SRG Program Autonomy and National Anthem Broadcast
Legislator-Zusammenfassung
KI-generiertThe parliamentarian raised concerns about the Swiss Broadcasting Corporation (SRG), including its fee policies, structural issues, and access to files. The government responded that while some of the parliamentarian's concerns were understandable, mandating the broadcast of the national anthem daily would infringe on the SRG's program autonomy, violating the constitution. The government also noted that structural reforms were underway and that the SRG, despite its fee-based funding, operated as a private association and was subject to competition, recommending the motion be rejected.
Legislator-Regeste
KI-generiertArt. 55bis Absatz, Art. 55bis Abs. 3 der Verfassung; SRG Program Autonomy and National Anthem Broadcast: The government responded that while some of the parliamentarian's concerns were understandable, mandating the broadcast of the national anthem daily would infringe on the SRG's program autonomy, violating the constitution. The government also noted that structural reforms were underway and that the SRG, despite its fee-based funding, operated as a private association and was subject to competition, recommending the motion be rejected.
Schlagwörter
KI-generiertVerwandte Entscheide
KI-generiertZentrale Rechtsfragen, extrahiert von Legislator
KI-generiertCited as the basis for rejecting the motion because a directive to broadcast the national anthem would interfere with the program autonomy guaranteed by this article.
Volltext
3. März 1992 281 Interpellation Reimann Maximilian
di sentire il nostro inno, dico almeno: ascoltiamolo a mezza- #ST# 90.489
notte.
Interpellation Reimann Maximilian
Bundesrat Ogi: Zunächst zu Herrn Maspoli: Auch mir hat na-
türlich bei den Olympischen Spielen in Albertville die Schwei- SRG. Gebührenerhöhung.
zerhymne gefehlt; sie wurde leider nur einmal gespielt. Ueberprüfung der Strukturen,
Wir dürfen uns nicht von diesen Enttäuschungen leiten lassen, Fichen-Einsicht
sondern wir müssen diese Motion im Detail ansehen. Der Mo-
tionär, Herr Ruf, will den Bundesrat beauftragen, die SRG-Kon-
SSR. Hausse des redevances,
zession und die Rundfunkverordnung so zu ergänzen, dass in réexamen des structures
allen Radio- und Fernsehprogrammen schweizerischer Veran- et droit de regard sur les fichiers
stalter einmal täglich die Schweizer Nationalhymne ausge-
strahlt wird. Obwohl der vorgeschlagene Weg rechtlich nicht Diskussion - Discussion
gangbar scheint - so haben es mir wenigstens die Juristen ge- Siehe Jahrgang 1990, Seite 1314-Voir année 1990, page 1314
sagt -, ist das Anliegen von Herrn Nationalrat Ruf durchaus
verständlich. Denn möglicherweise vernachlässigen wir un-
sere Symbole zu stark, vernachlässigen wir die emotionale
Ebene.
Ich verstehe, dass viele Bürgerinnen und Bürger dies als Defi-
zit empfinden. Auch ich hätte persönlich nichts dagegen, Reimann Maximilian: Am Datum meiner Interpellation-sie ist
wenn die Nationalhymne an Radio und Fernsehen etwas häu- nun fast zwei Jahre alt - ersieht man die signifikante Entwick-
figer zu hören wäre. Das hat nichts mit Hurrapatriotismus oder lung, die seither in Sachen elektronische Medien in unserem
gar mit Nationalismus zu tun, sondern vielmehr mit dem Ge- Lande stattgefunden hat. War im Frühling 1990 noch von der
fühl der Zusammengehörigkeit, mit nationalem Zusammen- damals bevorstehenden Gebührenerhöhung die Rede, so
halt, was gerade in diesen bewegten Zeiten besonders wichtig steht uns bereits die nächste Runde an noch höheren Gebüh-
wäre oder wichtig ist ren bevor. Wurde damals noch die Forderung nach einer
