Legislator Rechtsprechung & Gesetzgebung
VPB 89-529 KI-generiert

Federal Council to Consider Trained Personnel on Trains as Customer Service Postulate

Geschäftsnummer VPB 89-529
Gericht / Behörde
Rechtsordnung Schweiz · Verwaltungspraxis der Bundesbehörden (VPB) (CH)
Entscheiddatum

Legislator-Zusammenfassung

KI-generiert

This case concerns a motion requesting that the Federal Council consider having trains accompanied by qualified personnel as a genuine customer service, addressing concerns about passenger safety and feelings of insecurity, particularly for women and the elderly. The Federal Council agreed to consider the motion as a postulate, acknowledging that while the railway company is responsible for its operations, safety is a legitimate customer concern, especially in urban areas and during off-peak hours, and that addressing these issues might require collaboration with police and other agencies, though the primary responsibility for staffing and service remains with the railway company.

Legislator-Regeste

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Art. 36ter Absatz; Federal Council to Consider Trained Personnel on Trains as Customer Service Postulate: Strasse» liegt, sofern eine kausale Verursachung durch den qualifiziertes Bahnpersonal ist dabei von zentraler Bedeutung.

Schlagwörter

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Sicherheitsbedenken Ausbildung am Arbeitsplatz Ausgleichs- und Unterstützungsleistungen für Fluggäste Öffentlicher Verkehrsdienst Gültigkeit der Zustellung Störung des Eisenbahnverkehrs
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Volltext

Postulat Weber. Personnel d'accompagnement des trains 550 3 octobre 1989

sant leur territoire. Ce montant serait complété d'une somme werden soll, könnte dies wohl nur über eine Umverteilung ei-

identique à charge du canton. La fondation cantonale pour nes bestimmten Teils der allgemeinen Beiträge erfolgen. Es

l'environnement ainsi dotée n'utiliserait que les intérêts du fragt sich daher, ob die Kantone damit materiell etwas gewin-

fonds pour mener à bien les projets qu'elle aurait préalable- nen würden. Mit gleicher Argumentation könnten zudem sol-

ment soumis pour accord à la Confédération. Voilà pour les che zusätzlichen generellen Beiträge auch für andere Auf-

mécanismes. gaben gefordert werden. Artikel 36ter der Bundesverfassung

Sur le terrain, la mise à disposition de moyens financiers pour verbietet solche generellen Beiträge oder Pauschalen an sich

l'accomplissement d'un travail utile pourrait avoir pour con- nicht. Hingegen gilt in jedem Fall verfassungsrechtlich die

séquence indirecte de voir levées certaines oppositions à Zweckbindung des Geldes für Aufgaben im Zusammenhang

l'achèvement de notre réseau autoroutier, ce qui, d'un point mit dem Strassenverkehr. Das bedeutet für den Vollzug das

de vue politique, n'est pas à négliger. Schaffen von Kontrollinstanzen zur Sicherstellung einer

En conclusion, permettez-moi d'évoquer un exemple précis. zweckbestimmten Verwendung solcher Pauschalen.

Dans le canton du Jura, sur le tracé de la future N16, au lieu-dit Neben den offenen Verkehrs- und finanzpolitischen Fragen

Les Gripons, on va construire l'échangeur indispensable pour bedarf vor allem diese verfassungsrechtlich bedingte Voll-

permettre de relier la Transjurane à St-Ursanne et au reste du zugsproblematik näherer Abklärung. Der Bundesrat möchte

Clos du Doubs. Or, savez-vous que sur ce seul site on devra deshalb das Anliegen des Motionärs zur Prüfung entgegen-

mettre un ruisseau - et même deux, m'a-t-on dit, mais res- nehmen und beantragt Ihnen, die Motion in ein Postulat um-

tons-en à un - sous canalisation, raser une forêt et combler zuwandeln.

une partie de la vallée avec un point de remblai culminant à 18

mètres de hauteur? Le paysage s'en trouvera définitivement M. Flückiger: Je remercie M. Ogi, conseiller fédéral, de l'ex-

modifié. On se résignerait à l'inévitable avec d'autant moins de posé des motifs qu'il vient de nous présenter. Je prends acte

regret si l'on était assuré de disposer des ressources financiè- que le Conseil fédéral accepte ma motion, sous la forme at-

res qui permettraient de compenser ailleurs le long de la ténuée du postulat il est vrai.

