Legislator Rechtsprechung & Gesetzgebung
VPB 90-3175 KI-generiert

VPB 90-3175 · Verwaltungspraxis der Bundesbehörden (1987-2017)

Geschäftsnummer VPB 90-3175
Gericht / Behörde
Rechtsordnung Schweiz · Verwaltungspraxis der Bundesbehörden (VPB) (CH)
Entscheiddatum

Legislator-Zusammenfassung

KI-generiert

Juni 1992 N 1083 Dringliche Interpellationen. Anwendung der Lex Friedrich Sprecher-Porte-parole: Bundi consulaire de 1868 l'Etat italien fonde-t-il son intervention?

Legislator-Regeste

KI-generiert

Art. 1 Bundi, Art. 1 Absatz, Art. 1 Ab, Art. 1a Antrag, Art. 1 Abs. 1 Bst; VPB 90-3175 · Verwaltungspraxis der Bundesbehörden (1987-2017): die hängigen Verfahren durch Vergleiche zu erledigen und bereits 1965 mitgeteilt (Revision der Lex von Moos).

Schlagwörter

KI-generiert
Art. 1 Bundi Art. 1 Absatz Art. 1 Ab Art. 1a Antrag Art. 1 Abs. 1 Bst

Zitierte Gesetzesbestimmungen

KI-generiert
Art. 1 Bundi
Art. 1 Abs. 1 Bst. c, g (Allenspach, Sandoz)
Art. 1 Absatz
Art. 1 Abs. 1 Bst. c, g (Allenspach, Sandoz)
Art. 1 Ab
Art. 1 Abs. 1 Bst. c, g (Allenspach, Sandoz)
Art. 1a Antrag
Décision du Conseil des Etats du 2 juin 1992 Art. 1a
Art. 1 Abs. 1 Bst
Art. 1 Abs. 1 Bst. c, g (Allenspach, Sandoz)

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Volltext

17. Juni 1992 N 1083 Dringliche Interpellationen. Anwendung der Lex Friedrich

vigueur de l'Accord EEE (qui coïncidera avec l'abrogation par- Je prie donc le Conseil fédéral de répondre aux questions sui-

tielle de la lex Friedrich)? vantes:

1. Sur quelles parties de la Convention d'établissement et

Sprecher-Porte-parole: Bundi consulaire de 1868 l'Etat italien fonde-t-il son intervention?

2. Pourquoi le Conseil fédéral n'a-t-il pas voulu que l'affaire

Schriftliche Begründung soit soumise à un tribunal arbitral?

Die Urheber verzichten auf eine Begründung und wünschen 3. Comment le Conseil fédéral justifie-t-il son attitude discuta-

eine schriftliche Antwort. ble sous l'angle des principes régissant un Etat de droit?

4. Dans ces conditions, que pense le Conseil fédéral de l'effi-

Développement par écrit cacité de la lex Friedrich?

Les auteurs renoncent au développement et demandent une

réponse écrite. Mitunterzeichner - Cosignataires: Bischof, Keller Rudolf, Ruf,

Stalder (4)

Schriftliche Stellungnahme des Bundesrates

zum Vorstoss 92.3165 vom 9. Juni 1992 Schriftliche Begründung

Siehe Stellungnahme zu Vorstoss 92.3175 hiernach Der Urheber verzichtet auf eine Begründung und wünscht

Rapport écrit du Conseil fédéral eine schriftliche Antwort.

concernant l'intervention 92.3165 du 9 juin 1992

Voir rapport sur l'intervention 92.3175 ci-après Développement par écrit

L'auteur renonce au développement et demande une

réponse écrite.

#ST# 90.3175 Schriftliche Stellungnahme des Bundesrates

zu den Vorstössen 92.3165 und 92.3175

Dringliche Interpellation Steffen vom 9. Juni 1992

Anwendung der Lex Friedrich Der Bundesrat hat am 20. Mai 1992 der Geschäftsprüfungs-

im Kanton Graubünden kommission des Nationalrates einen ausführlichen Bericht

über dieses Thema erstattet Dieser Bericht ist erhältlich bei

Interpellation urgente Steffen der Dokumentationszentrale der Bundesversammlung. Der

Application de la lex Friedrich Bundesrat erachtet es deshalb als nicht notwendig, den gan-

dans les Grisons zen Sachverhalt zu wiederholen, und beschränkt sich darauf,

kurz auf die einzelnen Fragen der Interpellanten zu antworten.

1. (92.3165); 1-3. (92.3175): Der Bundesrat verkennt die Be-

deutung des Prinzips der Gewaltentrennung nicht Die

schweizerische Rechtsordnung basiert jedoch auch auf ei-

Wortlaut der Interpellation vom 2. Juni 1992 nem anderen, mindestens gleichwertigen Prinzip, nämlich

Der Kanton Graubünden hat sich auf dem Rechtsweg für eine demjenigen der Einhaltung von internationalen Verpflichtun-

Einhaltung der Bestimmungen der Lex Friedrich eingesetzt gen. So sind wir an ein Niederlassungsabkommen mit Italien

Als erste Urteile gegen italienisch beherrschte Immobilienge- gebunden, welches die Gleichbehandlung zwischen Auslän-

sellschaften im Oberengadin ergingen, wurde im Jahre 1991 dern und Staatsbürgern vorsieht (vgl. im besonderen Art 1

der italienische Staat bei der Schweiz vorstellig und behaup- und 3 Abs. 2). Nun enthält aber die Lex Friedrich eine auf der

tete, die Gesetzgebung über den Grundstückerwerb durch Staatsangehörigkeit gründende Diskriminierung, indem die

Personen im Ausland verletze den italienisch-schweizeri- Auslandschweizer gegenüber den Ausländern begünstigt

schen Niederlassungs- und Konsularvertrag von 1868. werden. Dem Bundesrat ist dieser Widerspruch wohl bekannt,

Nun hat der Bundesrat der Bündner Regierung nahegelegt, hat er doch seine diesbezüglichen Bedenken dem Parlament

die hängigen Verfahren durch Vergleiche zu erledigen und bereits 1965 mitgeteilt (Revision der Lex von Moos).

von der Vollstreckung der Zivilurteile des Bundesgerichts ge- Bei der Abwägung zwischen den legitimen Forderungen eines

genüber drei ausländisch beherrschten Immobiliengesell- befreundeten Staates und dem Wortlaut des Bundesgesetzes

schaften abzusehen. hatte der Bundesrat in Wahrnehmung seiner aussenpoliti-

Ich ersuche den Bundesrat um Beantwortung folgender schen Kompetenz die Aufgabe, für die etwa 50 hängigen Fälle

Fragen: im Kanton Graubünden eine Lösung zu finden, die unserer

1. Auf welche Teile des Niederlassungs- und Konsularvertra- Gesetzgebung so weit wie möglich entspricht, gleichzeitig

ges von 1868 stützt der italienische Staat seine Intervention? aber geeignet ist, ein drohendes internationales Schiedsver-

2. Warum liess es der Bundesrat nicht auf ein Schiedsgerichts- fahren zu vermeiden. Der Ausgang eines solchen Verfahrens

verfahren ankommen? wäre sehr wahrscheinlich negativ gewesen und hätte ohne

3. Wie rechtfertigt der Bundesrat sein staatsrechtlich bedenkli- Zweifel unvorhersehbare Auswirkungen auf die Anwendung

ches Vorgehen? der Lex Friedrich mit sich gebracht Zudem hätte das beträcht-

4. Wie beurteilt der Bundesrat die Wirksamkeit der Lex Fried- liche Risiko bestanden, dass die Schweiz zur Zahlung von

rich unter diesen Umständen? Schadenersatz verurteilt worden wäre.

Es trifft zu, dass das Bundesgericht in drei Fällen die Auflö-

Texte de l'interpellation du 2 juin 1992 sung von Immobiliengesellschaften verfügt hat Es schien je-

Par la voie judiciaire, le canton des Grisons s'est engagé en fa- doch dem Bundesrat, dass keine objektiven Gründe vorlagen,

veur du respect des dispositions de la lex Friedrich. C'est en um die aufgelösten Gesellschaften schlechter zu behandeln

1991, lorsque les premiers jugements eurent été prononcés als jene, gegen die das Untersuchungs- bzw. Liquidationsver-

contre des sociétés immobilières en Haute-Engadine contrô- fahren zufälligerweise weniger weit fortgeschritten war.

lées par l'Italie, que ce pays est intervenu auprès de la Suisse 2. (92.3165); 4. (92.3175): Zunächst muss betont werden,

en déclarant que la législation concernant l'acquisition d'im- dass der Bundesrat seit dem Beginn dieser Angelegenheit nie

meubles par des personnes domiciliées à l'étranger était con- die Absicht hatte, die Lex Friedrich de facto zu ändern. Für den

traire à la Convention d'établissement et consulaire signée en Bundesrat ging es vielmehr darum, eine gewisse Anzahl Um-

1868 par la Suisse et l'Italie. gehungsgeschäfte, die alle vor mehr als 18 Jahren abge-

Or, à présent, le Conseil fédéral a recommandé au gouverne- schlossen wurden, in Uebereinstimmung mit der Lex Friedrich

ment grison de régler les procédures pendantes à l'amiable et zu bringen. Die in Absprache mit dem Kanton Graubünden ge-

de renoncer à exécuter les jugements civils que le Tribunal fé- fundene Lösung (Erwerb von Namenaktien, die lediglich An-

déral avait prononcés contre trois sociétés immobilières recht auf eine einzige Wohnung mit beschränkter Grundfläche

contrôlées par l'étranger. geben, Hinterlegung der Namenaktien, Anrechnung des Er-