Dennoch ist die Forderung, die Radio- und Fernsehveranstal- Strukturreform der SRG erhoben, so ist diese heute zumindest
ter zur regelmässigen Ausstrahlung der Nationalhymne zu ver- auf nationaler Ebene bereits verwirklicht. Und wurden damals
pflichten, abzulehnen, dies aus formaljuristischen Gründen. gewisse Informationssendungen der SRG der einseitigen Par-
Es ist nun einmal so. Als Nichtjurist müsste ich fast sagen: teinahme und Linkslastigkeit bezichtigt, so haben wir jüngst
Auch hier haben die Juristen das letzte Wort. Es ist also keine von der Unabhängigen Beschwerdeinstanz die Beweise hier-
pauschale Ablehnung. Es ist einfach die Trennlinie zwischen für geliefert bekommen. Ich denke an die krassen Konzes-
SRG und Politik. Denn eine solche Weisung oder Auflage des sionsverletzungen durch das Fernsehen DRS im Zusammen-
Bundesrates wäre ein Eingriff in die in Artikel 55bis Absatz 3 hang mit bürgerlichen Politikern; die Namen Blocher, Wagner
der Verfassung garantierte Programmautonomie. Sie wäre oder Egloff zeugen davon. Ich möchte ergänzen, dass diese
also klar und deutlich verfassungswidrig. Es muss deshalb Fälle nur die Spitze des Eisbergs sind. In vielen anderen Fällen
den einzelnen Veranstaltern überlassen bleiben, inwieweit sie waren die Programm-Macher raffiniert genug und überschrit-
dem an sich berechtigten Anliegen Rechnung tragen wollen. ten die Grenzen der Illegalität nicht Jüngstes Beispiel hier: der
Der Bundesrat bittet Sie, diese Motion abzulehnen. anwaltschaftliche «Rundschau»-Beitrag über die Flugzeugbe-
schaffungsvorlage von letzter Woche.
Abstimmung - Vote Meine damalige Interpellation basierte auf der Erkenntnis,
Für Ueberweisung der Motion 16 Stimmen dass breite Kreise unserer Bevölkerung nicht mehr bereit
Dagegen 65 Stimmen sind, für ein Produkt stets höhere Gebühren zu bezahlen, das
im Informationsbereich in ein gesellschaftspolitisches Spek-
trum abdriftet, das mit der pluralistischen Zusammensetzung
unseres Volkes nicht mehr viel gemeinsam hat. Wenn private
#ST# 90.396 Radioprogramme den mit Gebühren finanzierten SRG-Pro-
grammen je länger, je mehr den Rang ablaufen, wenn die
Interpellation Oehler SRG-Fernsehprogramme nur noch von einer Minderheit un-
serer Bevölkerung zur Kenntnis genommen werden wollen,
SRG-Gebührenpolitik. Masslos kann doch mit dieser Institution irgend etwas nicht mehr
Redevances radio et télévision. stimmen.
Revendications démesurées de la SSR In dieser Situation rief ich mit meinem Vorstoss die Landesre-
gierung auf den Plan. Ich darf heute mit Genugtuung feststel-
Diskussion - Discussion len, dass der Bundesrat gehandelt hat Es ist weitgehend Ihr
Verdienst, Herr Bundesrat Ogi, dass die Strukturreform so
Siehe Jahrgang 1990, Seite 1311 - Voir année 1990, page 1311 rasch an die Hand genommen wurde. Es ist weitgehend Ihr
Verdienst, dass demnächst neue Köpfe an die Spitze der
SRG-Trägerschaft treten und versuchen werden, die SRG als
Unternehmen zu führen und - um die bundesrätlichen Worte
zu zitieren-«Unzulänglichkeiten .... auf seilen der Programm-
Präsident: Herr Oehler ist nicht im Saal. Andere Wortbegeh- schaffenden zu verhindern».
ren liegen nicht vor. Damit ist die Interpellation erledigt In diesem Zusammenhang möchte ich nochmals klar und
deutlich festhalten, dass sich mein Vorstoss nie gegen die
SRG als Ganzes, gegen die SRG-Belegschaft als Ganzes oder
gegen die SRG-Programme als Ganzes gerichtet hat Er nahm
lediglich zwei Dinge aufs Korn:
1. die per saldo eindeutige Linkslastigkeit der SRG-Informati-
onssendungen;
2. die in verschiedenen Bereichen mangelhafte Ausgabendis-
ziplin bei der SRG.