chaîne du Mont Terri, par un acte écologique, la disparition du Monsieur le Conseiller fédéral, bien que je ne puisse partager

paysage familier des Gripons. l'ensemble de vos motifs, notamment quant aux coûts de

Tels sont l'esprit et l'objectif de ma motion. L'idée est d'autant l'opération et à son financement, ainsi qu'aux possibilités exis-

plus facilement réalisable que l'on connaît des précédents. tantes à partir des dispositions qui sont en cours de réaliser

Pensons, par analogie, aux échanges de terrains pratiqués même partiellement la motion, je me rallie à la transformation

par des corporations de droit public qui doivent acquérir des de cette motion en postulat.

parcelles appartenant à des privés, ainsi qu'à la loi sur les

forêts qui impose de reboiser ailleurs les surfaces forestières Ueberwiesen aïs Postulat- Transmis comme postulat

supprimées.

Monsieur le Conseiller fédéral, je vous remercie par avance de

souscrire à la motion que j'ai eu l'honneur de développer,

comme je remercie ceux de mes collègues qui y ont apporté

leur appui. #ST# 89.529

Bundesrat Ogi: Nach Artikel 28 des Treibstoffzollgesetzes lei- Postulat Weber

stet der Bund Beiträge an die Kosten von durch den motori-

sierten Strassenverkehr bedingten Massnahmen zur Erhal-

Begleitete Züge

tung, Schonung oder Wiederherstellung von schützenswerten Personnel d'accompagnement

Landschaften mit Einschluss der Ortsbilder und Denkmäler. des trains

Bei Neu- und Ausbau von Nationalstrassen und Hauptstras-

sen sind die erforderlichen Landschaftsschutzmassnahmen

gemäss Artikel 30 des Treibstoffzollgesetzes Bestandteil des

Projektes. Mit diesen Bestimmungen werden alle durch den

Strassenverkehr und den Strassenbau verursachten Land- Wortlaut des Postulates vom 21. Juni 1989

schaftsschutzmassnahmen im konkreten Einzelfall durch Der Bundesrat wird ersucht, die SBB künftig wieder vermehrt

Bundesbeiträge abgedeckt. Dies gilt also auch dort, wo eine als echte Dienstleistung für den Kunden zu betrachten und

Landschaftsbeeinträchtigung nicht «im direkten Bereich der dementsprechend zu fördern. Die Begleitung der Züge durch

Strasse» liegt, sofern eine kausale Verursachung durch den qualifiziertes Bahnpersonal ist dabei von zentraler Bedeutung.

Strassenverkehr glaubhaft nachgewiesen werden kann. Der in

Artikel 36ter Absatz 1 Buchstabe d der Bundesverfassung sta- Texte du postulat du 21 juin 1989

tuierte Auftrag, wonach der Bund Beiträge an Landschafts- Le Conseil fédéral est invité à reconsidérer à l'avenir les CFF

schutzmassnahmen zu leisten hat, die durch den motorisier- comme un service à la clientèle et à entreprendre des mesures

ten Strassenverkehr nötig werden, ist somit erfüllt. dans ce sens. Dans cette optique, il est de la plus grande im-

Weiter erhalten die Kantone nicht werkgebundene, allge- portance que les trains soient accompagnés par du personnel

meine Beiträge an die Kosten der dem Motorfahrzeugverkehr qualifié.

geöffneten Strassen und den Finanzausgleich: im laufenden

Jahr zusammen mit den ausserordentlichen Beiträgen von Mitunterzeichner - Cosignataires : Affolter, Bührer, Ducret, Jag-

150 Millionen Franken rund 414 Millionen Franken. Diese hi- rnetti, Meier Josi, Miville, Onken, Schoch, Simmen (9)

storisch aus dem alten Benzinzollviertel hervorgegangenen

allgemeinen Beiträge sind angesichts der heutigen gezielten Frau Weber: Unmittelbarer Anlass für mein Postulat war die

Werksubventionierungen nur noch damit zu begründen, dass Ankündigung der SBB, dass die Züge im Regionalverkehr,

sie der Abgeltung der mit dem Strassenbau und Strassenver- also dort wo das betrieblich und technisch möglich und wirt-

kehr verbundenen Inkonvenienzen der Kantone und einer zu- schaftlich ausgewiesen ist, sowie die Züge im Agglomerati-

sätzlichen Erleichterung der Finanzierung ihres Strassen- onsverkehr grundsätzlich in Zukunft unbegleitet geführt wer-

wesens dienen sollen. Die Motion Flückiger verlangt daher den. Diese Lösung soll gesamtschweizerisch gelten. Kurz

eine Abgeltung, die bereits in den allgemeinen Beiträgen ent- nach dieser Verlautbarung wurde im Raum Zürich eine Frau im

halten sein könnte. Für den Motionär ist den Kantonen offen- Zug ermordet, und das hat unsere Kollegin, Frau Ständerätin

bar zusätzlich zu den zweckgebundenen und den allgemei- Simmen, veranlasst, eine Interpellation einzureichen, in der

nen Beiträgen «generell ein bestimmter Anteil (zum Beispiel 1 sie eindringlich darauf verwiesen hat, dass die Züge begleitet

Prozent) aus den für den Nationalstrassenbau eingesetzten werden müssen. Unterdessen kam es im Kanton Zürich zu

Mitteln zur Verfügung zu stellen». Wenn die primäre Aufgabe zwei weiteren Kriminalfällen in Zügen, und ein Wagen der

des Nationalstrassenbaus dadurch nicht zusätzlich belastet S-Bahn ist sogar angezündet worden.

3. Oktober 1989 551 Postulat Weber. Begleitete Züge

Mein Postulat bittet den Bundesrat einerseits, ganz allgemein kannt, dass zur Aufrechterhaltung von Ordnung und Sicher-

darauf zu achten, dass die SBB als ein echter Dienstleistungs- heit in den Zügen in gewissen Regionen besondere Massnah-

betrieb zu betrachten seien. Ich meine das konstruktiv. An den men nötig sein können». Zürich ist eine solche Region. Aber

SBB wurde in den letzten Jahren viel herumgenörgelt. Der so- auch in anderen städtischen Agglomerationen in der Schweiz

genannte Leistungsauftrag wurde in allen Varianten interpre- können solche besonderen Massnahmen nötig sein. Ich bitte

tiert, und ich würde es verstehen, wenn man mir sagte, man sei Sie deshalb um Unterstützung dieses Postulates.

bei den SBB schon genügend verunsichert. Ich gehöre aber Ich fasse meine Ueberzeugung nochmals in drei Punkten zu-

nicht zu den Nörglern an den SBB. sammen: Die SBB haben zwar einen Leistungsauftrag, aber

Die SBB geben in diesem Jahr zirka 2 Milliarden Franken aus. die Leistung liegt in der Dienstleistung, und die Dienstleistung

Der Beobachter unserer öffentlichen Bundesverkehrsmittel ist nur gewährleistet, wenn der Kunde sich bei der Benützung

hat aber zunehmend den Eindruck, dass zwar sehr leicht Mit- des Zuges sicher fühlt.

tel für lukrative Aufträge an die Rollmaterialindustrie und an die

Bauindustrie aufgewendet werden - das ist sicher nötig -, Bundesrat Ogi: Das Postulat von Frau Ständerätin Weber for-

dass aber an die eigentliche Dienstleistung, die eben insbe- dert im Sinne echter Dienstleistung durch qualifiziertes Bahn-

sondere im menschlichen Kontakt besteht, zuwenig gedacht personal begleitete Züge. Der Bundesrat will das Postulat ent-

wird. Man wird mir vielleicht entgegnen, dass das aber etwas gegennehmen, soweit es um die Sicherheit der Bahnreisen-

koste. Natürlich kostet das etwas. Und es darf meines Erach- den geht. Aus aktuellem Anlass geht es Frau Ständerätin We-

tens auch etwas kosten. Es darf schon deshalb etwas kosten, ber vor allem um die Situation bei der Eröffnung der Zürcher

weil die SBB ohne qualifiziertes Personal an Stationen und in S-Bahn. Die General- und Kreisdirektion SBB haben mit der

den Zügen à la longue gar nicht mehr existieren können. Da Zürcher Regierung und dem Verkehrsverbund Zürich eine

nützen auch die schönsten Wagen nichts mehr. Die so innig Vereinbarung getroffen. Darüber will der Kanton Zürich dem-

erwünschten Kunden würden mehr und mehr ausbleiben. nächst orientieren. Ich will dieser Information nicht vorgreifen.

Damit bin ich beim zweiten Satz meines Postulates. Er sagt, Der Bundesrat ist froh, dass eine Lösung vorliegt, die beiden

dass die Begleitung der Züge durch qualifiziertes Bahnperso- Seiten entgegenkommen dürfte. Frau Ständerätin Weber

nal von zentraler Bedeutung für eine echte Dienstleistung der wurde darüber direkt informiert, und ich glaube zu wissen,

SBB sei. Damit der Fahrgast die Fahrt in einem Zug als Dienst- dass ihr Anliegen mindestens vorläufig erfüllt ist.

leistung empfindet, gehört es dazu, dass er sich im Zug sicher Das Postulat ist aber sehr allgemein formuliert. Deshalb muss

fühlt. Ein dauerndes Sichbedrohtfühlen führt nicht zu einem ich noch einige allgemeine Bemerkungen anbringen. Vermut-

behaglichen Fahren. Und wenn sich die männlichen Kollegen lich interessiert Sie auch der Hintergrund des Nebensatzes in

hier im Rat vielleicht kaum vorstellen können, dass man allein der Erklärung des Bundesrates: «Er ist bereit, soweit es um die

in einem Zug Angst haben kann, so kann ich mit Sicherheit sa- Sicherheit der Bahnreisenden geht.» Der Einsatz von Personal

gen, dass Frauen und Betagte tatsächlich Angst haben kön- auf den Stationen und in den Zügen ist grundsätzlich Sache

nen, wenn sie allein in einem Zug sind. Aber auch wenn nur wir der SBB. Der Bundesrat kann nicht sagen: In Zumikon bei-

Frauen uns unsicher fühlen sollten, sind wir doch eine kom- spielsweise braucht es soundsoviele Leute, und auf der

fortable Mehrheit, die sicher legitimiert ist, zu fordern, dass Strecke von A nach B braucht es soundsoviele Leute.

Züge begleitet werden. Vandalismus und Kriminalität, das Die SBB sind ein Unternehmen von beachtlicher Grosse. Zum

sind die beiden Gründe, weshalb Züge begleitet werden müs- guten Gedeihen brauchen sie möglichst viel Selbstverantwor-

sen. Professor Kilias, Kriminologe an der Universität Lausanne tung. Die SBB haben den Stellenwert guter Kundendienstlei-

hat dazu folgendes gesagt: «Es unterliegt kaum einem Zweifel, stungen durchaus erfasst. Beratung und Betreuung der Kun-

dass unbegleitete Züge in weitaus stärkerem Masse von Van- den und Fahrgäste stehen im Zentrum. Das Bedürfnis nach

dalenakten betroffen werden. Dies wirkt sich nicht nur in Scha- dieser Betreuung ist in den Regionalzügen aus Kundensicht

densbeträgen aus, sondern hat auch Folgen für das Sicher- weniger ausgeprägt. Die Erfahrungen vieler Privatbahnen mit

heits- oder Unsicherheitsgefühl der Passagiere. Amerikani- unbegleiteten Zügen bestätigen dies.

sche und britische Studien haben gezeigt, dass die Angst vor Angesichts der Personalengpässe und der Kostenentwick-

Kriminalität schlagartig zunimmt, wenn die Umgebung deut- lung müssen die SBB heute Schwerpunkte setzen. Die vor ei-

liche Anzeichen baulicher und sozialer Verwahrlosung auf- nigen Jahren von den SBB getroffenen strategischen Be-

weist wie etwa eingeschlagene Fensterscheiben, ver- schlüsse werden nun umgesetzt. In der Zwischenzeit ist die Fi-

schmierte Hauswände, verfallende Häuserzeilen, umgekippte nanzlage der SBB - Sie wissen es - auch nicht rosiger gewor-

Mülltonnen usw. Derartige Spuren mutwilliger Zerstörung ha- den. Im regionalen Personenverkehr haben wir einen Kosten-

ben Signalwirkung. Sie vermitteln dem Passanten die ver- deckungsgrad von mickrigen 24 Prozent. Das liegt sowohl an

steckte Botschaft, dass er ein Gebiet durchquert, wo die öffent- den tief gehaltenen Tarifen - denken wir nur an die günstigen

liche Ordnung abgedankt hat und allein das Recht des Stärke- Abonnemente - wie auch an den bisher vergleichsweise ho-

ren gilt. Dieselbe Wirkung geht wohl von beschädigten oder hen Kosten. Im regionalen Personenverkehr leistet der Bund

mit Graffiti verunzierten Bahnwagen aus. Angesichts der sexi- Abgeltungen für verlangte Fahrleistungen in der Höhe von

stischen, der Welt der Brutalos und Sex-Videos entstammen- über 500 Millionen Franken pro Jahr. Man kann von den SBB

den Schmierereien in den Vorortszügen vieler Grossstädte auch im Sektor Personaleinsatz Zusätzliches verlangen ge-

kann man Frauen sehr wohl verstehen, wenn sie die abendli- genüber dem, was für die SBB betrieblich nötig wäre. Wer dies

che Fahrt in diesem Umfeld nicht nur als lästig, sondern als tut, müsste konsequenterweise diese Zusatzleistungen ab-

sehr bedrohlich empfinden. Aehnliche Wirkungen gehen zu- gelten. Aus der Sicht der Kantone oder Gemeinden handelt es

weilen von Gruppen Jugendlicher aus, die im Kollektiv und oft sich um die Anwendung von Artikel 8 des Transportgesetzes.

unter Alkoholeinfluss randalieren oder durch ihre Aufma- Selbst wenn die SBB von aussen die Mehrkosten bezahlt er-

chung und ihr Benehmen die übrigen Passagiere einschüch- hielten, müssten sie zuerst noch das Personal finden, um

tern. Ob es tatsächlich zu Aggressionsdelikten kommt, ist wie- diese Leistungen zu erbringen.

derum nicht entscheidend. Es genügt, dass viele Reisende Im regionalen Personenverkehr, namentlich in den Agglome-

solche Situationen als bedrohlich empfinden.» rationen, sieht der Bundesrat die Bedürfnisse der Kunden als

Die Abschaffung der Kondukteure in den abendlichen Vororts- berechtigt an, und zwar weniger bei der Beratung und Kon-

zügen beraubt also die Reisenden einer wichtigen Hilfsquelle trolle als bei der Sicherheit. Sicherheit ist gerade in Grossag-

und erhöht objektiv ihre Verwundbarkeit. So meine ich denn, glomerationen und vor allem in Randstunden keine Selbstver-

die Argumentation der SBB, die sich auf der Ebene des statisti- ständlichkeit mehr. Um Vandalismus, Bedrohung und Gewalt

schen Risikos bewegt, geht an den Bedürfnissen ihrer Kunden zu bekämpfen, dafür sind aber die SBB-Mitarbeiter weder ge-

vorbei. schult noch von ihrer Aufgabe her besonders geeignet. Alle öf-

Meinen Vorstoss habe ich in Form eines Postulates einge- fentlichen Verkehrsbetriebe müssen zusammen mit Polizei

reicht. Ich bitte den Bundesrat, ihn entgegenzunehmen. Laut und anderen Fachstellen neue Lösungen suchen. Darum

einem Brief der SBB an den Volkswirtschaftsdirektor des Kan- setzte der Bundesrat in seiner Erklärung zum Postulat von

tons Zürich vom 30. Juni 1989 haben die SBB «immer aner- Frau Ständerätin Weber den Schwerpunkt bei der Sicherheit.

Interpellation Zumbühl. Demandes de la CEDRA 552 3 octobre 1989

In allen diesen Bereichen aber - und das betone ich zum zeptanz erheischenden Entscheid fällen. Gerade wenn man

Schluss noch einmal - handeln die SBB in erster Linie eigen- die Verhinderungsstrategie gewisser extremer Kreise in Be-

verantwortlich. tracht zieht, denen es nicht so sehr um Problemlösung als viel-

Wir sind bereit, das Postulat entgegenzunehmen. • mehr um Konfliktverlängerung geht, wünscht man sich, dass

die Handlungen und das Auftreten der Nagra keinen Vorwand

Ueberwiesen - Transmis hiezu geben.

Ich möchte in diesem Zusammenhang nicht auf die eher un-

geschickten Manöver und die politisch gefärbten Stellungnah-

men der Nagra-Vertreter in der Vergangenheit zurückkom-

#ST# 89.403 men, die in der betroffenen Bevölkerung mit Recht Beunruhi-

gung hervorgerufen haben. Neuestens musste es jedoch Be-

Interpellation Zumbühl denken erwecken, wenn die Nagra dem Vernehmen nach nun

versucht, bei der HSK beziehungsweise beim EVED ganz we-

Nagra-Gesuche zur Lagerung sentliche Auflagen des Bundesratsbeschlusses von 1985 ab-

radioaktiver Abfälle zuändern. Insbesondere die angestrebte zeitliche Entkoppe-

Entreposage de déchets lung der Untersuchungen an den drei beziehungsweise nun

vier möglichen Standorten erregt Misstrauen. Nicht ganz zu

radioactifs. Demandes de la CEDRA Unrecht argwöhnen die Behörden und die betroffenen Anstös-

Siehe Seite 198 hiervor - Voir page 198 ci-devant ser, dass eine zeitliche Staffelung der einzelnen Untersu-

chungsschritte schliesslich auch eine politische Prioritäten-

folge nach sich ziehen könnte. Laut dem neuesten Info-Bericht

der Nagra konnte die erste Untersuchungsphase bisher nur

an den zwei Standorten in Graubünden und Uri abgeschlos-

Danioth: Herr Bundesrat Ogi hat in der vergangenen Session sen werden. Am dritten Standort - Bois de la Glaive - stehen

bei der Behandlung des Geschäftsberichtes des Bundesrates sie noch aus. Das Bundesgericht musste gegen den Wider-

sowie im Zusammenhang mit der Beantwortung der Interpel- stand der betroffenen Gemeinden der Nagra erlauben, Pläne

lation meines Kollegen Zumbühl die Stellungnahme des Bun- aufzulegen, und ihr sogar Zutritt zu den Grundstücken ver-

desrates zur Lagerung der radioaktiven Abfälle dargelegt. schaffen.

Ich möchte vorweg dem Bundesrat für die erstmals in dieser Es leuchtet zwar ein, dass arbeitsorganisatorische Gründe

unmissverständlichen Form dargelegte Haltung danken, die und vorab ein möglichst kostensparendes Vorgehen nahele-

vorab in ihrer staatspolitischen Dimension nichts zu wünschen gen, nicht an allen möglichen Standorten gleichzeitig Sondier-

übriglässt. Massgeblich für die Wahl des Lagerstandortes ist stollen bis in den Endlagerbereich vorzutreiben. Dies hat auch

demnach in erster Linie das Erfordernis der nuklearen Sicher- Herr Bundesrat Ogi in der Beantwortung der Interpellation

heit. Zu berücksichtigen sind daneben aber auch noch Ge- Zumbühl zu Recht hervorgehoben. Eine rationelle und gestaf-

sichtspunkte der Raumplanung sowie des Umwelt- und des felte Arbeitsweise darf indessen nicht zu einer völligen zeitli-

Landschaftsschutzes, nicht aber politische Rücksichten. Wört- chen Entkoppelung der Untersuchungen führen. Insbeson-

lich erklärte dabei der bundesrätliche Sprecher: «Nicht in Be- dere ist die Voraussetzung für eine Abänderung von Auflagen

trachtfallen dürfen demgegenüber politische Kriterien. Einem des Bundesratsbeschlusses von 1985 nicht gegeben. Es

Standort darf nicht deshalb der Vorzug gegeben werden, weil muss nämlich unter allen Umständen sichergestellt werden,

sich Sondierungen und Lagerbau politisch leichter durchset- dass die bundesrätlichen Zielvorgaben nicht durch regionale

zen lassen.» Opposition unterlaufen werden. Diese Befürchtung wird ge-

Das bedeutet im Klartext: Regionalpolitische oder auch koor- rade im Kanton Uri geäussert, wo sich Behörden und Betrof-

dinierte politische Widerstände dürfen die Verwirklichung der fene, das darf man sicher sagen, bisher - wenn auch ohne

Aufgabe weder verhindern noch ungebührlich verzögern. So grosse Begeisterung, eine solche wird auch gar nicht verlangt

weit, so gut. - doch bundestreu und kooperativ verhalten haben. Unsere

In der Tat sind wir uns doch wohl alle bewusst, dass die fach- Bedenken finden neue Nahrung in jüngsten Aeusserungen

gerechte und umweltsichere Beseitigung der radioaktiven Ab- von Nagra-Mitarbeitern, so in einem kürzlich in der «NZZ» er-

fälle aus Medizin, Forschung und Wirtschaft eine nationale schienenen Artikel. Darin ist als Fazit festgehalten - nebst vie-

Aufgabe darstellt. Auch dürfte es unbestritten sein, dass die lem, das ich unterschreiben könnte -, die Obstruktion gegen

Schweiz aus Gründen der nationalen Unabhängigkeit und ein Endlagerprojekt in einer Region dürfe nicht zum «Warten

Souveränität, aber auch aus Rücksicht auf den Lebensraum auf den Letzten» führen. Es sei folglich nicht akzeptabel, dass

anderer Völker und Kontinente den eigenen radioaktiven Ab- die Errichtung eines Endlagers für radioaktive Abfälle von den

fall nicht einfach in ein Entwicklungsland abschieben oder in loyalen Standortregionen unter Hinweis auf die Obstruktion ei-

des Meeres Tiefe versenken darf. ner ändern Region abgelehnt würde. Sicherlich besteht kein

Die Konsequenzen unserer Wohlstandsgesellschaft und die Recht auf Gleichheit in der Verweigerung nationaler Aufgaben-

Redlichkeit unseres aussenpolitischen Handelns verlangen, erfüllung. Zutreffend ist auch, dass eine derartige freundeid-

dass wir dieses Problem in unserem Lande selber auf kor- genössische Sankt-Florians-Politik nicht die sach- und termin-

rekte, anständige Weise lösen, und zwar so, dass wir es auch gerechte Erfüllung der unabdingbaren Aufgaben unseres

nachfolgenden Generationen gegenüber verantworten kön- Landes verhindern darf. Irgendwo muss ja dann schliesslich

nen. gebaut werden, und gerade das Endlager für schwach- und

Die Magra hat unbestreitbar einen wichtigen nationalen Auf- mittelradioaktive Abfälle sollte - nach den Worten des Bundes-

trag zu erfüllen - das geht schon aus ihrem Namen hervor -, rates-sobald als möglich in Betrieb genommen werden. Aber

um den sie - zumindest was die politischen Rahmenbedin- ebenso gewiss ist, dass bei einer Laisser-faire-Politik der Ein-

gungen betrifft - nicht immer zu beneiden ist. Sie hat der HSK, druck entstünde, Opposition und Obstruktion müssten nur

der Hauptabteilung für die Sicherheit der Kernanlagen - bezie- lange und intensiv genug betrieben werden, dann lohnten sie

hungsweise dem übergeordneten Departement -, zuhanden sich und würden schliesslich staatlich -wenn auch nicht ganz

des Bundesrates aufgrund klar umschriebener Untersu- und gar abgesegnet, so doch hochoffiziell -toleriert. Kommt

chungsschritte aussagekräftige Ergebnisse zu unterbreiten. nicht auch Ihnen bei solchen Gedanken ein Stichwort in den

Sie ist aber keine politische Behörde und hat daher weder poli- Sinn, das da lautet: Kaiseraugst?

tische Entscheide zu fällen noch solche zu präjudizieren. Als Noch etwas: Wie soll der betroffenen Bevölkerung plausibel

Fachorgan ist sie der reinen Wissenschaftlichkeit verpflichtet, gemacht werden, dereinst den unangenehmen Entscheid als

denn davon hängt nicht zuletzt die Glaubwürdigkeit ihrer Aus- sachlich gerechtfertigt und politisch tragbar zu akzeptieren,

sagen und Schlussfolgerungen ab. Die Behörden ihrerseits vor allem, wenn es eine kleine, eine schwächere Region ist?

können nur so einen für das Land und insbesondere die be- Es ist am Bundesrat, der drohenden Destabilisierung seiner

troffenen Regionen auch politisch überzeugenden und Ak- Entsorgungspolitik in Form von exzessiven Verfahren und

Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften

Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées

Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali

Postulat Weber Begleitete Züge

Postulat Weber Personnel d'accompagnement des trains

In Amtliches Bulletin der Bundesversammlung

Dans Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale

In Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale

Jahr 1989

Année

Anno

Band IV

Volume

Volume

Session Herbstsession

Session Session d'automne

Sessione Sessione autunnale

Rat Ständerat

Conseil Conseil des Etats

Consiglio Consiglio degli Stati

Sitzung 09

Séance

Seduta

Geschäftsnummer 89.529

Numéro d'objet

Numero dell'oggetto

Datum 03.10.1989 - 17:00

Date

Data

Seite 550-552

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