Interpellations urgentes. Lex Friedrich. Application 1084 N 17 juin 1992

werbs an das kantonale Kontingent, Bewilligung durch die be- négative et aurait sans doute eu des conséquences incalcula-

troffenen Gemeinden) entspricht dem Geist des Gesetzes. bles pour l'applicabilité de la lex Friedrich par la suite. En

Schliesslich ist vorgesehen, dass die widerrechtlich gegrün- outre, le risque aurait été grand que la Suisse fût condamnée à

deten Gesellschaften dem Kanton Graubünden eine Entschä- verser des dommages-intérêts.

digung für die entstandenen Auslagen entrichten und die lau- Dans trois cas certes la dissolution des sociétés avait été pro-

fenden Verfahren unter Kostenfolge zu Lasten der Betroffenen noncée par le Tribunal fédéral. Il a toutefois paru au Conseil fé-

zurückgezogen werden. Im Verlauf der diplomatischen Ge- déral qu'il n'y avait aucune raison objective de traiter les socié-

spräche mit Italien war nie davon die Rede, die Anwendung tés dissoutes plus mal que celles contre lesquelles les procé-

der Lex Friedrich für Staatsbürger jenes Staates auszusetzen. dures d'enquête et de dissolution engagées se trouvaient, par

Vielmehr hat Italien durch sein Einverständnis zu den verschie- l'effet du hasard, à un stade moins avancé.

denen Vergleichsvorschlägen zu erkennen gegeben, dass es 2. (92.3165);4. (92.3175): II y a d'abord lieu de relever que l'in-

die Anwendbarkeit der Lex Friedrich auf seine Bürger weiter- tention du Conseil fédéral, dès le début de cette affaire, n'a pas

hin akzeptiert été d'abroger de fait la lex Friedrich. Pour le Conseil fédéral, il

3. (92.3165): Der Bundesrat betrachtet diese Angelegenheit s'est agi bien davantage de mettre en harmonie avec la lex

als erledigt und stellt mit Befriedigung fest, dass seit Beginn Friedrich un certain nombre d'opérations de contournement,

der auf der Grundlage des Vergleichsvorschlages des Bun- qui toutes remontaient à plus de 18 ans. La solution adoptée

desrates geführten Verhandlungen zwischen den ausländi- d'entente avec le canton des Grisons (acquisition d'actions

schen Käufern und den Bündner Behörden keinerlei Retorsi- nominatives ne donnant droit qu'à un seul logement de sur-

onsmassnahmen gegenüber Schweizer Bürgern getroffen face limitée, dépôt des actions nominatives, imputation de

wurden, die eine Liegenschaft in Italien erwerben wollten, wie l'acquisition au contingent cantonal, assentiment des commu-

dies früher der Fall war. Der Bundesrat ist sich allerdings be- nes concernées) respecte l'esprit de la loi. Enfin, la transaction

wusst, dass diese Angelegenheit in gewissen Kreisen Verwir- prévoit le versement au canton des Grisons par les sociétés il-

rung ausgelöst hat Er hat daher die Bundesverwaltung ange- légalement constituées d'une indemnité pour les dépenses

wiesen, die Kantone über die besonderen Umstände zu infor- encourues, ainsi que le retrait aux frais des intéressés des pro-

mieren, aufgrund derer er seine Entscheidung traf. cédures engagées. Il n'a jamais été question, au cours des né-

4. (92.3165): Die fragliche Angelegenheit berührt das Straf- gociations diplomatiqus avec l'Italie, de suspendre l'applica-

recht nicht, da es sich um privatrechtliche Klagen der kantona- tion de la lex Friedrich en faveur des ressortissants de cet Etat

len Behörden auf Auflösung der Gesellschaften handelte. Bien plus, en donnant son appui aux différentes propositions

Wie bereits ausgeführt, wird die Lex Friedrich auch in Zukunft de transaction, l'Italie a accepté que pour ses citoyens égale-

Anwendung finden. Sofern der Vertrag über die Schaffung ei- ment la lex Friedrich demeure en vigueur.

nes Europäischen Wirtschaftsraumes in Kraft tritt, wird das Ge- 3. (92.3165): Le Conseil fédéral considère l'affaire comme li-

setz einige Aenderungen erfahren müssen. quidée et constate avec satisfaction que, depuis que les ac-

5. (92.3165): Schliesslich möchte der Bundesrat in Erinnerung quéreurs étrangers sont entrés en tractations avec les autori-

rufen, dass er 1991 den Grundsatzentscheid gefällt hat, ein tés grisonnes pour trouver une solution dans le sens proposé

Zusatzprogramm für das Bodenrecht im städtischen Bereich par le Conseil fédéral, aucune mesure de représailles n'a été

auszuarbeiten. Diese Projekte, die insbesondere das Vor- prise à rencontre de ressortissants suisses désireux d'acqué-

kaufsrecht der Mieter und der öffentlichen Hand betreffen, soll- rir un immeuble en Italie, comme cela avait été le cas précé-

ten vor Ende Herbst 1992 in die Vernehmlassung geschickt demment Cela dit, le Conseil fédéral est bien conscient que

werden können. Andere Massnahmen wie die Abschöpfung cette affaire a pu jeter un trouble dans certains milieux. C'est

des Mehrwertes beim Grundstückhandel oder Zuordnungs- pourquoi il a ordonné à ses services d'informer les cantons

pläne für Gebäude sollten bis zum Sommer 1993 ausgearbei- des circonstances très particulières dans lesquelles il a pris sa

tet sein. Darüber hinaus wird der Bundesrat auf diese Frage in décision.

seiner schriftlichen Stellungnahme zur Motion der sozialde- 4. (92.3165): L'affaire en question ne revêt aucun caractère pé-

mokratischen Fraktion vom 19. März 1992 bezüglich der Libe- nal, puisqu'il s'agissait d'actions civiles en dissolution des so-

ralisierung der Lex Friedrich im einzelnen zurückkommen. ciétés introduites par l'autorité cantonale.

Comme nous l'avons dit plus haut, la lex Friedrich continue à

Rapport écrit du Conseil fédéral être applicable. Elle devra subir des modifications dans le ca-

concernant les interventions 92.3165 et 92.3175 dre de l'Accord portant création de l'Espace économique eu-

du 9 juin 1992 ropéen, s'il entre en vigueur.

Le Conseil fédéral a adressé en date du 20 mai 1992 un rap- 5. (92.3165): Le Conseil fédéral tient enfin à rappeler qu'il a dé-

port complet sur cette affaire à la Commission de gestion du cidé en 1991 du principe d'un programme complémentaire en

Conseil national. Ce rapport peut être obtenu auprès de la matière de droit foncier dans le secteur urbain. Des projets

Centrale de documentation de l'Assemblée fédérale. Dans concernant notamment le droit de préemption en faveur des

ces conditions, le Conseil fédéral n'estime pas nécessaire de locataires et des collectivités publiques devraient pouvoir être

rappeler l'ensemble des faits et se borne à répondre briève- mis en consultation d'ici la fin de l'automne 1992. D'autres me-

ment aux diverses questions posées par les interpellants. sures telles que le prélèvement de plus-values ou les plans

1. (92.3165); 1-3. (92.3175): Le Conseil fédéral ne méconnaît d'affectation des bâtiments devront être élaborées d'ici l'été

pas le principe de la séparation des pouvoirs. Toutefois, l'or- 1993. Pour les surplus, le Conseil fédéral reviendra en détail

dre juridique suisse repose également sur un autre principe, sur la question dans sa réponse écrite à la motion du 19 mars

d'une importance au moins égale, celui du respect des obliga- 1992 (Conseil national) du groupe socialiste relative à la libéra-

tions internationales. A cet égard, nous sommes liés avec l'Ita- lisation de la lex Friedrich.

lie par un traité d'établissement instituant l'égalité de traite-

ment entre étrangers et nationaux (cf. en particulier articles 1 Bundi: Die sozialdemokratische Fraktion ist von der Antwort

et 3, alinéa 2). Or, la lex Friedrich opère une discrimination fon- des Bundesrates nicht befriedigt und beantragt Diskussion.

dée sur la nationalité, en faveur des Suisses de l'étranger. Ce

conflit est bien connu du Conseil fédéral, qui avait mis en

garde le Parlement en 1965 déjà (révision de la lex von Moos). Steifen: Herr Bundesrat Delamuraz, ich danke Ihnen für die

Pris entre les revendications légitimes d'un Etat ami et le texte Antwort, welche meiner Meinung nach sehr «rechtsprofesso-

de la loi nationale, le Conseil fédéral avait pour tâche, dans ral» ist; man spürt, dass sich der Bundesrat in einer Zwick-

l'exercice des compétences qui sont les siennes en matière de mühle befindet. Ich bin von der Antwort des Bundesrates nur

politique étrangère, de trouver pour les quelque 50 cas en sus- teilweise befriedigt und beantrage ebenfalls Diskussion.

pens dans le canton des Grisons une solution qui tienne

compte dans toute la mesure du possible de notre législation, Abstimmung - Vote

tout en étant propre à écarter la menace d'une procédure inter- Für den Antrag auf Diskussion offensichtliche Mehrheit

nationale. L'issue de celle-ci aurait été très vraisemblablement Dagegen Minderheit