Da die SRG aber an der Schwelle einer neuen Epoche steht,
mit neuer Struktur, neuer Gesetzesgrundlage und alsbald
auch neuer Konzession und neuem Leistungsauftrag, ist es
zweckmässiger, mit Zuversicht in die Zukunft zu blicken, statt
Interpellation Reimann Maximilian 282 3 mars 1992
mit Zorn zurück in die Vergangenheit. Gestatten Sie mir des- Ich bin der Auffassung, dass wir der SRG sogar danken müss-
halb abschliessend, Herr Bundesrat, drei Fragen: ten, dass sie dank ihrem Beitrag in unserem Land tatsächlich
1. Halten Sie es angesichts der zunehmenden Vielfalt im elek- noch so etwas wie einen publizistischen Wettbewerb ermög-
tronischen Medienbereich nicht für sinnvoll und zweckmäs- licht. Dass dieser publizistische Wettbewerb nicht allen politi-
sig, den neuen Leistungsauftrag der SRG enger zu formulie- schen Lagern in den Kram passt, beweist gerade, dass es die
ren? Sie kann damit Kosten sparen bzw. die eingesparten Ko- SRG, so wie sie sich heute präsentiert, braucht. Ich hoffe, der
sten in die Verbesserung ihres Programmangebotes investie- Rat bestätigt diese Auffassung.
ren. 2. Hält es der Bundesrat für richtig, dass die SRG im terre-
strischen Bereich eine weitere Fernsehprogrammkette auf- Frau Grendelmeier: Herr Reimann Maximilian, ich staune im-
baut? Wird er dafür die Konzession erteilen, und, falls ja, sollmer wieder, mit welcher Akribie und mit welcher Verbissenheit
diese Kette ebenfalls mit Gebühren finanziert werden? Sie eine Institution bekämpfen, von der Sie ganz genau wis-
3. Halten Sie es mit Ihrer Forderung, wonach sich die SRG zu sen, dass Sie ihr zu verdanken haben, dass Sie in diesem Saal
einem Unternehmen wandeln müsse, weiterhin vereinbar, sitzen. Herr Reimann, Sie waren - wenn ich es einmal so sa-
dass die SRG in der umständlichen Form eines Vereins nach gen darf - die erste männliche Ansagerin in diesem Institut,
ZGB geführt wird und ihre Belegschaft weiterhin einen beam- und Sie haben sich dort nicht als Journalist profiliert, sondern
tenähnlichen Status hat? Sie hatten die Gelegenheit, sich fast täglich dem Publikum zei-
gen zu können und sich dadurch einen Wettbewerbsvorteil
gegenüber allen anderen Kandidaten zu erwerben. Und nun
Moser: Der Vorstoss Reimann Maximilian zielt in die richtige
schiessen Sie auf diese Institution und versuchen, sich noch
Richtung.
einmal über diese verhasste SRG zu profilieren.
Es ist ärgerlich, dass wir bei unserem Monopolmedium SRG,
Die Gebühren, die Sie bezahlen müssen, mögen hoch sein.
welches vom Volk mit Zwangsgebühren finanziert werden
Aber es ist von Herrn Vollmer gesagt worden: Sie haben es kei-
muss, zuschauen müssen, wie die SRG ihre staatspolitische
neswegs mehr mit einer Monopolinstitution zu tun. Wir haben
Aufgabe schon lange nicht mehr trägt, obgleich es ihr laut Pro-
eine ausländische Konkurrenz, die heutzutage mindestens
grammauftrag zur Pflicht gemacht wird. Mindestens für bür-
vierzig Stationen umfasst. Das ist eine enorme Konkurrenz.
