Legislator Rechtsprechung & Gesetzgebung
89.710 • VB CH 89.710 KI-generiert

Interpellation on Racism and Right-Wing Extremism

Geschäftsnummer 89.710
Gericht / Behörde
Rechtsordnung Verwaltungspraxis der Bundesbehörden (VPB) (CH)
Entscheiddatum

Legislator-Zusammenfassung

KI-generiert

This case concerns an urgent interpellation by the socialist faction regarding racism and right-wing extremism in Switzerland, prompted by a rise in racially motivated attacks and arson targeting refugee centers. The parliament debated whether to address the issue broadly or narrowly focus on right-wing extremism, with socialists arguing for a comprehensive approach that includes examining the causes and potential solutions to combat racism and extremism, including reviewing the ratification of an anti-discrimination convention and the government's handling of asylum policies and rhetoric.

Legislator-Regeste

Placeholder

Schlagwörter

Placeholder

Zentrale Rechtsfragen, extrahiert von Legislator

KI-generiert
Art. 66 al. 1 LTF

This provision likely deals with the allocation of costs in legal proceedings, and if the dispositive orders included cost assignments, this article would be cited.

Fragen Sie sich, wie dieser Entscheid auf Ihren Fall anwendbar ist?

Prüfen Sie diesen Entscheid zusammen mit Bundesrecht, kantonalen Erlassen, Kommentaren und Folgeentscheiden in Legislator AI.

Fall in Legislator öffnen →

Volltext

Interpellation urgente du groupe socialiste 2134 N 13 décembre 1989

der grauen Liste befindet, macht die Sache nicht durchsichti- rage, et, par là même, refusons la proposition de Mme Gren- ger. delmeier. Dass man mit der Traktandenliste bzw. mit der Plazierung von Geschäften Politik betreiben kann, ist an sich nichts Abstimmung - Vote Neues, und das habe ich in sechs Jahren Parlamentsarbeit in diesem Haus auch gelernt. Dass man nun aber zum zwei- Für den Ordnungsantrag Grendelmeier 36 Stimmen ten Mal eine Debatte in diesem Parlament verwässern will - Dagegen 96 Stimmen das erste Mal, weil Herr Bundesrat Koller beide Postulate zusammen behandeln will, und nun schon wieder anlässlich dieser Behandlung der dringlichen Interpellation -, grenzt, mit Verlaub, an Manipulation. Und es lässt eigentlich auch ahnen, wie entsetzlich unangenehm es sein muss, über ge- #ST# 89.710 wisse Realitäten in diesem Land nachzudenken, so dass man es vorzieht, nach bewährter Manier einen Links-Rechts- Dringliche Interpellation Pingpong zu veranstalten in einem Brei von «ich nicht, er der sozialdemokratischen Fraktion auch», ohne Verantwortung und ohne Verantwortlichkeiten, Rassismus und Rechtsextremismus anstatt einmal ernsthaft und vor allem ausschliesslich über in der Schweiz die rassistischen und neofaschistischen Tendenzen in der Schweiz, über ihre Ursachen und ihre allfälligen Therapien Interpellation urgente zu reden. du groupe socialiste Deshalb bitte ich Sie, das Postulat Steffen von der Traktanden- Racisme et mouvements d'extrême-droite liste von heute abzusetzen und es dann separat zu diskutie- ren. Darüber entscheiden wir nach der grauen Traktanden- liste am nächsten Freitag, d. h. übermorgen.

Reimann Maximilian: Ich glaube, man muss schon auf einem Wortlaut der Interpellation vom 27. November 1989 Auge blind sein, um einen solchen Ordnungsantrag einzubrin- Brandanschläge und Ueberfälle von Rechtsextremen auf Asyl- gen. Wir haben es in der Schweiz doch wirklich mit extremisti- zentren und Uebergriffe gegen Flüchtlinge häufen sich. Innert schen Uebeln zu tun, die man beim besten Willen nicht einfach weniger Monate sind diesen schon sechs Menschen zum Op- ins herkömmliche Links-Rechts-Spektrum einordnen kann. fer gefallen, allein vier tamilische Flüchtlinge einem Brandan- Auch ich gehöre zu den 105 Unterzeichnern des Postulates schlag in Chur. In Steinhausen/ZG bleibt die Polizei bei einem von Frau Grendelmeier. Aber ich habe Frau Grendelmeier Ueberfall auf eine Flüchtlingsunterkunft passiv. Als Reaktion schon bei meiner Unterzeichnung gesagt, das sei nur ein Teil- wird die Unterkunft mit Stacheldrahtrollen umzäunt. bereich der gesamten Gewaltszene. Entsprechend habe ich Der aufflammende Rassismus und Rechtsextremismus darf ein eigenes Postulat über gewalttätige Gruppierungen ganz von den Bundesbehörden, aber auch vom Parlament, nicht allgemein-also weder links noch rechts-eingereicht. Es trägt schweigend hingenommen werden. die Nummer 89.643 und ergänzt Ihren Vorstoss, Frau Grendel- Wir ersuchen den Bundesrat um Beantwortung folgender Fra- meier. Der Bundesrat hat sich bereit erklärt, es ebenfalls ent- gen: gegenzunehmen. 1. Wie beurteilt er das Problem des Rassismus in der Schweiz, In der Fragestunde vom letzten Montag - Sie haben auch dar- die Uebergriffe und Anschläge gegen Flüchtlinge und gegen auf hingewiesen - hat Herr Bundesrat Koller ja noch einmal Ausländerinnen und Ausländer in den letzten Monaten? Was ganz klar unterstrichen, dass Gewalttätigkeiten und Extremis- gedenkt er zu unternehmen? mus schlicht nicht mit einem Federstrich in die Links-oder- 2. Weshalb ist das Abkommen gegen Rassendiskriminierung Rechts-Schablone hineingepresst werden können. Es gibt bis heute nicht ratifiziert worden, obwohl die Absicht dazu also nur zwei Möglichkeiten: Entweder wir bekämpfen Extre- schon im Bericht über die schweizerische Menschenrechtspo- mismus, Gewalttätigkeiten, Chaotentum usw. als solche; litik vom 2. Juni 1982 angekündigt worden war? Ist der Bun- dann lehnen wir Ihren Ordnungsantrag ab. Oder wir kochen desrat bereit, das Abkommen umgehend zur Ratifikation zu ein gesellschaftspolitisches Links-Rechts-Süppchen; dann unterbreiten? stimmen wir dem Antrag zu. 3. Was ist davon zu halten, dass gemäss Aeusserungen der Ich spreche mich für ersteres aus und bitte Sie, meine Damen Bundesanwaltschaft gegenüber der Presse («WoZ» vom und Herren, mit einer klaren Ablehnung des Ordnungsantra- 10.11.89) der durch das überwiesene Postulat Grendelmeier ges der gleichen Erkenntnis zu folgen. (89.533) ausgelöste Bericht über «rechtsextreme Umtriebe in der Schweiz» plötzlich ein Bericht «auch über den Linksextre- M. Couchepin: Comme M. Reimann Maximilian, je vous invite mismus» werden soll, wie dies ein noch nicht überwiesenes à refuser la motion d'ordre de Mme Grendelmeier. Je suis Postulat Steffen vom 6. Oktober 1989 (89.678) fordert? d'accord cependant sur un point avec elle, à savoir que le 4. Teilt der Bundesrat die Auffassung, dass ein bestimmtes in débat que nous allons aborder, bien qu'il n'ait pas d'influence den letzten Jahren von Flüchtlingen und Asylsuchenden ge- concrète, est extrêmement important, puisqu'il porte sur les zeichnetes Menschenbild («Kampf gegen Asylanten») das valeurs essentielles qui soutiennent notre vie sociale et politi- heutige Klima mitzuverantworten hat? Sind die Bundesbehör- que. Mais je crois que c'est une erreur, et une erreur grave, den bereit, zur Korrektur dieses Menschenbildes beizutragen? d'aborder ce débat sur le racisme, l'extrémisme, le totalita- risme en commençant par empêcher certains d'entre nous de Texte de l'interpellation du 27 novembre 1989 s'exprimer. Je pense qu'on ne sert pas la cause de la liberté en Les incendies criminels et les attaques de centres d'héberge- agissant ainsi. ment par des groupements d'extrême-droite, de même que En outre, le racisme a des racines profondes, psychologiques les agressions contre les réfugiés se multiplient. qui, certainement, en souterrain, rejoignent l'extrémisme qu'il En l'espace de quelques mois, six personnes ont déjà été victi- soit de droite ou de gauche. En excluant du débat l'analyse de mes de ces événements, dont quatre réfugiés tamouls dans l'extrémisme de gauche, puisque c'est le but, pour des raisons un incendie à Coire. A Steinhausen/ZG, la police n'est pas techniques que poursuit Mme Grendelmeier, on se prive sans intervenue lors d'une attaque d'un centre d'hébergement; tout doute de la possibilité de mieux comprendre ce phénomène ce que l'on a su faire, c'est d'entourer ce centre de fils de fer désastreux qu'est le racisme. barbelés. Les autorités fédérales, mais aussi les parlementai- Dès lors, pour la clarté du débat, pour permettre aussi de com- res ne peuvent ignorer plus longtemps la montée du racisme prendre l'ensemble du problème et d'aller plus en profondeur et des mouvements d'extrême-droite. dans l'analyse de la question, il est essentiel qu'on accepte Nous prions le Conseil fédéral de bien vouloir répondre aux que chacun puisse prendre la parole et apporter son éclai- questions suivantes: 13. Dezember 1989 N 2135 Dringliche Interpellation der sozialdemokratischen Fraktion

1. Que pense-t-il du problème du racisme en Suisse, des atta- den letzten Jahren betriebene Asylpolitik ist für das Klima in ques dirigées, ces derniers mois, contre des réfugiés et des den letzten Monaten mitverantwortlich. ressortissants et ressortissantes étrangers? Que pense-t-il Die SP-Fraktion verlangt als Massnahme gegen den zuneh- faire? menden Rassismus eine menschliche Asylpolitik, die diesen 2. Pourquoi la Convention sur l'élimination de toutes les for- Namen verdient. mes de discrimination raciale n'a-t-elle pas encore été ratifiée, Wir verlangen, dass das Abkommen gegen die Rassendiskri- bien que l'on en ait déjà exprimé l'intention dans le rapport du minierung endlich ratifiziert wird. Wir können es nicht verste- 2 juin 1982 sur la politique de la Suisse en faveur des droits de hen und nicht billigen, dass die Ratifizierung seit Jahren lie- l'homme? Le Conseil fédéral est-il prêt à soumettre sans tarder gengeblieben ist. Die Ratifizierung ist ja schon 1982 angekün- cette convention à ratification? digt worden. Die Antirassismus-Konvention muss nun im be- 3. Que doit-on penser du fait que, selon des déclarations faites schleunigten Verfahren verabschiedet werden, wie dies ja par le Ministère public de la Confédération à la presse (WoZ du auch bei der Insiderstrafnorm und beim Geldwäschereiartikel 10 novembre 1989), le rapport sur les «actes de violence möglich war. perpétrés par l'extrême-droite en Suisse» - rapport élaboré en Ausserordentlich bedenklich ist es, dass der Bundesrat das réponse au postulat Grendelmeier (89.533) - devrait subite- Postulat der Nationalen Aktion über extreme'Umtriebe entge- ment porter également sur l'extrême-gauche, comme le gennehmen möchte, wie dies ein Beamter der Bundesanwalt- préconise le postulat Steffen du 6 octobre 1989 (89.678),, qui schaft sofort nach der Ueberweisung des Postulates Grendel- n'a pas encore été transmis? meier über den Rechtsextremismus angekündigt hat. Bei der 4. Le Conseil fédéral est-il d'avis que l'image que certains veu- Bundesanwaltschaft kann dies leider nicht mehr überraschen, lent donner des réfugiés et des demandeurs d'asile, depuis hat doch inzwischen der Puk-Bericht hochoffiziell festgestellt, quelques années («Kampf gegen Asylanten/Lutte contre les wie blind die Bundesanwaltschaft auf dem rechten Auge ist demandeurs d'asile») est partiellement responsable du climat und in welch scharfmacherischer Art und Weise sie sich mit actuel? der Aktion «Tam-Tam» in die Asylpolitik eingemischt hat. Wenn man die Vorgänge in den letzten Jahren betrachtet, dann Sprecher-Porte-parole: Rechsteiner könnte man fast annehmen, dass die NA über einen privile- gierten Draht zur Bundesanwaltschaft verfügt und dass in ge- Rechsteiner: Rechtsextreme und Rassisten treten in der wisser Art und Weise eine Geistesverwandtschaft besteht. An- Schweiz in den letzten Monaten immer offener, immer dreister ders wäre es kaum zu erklären, dass 1984 der üble und ketzeri- auf. Brennende Kreuze auf der Rigi und im schaffhausischen sche Bericht der Bundesanwaltschaft mit dem Titel «Einige Er- Buch symbolisieren den aufflammenden Rechtsextremismus. kenntnisse und Gedanken zu Asylgesuchen in der letzten Brandanschläge und Ueberfälle auf Flüchtlinge und Flücht- Zeit» ausgerechnet der NA zugänglich geworden und durch lingsheime häufen sich. Klosters, Bachenbülach, Beckenried, diese propagiert worden ist und dass Fragen von Herrn Stef- Schattdorf, Embrach, Steinhausen, Wald und Chur stehen für fen in diesem Bereich in der letzten Zeit immer positiv beant- Ueberfälle, Sprengstoff- und Brandanschläge, in denen eine wortet werden. abgrundtiefe Menschenverachtung zum Ausdruck kommt. Al- Herr Bundesrat Koller-wir möchten ihm dies nicht unterschie- lein beim Brandanschlag in Chur sind vier tamilische Flücht- ben - hat sicher keine Sympathien für die Nationale Aktion. linge bei lebendigem Leib verbrannt, darunter zwei Kinder. Im Um so weniger verstehen wir aber, weshalb auch er und der zugerischen Steinhausen schaut die Polizei passiv zu, wie die Bundesrat in corpore auf den Entlastungsangriff der Nationa- Patriotische Front im Flüchtlingsheim wütet. Als Reaktion auf len Aktion mit diesem Postulat Steffen hereinfallen. die Kritik, die Flüchtlinge schutzlos gelassen zu haben, kommt Das Bundesgericht hat festgestellt, dass Aeusserungen der der Polizei nichts anderes in den Sinn, als die Flüchtlingsunter- Nationalen Aktion «erschreckende Aehnlichkeiten zur natio- kunft mit Stacheldrahtrollen zu umzäunen. Es ist soweit, dass nalsozialistischen Lehre aufweisen». Und weiter ist nach ei- Flüchtlinge in der Schweiz vor Ueberfällen, vor Angriffen und nem Urteil des Bundesgerichts die Aeusserung nicht ehrver- sogar ihres Lebens nicht mehr sicher sind. Wir müssen zur letzend, dass sich die NA immer mehr von einer biedermänni- Kenntnis nehmen, dass sich Rassismus, Fremdenhass und schen Fremdenfeindlichkeit zu einem nazihaften Rassismus Rechtsextremismus in unserer Gesellschaft erschreckend gemausert habe. Wenn das feststeht, dann kann doch in die- ausgebreitet haben. sem sensiblen Bereich ein offizieller Bericht der Bundesbehör- Rassismus und Rechtsextremismus sind geschichtlich leider den nicht aufgrund eines Postulats dieser Nationalen Aktion nichts Neues. Es gehört zum Repertoire des Faschismus und ausgearbeitet werden. faschistischer Strömungen, die Wut und die Frustrationen der Bei Rassismus und bei Rechtsextremismus hört die Toleranz in einer Gesellschaft zu kurz Gekommenen auf bestimmte in der Demokratie auf! Bei Rassismus und Rechtsextremismus Minderheiten, auf sogenannte «Sündenböcke», zu lenken. Im wird der Respekt vor der Haltung des Andersdenkenden zum Dritten Reich waren es für die Nazis die Juden, die Zigeuner Zynismus. Es geht hier um unverzichtbare menschliche und andere sogenannte «Nichtarier», die für den gezielten und Grundwerte, ja um Humanität schlechthin. Hier kann es nicht gesteuerten Hass herhalten mussten. Heute sind es in erster mehr zwei Meinungen geben. Der Antirassismus, die Ableh- Linie die Flüchtlinge. nung jeder Rassendiskriminierung, muss ein Grundwert sein, Der Hass derjenigen, denen es dreckig geht, wird auf diejeni- der alle Demokratinnen und Demokraten verbindet. gen gelenkt, denen es noch dreckiger geht. Wer unter Woh- nungsnot oder unter den zu tiefen, nicht existenzsichernden Bundesrat Koller: In Beantwortung der Interpellation hält der Renten leidet, soll dafür nicht diejenigen, die diese Verhält- Bundesrat fest, dass sich seit einiger Zeit innerhalb des rechts- nisse zu verantworten haben, sondern die Flüchtlinge verant- extremen Spektrums unseres Landes in der Tat eine Radikali- wortlich machen. Rassisten und Rechtsextreme wählen für ih- sierung mit zunehmend fremdenfeindlicher Tendenz abzeich- ren gezielten Hass nicht von ungefähr die schwächste und die net. rechtloseste Gruppe in unserer Gesellschaft. Wie die diversen Angriffe auf Unterkünfte von Asylsuchenden Wir müssen uns fragen, welches Menschenbild diesen Rassis- zeigen, wächst die Bereitschaft zur Gewaltanwendung erheb- mus, diesen Hass gegen Flüchtlinge möglich gemacht hat lich. Der Bundesrat hat nach den Vorkommnissen von Stein- und welchen Beitrag die Bundesbehörden dazu geleistet ha- hausen seine Besorgnis über diese Entwicklung ausgespro- ben. Es bleibt nicht ohne Folgen, wenn die Behörden nicht chen, die Gewaltanwendung verurteilt und dazu aufgerufen, mehr von Flüchtlingen und asylsuchenden Menschen, son- Asylsuchende und Flüchtlinge menschenwürdig zu behan- dern von Asylanten sprechen, Asylanten in Anlehnung an Si- deln. Er erwartet von allen Verantwortlichen in Bund und Kan- mulanten, Querulanten, Ignoranten, und damit den Sprach- tonen, dass alles unternommen wird, um solche oder ähnliche gebrauch von rechts aussen übernehmen. gewalttätige Aktionen zu verhindern. Der Delegierte für das Das Menschenbild, das der Delegierte für Flüchtlingswesen, Flüchtlingswesen beabsichtigt, noch diesen Monat zusam- HerrArbenz, von den Flüchtlingen nun jahrelang im Sog einer men mit der Bundesanwaltschaft eine Konferenz mit den kan- bestimmten Presse gezeichnet hat, hinterlässt Spuren. Die in tonalen Polizeibehörden durchzuführen, um Sicherheits- Interpellation urgente du groupe socialiste 2136 N 13 décembre 1989