17. Juni 1992 N 1085 Dringliche Interpellationen. Anwendung der Lex Friedrich

Bundi: Ich anerkenne, dass die Beantwortung dieser Fragen stizabteilung im Hinblick auf die Rechtmässigkeit von Nieder-

für den Bundesrat nicht ganz einfach war. Aber ich verstehe lassungsverträgen aus, dass sich solche nach konstanter

nicht, dass Herr Delamuraz in dieser Materie Red und Antwort schweizerischer Praxis nur auf Ausländer bezögen, die im Be-

stehen soll, da diese Materie doch in erster Linie das Justizde- sitze einer Niederlassungsbewilligung seien.

partement betrifft. Es ist im übrigen auch interessant, in den Akten der Verhand-

Die Fragen 1 und 2 sind gar nicht befriedigend beantwortet lungen des Parlaments nachzublättern; Sie würden feststel-

worden. Es ist einmalig, dass der Bundesrat indirekt ein Ge- len, dass bedeutende Staatsrechtler damals, als die

setz ausser Kraft setzt, dass er Bundesgerichtsurteile missach- Lex von Moos und die Lex Furgler in unseren Kammern zur

tet. Meines Erachtens ist das eine staatsrechtlich bedenkliche Diskussion standen, diese Ansicht geteilt haben, insbeson-

Erscheinung. Wenn dieses Beispiel Schule machen sollte, ge- dere der damalige Ständerat Zellweger, aber auch der ehema-

raten wir in den Zerfall unserer Demokratie. Die Verwischung lige Nationalrat Muheim. Ihrer Auffassung pflichteten beide

der Kompetenzen der Gewalten ist dann naheliegend, und die Kammern grossmehrheitlich bei. Sie kamen zur Auffassung,

Folge ist eine grosse Unsicherheit auf zwei Ebenen: dass die Gleichbehandlungsklauseln nur anwendbar sind auf

Einerseits ergibt sich daraus eine Unsicherheit im Volk; denn Ausländer, die in der Schweiz domiziliert sind.

der einfache Bürger fragt sich, wer denn dieses Gesetz über- Von der schweizerischen Regierung hätte man folgendes er-

haupt noch einhalten soll. Sollen Gesetze nur von den kleinen warten müssen: dass sie erstens diese Auffassung und dieses

Leuten eingehalten werden müssen, und sollen die Grossen, Rechtsverständnis vertreten und sich nicht einfach der Mei-

Reichen und Einflussreichen davonkommen? Diese ganze Af- nung eines privaten Parteigutachtens angeschlossen hätte;

färe hat auch mit einer gewissen Vertrauenskrise zwischen dass sie zweitens energisch und entschieden Demarchen un-

Bürger und Staat zu tun. ternommen hätte bei der Androhung italienischer Retorsions-

Andererseits ist eine Unsicherheit bei den Vollzugsorganen in massnahmen und selbst aktiv geworden wäre, als Italien zu

bezug auf die Rechtsanwendung geschaffen worden. Wenn völkerrechtswidrigen Massnahmen gegen die Schweiz griff;

die Anwendung der Lex Friedrich vier Szenarien offen lässt, dass sie drittens die Aufnahme von Verhandlungen entschie-

zeigt sich darin fast eine Art chaotisches Durcheinander. den abgelehnt hätte; dass sie viertens es auf einen Spruch ei-

Nun zum Vertrag mit Italien von 1868, der ja immer wieder ins nes internationalen Schiedsgerichtes hätte ankommen las-

Spiel gebracht wird. Es ist interessant, dass von den Klägern, sen. Es ist absolut nicht gesagt, dass wir dort keine Chancen

die vor Bundesgericht gingen, dieser Vertrag nicht angerufen gehabt hätten, damit durchzukommen. Aber selbst wenn dort

wurde. Das Bundesgericht befasste sich denn auch nicht ma- die Angelegenheit einen negativen Ausgang gehabt hätte,

teriell mit dieser völkerrechtlichen Seite des Falles. Die Gesell- wäre für uns ein Richterspruch besser zu ertragen gewesen,

schaften stützten sich aufgrund eines von ihnen anbegehrten als wenn uns von unserer Exekutive gesagt wird, wie es gehen

Gutachtens eines Schweizer Professors erst in ihren letzten muss, nämlich unter mindestens teilweiser Aufhebung eines

Beschwerdeschriften auf den Staatsvertrag; es ist klar, dass es Gesetzes durch den Bundesrat und unter Missachtung von

sich in diesem Fall um ein Parteigutachten handelte. Darauf- Bundesgerichtsurteilen.

hin stützten sich die Vertreter der Gesellschaften auf dieses Dass man sich in Verhandlungen überhaupt einliess, ist mei-

Gutachten ab und gelangten an die italienische Regierung. nes Erachtens eines demokratischen Staates unwürdig. Da-

Höchste Regierungsstellen haben dann sofort bei den schwei- mit macht man sich erpressbar. Das ist nicht schweizerische

zerischen Behörden interveniert und auch Druck ausgeübt. Art!

In diesem Zusammenhang ist interessant, was in einer Sen-

dung des Radios della Svizzera italiana Anfang April dieses Präsident: Herr Bundi, Sie haben schon 11 Minuten gespro-

Jahres gesagt und auch in einer Tessiner Zeitung unwider- chen. Ihre Redezeit beträgt 10 Minuten!

sprochen wiederholt wurde, nämlich dass einer der Eigentü-

mer dieser Gesellschaften im Engadin der italienische Aus- Bundi: Ich habe gemeint, als Antragsteller habe man mehr als

senminister sei. Wenn dies tatsächlich zutrifft, dann ist es um 10 Minuten zur Verfügung.

so bedenklicher, dass man einem solchen Druck nachgege- Ich darf aber trotzdem zum Schluss die Meinung eines bedeu-

ben hat. Denn das erinnert uns an gewisse Methoden, die uns tenden Mannes zitieren, nämlich des ehemaligen Direktors

von anderen Staaten her bekannt sind, mit denen wir in der des Eidgenössischen Bundesamtes für Justiz, Paul Zweifel,

Schweiz jedoch bis jetzt nichts zu tun hatten. der folgendes gesagt hat: «Die Verfassung, Artikel 102 Ziffer 5,

Was folgte darauf? Im Frühjahr 1991 erfolgten die sogenann- verpflichtet den Bundesrat, die Urteile des Bundesgerichts zu

ten ersten Retorsionsmassnahmen gegenüber der Schweiz vollziehen, selbstverständlich so, wie sie lauten, ohne sich ma-

und im Herbst 1991 die zweiten. Hierauf haben Vertreter des teriell damit auseinanderzusetzen. Diesem Auftrag ist der Bun-

Bundes und des Kantons Graubünden gemeinsam diplomati- desrat in den öffentlich kritisierten Bündner Fällen nicht nach-

sche Verhandlungen aufgenommen mit dem Ziel, das Straf- gekommen. Nicht nur hat er die betreffenden Urteile des Bun-

mass für die Betroffenen herabzusetzen und es für sie akzep- desgerichtes nicht vollzogen, er hat überdies den klaren Wil-

tabel zu machen. len des Gesetzgebers missachtet. Dazu war er auch aufgrund

Wie steht es tatsächlich mit dem Niederlassungs- und Konsu- seiner aussenpolitischen Kompetenzen nicht befugt.» Diesem

larvertrag vom 22. Juli 1868? Er kam in einer Zeit relativ gros- Zitat habe ich nichts mehr beizufügen.

ser Migrationen zustande, als die Leute in einen anderen Staat

zogen und sich dort dauernd niederliessen. Als Folge der im Steffen: Die Ausgangslage dieses Geschäfts, das wir jetzt be-

Vertrag gegenseitig zugesicherten Niederlassungsfreiheit ver- handeln, ist uns seit dem 1. April dieses Jahres bekannt und

pflichteten sich die beiden Vertragsstaaten, die Angehörigen ist wohlverstanden kein Aprilscherz. Der Bundesrat forderte

des anderen Staates nicht schlechterzustellen als die eigenen damals die Bündner Regierung auf, die vom Bundesgericht

Staatsbürger. Dass das so ist, zeigt bereits derTitel dieses Ver- bewilligte Liquidation von italienischen Immobilienfirmen

tragswerkes, und auch die Artikel 1 und 2 sprechen ausdrück- nicht zu vollstrecken, obwohl diese unter Umgehung der

lich von Niedergelassenen und Aufenthaltern respektive von Lex Friedrich im Oberengadin Grundstücke erworben hatten.

«wohnhaft» oder «niedergelassen». Der Staatsvertrag hat also Der Bündner Regierung wurde ein Vergleichsmodell vorge-

keineswegs die Gleichbehandlung der beidseitigen Staatsan- schlagen, auf welches man sich im Rahmen von diplomati-

gehörigen unabhängig von der Niederlassung verankert. schen Verhandlungen mit Italien geeinigt hatte. Nachdem der

Mit dieser Aufassung stehe ich nicht allein da Das Bundesge- Kanton Graubünden mit Unterstützung des Bundeamtes für

richt hat zu dieser Frage kurz Stellung genommen und hat da- Justiz - wohlverstanden, wir haben hier eine Auseinanderset-

bei auf die Praxis hingewiesen, dass für die Anwendung der zung zwischen der Justiz und der Aussenpolitik - diese Ver-

Gleichbehandlungsklausel von Ausländern und Inländern in handlungen geführt hatte, kam diese Kehrtwendung des

diesen Verträgen die Niederlassungsbewilligung des Auslän- Bundesrates für die Bündner Behörden - darüber hinaus

ders erforderlich ist. auch für uns Politiker und für die Oeffentlichkeit - völlig uner-

Im übrigen wusste das Bundesgericht auch um ein Gutachten wartet und hatte eine Flut von kritischen Artikeln zur Folge,

der Justizabteilung aus dem Jahre 1971. Damals führte die Ju- die sich mit politischen und rechtlichen Aspekten befassten.