gerlich denkende Konsumenten ist es mehr und mehr uner-
Vielleicht noch ein Wort zur SRG an und für sich. Die SRG ist
träglich festzustellen, dass die Mehrzahl der DRS-Medienleute
das, was man gemeinhin eine öffentlich-rechtliche Institution
gnadenlos jede sich bietende Gelegenheit nutzen, um unse-
nennt. Ich bin nach wie vor- ich wiederhole es hier- eine über-
ren Staat in Frage zu stellen, um ihre eigene linkslastige und
zeugte Vertreterin der öffentlich-rechtlichen Institution. Wenn
wirtschaftsfeindliche Meinung anzubringen. Jüngste Bei-
pausenlos davon geredet wird, dass die Konkurrenz über ein
spiele bei der Aufbauschung der Fichenaffäre oder der P-26/
Kommerzfernsehen die Qualität der Programme verbessern
P-27-Angelegenheiten, bei der Armeeabschaffungs-lnitiative,
würde, so wissen wir längst, dass das nicht stimmt. Weshalb?
bei der Drogenfreigabe oder beim Ostsozialismus zeigen,
Weil die Ziele der beiden Institutionen total verschieden sind.
dass die Unterwanderung bei der SRG schon weit fortgeschrit-
Die öffentlich-rechtliche Institution hat ein Hauptziel: das ist
ten ist
das Programm. Das kostet Geld. Das Kommerzfernsehen hat
Im Bericht der SRG an das EVED über die Strukturreform wird
ein einziges Ziel, das heisst: Geld verdienen, und dafür
denn auch beklagt, dass unzureichende Finanzierung einen
braucht es ein Programm. Sie sehen, es sind zwei gegenläu-
Leistungsabbau nach sich zieht, welcher zu einem Publikums-
fige Ziele, die sich nicht miteinander vergleichen lassen,
und Legitimationsverlust führen würde. Die SRG hat sich
schon gar nicht, wenn es darum geht, den alten Spruch vom
selbst geschwächt, indem sie trotz der Finanzierung durch
Wettbewerb, welcher die Qualität der Programme verbessert,
Gesellschaft und Staat ihren Leistungsauftrag nicht korrekt er-
wieder aufzuwärmen. Hier stimmt es nicht.
füllt hat. Sie kann nicht behaupten, dass eine Unterfinanzie-
Wir müssen in den öffentlich-rechtlichen Anstalten die Qualität
rung die Ursache ihres Publikums- und Legitimationsverlustes
des Programmes auf das Niveau der Kommerzsender absen-
sei. Die automatische Gebührenanpassung ist angesichts der
ken, damit wir genügend Publikum haben. Sie werden zur sel-
zunehmenden Beschwerden über SRG-Sendungen, aber
ben Zeit «Dallas», «Schwarzwaldklinik» und was es immer an
auch der finanziellen Misswirtschaft der SRG nicht zu verant-
Seifenopern geben mag, sehen müssen, und zwar auch in
worten.
den Programmen der öffentlich-rechtlichen Anstalten, was
Ich bitte Sie in diesem Sinne, den Vorstoss Reimann Maximi-
ganz bestimmt nicht zur Anhebung der Qualität führt.
lian zu unterstützen.
Aber ein anspruchsvolles Programm, ein Programm wie jenes
der SRG, die nach der Verfassung Minderheiten berücksichti-
Vollmer: Eigentlich lohnt es sich nicht, zu einem solchen Vor- gen muss, ob sie es will oder nicht, enthält auch Minderheiten-
stoss zu sprechen, der - ich kann es nicht anders sagen - zur programme, die Geld kosten. Ich glaube, wenn wir heute in ei-
Profilierung des Urhebers in die Welt gesetzt wurde. Es ist in ner Schweiz leben, die sich nach aussen öffnet, einer Schweiz,
diesem Lande einfach, es ist billig, über die SRG herzufallen: die in diesem Sektor der ausländischen Konkurrenz ausge-
Viele Hörer ärgern sich manchmal über eine bestimmte Sen- setzt ist wie kein anderes Land, dann müssen wir ein Fernse-
dung. Aber ich habe gleichwohl das Wort ergriffen, weil ich es hen haben, das gegen innen die schweizerische Eigenart kräf-
richtig finde, dass man noch einige Bemerkungen als Gegen- tigt und stärkt.