massnahmen zum Schütze von Asylbewerbern und Flücht- nahmen für zweckmässig. Er hat sich aus diesem Grunde be- lingen zu treffen. Die Bundesanwaltschaft wird zudem Anfang reit erklärt, die Postulate Reimann und Steffen ebenfalls anzu- des nächsten Jahres mit den Kantonen eine Sachbearbeiter- nehmen. konferenz durchführen. Gegenstand dieser Beratungen wird Der Bundesrat geht im übrigen mit dem Interpellanten darin ei- sein, wie die laufenden kantonalen Ermittlungen besser auf- nig, dass ein unsorgfältiger Umgang mit der Sprache einer un- einander abgestimmt werden können. terschwelligen Fremdenfeindlichkeit Vorschub leisten kann. Was die Ratifikation des Uno-Uebereinkommens zur Beseiti- Der Bundesrat hat sich deshalb in seinen eigenen Verlaut- gung jeder Form von Rassendiskriminierung anbelangt, hat barungen immer gegen jede herabwürdigende Qualifizierung der Bundesrat tatsächlich bereits im Jahre 1982 seine Absicht gewehrt, wie sie beispielsweise in den Begriffen «Asylanten», angekündigt, diesem Uebereinkommen beizutreten. «Wirtschaftsflüchtlinge» usw. zum Ausdruck kommt. In Hun- Es ist jedoch in diesem Zusammenhang darauf zu venweisen, derten von Antworten auf Eingaben Privater wurde und wird dass in letzter Zeit eine ungeheuer grosse Zahl von Begehren immer neu versucht, Verständnis für unsere Asylpolitik zu zur Revision des Strafgesetzbuches gestellt worden ist. Unser wecken und für vermehrte Toleranz einzustehen. Strafgesetzbuch erweist sich heute als eine eigentliche Gross- Der Bundesrat wird dies auch weiterhin tun. Es wäre indes baustelle. Seit Beginn der achtziger Jahre wurden denn auch falsch, vor der Tatsache die Augen zu verschliessen, dass ein verschiedene Revisionen im Bereich des Strafrechts zum Teil grosser Teil der Asylsuchenden nicht aus asylrelevanten bereits durchgeführt. Ich erinnere Sie an die Revision der Be- Gründen, sondern zum Zwecke der Arbeitsaufnahme und stimmungen über Gewaltverbrechen (Freiheitsberaubung, sehr oft unter Umgehung der Vorschriften über die Einwande- Entführung, Geiselnahme), an die Schaffung eines neues rung in unser Land kommt. Auch dieser Umstand trägt zweifel- Strafrechtsartikels über Insidergeschäfte, an die Revision der los ebenfalls zu einem gewissen Unbehagen in einem Teil un- Bestimmungen über die strafbaren Handlungen gegen Leib, serer Bevölkerung bei. Leben und Familie, die wir in diesem Jahr verabschiedet ha- Der Bundesrat ist daher überzeugt, dass er mit den bereits ge- ben und die bekanntlich auf den 1. Januar 1990 in Kraft treten troffenen Massnahmen - Ausdehnung des beschleunigten sollen. Ausserdem haben wir Ihnen neue Strafnormen über Verfahrens 88, Personalaufstockung, intensivere Bekämpfung die Geldwäscherei und die mangelnde Sorgfalt bei Finanz- des Schlepperunwesens und vor allem künftige Massnahmen geschäften unterbreitet, die Sie in dieser Session behandelt zur Verfahrensbeschleunigung basierend auf den Erkennt- haben. Ferner sind wir in der vorberatenden Kommission mit- nissen der zurzeit sehr aktiven Expertenkommission - die nöti- ten in der Behandlung der Revision der Artikel betreffend die gen Schritte beschlossen und zum Teil bereits vollzogen hat. Delikte gegen die Sittlichkeit. Expertenkommissionen sind an • der Arbeit, um die Strafnorm über die Einziehung zu revidieren Rechsteiner: Namens der SP-Fraktion erkläre ich mich nur und einen allgemeinen Tatbestand über das organisierte Ver- als teilweise befriedigt und beantrage Diskussion. brechen im Allgemeinen Teil vorzubereiten. Auch das Kapitel über die Vermögensdelikte ist in Revision; zu lösen ist vor al- Präsident: Wird dieser Antrag bekämpft? - Das ist nicht der lem das dringende Problem der Computerdelinquenz. Der All- Fall. Sie haben Diskussion beschlossen. gemeine Teil des Strafgesetzbuches ist ebenfalls in Revision. Das dritte Buch des Strafgesetzbuches über die Einführung Diskussion - Discussion und Anwendung des Gesetzes wird ebenso überarbeitet. Wenn Sie diese Liste zur Kenntnis nehmen, liegt es auf der Rechsteiner: Die Antwort des Bundesrates konnte nur teil- Hand, dass es schlicht nicht möglich war, mit einem Personal- weise befriedigen. Ich habe von der Besorgnis des Bundes- bestand von sechs Personen, die wir für das Strafrecht seit rates gegenüber dem aufflammenden Rassismus und Rechts- 1982 beschäftigt haben, alle Anliegen mit gleicher Priorität zu extremismus Kenntnis genommen. Insoweit ist die Antwort behandeln. Das erklärt, weshalb wir Ihnen die entsprechende des Bundesrates positiv zu würdigen. Positiv ist auch, dass Ratifikationsbotschaft bis heute nicht unterbreiten konnten. der Bundesrat bereit ist, das Abkommen über Rassendiskrimi- Eine Ergänzung unseres Strafgesetzbuches bildet nämlich nierung beschleunigt zur Ratifikation vorzulegen und das Ver- die Voraussetzung für die Ratifikation des Uno-Uebereinkom- nehmlassungsverfahren endlich einzuleiten. Der Bundesrat mens gegen die Rassendiskriminierung. muss sich in dieser Frage sagen lassen, dass dies eine Frage Aufgrund der neuesten Entwicklungen hat der Bundesrat die- der Prioritäten ist. Wir sehen, dass im Strafgesetzbuch eine sem Geschäft aber eine erhöhte Priorität eingeräumt. Die Bot- ganze Reihe von Revisionen anhängig waren. Die Frage des schaft zur Ratifikation mitsamt Ergänzung des Strafgesetz- Rassismus und der Rassendiskriminierung ist aber so bedeu- buches ist für die Vernehmlassung bereit. Mit grösster Wahr- tend, dass sie es verdient hätte, der Revision anderer Bestim- scheinlichkeit kann dieses Gesetzgebungsprojekt Anfang des mungen vorgezogen zu werden. Wir sind der Auffassung, nächsten Jahres in die Vernehmlassung gegeben werden. dass die Revision der Strafbestimmungen in diesem Bereich Zu Ihrer dritten Frage, Herr Nationalrat Rechsteiner: Die Natio- den ökonomisch orientierten Strafbestimmungen (Insider- nalräte Reimann und Steffen haben nach Einreichung des Po- strafnorm) hätte vorgezogen werden müssen. stulats von Frau Grendelmeier in Anschlusspostulaten eine Nicht befriedigend und sogar skandalös finden wir die Aus- Ausweitung des vom Bundesrat zu erarbeitenden Berichtes führungen des Bundesrats im Bereich der Stellungnahme verlangt. In der Meinung, dass radikale bzw. gewalttätige Um- zum Postulat der Nationalen Aktion, zum Postulat von Herrn triebe der letzten Zeit zu einem Teil auf Rechtsextremismus zu- Steffen: Wir können nicht begreifen, dass der Bundesrat in der rückzuführen waren, dass aber ebenfalls Extremismus und gleichen Woche, in der der Puk-Bericht in diesem Rat verab- Gewalttätigkeit linker Provenienz nach wie vor ein ernstzuneh- schiedet und diskutiert worden ist, erklärt - gestützt auf eine mendes Problem sind, hat sich der Bundesrat entschlossen, Stellungnahme der Bundesanwaltschaft -, dass ein Bericht einen generellen Bericht über den Extremismus zu verfassen - auch über den Linksextremismus, über den Extremismus im und keineswegs, wie Sie es formulieren, den Bericht über den allgemeinen entstehen müsse. Es handelt sich doch bei die- Rechtsextremismus in einen solchen über den Linksextremis- sem Postulat Steffen um nichts anderes - wie ich das bereits mus umzufunktionieren. Angestrebt wird vielmehr eine mög- erklärt habe - als um ein Ablenkungsmanöver, ein Ablen- lichst vollständige Darstellung der Lage des gewalttätigen Ex- kungsmanöver von den braunen Flecken auf der Weste der tremismus, denn Gewalt ist und bleibt verabscheuungswür- NA. Die Puk hat festgestellt, dass die Bundesanwaltschaft auf dig, wo immer sie politisch herkommt. dem rechten Auge blind ist, dass die Prioritäten vollkommen Es muss in diesem zu erstattenden Bericht darum gehen, den falsch gesetzt worden sind. Unter diesen Umständen kann gewalttätigen Extremismus ungeachtet der hinter ihm stehen- aber das Bedrohungsbild, das die Bundesanwaltschaft schon den Ideologie zu bekämpfen. In Grenzbereichen kann zudem immer gehabt hat und das in der Sichtweite des Postulates eine Unterscheidung zwischen links und rechts, wie ich be- Steffen liegt, durch den Bundesrat nicht wiederholt werden, reits in der Fragestunde ausgeführt habe, gar nicht immer klar und insoweit sind wir von der Antwort des Bundesrates zu die- vorgenommen werden. Der Bundesrat hält deshalb eine mög- sem Punkt 3 sehr enttäuscht; diese Antwort ist nicht akzepta- lichst umfassende Darstellung als Ausgangspunkt für Mass- bel. 13. Dezember 1989 N 2137 Dringliche Interpellation der sozialdemokratischen Fraktion

Wir haben weiter zur Kenntnis genommen, dass der Bundes- Schwarzen in Südafrika keine Lösung sei. Wir wissen, dass die rat bemüht ist, ein anderes Menschenbild zu zeichnen, als es Flüchtlinge seit längerem bevorzugte Zielscheibe seiner An- teilweise in der Boulevardpresse geschieht oder von rechten griffe sind, und wir haben zur Kenntnis nehmen müssen, dass Kreisen gewünscht wird; dass er beispielsweise bestrebt ist, an den von Herr Blocher präsidierten AUNS-Mitgliederver- den Begriff «Asylant» zu vermeiden. Wir haben davon in positi- sammlungen offen rassistische Aeusserungen gefallen sind, vem Sinn Kenntnis genommen. Es wäre wünschenswert, dass ohne dass dagegen wirksam eingeschritten worden wäre. Wir diese Umsetzung des Menschenbildes auch in dem Bereich, haben hören müssen, dass diese AUNS den Kampf gegen die wo dies relevant ist, nämlich beim Delegierten für das Flücht- Antirassismus-Konvention auf ihre Fahnen geschrieben hat, in lingswesen, durchgesetzt werden könnte und hier eine Verän- Uebereinstimmung mit dem NA-Organ «Volk und Heimat». derung der Zeichnung des Menschenbildes wie auch der Aber dass diese Blochersche AUNS für sich in Anspruch neh- Fluchthintergründe dieser Menschen erfolgen würde. men kann, bei diesem heiklen Thema 63 eidgenössische Par- Nötig wäre insgesamt - das muss man festhalten - eine Inte- lamentarier zu organisieren, das kann in diesem Parlament grationspolitik seitens des Bundesrates gegenüber Auslände- nicht stillschweigend hingenommen werden. rinnen und Ausländern, gegenüber Flüchtlingen, die diesen Zum zweiten Stichwort, der Haltung der FDP und insbeson- Namen verdient. Es ist eine Binsenwahrheit, dass gerade die dere der Sprache ihres zurzeit immer abwesenden Präsiden- Isolation von Flüchtlingen, z. B. auf dem Land in isolierten Zen- ten Steinegger: In einem Interview mit der «Schweizer Illu- tren, geeignet ist, die Fremdenfeindlichkeit zu verstärken. Per- strierten» hat sich Herr Steinegger offen unter dem Titel sönliche Kontakte, persönliche Begegnungen dagegen hel- «Kampf gegen Asylanten» geäussert: Er hat gegen Flüchtlinge fen, den Realitätsbezug herzustellen, und helfen mit, die Frem- eine härtere Gangart, gegenüber Asylsuchenden notrechtli- denfeindlichkeit und den Rassismus abzubauen. che Massnahmen gefordert und verlangt, den Flüchtlingen ei- In diesem Sinne möchte ich Herrn Bundesrat Koller zusätzlich nen Teil ihres Lohnes abzunehmen, um damit dem Bund die fragen, wo der Bericht über die Integrationspolitik steckt. Die- Kosten im Asylbereich auszugleichen. Im FDP-Pressedienst ser Bericht ist vor etwa zwei Jahren vom Parlament verlangt werden diese Forderungen von einer Karikatur begleitet, die worden. Es ist zu befürchten, dass dieser Integrationsbericht formal und inhaltlich an Fronten-Propaganda erinnert, ohne noch immer in den Schubladen der Bundesverwaltung steckt. dass dies bis heute zu einer Entschuldigung dieser staatstra- Ich wäre Herrn Bundesrat Koller dankbar, wenn er sich darum genden Partei geführt hätte. Ich werde diese Karikatur im An- bemühen könnte, die Integrationspolitik in einem positiven schluss noch verteilen lassen, damit Sie sich ein Bild davon Sinn voranzutreiben. machen können. Herr Bundesrat Koller hat in seiner Antwort wiederum auf den Wenn aber eine Partei wie die FDP bzw. ihr Präsident den dringlichen Bundesbeschluss im Asylbereich verwiesen, der Kampf gegen die Flüchtlinge auf ihre bzw. seine Fahne nun ausgearbeitet werden soll. Dieser dringliche Bundesbe- schreibt, wenn also Flüchtlinge - die Schwächsten der Gesell- schluss hätte wiederum zum Ziel - und das ist das Bedenkli- schaft - als Schmarotzer an den Pranger gestellt werden und che daran -, die Verfahrensrechte von asylsuchenden Men- nicht etwa Geldwäscher, Waffenhändler und Diktatoren, die schen, von Flüchtlingen, abzubauen. Nötig wäre aber nicht ein ihr Geld auf Schweizer Konten deponieren, dann bleibt dies Beschluss zum Abbau der Rechte der asylsuchenden Men- nicht ohne Folgen für das Klima in diesem Land. Es wird damit schen, sondern ein dringlicher Bundesbeschluss zum Schutz ein Klima erzeugt oder eine Saat gesät, die das begünstigt, dieser asylsuchenden Menschen, denn sie bedürfen heute was Flüchtlingen in diesem Land in den letzten Monaten pas- des Schutzes. Ein solcher dringlicher Bundesbeschluss ge- siert ist. gen Rassismus könnte beispielsweise ein Klagerecht von anti- Wir sind der Auffassung, dass es durchaus Unterschiede gibt. rassistischen Organisationen, von Flüchtlingsorganisationen, Wir wollen nicht alle bürgerlichen Parteien, auch nicht die bür- und ein Nottelefon gegen Uebergriffe enthalten, weil wir die Er- gerlichen Politiker, in den gleichen Topf werfen. Wir wissen fahrung gemacht haben, dass die Polizei in diesen Fällen nur z. B., dass es in Fribourg den mutigen Herrn Rimaz von der zu oft passiv und gleichgültig bleibt oder sich sogar den Op- SVP gibt. Aber wir können das, was in den letzten Monaten fern gegenüber feindselig verhält. Es müssen Korrektive ge- passiert ist, nicht einfach hinnehmen oder im normalen Politik- schaffen werden, damit die Verfahrensrechte auch für Flücht- betrieb abhaken. Es braucht in diesem Land ein neues Klima linge gelten, damit das Schweigen gebrochen werden kann. gegen Rassismus. Aber es braucht auch in diesem Parlament Der Bundesrat könnte sich weiter überlegen, ob er nicht eine ein neues Klima gegen Rassismus. Kommission zum Studium des Problems des Rassismus ein- setzen möchte: eine Kommission - zusammengesetzt aus Frau Diener: Wer die Ohren und die Augen aufmacht und die Vertreterinnen und Vertretern aller relevanten gesellschaftli- Zeitungen aufmerksam liest, dem bleibt der alltägliche Rassis- chen Gruppierungen, unter Ausschluss der Rechtsextremen, mus und Fremdenhass bei uns in der Schweiz nicht verbor- aber mit Einbezug der betroffenen Ausländerinnen und Aus- gen. Die Skala reicht von spiessbürgerlichem, selbsternann- länder, der Flüchtlinge -, welche die Ursachen der Fremden- tem Superpatriotismus bis zum gewalttätigen Neonazismus. feindlichkeit und des Rassismus in unserer Gesellschaft zu un- Die Schweizerische Gesellschaft für politische und wirtschaft- tersuchen und Lösungsansätze zu erarbeiten hätte. Denn Ras- liche Forschung hat festgestellt, dass rund ein Drittel unserer sismus und Fremdenfeindlichkeit sind nicht in erster Linie Sa- Bevölkerung ausländerfeindlich eingestellt ist. Empfänglich che der Polizei oder der Bundesanwaltschaft- das ist auch die für diesen Fremdenhass sind oft Menschen, die Angst haben Schwäche des Postulates Grendelmeier-, sondern sie sind in um ihre ohnehin bescheidene Existenz und deren Gesell- erster Linie gesamtgesellschaftliche Probleme, und als ge- schaftsbild oft nicht mehr mit der rasanten Entwicklung unse- samtgesellschaftliches Problem müssen Rassismus und rer modernen Gesellschaft übereinstimmt. Die sozial und oft Fremdenhass angegangen werden. auch schulisch zu kurz gekommenen Mitglieder unserer Schliesslich zum Menschenbild: Dieses Menschenbild liegt Wachstumsgesellschaft fühlen sich in ihrer persönlichen und nicht nur in der Verantwortung des Bundesrates, das überse- in ihrer nationalen Identität bedroht. Die Angst, persönliche, hen wir nicht; es liegt auch in der Verantwortung der Presse, politische oder auch wirtschaftliche Vorteile an Fremde zu ver- auch in der Mitverantwortung des Parlamentes. Diesbezüglich lieren, steigt mit der starken Zunahme von ausländischen müssen wir unsere Besorgnis noch in zweierlei Hinsicht an- Menschen in unserem Land. Heute sind rund 20 Prozent der merken, gerade bezüglich dieses Parlamentes: Stichworte Schweizer Bevölkerung Ausländer, die wir für unser Wirt- «Haltung der Organisation AUNS» und «Haltung des Frei- schaftswachstum brauchten, die wir brauchten zur Mehrung sinns». unseres materiellen Wohlstands. Zum ersten Stichwort: Es ist bekannt, dass Herr Nationalrat Das wachsende Unbehagen gegenüber den Folgeerschei- Blochers überparteiliche bürgerliche Organisation AUNS sich nungen - dazu gehört die Ueberfremdung oder die Ueberbe- inzwischen damit brüstet, 63 Mitglieder dieses Parlamentes zu völkerung, oder es zeigt sich auch beim Thema Wohnungsnot organisieren. Ueber die Namen dieser Mitglieder wird auf An- - begann sich dann über die Flüchtlingsfrage neu zu manife- frage die Auskunft verweigert. Wir wissen, dass Herr Blocher stieren. Endlich waren die erwünschten Sündenböcke für die offen verkündet, dass das Stimm- und Wahlrecht für die aufgestauten Aggressionen gefunden. Negative Medien- Interpellation urgente du groupe socialiste 2138 N 13 décembre 1989