Interpellations urgentes. Lex Friedrich. Application 1086 N 17 juin 1992

Dass die dringlichen Interpellationen fällig wurden, war vor- dem Ausland schmackhaft machen? Und wie will er die Ueber-

aussehbar. dehnung des Gesetzes rechtfertigen? Was in der Interpellati-

Angedrohte und angeordnete Retorsionsmassnahmen des onsantwort steht, genügt jedenfalls nicht

italienischen Staates gegenüber Schweizern in Italien haben Unsere Fraktion ist überzeugt, dass auf dem vom Bundesrat

den Bundesrat ganz offensichtlich dazu bewogen, klein beizu- eingeschlagenen Weg viele Stolpersteine liegen und dass auf

geben und einer staatsrechtlich fragwürdigen Lösung den die Nase fällt, wer leichtfertig mit unseren Gesetzes- und Ver-

Vorzug zu geben. fassungsbestimmungen umspringt

Weshalb brachte man es in den Verhandlungen nicht fertig, Herr Bundesrat, nur eine hundertachtziggrädige Kehrtwen-

die Angelegenheit bis nach der EWR-Abstimmung vom 6. De- dung kann auf den Pfad der demokratischen und gesetzlichen

zember 1992 hinauszuzögern? Ein dannzumaliges allfälliges Tugend zurückführen. Wir laden Sie ein, sich auf dem Absatz

Ja hätte den Scherbenhaufen verkleinert, da mittelfristig eine umzudrehen.

Aufhebung der Lex Friedrich Teil des EWR-Vertrages ist Ein

Nein des Volkes hätte Gelegenheit geboten, Verträge mit Ita- M. Cotti: J'approuve la décision du Conseil fédéral dans le

lien zu kündigen und neu auszuhandeln. cas de lalex Friedrich/Grisons. Il était temps de mettre fin à une

Wichtigste Frage in meinem Katalog ist die Frage 4 nach der situation insoutenable à l'égard de nos voisins italiens. La so-

Wirksamkeit der Lex Friedrich - nicht nur gegenüber Italie- lution adoptée par le Conseil fédéral est praticable et juste.

nern, sondern auch gegenüber Einwohnern anderer Staaten Une seule remarque, elle est arrivée trop tard. En effet, j'avais

des EG/Efta-Raumes -: Die Reaktionen im grossdeutschen présenté une interpellation le 3 octobre 1990 déjà, date à la-

Blätterwald lassen durchblicken, dass man sich in Bonn nicht quelle j'envisageais une solution basée sur une amnistie, sur

mit einer Extrawurst für Italien abfinden wird. Wann erwachen des normes transitoires relatives aux délais de péremption de

Oesterreich und Frankreich? Wir wissen es nicht l'action en liquidation ou sur une «sanatio» comme celle qui

Abschliessend noch einige Gedanken zur Frage, was uns avait été pratiquée par le gouvernement en 1977. Le Conseil

nach Abschluss des EWR-Vertrages erwarten könnte. fédéral a donc mis fin à une situation intolérable pour différen-

Die Schweiz würde in einer ersten Frage nicht nur die rund tes raisons.

sechzig Gesetze an die EG-Rechtsnorm anpassen, sie hätte La première, la dissolution et la confiscation des avoirs de la

den gesamten Acquis communautaire von über 10 000 Seiten société découlent d'une interprétation extensive de la loi civile.

tel quel zu übernehmen. Liegt da nicht eine Masse Zündstoff Ni la lex von Moos de 1961, ni la lex Furgler de 1975, ni la lex

im weiten Rechtsbereich, die den Bundesrat überfordern Friedrich de 1983 ne s'y réfèrent expressis verbis. D'ailleurs,

dürfte und ihn zu ähnlichen Kompromisslösungen wie der vor- au terme de la lex von Moos en vigueur lors des achats en

liegenden im Einzelfall verführen könnte? Als Nichtjurist bin question dans le canton des Grisons, l'achat par le biais d'une

ich persönlich - mit mir bestimmt auch viele Schweizer - sehr société anonyme suisse était admis. Avec tout le respect pour

beunruhigt ob der Tatsache, dass wegen der immensen Re- le principe de la séparation des pouvoirs, il faut bien dire que

geldichte bald nur noch Juristen verstehen, was im Rechtsbe- cette mesure est contraire aux principes fondamentaux du

reich seine Gültigkeit hat droit pénal et qu'en tout cas elle n'est aucunement en rapport

Die durch den Bündner Vergleich entstandene Rechtsunsi- avec le peu de gravité de cette infraction de droit administratif.

cherheit wurde am 16. April dieses Jahres in der «NZZ» tref- Deuxièmement, la confiscation en pareil cas est injuste et in-

fend kommentiert Ich zitiere: «Der Vorgang ist in den Augen justifiée. Les vendeurs, les médiateurs, les autres auteurs de

des Normalbürgers erschütternd. So komplex die Umstände l'infraction, couverts par la prescription, sont à l'abri de toute

und die Beweggründe des Bundesrates im einzelnen sein mö- peine, ce qui revient à dire que les Suisses qui ont commis en

gen: die Tatsache, dass die politische Exekutive in den klaren 1974 la même infraction que les citoyens italiens se trouvent

und mehrfach bestätigten rechtlichen Befund des obersten dans une situation d'immunité tandis que les Italiens paient et

Gerichts beziehungsweise in dessen Vollzug eingreift, ist ge- paient lourdement

geben und auch mit Hinweisen auf zuvor lange nicht angeru- E Lei, collega Bundi, e Lei, collega Steffen, voi vi meravigliate

fene internationale Abkommen nicht wegzupolieren.» che il Governo italiano reagisca e adotti delle contromisure.

Der Bundesrat ist in einer wenig komfortablen Lage, geriet er Non Le nascondo, collega Bundi, che io sono un po' a disagio

doch in einen Interessenkonflikt zwischen nationaler Rechts- nel prendere atto di questa situazione. Non abbiamo sicura-

staatlichkeit und Völkerrecht Er hat sich für letzteres, für das mente da andare fieri per delle misure che creano delle diffe-

Völkerrecht, entschieden und so den Volkszorn heraufbe- renze di questo tipo.

schworen, was wohl noch Auswirkungen auf bevorstehende Avevo addirittura-all'occasione della presentazione di un po-

Anpassungen an internationales Recht haben dürfte. stulato a questo riguardo - definito questo postulato in difesa

della reputazione della Svizzera all'estero perché avevo in-

Weder Hansjürg: Seinerzeit entdeckten Spekulanten aus dem tuito, quali sarebbero state le reazioni che si stavano scate-

Ausland die Schweiz als Dorado für Immobilienhändler und nando in Italia e che rischiavano di compromettere grave-

Bodenspekulation. Sie gründeten darauf Gesellschaften zum mente le relazioni fra i due Paesi.

Zweck der Gesetzesumgehung. In der Folge profitierten diese Troisièmement, si nous nous trouvons dans cette situation,

Händler von ungeheuren Bodenwertsteigerungen und Bo- c'est aussi parce qu'en 1983 nous avons adopté la lex Fried-

denmehrwerten, die eigentlich der Allgemeinheit, das heisst rich qui n'avait aucune base constitutionnelle. J'avais soulevé

der Gemeinschaft der Schweizer Steuerzahler, gehören soll- ce problème au Parlement. J'avais cité le juge fédéral Patry,

ten. Doch die Riesensummen durften nicht nur die ausländi- conseiller du gouvernement en la matière, qui soutenait la loi

schen, sondern auch die Schweizer Immobilienhändler ein- mais qui s'interrogeait à propos de sa constitutionnalité. Il

streichen und abschöpfen. Die Unruhe im Volk war gross, und s'était exprimé avec de sérieux doutes. J'avais même cité une

Politiker und Parteien kamen unter Druck und waren zum Han- déclaration de M. Furgler, conseiller fédéral, en 1970, soit

deln gezwungen. Der Bundesrat hat in der Folge die Lex Fried- 13 ans avant le débat sur la loi en cause, où il admettait que la

rich geschaffen, worauf die allerschlimmsten Auswüchse ein- législation en question ne respecte pas les accords avec les

gedämmt und teilweise verhindert werden konnten. autres Etats. Il affirmait: «Schon die heutige Regelung lässt

Nun hat der Bundesrat - offensichtlich auf Druck des Auslan- sich schwer mit der staatsvertraglichen Verpflichtung zur

des respektive wegen des unaufhaltsamen Marsches nach Gleichbehandlung vereinbaren» et plus loin: «Streng rechtlich

Brüssel - weiche Knie bekommen und einer kantonalen Be- eine Verletzung der Verträge wäre schon heute vorhanden».

hörde empfohlen, eine vom Gesetz abweichende Lösung zu Par la suite, on a adopté deux lois, sans plus penser à la décla-

treffen. Das ist wahrhaftig starker Tobak! Auch wenn der Bun- ration de M. Furgler. Heureusement, le Conseil fédéral re-

desrat jetzt mit allen möglichen Wendungen und Verrenkun- connaît aujourd'hui que c'était une erreur.

gen seinen Standpunkt zu rechtfertigen versucht, verstehen Je ferai une dernière considération, en allemand, car je cite un

wir ihn nicht und sind von seiner Antwort enttäuscht journal suisse allemand:

Wie - so fragen wir uns von der LdU/EVP-Fraktion - will der Wenn man die Anweisungen des Bundesrates an die bündne-

Bundesrat in der Oeffentlichkeit einen solchen Kniefall vor rische Regierung als «Selbstverhöhnung des Rechtsstaates»

17. Juni 1992 N 1087 Dringliche Interpellationen. Anwendung der Lex Friedrich

bezeichnet, wie sollte man die gesetzgeberische Tätigkeit des 1965, Herr Bundesrat - Herr Bundi hat darauf hingewiesen -,

Parlamentes anlässlich der Verhandlungen für die Annahme haben National- und Ständerat auf Intervention des National-

der Lex Friedrich hinsichtlich Verfassungsmässigkeit und Völ- rates Muheim und des Ständerates Zellweger, die das einläss-

kerrechtlichkeit beschreiben? lich studiert hatten, erklärt, dieser Konsularvertrag, dieser Nie-

Je pense, Monsieur le Conseiller fédéral, que le moment est derlassungsvertrag, gelte nur für Ausländer, die in der

venu, après ces considérations et d'autres qui sont contenues Schweiz wohnten. Wenn man das so interpretiert, wie dies das

dans des actes parlementaires que vous avez sous les yeux, Parlament getan hat, entfällt jegliche Kollision, und wir hätten

d'examiner à fond ce problème et de se décider à abolir cette uns vor einem Schiedsgericht nicht zu fürchten. Wieso haben

loi. Sie derart Angst vor diesem Schiedsgericht? Diese Fragen

müssen Sie sich doch gefallen lassen!

Baumberger: Ich teile - im Unterschied zu etlichen Vorred- Auch der gewählte Weg ist für mich der falsche. Wenn Sie

nern, jedoch in Uebereinstimmung mit Herrn Kollege Cotti - schon Angst haben, dass Sie unterliegen könnten, wieso un-

die Auffassung des Bundesrates, dass es bei den entstande- ternehmen Sie nicht den geringen Fussmarsch von Ihrem Sitz

nen Problemen im Zusammenhang mit der Anwendung der hier ins Parlament?

Lex Friedrich weniger um ein staatsrechtlich bedenkliches Wieso agieren Sie auf einer schmalen juristischen Basis, auf

Vorgehen des Bundesrates geht als darum, dass das Parla- einer Auslegung von Artikel 8? Dieser Artikel 8 der Bewilli-

ment seinerzeit die expliziten Hinweise auf diese Staatsver- gungsverordnung ist nicht vorgesehen für Mieteraktiengesell-

träge nicht zur Kenntnis genommen hat. Ich möchte jetzt nicht schaften. Er hat einen ganz anderen Sinn.

wiederholen, was Sie schon gehört haben, und kann mich Sie akzeptieren den politischen Willen nicht Sie mischen sich

kurz fassen. Mir scheint jedenfalls, der Schwarze Peter in die- in hängige Verfahren ein und scheuen den Weg ins Parlament,

ser Sache liege zumindest auch beim Parlament obwohl eine Gesetzesänderung ohnehin notwendig ist und

Was mich indessen an der Antwort des Bundesrates stört und die Lex Friedrich an Bedeutung verloren hat Das führt doch im

was ich für unzutreffend halte, das sind die Ausführungen zur Volk zu grossem Unbehagen.

Frage 5 der dringlichen Interpellation der SP, nämlich die Ich möchte Sie bitten, uns zu diesen Punkten - über Ihre Ant-

Frage nach den Ersatzmassnahmen für die Zeit nach der -je- wort, die Sie gegeben haben, hinaus - Antwort zu erteilen.

denfalls teilweisen - Aufhebung der Lex Friedrich im Zusam- Und ich möchte Sie auch bitten, uns möglichst rasch Vor-

menhang mit dem allfälligen Inkrafttreten des EWR-Vertrages. schläge zu unterbreiten, was der Bundesrat wirklich zu tun ge-

Es liegt meines Erachtens auf der Hand, dass die Hinweise denkt, welche Varianten er sieht Wurde beispielsweise das

des Bundesrates auf vorgeschlagene Vorkaufsrechte der Mie- dänische Lösungsmodell studiert? Ist es auf die Schweiz über-

ter, auf das Vorkaufsrecht der öffentlichen Hand und derglei- tragbar?

chen nicht dazu beitragen, die nach wie vor legitimen Inter- Ich möchte Sie bitten, darauf zu antworten.

essen, die in der Lex Friedrich begründet sind - nämlich Land-

schaftsschutz, Schutz der Interessen der dortigen Bewohner Schmid Peter: Die Kernfrage, die im Zusammenhang mit der

an finanziell tragbaren Wohnmöglichkeiten -, zu schützen. dringlichen Interpellation zu beantworten ist, heisst: «Unter

Diesen Anliegen ist vielmehr im Rahmen einer ordentlichen welchen Umständen rechtfertigt es sich, bestehendes Recht

Gesetzgebung über Raumplanung und Bauvorschriften nicht um jeden Preis rigoros zu handhaben?»

Rechnung zu tragen. DieseFragediskutierenwirjaindieserSession nichtzumersten

Es ist bekannt, dass viele Gemeinden - darunter bedeutende Mal. Im Grunde stand dieses Problem schon bei der Behand-

Kurorte wie Engelberg und Pontresina, aber auch Gemeinden lung der F/A-18-lnitiative zur Diskussion. Der Unterschied liegt

im Tessin oder im Berner Oberland - Lösungen gefunden ha- nurdarin, dass es bei derletzteren um Verfassungsbestimmun-

ben, nämlich auf dem Wege von Zweit- beziehungsweise Erst- gen geht, beim vorliegenden Fall um Gesetzesrecht

wohnungsanteilen. Nun kann man sich auf den Standpunkt stellen, Gesetzesrecht

Die Erkenntnis, dass es Lösungen, korrekte Lösungen gibt, biegen sei die lässlichere Sünde als Verfassungsbestimmun-

zeigt, dass die Lex Friedrich sowohl beim Inkrafttreten des gen strapazieren. Ich würde dies nicht so verallgemeinernd

EWR-Vertrages als auch im umgekehrten Falle aufzuheben ist sagen.

Warum das? Es ist offensichtlich verfehlt, eine - ich sage das Wo wir nun allenfalls einlenken sollten und wo nicht, hängt da-

aus eigener anwaltlicher Erfahrung - recht aufwendige Büro- von ab, was letztlich bei Beachtung oder Kompromittierung

kratie weiter beizubehalten, welche - wie das Beispiel gezeigt bestehenden Rechts auf dem Spiele steht Dem Ansinnen ei-

hat, über das wir diskutieren - zu zweifelhaften Folgen führt, ner F/A-18-Beschaffung stehen 500 000 Unterschriften entge-

obwohl wir zielkonforme Resultate haben können auf einem gen. Dies hat nun die Mehrheit beider Räte dazu veranlasst, ei-

Wege, bei welchem wir nicht mit internationalen Verträgen in nen Entscheid aufzuschieben, für den die Legislative eigent-

Konflikt kommen und bei welchem wir auch keine Angst vor lich zuständig wäre. Dies in der Einsicht, dass eine restriktive

Retorsionsmassnahmen haben müssen. Handhabung des Rechts, für die formaljuristisch argumentiert

Im Hinblick auf die rechtzeitige Bereitstellung dieses Instru- wird, nicht über die Meinung des Souveräns gestellt werden

mentariums durch die Kantone und die Gemeinden, die pri- kann, für dessen Wohl schliesslich die Gesetze da sind.

mär angesprochen sind, bin ich der Meinung, dass wir recht- Wenn das Volk entschieden hat, können wir dann eben auf der

zeitig - das heisst hier und heute - das Signal geben müssen, Basis dieses Entscheids wieder mit unserer Legiferierung fort-

dass die Lex Friedrich aufzuheben ist, und zwar in jedem Fall fahren, allenfalls auch die nötigen Gesetzesrevisionen an die

auf den Zeitpunkt, der sich aus dem EWR-Vertrag ergäbe - Hand nehmen.

auch dann, wenn wir nicht beitreten sollten. Wie steht es nun mit der Lex Friedrich, bei welcher der Bundes-

rat der Regierung des Kantons Graubünden empfiehlt, mit ei-

Engler: Es gibt bei der Betrachtung verschiedene Gesichts- nigen vom Gesetz erfassten natürlichen oder juristischen Per-

punkte. Ich gestehe zu - um nicht missverstanden zu wer- sonen pfleglich umzugehen, um nicht den Unmut der italieni-

den -, dass die Lex Friedrich an Bedeutung verloren hat, und schen Regierung auf sich zu ziehen und gewisse Nachteile für

ich verstehe auch, dass man mit Blick auf die aussenpolitische Schweizer Bürger in Italien zu gewärtigen? Nach Aussagen

Situation etwas gegen Retorsionsmassnahmen tun will. Das des Bundesrates steht folgendes auf dem Spiel:

gehört zu unserer Diplomatie. 1. Schweizern, die in Italien Grundstücke erwerben wollen,

Aber es gibt natürlich noch andere Gesichtspunkte, Gesichts- würde im Gegenzug die Beurkundung verweigert

punkte innenpolitischer Art: der Gewaltentrennung, der 2. Die italienische Regierung würde unnötig gereizt, und man

rechtsgleichen Behandlung, der Rechtsstaatlichkeit. Da habe müsste gewärtigen, dass in Steuerangelegenheiten die

ich natürlich schon den Eindruck, dass man sich in die Ecke Schweiz auf eine schwarze Liste gesetzt würde, weil sie

treiben liess, dass man die eigene Position als derart schwach Steuerprivilegien gewähre.

bewertet hat, dass man den äusseren Druck stärker verspürte, 3. Die versteckte Besserstellung von Auslandschweizern ge-

als man ihn effektiv verspüren müsste. Es stellt sich juristisch genüber Ausländern beim Grundstückerwerb könnte interna-

allen Ernstes die Frage, ob eine Kollision vorliegt tional gerichtliche Nachspiele haben.

Interpellations urgentes. Lex Friedrich. Application 1088 N 17 juin 1992

Wir finden diese Einwände, die zu der zweifelhaften Empfeh- Hier bin ich sehr enttäuscht Gerade Sie, Herr Bundesrat Dela-

lung des Bundesrates an die Bündner Regierung führten, muraz, geben gegenüber der Bevölkerung ein falsches Signal

nicht gewichtig genug, um den Vollzug der Lex Friedrich auf- im Hinblick auf die Debatte über den EWR, nämlich dass wir

zuweichen oder gar zu sistieren. uns offenbar in unserer eigenen Gesetzgebung dem Druck

Wenn wir den Grundstückerwerb für Ausländer in unserem ausländischer Interessen beugen müssen. Es wäre Ihnen gut

Land mit gutem Recht begrenzen, dann sehe ich nicht ein, angestanden, in diesem Interessenkonflikt hier die schweizeri-

weshalb dann auch Italien nicht dasselbe Recht haben sollte, schen Interessen gleichwertig zu gewichten und Ersatzmass-

ähnliche Bestimmungen für das eigene Land zu erlassen. Und nahmen vorzuschlagen, sei das im raumplanerischen Bereich

die Steuerprivilegien, die wir hier in der Schweiz den mehr oder in anderen Bereichen, die Sie selber in Ihrer Verwaltung

oder weniger suspekten ausländischen Firmen gewähren, ausgearbeitet haben. Dann könnten wir ohne weiteres die

sind nicht in Ordnung, auch wenn wir davon profitieren. staatsvertraglichen Verpflichtungen mit Italien erfüllen. Ich

Die Frage der Besserstellung von Auslandschweizern steht da wäre schon sehr froh, wenn Sie sich dazu noch äussern

nicht zur Diskussion, denn schliesslich handelt es sich bei den könnten.

Personen, die man hier nachsichtig behandeln will, um Leute,

die wissentlich und vorsätzlich durch Umgehung von Geset- M. Delamuraz, conseiller fédéral: Après les paiements di-

zen Geschäfte gemacht haben. rects, voici l'heure des jugements directs, et à mon tour je me

Das wäre ja noch schöner, ausgerechnet solche Machen- soumets, au nom du Conseil fédéral et représentant ici le Dé-

schaften unter dem Stichwort «höhere Interessen» abzuseg- partement des affaires étrangères, au feu roulant des ques-

nen. Hier handelt es sich um Partikularinteressen, und zwar tions complémentaires que ces deux interpellations ont dé-

beidseits der Grenze, die der Bundesrat stützt, und dies kön- clenchées.

nen wir auf keinen Fall gutheissen. Tout d'abord, je regrette un peu que, par les exigences du ca-

lendrier parlementaire, le débat s'engage devant le Conseil

Vollmer: Die Fragen der sozialdemokratischen Fraktion hat national sur cette question alors qu'une documentation plus

Herr Bundi hier glasklar nochmal ausgebreitet und auch auf complète que les réponses données par le Conseil fédéral à

die Probleme hingewiesen. Aber die Debatte, die jetzt darüber ces deux interpellations a été remise à votre Commission de

stattfindet, wirft noch zusätzliche neue Grundsatzfragen auf, gestion, en date du 20 mai, document que je brandis de ma

die nicht so im Raum stehengelassen werden können. Herr main droite - la plus sûre en l'occurrence - et qui, dans un

Engler hat sehr gut und sehr klar darauf hingewiesen, dass texte de 11 pages, se prononce, à la demande de la Commis-

hier der Bundesrat gegen Treu und Glauben handelt, wenn er sion de gestion, sur un certain nombre d'aspects qui ont été

dieses Parlament, das diese Gesetze so beschlossen hat, der- traités dans le cadre des interpellations et du débat complé-

art umgeht mentaire qui a lieu. Je ne saurais qu'inviter les membres du

Wir respektieren selbstverständlich auch die staatsvertragli- Conseil national à se procurer ce texte, qui n'a été distribué

chen Abmachungen der Schweiz. Diese sind zu respektieren. qu'à votre Commission de gestion mais qui est naturellement

Es geht hier nicht darum, dass wir hier einen Entscheid auf die disponible pour l'ensemble des parlementaires, et à le lire. Ils y

eine oder andere Seite fällen, sondern es geht darum, wie wir trouveront certainement réponse à un certain nombre de

in diesem Interessenkonflikt handeln und welche Rolle das questions qui ont été posées.

Parlament in diesem Interessenkonflikt zu spielen hat Il n'empêche qu'en attendant de méditer sur ce texte et en at-

Herr Bundesrat, Sie wissen ganz genau - und die ganzen De- tendant que la Commission de gestion lui donne peut-être une

batten bereits im Vorfeld zum Abkommen über den EWR ha- autre forme que celle du simple enregistrement - je veux dire

ben es gezeigt - dass im Bereiche der Lex Friedrich ohnehin par là qu'elle déclenche, le cas échéant, un débat dans votre

gesetzgeberische Anpassungen nötig sind: Wir stehen am conseil sur ce thème -je voudrais reconnaître avec vous, très

Vorabend dieser Anpassungen, auch der Lex Friedrich, im Zu- tranquillement, que le Conseil fédéral ne méconnaît pas le

sammenhang mit dem EWR unter dem Titel Eurolex. Es wäre moins du monde le principe de la séparation des pouvoirs, ni

nichts als billig gewesen, hier dieses Verfahren miteinzubezie- les règles démocratiques de cet Etat de droit Mais l'ordre juri-

hen und in diesem Verfahren - das ist der springende Punkt - dique suisse repose également sur un autre principe que celui

dem Parlament, wie das der Bundesrat verschiedentlich in sei- de la séparation des pouvoirs et il m'est décidément difficile de

ner Botschaft vorgeschlagen hat, entsprechende Ersatzmass- vouloir déclasser cet autre principe afin d'assurer une priorité

nahmen zu unterbreiten. Es gibt eine ganze Zahl von Ersatz- absolue - dont on se demanderait quelle est la légitimité - au

massnahmen - der Bundesrat hat selber in seiner Botschaft principe de la séparation des pouvoirs, ce second principe est

darauf hingewiesen -, die ohne weiteres ergriffen werden bel et bien celui du respect des obligations internationales. A

könnten und die keineswegs in Widerspruch geraten würden cet égard, nous sommes liés avec l'Italie par un traité d'établis-

mit diesen staatsvertraglichen Abmachungen mit Italien. sement instituant l'égalité de traitement entre étrangers et na-

Es ist ja so, dass bereits auf den 1. Januar 1993 ein ganz we- tionaux - deux des articles de cette convention le stipulent no-

sentlicher Teil der bisherigen Lex Friedrich fällt, im Bereiche tamment - alors que la lex Friedrich, elle, établit une discrimi-

der Parahotellerie und in anderen Bereichen. Wir erwarten nation fondée sur la nationalité. En effet, contrairement aux

vom Bundesrat, wenn er jetzt so keck vorangeht und meint, er dispositions de cette convention bilatérale entre l'Italie et la

müsse diese staatsvertraglichen Verpflichtungen in die erste Suisse, la lex Friedrich traite les Suisses domiciliés en Italie

Priorität setzen, dass er gleichzeitig vorangeht und uns bereits mieux que les Italiens domiciliés en Italie, mieux que les autres

heute, im Zusammenhang mit diesem Vorgehen, Ersatzmass- étrangers domiciliés en Italie, s'agissant de l'exercice de leurs

nahmen vorschlägt. pouvoirs et notamment de leurs pouvoirs immobiliers, ici en

Wir kommen nicht darum herum festzustellen, dass hier eine Suisse. Et c'est un vieil antagonisme. Ceux d'entre vous qui

sehr fragwürdige Rechtsgüterabwägung vorgenommen wird. ont un âge presque canonique pour avoir encore en tête les

Wenn in diesem Saal von einzelnen Rednern damit argumen- débats que le Conseil national a eus en 1965 - nous étions peu

tiert wird, dass es darum gehen müsse, Schweizer Bürger, die nombreux de cette cuvée - à propos de la révision de la lex von

in Italien heute Grundstücke erwerben wollen, vor allfälligen Moos, se rappellent clairement qu'à ce moment-là déjà le re-