gewicht zu den jetzt doppelt geäusserten Argumenten präsen- Nur ein Schweizer Fernsehen kann beispielsweise attraktiv ge-
tiert. nug über Schweizer Politik berichten. Ich kann mir nicht vor-
Die SRG - man kann das nicht deutlich genug sagen - ist kein stellen, dass sich ein Kommerzfernsehen - das dann die Ge-
Monopolmedium. Bei mir zu Hause jedenfalls kann ich unter bühren selbstverständlich unnötig machen würde - mit dem-
Dutzenden von Programmen wählen. Ich bin überhaupt nicht selben Rlichtbewusstsein dieser Programme annähme, weil
darauf angewiesen, mir nur ein bestimmtes Programm anzu- sie nämlich zu wenig publikumswirksam sind.
hören oder anzusehen. Die SRG ist längst in intensiver Kon- Ich bitte Sie also, das Postulat von Herrn Reimann Maximilian
kurrenz mit sehr vielen ausländischen Stationen; beim Radio abzulehnen. Es ist sehr durchsichtig, weshalb das Thema wie-
im Lokalbereich auch mit privaten Stationen. der einmal zur Sprache kam. Wenn wir noch eine schweizeri-
Ich habe den Eindruck, dass sich hier einige Leute von rechts sche Identität über ein Medium herstellen wollen, dann ist es
offenbar darüber ärgern, dass man die SRG nicht mit einem In- ein öffentlich-rechtliches Medium, und dann ist es in diesem
serateboykott oder mit anderen unschönen Dingen diszipli- Fall eben die SRG, die -wie Sie vielleicht gehört haben -daran
nieren kann: Man kann die SRG offenbar nicht in gleicher ist, ihre eigenen Strukturen zu verbessern und zu modernisie-
Weise disziplinieren, wie das zum Teil in Printmedien immer ren.
wieder versucht wird und teilweise mit Erfolg geschieht. Ge- Noch ein kleines Wort: Der Zentralvorstand, die Regionalvor-
rade deshalb dürfen wir solche Aeusserungen nicht einfach im stände setzen sich in der Mehrheit aus Bürgerlichen und nicht
Räume stehenlassen. Die SRG darf nicht am Gängelband ein- aus Linken zusammen. Wenn wir einen «linken» Programmdi-
zelner politischer Gruppen gehalten werden. rektor haben oder einen «linken» Radioprogrammdirektor,
3. März 1992 N 283 Interpellation Vollmer
dann wurde er von der rechten, bürgerlichen Seite der beiden fest, dass wir eine starke SRG brauchen. Ich plädiere auch da-
Vorstände gewählt. für, dass wir starke Medien haben. Wir müssen dafür besorgt
sein, dass sie stark bleiben können. Ich bitte Sie auch, das
neue Bundesamt für Kommunikation, das am 1. April seine Tä-
Persönliche Erklärung - Déclaration personnelle tigkeit aufnehmen wird, ein starkes Bundesamt werden zu las-
Reimann Maximilian: Nur ganz kurz. Herr Vollmer, ich bitte sen. Wir müssen die Medien generell fördern. Wir sollten es
Sie, mir besser zuzuhören. Kein einziges Mal ist von mir das nicht zulassen, dass wir Zustände wie beispielsweise in
Wort Monopolmedium gebraucht worden. Ein Schweizer Oesterreich bekommen, wo die Presse nicht mehr den Oester-
Fernsehen DRS, das nur noch eine Einschaltquote von durch- reichern gehört
schnittlich 30 Prozent hat, wird sicher von mir nicht als Mono- In bezug auf die Werbung möchte ich generell sagen, dass wir
polmedium betitelt. Aber das Gebührenmonopol haben wir uns überlegen müssen, wie sich die Presse finanzieren kann.