Schlagzeilen über Drogenhandel, Schlägereien, Sexualdelikte Wohlstand gestempelt. Ich frage Sie: Ist das ein Zufall, oder ist im Zusammenhang mit Asylanten steigern die Abwehrreflexe das eine ganz klare Strategie? gegen die Fremden, obwohl Untersuchungen klar beweisen, Interessant ist auch die Akzeptanz von rechtsextremen Grup- dass die Kriminalitätsrate unter Ausländern nicht höher ist als pierungen wie «Patriotische Front» oder «Bürgeraktion» oder unter Schweizern in vergleichbaren sozialen Milieus. «nationalrevolutionäre Partei» oder wie sich diese Gruppen Frust am Arbeitsplatz, Wohnungsmarktmisere, Zwänge unse- alle nennen. Warum jagen diese Namen nicht annähernd ei- rer hochtechnisierten und arbeitsteiligen Industriegesellschaft nen so grossen Schrecken ein wie zum Beispiel das Wort lassen den Kult der Gewalt ganz speziell bei den Jugendlichen «Linksextremismus», «Grüne», «Frauenbewegung» oder «Frie- wachsen. Gerade die Gewaltverherrlichung vieler Medien densbewegung»? Sind unsere gesellschaftlichen Schreck- spielthiereine wichtige Rolle. Eine schwedische Untersuchung und Feindbilder ähnlich aufgebaut wie die Flehen in der Bun- belegt, dass die Hälfte der zehn-bis vierzehnjährigen Jugendli- desanwaltschaft? Ich denke, es ist höchste Zeit, die Puk-Dis- chen sich einen natürlichen, biologischen Tod schon gar nicht kussion, die wir letzte Woche in diesem Saal hatten, hinaus ins mehr vorstellen können, so sehr sind sie durch die Medien an Volk zu verlegen und beide Augen zu öffnen. Es geht nicht an, Erschiessungen, Erwürgen, Erstechen usw. gewöhnt. Wo sind dass Aktionen von rechtsextremen Gruppierungen letztlich denn in unserem Land die Medien, die den Jugendlichen Leit- bloss als jugendlich, unbedacht und leichtsinnig tituliert wer- bilder der Friedfertigkeit oder der Solidarität vermitteln? Wo die den. Schulen, die ein Hauptfach Sozialkunde anbieten? Wo der Was bleibt uns und dem Parlament zu tun? Es gibt die Uno- Sport, der Identifikationsträger mit humanen Positionen vermit- Konvention - wir haben es schon gehört - gegen Rassismus. telt? Wo die politischen Parteien, die globale ökologische und Wir müssen dieser Konvention beitreten, weil sie auch be- ökonomische Zukunftsperspektiven vertreten? Wir müssen inhaltet, dass das Aufhetzen zu Rassendiskriminierung unter doch erkennen, dass Rassismus nur in einem entsprechenden Strafe zu stellen ist. Herr Blocher, der sinnigerweise jetzt wie- gesellschaftlichen Klimagedeihen kann! der nicht im Saal ist, hat ja dieser Konvention den Kampf ange- Es ist einfach, im Parlament mit schönen Worten über die Vor- sagt, weil er behauptet, Rassismus existiere nicht bei uns in kommnisse in Fribourg oder im Kanton Zug zu debattieren. der Schweiz. Er hat es auch nicht nötig, sich dieser Diskussion Das tönt so gut und erleichtert ein bisschen das schlechte Ge- zu stellen. wissen. Aber wo bleibt die politische Verantwortung hier im Ich denke, wir müssen einerseits die asylpolitische Diskussion Parlament bei den laufenden Geschäften? Flüchtlingsströme wieder versachlichen und sie andererseits vermenschlichen. und Parlamentsarbeit haben nämlich sehr wohl etwas mitein- Wir müssen unsere fremdenfeindlichen Vorurteile abbauen, anderzutun! und da liegt eine grosse Verantwortung bei den Medien. Wir Wir sind mit unserem politischen Verhalten mitverantwortlich müssen auch unsere globale Verantwortung als reiches Indu- an der Vergrösserung z. B. des Nord-Süd-Gefälles und dem strieland wahrnehmen und Arbeitsplätze und Existenzmög- daraus resultierenden wirtschaftlichen und menschlichen lichkeiten in den unterentwickelten Ländern schaffen. Elend. Mit unserem egoistischen Verhalten - ich erinnere Sie Was wir wahrscheinlich auch vermehrt tun müssen: die Angst gerne noch einmal an den Zuckerbeschluss - erzeugen wir vor Ueberfremdung ernst nehmen. Diese Angst ist gross, und wachsende Flüchtlingsströme. Diese werden bei der heutigen es gehört vielleicht mit dazu, dass wir erkennen, dass sehr oft Bevölkerungsexplosion weiter anschwellen. Wir alle hier in der die Fremden Projektionsflächen werden für unsere eigenen, Schweiz sind ja so klar auf ein weiteres Wachstum des Brutto- unerkannten Aengste. Wir müssen also der Wucht des Hasses sozialproduktes ausgerichtet. Wir sollten doch ganz speziell und der Gewalt die Kraft der Menschlichkeit und der Solidarität Verständnis haben für ärmere Menschen, die an unserem Wirt- entgegensetzen. Gedankenloser, passiver und unbewusster, schafts- und Wohlstandswachstum teilhaben wollen. Die ma- täglich gelebter und geschriebener Rassismus ist in der lang- chen ja letztlich nichts anderes, als was wir alle auch tun, pro- fristigen Wirkung oft noch verheerender als die offenen Ge- pagieren, anstreben. waltakte, die zur heutigen Diskussion geführt haben. Ich komme nochmals kurz auf die Medien zu sprechen. In ei- ner Seminararbeit an der Universität Fribourg ist die Berichter- Seiler Hanspeter: Die SVP ist besorgt über die in letzter Zeit stattung der Boulevardpresse analysiert worden, und sie ist festgestellten Aktivitäten extremistischer Gruppen. Wohl jeder- sehr aufschlussreich. Von 34 Meldungen über Asylanten oder mann hier verurteilt die anonymen Telefonanrufe und Schrei- Flüchtlinge waren 22 negativ wertend, neun neutral, eine posi- ben, in denen Bürger, Mitglieder kommunaler Behörden und tiv und zwei ausgeglichen. Die Schlagzeilen im Zusammen- Parlamentarier in Kantonen und Bund - ich selber kann da aus hang mit Flüchtlingen strotzten vor Drogendelikten, Morden, Erfahrung sprechen - bedroht oder unter Androhung von Missbrauch von Fürsorgegeldern und Sexgeschichten. Ge- Brandstiftung oder Entführung von Familienangehörigen ein- wisse Medienschlagzeilen also sowie auch plakatierte Partei- geschüchtert werden, wie es letzte Woche in einer Zürcher Ge- slogans z. B. der Zürcher SVP - es ist interessant, dass von meinde versucht worden ist. diesen Herren praktisch keiner hier im Saal ist -, der NA und Extremismus - Rassismus ist eine Form davon - ist aber nicht auch der Autopartei leben davon, Vorurteile, Aengste und Fru- ein Charakteristikum unserer Zeit allein. Wir begegnen extre- strationen von Menschen auszubeuten und zum Abreagieren mistischem Verhalten von Gruppen in der Geschichte der an sogenannten Sündenböcken anzuheizen. Sie säen - und Menschheit immer und immer wieder. Auch der Kanton Bern - wollen dann mit der Ernte nichts zu tun haben. nebenbei gesagt - blieb ja nicht davor verschont. Diese Tatsa- Interessant ist auch der Wortbegriff, die Wortwahl. Ueberfrem- che darf uns natürlich weder ein Trost sein, noch kann sie die dung ist ein Wort, das schon 1912 im Parlament gebraucht extremistischen Aktivitäten in unserer Zeit rechtfertigen. wurde. Später sagte man dann Verausländerung, das war zur Extremismus bewegt sich ausserhalb der Legalität, ausser- Zeit des Zweiten Weltkrieges. Dann nahm die NA das Wort halb der in einem demokratischen Staat gesetzten Schranken, Ueberfremdung wieder auf, wertete es dann aus ihrer Sicht weil er sich zur Durchsetzung seiner oft gruppenegoistischen, noch zusätzlich im Sinne von Ueberflutung. Ich weiss nicht, ob einäugigen und meist gemeinschaftsfeindlichen Zielsetzun- sie da an die Sintflut gedacht hat. Es gab für sie eine Asylanten- gen - sofern er überhaupt eine Zielsetzung hat - der Mittel der flut, Rekordzahlen von Asylgesuchen z. B., obwohl im Jahre Bedrohung, der Gewalt, ja des verbrecherischen Tuns be- .1983 nicht einmal ein ganzes Prozent der Schweizer Bevölke- dient. Extremismus darf deshalb in einem demokratischen rung Flüchtlinge waren. Im Zweiten Weltkrieg waren unter viel Staat, in einem Rechtsstaat keinen Platz finden. Er kann sich schwierigeren Umständen 3 Prozent der Schweizer Bevölke- auch nicht gut auf Pluralismus berufen, weil ja Pluralismus in rung Flüchtlinge. Die NA betrachtete ein knappes Prozent einem Staat demokratisches Verhalten all seiner Bürgerinnen schon als Asylantenflut und als Rekordzahl. und Bürger und seiner Gruppen voraussetzt. Extremismus Das Wort «Flüchtling» - Paul Rechsteiner hat es schon gesagt passiert aber nicht einfach, extremistisches Verhalten wird ver- - für einen aktiven Menschen wurde zu «Asylant» für einen ursacht. passiven Menschen, einen Menschen ohne Identität. Dann Dabei sind z. B. Aengste - und solche gibt es in grossen Teilen gab es plötzlich den Scheinasylanten und den Wirtschaftsasy- unserer Bevölkerung, nicht nursolche, wie sie Frau Diener vor- lanten. Er wurde zum arbeitsscheuen Nutzniesseran unserem hin erwähnte -, Verunsicherung, Desinformation, Unwissen- 13. Dezember 1989 N 2139 Dringliche Interpellation der sozialdemokratischen Fraktion

heit Mitverursacher solchen Verhaltens. Zu diesen Mitverursa- sommes pas de ceux qui soufflent le vent, avec les délices de chern sind wohl auch die Enttäuschungen über das Fehlen se faire plaisir à soi-même, et qui ensuite s'étonnent de récol- von versprochenen Massnahmen durch Behörden zu zählen. ter la tempête. Hingegen kann es nicht angehen, mittels Schuldzuweisung, J'en arrive à ma deuxième réflexion. L'interpellation du groupe wie es am letzten Samstag auf dem Bundesplatz geschehen socialiste s'étonne que l'on puisse imaginer d'élargir l'analyse ist, die bürgerlichen Parteien für den Rassismus verantwortlich sur les actes de violence à ceux qui sont commis sous l'inspi- zu machen. Das ist nun doch zu billig und zu einfach, zeugt ration de l'extrême-gauche. Dans les débats sur l'armée aux- von wenig politischer Verantwortung und ist mit aller Entschie- quels j'ai participé, il m'est arrivé de décontenancer mes denheit zurückzuweisen. contradicteurs en évoquant une possibilité d'intervention pour Es schiene mir zudem unklug, sich im Sinne der dringlich er- protéger nos libertés et notre démocratie face à des menées klärten Interpellation bloss mit Rechtsextremismus auseinan- parfaitement imaginables de l'extrême-droite. Pensez par derzusetzen. Extremismus kann man mit einem Pendel ver- exemple à l'attentat de Bologne, à des mouvements comme gleichen. Mir ist kein Pendel bekannt, das nur einseitig aus- Action directe. Mais faut-il pour autant oublier que, durant ces schlägt. Es kann ja sogar so weit gehen, dass sich die beiden dernières décennies, les exemples les plus fréquents en Eu- Endpunkte berühren. Nicht umsonst sagt man: «Les extrêmes rope, avec des ricochets heureusement bien atténués en se touchent.» So gesehen kann Extremismus weder allein mit Suisse, d'atteinte à la paix publique et à notre ordre démocrati- «links» noch mit «rechts» definiert werden. Wir erwarten des- que sont venus de l'extrême-gauche, soutenus parfois, ce qui halb vom Bundesrat eine umfassende Beurteilung des ge- n'est heureusement pas encore tellement le cas en ce qui con- samten Problembereiches Extremismus und können in die- cerne les mouvements d'extrême-droite, par des mouvements sem Sinne auch der Ueberweisung des Postulates Steffen zu- ou des pays entiers extrêmement puissants - je pense au stimmen. mouvement iranien, à certains extrémistes palestiniens, et no- Mit einem Bericht und mit Worten ist es aber nicht getan. Es tamment à l'arrière-fond libyen du terrorisme. D'ailleurs, la di- soll zugleich Auftrag an den Bundesrat und an uns alle sein mension du racisme, puisque c'est de racisme qu'il s'agit, und bleiben, auch etwas dagegen zu tun. dans des actions d'extrême-gauche, est tout aussi évidente que dans les actions d'extrême-droite si l'on pense au con- texte international. Je trouve assez étonnante, Mesdames et M. Eggly: Les libéraux partagent les préoccupations du Messieurs de la gauche socialiste, votre intransigeance démo- groupe socialiste au sujet des violences d'inspiration raciste, cratique à géométrie variable! Vous avez raison de vous méfier perpétrées notamment contre des requérants d'asile. Comme de l'extrême-droite d'esprit non démocratique, et je m'en tout le monde, je pense, nous avons été étonnés, pour ne pas méfie autant que vous, mais vous avez tort de vous méfier dire choqués, par la passivité de la police zougoise lors de la beaucoup moins, et quelquefois pas du tout, de l'extrême- descente contre un centre d'hébergement dans ce canton. Il gauche d'esprit non démocratique, même lorsque parfois elle est parfaitement juste de se méfier du racisme dès que l'on en s'en donne l'apparence. voit poindre les germes. Trop souvent dans l'histoire on s'est Le fait marquant aujourd'hui en Europe, c'est l'effondrement repenti d'avoir sous-estime, banalisé, des phénomènes qui politique, économique, moral et intellectuel du totalitarisme sont allés en grossissant tragiquement. Il faut donc suivre at- rouge, longtemps accepté et justifié par quelques-uns chez tentivement ce qui se passe, même lorsque les mouvements nous, fût-ce avec une apparence de recul plus ou moins sa- et les actes paraissent être marginaux, même s'il convient vamment dosée. Mais même en laissant ces notables habiles aussi de garder le sens des proportions dans l'analyse. C'est à leur profession de foi démocratique - après tout, lorsque la pourquoi je n'ai pas hésité, personnellement, à soutenir par réalité rattrape le discours c'est rassurant! - comment ignorer exemple le postulat de Mme Grendelmeier. Cela étant dit clai- qu'existent aujourd'hui chez nous aussi des mouvements, des rement et sans aucune ambiguïté de notre part, permettez- groupements, des ramifications d'extrême-gauche, avec en- moi, à l'adresse notamment de la gauche socialiste, deux core une fois un arrière-fond international, pour lesquels notre réflexions sur cette affaire. démocratie, quitte à être utilisée, est l'ennemi à déstabiliser, à En ce qui concerne les réfugiés, ou plutôt les requérants secouer, à miner, en le faisant glisser dans l'engrenage des d'asile, la clarté dans la défense des principes non racistes ne actions et des réactions violentes -je pense à certaines mani- doit pas éliminer toute lucidité, tout esprit critique, chez les res- festations de rue? Même si le Ministère public s'est en effet ponsables politiques, et nous, au Parlement, nous les partis trop concentré sur ces dangers-là et n'a pas assez vu d'autres politiques, nous sommes ou nous devrions être des politiques dangers, dont la question de l'argent sale, comme le souligne responsables. Etre responsable, c'est notamment compren- très justement le rapport de la Commission parlementaire dre et expliquer les conditions et les limites d'une politique d'enquête, sa tâche restera aussi, demain comme hier, de sur- d'asile pour un pays comme la Suisse. Harceler les autorités, veiller ces mouvements, ces groupements et ces ramifica- parler à tout propos de scandale de la politique d'asile, ap- tions-là. puyer tous les recours, toutes les obstructions, pousser déli- Peu nous importe à nous, à la lettre, que les mouvements bérément à l'enlisement des dossiers dans les procédures - et d'extrême-droite et le racisme en Suisse, d'origine nationa- je pense notamment à certains avocats professionnels de ces liste, fassent l'objet d'un rapport séparé ou qu'ils soient en- dossiers - refuser précisément l'idée même d'une procédure globés dans une analyse plus large sur les menaces contre accélérée, concourir enfin à la confusion des termes en ma- notre démocratie et notre sécurité. Cela dit, je ne comprends tière d'asile et à l'encouragement du flux croissant des requé- pas que l'on puisse combattre le postulat Steffen, à l'adresse rants, c'est objectivement, dans les faits, faire le lit des réflexes du Conseil fédéral, qui est parfaitement raisonnable et justifié xénophobes et des réactions racistes. et signé, d'ailleurs, par beaucoup de nos collègues. Notre peuple, avec son énorme proportion d'étrangers, ses Mais, au-delà des postulats, ce qui compte à nos yeux, c'est collectivités urbaines et villageoises, doit être informé, per- que toutes les menaces, de tous ordres, soient en effet per- suadé et éduqué à l'accueil. Il y a en effet aujourd'hui un pro- çues, analysées, senties et contrées dans leur totalité, toutes blème de cohésion sociale à cet égard. Mais nos collectivités autant qu'elles sont, avec intelligence et sans exclusion. Nous urbaines et villageoises ne peuvent pas sans risque être bous- ne professons pas de vigilance démocratique à géométrie va- culées, psychologiquement perturbées, constamment provo- riable: notre vigilance démocratique, à nous, libéraux, nous la quées. Mesdames et messieurs de la gauche, nous sommes voulons totale, impartiale, indivisible comme la justice et la d'accord pour combattre le racisme, mais nous vous le di- démocratie. sons: parce que nous ne faisons pas, nous, de ce thème un Si donc nous partageons les préoccupations socialistes sur le sujet électoral constant, parce que nous ne tournons pas le racisme, nous abordons, vous l'aurez compris, le contexte dos aux faits et aux réalités, parce que nous cherchons des général de la violence contre la démocratie dans un esprit as- équilibres qui précisément tendent à conjurer les situations où sez différent que nous croyons finalement plus juste, plus sain, le racisme peut fermenter, nous croyons que nous sommes fi- et porteur de plus d'efficacité pour la protection de notre nalement plus efficaces dans cette lutte préventive. Nous ne démocratie. Interpellation urgente du groupe socialiste 2140 N 13 décembre 1989

