn wir Folgen neue Ueberlegungen. Ich frage deshalb den Bundes-
bloss auf das Arbeitslosengesetz verweisen, wenn wir rück- rat an, ob er bereit ist, dieser neuen, für die Betroffenen
blickend auf den 14. September dieses Jahres vom Bund die schwerwiegenden Situation gesetzgeberisch Rechnung zu
Eingaben einverlangten und nun 200 Unternehmen da sind, tragen.
die offenbar in Schwierigkeiten kommen.
Ich bitte den Bundesrat, sich im Einzelfall etwas einfallen zu Fischer-Sursee: Die CVP-Fraktion begrüsst den verhängten
lassen, damit nicht die einzelnen Regionen, einzelne Unter- Boykott, vor allem auch, weil der Bundesrat rasch gehandelt
nehmen - nicht nur die Arbeitnehmer, sondern auch die In- hat, ohne Wenn und Aber und nicht hinterher wie die alte Fas-
haber dieser Unternehmen - in den Ruin getrieben werden. nacht. Er hatte aber im Grunde keine andere Wahl. Wenn sich
Die Kosten für Arbeitnehmer - ich finde das richtig - können schon die ganze Völkergemeinschaft entschliesst, gegen ei-
wir über die Arbeitslosenversicherung auffangen. Wir haben nen brutalen Rechtsbrecher vorzugehen, wäre es unverständ-
heute aber offenbar keine Möglichkeit, mit den geltenden Ge- lich, wenn die Schweiz abseits stehen und sich den Vorwurf,
setzgebungen den Unternehmungen unter die Arme zu grei- wieder einmal als Profiteur dazustehen, einhandeln würde.
fen. In diesem Sinne, Herr Bundesrat, ist für mich Ihre Antwort Es geht uns vor allem auch um die Frage der Ueberwachung,
im Hinblick auf die 200 Unternehmungen, Ihr Hinweis auf das und ich bitte Herrn Delamuraz, dafür zu sorgen, dass dieses
Arbeitslosenversicherungsgesetz, nicht genügend. Ich bitte Embargo gut überwacht wird. Das grosse Problem, das jetzt
Sie, hier etwas klarer zu werden. besteht, ist die Frage des Schadens in der Schweiz. Es wurde
darauf hingewiesen, dass dieses Embargo für verschiedene
Fischer-Seengen: Gestatten Sie mir, meine Sorge mit folgen- Unternehmungen Schaden, Verluste einbringen kann.
dem konkreten Beispiel zu illustrieren: Eine Firma in Wettin- Ich bin der Meinung, dass wir eine generelle Schadenersatz-
gen mit rund 80 Mitarbeitern hat sich vor rund drei Jahren ge- haftpflicht nicht diskutieren können, und dass eine generelle
genüber einer staatlichen kuwaitischen Gesellschaft verpflich- Entschädigungspflicht nicht besteht. Es gibt aber schon ver-
tet, für das geplante Telekommunikationszentrum eine Strom- schiedene Beispiele - Sie haben vorhin eines von Herrn Fi-
versorgungsanlage im Gegenwert von rund 1,7 Millionen scher-Seengen gehört -, dass vor allem kleine und mittlere
Franken zu erstellen. Dies entspricht etwa 10 Prozent des ge- Betriebe - mir sind auch solche Fälle bekannt - in Bedrängnis
samten Jahresumsatzes dieser Firma. Die Anlage sollte im geraten, weil sie fertiggestellte Waren nicht mehr ausliefern
kommenden Oktober/November geliefert und installiert wer- können oder auf halb ausgeführten Aufträgen sitzen bleiben.
den. Bei Erlass des Handelsboykotts gegen den Irak und Ku- Ich glaube, hier können wir das nicht so einfach abtun, wie es
wait am 7. August 1990 arbeitete ein Grossteil der Belegschaft der Herr Bundesrat dargelegt hat: dass die gesetzlichen
an diesem Auftrag. Sofort nach Bekanntwerden des Handels- Grundlagen fehlen, dass die Arbeitslosenversicherung bezah-
boykotts wurden sämtliche Arbeiten eingestellt und es wur- len soll. Ich glaube, hier ist es nun unsere Pflicht, aus Solidari-
den, so gut es ging, andere Aufträge vorgezogen. Beim Stopp tät gegenüber Unternehmungen, die in eine existentielle Be-
waren indessen bereits folgende Kosten aufgelaufen: Von Zu- drohung kommen, zu helfen.
lieferanten bereits gelieferte oder zumindest bestellte Materia- Es gibt übrigens noch ein weiteres Problem: Es sitzen immer
lien für 800 000 Franken, geleistete Projektierungsarbeiten noch einige Schweizer im Irak fest, das sind vor allem Mon-
100000 Franken, geleistete Produktionsarbeiten 200000 teure, die sogar nur kurzfristig dort waren und vom Vorfall
Franken, Totalkosten: 1,1 Millionen Franken. Die teilweise überrascht wurden. Auch hier stellt sich die Frage, wie ihren
ausländischen Zulieferanten sind aus verständlichen Grün- Angehörigen finanziell geholfen werden kann. Es ist möglich,
den nicht bereit, die gelieferte oder teilweise bereits bezahlte dass hier die Arbeitslosenversicherung eine Zeitlang zahlt.
Speziesware einfach zurückzunehmen. Auch bei aller Kulanz Aber ich glaube, das ist keine Lösung. Man sollte auch hierfür
der Zulieferanten wird die betroffene Firma allein unter diesem die Angehörigen eine finanzielle Lösung finden, die tragbar
Titel einen Schaden von einigen hunderttausend Franken er- und richtig ist.
leiden. Es stimmt, dass wir im Augenblick dazu keine gesetzliche
Da auch sämtliche Projektierungs- und Produktionskosten un- Grundlage haben. Ich glaube aber, das ist kein Entschuldi-
widerruflich verloren sind, dürfte schliesslich ein Schaden von gungsgrund, sondern wir müssen eben diese gesetzliche
mindestens 600 000 bis 800 000 Franken resultieren. Daran Grundlage schaffen. Die Billigkeit fordert das. Wenn wir schon
würde sich selbst dann nichts ändern, wenn in naher Zukunft sehen, dass die EG und die anderen Industriestaaten den An-
der Handelsboykott gegenüber Kuwait aufgehoben würde. rainer-Golfstaaten, die durch diesen Konflikt und diese Mass-
Aus Platzgründen musste nämlich bereits der grösste Teil des nahmen in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten sind, hei-
24. September 1990 N 1531 Golfkrise. Parlamentarische Vorstösse
fen, warum sollen wir dann nicht unseren eigenen Staatsbür- dernier va examiner très attentivement - M. Oehler je vous en
gern und unseren Unternehmen, die allenfalls in echte donne la garantie, vous qui n'étiez pas plus satisfait que M.
Schwierigkeiten geraten, unsere solidarische Hilfe zukommen Fischer de la réponse que j'ai faite - cas par cas, les situations
lassen? qui lui ont été données dans le délai du 14 septembre, c'est-à-
dire il y a dix jours. Si réellement il devait constater qu'il y a des
M. Delamuraz, conseiller fédéral: Tout d'abord en ce qui con- cas dignes d'intérêt individuel ou dignes d'intérêt régional que
cerne les cas qui nous ont été soumis à la suite des décisions les dispositions actuelles ne permettent pas de prendre en
prises par le Conseil fédéral, nous devons constater qu'il y a compte, sachez bien que le Conseil fédéral ne fera pas la
des cas préoccupants, mais qu'il n'y a aucun cas catastrophe. sourde oreille et qu'il examinera alors la possibilité d'étendre
Je veux dire par là que dans aucune entreprise il n'a été ap- les bases légales à sa disposition pour, le cas échéant, éviter
porté la preuve que la décision d'embargo allait signifier des ce que j'ai appelé des drames d'entreprises ou des drames ré-
conséquences économiques graves, voire gravissimes et que gionaux. Jusqu'à maintenant, rien de semblable, je vous l'ai
ces conséquences économiques pourraient aller jusqu'à la affirmé. Mais, rien ne me dit que nous n'aurons pas, dans les
fermeture de l'entreprise. Il y a donc -jusqu'à maintenant en temps qui viennent, l'annonce de situations beaucoup plus
tout cas à notre connaissance - un certain nombre de cas di- préoccupantes que celles qui ont été énoncées.
gnes d'attention mais il n'y a eu, heureusement, aucun cas Je prends donc l'engagement devant le conseil qu'à l'examen
catastrophe. des cas qui nous sont soumis, le Conseil fédéral se réserve
Je remercie M. Oehler, président de la commission, MM. Fi- l'éventualité d'aller au-delà des possibilités légales actuelle-
scher-Seengen et Fischer-Sursee d'avoir attiré notre attention ment inscrites et de proposer au Parlement - vraisemblable-
sur la signification pour certaines entreprises de la décision ment c'est lui qui en sera responsable - d'éventuelles possibi-
d'embargo. Je peux leur répondre en quatre points. lités de réparation fondées sur de nouvelles bases légales pre-
En premier lieu, je constate que contrairement à ce qui a pu nant en compte les situations qui seront connues de nous.
être dit, à notre connaissance, aucun des Etats pratiquant C'est dans cet esprit, non de promesse quant à la substance,
l'embargo sur l'Irak et le Koweit n'a jusqu'à maintenant intro- mais d'ouverture quant à l'examen qui sera effectué, que je
duit, en faveur des entreprises touchées par les conséquen- puis - du moins je l'espère - apaiser l'inquiétude de ceux qui
ces de cet embargo, d'indemnités autres que les indemnités se sont exprimés dans ce sens et celle des chefs d'entreprises
courantes que connaissent leurs législations. Si certaines qui sont confrontés à des situations difficiles.
législations nationales vont au-delà des nôtres, c'est possible,
mais en général pas tellement au-delà des nôtres, en sorte Oehler: Ich möchte Herrn Bundesrat Delamuraz danken. Er
que ce que l'on peut dire aujourd'hui, en droit international hat immerhin die Bereitschaft zu erkennen gegeben, dass
comparé, c'est que les autres Etats appliquant l'embargo man gewillt ist, etwas zu tun.
n'ont pas pris de mesures particulières consécutives à cette Ich möchte nur noch den Satz beifügen - das muss dann mit-
décision, en faveur de celles de leurs entreprises nationales beachtet werden -: Wenn jemand in den vergangenen Jahren
touchées. Ce n'est pas une raison, s'ils ne l'ont pas fait, pour mit einem Akkreditiv mit diesen beiden Staaten gearbeitet hat,
que nous ne le fassions pas nous-mêmes, mais voilà l'état de war es für ihn nicht mehr nötig, die ERG abzuschliessen. Das
droit tel que je peux vous le décrire. muss dann berücksichtigt werden.
Deuxièmement, j'ai annoncé tout à l'heure la possibilité de re- Ich bin von der Antwort des Bundesrates befriedigt.
courir aux institutions de l'assurance-chômage. C'est en effet,
en l'état actuel du droit, l'institution la plus directement utilisa- Fischer-Seengen: Dank der Replik von Herrn Bundesrat Dela-
ble dans ce cas, pour autant bien sûr que des ruptures de muraz kann auch ich mich von der Antwort befriedigt erklären.
contrats forcées par l'embargo entraînent des restrictions de Ich freue mich darüber, dass er Hand bieten will, solchen Här-
la durée du travail dans telle ou telle entreprise. Je confirme de tefällen mit geeigneten Massnahmen zu begegnen.
manière très claire et très nette que le Conseil fédéral fera un
usage particulièrement souple et efficace des dispositions de
cette assurance-chômage pour répondre aux cas de rigueur
qui se poseraient à lui en ce domaine. Schluss der Sitzung um 20.35 Uhr
Un troisième point réclame notre attention. Il s'agit de l'enga- La séance est levée à 20 h 35
gement de la garantie des risques à l'exportation, de la GRE,
en ce domaine. Je n'en ai pas parlé dans ma réponse, mais je
puis dire maintenant qu'il y a là quelques ressources, mais
elles ne sont - je dois bien le reconnaître - pas très nombreu-
ses. En effet, je constate que la GRE ne pourrait fonctionner,
s'agissant d'entreprises engagées auprès de l'Irak ou auprès
du Koweit, que pour des contrats qu'elle aurait préalablement
assurés. Là, son rôle et sa responsabilité seraient bel et bien
d'assumer les pertes enregistrées par ces entreprises. Mais il
faut bien le dire, il y a peu d'entreprises en relation tant avec
l'Irak qu'avec le Koweit, qui aient été ornées de la bénédiction
de la GRE; en sorte que je ne voudrais pas éveiller des espoirs
excessifs et dire de manière plus réaliste que l'outil de la GRE
est à disposition, mais que pratiquement et concrètement les
effets qu'on peut en espérer sont limités particulièrement avec
l'Irak, un peu moins avec le Koweit où les relations et le courant
normal ont été de tous temps plus intenses, proportionnelle-
ment meilleurs et plus confiants qu'avec l'Irak.
Quatrièmement, je répète aux honorables préopinants que
tout le problème est de savoir si nous disposons de la base lé-
gale pour parvenir à un dédommagement, compte tenu des
effets de cette politique à l'égard des entreprises touchées de
plein fouet par nos dispositions. La réponse est non. Hormis
les quelques dispositions de la loi sur l'assurance-chômage et
de la GRE, il n'y a pas de base légale; la question est alors de
savoir si nous voulons et si nous devons la créer. Le Conseil
fédéral n'a pas voulu le faire directement et spontanément
lorsqu'il a présenté ses dispositions relatives à l'embargo. Ce
Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften
Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées
Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali
Golfkrise. Parlamentarische Vorstösse
Crise du Golfe. Interventions parlementaires
In Amtliches Bulletin der Bundesversammlung
Dans Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale
In Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale
Jahr 1990
Année
Anno
Band IV
Volume
Volume
Session Herbstsession
Session Session d'automne
Sessione Sessione autunnale
Rat Nationalrat
Conseil Conseil national
Consiglio Consiglio nazionale
Sitzung 06
Séance
Seduta
Geschäftsnummer ---
Numéro d'objet
Numero dell'oggetto
Datum 24.09.1990 - 14:30
Date
Data
Seite 1508-1531
Page
Pagina
Ref. No 20 018 980
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