Retorsionsmassnahmen zu schützen, dann müsste man die- présentant distingué du Conseil fédéral - ils le sont tous mais

ses Interesse dem gesetzgeberischen Willen gegenüberstel- il l'était particulièrement - avait signalé au Conseil national le

len, der auch ein schweizerisches Interesse zum Ausdruck ge- risque d'un conflit entre l'application d'une loi imparfaite sur ce

bracht hat: Er wollte verhindern, dass durch den zunehmen- point et les engagements internationaux contractés par la

den Grundstückverkauf an Ausländer sowohl eigentumsmäs- Suisse, pas seulement à l'égard de l'Italie, mais d'autres pays

sig unerwünschte Entwicklungen Platz greifen als auch raum- voisins et amis. On s'est accommodé de l'existence de cette

planerische, regionalpolitische Entwicklungen eingeleitet wer- source de conflit en espérant qu'ils ne se déclencherait pas.

den, die wir nicht dulden können. Gegen diese wollen und En effet, il ne s'est pas déclenché pendant de longues années,

können wir uns auch nationalstaatlich wehren, trotz diesem mais il a tout de même fini par éclater dans cette malheureuse

Abkommen mit Italien. affaire Sud Provizel et, à ce moment-là, le Conseil fédéral de-

17. Juni1992 N 1089 Dringliche Interpellationen. Anwendung der Lex Friedrich

vait bel et bien agir. Il n'a pas pu, ce qui aurait été, en termes truchement d'une société anonyme, sont bien connus des

corrects et absolument limpides, prendre le temps d'une dis- commerçants et des artisans de la région qui ont largement

cussion et d'une préparation parlementaires qui vous invite- trouvé leur compte dans ces opérations. Pourrait-on honnête-

raient à adapter notre droit à nos obligations et à mettre un ment, raisonnablement, moralement, après tant d'années, en-

terme ainsi à l'anomalie déjà signalée il y a près de trente ans visager de s'approprier leurs logements sans la moindre com-

par le Conseil fédéral, car les délais couraient et nous étions pensation? Tel était bel et bien l'enjeu de la question, au mo-

en procédure d'urgence. ment où le Tribunal fédéral n'avait rendu que trois arrêts sur

Monsieur Engler, je peux attester qu'en tout cas votre serviteur une cinquantaine qui étaient pendants. Et aurait-il été

n'a pas peur de venir devant le Conseil national. Je suis avec conforme à l'équité de traiter plus mal, parce que les hasards

vous depuis 8 heures ce matin, presque sans arrêt, et je l'étais de la procédure avaient traité ces trois malheureux plus tôt que

toute la matinée d'hier; vous voyez que je vous aime et que je les 47 et quelques qui avaient bénéficié, pour une fois, des len-

viens volontiers devant vous! Mais la manière de pouvoir en- teurs de ces messieurs de Lausanne? Certainement pas. Là

gager une véritable procédure de transformation législative à encore, l'équité y trouvait son compte.

l'époque, avec les délais de la révision pour apporter toute la Il n'est pas évident que le Conseil fédéral ait pris cette déci-

clarté voulue par une modification du droit intérieur, se heurtait sion, je le répète, de gaieté de coeur. Toutefois, elle s'imposait

aux impératifs d'urgence face auxquels nous étions placés et en l'espèce et j'ai signalé pour quelles raisons la solution de la

qui ne permettaient en aucun cas une telle démarche. Le procédure de révision en catastrophe du droit intérieur, que

Conseil fédéral avait bel et bien pour tâche, dans l'exercice de d'aucuns appelaient de leurs voeux, n'était simplement,

ses compétences en matière de politique étrangère, de trou- concrètement et pratiquement pas applicable.

ver pour les quelque 50 cas en suspens dans le canton des Je me tourne maintenant vers l'avenir et j'exprime ici l'opinion

Grisons une solution qui tienne compte, dans toute la mesure du Conseil fédéral, et non celle du Département fédéral des af-

possible-et cette mesure était large-de notre législation, tout faires étrangères qui serait en conflit ouvert avec le Départe-

en étant propre à écarter la menace d'une procédure interna- ment fédéral de justice et police et qui aurait justifié ainsi, pour

tionale. participer à un débat partiellement de juristes, l'envoi du mal-

Je constate, Messieurs Bundi et Steffen, que vous minimisez heureux universitaire que je suis et qui n'est pas juriste. Le

les risques d'une telle procédure et que vous seriez allés, avec Conseil fédéral, qui n'a pas pris sa décision de gaieté de

aplomb, courage et détermination, affronter ces tribunaux coeur, n'a nullement l'intention, dans l'immédiat, de remettre

internationaux et ces cours internationales avec la force que en cause l'application de la lex Friedrich. Celle-ci existe. Elle

nous avions et avec une loi qui, manifestement, déroge au connaîtra vraisemblablement, si le Parlement va dans le sens

droit international et aux engagements internationaux pris en de l'Espace économique européen, selon le message de ratifi-

toute démocratie et en toute connaissance de cause par votre cation et les messages complémentaires 1 et 2 Eurolex qui lui

Parlement Les choses se seraient effectivement passées au- sont soumis maintenant, des modifications à valoir, le cas

trement et, en tout cas, la Suisse n'aurait pas échappé au ver- échéant, déjà dès le 1er janvier 1993, si le Traité sur l'Espace

sement de dommages-intérêts assez considérables si nous économique européen, parce que vous d'abord et le peuple

avions eu le front de vouloir entreprendre de telles démarches, suisse ensuite l'aurez voulu, entre en vigueur à cette date-là

alors que nous sommes parvenus, non seulement à nous sou- En effet, dans une première étape, on exemptera du régime de

straire à ces effets dommageables, mais aussi, sans léser véri- l'autorisation les ressortissants de l'Espace économique euro-

tablement le tissu profond de la lex Friedrich, à trouver une so- péen, qui habitent et qui travaillent en Suisse ou qui travaillent

lution. Je vous l'accorde, cette dernière n'a pas pour elle la pu- en Suisse, lorsqu'ils acquièrent un immeuble pour leurs pro-

reté absolue, la transparence du cristal, et n'a pas sans doute pres besoins, ainsi que les personnes exerçant une activité in-

non plus pour elle d'être d'une limpidité totalement défenda- dépendante et les entreprises lorsqu'elles acquièrent un im-

ble. Mais entre les risques inéluctables et les avalanches que meuble pour l'exercice de leurs activités.

nous aurions déclenchées, à notre détriment national, et la so- Dans une seconde étape, soit à l'issue de la période transitoire

lution de minimes inconvénients qui a finalement été choisie, de cinq ans que la Suisse, seule de son espèce, a obtenue

l'évaluation et la pesée des intérêts ne faisaient pas de doute. dans le cadre des négociations de l'Espace économique eu-

A ce sujet, je fais remarquer à MM. Bundi et Steffen qu'ils me ropéen, les ressortissants de l'EEE pourront également ac-

paraissent se tromper, en tout cas sur un point de droit, à sa- quérir des biens-fonds en Suisse pour faire le commerce d'im-

voir que cette convention d'établissement et consulaire entre meubles ou pour effectuer des placements de capitaux dans

la Suisse et l'Italie, vieille convention plus que centenaire, ne ce secteur. Les ressortissants de l'Espace économique euro-

s'appliquerait pas aux étrangers domiciliés à l'étranger. Cette péen qui ne sont pas domiciliés en Suisse demeurent cepen-

vue des choses est erronée. La convention s'applique aux dant assujettis à autorisation pour l'acquisition de leur loge-

biens des étrangers indépendamment du domicile de ceux-ci ment de vacances selon la lex Friedrich, tant et aussi long-

et cette situation, cette interprétation, cette portée de la temps que la période transitoire n'est pas épuisée - elle dure

convention bilatérale avec l'Italie, a été reconnue en Suisse en cinq ans - période pendant laquelle le système actuel d'autori-

1956 déjà, lors du litige relatif à l'application aux ressortissants sation et de contingentement selon la lex Friedrich est intégra-

suisses des impôts extraordinaires sur le patrimoine décrétés lement maintenu. En d'autres termes, le noyau dur de la loi de-

par l'Italie. meure. Le commerce et l'acquisition d'immeubles à des fins

Sans doute avez-vous raison de dire que les opposants ne se de placement de capitaux restent exclus jusqu'à la fin de

sont pas référés à cette convention. Ils avaient quelques bon- l'année 1997. A ce moment-là, il vous appartiendra souverai-

nes raisons de passer comme chat sur braise et de ne pas atti- nement d'examiner d'éventuelles modifications de la lex

rer trop l'attention. Ils ont été habiles, mais il n'empêche que le Friedrich, d'éventuels transferts de ses dispositions pour ren-

gouvernement italien, en requérant l'ouverture de négocia- dre notre droit national compatible avec les obligations finales

tions formelles, a clairement allégué que le traitement réservé de l'Espace économique européen. Mais cela est de la musi-

à ses ressortissants, à la suite du jugement rendu par le Tribu- que d'avenir. Ce n'est pas le Conseil fédéral, rassurez-vous,

nal fédéral dans l'affaire Sud Provizel, constituait de la part de qui pourra de sa seule autorité prendre quelque décision que

la Suisse une violation de ce traité, qu'un tribunal arbitral n'au- ce soit dans cette direction; ce sera vous et vous seuls qui au-

rait pas manqué de constater. Je ne fais donc pas de la rez à décider si oui ou non il faut procéder à ces adaptations.

science-fiction ni ne vous lis les romans d'un mauvais auteur Voilà la perspective à moyen et long terme qui peut se poser

de la série B, mais je vous expose très tranquillement les réali- dans le cas où l'Espace économique européen trouverait

tés et les conséquences que nous aurions eu à subir dans no- grâce devant vous et ensuite devant le peuple et les cantons.

tre démarche. Si, au contraire, l'Espace économique européen n'était pas

Je me permets d'évoquer ensuite, aussi dans l'appréciation accepté, alors - mais il n'y a pas urgence, décidément - le

des intérêts qu'a dû faire le Conseil fédéral, l'aspect humain de Conseil fédéral pourrait vous saisir ou vous pourriez vous-

ce dossier. Les ressortissants italiens qui, il y a vingt ans, se mêmes vous saisir d'un amendement à la loi intérieure afin de

sont rendus acquéreurs d'appartements de vacances, par le la rendre compatible non plus avec l'EEE, qui resterait pour la

Assurance militaire. Loi 1090 N 17 juin 1992

Suisse une option théorique, mais avec les accords bilatéraux, Seiler Rolf, Berichterstatter: Es wäre schön, wenn der Vorsit-

multilatéraux pour autant que ceux-ci survivent à une opéra- zende bereinigte Papiere hätte, dann wären auch unsere Bera-

tion Espace économique européen où nous serions les seuls tungen einfacher durchzuführen!

en Europe occidentale à n'être pas partie pleine et entière au Nach der Beratung dieses Geschäftes haben wir dem Stände-

traité. Mais cela est une autre histoire et relèvera, le moment rat die Vorlage mit 48 Differenzen zurückgegeben. Der Stän-

venu, de votre compétence. En attendant, j'aimerais dire et derat hat sich in 38 Fällen uns angeschlossen, und es verblei-

répéter que la pratique de l'application du noyau dur de la lex ben 10 Differenzen. Ich werde sie kurz kommentieren.

Friedrich demeure jusqu'à l'échéance du délai transitoire fin Die ersten zwei Differenzen betreffen Artikel 1 Absatz 1 in be-

1997 et que l'affaire Sud Provizel ne saurait dès lors être invo- zug auf die versicherten Personen. Ihr Rat hat beschlossen,

quée comme précédent den Buchstaben c zu streichen; der Ständerat will aber am

En ce qui concerne le modèle danois - je ne parle pas de la Buchstaben c festhalten, d. h., es sollen auch Bundesbedien-

votation des Danois sur Maastricht mais du modèle danois stete, die zu einer Truppe oder Zivilschutzorganisation abkom-

concernant la situation de l'acquisition immobilière des étran- mandiert werden, der Militärversicherung unterstellt werden.

gers au Danemark, que nous allons sans doute étudier plus Die Kommission beantragt Ihnen mit 10 zu 4 Stimmen, dem

avant -j'attire votre attention, Monsieur Engler, sur une diffé- Ständerat zu folgen.

rence fondamentale entre le droit danois qui va nous inspirer Die zweite Differenz zu Artikel 1 Absatz 1 betrifft Buchstabe g.

et la lex Friedrich dont nous nous réclamons. Le modèle da- Bei Buchstabe g haben wir gemäss Entwurf Bundesrat be-

nois est fondé sur une base absolument non discriminatoire. schlossen, dass der Bundesrat hier die Kompetenz hat, allen-

Pour les étrangers et pour les Danois, c'est la même règle qui falls durch Verordnung festzulegen, wer der Militärversiche-

s'applique, alors que c'est précisément là que - si vous me rung unterstellt ist Der Ständerat hat diese Kompetenzdelega-

permettez d'utiliser une expression de la campagne vaudoi- tion gestrichen. Er möchte die Delegation auf die eigentlichen

se - «la chatte a mal aux pieds», avec la lex Friedrich, qui, elle, Vollzugsprobleme und Vollzugsvorschriften beschränken und

est fondamentalement discriminatoire. die versicherten Personen in Artikel 1, das heisst im Gesetz,

Nous le disons au Parlement depuis 1965, et ce que nous au- abschliessend nennen.

rions souhaité qu'il n'arrivât point s'est quand même produit Ein Problem bleibt hier bestehen, und ich habe den Auftrag, im

Si, pour plus de sagesse, nous avions à vous proposer une Namen der Kommission eine Erklärung abzugeben. Es betrifft

fois l'application du modèle danois, sachez bien que c'est un die Militärversicherung der Leute, die an Veranstaltungen von

modèle non discriminatoire qui, par son esprit et son fonde- Jugend + Sport teilnehmen. Es ist vorgesehen, das bisherige

ment, ne ressemble en rien à la lex Friedrich. Mindestalter von 14 Jahren für die Teilnehmer von solchen

J'ai mis ainsi les points sur les i et même sur les y. Veranstaltungen allenfalls auf 10 Jahre zu senken. Da stellt

sich die Frage, ob es immer noch angebracht ist, dass die Teil-

Bundi: Ich möchte nur drei kurze Bemerkungen machen: nehmer an solchen Veranstaltungen der Militärversicherung

1. Der Interpretation des Niederlassungsvertrages zwischen unterstellt sind.

der Schweiz und Italien, wie Sie soeben von Herrn Bundesrat Die Kommission hat sich orientieren lassen, dass zu prüfen

Delamuraz vorgenommen worden ist, können wir keinesfalls sein wird-sofern dieses Alter tatsächlich auf 10 Jahre gesenkt

zustimmen. wird -, ob diese Teilnehmer von Jugend + Sport weiterhin der

2. Ich habe mit einiger Genugtuung zur Kenntnis genommen, Militärversicherung unterstellt werden sollen. Sollte diese Prü-

dass Herr Bundesrat Delamuraz aber auch der Auffassung ist, fung ergeben, dass man auf diese Unterstellung verzichtet,

dass diese ganze Angelegenheit noch mit der Geschäftsprü- würden wir vom Bundesrat für die Aenderung von Artikel 1 Ab-

fungskommission näher erörtert werden soll. Ich bin der Ge- satz 1 Buchstabe g Ziffer 6 eine neue Vorlage erhalten, in dem

schäftsprüfungskommission und deren Präsidenten dankbar, Sinne, dass Ziffer 6 gestrichen würde. Für heute wollen wir in

wenn sie sich dieser Materie noch einmal vertieft annehmen. der Kommission uns mit 11 zu 0 Stimmen dem Ständerat an-

3. Vom Bundesrat erwarten wir, wenn ères wirklich ernst meint schliessen.

mit den Ersatzmassnahmen, welche im Hinblick auf die erste Das sind die Differenzen bei Artikel 1.

Etappe der Aufhebung der Lex Friedrich und auf den 1. Ja-

nuar 1993 bereitliegen sollen, dass er diese Ersatzmassnah- M. Pidoux, rapporteur: Je ne reviendrai pas sur le nombre des

men nicht auf die Kantone und Gemeinden abschiebt, son- divergences antérieures. Actuellement, nous sommes au

dern dass der Bund sie selber vornimmt, mit entsprechenden bout; il n'y en a quasiment plus après la navette et les proposi-

Vorschlägen für Aenderungen und allenfalls neuen Geset- tions de votre commission.

zeserlassen. Je ferai toutefois une remarque qui concerne une décision de

la Commission de rédaction. Cette dernière a décidé de biffer,

dans la version française, les termes «par les influences subies

ou par des influences dues» aux articles 4, 5, 17 et 82. Il ne

s'agit que d'une modalité de rédaction et non pas d'un aspect

#ST# 90.045 de fond.

Le Conseil des Etats s'est rallié à la grande divergence que

Militärversicherung. Bundesgesetz nous avions créée qui concernait les gardes-frontière qui ne

Assurance militaire. Loi seront plus soumis à l'obligation d'assurance. Sur les autres

points, nous nous sommes ralliés et je ne vais pas commencer

Differenzen - Divergences à vous donner des détails inutiles.

Siehe Seite 488 hiervor - Voir page 488 ci-devant Angenommen -Adopté

Beschluss des Ständerates vom 2. Juni 1992

Décision du Conseil des Etats du 2 juin 1992 Art. 1a

Antrag der Kommission

Mehrheit

Zustimmung zum Beschluss des Ständerates

Minderheit

Art. 1 Abs. 1 Bst. c, g (Allenspach, Sandoz)

Antrag der Kommission Festhalten

Zustimmung zum Beschluss des Ständerates

Art.la

Art. 1 al. 1 let. c, g Proposition de la commission

Proposition de la commission Majorité

Adhérer à la décision du Conseil des Etats Adhérer à la décision du Conseil des Etats

Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften

Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées

Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali

Dringliche Interpellation Steffen Anwendung der Lex Friedrich im Kanton Graubünden

Interpellation urgente Steffen Application de la lex Friedrich dans les Grisons

In Amtliches Bulletin der Bundesversammlung

Dans Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale

In Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale

Jahr 1992

Année

Anno

Band III

Volume

Volume

Session Sommersession

Session Session d'été

Sessione Sessione estiva

Rat Nationalrat

Conseil Conseil national

Consiglio Consiglio nazionale

Sitzung 13

Séance

Seduta

Geschäftsnummer 90.3175

Numéro d'objet

Numero dell'oggetto

Datum 17.06.1992 - 15:00

Date

Data

Seite 1083-1090

Page

Pagina

Ref. No 20 021 253

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