M. Couchepin: Le groupe radical, lui aussi, considère que les Rede sein kann. Wer solches behauptet, tut einem grossen questions posées par l'interpellation socialiste sont importan- Teil unserer Mitbürgerinnen und Mitbürger erhebliches Un- tes. En effet, même si des attaques contre des réfugiés ou res- recht. sortissants étrangers sont peu nombreuses, elles n'en sont Die erwähnten Uebergriffe sind Ausdruck einer extremisti- pas moins inquiétantes. Dans ce domaine, tout incident doit schen Geisteshaltung. Diese manifestiert sich in Aggressio- être pris au sérieux dans la mesure où il pourrait être le signe nen gegen Menschen, die andersartig sind, sei dies wegen ih- extrême d'une montée de l'intolérance ou du racisme. rer Rassenzugehörigkeit, ihrer Hautfarbe, ihrer Nationalität Pour notre groupe, de tels faits portent tout simplement at- oder ihrer Religion. Es wäre falsch, diese Vorurteile und Ag- teinte à la dignité de l'homme. Il n'y a pour nous jamais de ra- gressionen politisch und gesetzgeberisch nicht ernst zu neh- cisme tolérable. L'intolérance, qu'elle vienne de droite ou de men. Es wäre aber ebenso falsch zu glauben, man könne gauche, doit toujours être condamnée. Pour cela, il nous sem- diese letztlich ethisch-moralischen Probleme allein auf dem ble important que deux conditions soient respectées. Weg neuer Gesetze oder mit Abschlüssen von Konventionen Tout d'abord, la lutte contre le racisme ne doit jamais se dégra- lösen. Dazu braucht es wesentlich mehr, denn Integration von der en une arme de propagande. Elle ne peut être l'occasion fremden Menschen in unserem Land lässt sich -wie überall - d'atteindre d'autres buts politiques. C'est une lutte pour la di- nicht einfach von oben durch den Gesetzgeber dekretieren. gnité de l'homme et non pas contre un autre groupe politique Für die FDP-Fraktion ist es deshalb ein wesentliches Anliegen, ou contre ceux qui ne partagent pas nos opinions. Sur ce dass die Hintergründe extremer Umtriebe mit aller Sorgfalt point, je pense, Monsieur Rechsteiner, que vous avez dégradé analysiert werden. Wir möchten, dass nachgefragt wird, wel- la lutte contre le racisme. Vous avez attaqué avec tellement de ches Menschenbild Leute in sich tragen, die glauben, andere force et de violence M. Steinegger, notre président, que l'on ne Menschen seien Freiwild, nur weil sie eben fremd sind. Was er- peut penser autre chose que vous avez peur. Vous avez peur, mutigt extreme Gruppierungen - kommen diese nun aus der en vous défendant avec une telle violence, que l'opinion publi- linken oder aus der rechten Ecke -, Faustrecht und men- que se rende compte que l'extrémisme de droite et l'ex- schenverachtende Praktiken zur Durchsetzung ihrer extremen trémisme de gauche puisent leurs forces dans le même milieu Ansichten oder ihrer extremen politischen Ziele walten zu las- psychologique et ont les mêmes sources. Vous avez aussi sen? peur, sans doute, que l'opinion publique se rende compte Fragen müssen wir uns aber auch, woher es kommt, dass que, souvent, votre lutte contre le racisme est moins l'expres- Fremdenängste offenbar so tief sitzen, dass gegenüber Min- sion de la tolérance que celle d'une passion idéologique. derheiten oder Randgruppen überhaupt Abwehrreflexe in der- La deuxième condition pour lutter efficacement contre le ra- art übersteigerter Form ausgelöst werden können. Ich will da- cisme est, à notre avis, qu'il ne faut jamais faire d'angélisme. mit sagen, dass es nicht damit getan sein kann, dass wir uns Biaise Pascal, le grand Pascal disait: «qui veut faire l'ange fait jetzt und hier ausgiebig über das Vorgefallene empören, um la bête.» Cela signifie en clair que l'on doit tenir compte des cir- dann jeder fürsich wieder zurTagesordnung zurückzukehren. constances précises et des faits afin d'éviter de tomber dans Es ist darum auch zu billig, im Sinne von Schuldzuweisungen des extrêmes. On ne peut ignorer l'environnement de so etwas wie ein politisches Schwarzpeter-Spiel zu spielen l'homme concret qui, parfois, facilite la fièvre raciste. Chacun und die Verantwortung für all diese Vorfälle einfach denjenigen sait, par exemple, qu'il existe - c'est malheureux mais c'est zuschieben zu wollen, die sich für den Vollzug und die Einhal- ainsi - des seuils statistiques de tolérance de l'étranger qui, tung unserer Asylgesetzgebung einsetzen oder die sich ge- lorsqu'ils sont dépassés, suscitent des risques de racisme. Il gen Missbräuche wenden. Anwürfe, wie sie von Herrn Rech- faut donc, dans la mesure du possible, éviter que ces seuils ne steiner an die Adresse der Freisnnigen in diesem Zusammen- soient atteints et, pour ce faire, mettre sur pied des lois sur hang gemacht wurden, sind entschieden zurückzuweisen. l'asile qui distinguent les véritables réfugiés des réfugiés éco- Ein Letztes: Dank der demokratischen Einrichtungen bietet nomiques. unser politisches System viele Freiheiten. Ein Preis dafür aller- Vous avez également attaqué M. Steinegger qui, sur ce point, dings ist, dass sich an den Rändern des politischen Spek- est plus proche d'un autre socialiste, le président François Mit- trums radikale und extreme Kräfte sammeln können. Solches terrand qui, dimanche soir, à la télévision française, parlait wird sich wahrscheinlich nie verhindern lassen. Dezidiert ist in- dans le même sens et dans le même esprit que M. Steinegger des dagegen einzuschreiten, wenn diese Gruppierungen ihr à plusieurs occasions. La différence entre M. Mitterrand et politisches Credo mit Gewalt zu verfolgen beginnen. Gewalt vous, c'est que lui a la responsabilité de maintenir la paix so- war noch nie ein legitimes und akzeptables politisches Mittel, ciale et la paix tout simplement dans son pays. Vous, vous ob sie nun von links oder von rechts komme. Die Herkunft pouvez faire part de vos passions idéologiques. spielt keine Rolle, und schon gar nicht verhilft sie der Gewalt zu En résumé, le groupe radical sera de tous les combats, pour la irgendeiner Qualität oder legitimiert sie gar. Gegenüber ihren lutte contre l'intolérance et contre le racisme, à la condition Propheten kann es darum keine Toleranz geben. Wir sind es qu'ils ne soient pas détournés de leur véritable objectif qui est unserer Glaubwürdigkeit, unserem Engagement für Men- de promouvoir la dignité humaine. Pour cela, nous dénonce- schenrechte, für Minderheitenschutz und humanitäre Anlie- rons et dénonçons toujours toute utilisation partisane de la gen schuldig, diese Saat der Gewalt - woher sie auch komme lutte contre le racisme. Nous voulons aussi éviter tout an- - nicht aufgehen zu lassen. gélisme qui finit par nourrir le mal qu'il prétend ignorer. Die FDP-Fraktion wird sich dafür einsetzen! Dans cet esprit, nous approuvons les propositions concrètes du Conseil fédéral et nous le soutenons. Frau Dormano: In zehn Tagen feiern wir Weihnachten. Seit Wochen werden die Vorbereitungen für dieses Fest getroffen. Frau Nabholz: Was an Gewalt, Ausschreitungen und Drohun- Wir zerbrechen uns die Köpfe, weil wir nicht mehr wissen, was gen gegenüber Asylbewerbern passiert ist, kann nicht anders wir wem schenken wollen, und hier im Saal diskutieren wir als beschämend genannt werden. Die freisinnig-demokrati- über Rassismus und Rechtsextremismus in der Schweiz. Wir sche Fraktion wendet sich mit aller Entschiedenheit gegen suchen Argumente und Worte für Menschen, die nichts ha- Auswüchse, wie wir sie in jüngster Zeit erleben mussten. ben, die auf der Flucht sind wegen behördlicher Gewalt im Rassismus und Fremdenhass sind extreme Formen der Dis- Herkunftsland, wegen Krieg, Hunger, Armut, Ausbeutung kriminierung. Sie grassieren dort, wo die Bereitschaft zu Tole- oder Naturkatastrophen. Es sind Menschen, die ums Ueberle- ranz, Offenheit und Vielfalt degeneriert ist. Auch wenn diese ben kämpfen. Ausschreitungen nur von einer kleinen, radikalen Minderheit Es fällt mir nicht leicht, hier Worte zu finden, da es eigentlich ausgegangen sind, müssen sie uns aufhorchen lassen. Es keine Worte, sondern Taten brauchen würde. Doch scheint es, geht darum nicht an, diese jüngsten Ereignisse zu verharmlo- dass Wohlstand und Reichtum unfähig machen, die Not des sen oder einfach als jugendliches Rowdytum abzutun. Das ändern zu sehen und ihr mit Verständnis, Engagement und Problem ist ernster - obgleich hier ganz klar und deutlich fest- Hilfe zu begegnen. Statt dessen erfahren die Flüchtlinge von zuhalten ist, dass von einer generellen Fremdenfeindlichkeit einem Teil des Schweizervolkes Misstrauen und Vorbehalte. oder gar von Rassismus in unserer Bevölkerung nicht die Was in den letzten Monaten sogar an Hass und Abneigung 13. Dezember 1989 N 2141 Dringliche Interpellation der sozialdemokratischen Fraktion

durch rassistische und rechtsextreme Gruppierungen gegen- Gastrecht suchen. Das Klima um unsere Flüchtlinge muss ver- über asylsuchenden Menschen in der Schweiz zum Ausdruck bessert werden, muss von jedem Mitbürger und jeder Mitbür- kam, ist beschämend. Die geballten Aggressionen und Ueber- gerin ernst genommen werden. Statt schnoddrige Tamilen- griffe von rechtsextremistischen Kreisen auf Asylzentren und witze und unwahre Geschichten über Lederjacken zu erzäh- Flüchtlinge machen uns betroffen und sprachlos. len, müssen wir versuchen, uns in die Rolle der Asylsuchen- Namens der CVP-Fraktion spreche ich solchem Ausdruck von den zu versetzen und ihre Position zu spüren; denn sie wollen Hass auf heimat- und mittellose Mitmenschen jegliches Ver- bloss eine menschliche Aufnahme und keine Unterhöhlung ständnis ab. Wir verurteilen in aller Form diese unmenschliche unseres Reichtums. Fragen Sie Asylsuchende, was sie von Haltung von rassistischen Schweizer Bürgern. . uns Schweizern punkto Arbeit, Mitmenschlichkeit und Geld Es ist kein Trost, geschweige denn ein Rechtfertigungsgrund, halten. Die meisten von ihnen ziehen dem Einfachheit und Ar- zu sagen, dass unsere asylsuchenden Menschen nicht die er- mut im Herkunftsland vor. sten sind, die auf ihrer Herbergssuche abgewiesen werden. Rechtsextremisten und Rassisten fühlen sich durch die An- Es gehört zum menschlichen Wesen, dass wir einzelne Mit- wesenheit von Flüchtlingen in der Schweiz bedroht und her- menschen sympathischer finden, andere weniger oder gar ausgefordert. Sie bangen um unsere Kultur, um unsere Eigen- nicht. Wir müssen akzeptieren, dass wir Gefühle der Abnei- art und Einmaligkeit. Haben aber Rechtsextremisten über- gung haben, haben können. Niemals aber akzeptieren wir haupt eine Kultur? Sind sie nicht vielfach kleinkarierte und eine menschenunwürdige Haltung, die sogar nach Leib und kleinbürgerliche Egoisten, die mit ihrem schmalen Blickwinkel Leben des ändern trachtet. und der engstirnigen Haltung einer Ideologie nachrennen, die Ich frage mich allen Ernstes, wie solche Abneigung von sich nur um sie selbst dreht? Sie nehmen nicht Teil am öffent- Schweizern und Schweizerinnen dem heimat- und mittellosen lichen Leben und bringen keine Energie auf für ein soziales Menschen gegenüber möglich ist. Einerseits schwelgen viele Wertsystem. Sie sind arm an Lebensqualitäten, weil sie nie ge- von uns in einem überschwenglichen Konsumrausch, ander- lernt haben, Verantwortung zu übernehmen. seits haben wir Angst, die Flüchtlinge könnten uns den Reich- Eine Kultur, die die Pflege des Menschen, seine Bildung - im tum schmälern. Es ist, als ob der Wohlstand bei einem Teil des Gegensatz zur blossen Ausbildung auf Arbeitsleistung - aner- Volkes zu einer Entsolidarisierung führen würde. Wir verges- kennt, eine Kultur, die die Pflege des Umgangs der Menschen sen, dass vor hundert Jahren unsere Vorfahren - meist aus untereinander, die Pflege des Rechts, des Sports, des Spiels, ökonomischen Gründen -die Schweiz verlassen haben, um in der Sprache - kurz: die Pflege der sinnvollen Freizeitbetäti- Uebersee, in Australien oder Kanada, eine bessere Zukunft zu gung - fördert, tut dringend not. finden. Zwischen 1824 und 1960 emigrierten 61 Millionen Eu- Kultur ist ein dauerndes und unablässiges Bemühen der men- ropäer nach Uebersee. Sie alle waren in unserem Fachjargon schlichen Gesellschaft, das Dasein des Menschen zu deuten, Wirtschaftsflüchtlinge. Soviel mir bekannt ist, hat damals die dem menschlichen Leben in seinem Werden und Vergehen Schweiz das Auswandern durch Prämienzahlungen sogar ge- eine Richtung und einen Sinn zu geben. Rechtsextremisten fördert, um damit dem verbleibenden Volk hier eine Existenz leiden unter Sinnlosigkeit, Unerfülltsein und Frustration. Sie zu sichern. sind nicht nur Fremden gegenüber extrem. Statt ihnen auch Wir tun heute, als ob wir das einzige Land auf der Welt wären, mit Gewalt zu begegnen, müssen wir vermehrt versuchen, sie das Flüchtlinge zu beherbergen hat, und vergessen, dass die anzusprechen. Wir haben diese Kreise zu lange nicht oder zu- grössten Flüchtlingsströme heute vor allem in Süd-Süd-Rich- wenig ernst genommen und uns bloss auf die Veränderer der tung verlaufen. Neun von zehn Flüchtlingen aus Entwick- Gesellschaft von links konzentriert. Wir müssen diese Rechts- lungsländern bleiben auch dort. Kein Staat, ob Flucht- oder extremistenkreise mit aller Deutlichkeit angehen. Gastland, bleibt heute von der weltweiten Flüchtlingsproble- Da die Schweiz vom Faschismus und vom Neonazismus ver- matik verschont. Wir müssen uns bewusst werden, dass es schont blieb, besteht ein grosses Bedürfnis nach Grundlagen- sich dabei nicht einfach um eine Krise der Dritten Welt handelt, arbeit. Wir müssen ganz effiziente Nachholarbeit leisten, um sondern um ein Weltordnungsproblem, das nur durch interna- die Ursachen des Rassismus zu ergründen. Nur so wird es tionale Anstrengungen angemessen gelöst werden kann. möglich sein, in allen Klassen und Schichten wieder eine hö- Denken wir nur an die Volksbewegungen in den vergangenen here Achtung vor dem Menschenleben zu erzielen und zu er- zwei Monaten in unsern osteuropäischen Nachbarländern. wirken. Durch unsern Tourismus haben wir armen Völkern den Ein- druck gegeben, dass unsere Schweiz ein paradiesisches, al- Frau Grendelmeier: Wir schätzen es, dass eine erste Diskus- les möglich machendes Land ist. Trotz Massentourismus in sion bereits heute zu einem Thema, zu dem ich bereits im alle Länder hat sich der Horizont nicht bei allen Reisenden er- Sommer einen Bericht verlangt habe, stattfinden kann. So weitert. Wir glauben zwar, die ganze Welt zu sehen, wenn wir können wir uns bewusst werden, dass es nicht mehr reicht, aus dem Fenster schauen. Wir haben die Tendenz, die Auslän- weiterhin so intensiv wegzuschauen, wie das bisher gesche- der als Arbeitnehmer von ungeliebten Arbeiten zu schätzen. hen ist. Als Menschen bleiben sie uns aber fremd. Die Antwort von Herrn Bundesrat Koller auf die Interpellations- In der Schweiz kennen wir leider keine Integrationspolitik, son- fragen konnte zwangsläufig keine umfassende sein. Sie hat dern viel eher eine Politik von Separatismus und Klassen. vor allem punktuell, instrumenteil Massnahmen angekündigt, Trotz Tourismus in alle Welt wissen wir in der Schweiz nicht, mit denen es die extremsten Auswüchse einzudämmen gilt wer unsere Flüchtlinge sind. Wir interessieren uns nicht für ihre und mit denen man diese-so hoffe ich mindestens-auch ein- Herkunft, ihre Kultur, ihre Religion, die klimatischen Bedingun- dämmen kann. gen in ihrem Heimatland. Das ist aber noch keine grundsätzliche Auseinandersetzung Letzte Woche habe ich in Gesprächen mit Jugendlichen, mit mit einem Phänomen, das wir in Europa nach der unendlichen Schweizer Bürgern, wiederholt hören müssen, dass die Katastrophe des Zweiten Weltkrieges für endgültig erledigt ge- Flüchtlinge bei uns in der Schweiz unverschämte Forderun- halten haben. Ich finde es tragisch, dass ausgerechnet 50 gen stellen würden, z. B. Forderungen nach Schuhen, Klei- Jahre nach dem Zusammenbruch Europas durch den Fa- dern, Betten und Wohnungen, alles Utensilien, die sie zu schismus dieses Gespenst wieder auflebt. Hause auch nicht hätten. Viele von uns Schweizern haben Worum muss es gehen, wenn wir den ausführlichen Bericht keine Ahnung, dass auf der Insel Sri Lanka z. B. praktisch das haben und aufgrund von zusammengetragenen Untersu- ganze Jahr 30 Grad Wärme herrscht und dass dort Schuhe tat- chungen diskutieren können? Es geht in diesem Parlament sächlich nicht nötig sind. doch zuerst einmal um eine ungeschminkte Wahrnehmung Aufklärung über Herkunft und Eigenart der Flüchtlinge durch des Neofaschismus, des Rechtsextremismus. Es hat keinen Bund und Kantone sind dringend notwendig. Wir haben ver- Sinn, wenn wir uns zu sehr in Wortklauberei vertun. säumt, unserem Schweizervolk die Gäste aus den Flüchtlings- Was wir zurzeit an Gewalttätigkeiten erleben, so fürchte ich, ist staaten vorzustellen. Nur so kann ich mir erklären, weshalb die nur die Spitze des Eisberges. Es handelt sich um die direkten Bundesdeutschen ihren ostdeutschen Flüchtlingen mit Offen- und fassbaren Gewalttätigkeiten. Es ist von den Vorrednern in heit und Herzlichkeit begegnen. Sie wissen, wer jene sind, die der einen oder anderen Art gesagt worden, Rechtsextremis- Interpellation urgente du groupe socialiste 2142 N 13 décembre 1989

mus oder Faschismus sei Ausdruck eines offenbar tiefsitzen- etwas: Faschismus kann und darf nicht die Antwort auf alle den Unbehagens. Dieses Unbehagen gilt es zu ergründen, diese Fragen sein. Wohin erführt, das wissen wir zur Genüge. wenn wir eine zweite faschistische Katastrophe abwenden Was wir hier, vor allem in diesem Saal, tun können, ist: die Ver- wollen. antwortung wahrnehmen, die ein Parlament wahrnehmen Da sich seit der Einreichung meines Postulates die Ereignisse muss.. Wir müssen das Gespräch, das Einzelgespräch mit ver- überstürzt haben und ich immer mehr und immer neu gezwun- ängstigten Bürgern suchen, um ihnen die Zusammenhänge gen bin, über mögliche Ursachen nachzudenken, bitte ich klarzumachen: beispielsweise den Zusammenhang, dass Herrn Bundesrat Koller, folgende Fragen in diesem Bericht, hohe Mietzinse und Spekulation nichts mit Flüchtlingen zu tun der bestimmt noch nicht fertig ist, miteinzubeziehen: haben und dass man infolgedessen die Frage auch nicht auf Da ist z. B. die Frage, warum ausgerechnet die ganz jungen dem Buckel der Flüchtlinge lösen kann. Leute involviert sind. Warum sind es die Jahrgänge der sieb- Was mir ganz klar ist: Was wir heute tun müssen, das ist, den ziger Jahre? Warum sind diese so anfällig für solche Bewegun- Anfängen zu wehren - den Anfängen einer Entwicklung, für gen? Dabei haben wir gegenteilige Verhältnisse, wie sie vor die ich keine Verantwortung übernehmen möchte. fünfzig oder sechzig Jahren herrschten. Damals bestand ma- terielle Not- heute haben wir Ueberfluss. Heute leben wir in ei- M. Spielmann: Ce problème est important, central. En juin nem Wohlstand, der möglicherweise diesen Jugendlichen 1988, j'étais intervenu à cette tribune pour questionner Mme sehr viel Materielles bietet und sehr wenig an Immateriellem, Kopp concernant les signes inquiétants de montée du ra- an Ideellem - ein Wohlstand, der auch Langeweile erzeugt, ei- cisme dans notre pays. A cette époque déjà, on avait attaqué nen Mangel an echten Herausforderungen spüren lässt. Alles des camps de réfugiés avec violence. A cette époque déjà, on das sind Fragen. Zudem muss man sich auch fragen, ob es avait vu certains signes de racisme monter, ce qui m'avait in- nicht einfach historisch bedingt ist: Für diese jungen, zwanzig- cité à poser la question suivante au Conseil fédéral: ne consi- jährigen Leute ist Hitler möglicherweise, was für uns Napoleon dère-t-il pas urgent et nécessaire d'entreprendre une vaste oder eine andere geschichtliche Grosse war. Das heisst, es campagne contre l'intolérance, le racisme et la violence et de sträuben sich ihnen nicht automatisch die Nackenhärchen, prendre des mesures contre les responsables? Il m'avait été wie das den meisten von uns in diesem Saale noch geschieht, répondu qu'il s'agissait de problèmes mineurs et que le Con- wenn man abschätzige Witze hört, wie man sie seinerzeit über seil fédéral n'était pas d'avis de prendre des mesures et de se die Juden gehört hat und wie sie nun im alten Aufguss wieder- lancer dans une campagne d'information. Il m'avait été aussi kommen, nur dass es diesmal Tamilen, Türken oder andere répondu que le Conseil fédéral avait préparé une ratification Nicht-Nordeuropäer betrifft. de la Convention de l'ONU et qu'il allait la concrétiser très rapi- Eine weitere Frage lautet, warum eine solche Abwehr gegen dement l'année prochaine à la consultation. Je rappelle que das Andersartige herrscht, warum es uns dermassen ängstigt, ' c'était en 1988. Tout à l'heure, j'ai entendu la même réponse: wenn uns Leute mit dunkler Hautfarbe begegnen; warum on était prêt et on allait, si j'ai bien compris, l'année prochaine, Flüchtlinge von uns eingeteilt werden in echte und in soge- lancer la procédure de consultation. J'espère simplement que nannte unechte, also in Wirtschaftsflüchtlinge. Ist es vielleicht les années ne passeront pas et que l'on ne nous donnera ici denkbar, dass wir das, was wir hier zum höchsten Ziel unseres les mêmes réponses. Je ne voudrais pas revenir sur les postu- Daseins erhoben haben - Geld zu verdienen, Wohlstand zu er- lats qui ont déjà été déposés à ce sujet. werben -, diesen Leuten nicht gönnen? Dass wir nicht wollen, Le problème de fond est celui-ci: il s'agit d'intervenir et de dass diese Menschen die gleichen Ziele, sogar egoistische réprimer des actes contraires à l'éthique de l'humanité et de Ziele wie wir verfolgen? condamner le racisme. Il ne s'agit pas là de l'expression d'une Vielleicht müsste auch die Frage nach der Rolle des Touris- opinion, mais d'un délit. Il faut surtout prendre des mesures mus - und was er angerichtet hat - gestellt werden. Wenn Sie préventives, discuter et établir un climat de discussions et de in einem südlichen Land in einem Luxushotel einen Whisky débats permettant d'isoler totalement ceux qui préconisent le oder Tee bestellen und dafür ebensoviel bezahlen, wie dort racisme et des actes contraires à l'éthique de l'humanité. der Kellner in einer ganzen Woche verdient, dürfen wir uns A ce niveau-là, je peux dire qu'il est important - c'est aussi le doch nicht darüber wundern, wenn uns diese Leute hier «be- rôle du Parlement - de faire le front le plus large possible suchen» kommen, wenn sie eine ganz falsche Vorstellung un- contre le racisme. Pour ce faire, il est inutile de se jeter seres Wohlstandes haben und genau das machen, was wir ih- l'anathème verbal les uns les autres, en fonction de ses sensi- nen vorleben. Sie imitieren uns und benützen unsere Instru- bilités politiques, en fonction de ses intérêts. Pour cela, il faut mente - in diesem Fall ist es das Flugzeug - und kommen her, faire attention à ne pas entrer en matière dans un tel débat qui und dann wollen wir von der Wirkung dieses Vorbilds nichts rendrait service à ceux qui, précisément, par le biais de ces ac- mehr wissen. tes, tentent de déstabiliser notre société. Ist es aber auch denkbar, dass wir alle durch Veränderungen Jene voudrais pas non plus laisser passer ceux qui font l'amal- verunsichert sind, die in unserer eigenen Ersten Welt stattfin- game entre les idées racistes et les politiques dites «extrémis- den? Denken Sie an die EG : Das geht so rasant, dass wir kaum tes». Que l'on comprenne bien que je suis contre les poseurs mit Denken nachkommen - ganz besonders wir Schweizer. de bombes, contre ceux qui utilisent la violence, de quelque Denken Sie vor allem auch an die sehr verunsichernden, wenn bord qu'ils soient et quelle que soit leur justification politique. auch erfreulichen rasantesten Veränderungen in Osteuropa. Il s'agit d'abord de savoir où placer la barre de l'extrémisme et Ist es vielleicht denkbar, dass der Flüchtlingsstrom überhaupt je me sens souvent particulièrement visé, notamment par erst begonnen hat? Dass es sich vielleicht nicht einfach um ei- l'intervention antérieure de M. Eggly. Il est bien clair que si l'on nen Flüchtlingsstrom handelt mit guten, d. h. «echten», und met en cause un système, si l'on fait des critiques - on l'a vu schlechten Wirtschaftsflüchtlingen, sondern dass wir eine dans le cas du rapport qui vient d'être discuté dans ce conseil echte Völkerwanderung haben werden, deren Beginn wir zur- - il y a un certain nombre d'éléments à changer. Il y a des for- zeit miterleben, und dass wir auf eine solche Migration nicht mes de violence qui peuvent être particulièrement propres vorbereitet sind? Das verängstigt vor allem uns in der Ersten pour notre pays, mais avoir des conséquences désastreuses Welt. Denn wir wollen ja unter uns bleiben und die Ferien in dans le tiers monde. Il faut donc modifier et transformer notre den ändern Ländern geniessen, und zwar in allem Luxus, den société, ce que je fais à chaque occasion, et mon parti l'a fait die Erste Welt zu bieten hat. Ist es schliesslich denkbar, dass en respectant à chaque occasion la démocratie dans notre wir insgesamt über die Rolle des Kolonialismus nachdenken pays, non seulement verbalement, mais aussi par les actes. müssen, der vor Hunderten von Jahren begonnen hat, und Nous n'avons jamais pratiqué de discrimination à l'égard de dass wir nun dessen späte Rechnung bezahlen müssen, ob quiconque, et il est bien loin de notre esprit de le faire. wir es wollen oder nicht? Je voudrais aussi dire qu'il est dangereux de faire cet amal- Es sind alles Fragen, die ich hier aufwerte, und ich hoffe, dass game et que le problème qui est posé à notre collectivité au- diese Fragen in den ausführlichen Bericht von Herrn Bundes- jourd'hui, c'est d'avoir la force de faire le front le plus large pos- rat Koller miteinbezogen werden. sible contre les idées du racisme, contre ceux qui, par des ac- Ich gebe Ihnen gerne zu, ich habe keine Antwort, ich weiss nur tes contraires à l'éthique de l'humanité, tentent d'introduire 13. Dezember 1989 N 2143 Dringliche Interpellation der sozialdemokratischen Fraktion

une période qui, hélas, a déjà trop duré. Il a été rappelé tout à Wer macht vermummt sogenannte Wohnungsnot-Demonstra- l'heure que depuis cinquante ans, on va, mois par mois, fêter tionen durch die Stadt Zürich, mit Sachbeschädigungen und ces événements. Les émissions de télévision et le rappel des verletzten Polizisten im Gefolge? Rechtsextreme? actes de la dernière guerre devraient, pour le moins, nous per- Welche Parteien gewähren diesen linken Chaoten diskret oder mettre de nous mettre d'accord sur un point: il s'agit d'isoler le offen politische Deckung? Sind das die Rechtsextremen? racisme, d'isoler ceux qui le prônent et de tenter par tous les Welche Partei hat in Zürich einen gerichtsnotorischen Lügner moyens de le combattre. Cela ne se fera pas seulement par la in Amtsgeschäften im Stadtrat? Rechtsextreme? répression, mais aussi par une culture politique et par une cul- Wer gibt in Bern dem Zaffaraya und den Reitschulchaoten poli- ture de discussions contradictoires permettant d'isoler ceux tische Deckung? Sind das Rechtsextreme? qui se prennent à de tels actes. Welche Parteien bekämpfen Vermummungsverbote? Rechts- extreme? Dreher: Zuerst äussere ich mich im Sinne einer persönlichen Welche Parteien gewähren der Drogenkriminalität z. B., auf Erklärung, überdies auch im Namen meines Kollegen Jürg dem Spritzplatz Platzspitz in Zürich und auf der Berner Kleinen Scherrer: Der Inhalt des Postulats Grendelmeier, welches eine Schanze politischen Schutz? Rechtsextreme? Untersuchung über rechtsextreme Umtriebe in der Schweiz Welche Parteien haben es noch nie für nötig befunden, sich verlangt, war in der Oeffentlichkeit durch die Associated Press von den linken Chaoten und ihren Saubannerzügen zu distan- verbreitet worden. Am Schluss der Meldung wurde geschrie- zieren? ben, Vertreter aller Parteien hätten das Postulat unterzeichnet, Ich warte noch heute auf eine solche Distanzierung z. B. der ausser jenen der Nationalen Aktion und der Autopartei. Dazu Grünen Partei Zürichs. Sie erfolgt nicht. halte ich fest: Weder Kollege Scherrer noch ich wurden von Und welche Parteien haben diese erwähnten Sachbeschädi- der Postulantin zur Unterzeichnung des Postulats eingeladen. gungen noch nie verurteilt? Die Rechtsextremen? Ich gebe Ich bin erstmals von Herrn Dr. Paul Ehinger, Chefredaktor des keine Antwort, Sie sind intelligent genug, um alles zu erken- «Zofinger Tagblatts», auf die Existenz dieses Vorstosses auf- nen. (Unruhe) merksam gemacht worden, nachdem er die Meldung der As- Diese pogromartigen Zustände, die wir in einigen Teilen der sociated Press gelesen hatte. Herrn Kollegen Dr. Kurt Müller Schweiz haben, sind eine Folge der bankrotten bundesrätli- danke ich für die prompte Darstellung der richtigen Sachlage chen Asylpolitik. Das müssen wir einmal klar festhalten. anhand der Fakten in der «NZZ». So wie die Dinge liegen, er- Am 5. April 1987 haben 65 Prozent des Schweizervolkes die übrigt sich nun das Nachdenken über die Frage, ob wir dieses Zustimmung zu einer Aenderung des Asylgesetzes gegeben. Postulat aus dem linken politischen Abseits im konkreten Fall Das heisst mit anderen Worten: Man wollte eine andere Asy- überhaupt unterzeichnet hätten. lantenpraxis, eine andere Einwanderungspraxis. Was ist ge- Ein Mitglied des Rates hat also versucht, vorsätzlich und ge- schehen? Das Gesetz tritt in Kraft, und wir haben eine Verdop- gen besseres Wissen einen falschen Sachverhalt über die pelung der Asylantenzugänge! Das Volk will eine andere Asyl- Schweizer Autopartei und ihre beiden Exponenten zu verbrei- politik, und die erhalten wir nicht. Wir bekommen dafür den ten, indem diese, zumindest indirekt, der Sympathie oder der Vorschlag, ein Bundesamt für Flüchtlingswesen zu schaffen. wohlwollenden Duldung der rechten Chaotenszene bezichtigt Das ist offenbar eine schweizerische Art der Lösung. werden. Das Vorgehen der Postulantin war nicht zufällig. Sie Was ist in Nidau passiert, um einmal den Vorwurf auszuräu- hat auch gegenüber dem Präsidenten des Schweizerischen men, es sei Rassismus gewesen? Da sollte eine Asylantenun- Israelitischen Gemeindebundes SIG, Herrn Michael Kohn, mit terkunft gebaut werden. Die Schweizer Autopartei hat das Re- Bezug auf ihr Postulat erklärt, man müsse ja nur schauen, wel- ferendum ergriffen, und das Referendum wurde vom Volk che Parteien ihren Vorstoss nicht unterschrieben hätten. Dies überzeugend gutgeheissen. Das heisst: Die Asylantenunter- erklärte mir Herr Kohn anlässlich eines Treffens am 13. No- kunft darf nicht gebaut werden. Das sind doch Demonstratio- vember 1989. Die Absicht der Postulantin war also klar und nen der Mehrheit, an denen wir nicht vorbeikommen. Dann kann nicht mit Ausflüchten oder einer persönlichen Erklärung, schreibt ein Herr Urs Frey, Zeitungsschreiber aus Epsach, in die ja sicher folgen wird, beschönigt werden. Ich habe heute der Zeitung «Biel/Bienne», die Nidauer, die das abgelehnt hät- morgen mit Herrn Kohn telefoniert, um mich zu vergewissern, ten, seien Rassisten. Dann besteht also die Mehrheit des Vol- dass meinerseits kein Hörfehler vorgelegen hat, und er hat mir kes aus Rassisten? Eine andere Interpretation wäre nicht zu- den Sachverhalt bestätigt. Mich beeindruckt die Liste der Un- lässig. terzeichner nicht, da die meisten namhaften Ratskollegen der Auf der anderen Seite sind wir äusserst restriktiv gegenüber ar- freiheitlichen Parteien darauf ebenfalls nicht aufgeführt sind. beitswilligen Europäern, gegenüber Italienern, Spaniern, Aber wir haben es nicht nötig, uns von einer Vertreterin des lin- Deutschen, die hier arbeiten wollen. ken Flügels dieses Rates in hinterhältiger und niederträchtiger Wenn der Bundesrat seiner Sache in der Asylpolitik so sicher Weise in die rechte Ecke drängen zu lassen. Soweit meine per- ist, dann soll er die Voraussetzungen für eine Volksabstim- sönliche Erklärung. mung schaffen und sich das Ja des Volkes zur gegenwärtigen Zur Interpellation führe ich folgendes aus, und ich beschränke Asylpolitik geben lassen. Dann haben wir klare Verhältnisse. mich praktisch auf Fragen: Wer sprengt eigentlich Hochlei- Etwas anderes ist nicht möglich. tungsmasten, die der Stromversorgung dienen? Sind das Rechtsextremisten? Persönliche Erklärung - Déclaration personnelle Wer hat den Informationspavillon in Kaiseraugst angezündet? Waren das Rechtsextremisten? Frau Grendelmeier: Ich begreife, dass sich Herr Dreher über Wer hat das Ferienhaus von Nagra-Präsident Rometsch in die Tatsache aufgehalten hat, dass in der Presse stand, ausser Brand gesteckt? Rechtsextremisten? der Autopartei und der NA hätten alle Parteien unterschrieben. Wer hat an Weihnachten 1988 auf dem Gelände der Garage So gesagt ist das falsch. Es trifft zu, dass ich natürlich nicht zu- Emil Frey Zürich-Nord einen Grossbrand stiften wollen, der erst in diesem Lager versuche, Unterschriften zu bekommen, nur knapp verhindert werden konnte? Rechtsextremisten? und dass ich diese Unterschriften auch gar nicht brauche. Welcher Parteipräsident war bei den Zürcher Unruhen 1980 an Aber es war nicht eine Diskriminierung im Sinne von Herrn der Spitze der Demonstranten zu finden? Ein Rechtsextre- Dreher. Ich glaube, nach dem, was er heute gesagt hat, hätte mist? er wohl kaum einem «linksextremen» Postulat die Unterschrift Wer zündet in der Stadt Zürich am Laufmeter Baubaracken gegeben, das von mehr als der Hälfte dieses Rates unterzeich- an? Sind das Rechtsextremisten? net worden ist. Wer beschädigte in Zürich-Albisrieden 1988 Hunderte von par- kierten Autos, hat Pneus durchstochen, Scheiben eingeschla- Brügger: Mit dem tragischen Ereignis in der düsteren Novem- gen? Nicht an Bonzenautos, sondern den fahrbaren Untersät- bernacht vor nun bald drei Wochen sind auch wir Freiburger zen kleiner Leute, die viele hundert Franken Schaden selbst zu um eine Illusion ärmer geworden: um die Illusion zu glauben, tragen haben, weil nicht versicherbar! Waren das Rechtsex- dass fremdenfeindliche Verhaltensweisen einzelner Bürger treme? bei uns nicht zu jenen Grobheiten und Auswüchsen führen Interpellation urgente du groupe socialiste 2144 N 13 décembre 1989

würden, wie sie in jüngster Vergangenheit andernorts mehr Minderheiten - hatten unter jedem Extremismus zu leiden und in Erscheinung getreten sind. Der Tod des Kurden Yildirim werden weiterhin darunter zu leiden haben. mitten in der Stadt hat unserer Bevölkerung auf brutale Art Gerade als Freisinniger - die Toleranz gehört zu unserer tief- und Weise eine schmerzliche und angstvolle Erkenntnis auf- sten Grundüberzeugung - verurteile ich die Ereignisse, die zu gezwungen: Die Erkenntnis, dass Fremdenfeindlichkeit auch dieser Debatte geführt haben. Wer aber nach altbekanntem bei uns zu einem wuchernden Krebsgeschwür werden kann, Muster die Schuld an solchen Ereignissen den Betroffenen in wenn gegen diese Erscheinungen nicht rasch und mit Be- die Schuhe schiebt, ist ebenso zu verurteilen wie derjenige, stimmtheit wirksame Massnahmen ergriffen werden. Was sich welcher Schönfärberei betreibt; aber auch derjenige, welcher in Zug, in Schaffhausen, in Chur, in Freiburg zugetragen aus solchen schrecklichen Ereignissen parteipolitischen Nut- hat, kann sich schon morgen anderswo wiederholen. Gewiss zen ziehen will, geht einen gefährlichen Weg. Wir alle sind per- sind Massnahmen auf verschiedenen Stufen zu treffen; denn sönlich aufgerufen, auf allen politischen Stufen gegen extreme Fremdenfeindlichkeit ist ein vielfach vernetztes Problem, des- Aktivitäten einzuschreiten, die nötigen gesetzlichen Massnah- sen Lösung nicht so einfach zu finden ist. men, wie z. B. die Unter-Strafe-Stellung von rassischer Diskri- Ich bin mir bewusst, dass es schon ganz unten beginnt, in minierung, zu erlassen; aber - und das scheint mir das Ent- der Erziehung, in der Familie, in der Schule. Aber das ge- scheidende -jeder von uns, jeder Bürger dieses Landes muss nügt bei weitem nicht, und die Anstrengungen auf dieser sich auch an seinem Ort, mit seinen Mitteln, in seiner Verant- Ebene sind bald einmal vergebliche Mühe, wenn nicht paral- wortung und durch eigenes Verhalten für Verständnis und To- lel dazu auch staatliche Instanzen, die politischen Behörden leranz allen Menschen gegenüber einsetzen, aktiv gegen jede auf Kantons- und Bundesstufe, sich der Ernsthaftigkeit des noch so geringe Diskriminierung auftreten und seine persön- Problems bewusst werden. So war ich erschüttert und be- liche Verantwortung wahrnehmen. Dass Sie diese Botschaft sorgt zugleich zu sehen, wie im konkreten Fall des Kurden heraustragen helfen und vorleben, dafür danke ich Ihnen al- Yildirim die Polizei und auch der Untersuchungsrichter durch len. voreilige und einseitige Stellungnahmen und Verlautbarun- gen zur kaum begonnenen Untersuchung den Vorfall zu Mme Pitteloud: Lorsque nous avons discuté au printemps bagatellisieren versuchten. Es sei eine gewöhnliche Schläge- 1988 de la sixième initiative de l'Action nationale, nous avons rei mit bedauerlichem Ausgang gewesen, Fremdenhass sei dit à cette tribune que nous étions surpris de l'attitude du Con- überhaupt nicht im Spiel gewesen, Provokationen seien von seil fédéral et de la majorité, car nous avions l'impression que beiden Seiten ausgegangen, die Kurden hätten eine Milieu- l'on minimisait largement les problèmes posés par l'immigra- dame belästigt usw. Diese plumpe Beschwichtigungstaktik tion. On laissait entendre que la politique actuelle ou passée der Ermittlungsbehörde und des Untersuchungsrichters, était satisfaisante, avait fait ses preuves et, à cette époque diese durchsichtige Absicht, einen offensichtlichen Tatbe- déjà, nous avions affirmé qu'en réalité il n'y avait à nos yeux stand totzuschweigen, musste zu Emotionen führen. MUSS pas de politique d'intégration conséquente aux différents es dann noch erstaunen, wenn dieses Fehlverhalten zu bissi- échelons de nos institutions et qu'au contraire, malgré l'exis- gen Kommentaren in der Tagespresse führten, mit denen tence de nombreux documents en provenance, notamment hüben wie drüben Empörung und Entrüstung nur noch ange- de la Commission fédérale pour les étrangers, préconisant heizt wurden? des mesures d'intégration possible dans différents domaines, Voreilige Interpretationen und einseitige Schlussfolgerungen bien peu avait été fait jusqu'ici. On se demanda où restait alors der untersuchenden Instanzen können zu Ungerechtigkeiten cette vigilance démocratique qui, à notre avis, doit s'exercer führen, die eine objektive Tatbestandesaufnahme verun- avant que le pire ne se passe. Nous avions aussi relevé que möglichen. Sie tragen dazu bei, dass das Vertrauen der l'attitude de beaucoup de représentants de nos autorités avait Bürger in die Ermittlungsarbeit von Polizei und Untersu- été et reste très ambiguë sur le sujet des étrangers et des réfu- chungsrichtern verlorengeht. Dann ist es kaum verwunder- giés, sujette à confusion. lich, wenn eine verunsicherte Bevölkerung in zwei deutlich Bien sûr, les ténors des partis bourgeois montent aux barrica- voneinander getrennte Lager geteilt wird und eine gefährliche des pour défendre les étrangers lors des votations sur les ini- Polarisierung die Folge ist. Dann wächst gegenseitiges Miss- tiatives xénophobes, car il s'agit alors de défendre les intérêts trauen. Angst und Empörung machen sich breit. Und plötz- de l'économie. Mais ces échéances passées, ils distillent trop lich realisieren viele Menschen verbittert, dass sich eine läh- souvent un discours fait d'amalgames, de schémas simplifica- mende Ohnmacht breitmacht, die gerechte Lösungen men- teurs où il est question de fraudeurs, de profiteurs, de migra- schlicher Probleme verunmöglicht. Behördliche Instanzen tions incontrôlées et de mesures de dissuasion, en oubliant, müssen in solchen heiklen Fällen bei ihren Verlautbarungen bien évidemment, de relever les responsabilités qui sont wahrhaftig mehr Objektivität und Sorgfalt an den Tag legen. celles de la Suisse en matière de migrations. On a même vu Vor allem dürfen damit nicht unangenehme Gesellschaftspro- dans mon canton un conseiller d'Etat nommer responsable de bleme fahrlässig verdrängt werden. l'Office cantonal des étrangers un raciste notoire, ce qui est Aber auch auf Bundesebene - so will mir scheinen - ist eine bien représentatif de l'état d'esprit de certaines de nos auto- eigenartige Verniedlichung des Phänomens zu beobachten. rités, comme le relevait M. Rechsteiner. Wie kommt es dazu, dass seit nun bald acht Jahren von ei- On feint d'ignorer aussi que, dans le département que dirige ner Ratifizierung eines Abkommens gegen Rassendiskrimi- aujourd'hui M. Koller, cette terminologie négative a été en nierung die Rede ist? usage ces dernières années, avec tous les dangers que cela Von selten des Bundesrates wird während Jahren verspro- comporte, car il ne faut pas jouer avec le feu en matière de ra- chen, deklamiert, erklärt und weiter verschoben, bis es zu cisme et de haine de l'étranger. spät ist. MUSS es denn immer zuerst zum verheerenden Brand- Je dois dire que M. Koller, conseiller fédéral - il l'a dit lui-même ausbruch kommen? Warum muss zuerst etwas passieren, - n'a jamais cédé à la tentation d'utiliser cette terminologie bevor gehandelt wird? Die Zeit der besinnlichen Analyse ist négative et je crois qu'il faut l'en remercier mais il faut lui dire vorbei, nun müssen auf Bundesebene Taten folgen. Auch ich qu'il porte une responsabilité très lourde pour le futur et le Par- erwarte vom Bundesrat entschiedenes Handeln und ver- lement aussi, puisque nous attendons maintenant des actes. lange, dass nun in erster Dringlichkeit rassendiskriminatori- Nous attendons une loi qui réprime les actes racistes, l'incita- sche Strafnormen dem Parlament zur Diskussion vorgelegt tion au racisme; nous attendons la ratification de la conven- werden. Wir können nicht mehr zuschauen. Die Ereignisse tion, mais nous attendons aussi la réponse du Conseil fédéral der jüngsten Vergangenheit zwingen uns zum Handeln, ob au postulat Rechsteiner qui devrait faire le point en matière wir es wollen oder nicht. d'intégration de la population étrangère en Suisse, mais qui devrait surtout déboucher sur des actes concrets, qui soient Loeb: Extremismus, aus welcher weltanschaulichen oder compris de tous. politischen Richtung er auch kommt, führt zu extremen, un- Je crois que le racisme est toujours un déficit d'intégration. haltbaren, zu intoleranten Verhältnissen. Minderheiten - das Déficit d'intégration des immigrés sans doute qui ne se résout zeigt die Weltgeschichte, und unser Land besteht aus lauter pas à coup de mesures simplistes ou fallacieuses, telles que 13. Dezember 1989 N 2145 Dringliche Interpellation der sozialdemokratischen Fraktion