nach wie vor, und das ist ein grosser Stein des Anstosses in Grundsätzlich ist es so, dass sich die SRG auch in Zukunft
unserer Bevölkerung. weitgehend über Gebühren finanzieren muss. Klar braucht sie
Wenn Sie mir Profilierungssucht vorwerfen: Ich hätte von Ih- auch noch die Werbung, aber sie braucht vor allem die Gebüh-
nen als Hochschuldozent doch erwartet, dass Sie bessere Ar- ren. Die anderen Medien, Lokalradios sowie die Printmedien,
gumente haben, wenn Sie mich bekämpfen wollen. Wenn Sie sollten ihre Finanzen in erster Linie über die Werbung sichern
einen Vorstoss einreichen, der mir nicht gefällt, dann bin ich können. Eine Teilung der Einkünfte ist notwendig; wir müssen
wahrscheinlich der letzte, der Ihnen Profilierungssucht vor- uns in diese Richtung orientieren. Wir brauchen selbständige
wirft Ich bitte Sie, sich auch hier ein bisschen an die Regeln in und starke schweizerische Medien. Wir wollen keine Medien-
diesem Haus zu halten. überfremdung.
Frau Grendelmeier: Der erste Teil Ihres Votums befand sich Stichwort Leistungsauftrag: Die SRG hat eine Grundversor-
auf einem derartigen Niveau, dass ich mich überhaupt nicht gung sicherzustellen. Wir brauchen eine Radio- und Fernseh-
dazu äussere. Ich äussere mich nur zum letzten Teil: Sie ha- versorgung nicht nur für die Agglomerationen, sondern auch
ben von einem Postulat gesprochen. Sie haben auch hier Ihre für das Kandertal, für das Lötschental. Diese Grundversor-
Hausaufgaben nicht gemacht. Ich habe eine Interpellation ein- gung muss gesichert sein und bleiben. Dazu gehören ver-
gereicht und kein Postulat. schiedene Aufgaben wie die kulturelle Entfaltung, die Möglich-
keiten der unabhängigen, freien Meinungsbildung. Schliess-
Bundesrat Ogi: Wenden wir uns der Interpellation zu! Es ist lich soll die Unterhaltung nicht nur auf die Agglomerationen
kein Postulat. Diese Interpellation datiert vom 23. März 1990. ausgerichtet werden, sondern auch die Rand- und Bergge-
Seit dieser Zeit ist viel Wasser die Aare hinuntergeflossen. biete berücksichtigen. Dass sich die SRG dabei unternehme-
Aber es ist auch viel gegangen. Aufgrund der Ausführungen risch und kostenbewusst verhalten soll, ist unbestritten.
von Herrn Nationalrat Reimann Maximilian kann ich anneh- Herr Reimann Maximilian, die Frage einer weiteren Programm-
men, dass er weitgehend mit unserer Antwort zufrieden ist und kette wird im Rahmen des neuen Radio- und Fernsehgesetzes
dass die Zukunft auch ihn - es ist sehr gut, das zu wissen - zu- zu entscheiden sein. Ich glaube, dass die Lösung in die Rich-
versichtlich stimmt. tung gehen könnte, die Sie verlangt haben. Im Bereich der
Wissen Sie, Herr Reimann, auch ich ärgere mich manchmal zweiten Kette sind die Oesterreicher ein Beispiel. Dass Sport-
über die SRG. Aber ich glaube, es ist zu einfach, wenn man ereignisse heute sporadisch auf der Sportkette ausgestrahlt
jetzt eine Pauschalkritik loslässt. Es gibt bei der SRG sehr viele werden, ist im Rahmen der geltenden Konzession möglich.
gute Leistungen, die wir heute auch nicht vergessen wollen. Für ein neues Vollprogramm wäre eine neue Konzession not-
Nun noch kurz zu Ihren schriftlich gestellten Fragen. Ich sage wendig.
das bewusst, weil Ihre Interpellation eben zwei Jahre zurück- Schliesslich zum Unternehmen SRG als von Ihnen formulier-
datiert. Ich möchte für das Protokoll und die Geschichte und tem Stichwort: Die Vereinsform hindert die SRG nicht, sich un-
nicht zuletzt aufgrund dessen, was gesagt wurde, doch noch ternehmerischer zu verhalten. Die Strukturreform basiert zwar
ergänzen: Der Bundesrat hat die Gebühren der SRG seit dem auf dem Vereinsrecht, lehnt sich aber stark an das Aktienrecht
1. Januar 1991 um 25 Prozent erhöht. Er ist dabei den Emp- an. Ob eine weitere Etappe nötig sein wird, wird sich weisen.
fehlungen des Preisüberwachers gefolgt Der Bundesrat hielt Eine weitere Etappe könnte zu einem späteren Zeitpunkt im
eine Erhöhung in der genannten Grössenordnung - Sie wis- Sinne eines pragmatischen Vorgehens nötig werden.
