Parliamentary Initiative on State Security Damages Statute of Limitations
Legislator-Zusammenfassung
KI-generiertThis case concerns a parliamentary initiative proposing to remove the ten-year statute of limitations for claims related to state security damages, specifically addressing harms caused by the federal police's data collection activities. The court's reasoning centered on the principle of legal equality and the unique circumstances of state security cases, where victims may not discover the harm until after the statute of limitations has expired. While the Federal Council expressed willingness to consider compensation on grounds of equity for proven severe damages without formally waiving the statute of limitations, the parliamentary initiative argued for a clear, general legal provision to ensure justice and restore public trust, ultimately leading to a debate on whether to amend the law or rely on executive discretion.
Legislator-Regeste
KI-generiertArt. 47quinquies Absatz, Art. 68 GRN-Catégorie, Art. 93 BV, Art. 89bis BV, Art. 20 Abs. 4 Art, Art. 93 est; Parliamentary Initiative on State Security Damages Statute of Limitations: The court's reasoning centered on the principle of legal equality and the unique circumstances of state security cases, where victims may not discover the harm until after the statute of limitations has expired. While the Federal Council expressed willingness to consider compensation on grounds of equity for proven severe damages without formally waiving the statute of limitations, the parliamentary initiative argued for a clear, general legal provision to ensure justice and restore public trust, ultimately leading to a debate on whether to amend the law or rely on executive discretion.
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KI-generiertVerwandte Entscheide
KI-generiertZentrale Rechtsfragen, extrahiert von Legislator
KI-generiertThis provision, which states that the Confederation's liability for measures taken by the federal police and related services is not subject to a statute of limitations, was the basis for the parliamentary initiative proposing to lift the statute of limitations for state security damages.
This article, stating that all Swiss citizens are equal before the law, was invoked by the minority to argue for a generalized and legally sound solution to compensation for state security damages, rather than relying on the administration's discretion.
Volltext
19. September 1991 N 1565 Parlamentarische Initiative. Staatsschutzschäden
Art. 47quinquies al. 6 (nouveau) Al. 2
Proposition de la commission La délégation de la sécurité a pour mandat d'examiner les acti-
Lorsqu'il s'agit d'un objet soumis à des exigences particulière- vités dans les domaines du Ministère public de la Confédéra-
ment rigoureuses en matière de secret, la délégation a la com- tion et de la sécurité de l'Etat et du renseignement.
pétence d'adresser des recommandations au Conseil fédéral.
La délégation informe les Commissions de gestion de manière Präsident: Der Antrag der Minderheit entfällt gemäss Ent-
appropriée. Ces dernières décident, après avoir entendu le scheid zu Artikel 47quinquies Absatz 2.
Conseil fédéral, s'il y a lieu d'informer les Chambres et l'opi-
nion publique. Angenommen gemäss Antrag der Mehrheit
Adopté selon la proposition de la majorité
Frau Zölch, Berichterstatterin: Nur ganz kurz: Die Kommis-
sionsmehrheit weicht hier von der Fassung des Ständerates Ziff. Il
ab und legt fest, dass die Delegation in Fällen besonderer Ge- Antrag der Kommission
heimhaltung befugt ist, ihre Empfehlungen direkt an den Bun- Zustimmung zum Beschluss des Ständerates
desrat zu richten. Die Geschäftsprüfungskommissionen wer-
den in geeigneter Form orientiert. Sie entscheiden dann nach Ch.ll
Anhörung des Bundesrates über die Information der Räte und Proposition de la commission
auch derOeffentlichkeit. Adhérer à la décision du Conseil des Etats
Gemäss der Fassung des Ständerates könnte die Geschäfts-
prüfungsdelegation in besonderen Fällen, die dem Amtsge- Angenommen -Adopté
heimnis unterliegen, überhaupt nicht Bericht und Antrag stel-
len. Die Kommissionsmehrheit will die Berichterstattung diffe- Gesamtabstimmung - Vote sur l'ensemble
renzierter regeln und hauptsächlich auch die Information ver- Für Annahme des Entwurfes 109 Stimmen
(Einstimmigkeit)
bessern.
Die vorliegende Fassung der Kommission wurde klar ange-
nommen.
Ich beantrage Ihnen, ihr zuzustimmen. An den Ständerat - Au Conseil des Etats
Bundesrat Koller: Vor allem zuhanden des Zweitrats möchte
ich folgende Feststellung machen:
Beim ersten Satz gebe ich zu, dass die Fassung der national- #ST# 90.256
rätlichen Kommission einen eindeutigen Fortschritt bedeutet,
dem ich gerne zustimme; gemäss dieser Fassung kann auch Parlamentarische Initiative
die Delegation ihre Empfehlungen direkt an den Bundesrat (Stappung)
richten. Entschädigung von Staatsschutzschäden
In bezug auf das Recht dieses Absatzes geht es aber tatsäch- (Dringlicher Bundesbeschluss)
lich um ein konzeptionelles Problem: Nach Auffassung von
Bundesrat und Ständerat bleibt der Bundesrat Geheimnisherr Initiative parlementaire
in diesem ganzen Bereich, währenddem nach Ihrer Fassung (Stappung)
die GPKoder ihre Delegation Geheimnisherrin würde und da- Réparation des dommages en rapport
her wie eine parlamentarische Untersuchungskommission avec la sécurité de l'Etat
selber entscheiden würde, was am Schluss der Untersuchung (arrêté fédéral urgent)
nach aussen bekanntgegeben wird. Hier besteht also noch
eine materielle Differenz. Kategorie III, Art. 68 GRN-Catégorie III, art. 68RCN
Angenommen -Adopté
Art. 47quinquies a (neu) Wortlaut der Initiative vom 19. September 1990
Antrag der Kommission Gemäss Artikel 93 BV, Artikel 21 bis des GVG und Artikel 27
Mehrheit des Geschäftsreglementes des Nationalrates reiche ich fol-
Ablehnung des Antrages der Minderheit gende parlamentarische Initiative, mit dem Begehren auf Er-
Minderheit lass eines dringlichen Bundesbeschlusses, ein:
(Günter) Bundesbeschluss betreffend die Entschädigung von Staats-
Abs. 1 schutzschäden
Die Bundesversammlung wählt aus ihrer Mitte eine ständige vom....
Sicherheitsdelegation von 8 Mitgliedern. Die Fraktionen der Die Bundesversammlung der Schweizerischen Eidgenossen-
Bundesversammlung sind in dieser Delegation angemessen schaft, gestützt auf Artikel 117 sowie Artikel 89bis BV, be-
vertreten. schliesst:
Abs. 2 Ziff. l
Die Sicherheitsdelegation hat den Auftrag, die Tätigkeit im Be- Das Bundesgesetz über die Verantwortlichkeit des Bundes so-
reich der Bundesanwaltschaft und der Nachrichtendienste wie seiner Behördenmitglieder und Beamten (Verantwortlich-
näher zu prüfen. keitsgesetz) vom 14. März 1958 wird wie folgt ergänzt:
Art. 20 Abs. 4
Art. 47quinquies a (nouveau) Die Haftung des Bundes für Massnahmen der Bundespolizei
Proposition de la commission (politische Polizei) sowie entsprechender Dienste anderer De-
Majorité partemente unterliegt keiner Verwirkungsfrist; in entsprechen-
Rejet de la proposition de la minorité den Verfahren ist die Einrede der Verjährung unzulässig.
Minorité Ziff. II
(Günter) Dieser Beschluss tritt sofort in Kraft und ist befristet bis zum
Al. 1 31. Dezember 1999.
L'Assemblée fédérale nomme une délégation permanente de Ziff. III
la sécurité constituée de 8 membres. Les groupes de l'Assem- Dieser Beschluss untersteht dem fakultativen Referendum;
blée fédérale y sont représentés équitablement. wird es ergriffen, und wird der Beschluss in der Volksabstim-
17-N
Initiative parlementaire. Sécurité de l'Etat. Dommages 1566 N 19 septembre 1991
mung nicht binnen Jahresfrist vom Volke gutgeheissen, tritt er Mit dem vorgeschlagenen Dringlichen Bundesbeschluss
ein Jahr nach seinem Inkrafttreten ausser Kraft. kann ein wesentlicher Schritt auf dem Weg zu diesem Ziel ge-
tan werden.
Texte de l'initiative du 19 septembre 1990
Conformément à l'article 93 est., à l'article 21 bis de la LREC et Erwägungen der Kommission
à l'article 27 du Règlement du Conseil national, je dépose l'ini- Die Kommission behandelte die Initiative am 24. Mai und am
tiative parlementaire suivante, demandant que soit édicté un 8. Juli 1991. Sie zog für ihre Beratungen das Eidgenössische
arrêté fédéral urgent: Finanzdepartement und als Experten alt Bundesgerichtspräsi-
Arrêté fédéral concernant la réparation des dommages en rap- dent Prof. Dr. Arthur Haefliger bei. In einer eingehenden Dis-
port avec la sécurité de l'Etat kussion hielt die Kommissionsmehrheit fest, dass eine Aufhe-
du.... bung der Verwirkungsfrist durch eine Gesetzesänderung
L'Assemblée fédérale de la Confédération suisse, vu les möglich wäre. Allerdings hat der Gesetzgeber mit einer Verwir-
articles 117 et 89bis de la constitution, arrête: kungsfrist ganz bewusst bestimmte Grenzen gezogen. Denn
Ch. I je länger ein Tatbestand zurückliegt, desto schwieriger wird
La loi fédérale du 14 mars 1958 sur la responsabilité de la es, im nachhinein Ursache, Wirkung und sogar die genauen
Confédération, des membres de ses autorités et de ses fonc- Tatbestände selbst festzustellen.
tionnaires (loi sur la responsabilité) est complétée comme il Während eine Kommissionsminderheit die Argumente des In-
suit: itianten teilt und beantragt, der Initiative Folge zu geben, lehnt
Art. 20 al. 4 die Kommissiosmehrheit dies aus den dargelegten Gründen
S'agissant de mesures prises par la police fédérale (police po- ab. Die Kommission verlangte jedoch vom Bundesrat eine
litique) ou par des services analogues des départements fédé- Stellungnahme, ob bei Staatsschutzschäden im Zusammen-
raux, la responsabilité de la Confédération ne s'éteint pas; l'ex- hang mit Registrierung ein grundsätzlicher Verzicht auf die
ception de la prescription ne peut être soulevée dans la procé- Verwirkungsfrist ohne Gesetzesänderung möglich wäre.
dure. Bundesrat Stich hielt fest, dass der Bundesrat alle (nicht sehr
Ch.ll zahlreich) eingehenden Begehren auf ihre materielle Stichhal-
Le présent arrêté entre immédiatement en vigueur; il a effet tigkeit überprüft und nicht von vornherein die Verwirkungsfrist
jusqu'au 31 décembre 1999. geltend macht. Ein genereller Verzicht des Bundesrates auf
Ch. III die Geltendmachung der Verwirkungsfrist würde aber- insbe-
Le présent arrêté est sujet au référendum facultatif; si celui-ci sondere auch aus Gründen der Rechtsgleichheit - zu weit füh-
est demandé et que l'arrêté ne soit pas approuvé par le peuple ren. Der Bundesrat ist jedoch bereit, ohne Anerkennung einer
dans le délai d'un an, l'arrêté perd sa validité un an après son Rechtspflicht eine Entschädigung aus Billigkeitsgründen zu
entrée en vigueur. zahlen, sobald festgestellt wird, dass jemand offensichtlich
und wirklich in einer groben Art und Weise geschädigt worden
Herr Thür, unterbreitet im Namen der Kommission den folgen- ist. Die Kommissionsmehrheit begrüsst ein solches Vorgehen,
den schiftlichen Bericht: der Kommissiosminderheit geht dies aus Gründen der
Rechtssicherheit und Rechtsstaatlichkeit zu wenig weit.
Die Kommission des Nationalrates, welcher dieses Geschäft
zur Prüfung zugewiesen wurde, gab am 25. Januar 1991 dem M. Thür présente au nom de la commission le rapport écrit
Initianten Gelegenheit, sich zu seinem Vorstoss zu äussern suivant:
(Art. 21 quinquies Geschäftsverkehrsgesetz, SR171.11).
La commission chargée d'étudier cette affaire a entendu l'au-
Begründung des Initianten (gekürzt) teur de l'initiative le 25 janvier 1991 (art. 21 quinquies, loi sur
Im Zusammenhang mit der Bewältigung der Affäre um die Da- les rapports entre les conseils, RS171.11 ).
tensammeltätigkeit der» Bundespolizei ist zu erwarten, dass
sich bei einer noch unbekannten Anzahl Betroffener das Pro- Développement de l'auteur de l'initiative (résumé)
blem stellen wird, dass diese zwar nachweisbare Schäden Dans le contexte de l'affaire des fichiers de la police fédérale, il
durch diese Tätigkeit erlitten haben, aber zufolge der Rege- faut s'attendre à ce qu'un nombre encore indéterminé de per-
lung im Verantwortlichkeitsgesetz, wonach Ansprüche in je- sonnes puissent prouver qu'elles ont subi des dommages en
dem Fall zehn Jahre nach einer schädigenden Handlung ei- raison de ces activités mais rencontrent des difficultés pour
nes Beamten verwirkt sind, eine Durchsetzung solcher An- faire valoir des prétentions en réparation à rencontre de la
sprüche gegen den Bund auf Schwierigkeiten stösst. Confédération car, en vertu de la loi sur la responsabilité, de
Zwar könnte der Bund auf die Verjährungseinrede verzichten, telles prétentions s'éteignent dans tous les cas dix ans après
hat doch das Bundesgericht entschieden, die Verjährung der l'acte dommageable du fonctionnaire.
Klage sei nicht von Amtes wegen zu beachten, wenn sich das Certes, la Confédération pourrait renoncer à soulever l'excep-
Gemeinwesen ohne Vorbehalt auf die materiellrechtlichen tion de la prescription puisque le Tribunal fédéral a arrêté
Fragen einlasse. Aber das gilt nur für Verjährungsfristen; wo qu'une plainte ne devait pas être prescrite d'office si l'Etat ac-
das Gesetz Verwirkung vorsieht, ist diese grundsätzlich von ceptait sans réserve d'entrer en matière sur le fond. Mais cela
Amtes wegen zu beachten. ne s'applique qu'aux délais de prescription; lorsque la loi pré-
Klar ist, dass diese Rechtslage der politischen Situation in kei- voit la péremption, celle-ci doit en principe être examinée d'of-
ner Weise angemessen ist. Es ist deshalb wichtig, dass der fice.
Bund, insbesondere die eidgenössischen Räte, gegenüber Il est évident que cette norme juridique n'est absolument pas
dem Souverän bekunden, dass der Bund Schäden, welche adaptée à la situation politique. C'est pourquoi il importe que
durch diese Tätigkeit rechtswidrig verursacht worden sind, in la Confédération, et notamment les Chambres fédérales, fas-
jedem Falle decken will, weil ja hier der Geschädigte über- sent clairement savoir au souverain que la Confédération a l'in-
haupt erst heute erfährt, dass er nicht einfach ein Schicksal er- tention de couvrir dans tous les cas les dommages causés illé-
litten hat, sondern durch den Staat geschädigt worden ist, und galement par cette activité: dans de tels cas en effet, le lésé
weil der seitherige Zeitablauf nicht vom Geschädigten, son- n'apprend qu'aujourd'hui qu'il n'a pas été simplement victime
dern von der Verwaltung zu verantworten ist. Ein solcher d'un coup du sort, mais qu'il a subi un préjudice du fait de
Schritt drängt sich um so eher auf, als durch diese Angelegen- l'Etat et ce n'est pas le lésé qui est responsable du délai qui
heit das Vertrauen in den Staat und seine Organe stark gelitten s'est écoulé jusque là, mais l'administration elle-même.
hat. Dieser Umstand macht es auch notwendig, seitens der Une telle démarche s'impose d'autant plus que, dans cette af-
Behörden rasch und unmissverständlich zu handeln, damit faire, la confiance de la population en l'Etat et en ses organes a
das für die Lösung der anstehenden wesentlichen Probleme gravement souffert. Les circonstances commandent égale-
unseres Landes erforderliche Vertrauen bei der Bevölkerung ment que les autorités agissent rapidement et sans équivoque
wiederhergestellt werden kann. afin que la confiance - indispensable si l'on veut résoudre les
19. September 1991 N 1567 Parlamentarische Initiative. Staatsschutzschäden
importants problèmes qui se posent à notre pays - soit réta- davon in 4 bis 5 Fällen mit dem Argument der Verwirkung. In 28
blie au sein de la population. Fällen, in denen der Anspruch so wenig substanziert war, dass
Le présent projet d'arrêté fédéral urgent permettra de franchir man dazu nicht materiell Stellung nehmen konnte, wurde den
un pas important dans cette direction. Gesuchstellern eine ausführliche Rechtsbelehrung erteilt, der
sie entnehmen konnten, welcher Voraussetzungen es bedarf,
Considérations de la commission um solche Ansprüche mit Aussicht auf Erfolg geltend zu ma-
La commission a examiné cette initiative les 24 mai et 8 juillet chen. Derzeit bestehen noch acht eigentliche Pendenzen. Bis-
1991. Elle a consulté le Département fédéral des finances et her wurde eine einzige Anspruchsbestreitung allein gestützt
entendu comme expert le professeur Arthur Haefliger, ancien auf die Verwirkung ausgesprochen. Es ging um einen Vorfall,
président du Tribunal fédéral. Après une discussion approfon- der 35 Jahre zurückliegt. In zwei oder drei Fällen wird die Ver-
die, la majorité de la commission a constaté qu'il serait possi- waltung das Verwirkungsargument nebst anderen Argumen-
ble de modifier la loi pour supprimer le délai de prescription. ten, die ebenfalls zu einer Anspruchsbestreitung führen wür-
Elle relève toutefois qu'en fixant un tel délai le législateur a ma- den, geltend machen müssen.
nifestement voulu marquer des limites. En effet, plus un fait est Sie sehen also, bis heute ist durch diese Fichenaffäre keine
ancien, plus il est difficile d'en évaluer après coup les causes, Anspruchslawine ausgelöst worden. Von daher stellte sich die
les effets, voire d'en déterminer les éléments constitutifs eux- Kommission die Frage, ob es angesichts dieser wenigen Ein-
mêmes. zelfälle überhaupt gerechtfertigt sei zu legiferieren. Die Kom-
Alors qu'une minorité de la commission approuve les argu- mission kam bei der Beantwortung dieser Frage einhellig zur
ments de l'auteur de l'initiative et propose de donner suite à Auffassung, dass hier ein echtes Problem vorliegt, welches ei-
celle-ci, la majorité de la commission s'y oppose pour les rai- ner Lösung bedarf, auch wenn nur wenige Personen davon
sons exposées ci-dessus. La commission a toutefois de- betroffen sein mögen. Es wurde darauf hingewiesen, dass es
mandé au Conseil fédéral de lui faire savoir s'il serait possible unerheblich sei, wie viele Fälle zur Diskussion stünden; we-
de renoncer par principe, sans modifier la loi, aux délais de sentlich sei, dass die Geschädigten nicht wüssten, zu wel-
prescription dans les cas de dommages résultant de l'établis- chem Zeitpunkt der Schaden eingetreten sei, und dass sie
sement de fichiers en rapport avec la protection de l'Etat. deshalb von ihrem Recht innert der Frist nicht hätten Ge-
M. Stich, conseiller fédéral, a relevé que le Conseil fédéral ex- brauch machen können.
amine le bien-fondé matériel de toutes les demandes (du reste In einem Rechtsstaat dürfe es nicht massgebend sein, ob nun
pas très nombreuses) au lieu de soulever d'emblée l'excep- 3, 300 oder 3000 Personen von einem Problem betroffen
tion de la prescription. Mais si le Conseil fédéral renonçait seien, wurde ausgeführt. Die Diskussion in der Kommission
d'une façon générale à la possibilité d'invoquer la prescrip- drehte sich dann darum, ob eine befriedigende Lösung ohne
tion, cela irait trop loin - notamment pour des raisons touchant Gesetzesänderung überhaupt möglich wäre. Die Kommission
l'égalité devant le droit. Toutefois, le Conseil fédéral est dis- hat zur Beantwortung dieser Frage alt Bundesgerichtspräsi-
posé, sans reconnaître une obligation légale, à accorder une dent Prof. Arthur Haefliger, den ehemaligen Fichen-Ombuds-
indemnisation pour des raisons d'équité, dès qu'il est établi mann, als Experten zugezogen. Herr Haefliger vertrat, unter
qu'une personne a manifestement et réellement été lésée. Hinweis auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung bei der
La majorité de la commission est satisfaite de cette façon de Geltendmachung der Verwirkungsfrist die Auffassung, dass
procéder, mais la minorité de la commission estime, pour des der Bundesrat einen allgemeinen Beschluss fassen könnte,
raisons touchant la sécurité du droit et la légalité, qu'elle ne va der besage, dass sich der Bund in diesen Fällen nicht auf die
pas assez loin. Verwirkung berufen werde; dies immer unter der Vorausset-
zung, dass das Bundesgericht seine derzeitige Praxis beibe-
Antrag der Kommission halte, was Herr Haefliger für sehr wahrscheinlich erachtete.
Mehrheit Nach den Ausführungen von Prof. Haefliger war die Kommis-
Der parlamentarischen Initiative keine Folge geben. sion der Auffassung, dass ein genereller Verzicht des Bundes-
Minderheit rates auf die Geltendmachung der Verwirkungseinrede die
(Stappung, David, Dünki, Lanz, Pitteloud, Rechsteiner) eleganteste Lösung wäre. Sie würde ermöglichen, dass auf
Der parlamentarischen Initiative Folge geben. eine spezielle Gesetzgebung, wie sie Kollege Stappung in sei-
ner parlamentarischen Initiative vorschlägt, verzichtet werden
Proposition de la commission könnte. Mit 14 zu 0 Stimmen bei einer Enthaltung hat deshalb
Majorité die Kommission im Laufe der Beratung beschlossen, dem
Ne pas donner suite à l'initiative. Bundesrat dieses Vorgehen vorzuschlagen. Der Bundesrat er-
Minorité teilte der Kommission jedoch eine Absage.
(Stappung, David, Dünki, Lanz, Pitteloud, Rechsteiner) Bundesrat Stich stellte sich auf den Standpunkt, dass der Bun-
Donner suite à l'initiative. desrat verpflichtet sei, die Verwirkungsfrist geltend zu ma-
chen; ein Verzicht darauf bedürfte einer Gesetzesänderung.
Thür, Berichterstatter: Sie haben über die Arbeit der Kommis- Eine solche Gesetzesänderung würde von seilen des Depar-
sion, welche die parlamentarische Initiative von Herrn Kollege tementsvorstehers aber abgelehnt werden, u. a. mit der Be-
Stappung behandelte, einen schriftlichen Bericht erhalten. gründung, dass in jenen Fällen, in denen das EFD zur Auffas-
Kollege Stappung wollte mit einem dringlichen Bundesbe- sung kommme, es liege keine Schadenersatzpflicht vor, es ju-
schluss erreichen, dass die Haftung des Bundes für Massnah- ristisch am einfachsten sei, wenn man sich auf die Verwir-
men der Bundespolizei sowie entsprechender Dienste ande- kungsfrist berufen könne.
rer Departemente keiner Verwirkungsfrist unterliegt. Zur Be- Umgekehrt sicherte Bundesrat Stich der Kommission zu, dass
gründung wies er darauf hin, dass bei der Bewältigung der Fi- er ohne Anerkennung einer Rechtspflicht eine Entschädigung
chenaffäre zu erwarten sei, dass sich bei einer noch unbe- aus Billigkeitsgründen dann bezahlen werde, wenn die Ver-
kannten Anzahl Betroffener insofern ein Problem stellen wird, waltung feststelle, dass jemand offensichtlich und wirklich in
als sie zwar nachweisbare Schäden durch die Tätigkeit der po- einer groben Art und Weise geschädigt worden sei. Weiter ver-
litischen Polizei erlitten hätten, aber zufolge der Regelung im sprach Herr Bundesrat Stich, dass er selber alle Fälle an-
Verantwortlichkeitsgesetz, wonach Ansprüche in jedem Fall schaue, bei denen ein Schadenersatzbegehren mit bezug auf
zehn Jahre nach einer schädigenden Handlung eines Beam- die Verwirkungsfrist abgelehnt werde.
ten verwirkt sind, ihre Ansprüche dem Bund gegenüber dann Bundesrat Stich sagte vor der Kommission, er sei bereit, sich
nicht durchsetzen könnten. auf die Fälle einzulassen und intern jeden Fall zu prüfen und
Die Kommission nahm zunächst zur Kenntnis, dass bis heute materiell zu behandeln. Das Finanzdepartement sei aber nicht
beim Finanzdepartement relativ wenige Schadenersatzbe- bereit, eine grundsätzliche Erklärung in der von der Kommis-
gehren eingegangen sind. Bis heute, d. h. Stichtag gestern, sion gewünschten Richtung abzugeben, eben unter Hinweis
sind es 51 Fälle. 15 dieser Fälle sind bereits erledigt worden, 2 auf seine rechtliche Argumentation. Der Experte der Kommis-
durch Vergleich. In 12 Fällen wurde der Anspruch bestritten, sion widersprach zwar der Auffassung des Departementsvor-
Initiative parlementaire. Sécurité de l'Etat. Dommages 1568 N 19 septembre 1991
Stehers, dass sich das EFD über das Gesetz hinwegsetzen Wenn der Bundesrat ohne Anerkennung einer Rechtspflicht
würde, wenn es in Staatsschutzfällen generell auf die Geltend- eine Entschädigung bezahlen will, sofern eine Schädigung
machung der Verwirkung verzichten würde. Auch unter dem vorliegt, besteht die Gefahr der Rechtsungleichheit und sogar
Gesichtspunkt der Rechtsgleichheit - so Haefliger - sei dieser der Willkür. Der eine bekommt etwas, der andere bekommt
Verzicht geboten, weil es um eine besondere Sachlage gehe, nichts.
indem geschädigte Bürgerinnen und Bürger gar nicht wissen Herr Stich als Vertreter des Bundesrats sagte anlässlich der
konnten, dass etwas zu ihrem Nachteil passiert war. Diese Ar- Beratungen in der Kommission - Sie können das auch im Be-
gumente des Experten der Kommission vermochten indessen richt lesen -, ein genereller Verzicht des Bundesrates auf die
den Departementsvorsteher von seiner ursprünglichen Hal- Geltendmachung der Verwirkungsfrist würde, insbesondere
tung nicht abzubringen. auch aus Gründen der Rechtsgleichheit, zu weit führen.
Nachdem sich der Bundesrat weigerte, die von der Kommis- Rechtsgleichheit ist dann hergestellt, wenn alle im Rahmen
sion gewünschte Erklärung abzugeben, war nur noch zu ent- von Staatsschutzschäden die gleichen Rechte erhalten und
scheiden, ob der weitergehende Vorschlag von Kollege Stap- nicht an Verjährungsfristen in dieser Situation gebunden sind.
pung mit Blick auf eine Gesetzesänderung in Angriff genom- Das Problem kann nur mit einer einwandfreien Regelung sau-
men werden solle. ber und gerecht gelöst werden. Ein Bundesbeschluss analog
Eine Mehrheit der Kommission gelangte zur Auffassung, dass meiner Initiative ist der richtige Weg. Auch wenn es nur wenige
die bundesrätliche Zusicherung genüge, nämlich in jedem Fälle gibt, gilt es, das Vertrauen in den Bund wiederherzustel-
Fall materiell zu prüfen und eine Entschädigung aus Billig- len. Alt Bundesgerichtspräsident und seinerzeitiger Fichenbe-
keitsgründen immer dann zuzahlen, wenn ein schwerer Scha- auftragter Professor Haefliger, der in der vorberatenden Kom-
den zugefügt worden ist, ein wirkliches Verschulden des Staa- mission als Experte mitwirkte, vertritt ebenfalls die Meinung,
tes vorliegt und vorher keine Möglichkeit bestanden hat, den dass für diese Staatsschutzschäden eine besondere Rege-
Schaden geltend zu machen. lung getroffen werden sollte, nämlich für diese Fälle die Zehn-
Die Mehrheit der Kommission wollte unter diesen Umständen jahresfrist aufzuheben.
auf eine formelle Gesetzesänderung, wie sie von Kollege Stap- Ich bitte Sie daher, der Initiative Folge zu geben.
pung vorgeschlagen worden ist, verzichten. Die parlamentari-
sche Initiative wurde aus diesen Gründen mit 9 zu 6 Stimmen M. Salvioni: Le groupe radical a décidé à l'unanimité de vous
bei einer Enthaltung abgelehnt. proposer de ne pas donner suite à cette initiative. Au fond, les
Eine Minderheit der Kommission war der Auffassung, dass es raisons sont très simples.
rechtsstaatlich bedenklich sei, die Bezahlung von Entschädi- Premièrement, il y a très peu de cas. Seules dix-neuf person-
gungen nach Eintritt der Verwirkung dem Gutdünken der Ver- nes se sont annoncées comme ayant subi des dommages à la
waltung zu überlassen. Es gehe darum, dem Grundsatz des suite de cette affaire des fiches. Douze de ces cas ont été liqui-
gesetzmässigen Handelns der Verwaltung zum Durchbruch zu dés immédiatement parce qu'il n'y avait pas de preuve, ni au-
verhelfen, wurde auch von dieser Seite argumentiert. Es wurde cune possibilité de reconnaître - même dans un procès nor-
ein genereller, abstrakter Rechtssatz verlangt, dessen Erlass mal et sans la question de la péremption - le droit à un dédom-
aber durchaus dem Bundesrat überlassen worden wäre. magement quelconque. Trois ont été liquidés à l'amiable et le
Die Minderheit wandte sich dagegen, dass Einzelfallent- reste a donné lieu à discussion.
scheide nach Gutdünken, Sympathie und Antipathie getroffen Deuxièmement, le Conseil fédéral a déclaré, par l'intermé-
werden könnten. Der Bundesrat müsse mindestens in einem diaire de M. Stich, qu'il ne voulait pas renoncer de façon for-
Beschluss die Fälle definieren, bei denen die Verwirkung nicht melle et complète à soulever l'exception de péremption et qu'il
geltend gemacht werde, war die Auffassung der Minderheit. se réservait, dans des cas où il apparaîtrait effectivement que
Im Namen der Kommissionsmehrheit bitte ich Sie jedoch aus des dommages sont intervenus, la possibilité de décider en
den bereits dargelegten Gründen, der Initiative Stappung toute équité de dédommager la personne lésée, ce qui s'est
keine Folge zu geben. d'ailleurs fait dans trois des cas indiqués ci-dessus. Le Tribu-
nal fédéral, avec une jurisprudence pour le moins douteuse,
Stappung, Sprecher der Minderheit: Mit der Fichierung, vor al- avait décidé que, même s'il s'agissait d'une péremption, il était
lem aber durch die Weitergabe von unkontrollierten Daten aus nécessaire que le Conseil fédéral soulevât l'exception et ne
Ficheneintragungen, ist vielen Personen in unserem Land, prît pas en considération d'office le fait que le délai était échu.
u. a. auch finanziell, Schaden zugefügt worden. Diese Tatsa- Si tel est le cas, le Conseil fédéral a évidemment la possibilité
che ist unbestritten und wird auch vom Bundesrat anerkannt. de renoncer à soulever l'exception et d'entrer en matière sur
Für viele in diesem Rat ist die Wiedergutmachung dieser les cas évidents où, pour des raisons d'équité, il est néces-
Staatsschutzschäden nicht nur eine Selbstverständlichkeit, saire d'effectuer une réparation des dommages.
sondern eine unabdingbare Pflicht. Der Verursacher, in die- La modification de la loi, telle que la propose M. Stappung,
sem Fall der Bund, hat Wiedergutmachung zu leisten. Er sollte pour éliminer complètement le délai de péremption et de pres-
das für alle Betroffenen und nicht nur verbal tun. cription n'est pas soutenable. Tout d'abord, le délai de pé-
Artikel 20 des Verantwortlichkeitsgesetzes bestimmt, dass die remption et de prescription est prévu pour éviter la prolonga-
Haftung des Bundes auf alle Fälle nach zehn Jahren seit dem tion d'une situation d'année en année, avec le risque d'être ex-
Tag der schädigenden Handlung des Bundesbeamten er- aminée et jugée lorsqu'il n'y a plus aucune possibilité de véri-
lischt. Erlittene, aber erst kürzlich publik gewordene Staats- fier les faits, compte tenu du temps écoulé. Cette règle vaut
schutzschäden aus den siebziger Jahren und früher sind dem- partout. Si l'on parle ici d'une disparité de traitement, il faut
nach nach Gesetz verjährt. alors imaginer par exemple le cas d'une personne victime
Ich rufe Ihnen Artikel 4 der Bundesverfassung in Erinnerung: d'une agression, qui a subi des lésions physiques permanen-
«Alle Schweizer sind vor dem Gesetze gleich.» Bei der seiner- tes et qui, elle, est soumise au délai de prescription. Si elle dé-
zeitigen Schaffung des Verantwortlichkeitsgesetzes ahnte der couvre seulement après dix ou quinze ans, à la suite d'un juge-
Gesetzgeber nichts von dieser schädigenden Dunkelkammer. ment pénal par exemple, l'auteur de l'agression, elle ne peut
Im Normalfall stellt nämlich der Betroffene innert nützlicher rien entreprendre. Elle doit assumer son dommage. On ne voit
Frist fest, wenn ihm durch Verantwortliche des Bundes ein donc pas pourquoi, dans l'affaire des fiches, même si elle a eu
Schaden zugefügt wurde. Ganz anders ist die Situation bei ei- un grand écho, on devrait procéder de façon différente. Il est
nem Schaden, der durch den Staat im Rahmen des sogenann- évident, lorsqu'il y a des délais de péremption ou de prescrip-
ten Staatsschutzes verursacht worden ist. tion, qu'il existe des situations apropos desquelles des per-
Die Betroffenen haben zum Teil erst nach Ablauf der Verjäh- sonnes peuvent se plaindre. Ayant été informées de l'auteur
rungsfrist vom Tatbestand Kenntnis erhalten. Wir müssen also du dommage, ou du dommage lui-même tardivement, elles
Gleiches mit Gleichem und Ungleiches mit Ungleichem ver- n'ont pas la possibilité de faire valoir leurs droits, le délai étant
gleichen. Es ist unverständlich, dass der Bundesrat nicht wil- échu. Mais je ne vois pas de raison particulière pour modifier la
lens ist, auf einen generellen Verzicht der Verwirkungsfrist in loi dans ce cas spécifique et pour ne pas la changer dans d'au-
dieser Angelegenheit einzutreten. tres.
19. September 1991 N 1569 Parlamentarische Initiative. Staatsschutzschäden
On pourrait peut-être rappeler que le problème se pose par gutmachung und Genugtuung haben. Wir haben schon bei
exemple dans le cas où des dommages découleraient de der Behandlung dieser Motion darauf hingewiesen, dass das
rayonnements radioactifs. Là, la situation est complètement Verfahren gemäss Verantwortlichkeitsgesetz nicht genügt,
différente, car on sait pertinemment que les dommages appa- weil dieses Gesetz die Haftung des Bundes zehn Jahre nach
raissent des dizaines d'années plus tard. Dans de telles situa- einer schädigenden Handlung erlöschen lässt. Unsere Motion'
tions, on maintiendrait des délais, même si c'est pour une du- wurde etwas voreilig abgeschrieben. Herr Stappung schlägt
rée plus longue. Mais ici, on ne voit véritablement pas quelles Ihnen deshalb mit seiner parlamentarischen Initiative eine Er-
pourraient en être les raisons. gänzung des Verantwortlichkeitsgesetzes vor, speziell zuge-
Ma dernière considération se rapporte au fait qu'il y a si peu de schnitten auf die Schäden, die durch die übertriebene und feh-
personnes qui se sont annoncées pour demander une répara- lerhafte Datensammlung angerichtet worden sind. Die Ergän-
tion du dommage qu'il n'y a pas de nécessité de modifier la loi. zung ist befristet. Es geht also nicht darum, noch jahrzehnte-
Au fond, les lois ne doivent être changées que lorsqu'il y a vrai- lang auf Schäden zurückzukommen, wie Herr Salvioni das be-
ment de nombreux cas demandant une modification et non hauptet hat. Wir sind den Opfern des Staatsschutzes diese Ge-
lorsqu'il n'y a que deux ou trois cas. Pour si peu d'affaires, on setzesanpassung schuldig. Sie haben Anspruch auf ein
procède normalement avec des arrangements à l'amiable sur rechtsstaatliches Verfahren. Es genügt nicht, wenn die gnädi-
la base de l'équité. gen Herren von Bern nach eigenem Gutdünken über die Ge-
suche entscheiden.
Frau Hafner Ursula: Wir alle, auch der Bundesrat, führen Wir rufen Sie deshalb auf, der parlamentarischen Initiative
gerne das Wort «Verursacherprinzip» im Munde. Wer einen Folge zu geben.
Schaden angerichtet hat, der soll auch für seine Behebung
oder Wiedergutmachung aufkommen. Dieser berechtigten Dünki: Es ist wirklich verdankenswert, dass der Bundesrat
Forderung muss auch der Staat nachkommen. Für den Scha- bzw. das Finanzdepartement bereit ist, Gesuche wegen
den, den die Bundespolizei mit ihrer Sammelwut und ihrer un- Staatsschutzschäden auch dann zu prüfen, wenn die zehnjäh-
sorgfältigen Uebernahme unkontrollierter und fehlerhafter In- rige Verwirkungsfrist abgelaufen ist. Das ist schon etwas. Der
formationen angerichtet hat, muss der Bund jetzt geradeste- Bundesrat kann, aber er muss nicht darauf eintreten, und das
hen. Er darf sich nicht mit dem Hinweis aus der Verantwortung ist der grosse Unterschied zur Initiative von Herrn Stappung.
stehlen, es sei zu schwierig, nach über zehn Jahren die Tatbe- Denken Sie daran: Der Staat ist Partei. Darum ist es nicht ganz
stände genau festzustellen. Herr Salvioni, gerade Sie als Jurist gerecht, wenn man die Spiesse ungleich lang schmiedet. Der
sollten sich bewusst sein, dass der Beweis, vom Staatsschutz Staatsschutzgeschädigte muss in diesem Fall ein Bittgesuch
aufgrund seiner Ficheneinträge geschädigt worden zu sein, an das Finanzdepartement stellen. Er weiss, dass er von vorn-
vom Geschädigten oder von der Geschädigten ohnehin sel- herein auf das Wohlwollen des Staates angewiesen ist.
ber erbracht werden muss. Die Betroffenen müssen auch Ich glaube Herrn Finanzminister Stich und seinen Beamten,
dann eine Chance dazu haben, wenn sie den Schaden vor dass sie allfällige Begehren objektiv prüfen werden. Aber wer
1981 erlitten haben, denn sie können nichts dafür, dass sie sagt uns, und wer weiss es, wie lange Herr Stich noch im Amt
erst soviel später eine Entschädigung verlangen können. Sie ist? Ein neuer Vorsteher des Departementes könnte nach Jah-
konnten, bevor die ganze Fichenaffäre aufflog, schlicht nicht ren ohne weiteres die Praxis ändern. Politische Versprechen
wissen, warum sie auf Widerstände stiessen. Sie konnten haben kurze Beine. Sie geraten schnell in Vergessenheit. Die
nicht wissen, wer sie in ihrer beruflichen Laufbahn behinderte, LdU/EVP-Fraktion ist daher der Meinung: Entweder verlän-
warum sie überall abgewiesen wurden, wie es zum Beispiel je-. gern wir in diesem Speziatali die Verwirkungsfrist oder wir las-
nem Juristen passierte, der im Puk-Bericht erwähnt ist und der sen es sein, Versprechen abzugeben, die keine Rechtswirk-
inzwischen eine Entschädigung erhalten hat. samkeit haben.
Wie Sie gehört haben, erklärte Herr Bundesrat Stich in der Ein allfälliger Geschädigter - Sie haben es heute morgen ge-
Kommission, er sei bereit, eine Entschädigung aus Billigkeits- hört - muss die Möglichkeit besitzen, einen Parteienentscheid
gründen zu zahlen, sobald festgestellt werde, dass jemand of- gerichtlich anzufechten. Das kann man bei einer freiwilligen
fensichtlich und wirklich in einer groben Art und Weise geschä- Leistung nicht. Sicher dürfen wir davon ausgehen, dass es
digt worden sei. Nur findet unser Finanzminister vielleicht et- nicht viele Fälle geben wird, die nach zehn Jahren zu beurtei-
was nicht offensichtlich, was der geschädigten Person so vor- len sein werden.
kommt. Dann muss das Opfer die Möglichkeit haben, an eine Herr Stappung hat Ihnen erklärt, dass jemand unter Umstän-
neutrale Instanz, d. h. ans Bundesgericht, zu gelangen. Alle den erst nach etlichen Jahren erfährt, dass er wegen der Fi-
Geschädigten müssen die Gewissheit haben, dass ihr Begeh- chenaffäre materiell zu Schaden gekommen ist. Das ist der
ren auf jeden Fall geprüft und nicht mit der Begründung abge- gravierendste Unterschied zu den übrigen Klagen, die mittels
lehnt wird, sie kämen zu spät. des Bundesgesetzes über die Verantwortlichkeit des Bundes
Herr Bundesrat Stich hat zwar versprochen, er werde persön- erhoben werden können. Weil dieser Unterschied besteht, ist
lich alle Fälle anschauen, bei denen ein Schadenersatzbegeh- es gerechtfertigt, auch unterschiedliche Verjährungsfristen zu
ren mit Bezug auf die Verwirkungsfrist abgelehnt werde. Er postulieren. Wir treten für die Neuerung ein, weil unter Um-
fand, das Ganze sei eine Frage des Vertrauens, wir könnten ständen wenigen Gerechtigkeit widerfahren könnte. Wir über-
ihm doch glauben, dass er das fair tun werde. Nur, die Frage bewerten durchaus die Angelegenheit nicht, aber auch hier
ist eben nicht die, ob wir Parlamentarier und Parlamentarierin- finden wir es gut, wenn wir klare Verhältnisse schaffen. Das
nen Vertrauen zum Bundesrat haben. Die Frage ist die: Wie sind wir unserem Rechtsstaat schuldig. Wir sind für Recht vor
können wir alle, Bundesrat und Parlament, etwas von dem Ver- Gnade.
trauen zurückgewinnen, das durch die Machenschaften der Wir bitten Sie, der Initiative Folge zu geben.
Bundesanwaltschaft verlorengegangen ist? Dazu ist es in den
Augen der sozialdemokratischen Fraktion unerlässlich, den Frau Leutenegger Oberholzer: Namens der grünen Fraktion
Geschädigten zuzusichern, dass der Zeitpunkt, in welchem ersuche ich Sie, den Antrag der Kommissionsminderheit zu
sie den Schaden erlitten haben, keine Rolle spielt. Das allein unterstützen und der parlamentarischen Initiative Stappung
ist fair. Denn für die Verspätung ihres Begehrens können die Folge zu geben. Für uns sind drei Gründe, nämlich sachliche,,
Betroffenen nichts. Deshalb darf die Verwirkungsfrist in kei- rechtliche und politische dafür ausschlaggebend.
nem einzigen Fall als Grund für eine Abweisung geltend ge- Zu den sachlichen Erwägungen: Es steht heute zweifelsfrei
machtwerden. fest, dass Personen, Firmen und andere Organisationen
Die sozialdemokratische Fraktion hat schon im Dezember durch die Tätigkeit der politischen Polizei zu Schaden gekom-
1989 mit einer Motion verlangt, dass Personen und Organisa- men sind. Bekannte Schäden sind zum Beispiel Berufsver-
tionen, welchen durch die Verwendung oder die Weitergabe bote, der Verlust von Anstellungen bis hin zu - wie heute be-
von Daten der politischen Polizei wirtschaftliche oder andere kannt ist- entgangenen Geschäftsaufträgen.
Nachteile erwachsen sind - unabhängig von Verjährungsfri- Die Schnüffeltätigkeit der Staatsorgane erfolgte notabene
sten-, Anspruch auf unbürokratische Entschädigung, Wieder- ohne Gesetzesgrundlage. Ihr Ausmass ist der Oeffentlichkeit
Initiative parlementaire. Sécurité de l'Etat. Dommages 1570 N 19 septembre 1991
erst durch den Bericht der Parlamentarischen Untersuchungs- erinnern. Der Bundesrat hat in einem Grundsatzbeschluss
kommission bekannt geworden. Wir stehen heute also in einer eine restriktive Abdeckungspraxis bei den Fichen durchge-
völligen Ausnahmesituation. Im Normalfall hat man von einer setzt. Das Einsichtsverfahren für Organisationen wird zu ei-
schädigenden Handlung sofort Kenntnis-anders beim gehei- nem wahren Hürdenlauf. Das Beschwerdeverfahren ist sehr,
men Staatsschutz. Die Betroffenen wurden überhaupt erst sehr umständlich; so wie es heute vom Rechtsdienst des Fi-
durch die Offenlegung der Pichen von den Schädigungen nanzdepartements gehandhabt wird, werden sich nur Gutbe-
durch staatliches Handeln informiert. tuchte eine Einsicht überhaupt leisten können. Für Beschwer-
Das Verantwortlichkeitsgesetz sieht nun eine Staatshaftung deentscheide werden Kostenbeteiligungen von 300 bis
für schädigendes Handeln vor. Die Haftung des Staates endet 800 Franken in Rechnung gestellt. Inzwischen wird sogar -
aber nach Ablauf der absoluten Verwirkungsfrist von zehn Jah- entgegen der Verordnung vom März 1990-die Einsicht in die
ren. Nach zehn Jahren geht das Recht der Geschädigten un- Dossiers grundsätzlich in Frage gestellt.
ter, ganz unabhängig davon, wann er oder sie von der schädi- Angesichts dieser Entwicklungen fehlt der grünen Fraktion
genden Handlung Kenntnis erhalten hat. Wir stehen also vor jegliches Vertrauen in eine grosszügige Haltung des Bundes-
der absurden Situation, dass im Falle aller Fichierungen, die rates. Der Bundesrat hat sich bislang nicht willens gezeigt,
zum Beispiel in den siebziger Jahren erfolgten, zum Zeitpunkt seine Versprechungen einzulösen, im Gegenteil: Er ist mehr-
der Offenlegung die Verwirkungsfrist bereits abgelaufen ist. fach wortbrüchig geworden.
Bei der geltenden Rechtsgrundlage könnten die Betroffenen Wenn wir das Vertrauen der Bürger und der Bürgerinnen in
also ihr Recht auf Schadenersatz nicht mehr geltend machen, den Rechtsstaat wiederherstellen und den Fichenskandal
denn das Recht besteht gar nicht mehr. Das ist eine unerträgli- auch rechtsstaatlich korrekt regeln wollen, kommen wir um
che Situation für die Betroffenen, unerträglich aber auch aus eine generelle Regelung bei den Entschädigungsfällen nicht
rechtsstaatlichen Ueberlegungen. Es kann doch nicht vom zu- herum. Gerade das Parlament ist aufgerufen zu handeln.
fälligen Zeitpunkt der Offenlegung der Fichen abhängig ge- Von der finanziellen Belastung her ist es überhaupt kein Pro-
macht werden, ob die betroffenen Personen ein Recht auf Er- blem. Bislang liegen erst 51 Eingaben vor, die sich auf das Ver-
satz ihrer Schäden haben oder eben nicht. Die Bürgerinnen antwortlichkeitsgesetz stützen.
und Bürger müssen sich dabei zu Recht als die Geprellten vor- Ich bitte Sie deshalb, die notwendigen Zeichen zu setzen und
kommen. Das Vertrauen in den Staat würde weiter erschüttert. der parlamentarischen Initiative Stappung Folge zu geben.
Das Festhalten an der Verwirkungsfrist wäre nicht nur uner- Das ist der rechtsstaatlich sauberste Weg und das einzige Ver-
träglich, sondern geradezu rechtsmissbräuchlich. Eine klare fahren, das endlich Vertrauen in den Staat schaffen könnte.
Regelung drängt sich deshalb auf. Etwas anderes würde we-
der von den Betroffenen noch von .der Bevölkerung verstan- Seiler Hanspeter: Diese parlamentarische Initiative, vor genau
den. einem Jahr eingereicht, ist wohl auch ein wenig unter dem Ein-
Herr Stappung hat mit seiner parlamentarischen Initiative den druck der Fichenaffäre entstanden. Unser Handeln, das des
Weg gezeigt: Mit einer formellen Gesetzesänderung soll die Politikers ganz speziell, wird immer von der Aktualität mitge-
Verwirkungsfrist bei Staatsschutzschäden aufgehoben wer- prägt. Die Initiative ist deshalb mindestens zu einem Teil in den
den. Die Kommission erachtet offenbar die Situation ebenfalls Bereich der Vergangenheitsbewältigungs-Versuche einzuord-
als stossend und hat den Bundesrat eingeladen, zu einer ein- nen. Ich habe Verständnis dafür, wenn man sich vor ein oder
vernehmlichen Lösung Hand zu bieten, auf die Einrede der zwei Jahren unter dem Eindruck des Geschehens das Gel-
Verwirkung zu verzichten und dies auch generell zu regeln, sei tendmachen von Entschädigungsansprüchen bei Staats-
es in einer Verordnung oder zumindest in einer grundsätzli- schutzschäden nicht durch die zehnjährige Verwirkungsfrist
chen Erklärung des Bundesrates. begrenzen lassen wollte. Alle im Rahmen des Fichengewitters
Der Bundesrat will aber gar keine generelle Regelung. Er will zutage getretenen Schadenfälle sollten tatsächlich als Ganzes
sich völlig freie Hand lassen und nur bei besonders schweren erledigt werden können. Nur so lässt sich unter dieses Stück
Schäden aus Billigkeitserwägungen Entschädigungen lei- Vergangenheit ein dicker und vor allem ein endgültiger Strich
sten. Ein solches Vorgehen ist aus der Sicht der grünen Frak- ziehen.
tion unhaltbar. Es ist rechtsstaatlich mehr als bedenklich, Es ist kaum anzunehmen, dass sich in Anbetracht der ange-
wenn bei Schäden, die mehr als zehn Jahre zurückliegen, eine laufenen Parlamentsreform und der verstärkten parlamentari-
Schadenersatzleistung vom Gutdünken der Verwaltung ab- schen Kontrolle in unserem Staat in Zukunft das gleiche wie-
hängt. Das ist doch nichts anderes als reine Willkür. Es geht derholen dürfte. Die Frage ist vielmehr, welches der beste Weg
nicht an, dass je nach Lust und Laune Entschädigungen aus- ist, der zu jenem Ziel führt, das Herr Stappung erreichen
gerichtet werden oder eben nicht. Ein solches Vorgehen möchte.
würde den Grundsätzen der Rechtsgleichheit krass wider- Ein Verzicht auf die zehnjährige Verwirkungsfrist ist nicht der
sprechen. richtige Weg. Wir begründen diese Haltung wie folgt.
In Frage gestellt wäre aber auch der Grundsatz der Gesetz- 1. Es stellt sich besonders die Frage der Verhältnismässigkeit.
mässigkeit der Verwaltung. Die relativ wenigen Fälle - wir haben heute diese Zahlen ge-
Der Bundesrat macht sich mit einem solchen Vorgehen auch hört - rechtfertigen kaum eine Gesetzesänderung mit dem
zum Richter in eigener Sache, denn er würde nach eigenem ganzen damit verbundenen Apparat. Vielmehr soll - und dies
Ermessen entscheiden, ob eine Entschädigung schwer wiegt, entspricht auch der Praxis - in begründeten Fällen der ge-
ob sie offensichtlich ist oder nicht. Eine solche Aufgabe steht sunde Menschenverstand massgebend sein. Der Bundesrat
ihm aber als Partei in dieser Sache überhaupt nicht zu. kann - und er hat dies auch getan - in Einzelfällen freiwillig auf
Die grüne Fraktion erachtet deshalb eine generelle Regelung die Geltendmachung dieses Rechtes verzichten. Das ist ver-
als unverzichtbar. Es ist schon schlimm genug, dass Bürgerin- nünftig und erscheint uns der Situation angepasst. Besondere
nen und Bürger durch die staatliche Schnüffeltätigkeit zu Verhältnisse rechtfertigen schliesslich besondere, entspre-
Schaden gekommen sind. Es wäre aber unverzeihlich, wenn chend angemessene Massnahmen.
sie nun auch noch durch rechtliche Manöver um ihre Rechte 2. Nach allem, was passiert ist, wird es sich der Bundesrat
geprellt würden. kaum leisten können, diese Gesuche nicht sehr sorgfältig zu
Aus der Sicht der grünen Fraktion sprechen aber auch politi- prüfen und überall dort, wo ein berechtigter Anspruch vorhan-
sche Ueberlegungen für eine generelle Regelung, wie sie Herr den ist, diesem Gesuch entsprechend entgegenzukommen.