l'ont fait les autorités françaises en autorisant le port des fou- bend gern wieder der Gemeindebehörde zugeschoben ha- lards à l'école, mais déficit d'intégration aussi de nombreux ben. citoyens suisses. On l'a dit, ce sont des citoyens de conditions Gescheiter wäre es, das Vorliegen der Probleme zu akzeptie- défavorisées, qui ne sont pas intégrés dans leur propre patrie, ren und an der Erarbeitung von Lösungen mitzuwirken. Wir qui se sentent les laissés pour compte de la société suisse et können beispielsweise das Kurdenproblem nicht in der qui sont à la recherche de boucs émissaires sur qui déchar- Schweiz lösen. Wir können nur den individuell Gefährdeten ger leurs sentiments d'injustice et de frustration. On ne peut Asyl gewähren. Das ist vermutlich die Lösung unseres Asylge- pas ignorer que ce sont ces catégories-là qui sont le plus tou- setzes. chées par les difficultés que posent inévitablement les rela- Wir unterstützen die Polizei bei der Bekämpfung rechtswidri- tions interculturelles. Ce sont eux qui cohabitent dans les loge- ger, ausländerfeindlicher Aktionen. Wir bekämpfen aber auch ments, les écoles et sur les lieux de travail avec les étrangers rechtswidrige Aktionen zugunsten abgewiesener Asylgesuch- et non les milieux aisés que l'argent met à l'abri de ces fric- steller oder die Aufhetzung von Gesuchstellern für Demonstra- tions quotidiennes. tionen und andere mehr oder weniger gewaltfreie Aktionen. Je crois qu'il faut y penser, Monsieur Eggly, lorsqu'on vote Wer aber, wie Sie, Herr Rechsteiner, Angriffe in einer undiffe- dans ce Parlement des crédits de politique sociale, lorsqu'on renzierten, ja beleidigenden Art und Weise ausübt, wird kaum parle de mesures en faveur des rentiers AVS, Al, des familles je einen entscheidenden Beitrag zur Lösung anstehender Pro- monoparentales ou des familles du quart monde. Je crois bleme leisten. Wir bedauern zusätzlich, dass Sie, Herr Rech- qu'il faut agir par des actes plutôt que par des discours ron- steiner, ein sehr wichtiges, ungelöstes Problem zu einer partei- flants du type 1 er août où se côtoient la morale et des phrases politischen Auseinandersetzung missbraucht haben. Ent- qui n'engagent à rien. Je pense qu'il est très important que le schuldigen Sie diese deutlichen Worte; aber Sie sind uns Conseil fédéral et le Parlement soient conscients que la lutte nichts schuldig geblieben! Sie haben damit zusätzlich eine contre le racisme passe par une politique sociale consé- Chance vertan, eine echte, sachbezogene Diskussion auszu- quente, qui ne laisse pas se constituer des poches de pau- lösen. Ich bedaure das auch persönlich. vreté et d'exclusion sociale, car elles sont le terreau le plus fertile pour les actes de violence et de terrorisme. C'est aussi Reimann Maximilian: Man kann sich darüber wundern, nach sur ce sujet-là que j'aimerais vous entendre, Monsieur le Con- welchen Regeln unsere Fraktionspräsidentenkonferenz einer seiller fédéral. Interpellation den Kranz der Dringlichkeit verleiht. Vor andert- halb Jahren - um ein Beispiel zu nennen - diskutierten wir hier Wanner: Allen, für die der Rechtsstaat ein entscheidendes auf Antrag der Sozialdemokraten im Dringlichkeitsverfahren Anliegen ist, ist es klar: Die Diskriminierung von Ausländern über die Restrukturierungsmassnahmen der BBC. Viel Negati- oder.die tätlichen Angriffe gegen sie sind strikte abzulehnen. ves, Schwarzgemaltes ging über dieses Mikrophon hinaus ins Entsprechende Verstösse gegen das Recht und den inneren Land. Die Unternehmensleitung wurde massiv kritisiert. Und Frieden sind zu bestrafen. Wir haben bereits im Oktober dar- was haben wir heute? Eine florierende Asea Brown Boveri wie auf hingewiesen, und unsere Partei hat nach den Vorfällen in nie zuvor, den weltweit führenden Elektrokonzern par excel- Steinhausen nachgedoppelt: Für uns gibt es keine politisch zu lence. rechtfertigende Gewalt. Rechtsverletzungen und Gewalt dür- In der Junisession dieses Jahres verlangte die SVP-Fraktion fen nie Mittel des politischen Kampfes sein. Dringlicherklärung einer Interpellation über das Asylwesen, Die FDP hat im September 1989 der Oeffentlichkeit ihre Vor- ein Thema, das heute in breiten Kreisen der Bevölkerung viel schläge für weitere Massnahmen im Bereich der Asylpolitik hitzigen Diskussionsstoff abgibt. Auch aus den Voten mehre- vorgestellt. Das entsprechende Papier enthielt eine Analyse rer Vorredner ist dies heute wieder recht deutlich zum Aus- der damals aktuellen Situation, und es enthielt Vorschläge für druck gekommen. Die Dringlichkeit wurde uns aber nicht ge- weitere Massnahmen. In der Zwischenzeit ist der Bundesrat zu währt. Dabei war schon in jener Interpellation klar aufgezeigt ähnlichen Schlüssen gekommen, und eine Arbeitsgruppe ist worden, wie nachhaltig der Fremdenhass in unserem Lande an der Arbeit. durch die unhaltbaren Zustände beim Vollzug des Asylgeset- Die Sozialdemokraten und die Asylkoordination Schweiz ha- zes geschürt wird. Die Kantone und namentlich viele Gemein- ben auf unsere Vorschläge negativ reagiert. Das ist selbstver- den stehen vor einem effektiven Vollzugskollaps. ständlich ihr gutes Recht. Es wurde gar von Rassismus ge- Ich möchte die in der Interpellation skizzierte Tendenz zu rassi- sprochen. Sie sehen aber daraus, dass man vorsichtig werden stischen Auswüchsen aber keineswegs bagatellisieren. Auch muss, wenn von Rassismus gesprochen wird. Für viele sind ich bin empört über gewisse Vorfälle der jüngsten Zeit in unse- offenbar die ungeschminkte Analyse der heutigen Situation rem Land. Aber ich wehre mich dagegen, dass einmal mehr und die Unterbreitung von Vorschlägen Rassismus. Dieses versucht wird, dieses Thema ins herkömmliche Links-Rechts- Vorgehen ist gefährlich. Wenn die Analyse und die Forderung Bild und namentlich hier ins Rechts-Klischee hineinzupres- nach Vollzugsmassnahmen zur Erfüllung eines vom Souverän sen. Ich wehre mich dagegen, dass Fremdenhass stets mit ausdrücklich gutgeheissenen Asylgesetzes als Rassismus be- Rechtsextremismus gleichgesetzt wird. Und ich bin empört, zeichnet werden, dann verhindert man eine sachliche Diskus- dass die zu zwei Dritteln staatlich finanzierte SRG in vielen ihrer sion über das bedrängende Thema der Asylpolitik. Man tabui- Sendegefässe nicht müde wird, in eigenmächtiger Verzerrung siert die heutigen Missbräuche im Asylwesen. der Dinge in dieses gleiche Hörn zu blasen. Das leidige Tö- Die Etikettierung der heutigen Asylpolitik als Rassismus, wie tungsdelikt in Freiburg diene als typisches Beispiel. Herr Brüg- dies erfolgt ist, ist aber nicht nur politisch verhängnisvoll. Die ger, ich habe da mehr Vertrauen in die Freiburger Untersu- Verweigerung der sachlichen Diskussion über das Thema der chungsbehörden als Sie. An diesem Beispiel wurde offen- Asylpolitik und über die damit abgesegneten Missbräuche im sichtlich wieder einmal am falschen Objekt schwer und unnöti- Asylwesen ist gerade der Nährboden für die ausländerfeindli- gerweise an der Fremdenhass-Spirale gedreht. chen Aktionen. Dieser Nährboden rechtfertigt diese Aktionen Ich appelliere deshalb an alle, die es angeht: Hört endlich auf aber nicht. Es gibt dafür keine Rechtfertigung. Es gibt aber mit der Simplifizierung, Fremdenhass und Rassismus gleich- eine politische Verantwortung, wenn man sich der politischen zusetzen mit rechts oder mit rechtsextrem! Ist denn die alte Diskussion und der Suche nach Lösungen verweigert. Viele Rentnerin eine Rechtsextremistin, wenn sie sich darüber be- Bürger dieses Landes kritisieren zunehmend die nicht weg- klagt, dass ein Asylbewerber offenbar mehr an Staatsgeldern zudiskutierenden Missbräuche im Asylwesen. Heute ist damit kostet, als sie AHV-Rente erhält? Oder ist jener Bauarbeiter ein nicht nur der Delegierte konfrontiert. Alle Kantone und viele Rechtsextremist, der darüber zutiefst empört ist, dass neben Gemeinden unseres Landes haben Schwierigkeiten zu bewäl- ihm auf dem gleichen Bau ein Schwarzarbeiteraus der Türkei tigen, und - Herr Rechsteiner - ich könnte Ihnen aus meinen tätig ist, der keine Steuern und keine Sozialabgaben zu ent- Erfahrungen als Gemeindeammann einiges erzählen. Ich war richten hat? Oder ist jener Landwirt ein Rechtsextremist, der wiederholt enttäuscht darüber, wie viele Leute, die sich an und sich am sonntäglichen Stammtisch - zu Recht oder Unrecht - für sich der Humanität verschrieben haben, sich geweigert ha- mit wüsten Worten darüber beschwert, dass er in seiner Arbeit ben, entsprechend tätig zu werden, und die Verantwortung lie- fast ertrinkt und daneben die Asylanten drei Monate lang auf Interpellation urgente du groupe socialiste 2146 N 13 décembre 1989

der faulen Haut liegen müssen oder liegen können? Oder - racisme nous amène inévitablement à nous demander de um ein letztes Beispiel zu erwähnen, das auch schon Herr quelle façon nous voulons aborder ce problème. Dans ce Couchepin angeführt hat - ist der französische Staatspräsi- débat, nous devons avoir à l'esprit la nécessité de développer dent Mitterrand ein Rechtsextremist, weil er am letzten Sonn- une conscience et une prise de responsabilités à l'échelon tagabend im Fernsehen erklärt hat, seine Regierung werde planétaire. nun unerbittlich gegen illegale Einwanderer vorgehen und sie Cela également est une manière de dépasser la catégorisation unter Beachtung der Gesetze raschmöglichst wieder aus- des êtres humains dans des boîtes, d'espérer que les uns schaffen? Die Unruhe in breiten Kreisen der französischen Be- pourront être sauvés au détriment des autres. Or, sur cette völkerung - so Mitterrand - beruht auf der Flut der illegalen planète, nous ne nous sauverons que tous ensemble. Nous Einwanderung und der damit zusammenhängenden devons porter ce message à l'extérieur de cette salle et dire au Schwarzarbeit. peuple suisse dans quelles conditions vit la majorité de l'hu- Die gleichen Faktoren sind zu einem wesentlichen Teil doch manité. Nous ne tolérerons jamais de telles conditions de vie auch mitverantwortlich für den zunehmenden Fremdenhass in économique, d'environnement, de démocratie et de violation der Schweiz. Wir bieten mit unserer Asylgesetzgebung den des Droits de l'homme. Expliquer ce qui se passe sur la vielen unechten Flüchtlingen de facto paradiesische Zustände planète et faire naître un sentiment d'appartenance commune, an. Gegenüber echten Flüchtlingen - ich verwende nach wie c'est aussi une contribution à la lutte contre le racisme. vor diesen Ausdruck - erhebt sich in der Schweiz kein Rassis- mus. Sorgen wir also dafür, dass auch bei uns möglichst rasch Frau Hafner Ursula: Ich spreche zu Punkt 3 der Interpellation. die echten von den unechten Flüchtlingen unterschieden wer- Ich wende mich dagegen, dass der Bericht über rechtsex- den können. treme Umtriebe in der Schweiz nun auch zu einem Bericht Herr Bundesrat Koller, in der Antwort, die Sie am 25. Septem- über den Linksextremismus werden soll. Wie ein solcher Be- ber auf die Interpellation der SVP-Fraktion abgegeben haben, richt herauskäme, ist unschwer vorauszusehen, nachdem die haben Sie sich ganz klar für eine wesentliche Beschleunigung Bundespolizei vor allem Beobachtungen über linke und grüne des Asylverfahrens sowohl in erster als auch in zweiter Instanz politische Gruppierungen notiert und Umtriebe von Rechtsex- ausgesprochen. Setzen Sie diesen Vorsatz möglichst rasch in tremen kaum wahrgenommen hat. die Tat um! Das wäre das zweckmässigste Mittel zum Abbau Die Bundesanwaltschaft will nun offenbar eine Umfrage bei des aktuellen Fremdenhasses und zur Rückkehr zu einem or- den Kantonen machen und die Antworten zusammen mit ih- dentlichen und gesitteten Verhältnis zwischen Schweizern ren eigenen Erkenntnissen zu einem Bericht verarbeiten. Lei- und Ausländern in unserem Lande. der müssen wir davon ausgehen, dass auch die kantonalen Polizeibehörden alte Bedrohungsbilder pflegen und neue Ge- M. Longet: Je considère qu'on peut observer deux types de fahren nicht erkennen. Dies gilt nicht nur für den Kanton racisme qui s'appuient l'un sur l'autre. D'une part, nous avons Schaffhausen, der heute abend schon wiederholt genannt le racisme comme idéologie et, d'autre part, celui que l'on worden ist und von dem auch ich vor allem reden werde. peut appeler le racisme de terrain ou le racisme vulgaire. Au- In Schaffhausen nennt sich die Neue Front NPS. Folglich jourd'hui, nous avons peu parlé du racisme en tant qu'idéolo- stammt der von der Puk erwähnte Rapport eines kantonalen gie. Il faut rappeler que c'est la théorie de la suprématie des ra- Beamten aus einem ändern Kanton. Darin heisst es zu einer ces, radicalement contraire à tout ce qui fait la quintessence Versammlung der Neuen Front: «Die Anwesenden haben sich de notre culture politique et de nos valeurs communes, à sa- immerhin befriedigt darüber gezeigt, dass wir uns Mühe neh- voir les droits de l'homme. Il ne peut y avoir aucune espèce de men, sie überhaupt anzuhören .... und nicht zuletzt ihnen et- complicité avec ce type de philosophie. Avec le racisme idéo- was Geduld und auch teilweise Verständnis entgegenbrin- logique, nous trouvons aussi le révisionnisme historique gen.» comme moyen particulièrement pervers de la renaissance Ich finde es richtig, dass auch Rechtsextreme angehört wer- d'une excroissance monstrueuse de l'histoire, à savoir l'anti- den. Auch sie haben das Rechtauf freie Meinungsäusserung. sémitisme: c'est le révisionnisme historique qui nourrit au- Auch für sie gilt, dass Freiheit immer auch die Freiheit der An- jourd'hui le retour de l'antisémitisme. dersdenkenden ist. Das Verständnis der Polizei darf jedoch Le racisme que j'appellerai de terrain se fonde sur une double nicht so weit gehen, dass sie Gewalttaten der Rechtsextremen exclusion: l'exclusion des nationaux et celle des étrangers. De duldet und ihre Opfer abwimmelt, wenn sie Strafanzeige ein- cela non plus, nous n'avons pas beaucoup parlé aujourd'hui. reichen wollen. Ce racisme est le fait d'exclus qui cherchent plus exclus Im Oktober dieses Jahres erschien in der «Schaffhauser AZ» qu'eux. Le combat contre le racisme passe évidemment par le ein Interview mit dem Kommandanten der Kantonspolizei. Der Code pénal; on risque de payer cher le temps perdu par le Journalist stellte fest, dass in den letzten vier Jahren in Schaff- Conseil fédéral, six, huit ans, depuis qu'on lui demande de rati- hausen mindestens vierzig Personen von rechtsradikalen An- fier la convention à ce propos. Toutefois, il passe également greifern misshandelt worden sind, und erfragte, wieviele die- par une politique sociale plus efficace et plus solidaire. La lutte ser Angriffe angezeigt worden seien. Ich zitiere die Antwort: contre la pauvreté est un élément essentiel de prévention du «Der Informationsdienst der Kantonspolizei hat mir 14 Anzei- racisme. Lorsque nous apprenons qu'il y a 400 000 pauvres gen seit 1985 gemeldet. In 10 Fällen konnten insgesamt 15 Tä- en Suisse, autant de témoins des lacunes de notre sécurité so- ter ermittelt werden. Die ganze Gewaltserie startete ja mit einer ciale, cela nous indique une priorité absolument essentielle. Kulturveranstaltung im Jahre 1985. Damals wurden drei Ver- Le racisme naît également de l'exclusion des étrangers. Il est letzte von der Stadtpolizei ins Kantonsspital verbracht, von Pri- la conséquence du refus d'une réflexion sur l'intégration, vaten weitere drei Personen. Bei der Kantonspolizei ist damals d'évolutions qui vont vers la «ghettoïsation», vers l'absence de keine einzige Anzeige eingegangen.» «Aufgrund des Wirbels», communication entre des communautés qui se tournent le so fährt der Kommandant fort, «der um jene Ereignisse ge- dos. C'est aussi la conséquence de l'absence de droits. macht wurde, hat die Kantonspolizei nachträglich von Amtes Peut-on à la fois combattre le racisme et refuser des solutions wegen gegen einen Beteiligten ermittelt.» concrètes d'intégration aux étrangers? L'intégration des étran- Die Polizei ermittelte also erst, als sie durch die Oeffentlichkeit gers passe par l'octroi de droits sociaux, de droits d'expres- dazu gedrängt wurde. Und weshalb geht oft keine Anzeige sion et de participation, jusqu'au droit de vote sur le plan com- ein? Die Opfer sind meist Jugendliche oder Ausländer. Zu den munal. Le choc des cultures sera ressenti, non comme une Sprachproblemen der Ausländer kommt die Angst vor Re- menace, mais comme un enrichissement dans la mesure où pressalien der rechtsextremen Schläger und die mangelnde cette double exclusion sera vaincue. Nous pouvons y contri- Bereitschaft der Polizei, diesen Straftaten nachzugehen. Ich buer. weiss von einem Mann, der von Skinheads angerempelt und Je suis très reconnaissant, notamment à Mme Diener, d'avoir in eine Schaufensterscheibe geworfen wurde. Die Polizei kam souligné une autre perspective: en arrière-plan se dessine la dazu, unternahm nichts und sagte dem Verletzten, es habe question fondamentale de notre fin de siècle, le déséquilibre keinen Sinn, gegen Unbekannt Anzeige zu erstatten, er habe majeur de la planète, le déséquilibre Nord-Sud. Le débat sur le ohnehin keine Aussicht auf Schadenersatz. Aehnlich ging es 13. Dezember 1989 N 2147 Dringliche Interpellation der sozialdemokratischen Fraktion