sen, die SRG hat 30 Prozent verlangt-für unerlässlich, um die
Leistungsfähigkeit und auch den Leistungsauftrag zu erfüllen Präsident: Der Interpellant ist von der Antwort des Bundesra-
und die Gleichgewichte sicherzustellen. Diese Sicht hat sich, tes befriedigt
so meinen wir, bewahrheitet. Die SRG muss aber auf der ande-
ren Seite ihre Sparanstrengungen verstärken. Sie will bis Ende
1992 rund 230 Stellen abbauen; sie hat auch im Budget1992
und im Finanzplan 1993-1996 Sparanstrengungen vorgese-
hen, vor allem mit einer strafferen Ausgabenpolitik. #ST90.739
#
In bezug auf Ihre zweite Frage, die Sie auch schriftlich einge-
reicht haben, halte ich fest, dass der Bundesrat von der SRG Interpellation Vollmer
verlangt hat, dass sie ihre Strukturen und die Konkretisierung
ihres Leistungsauftrages grundsätzlich überprüft Die SRG hat Politische Propaganda
dem Eidgenössischen Verkehrs- und Energiewirtschaftsde- in Werbesendungen der SRG
partement den Bericht fristgerecht erstattet. Sie orientiert darin TV. Propagande politique
umfassend über ihre Reformziele. sous le couvert de publicité
Ich danke Ihnen, Herr Reimann: Sie haben erkannt, dass wir
auf dem richtigen Weg sind. Sie wissen, dass der Bundesrat Diskussion - Discussion
am 12. Februar dieses Jahres auch die Statuten der SRG ge-
nehmigt hat. Sie wissen, dass nun die Konzession ausgehan- Siehe Jahrgang 1990, Seite 2490 - Voir année 1990, page 2490
delt werden muss, und danach sollten die Statuten ebenfalls
angepasst werden.
Schliesslich halte ich fest, dass die SRG nicht öffentlich-recht-
lich konzipiert ist. Sie ist ein privatrechtlicher Verein. Das dür-
fen wir nicht vergessen. Ihre Redaktionen verfügen - ebenso Vollmer: Ich sage vorweg, dass ich von der Antwort des Bun-
wie diejenigen der Presse-über Archiv-und Dokumentations- desrates nicht befriedigt bin. Der Bundesrat macht es sich mit
material. seiner Antwort allzu einfach. Die Abgrenzung der politischen
Auf Ihre heute gestellten Fragen möchte ich kurz antworten: Propaganda von der Werbung ist ein Problem, das wir seit
Zunächst formuliere ich ein Plädoyer für die Presse. Ich halte Jahren kennen. Wir haben genau vor einem Jahr hier entschie-
Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften
Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées
Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali
Interpellation Reimann Maximilian SRG. Gebührenerhöhung. Ueberprüfung der
Strukturen, Fichen-Einsicht
Interpellation Reimann Maximilian SSR. Hausse des redevances, réexamen des structures
et droit de regard sur les fichiers
In Amtliches Bulletin der Bundesversammlung
Dans Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale
In Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale
Jahr 1992
Année
Anno
Band II
Volume
Volume
Session Frühjahrssession
Session Session de printemps
Sessione Sessione primaverile
Rat Nationalrat
Conseil Conseil national
Consiglio Consiglio nazionale
Sitzung 02
Séance
Seduta
Geschäftsnummer 90.489
Numéro d'objet
Numero dell'oggetto
Datum 03.03.1992 - 08:00
Date
Data
Seite 281-283
Page
Pagina
Ref. No 20 020 976
Dieses Dokument wurde digitalisiert durch den Dienst für das Amtliche Bulletin der Bundesversammlung.
Ce document a été numérisé par le Service du Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale.
Questo documento è stato digitalizzato dal Servizio del Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale.