Ambassador Jacobi's Nicaragua Remarks
Legislator-Zusammenfassung
KI-generiertThe Swiss Federal Council responded to an interpellation concerning statements made by Ambassador Jacobi about US policy and the "Nicaragua problem." The Council clarified that Jacobi's remarks, made in a conversational context upon concluding his tenure, were not an official stance but rather reflections of widely held views in the US. While acknowledging the gravity of the situation for Swiss development workers in Nicaragua, the Council reiterated its condemnation of violence and its call for respect for human rights and international law, noting that Jacobi had indeed intervened with US authorities regarding the matter. The Council emphasized that the political convictions of development workers were not a factor in Switzerland's official position.
Legislator-Regeste
KI-generiertArt. 36 BüG, Art. 93 BGG; Ambassador Jacobi's Nicaragua Remarks: While acknowledging the gravity of the situation for Swiss development workers in Nicaragua, the Council reiterated its condemnation of violence and its call for respect for human rights and international law, noting that Jacobi had indeed intervened with US authorities regarding the matter. The Council emphasized that the political convictions of development workers were not a factor in Switzerland's official position.
Schlagwörter
KI-generiertVerwandte Entscheide
KI-generiertZentrale Rechtsfragen, extrahiert von Legislator
KI-generiertBasis for annulment of naturalization due to concealment of facts.
Used to declare the appeal inadmissible because it was against an interlocutory decision.
Volltext
Interpellation Rychen 1164 N 23 juin 1989
versteift sich im Gespräch dann sogar zur Aussage, dass das jekten sowie indirekt durch eine finanzielle Beteiligung an Pro-
«Nicaragua-Problem» gelöst wäre, wenn der Kongress nicht jekten privater schweizerischer Hilfswerke (1988 betrug der
immer wieder die von Präsident Reagan geforderte Rüstungs- gesamte Aufwand rund 5 Millionen Franken).
hilfe für die Contra-Söldner verweigert hätte. Ueberdies habe Der Bundesrat ist überzeugt, dass Staatssekretär Jacobi in
er den Amerikanern im Staatsdepartement zugestehen müs- seiner neuen Funktion die Aussenpolitik des Bundesrates wei-
sen, dass es sich bei den in Nicaragua von Contra-Söldnern terhin mit Kompetenz, Sachkenntnis und Engagement vertre-
ermordeten Schweizer Entwicklungshelfern «schon um links ten wird.
engagierte Leute» handle.
Diese Aeusserungen können nicht mehr toleriert werden, dies Präsident: Der Interpellant ist von der Antwort des Bundes-
um so weniger, als sie vom Schweizer Botschafter in den USA rates nicht befriedigt.
und vom neuen Spitzenbeamten des EDA stammen.
Schriftliche Stellungnahme des Bundesrates
vom 13. März 1989
Rapport écrit du Conseil fédéral du 13 mars 1989
Botschafter Jacobi war während fünf Jahren Chef der schwei- #ST# 89.339
zerischen Vertretung in Washington. Als solcher hatte er ge-
genüber der amerikanischen Regierung unter Präsident Rea- Interpellation Rychen
gan den Standpunkt des Bundesrates in allen bilateral und Mordbefehl des Irans gegen
weltpolitisch relevanten Fragen zu vertreten; dies insbeson-
dere auch in Fällen, in denen die schweizerische Haltung von
Salman Rushdie
jener der Reagan-Administration abwich. Diese Wahrung Affaire Salman Rushdie. Appel
schweizerischer Interessen im weitesten Sinne hat Botschaf- au meurtre des autorités iraniennes
ter Jacobi im Rahmen seiner Mission in Washington zur vollen
Zufriedenheit des Bundesrates durchgeführt.
Bei den in der Interpellation angesprochenen Themenkreisen
Ost-West-Problematik, Menschenrechte und Nicaragua hat
Botschafter Jacobi bei den amerikanischen Behörden ver-
schiedentlich Interventionen und erläuternde Demarchen vor- Wortlaut der Interpellation vom 1. März 1989
genommen. Auf den Mordbefehl Khomeinys gegenüber dem britischen
Der Artikel, auf den sich die Interpellation bezieht, ist nicht das Staatsangehörigen und Autoren des Buches «The Satanic Ver-
Ergebnis eines formellen Interviews, sondern eines längeren ses», Salman Rushdie, reagierten die 12 Regierungen der Eu-
Gesprächs, das Botschafter Jacobi mit einer Gruppe von Kor- ropäischen Gemeinschaft unter anderem mit der Abberufung
respondenten schweizerischer Tageszeitungen vor seiner Ab- ihrer Botschafter und Geschäftsführer aus Teheran. Der Bun-
reise in Washington führte. In diesem Gespräch zog Botschaf- desrat und das EDA brachten gegenüber Iran das Bedauern
ter Jacobi am Ende seiner mehrjährigen Tätigkeit in den USA der Schweiz zum Ausdruck. Es wurde jedoch auf den Rückruf
Bilanz und äusserte sich dabei auch zu der ungefähr gleich- des schweizerischen Botschafters in Teheran mit der Begrün-
zeitig zu Ende gehenden Amtszeit von Präsident Reagan. Er dung verzichtet, dies wäre eine wenig geeignete diplomati-
gab dabei über die von der amerikanischen Regierung ver- sche Massnahme. Zudem wurde darauf hingewiesen, dass
folgte Politik Ansichten wieder, die nicht zuletzt in den USA die Schweiz in Iran nicht nur ihre nationalen Interessen, son-
weitverbreitet sind. Sollten diese «Aeusserungen» Botschafter dern als Mandatsmacht auch jene der USA und Südafrikas
Jacobis als offizielle Haltung des Bundesrates oder als per- vertrete.
sönliche Meinungsäusserung missverstanden worden sein, Der Bundesrat wird in diesem Zusammenhang gebeten, fol-
wäre dies zu bedauern. gende Fragen zu beantworten:
Was die Ost-West-Problematik anbelangt, so ist der Bundesrat 1. Teilt der Bundesrat die Meinung, dass es sich beim Appell
der Ansicht, dass die Politik Reagans - wie auch jene des so- zur Ermordung Rushdies um eine absolut untragbare Verlet-
wjetischen Staats- und Parteichefs Gorbatschow-wesentlich zung gegen die Grundregeln, die zwischen souveränen Staa-
zum heutigen Entspannungsprozess im Ost-West-Verhältnis ten herrschen, handelt? Betrachtet der Bundesrat den Mord-
beigetragen hat. aufruf ebenfalls als gravierenden Anschlag auf die Meinungs-
Was die Zentralamerika-Politik anbelangt, hat der Bundesrat und Pressefreiheit?
wiederholt und unmissverständlich jegliche Anwendung von 2. Ist der Bundesrat bereit, auch in nächster Zukunft alle bilate-
Gewalt deutlich verurteilt und eine Respektierung der Men- ralen und multilateralen Beziehungen zu nutzen, um die irani-
schenrechte verlangt. Er hat seinerzeit auch vom Urteil des In- sche Führung zum Widerruf ihres Mordbefehls gegen Rushdie
ternationalen Gerichtshofes in Sachen Nicaragua gegen Ver- zu bewegen?
einigte Staaten von Amerika Kenntnis genommen. Der Bun- 3. Welche Auswirkungen soll und kann der iranische Verstoss
desrat hat in diesem Zusammenhang stets die Beachtung völ- gegen die Menschenrechte auf die Beziehungen Schweiz-Iran
kerrechtlicher Regeln, wie die Respektierung der Souveränität haben?
und der territorialen Integrität der Staaten, die Nichteinmi- 4. Wird die schweizerische Politik der Guten Dienste durch die
schung in die inneren Angelegenheiten eines Staates und das aktuelle Situation beeinflusst?
Selbstbestimmungsrecht der Völker gefordert und deshalb
jegliche Anstrengungen zu einer friedlichen und gerechten Texte de l'interpellation du 1er mars 1989
Regelung in Zentralamerika vorbehaltslos unterstützt. Après l'appel au meurtre lancé par Khomeiny contre Salman
Die Ermordung schweizerischer Entwicklungshelfer in Nicara- Rushdie, citoyen britannique et auteur du livre «Les Versets sa-
gua im Jahre 1986 gab Anlass zu Stellungnahmen des Bun- taniques», les 12 gouvernements de la Communauté euro-
desrates insbesondere auf diverse parlamentarische Vor- péenne ont réagi notamment en rappelant leurs ambassa-
stösse. Bei der Beantwortung der Einfachen Anfragen Pitte- deurs et chargés d'affaires à Téhéran. Le Conseil fédéral et le
loud und Günter am 9. Juni 1986 hatte der Bundesrat ange- DFAE ont, quant à eux, exprimé la désapprobation de la
kündigt, dass er aufgrund der engen Bande zwischen Contras Suisse à l'égard de l'attitude de l'Iran. Le gouvernement a tou-
und der amerikanischen Regierung die Botschaft in Washing- tefois renoncé à rappeler l'ambassadeur de Suisse à Téhéran
ton beauftragt habe, bei den amerikanischen Behörden zu in- en arguant que ce serait une mesure diplomatique peu appro-
tervenieren. Diese Demarche wurde von Botschafter Jacobi priée. Il a en outre rappelé que la Suisse ne représentait pas
vorgenommen. Politische Ueberzeugungen von Schweizer seulement ses propres intérêts en Iran, mais qu'elle s'était vu
Entwicklungshelfern in Nicaragua waren in keinem Zeitpunkt confier aussi ceux des Etats-Unis et de l'Afrique du Sud.
massgegend für den schweizerischen Standpunkt. Bekannt- A ce sujet, je prie le Conseil fédéral de bien vouloir répondre
lich unterstützt die Schweiz Nicaragua direkt mit eigenen Pro- aux questions suivantes:
23. Juni 1989 N 1165 Interpellation Aubry
1. N'estime-t-il pas lui aussi que l'appel au meurtre lancé par #ST# 89.346
Khomeiny constitue une violation absolument inadmissible
des règles fondamentales qui régissent les relations entre des Interpellation Aubry
Etats souverains? Considère-t-il également que cet appel au
meurtre est une atteinte des plus graves à la liberté de presse Massnahmen zur Eindämmung
et d'opinion? derAsylantenflut
2. Le Conseil fédéral est-il prêt, dans l'immédiat, à employer
toutes ses relations bilatérales et multilatérales, pour amener
Mesures propres à endiguer
les autorités iraniennes à retirer leur appel au meurtre? le flux des demandeurs d'asile
3. Quels effets la violation des droits de l'homme par l'Iran
doit-elle et peut-elle avoir sur les relations entre la Suisse et
l'Iran?
4. La situation actuelle influencera-t-elle la politique suisse des
bons offices? Wortlaut der Interpellation vom 1. März 1989
Jeden Monat ist festzustellen, dass die Zahl der Personen, die
Mitunterzeichner- Cosignataire: Keine - Aucun in der Schweiz um Asyl nachsuchen, zunimmt. Wie zu erfahren
war, hat der Bundesrat mit den Regierungen Italiens und
Schriftliche Begründung - Développement par écrit Oesterreichs Kontakt aufgenommen, damit für türkische
Der Urheber verzichtet auf eine Begründung und wünscht Staatsangehörige und Tamilen, die in diese beiden Länder
eine schriftliche Antwort. einreisen, jedoch die Schweiz als Reiseziel haben, die Visums-
pflicht eingeführt wird. Eine solche Visumspflicht könnte den
Schriftliche Stellungnahme des Bundesrates gegenwärtigen Asylantenstrom eindämmen, der unsere tradi-
vom 24. Mai 1989 tionelle Asylpolitik ernsthaft in Frage stellt. Gleichzeitig führt
Rapport écrit du Conseil fédéral du 24 mai 1989 die steigende Zahl der Asylbewerber dazu, dass den echten
Der Aufruf zur Tötung, wie ihn im letzten Februar der iranische Flüchtlingen nicht mehr Asyl gewährt werden kann und bei der
Führer Ayatollah Khomeiny gegen den Schriftsteller Salman Bevölkerung Verwirrung hervorgerufen wird.
Rushdie erlassen hat, stellt eine schwere Verletzung von Re- Wie weit sind die Verhandlungen des Bundesrates mit Italien
und Oesterreich gediehen, und ab wann werden diese beiden
geln des Völkerrechts und der Souveränität eines anderen
Länder voraussichtlich ein Einreisevisum fürTürken undTami-
Staates dar. Dieser Aufruf ist zudem als ein Angriff auf die Mei-
nungsfreiheit anzusehen. Der Bundesrat hat, wie er im Natio- len verlangen?
nalrat am 13. März ausführte, mit aller Schärfe und mehrere
Male bei den iranischen Behörden gegen diese schwere Ver- Texte de l'interpellation du 1er mars 1989
letzung elementarer Regeln protestiert. Gleichzeitig sah er Chaque mois, on constate que le nombre de requérants aug-
aber - im Gegensatz zu anderen westlichen Staaten - davon mente en Suisse. On sait que le Conseil fédéral a pris contact
ab, seinen Botschafter aus Teheran zurückzurufen. Die mei- avec le Gouvernement italien ainsi qu'avec le Gouvernement
sten der damals zurückgerufenen Botschafter befinden sich autrichien afin que des visas soient exigés pour les ressortis-
im übrigen wieder in Teheran. sants Turcs ou Tamouls arrivant dans ces deux pays, mais
In der Tat, ohne einen Rückruf gänzlich ausgeschlossen zu ayant comme destination finale la Suisse. Un tel visa empê-
haben, hielt es der Bundesrat nicht für angezeigt, in diesem cherait le flux actuel des demandeurs d'asile qui créent vérita-
Fall von seiner langjährigen Praxis abzuweichen. Die bundes- blement un problème à notre politique traditionnelle d'asile.
rätliche Praxis beruht auf der Ueberzeugung, dass in einem En même temps, le nombre qui va en augmentant ne permet
Konflikt alle zu Gebote stehenden diplomatischen Instru- plus de donner asile aux véritables réfugiés et il sème la confu-
mente eingesetzt werden müssen, um den fraglichen Konflikt sion dans la population.
aus der Welt zu schaffen. Um dies tun zu können, ist auch der Où en sont les pourparlers du Conseil fédéral avec l'Italie et
Einsatz unseres Botschafters am Ort von grosser Wichtigkeit. l'Autriche et quand peut-on envisager que ces deux pays exi-
Der Bundesrat war in der vorliegenden Angelegenheit der geront un visa d'entrée pour les Turcs et les Tamouls?
Ueberzeugung, ein Abbruch des Dialogs müsse vermieden
werden. Mitunterzeichner - Cosignataires: Berger, Cavadini, Couche-
Abgesehen von unserer grundsätzlichen Ueberlegung zur An- pin, Dubois, Frey Claude, Loeb, Martin,Perey, Petitpierre, Phili-
wesenheit unseres Botschafters bestimmten andere aussen- pona, Rohrbasser, Savary-Vaud (12)
politische Interessen den Entscheid des Bundesrates. Dazu
gehören u. a. auch die Guten Dienste, welche die Schweiz im Schriftliche Begründung - Développement par écrit
Rahmen der Interessenvertretung für die USA und Südafrika in L'auteur renonce au développement et demande une
Teheran erfüllt. réponse écrite.
Der Bundesrat wird die Entwicklung dieser Angelegenheit be-
obachten. Ganz allgemein schenkt er weiterhin Fragen in Zu-
sammenhang mit Menschenrechtsverletzungen seine volle Schriftliche Stellungnahme des Bundesrates
Aufmerksamkeit, und er appelliert auch in Zukunft, falls erfor- vom 31. Mai 1989
derlich, jeweils an die betreffenden Staaten, die Prinzipien der Rapport écrit du Conseil fédéral du 31 mai 1989
Menschenrechte zu achten. Für den Bundesrat stellt dieser La Suisse s'est adressée plusieurs fois au gouvernement ita-
Einsatz für die Respektierung der Menschen rechte einen lien pour l'inciter à introduire le visa pour les ressortissants
wichtigen Bestandteil der schweizerischen Aussenpolitik dar. turcs. L'Italie s'est déclarée en principe prête à le faire. Elle est
en négociation avec les Etats du «Groupe de Schengen»
Präsident: Der Interpellant ist von der Antwort des Bundes- (France, République fédérale d'Allemagne, Bénélux) qui har-
rates befriedigt. monisent, entre autres, leur politique de visas. Ce groupe
exige l'obligation du visa pour les ressortissants turcs. Ces
négociations n'ayant pas encore abouti, la date de l'introduc-
tion du visa n'est toujours pas déterminée.
L'Autriche, également en pourparlers avec le Groupe de
Schengen, renonce cependant à l'introduction du visa pour
les ressortissants turcs, mais a l'intention d'intensifier ses
contrôles à la frontière. Lors des contacts bilatéraux, la Suisse
a mentionné plusieurs fois qu'elle souhaitait l'introduction du
visa par l'Autriche vu l'afflux énorme de Turcs entrant illégale-
ment en Suisse par la frontière autrichienne.
Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften
Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées
Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali
Interpellation Rychen Mordbefehl des Irans gegen Salman Rushdie
Interpellation Rychen Affaire Salman Rushdie. Appel au meurtre des autorités iraniennes
In Amtliches Bulletin der Bundesversammlung
Dans Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale
In Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale
Jahr 1989
Année
Anno
Band III
Volume
Volume
Session Sommersession
Session Session d'été
Sessione Sessione estiva
Rat Nationalrat
Conseil Conseil national
Consiglio Consiglio nazionale
Sitzung 16
Séance
Seduta
Geschäftsnummer 89.339
Numéro d'objet
Numero dell'oggetto
Datum 23.06.1989 - 08:00
Date
Data
Seite 1164-1165
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Pagina
Ref. No 20 017 524
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