einem Schüler meiner Schule. Er wurde von einem Rechtsex- zu unterbreiten. Ich bitte den Bundesrat, diese Revision zu be- tremen mit einem Messer bedroht, von einem ändern von schleunigen. hinten auf den Kopf geschlagen und blieb benommen auf Aber noch einmal sei zum Schluss festgestellt, dass dieses der Strasse liegen. Bei der Polizei wurde er gefragt, ob er schwierige Problem nur zum kleinsten Teil mit neuen Rechts- seine Anzeige nicht lieber gerade wieder zurückziehen wolle, normen zu lösen ist. das täten die meisten. Ich habe Ihnen in der Puk-Debatte den Fall eines Mannes Steffen: Ich wende mich an Herrn Rechsteiner. Ihre Toleranz aus dem linken Umfeld dargelegt, der eine Stelle nicht be- hört dort auf, wo es um Ihren Kollegen Steffen und um die Na- kam, weil er bei der Sicherheitsüberprüfung durchfiel. Im tionale Aktion geht. Sie haben das vorhin erklärt. Ich finde, da Gegensatz dazu wurde ein Rechtsradikaler aus meinem Kan- fängt Extremismus an. Bei mir soll die Toleranz nie aufhören. ton bei der Zürcher Stadtpolizei angestellt. Diese sagte dazu: Nicht Ihnen gegenüber, Herr Rechsteiner, und auch nicht Ihrer «Wenn wir Hinweise haben, dass sich der Bewerber rechts- Partei gegenüber. Ich möchte nach dem Grundsatz handeln: oder linksextrem betätigt hat, wird er bei uns nicht einge- Liebet eure Feinde und tut Gutes denen, die euch hassen. Und stellt.» Aber eben, im Falle der Rechtsextremen kommen mit wenn man Ihr Votum zur Kenntnis genommen hat, so spürt dem Leumundsbericht keine Hinweise. Im betreffenden Fall man Ihren Hass. Hass gegen eine machtlose, kleine, unbe- hatte sich der Polizeirekrut öffentlich zur Neonazigruppe SSJ queme Gruppe. Ich kümmere mich auch nicht um das von Ih- bekannt. nen erwähnte seltsame Bundesgerichtsurteil vom Herbst Ein tadelloses Leumundszeugnis erhielt auch ein Mitglied 1987, das die Nationale Aktion und ihre Exponenten in einer der NPS. Der Mann wurde diesen Herbst zum Leutnant der Form von Sippenhaftung den linken Medien zum Frass vor- Infanterie befördert. Die NPS ist aber eine Organisation, die warf. Und das ausgerechnet zwei Wochen vor den National- vor Straftaten nicht zurückschreckt. Eines ihrer Mitglieder ratswahlen: meiner Meinung nach ein Skandal, der seinesglei- wurde dieses Jahr für zwei anonyme Bombendrohungen zu chen sucht! neunzig Tagen Gefängnis verurteilt. Ein anderer junger Mann Ich weise also, Herr Rechsteiner, Ihre Vorwürfe an die Natio- schlug als Mutprobe für die Aufnahme in die NPS Fenster- nale Aktion und an mich vehement zurück. Diese Partei be- scheiben im Embracher Flüchtlingsheim ein. steht seit 1961 und hat ihre Ziele zu jeder Zeit mit demokrati- Die kurze Redezeit erlaubt mir nicht, Ihnen weitere Aktionen schen Mitteln zu erreichen versucht. Sie distanziert sich seit eh der Rechtsextremen zu schildern. und je von der Anwendung von Gewalt zur Erreichung politi- Ich möchte nur noch erwähnen, dass die Schaffhauser Kan- scher Ziele. Sie hat auch nie zu Gewalt aufgerufen. Sie wirft tonspolizei wiederholt einen PTT-Spätkurs überwachen keine Farbbeutel, wirft keine Scheiben ein, vermummt sich musste, weil Rechtsextreme die Passagiere tätlich angriffen. nicht, ja sie demonstriert nicht einmal. Sie hat alle politischen Trotzdem hält der Kommandant der Kapo Linksextreme, von Niederlagen in demokratischer Manier als Mehrheitsbe- denen mir in Schaffhausen keine Gewalttätigkeiten bekannt schlüsse akzeptiert und nie versucht, einen Misserfolg um- sind, immer noch für gefährlicher als Rechtsextreme. zudeuten. Die NA hat keine Verbindungen zu gewalttätigen Herr Bundesrat, auf die vorgesehene Weise kann kein objekti- Organisationen. Sie schliesst Exponenten aus, welche die ver Bericht über die rechtsextremen Umtriebe in der Schweiz Ziele der Partei missachten, und zwar unter Beachtung demo- entstehen. Da liefern Leute, die ein Auge zudrücken, Informa- kratischer Spielregeln. Ich bitte Sie, diese Verteidigungsrede tionen an die Bundesanwaltschaft, die auf demselben Auge zugunsten meiner Partei wohlwollend zur Kenntnis zu neh- sehbehindert ist: Was sie für Linksextremismus hält, ist seit men. Jahren schon so gründlich unter die Lupe genommen wor- Nun einige Gedanken zum Thema Klima der Fremdenfeind- den, dass viel zuviel Material dazu bei der Bundesanwalt- lichkeit. Seinerzeit wurde Alexander Hunziker, Direktor des schaft liegt. Ein ausgewogenes Bild kann nur entstehen, Bundesamtes für Ausländerfragen, nach dem Ziel der Auslän- wenn jetzt einmal unbehindert und unbefangen nach rechts derpolitik des Bundesrates gefragt. Er erklärte, es sei dies das geschaut wird. Gleichgewicht zwischen schweizerischer und ausländischer Wohnbevölkerung. Auf die Frage, woran das ausgewogene Scheidegger: Ich fasse mich kurz. Die Welt ist ja übervöl- Verhältnis zu erkennen sei, tat erfolgenden Ausspruch: «Man kert von Wörtern, auch im Bundeshaus. kann so lange von Gleichgewicht sprechen, als man keine Frau Diener hat richtig das Klima angesprochen, das politi- übertriebenen Demonstrationen der Fremdenfeindlichkeit sche, gesellschaftliche Umfeld, in dem schliesslich Rassis- feststellt.» Heute müssen wir leider ein Ansteigen von bedauer- mus, Extremismus gedeihen können. Wollen Sie sich, Herr lichen Uebergriffen gegen Ausländer feststellen. Ich schliesse Rechsteiner, aus der Mitverantwortung für dieses Klima weg- daraus, dass das Gleichgewicht zwischen schweizerischer stehlen? Fragen Sie sich heute abend spätestens vor dem Ein- und ausländischer Wohnbevölkerung gestört ist. Wäre ich schlafen, ob es angebracht ist, einige politische Gruppen, vor Bundesrat, würde ich meinen Kollegen in Partei und Rat drin- allem die FDP, für die ernstzunehmende und beängstigende gend eine Begrenzung der Einwanderung und eine Revision Situation speziell verantwortlich zu machen? Es war einer Ihrer des Asylgesetzes als Massnahmen zum Abbau der Spannun- Bundesräte, der gesagt hat, dass man selbst nicht besser gen vorschlagen. werde, wenn man andere schlechter mache. Noch einige Gedanken, die ich unter das Motto «Medien als Ich nehme an, dass Sie einige Untersuchungen zu diesem Motor» stellen möchte. Das Milieu und Klima für fremdenfeind- schwierigen, komplexen Problem gelesen haben, dass Sie liche Ausbrüche kann bewusst oder unbewusst geschürt wer- sich über die sozialpsychologischen, sozioökonomischen, den. Ich erwähne zwei Fälle, die Ihnen bekannt sein dürften. politischen, kulturhistorischen Faktoren des Phänomens ei- Erstens: In Zürich wird ein Brasilianer von einem Skinhead nige Gedanken gemacht haben. Da§ würde es aber eigentlich schwerverletzt. Aufschrei der Medien, unter den Stichworten verbieten, solche Vereinfachungen vorzunehmen. Sie wollen «Fremdenhass» und «Rassismus». Später dann die Feststel- den Feuerwehrmann markieren und spielen den Brandstifter. lung der Behörden: Der Täter ist ein arbeitsscheuer Franzose. Es gibt viel zu tun. Viele bürgerliche Politiker leisten an vorderr Zweitens: Ermordung des kurdischen Asylbewerbers in Frei- ster Front bereits heute im Bund, in den Kantonen und vor al- burg. Reaktionen in obigem Sinn, Erklärungen von zwei Natio- lem mit praktischer Arbeit in vielen Gemeinden viel gegen jene nalratspräsidenten unter den Stichworten «Rassismus» und Umtriebe, wie wir sie heute im Bundeshaus diskutieren. Ein «Fremdenfeindlichkeit». Jetzt ist uns bekannt, dass es wegen Lösungsansatz heisst doch auch praktizierte Toleranz anstatt einer Dirne zum Streit gekommen ist. Scharfmacherei. In dieser Beziehung haben wir noch dazuzu- Missverstehen Sie mich nicht: Ich will diese Anschläge keines- lernen, auch hier im Bundeshaus. Und diese praktizierte Tole- wegs beschönigen, im Gegenteil, sie treffen mich so tief wie ranz müssen wir nach aussen auch mit Taten, nicht nur mit Sie. Aber ich warne Sie, Herr Bundesrat, Herr Ratspräsident, Worten demonstrieren. Sie, meine sehr verehrten Kolleginnen und Kollegen, und Zu diesen Taten gehören leider auch Rechtsnormen. Frau alt mich selber: Wir dürfen uns als Politiker nicht durch Medien- Bundesrätin Kopp hat 1988 in diesem Saal versprochen, in schlagworte zu Reaktionen verführen lassen, die wir im nach- diesem Zusammenhang eine Revision des Strafgesetzbuches hinein bedauern und lieber ungeschehen machten. Wir müs- Interpellation urgente du groupe socialiste 2148 N 13 décembre 1989

sen doch mindestens das kriminalpolizeiliche Ermittlungsver- Cincera: Herr Rechsteiner hat ziemlich zu Beginn seines Vo- fahren abwarten, um dann unsere Stellungnahme abzuge- tums einen sehr bemerkenswerten Satz gesagt. Er erklärte, ben, sonst giessen wir Oel ins Feuer und heizen so die Ausein- die Toleranz der Demokratie hätte beim Rechtsextremismus andersetzungen um Rassismus und Fremdenhass zusätzlich aufzuhören. Dieser Satz stimmt nur zur Hälfte. Sachlich wert- an. Die Demonstrationen von zwei entgegengesetzten Lagern frei und dann eben auch als politischer Grundsatz verwendbar in Freiburg mögen diese Feststellung untermauern. müsste er eigentlich lauten: Die Toleranz der Demokratie hat Zum Schluss: Ich glaube nicht, dass gehässige Diskussionen bei jeder Form von politischem Extremismus aufzuhören; um dringliche Interpellationen uns in der Sache weiterhelfen; denn der politische Extremismus ist genau jene Grenze, hinter es müssen Massnahmen eingeleitet werden. welcher politische Tätigkeiten nicht mehr als Opposition aner- Die Postulate Grendelmeier, Reimann Maximilian und Steffen kannt werden können, weil die Spielregeln verletzt werden. dürften eine Massnahme des Bundesrates auslösen! Deshalb muss gegen diesen politischen Extremismus zum Schütze der offenen Gesellschaft eingeschritten, müssen Massnahmen getroffen werden. Frau Bäumlin Ursula: In meiner Fiche sind drei Einträge von Herr Rechsteiner hat dann noch eine zweite Feststellung ge- 1987: der erste zu meiner Forderung nach einer menschlichen macht. Er sprach davon, dass rassistische und rechtsextreme Asylpolitik; der zweite zu meinem Widerstand gegen Atom- Gruppen die Wut gewisser Leute aufstacheln würden, damit staat und Atomkirche; der dritte zu meiner Teilnahme an der diese sich dann gegen andere wende. Wut aufzustacheln, Antirassismusdemonstration in Langenthal ein paar Tage vor Herr Rechsteiner, ist die Taktik eines jeden politischen Extre- meiner ersten Session in diesem Hause. Diese Demo hatte mismus, immer in einer sehr frühen Phase, weil das seine Vor- eine sehr interessante Begleiterscheinung. Die Gemeinde aussetzung ist, dass er dann überhaupt wirksam werden Langenthal versuchte, den Organisatoren die Rechnung für kann. die Polizeipräsenz an der Demo zur Sicherung der Demon- Nun ist es richtig, dass auch in der Schweiz seit ungefähr den stration aufzubrummen. Das Demonstrationsrecht darf jedoch letzten zehn Jahren immer wieder rechtsextreme - neue und nicht mit Kosten dermassen eingeschränkt werden, dass De- alte - Gruppen und Organisationen tätig wurden. Es stimmt monstrationen nicht mehr durchführbar sind. Dieser behördli- auch, dass rechtsextreme Gruppen recht rasch zur Gewalt che Angriff auf das Demonstrationsrecht gelang nicht. Kürz- greifen. Der Rechtsextremismus stützt sich ja auf die Theorie lich jedoch ist auch eine Demo gegen Rassismus in Freiburg der falschen Rassenzugehörigkeit ab, und wenn man diese abgeschreckt worden, und zwar mit einem, wie sich später Theorie gutheisst, dann ist man immer in der Gefahr, dass man herausstellte, falschen Telefonanruf aus einer Phantompoli- den Kampf gegen diese falsche Rasse eben mit Gewalt führt. zeistation aus dem Wallis, es seien bewaffnete Skinheads in Im Gegensatz dazu stützt der Linksextremismus seine Theo- Freiburg zu erwarten, wenn die Demo durchgeführt werde. rien auf die Idee der falschen Klassenzugehörigkeit ab. Hinter solchen Vorgängen steht meiner Meinung nach die Es stimmt auch, dass diese rechtsextremen Gruppen in der weitverbreitete Ansicht, ein Sich-Wehren gegen rassistische, Schweiz immer wieder mit ausländischen Gruppierungen in rechtsextreme Auftritte schaukle den Konflikt empor- und da- Kontakt stehen, gemeinsame - mindestens verbale - Aktionen mit auch Rassismus und Rechtsextremismus. Oft wird auch ar- durchführen, und es ist selbstverständlich, dass wir alle diese gumentiert, es sollte diesen rassistischen Strömungen gar Aktivitäten aufs schärfste verurteilen. nicht Gelegenheit gegeben werden, sich in Szene zu setzen, Das heisst aber nicht, dass es deswegen nicht auch andere dann würden sie von selbst verschwinden. Als ob das so ein- Formen des Extremismus gibt oder dass diese jetzt plötzlich fach wäre, besonders wenn honorige und einflussreiche von der Bildfläche verschwunden wären. Wir haben nach wie Schweizer Bürger (auch aus Ihrer Partei, Herr Seiler, leider!) vor in der Schweiz Organisationen z. B. aus dem kurdischen gezielt mit der Fremdenangst operieren. Ich zitiere aus dem Bereich - die terroristische kurdische Arbeiterpartei, AKP - Oktober-Papier der AUNS: «Die Zeit ist da, im Flüchtlingswe- und aus dem palästinensischen Bereich, und wir kennen nach sen den Notstand auszurufen und die Vollzugspraxis rigoros wie vor die Tätigkeiten und Ausläufer linksextremer und anar- anzuwenden. Alle Kirchenbesetzer müssen unverzüglich aus- chistischer europäischer Terrorgruppen. gewiesen werden, ebenso alle Asylanten, die streiken, de- Herr Rechsteiner, was Sie alles in den Topf des Rechtsextre- monstrieren, Flugblätter verteilen usw. Noch kurz an Politiker mismus zu werfen versuchten, ist geeignet, den eigentlichen und Behörden: Handeln Sie schnell, bevor sich die angestau- Rechtsextremismus gerade wieder zu verharmlosen. Das hat ten Gefühle der bis anhin geduldigen schweigenden Mehrheit denn auch dazu geführt, dass wir hier anstatt einer Grundsatz- unseres Volkes explosionsartig entladen!» Warum sollten sich debatte über die politischen, meinetwegen auch philosophi- diese Gefühle unserer geduldigen schweizerischen Mehrheit schen, gesellschaftlichen Erscheinungen des Rechtsextre- entladen? Das hänge damit zusammen, dass «der Druck die- mismus im Grunde genommen die Fortsetzung der Puk- ser Ueberbevölkerung von den unterentwickelten Ländern auf Debatte und den Beginn einer neuen Asyldebatte führen. die Industriestaaten immer grösser wird», und das sei eben- In der Frage der Politik gegenüber Südafrika anderer Meinung falls niemandes Sorge in diesem Saal, «obwohl der Zustrom zu sein als Sie, Herr Rechsteiner, gehört vorläufig noch zu den von immer mehr arbeitslosen Leuten unter dem Titel 'Flücht- Freiheitsrechten in diesem Lande, sofern man sich an die de- ling' eigentlich ein Warnsignal sein sollte». Dadurch, und nicht mokratischen Spielregeln hält. nur dadurch, müssen sich doch Rassisten - und mit ihnen er- Zurück nun zu den extremistischen Umtrieben. Um sie zu ver- fahrungsgemäss im ständigen Verein Rechtsextremisten -voll hindern, braucht es Staatsschutz. Genau diesen Staatsschutz bestätigt und zu ihren Auftritten legitimiert fühlen. wollen Sie ja als Folge der Puk-Debatte jetzt vollständig de- Ich hoffte eigentlich, dass wir hier im Parlament das Problem montieren. Ich glaube, wir täten gut daran, aus der Puk- vertiefen könnten. Leider hat bereits Herr Eggly mich wieder Debatte die Lehren zu ziehen, damit unser Staatsschutz- reor- eines anderen belehrt, und Herr Couchepin hat ihn bestätigt ganisiert, effizient mit modernen Mitteln ausgerüstet - auch in und unsere Interpellation und die Fraktionserklärung von Paul der Lage ist, den rechten Extremismus schon in einer frühen Rechsteiner der politischen Propaganda verdächtigt. Aber we- Phase zu verhindern und nicht erst dann eingreifen zu müs- der Verdrängen noch Beschuldigen bringt etwas. Ganz sicher sen, wenn die Verbrechen und die Untaten schon geschehen bringt auch das Verweisen auf das andere Extrem nicht mehr sind. als heuchlerische Ausgewogenheit. Ich möchte noch etwas zu Frau Nabholz sagen, aber sie ist Maeder: Obwohl ich im Archiv von Herrn Cincera und auf der jetzt leider nicht mehr da. Ich glaube, wir müssen die Ränder Fiche der Bundesanwaltschaft als Linker und potentieller unserer Gesellschaft so in unsere Arbeit und Debatten hinein- Staatsfeind geführt werde, will ich nicht über Links- oder nehmen, dass sie eben nicht alleingelassen werden und den Rechtsextremismus reden, sondern über Fremdenfeindlich- Aufhetzern anheimfallen, und so, dass sie ihre Angst nicht in keit und Rassismus. Ich habe in den letzten Tagen in der Ver- Hass ausarten lassen müssen. Das ist nicht einfach, das weiss wandtschaft Erlebnisse gehabt, die mich sehr bedrücken. Wir ich. Aber es ist wohl unsere Aufgabe, und zwar in allen Ge- sind ja sonst ein weltoffenes Volk, wir reisen in der ganzen Welt schäften und nicht nur jetzt in dieser Debatte. herum, wir sind stolz, wenn die Swissair weit über hundert De- 13. Dezember 1989 N 2149 Dringliche Interpellation der sozialdemokratischen Fraktion