Stappung vorschlägt. Es gilt doch, nun endlich das Vertrauen Ich habe dieses Vertrauen in den Bundesrat. Wir erweisen
in den Staat wiederherzustellen. Dazu gehört eine allgemein- dem Verhältnis Bürger/Staat einen schlechten Dienst, wenn
verbindliche Regelung der Entschädigung. Dazu gehört end- wir von allen Seiten her den Bundesrat und die Verwaltung im-
lich aber auch die Offenlegung der Fichen und Dossiers. All mer wieder anzuzweifeln versuchen.
die Versprechungen, die nach Aufdeckung des Fichenskan- 3. Wenn wir die zehnjährige Verwirkungsfrist im Bereich der
dals abgegeben wurden, müssen eingelöst werden. Heute Staatsschutzschäden ausschalten, tun wir dies nur für einen
macht der Bundesrat genau das Gegenteil. Teilbereich unserer Rechtsordnung. Es könnten daraus sehr
Ich möchte an ein paar Ereignisse der jüngsten Vergangenheit wohl Rechtsungleichheiten entstehen. Sonderregelungen für
19. September 1991 N 1571 Parlamentarische Initiative. Staatsschutzschäden
einen Teil unseres Rechts sind rechtsstaatlich auch nicht ganz qu'un dommage a été subi - cela se serait produit dans deux
unbedenklich. ou trois cas - il n'autorise pas l'administration à utiliser la pres-
4. Wir brauchen in unserer juristisch perfektionierten Welt wie- cription. Dans les cas où en revanche il apparaît évident qu'il
der vermehrt Mut zur Einfachheit. Hier bietet sich eine solche n'y a pas eu dommage, M. Stich laisse passer le dossier et
Gelegenheit, dieses Problem pragmatisch und vernünftig zu l'administration soulève alors la prescription.
lösen. Là se pose, à mon avis, une question extraordinairement im-
Ich bitte Sie, der Mehrheit zuzustimmen und der parlamentari- portante quant à la confiance accordée aux magistrats. L'ad-
schen Initiative keine Folge zu geben. ministration doit appliquer strictement la loi et là où la loi lui
commande d'invoquer la prescription, l'administration n'a pas
M. Leuba: Le groupe libéral reconnaît bien volontiers que le la liberté d'y renoncer. Mais, selon une jurisprudence cons-
problème soulevé par M. Stappung - à qui il faut en laisser le tante du Tribunal fédéral, lorsque la prescription n'est pas in-
mérite - est bien réel et sa solution délicate. En effet, avant la voquée, il ne l'applique pas d'office. C'est précisément dans
communication des fiches, la victime potentielle ignore tout cette marge de manoeuvre laissée à l'autorité executive - en
des causes d'un dommage qu'elle aurait éventuellement subi. l'occurrence M. Stich, conseiller fédéral - dans l'application
Pourtant, le temps court depuis la survenance de ce dom- de la loi elle-même qu'il faut chercher la solution et que, à notre
mage. sens, M. Stich l'a fort heureusement trouvée.
Dans quel cas un dommage s'est-il produit? Nous pouvons La différence entre un magistrat et l'administration c'est que
imaginer deux hypothèses. La première c'est que des rensei- l'administration doit appliquer strictement les lois qui régis-
gnements collectés par la police fédérale ont été transmis, sent son activité. En revanche, chaque fois que la loi laisse une
contrairement aux règles juridiques, à l'extérieur de cette ad- liberté d'appréciation, il appartient au magistrat d'appliquer
ministration. La seconde, que des renseignements ont été cette liberté. C'est exactement le cas ici: le magistrat considère
transmis, sans doute selon les règles, à l'intérieur même et à que, même si les intérêts de la Confédération seraient peut-
des personnes habilitées à les recevoir, mais qu'ils étaient être d'invoquer la prescription, il convient cependant de faire
inexacts. Avouez que ces deux cas, par leur définition même, prévaloir cette équité qui permet de rendre justice à ceux qui
et qui doivent avoir entraîné un dommage pour l'intéressé, ont véritablement été victimes d'actions illicites.
sont probablement extrêmement rares. Dix-neuf cas de récla- Je partage rarement personnellement les opinions politiques
mation étaient connus au moment où notre commission a de M. Stich, conseiller fédéral, mais je considère que, magis-
siégé alors que 12000 fiches environ devaient encore être trat élu qui a prêté serment, nous pouvons lui faire confiance
communiquées, c'est dire que ces cas seront de toute ma- pour appliquer véritablement ce pouvoir d'appréciation qui lui
nière très peu nombreux. incombe. Je regrette simplement que le groupe socialiste ne
Abordons maintenant le problème de la prescription. Sans manifeste pas la même confiance que moi à l'égard de
doute, les actions contre la Confédération se prescrivent-elles M. Stich.
par dix ans. |ci, M. Haefliger, juge fédéral, a dit très clairement En fin de compte, nous sommes pris entre deux conceptions:
que ces dix ans commençaient à courir non pas au moment où celle, purement légaliste, qui consiste à dire que tout doit être
le renseignement inexact, par hypothèse, a été collecté ou réglé par la loi et que les magistrats se contentent d'appliquer
transmis mais au moment où cette transmission a eu des strictement la loi, en sachant comment l'appliquer dans cha-
conséquences pour la victime, ce qui réduit déjà en partie le que détail; l'autre, la mienne je l'avoue, qui fait d'abord
délai. Mais il ne faut pas oublier que la prescription a deux mo- confiance aux hommes plutôt qu'aux textes, et qui consiste à
tifs - comme l'a dit tout à l'heure M. Salvioni: le premier c'est faire confiance à un conseiller fédéral pour que, là où véritable-
que l'écoulement du temps doit avoir diminué l'impact du ment il est convaincu qu'un dommage a été subi, il puisse
dommage - et c'est vrai que des blessures que l'on a ressen- prendre la décision qui s'impose, précisément parce que la
ties il y a très longtemps finissent par s'atténuer, sans toutefois prescription n'est pas quelque chose qui doit être invoqué de
disparaître complètement - et le second c'est que cet écoule- manière obligatoire. Cela me rappelle un peu l'affaire des re-
ment du temps rend les preuves, non seulement celles que quérants d'asile qui séjournent très longuement dans notre
doit fournir la victime mais aussi les contre-preuves de l'admi- pays et qui, aux termes de notre législation, devraient être ren-
nistration, extrêmement difficiles à apporter. voyés parce que leur demande d'asile n'a pas été acceptée
Dès lors il y a deux solutions pour résoudre ce problème déli- mais auxquels l'Administration fédérale - et nous sommes as-
cat: ou bien l'on suit la proposition Stappung, c'est-à-dire sez heureux d'avoir été l'un des instigateurs de cette solution -
qu'on supprime la prescription pour tout ce qui concerne les délivre des permis dits «humanitaires» qui permettent de faire
dommages consécutifs à l'activité des services de renseigne- obstacle à une application trop rigoureuse de la loi.
ments, ou bien on suit la proposition de M. Stich, conseiller fé- Enfin, en l'occurrence, il y a aussi une injustice à édicter une loi
déral, c'est-à-dire qu'on ne modifie pas la loi mais qu'on re- pour quelques cas particuliers. Je rappellerai ce vieux principe
nonce de cas en cas à soulever la prescription lorsqu'il appa- romain: fiât justifia, pereat mundus! - que le monde périsse,
raît évident qu'un dommage a été subi. pourvu que la justice soit rendue. Nous n'appliquerons pas
Disons d'emblée que nous ne croyons pas à une solution qui cette règle et nous vous recommandons de ne pas donner
a été évoquée ce matin encore et qui a été défendue par suite à l'initiative parlementaire Stappung.
M. Haefliger, juge fédéral, malgré tout le respect que nous
avons pour son immense science juridique. Cette solution exi- Präsident: Die CVP-Fraktion teilt mit, dass sie der Initiative
gerait du Conseil fédéral qu'il fasse une déclaration générale keine Folge geben will.
dans laquelle il s'engagerait à renoncer à la prescription. Or,
nous sommes nous-mêmes très attentifs au fait que le Conseil Thür, Berichterstatter: Im Namen der Mehrheit der Kommis-
fédéral ne rende pas des ordonnances qui contrediraient les sion muss ich Sie bitten, der parlamentarischen Initiative Stap-
lois que nous avons votées, et la loi sur la responsabilité de la pung keine Folge zu geben. Wenn Sie so entscheiden, heisst
Confédération prévoit une prescription de dix ans. Le Conseil das nicht, dass Sie dem Anliegen von Kollege Stappung kein
fédéral ne peut pas émettre une règle abstraite s'appliquant de Verständnis entgegenbrächten. Kollege Leuba von der libera-
manière générale dans une ordonnance disant que cette pres- len Fraktion hat sehr ausführlich darauf hingewiesen. Auch
cription ne s'applique pas. C'est une chose tout à fait impossi- von den übrigen Fraktionssprechern wurde keine andere Fest-
ble. Le Conseil fédéral est là pour appliquer les lois, pour ren- stellung gemacht.
dre des ordonnances lorsqu'un pouvoir lui est délégué et non Wenn Sie die parlamentarische Initiative Stappung ablehnen,
pas pour contredire ce que dit expressément la loi. sind Sie mit der Mehrheit der Kommission der Auffassung,
Dès lors, M. Stich nous paraît avoir eu parfaitement raison dass die Zusicherungen von Bundesrat Stich zur Behandlung
dans son choix. Je rappelle sa méthode: dans tous les cas où von Staatsschutzschäden ausreichend sind. Sie sind im Sinne
l'administration propose d'opposer la prescription à la reven- der Kommission damit einverstanden, dass der Bundesrat je-
dication de la victime, ou de la prétendue victime, M. Stich se den Entschädigungsfall, ungeachtet der Verwirkung, materiell
fait présenter personnellement le dossier. S'il est convaincu behandelt und eine Entschädigung aus Billigkeitsgründen in
Motion du groupe socialiste 1572 N 19 septembre 1991
jedem Fall bezahlt, wenn ein Verschulden des Staates vorliegt Die Verfassungsvarianten sind in Zusammenarbeit mit breiten
und ein schwerer Schaden zugefügt worden ist. Es wurde von Bevölkerungskreisen zu entwickeln und in einem Verfas-
keiner Seite die grosszügige Praxis, wie sie Bundesrat Stich sungsrat politisch zu verarbeiten.
gegenüber der Kommission in Aussicht gestellt hat, in Frage
gestellt.
Ich bitte Sie deshalb im Sinne der Mehrheit der Kommission, Texte de la motion du 20 mars 1990
der Initiative Stappung keine Folge zu geben. L'Assemblée fédérale a donné mandat au Conseil fédéral de
préparer une révision formelle totale de la constitution (FF
M. Frey Claude, rapporteur: L'équité ou le juridisme, tel est le 1987 II 977). En lieu et place de ce mandat, il y a lieu de le char-
choix que nous avons à faire. Le Conseil fédéral et la majorité ger expressément d'élaborer des variantes à une révision to-
de la commission ont choisi l'équité. S'il y a réellement dom- tale de la constitution quant au fond.
mage, le Conseil fédéral l'a expressément déclaré, il pourra y La nouvelle Constitution fédérale pourrait, afin de répondre
avoir indemnité, on n'invoquera pas la prescription. C'est une aux besoins du XXIème siècle, contenir les points suivants:
solution raisonnable. On aurait pu en rester là, et l'initiative de - des institutions démocratiques modernes;
M. Stappung aurait eu le mérite de soulever une question - une orientation écologique;
réelle et surtout, elle aurait permis au Conseil fédéral d'expri- - une économie et une technologie respectueuses des as-
mer une position claire et équilibrée. pects sociaux;
En maintenant l'initiative qui demande un arrêté fédéral ur- - des garanties pour l'individu et la société de demain;
gent, qui crée donc une exception, qui crée donc une inégalité - une pluralité ethnique et culturelle;
de traitement, on veut dramatiser une situation qui ne l'est pas. - une intégration à l'Europe et une ouverture sur le monde;
Mais il est vrai qu'on est en politique, est il est vrai qu'on est - une solidarité avec le tiers monde;
dans l'affaire des fiches et certains veulent qu'elle dure vérita- - une sécurité assurée par des organismes civils.
blement bien au-delà de la prescription et bien au-delà si pos- Les variantes de constitution devront être mises au point en
sible de l'an 2000,2010 ou 2020, s'il y a encore des élections à collaboration avec une grande partie de la population, et leurs
ce moment-là. Toutefois, la réalité est là pour démontrer qu'il aspects politiques seront discutés au sein d'une assemblée
ne faut pas dramatiser, dix-neuf cas jusqu'ici se sont présen- constituante.
tés, ils ont pu être réglés, cinq sont encore à l'étude. Laissons Sprecher-Porte-parole: Zbinden Hans
à l'Exécutif la marge de manoeuvre dont a parlé M. Leuba, elle
seule permet de décider en équité.
Au nom de la majorité de la commission, par 9 voix contre 6, Schriftliche Begründung
nous vous demandons de ne pas donner suite à l'initiative de Mit Bundesbeschluss vom 3. Juni 1987 (BB11987 II 963) hat
M. Stappung. die Bundesversammlung die Totalrevision der Bundesverfas-
sung beschlossen und dem Bundesrat den Auftrag gegeben,
Abstimmung - Vote einen Entwurf und eine Botschaft zu unterbreiten. Zum einen
Für den Antrag der Mehrheit soll der Entwurf das geltende geschriebene und ungeschrie-
(keine Folge geben) 73 Stimmen bene Verfassungsrecht nachführen, es verständlich darstel-
Für den Antrag der Minderheit len, systematisch ordnen sowie Dichte und Sprache verein-
(Folge geben) 49 Stimmen heitlichen. Dazu wurde der Bundesrat in beiden Räten - aller-
dings nur durch die Präsidenten im Auftrag der Kommissionen
- ermächtigt, auch inhaltliche Aenderungen in der Form von
Varianten zur Diskussion zu stellen.
Durch die jüngsten innenpolitischen Ereignisse und ange-
sichts der europäischen Herausforderungen an die Schweiz
#ST# 90.440 werden grundsätzliche institutionelle Revisionen notwendig
werden.
Motion Diese im Jahre 1987 nicht voraussehbaren grossen Verände-
der sozialdemokratischen Fraktion rungen der politischen Rahmenbedingungen erfordern, dass
Total revision die Ermächtigung an den Bundesrat zur inhaltlichen Totalrevi-
der Bundesverfassung von 1874 sion zu einem Auftrag erweitert wird.
Dadurch können Bundesrat und Parlament gegenüber der
Motion schweizerischen Oeffentlichkeit dokumentieren, dass sie das
du groupe socialiste kommende Bundesjubiläum als Anlass wahrnehmen, um poli-
Révision totale tisch den Aufbruch ins nächste Jahrtausend zu wagen.
de la constitution de 1874
Développement par écrit
L'Assemblée fédérale a décidé par l'arrêté fédéral du 3 juin
1987 (FF 1987 II 977) d'entreprendre une révison totale de la
Wortlaut der Motion vom 20. März 1990 constitution et de charger le Conseil fédéral de présenter un
In Ergänzung des Auftrages der Bundesversammlung an den projet et un message allant dans ce sens. Le projet devra met-
Bundesrat zu einer primär formalen Verfassungsrevision (BBI tre à jour le droit constitutionnel actuel, écrit et non écrit, le ren-
1987 II 963) wird der Bundesrat neu anstelle einer Ermächti- dre compréhensible, l'ordonner systématiquement et en uni-
gung mit Nachdruck beauftragt, in den Varianten eine inhaltli- fier la langue ainsi que la densité normative. De plus, le Conseil
che Totalrevision vorzubereiten. fédéral a été chargé par les présidents des deux Chambres
Anzustreben ist eine Verfassung, die den Ansprüchen des mandatés par les commissions d'entreprendre également
21. Jahrhunderts gerecht werden soll. Sie könnte sich in etwa des modifications quant au fond sous la forme de variantes à
durch folgende inhaltliche Merkmale auszeichnen: soumettre à la discussion.
- zeitgemässe demokratische Institutionen; Or, il y a lieu de modifier fondamentalement certaines institu-
- ökologische Ausrichtung; tions pour tenir compte des événements récents qui se sont
- sozial verpflichtete Wirtschaft und Technologie; déroulés dans notre pays, et pour répondre aux exigences eu-
- zukunftsträchtige humane und soziale Sicherungen; ropéennes.
- kulturelle und ethnische Vielfalt; De grands changements politiques se sont produits, qui
- europäische Zugehörigkeit und Weltoffenheit; n'étaient pas prévisibles en 1987. Cela demande que le
- Solidarität mit der Dritten Welt; Conseil fédéral ne soit plus seulement mandaté, mais chargé
- zivile Sicherheitsstrukturen. de faire réviser totalement la constitution au fond.
Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften
Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées
Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali
Parlamentarische Initiative (Stappung) Entschädigung von Staatsschutzschäden
(Dringlicher Bundesbeschluss)
Initiative parlementaire (Stappung) Réparation des dommages en rapport avec la sécurité
de l'Etat (arrêté fédéral urgent)
In Amtliches Bulletin der Bundesversammlung
Dans Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale
In Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale
Jahr 1991
Année
Anno
Band IV
Volume
Volume
Session Herbstsession
Session Session d'automne
Sessione Sessione autunnale
Rat Nationalrat
Conseil Conseil national
Consiglio Consiglio nazionale
Sitzung 05
Séance
Seduta
Geschäftsnummer 90.256
Numéro d'objet
Numero dell'oggetto
Datum 19.09.1991 - 08:00
Date
Data
Seite 1565-1572
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Pagina
Ref. No 20 020 310
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