stinationen anfliegt. Wir reisen zu Hunderttausenden an alle 2. Wir mussten als Provisorium einen Stacheldrahtziehen, der warmen und weniger warmen Meere, wir sind weltoffen, wir übrigens seinen Zweck bei einer weiteren Aktion erfüllt hat. zeigen uns dort gerne auch mit den Farbigen. Wir lassen uns Aber es ist klar, dass dieses Provisorium durch einen Ma- fotografieren oder fotografieren Negerli oder andere Farbige, schendraht ersetzt werden muss. Es ist dies ein Uebel, aber wir finden das sehr schön. immer noch ein kleineres Uebel als die Schutzlosigkeit. Aber was passiert, wenn nun solche Farbige, nicht etwa in 3. Die Vorfälle wurden leider in einer gewissen Presse auf- grosser Zahl, Hunderte von Tamilen, Asylanten, sondern ein- gebauscht. Das hat nur zur Publizität für die Patriotische Front, zelne Farbige in die Schweiz einreisen? Was passiert mit ih- zu einer Einladung für weitere Aktionen geführt. nen? Wie erleben sie die Schweiz? 4. Die Patriotische Front hat einen harten Kern mit einer ideolo- Ich habe einen farbigen, einen sehr dunkelhäutigen Schwie- gischen Ausrichtung, einer allerdings wirren, aber mit neona- gersohn, Ali Hassan Manik aus Male (Malediven). Vor acht zistischen Inhalten. Um diesen Kern herum - das eine weitere Jahren hat er meine älteste Tochter Sabina geheiratet, und ich Feststellung - scharen sich erstens einmal Jugendliche, die muss sagen: Er ist ein wunderbarer Schwiegersohn; ich bin die Provokation und Aktionen suchen - man kann von Schlä- stolz auf ihn, er ist ein herrlicher Mann und ein sehr liebevoller gertypen reden -, und dann auch Mitläufer, hauptsächlich Vater. Dieser Ali ist nun vergangenen Donnerstag mit einem Gegner der Asylpolitik, die ihren Aerger auf die Asylsuchen- gültigen Reisepass, mit einem Visum, mit genügend Devisen- den projizieren. alles vollkommen in Ordnung - in die Schweiz eingereist. Er Will man nun dieser Situation begegnen, so ist gegenüber sieht auch nicht wie ein Strolch aus. Aber obwohl er jetzt be- Rechtsextremisten genauso die Rechtsordnung aufrechtzuer- reits zum achten Mal in die Schweiz einreist, um hier die Fami- halten und durchzusetzen wie gegenüber Linksextremisten. lie zu besuchen, wird er im Flughafen Zürich wie ein Schwer- Gewalt und Liebäugeln mit Gewalt respektive revolutionärer verbrecher empfangen. Also da landet der Airbus der Baiair, Umwälzung können und wollen wir von keiner Seite hinneh- 249 frischgeröstete Schweizer - aus Male kommend - steigen men. In diesem Zusammenhang, Herr Bundesrat, würde mich aus, passieren die Kontrollen, haben nicht die geringsten An- noch eine Frage interessieren, auch zuhanden des Berichtes, stände mit ihrem Gepäck, und jetzt kommt dieser 250ste Flug- den Sie abfassen müssen: woher die Finanzen bei diesen gast, das ist nun mein Schwiegersohn Ali. Dann braucht er we- Fronten und Bewegungen kommen. Ich schliesse auch die nigstens eine halbe Stunde, um dort die Kontrollen zu passie- Frage nach der Finanzierung des Hetzblattes «Der Eidge- ren. Man nimmt ihm die Richtigkeit seines Passes nicht ab, es noss»ein. werden andere Beamte aufgesucht, es wird irgendwas in Auch bei den gewalttätigen Jugendlichen gilt es, das Recht Computer getippt usw. Man glaubt ihm nicht, dass er ein an- anzuwenden. Das gilt nicht nur für die rechtsextremen Schlä- ständiger Mensch ist und ganz einfach seine Familie besu- gertrupps, sondern auch für die Chaoten oder die sogenann- chen will. Wenn er nach 20 Minuten oder einer halben Stunde ten «Glaser» in Zürich. Es kann nicht angehen, polizeilich mit die Polizeikontrolle passiert hat, kommt er zur Gepäckkon- der Begründung nicht einzugreifen, es liege ja nur eine Sach- trolle. Dort, wo 249 Schweizer problemlos vorbeigelaufen beschädigung vor. Das gilt sowohl für das Heim in Steinhau- sind, wird er richtiggehend gefilzt. Die geheimsten Nähte und sen oder an anderen Orten wie für die Zürcher Bahnhof- Täschchen seines Reisegepäcks werden da aufgestöbert. strasse. Also: Er kommt als hochanständiger Mann, als Ausländer mit Der schwierigste Teil liegt eindeutig darin, dieasylantenfeindli- dunkler Hautfarbe, in die Schweiz jjnd wird empfangen und chen Mitläufer von den Neonazi-Ideologen zu trennen; ihnen behandelt wie ein übler Rauschgifthändler, wie irgendein einerseits deutlich zu machen, wie inhuman ihre Haltung ge- Schurke oder Ganove. Das ist Rassismus, Rassismus am genüber den Asylsuchenden ist und wie antidemokratisch es Flughafen Zürich, und ich schäme mich, ich schäme mich ist, den neonazistischen Schalmeien nachzulaufen, anderer- manchmal in Grund und Boden, in einem solchen Land zu le- seits aber ihnen unsere Asylpolitik plausibler zu machen. In ben, wo Polizeibeamte, Schalterbeamte oder Zöllner ganz ein- diesem Zusammenhang erinnere ich daran, dass die FDP- fach Rassisten sind. Fraktion schon vor Jahren vorgeschlagen hat, präventive Noch ein zweites kleines Müsterchen soll diese Aufzählung Massnahmen in den Heimatstaaten der Asylsuchenden zu fi- abrunden: Im Herbst vor einem Jahr war dieser Ali auch in nanzieren, damit die moderne Völkerwanderung in unser St. Gallen und musstefolgende Erfahrung machen: Bestieg er Land erst gar nicht eintritt. den Bus mit Frau und Kind, keine Probleme. Stand er allein an Vielleicht ist auch unsere Entwicklungshilfepolitik diesbezüg- der Bushaltestelle, hielt der Bus nie. Ein einziges Mal kann das lich zu überprüfen. ja ein Versehen sein, der Buschauffeur hat ihn nicht beachtet. Zum Schluss: Wenn wir rechtsextreme Tendenzen bekämpfen Aber es ist ihm immer wieder passiert - das ist Rassismus, wollen, dürfen wir die Auseinandersetzung nicht in die partei- Rassismus in St. Gallen! Ein kleiner Buschauffeur, städtische politischen Niederungen, wie das heute hier geschehen ist, Beamte, kantonale Beamte, Bundesbeamte, die einen Auslän- hinabzerren. Einige Redner haben schon darauf hingewiesen. der, der nichts von uns will, der uns nicht berauben will und Ich will nur daran erinnern, dass genau dieser Fehler vor sieb- bestehlen will, der nur hier seine Familie besuchen will, so be- zig Jahren in der Weimarer Republik begangen worden ist und handeln. dann die Rechtsextremen im Kampf gegen die Linksextremen Ich glaube, das sind doch Zeichen von Rassismus, die sehr, die Mitte aufgerieben haben. sehr bedenklich sind. Es muss ja nicht immer gleich Mord und Totschlag sein. Diese Gesinnung, finde ich, gehört ausgerot- Persönliche Erklärung - Déclaration personnelle tet. Seiler Rolf: Ich bin Personalvertreter. Ich vertrete Eisenbah- ner, Buschauffeure, Zöllner, Grenzwächter und Festungs- Stucky: Ich möchte Ihnen - Herr Bundesrat - vor allem zuerst wächter. In dieser Eigenschaft macht mich das Votum von einmal danken, dass Sie bereit sind, die kantonalen Schutz- Herrn Maeder betroffen. Ich glaube, so geht es auch nicht. Bei massnahmen für Unterkünfte der Asylsuchenden zu koordi- allem Verständnis für seinen Aerger, den er mit diesen Leuten nieren. Es ist dies eine Notwendigkeit, die wir im Kanton Zug hat, die seinen Schwiegersohn nicht so behandeln, wie er das erfahren mussten; wir sind bekanntlich Ziel von Aktionen der erwartet und eigentlich verdient, muss ich die Verallgemeine- Patriotischen Front gewesen. Wir haben einige Erfahrungen rungen gegenüber all diesen Beamten, die er aufgeführt hat, gemacht, u. a., dass das Abwehrsystem verstärkt werden in aller Form zurückweisen. muss, ferner dass Rechtsextremismus und Rassismus nicht Ich bitte Sie auch um Verständnis. auf die leichte Schulter genommen werden dürfen. Analysiert man die Vorgänge von Steinhausen, so kann man folgendes Braunschweig: Herr Bundesrat Koller, ich erwarte von Ihnen feststellen: einen Bericht, der auch wissenschaftlichen Ansprüchen genü- 1. Die Polizei hat einen Fehler gemacht, aber von Liebäugeln gen sollte. Sie bringen die Voraussetzungen dafür mit. Aber der Zuger Polizei mit der Patriotischen Front kann keine Rede ich befürchte, dass wir einen Feld-, Wald- und Wiesenbericht sein. erhalten werden. Postulat Steffen 2150 N 13 décembre 1989

Das Postulat von Frau Grendelmeier «Rechtsextreme Um- nung und Ratifikation dieses Uno-Abkommens auf der Basis triebe in der Schweiz» verlangte über dieses Thema einen Be- einer Ergänzung unseres Strafgesetzbuches beim Bundesrat richt. Nun nehmen Sie - für mich unbegreiflich - als Zusatz ein liegt, so dass Sie wirklich damit rechnen können, dass sie An- Postulat an, das verlangt, links- und rechtsextreme sowie reli- fang nächsten Jahres in Vernehmlassung geht. Aber erwarten giös motivierte Aktivitäten von Schweizern und Ausländern in Sie bitte von neuen strafrechtlichen Normen keine Wunder. Mit der Schweiz seien zu untersuchen und eine Erfassung des po- strafrechtlichen Normen allein sind noch nie gesellschaftspoli- litischen Terrorismus sei vorzunehmen. Im folgenden Absatz tische Probleme gelöst worden. Viel entscheidender ist doch, geht die Aufzählung noch weiter. in welchem Geist wir die grossen anstehenden Probleme an- Ich meine: Seriös kann man darüber nicht berichten. Das wird gehen, die wir tatsächlich zu lösen haben. In diesem Zusam- ein Sammelsurium von Platitüden geben, wenn Sie nicht be- menhang erlauben Sie mir noch ein Wort zur Asylpolitik. reit sind, sich auf ein Thema zu konzentrieren, nämlich auf das Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass wir uns in bezug auf die Thema, das in den letzten Jahren vernachlässigt worden ist Asylpolitik in einer sehr schwierigen Phase befinden. Die und das heute von besonderer Aktualität ist: die rechtsextre- Briefe von Verantwortlichen in den Kantonen und aus den Ge- men Umtriebe in der Schweiz. meinden mehren sich, in denen sie mir erklären, sie seien an Ich erwarte von Ihnen eine geschichtliche Darstellung, auch der Grenze ihrer Leistungsfähigkeit angelangt und wüssten psychologische, soziologische und vor allem wirtschaftliche nicht mehr weiter. Und wie Sie wissen, hat der Bundesrat als Ueberlegungen. Das haben andere auch schon gesagt. Wenn wichtigste Massnahme in Aussicht gestellt, dass wir Ihnen Sie dem gerecht werden wollen, dann können Sie nicht gleich- demnächst ein neues beschleunigtes Asylverfahren unterbrei- zeitig über vier oder fünf verschiedenartige Bewegungen und ten, das uns erlauben muss, diese wichtige Triage zwischen Erscheinungen der letzten Jahre berichten. Das wäre unse- den politischen Flüchtlingen und jenen, die in unserm Land riös, unwissenschaftlich. Arbeit und bessere Lebensbedingungen suchen, viel, viel ra- Ich erinnere Sie daran: Seit 15 oder 20 Jahren sprechen wir in scher vorzunehmen. Ich habe zu diesem Zweck eine Exper- diesem Saal und draussen regelmässig von Terrorismus. tenkommission beauftragt, ein Verfahren auszuarbeiten, bei Diese Diskussion hat in den letzten Jahren in unserem Land dem ein rechtskräftiger Entscheid über das Gesuch eines keinen Fortschritt erzielt, und zwar deswegen nicht, weil wir Asylbewerbers spätestens drei bis vier Monate nach seiner immer im Allgemeinen steckengeblieben sind. Wir haben uns Einreise vorliegt. nicht einmal darum bemüht - mit einer oder zwei Ausnahmen Da möchte ich Sie, Herr Nationalrat Rechsteiner, nun schon auch heute in dieser Diskussion nicht-, zu unterscheiden zwi- ganz persönlich bitten, dieses neue beschleunigte Asylverfah- schen den Formen des Terrorismus in der Bundesrepublik ren nicht schon wieder zu diffamieren, bevor Sie es überhaupt Deutschland, in Italien, bei den Basken, in Nordirland oder in gesehen haben, denn es ist mir wirklich ernst. Ich bin zutiefst Palästina. Daneben gibt es auch eine andere Systematik. davon überzeugt, dass dieses neue beschleunigte Asylverfah- Wenn wir das Phänomen nämlich ernst nehmen wollten, dann ren unsere letzte Chance ist, um in Zusammenarbeit mit dem müssten wir nach den Motiven fragen: Ist der Beweggrund Parlament und nötigenfalls mit dem Volk - wenn das Referen- eine persönliche Rache? Eine persönliche Verbitterung? Ist dum ergriffen würde - die schwerwiegenden Probleme der der Terrorismus System? Ist er Staatsterrorismus? Oder ist er Asylpolitik demokratisch zu lösen. individuell? Ist er die Folge einer falschen geschichtlichen Lö- Noch eine abschliessende Bemerkung. Ich glaube, die Ge- sung, die einmal getroffen worden ist? schichte lehrt uns doch eines: Ein Volk hat nur eine Chance, Das sind Fragen, die wir beantworten müssten. Wenn wir dar- mit dem Extremismus fertig zu werden, wenn alle demokrati- auf eine Antwort bekämen und darüber reden könnten, dann schen Kräfte dieses Volkes zusammenrücken und sich von Ex- würden uns Bericht und Diskussion weiterführen. Aber wenn tremismus und Gewalt jeder Form und jeder politischen Ob- wir nur alles über Gott und die Welt zusammenfassen, dann servanz klar distanzieren. wird es zu gar nichts führen, wird im Unverbindlichen bleiben, Dazu rufe ich Sie auf! etwa so, wie es heute auch geheissen hat: «Les extrêmes se touchent». Dieser Satz kommt seit Jahrzehnten immer wieder und sagt eigentlich nichts aus; auch das Bild vom Pendel - eine Leerformel, ein schönes Bild - sagt nichts aus, hilft uns politisch nicht, führt uns nicht weiter. 89.678 #ST#

Ich bitte Sie, Herr Bundesrat Koller, sich um einen konzentrier- ten Bericht zu bemühen. Das hätte zur Folge, dass Sie sich auf Postulat Steffen ein Thema konzentrieren, das Rundumschlag-Postulat ableh- nen und uns in dieser Sache eine gründliche Arbeit liefern Extreme Umtriebe in der Schweiz müssten. Darum bitte ich Sie. Organisations extrémistes / en Suisse Bundesrat Koller: Ich kann mich kurz fassen, zumal ich jenem Bericht nicht vorgreifen möchte, den wir Ihnen erstatten wer- den. Dieser wird mit der nötigen Gründlichkeit ausgearbeitet werden und, wie ich schon gesagt habe, alle Formen des Ex- tremismus umfassen. Denn ich verstehe eigentlich nicht, wie Wortlaut des Postulates vom 6. Oktober 1989 man angesichts des grossen Problems, das der Extremismus Der Bundesrat ist bereit, das Postulat Grendelmeier 89.533 in allen seinen Formen darstellt, diesen nun zum Gegenstand vom 22. Juni 1989 entgegenzunehmen. parteipolitischer - ich muss das harte Wort brauchen - Spie- Jener Vorstoss beschäftigt sich sehr einseitig mit der rechtsex- gelfechterei machen will. Extremismus und Gewaltanwen- tremen gewalttätigen Szene und mit neonazistischen Umtrie- dung sind dafür eine zu ernste Angelegenheit. ben. Wenn auch im Bericht der Parlamentarischen Untersuchungs- Nötig wären aber Abklärungen und Auskünfte über links- und kommission der Bundesanwaltschaft Einäugigkeit vorgewor- rechtsextreme sowie religiös motivierte Aktivitäten von fen worden ist, wäre es doch eindeutig falsch, wenn wir nun in Schweizern und Ausländern in der Schweiz und eine Erfas- eine neue, in eine andere Einäugigkeit verfallen würden. Es sung des politischen Terrorismus. gibt meiner Meinung nach nur eine Möglichkeit, dieses ganze Der Bundesrat wird ersucht, dem Parlament einen Bericht Problem des Extremismus und der Gewaltanwendung in der über Anwesenheit, Organisation, personelle Zusammenset- Politik einheitlich anzugehen, und ich versichere Sie, dass wir zung und Aktivitäten von staatsgefährdenden und gewalttäti- das gründlich tun werden. gen Organisationen und Gruppen in der Schweiz zu unterbrei- Im übrigen darf ich all jene, die Befürchtungen geäussert ha- ten. Dabei sollen die Verflechtung mit anderen in- und auslän- ben, der Bundesrat vertröste wiederum auf spätere Zeiten, dischen politischen und religiösen Gruppierungen wie auch darauf aufmerksam machen, dass die von Herrn Kollega Fel- allfällige Verbindungen zu ausländischen diplomatischen Ver- ber und mir unterschriebene Botschaft betreffend Unterzeich- tretungen zur Darstellung gebracht werden. Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali

Dringliche Interpellation der sozialdemokratischen Fraktion Rassismus und Rechtsextremismus in der Schweiz

Interpellation urgente du groupe socialiste Racisme et mouvements d'extrême-droite

In Amtliches Bulletin der Bundesversammlung Dans Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale In Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale

Jahr 1989 Année Anno

Band V Volume Volume

Session Wintersession Session Session d'hiver Sessione Sessione invernale

Rat Nationalrat Conseil Conseil national Consiglio Consiglio nazionale

Sitzung 12 Séance Seduta

Geschäftsnummer 89.710 Numéro d'objet Numero dell'oggetto

Datum 13.12.1989 - 15:00 Date Data

Seite 2134-2150 Page Pagina

Ref. No 20 018 069

Dieses Dokument wurde digitalisiert durch den Dienst für das Amtliche Bulletin der Bundesversammlung. Ce document a été numérisé par le Service du Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale. Questo documento è stato digitalizzato dal Servizio del Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale.