Legislator Rechtsprechung & Gesetzgebung
VPB 89-237 KI-generiert

Education Initiative Rejected as Federal-Cantonal Cooperation Deemed Sufficient

Geschäftsnummer VPB 89-237
Gericht / Behörde
Rechtsordnung Schweiz · Verwaltungspraxis der Bundesbehörden (VPB) (CH)
Entscheiddatum
Ausgang Abgewiesen (Dismissed)

Legislator-Zusammenfassung

KI-generiert

A parliamentary initiative proposed adding an education article to the Swiss Federal Constitution to create a coordinated national education system encompassing all levels from preschool to tertiary education and including vocational and adult education. The initiative aimed to define responsibilities among federal, cantonal, and municipal levels and the private sector, harmonize Swiss and foreign education systems, and reduce regional disparities in educational offerings. The commission's majority concluded that the current constitutional framework and existing cooperative mechanisms among cantons were sufficient, rejecting the initiative while supporting a postulat for specific diploma recognition issues.

Legislator-Regeste

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Art. 68 GRN-Catégorie, Art. 93 Absatz, Art. 34ter Abs. 1 Bst, Art. 27 BV, Art. 27 est, Art. 68 GRN; Education Initiative Rejected as Federal-Cantonal Cooperation Deemed Sufficient: The initiative aimed to define responsibilities among federal, cantonal, and municipal levels and the private sector, harmonize Swiss and foreign education systems, and reduce regional disparities in educational offerings. The commission's majority concluded that the current constitutional framework and existing cooperative mechanisms among cantons were sufficient, rejecting the initiative while supporting a postulat for specific diploma recognition issues.

Schlagwörter

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parlamentarische Initiative Verfassung Erwachsenenbildung Referendum Regionales Missverhältnis interinstitutionelle Zusammenarbeit
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Zentrale Rechtsfragen, extrahiert von Legislator

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Art. 93 al. 1 BV

Cited as the legal basis for submitting the parliamentary initiative.

Art. 21 bis GVG

Cited as the legal basis for submitting the parliamentary initiative.

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Volltext

2. März 1992 N 225 Parlamentarische Initiative. Bildungsrahmenartikel

Gonseth, Grendelmeier, Gross Andreas, Grossenbacher, Rechtliches Instrument dazu wäre ein Bildungsrahmenartikel

Haering Binder, Hafner Rudolf, Hafner Ursula, Haller, Häm- in der Bundesverfassung. Zum einen müsste er die gesamte

merle, Herczog, Hess Peter, Hildbrand, Hollenstein, Huba- Regelschulung und die Schulung von Beeinträchtigten von

cher, Iten Joseph, Jäggi Paul, Jeanprêtre, Jöri, Keller Anton, der Vorschulstufe bis zur Tertiärstufe umfassen. Zum anderen

Kühne, Ledergerber, Leemann, Leu Josef, Leuenberger Ernst, würde er in der Berufsbildung und in der ausserberufliehen Er-

Maeder, Marti Werner, Matthey, Mauch Ursula, Meier Hans, wachsenenbildung sowohl die Grundausbildung als auch die

Meier Samuel, Meyer Theo, Misteli, Oehler, Raggenbass, Re- Weiter- und Fortbildung berücksichtigen.

beaud, Rechsteiner, Robert, Ruckstuhl, Ruffy, Schmid Peter, Innerhalb eines Ordnungsrahmens für die Gesetzgebungs-,

Schmidhalter, Schnider, Segmüller, Seiler Rolf, Sieber, Spiel- Betriebs- und Finanzierungszuständigkeiten der verschiede-

mann, Stamm Judith, Steiger, Strahm Rudolf, Theubet, Thür, nen Trägerschaften würde der Bildungsartikel ausdrücklich

Tschäppät Alexander, Vollmer, Weder Hansjürg, Wick, Wieder- Freiräume für vielfältige und zukunftweisende Entwicklungen

kehr, Ziegler Jean, Zisyadis, Züger, Zwahlen, Zwygart (96) offenhalten.

Ein möglicher sachlogischer Aufbau eines Bildungsrahmenar-

Für den Antrag der Minderheit stimmen die folgenden Ratsmit- tikels:

glieder: - Zweckumschreibung: Darstellung der Ordnungs-, Koordi-

Votent pour la proposition de la minorité: nations-, Ausgleichs- und Entwicklungsfunktionen des Bun-

Allenspach, Aregger, Aubry, Berger, Bezzola, Binder, Bischof, des unter Berücksichtigung der regionalen kulturellen Eigen-

Blatter, Blocher, Bonny, Borer Roland, Borradori, Bortoluzzi, arten und Rahmenbedingungen.

Bühler Simeon, Bührer Gerold, Camponovo, Cavadini - Ordnung der Zuständigkeiten: Zuordnung der Aufgaben der

Adriano, Chevallaz, Cincera, Comby, Couchepin, Daepp, Trägerschaften in den Bereichen: Vorschulstufe, Primarstufe,

Dettling, Dreher, Ducret, Eggly, Epiney, Etique, Eymann Chri- Sekundarstufe l (Oberstufe), Sekundarstufe II (Berufslehre,

stoph, Fehr, Fischer-Hägglingen, Fischer-Seengen, Fischer- Mittelschule), Tertiärstufe (Universitäten, ETH, HTL, HWV, hö-

Sursee, Friderici Charles, Fritschi Oscar, Früh, Giezendanner, here Fachschulen) und Sonderschulung/erstmalige berufli-

Giger, Gros Jean-Michel, Guinand, Gysin, Hari, Heberlein, He- che Eingliederung von Beeinträchtigten.

getschweiler, Hess Otto, Jenni Peter, Keller Rudolf, Kern, - Koordination Binnenschweiz und Schweiz-Ausland: Zur Ver-

Leuba, Loeb François, Luder, Mamie, Maspoli, Mauch Rolf, meidung von Doppelspurigkeiten und zur Erreichung der Frei-

Miesch, Moser, Mühlemann, Müller, Nabholz, Narbel, zügigkeit von Schülern, Studenten und Lehrkräften sind inner-

Neuenschwander, Perey, Philipona, Pidoux, Poncet, Reimann halb der Schweiz und in Verbindung mit ausländischen Bil-

Maximilian, Ruf, Rutishauser, Rychen, Savary, Scheidegger, dungssystemen wechselseitige Abstimmungen vorzuneh-

Scherrer Jürg, Scherrer Werner, Scheurer Rémy, Schmied men. Angepeilt werden könnten sie z. B. mit Mindestvorschrif-

Walter, Schwab, Seiler Hanspeter, Spoerry, Stalder, Steffen, ten in folgenden Bereichen: Zulassung, zeitliche Dauer und

Steinemann, Stucky, Tschopp, Tschuppert Karl, Vetterli, Wan- Grobstruktur der Bildungsgänge, allgemeingültige Lehrplan-

ner, Wittenwiler, Wyss, Zölch (89) anteile, Anerkennung von Zertifikaten (Bildung und Praxis),

Uebergangsbrücken zwischen Bildungsinstitutionen und zwi-

Abwesend sind die folgenden Ratsmitglieder - Sont absents: schen Ausbildung und Praxis usw.).

Caccia, Cotti, Frey Claude, Frey Walter, Jaeger, Leuenberger - Regelung von Zuständigkeiten bei neuen Bildungsaufga-

Moritz, Maître, Maurer, Pini, Rohrbasser, Sandoz, Stamm Luzi, ben: Mittels einer Kompetenznorm wird dem Bund die Feder-

Steinegger, Suter (14) führung beim gemeinsamen Aushandeln von Neuzuständig-

keiten zwischen Bund, Kantonen und Wirtschaft übertragen.

Präsident Nebiker stimmt nicht Auf diese Weise soll verhindert werden, dassfür neue wichtige

M. Nebiker, président, ne vote pas Bildungsaufgaben jahrelang keine Instanz zuständig ist

-Ausgleichsfunktionen des Bundes: Dem Bund werden In-

strumente zur Verfügung gestellt, damit er allzu grosse Bil-

dungsgefälle (Angebots- und Nachfrageseite) zwischen Re-

gionen in Absprache mit den Betroffenen ausgleichen kann.

-Weiterentwicklung des schweizerischen Bildungswesens:

#ST# 89.237 Die notwendigen Voraussetzungen für eine systematische zu-

kunftsgerichtete Fortentwicklung des Bildungswesens (Bil-

Parlamentarische Initiative dungsforschung, Reformprojekete, Evaluation von Neuerun-

(Zbinden Hans) gen) sind in Zusammenarbeit mit den Kantonen und der Wirt-

Bildungsrahmenartikel schaft zu schaffen.

in der Bundesverfassung Zur Wahrung sowie zum Auf- und Ausbau dieser Aufgaben un-

terhält, restrukturiert, schafft oder initiiert der Bund die entspre-

Initiative parlementaire chenden eidgenössischen Organe (EVD: Biga; EDI: BSV,

(Zbinden Hans) Bundesamt für Bildung und Wissenschaft, Wissenschaftsrat,

Article constitutionnel sur l'éducation Hochschulrat) und interkantonalen Organe (EDK, Hochschul-

konferenz), und zwar in Absprache mit den Gemeinden, den

Kategorie III, Art 68 GRN-Catégorie III, art 68RCN Kantonen und der Wirtschaft. Er bestimmt auch die zuständi-

gen Instanzen für die Vorbereitung und den Abschluss interna-

tionaler Vereinbarungen im Bildungswesen.

Texte de l'initiative du 23 juin 1989

Wortlaut der Initiative vom 23. Juni 1989 Conformément à l'article 93, 1er alinéa, de la Constitution fé-

Gestützt auf Artikel 93 Absatz 1 der BV und auf Artikel 21 bis dérale, et à l'article 21 bis de la loi sur les rapports entre les

des GVG reiche ich folgende parlamentarische Initiative in der conseils, je présente l'initiative parlementaire ci-après, sous la

Form einer allgemeinen Anregung ein: forme d'une demande conçue en termes généraux

Es sei ein integral koordiniertes schweizerisches Bildungswe- Notre pays doit tendre vers un système de formation entière-

sen anzustreben, in welchem Gemeinden, Kantone, Bund und ment coordonné sur le plan national, consistant en un réseau

Wirtschaft als vernetzte Trägerschaften ihre Bildungsbemü- au sein duquel les communes, les cantons, la Confédération

hungen wechselseitig aufeinander abstimmen. Darüber hin- et le secteur privé harmoniseraient leurs efforts en matière de

aus sollen Harmonisierungen zwischen den schweizerischen formation. Il faudrait en outre viser à une coordination des sys-

und ausländischen Bildungssystemen ermöglicht werden. Im tèmes de formation entre la Suisse et l'étranger. On s'efforcera

weiteren wären gravierende regionale Angebots- und Nachfra- enfin de réduire les différences considérables qui existent

geunterschiede innerhalb unseres Bildungwesens vermehrt d'une région à l'autre quant à l'offre et à la demande de possi-

auszugleichen. bilités de formation.

Initiative parlementaire. Article sur l'éducation 226 N 2 mars 1992

L'instrument juridique de cette harmonisation serait l'introduc- Wir unterbreiten Ihnen hiermit gemäss Artikel 21 ter des Ge-

tion, dans la Constitution fédérale, d'un article sur l'éducation schäftsverkehrsgesetzes den Bericht der vorprüfenden Kom-

conçu en termes généraux Cet article porterait d'une part sur mission über die von Nationalrat Hans Zbinden am 23. Juni

la totalité de l'enseignement régulier et sur la formation des 1989 eingereichte parlamentarische Initiative. Die Initiative for-

personnes défavorisées, du niveau préscolaire au niveau dit dert die Aufnahme eines alle Stufen der Ausbildung umfassen-

tertiaire, et d'autre part sur la formation professionnelle et den Bildungsartikels in die Bundesverfassung.

extra-professionnelle des adultes, couvrant tant la formation Die Kommission hat den Initianten an ihrer Sitzung vom 8. Mai

initiale que la formation continue. 1990 angehört und die Diskussion an ihren Sitzungen vom

Cet article constitutionnel définirait les compétences des orga- 28. August und vom 19./20. November 1990 fortgesetzt

nes responsables aux différents niveaux quant à la gestion

ainsi qu'en matière législative et financière, tout en prévoyant Begründung des Initianten (gekürzt)

expressément des ouvertures, qui sont nécessaires au vu des Seit der Gründung des Bundesstaates bildete die Diskussion

nombreuses innovations que connaît le domaine de la forma- um einen Bildungsartikel eine historisch-politische Konstante.

tion. Die Diskussionen wurden immer von der Dimension Födera-

Je propose de donner à cet article la structure logique sui- lismus-Zentralismus begleitet

vante: Vor rund 20 Jahren wurde über einen Bildungsartikel auf eid-

- Objet: Description des fonctions assumées par la Confédé- genössischer Ebene gesprochen. Der Souverän akzeptierte

ration dans le domaine de l'éducation quant à l'organisation, à den Artikel, welcher jedoch am Ständemehr scheiterte. Da-

la coordination, au rééquilibrage et à l'évolution compte tenu mals wurde mit der beschleunigten gesellschaftlichen und

des spécificités culturelles des régions ainsi que de leurs im- ökonomischen Entwicklung zwischen 1945 und 1973 argu-

pératifs. mentiert Ich behaupte, dass diese seit 1973 mit ähnlich rasan-

- Répartition des compétences: Les communes, les cantons, ter Geschwindigkeit fortgeführt wurde (Mobilität, Verstädte-

la Confédération et le secteur privé se répartissent les tâches rungsprozesse, Abwanderung, sektorielle Veränderung in

qui leur incombent respectivement dans les domaines sui- Richtung Dienstleistungen).

vants: niveau préscolaire, école primaire, école secondaire du Auch die übrigen Argumente gelten noch heute:

1 er degré (degré supérieur) et du 2e degré (école profession- -Lücken im schweizerischen Bildungswesen: Sonderschu-

nelle, gymnase ou collège), formation tertiaire (université, lung, Erwachsenenbildung, Weiterbildung;

EPF, ETS, ESCEA, école supérieure spécialisée), école à pro- - Bildungsgefälle zwischen den Kantonen (vor allem Hoch-

gramme d'enseignement spécial ou entrée dans la vie active schul- und Nichthochschulkantone).

des personnes défavorisées. Geändert hat einzig, dass die Nichthochschulkantone durch

- Coordination au niveau suisse ainsi qu'entre la Suisse et Beiträge die Belastung der Universitätskantone senken (Inter-

l'étranger: Afin d'éviter que des mêmes tâches soient accom- kantonale Vereinbarung über Hochschulbeiträge).

plies par des organismes différents pour parvenir à la libre cir- Heute kommen noch weitere Argumente dazu. Im Rahmen

culation des écoliers, des étudiants et des enseignants, on vi- der Europadiskussion wurden bereits bestimmte Massnah-

sera à une harmonisation de l'instruction au niveau suisse men getroffen (Freizügigkeit im Bereich der Universitäten). Die

ainsi qu'avec l'étranger. Pour ce faire, on établira les condi- Verantwortung beim Entstehen neuer Bildungsaufgaben wird

tions minimales qui devront être remplies notamment dans les einander wechselseitig zugeschoben (z. B. Erwachsenenbil-

secteurs ci-après: admission, durée et structure globale des dung). Es müsste ein Mechanismus geschaffen werden, mit

cycles de formation, objectifs généraux des plans d'études, re- dem man im Gespräch eine neu entstehende Aufgabe einer

connaissance des diplômes (études et pratique), passage bestimmten Ebene zuordnen könnte. Wer ist für die ökologi-

d'un établissement à l'autre ainsi que des études à la vie pro- sche Bildung verantwortlich? Immer mehr Leute stehen noch

fessionnelle, etc. nicht im Erwerbsleben, sind temporär oder ganz draussen. Es

- Répartition des compétences nouvelles en matière de for- besteht kein Basislehrplan, der für alle Kantone gilt Im Sinne

mation: La Confédération est chargée, au moyen d'une norme der Kohäsion der Regionen sollte eine Basis mit gesamt-

de compétences, de négocier l'attribution de toute nouvelle schweizerischen Elementen geschaffen werden, die mit kan-

compétence soit à la Confédération, soit aux cantons, soit au tons- und regionenspezifischen Elementen ergänzt werden

secteur privé. Le but de cette norme est d'éviter qu'au moment könnte. Es gibt auch die Freizügigkeitsproblematik von Lehr-

où de nouveaux besoins apparaissent importants, aucune au- kräften, Beratungs- und Therapiepersonal.

torité ne puisse y répondre pendant plusieurs années, faute de Im Bereich der höheren Fachschulen haben wir ein Zweiklas-

compétences en la matière. sensystem. Die höheren Fachschulen (HTL, HWV, Techniker-

- Rééquilibrage assuré par la Confédération: La Confédéra- schulen u. a) sind durch das Berufsbildungsgesetz abge-

tion est dotée des instruments qui lui permettront de réduire, deckt Nicht abgedeckt sind die Schulen für soziale, pflegeri-

après avoir consulté les intéressés, les différences considéra- sche und künstlerische Berufe. Eine systematische Reorgani-

bles qui existent d'une région à l'autre entre l'offre et la de- sation sollte hier durchgeführt werden. Innovationsförderung

mande de possibilités de formation. sollte im Bildungsbereich ebenso systematisch betrieben wer-

- Développement du système de formation suisse: Avec le den wie im Bereich der Wirtschaft

concours des cantons et du secteur privé, la Confédération Das schweizerische Bildungssystem ist ad hoc gewachsen.

créera les instruments nécessaires à un développement systé- Kantone und Schultypen haben sich nebeneinander additativ

matique de notre système de formation, qui soit tourné vers entwickelt Es besteht keine Gesamtbildungskonzeption. Die

l'avenir (recherches, réformes, évaluation de projets). Philosophie des Additiven müsste durch eine ganzheitliche

Dans l'accomplissement de ses tâches, la Confédération fi- Philosophie ersetzt werden. Das Schweizer Bildungswesen

nancera, restructurera, créera ou mandatera les services res- müsste als System gesehen werden, dessen Elemente sich

ponsables sur le plan fédéral (DFEP: OFIAMT; DPI: OFAS, Of- wechselseitig vernetzen. Ein modernes Schulsystem der Zu-

fice fédéral de l'éducation et de la science, Conseil suisse de la kunft muss ohne Hindernis begehbare Uebergänge von ei-

science, Conseil des écoles polytechniques fédérales) et nem Schultypus zum ändern aufweisen (Baukastensystem).

intercantonal (CDIP, Conférence universitaire suisse), après Voraussetzung für den Bau dieser Brücken ist die Kooperation

avoir consulté les communes, les cantons et les milieux de der einzelnen Bildungselemente. Daher braucht es einen gro-

l'économie. Elle chargera en outre des organes de la prépara- ben Rahmen, der durch den Bund gegeben wird. Innerhalb

tion et de la conclusion d'accords internationaux dans le do- dieses Rahmens haben die einzelnen Elemente einen g ros-

maine de la formation. se n Handlungsspielraum.

Wir müssen von den traditionellen Sockelausbildungen ab-

kommen und das Sockelsystem durch ein rekurrentes System

ersetzen.

Herr Guinand unterbreitet im Namen der Kommission den fol- Zu den strukturellen Schwachstellen, am Beispiel des Pro-

genden schriftlichen Bericht: gymnasiums: Im ungebrochenen Bildungsweg greift die gym-

2. März 1992 N 227 Parlamentarische Initiative. Bildungsrahmenartikel

nasiale Ausbildung in die Primarschule hinein; im gebroche- ihrer Stossrichtung zentral istischer zu sein als der Entwurf von

nen beginnt das Gymnasium erst ab dem zehnten Schuljahr. 1973. Dieser Einwand erhält um so mehr Gewicht, als das Er-

Bei einem Ortswechsel muss demnach ein Kind von einem Sy- ziehungswesen nach wie vor den Kern des schweizerischen

stem ins andere wechseln. Können wir es uns im Zusammen- Föderalismus bildet und kaum ein Schreckgespenst längere

hang mit Europa und der internationalen Expansion noch lei- Schatten wirft als das des eidgenössischen Schulvogtes.

sten, derartige verschiedene Systeme nebeneinander zu ha- Die Kommission ging von der konkreten Frage aus, welche

ben? der Ziele der Initiative zu ihrer Verwirklichung einer neuen Ver-

Die Angebote im Bereich der Sonderpädagogik, Erwachse- fassungsgrundlage bedürften, und hat einige ihr besonders

nenbildung, höheren Fachschulen sind in der Schweiz nicht wichtige Postulate herausgegriffen:

harmonisch. Im Bereich der Logopädie beispielsweise beste- Obligatorischer Schulbereich: Die geltende Verfassungsbe-

hen grosse Unterschiede. Im Bereich der Sonderschulung stimmung (Art 27) legt hier die wesentlichen Leitlinien fest In

sollte mehr harmonisiert werden. diesem ureigensten Bereich der Kantone nimmt die Konferenz

Die Lehrerbildung und die Ausbildung der Ausbildner sind der kantonalen Erziehungsdirektoren eine Koordinationsfunk-

schlecht geregelt Auch an die Kindergärtnerinnen werden in tion wahr. Vom Schlussbericht der OECD zur Bildungspolitik

den verschiedenen Kantonen unterschiedliche Anforderun- in der Schweiz sind zudem neue Impulse zu erwarten. Ein

gen gestellt Mit regionenspezifischen Zusatzausbildungen neuer Bildungsartikel drängt sich in diesem Bereich nicht auf.

bin ich einverstanden; die Grundqualifikation sollte jedoch in Mittelschulbereich: Die geltende eidgenössische Maturitäts-

etwa gleich sein. anerkennungs-Verordnung bildet eine schmale Rechtsbasis,

Die ausserberufliche Erwachsenenbildung wird in der näch- die ihren Dienst aber bisher erfüllt hat Die bisherige Rechts-

sten Zeit zentral werden. Hier wird die Verantwortung wie ein lage wird nicht grundsätzlich in Frage gestellt (Eine Totalrevi-

Schwarzer Peter einander wechselseitig zugeschoben. sion der MAV ist im Rahmen der Maturitätskommission in Dis-

Zur Systematisierung von Uebergängen gehört auch der kussion. Den Intentionen der Initiative entsprechen auch die

Uebergang von der Schule in die Praxis. Weshalb haben Mit- vom Vorstand der Schweizerischen Gymnasialrektoren im Ja-

telschulen erst nach vier Jahren einen Ausgang? Könnte man nuar 1991 vertretenen Thesen, die von der Erkenntnis ausge-

nicht einen Ausgang nach zwei Jahren mit formaler Qualifika- hen, dass-u. a bedingt durch den Strukturwandel in Familie

tion schaffen? und Gesellschaft - Reformen im Gymnasialschulwesen not-

Zum Dreistufensystem (Gemeinde, Kanton, Bund) kommt mit wendig sind.)

Europa eine vierte Ebene hinzu. Wer ist der schweizerische Berufsschulbereich: Die Bundeskompetenz zur Regelung der

Gesprächspartner, wenn von internationaler Seite her eine Ko- Berufsbildung beschränkt sich gemäss geltendem Verfas-

ordination verlangt wird? Die Bundesebene hat zuwenig sungsrecht auf die Bereiche Industrie, Gewerbe, Handel,

Handlungs- und Entscheidungskompetenzen, um die interna- Landwirtschaft und Hausdienst (Art. 34ter Abs. 1 Bst g BV).

tionalen Vorgaben umsetzen zu können. Im Hinblick auf die europäische Integration dürften sich einige

Das Bildungswesen wird in den Kantonen in verschiedenen Aenderungen der Rechtsgrundlagen bezüglich der berufli-

Departementen angesiedelt Ich bin der Meinung, dass Bil- chen Weiterbildung aufdrängen. In erster Linie ist hier an die

dungsfragen auf eidgenössischer und kantonaler Ebene zu- Erreichung des Status als Fachhochschulen für die Höheren

sammengefasst werden sollen, damit wir ein integrales Bil- Fachschulen zu denken (HTL, HWV). Eine Arbeitsgruppe un-

dungskonzept erreichen können. ter der Federführung des Biga ist eingesetzt worden. Diese

Anpassung ist jedoch aufgrund der geltenden Verfassungsbe-

Erwägungen der Kommission stimmungen möglich.

a. Ausgangslage Hochschulbereich: Gemäss der heutigen Verfassungsgrund-

Die geltenden Bildungsartikel (Art 27, 27quater, 27sexies BV) lage hat der Bund keine generellen Koordinations- und Füh-

gehen auf das letzte Jahrhundert zurück. Der letzte Versuch, rungskompetenzen im Hochschulbereich. Für die Koordina-

eine teilweise Neuordnung in diesem Bereich zu schaffen, tion unter den Universitäten ist gemäss dem Bundesgesetz

scheiterte im März 1973 knapp am Ständemehr. Unmittelbar über die Hochschulförderung (Art 19) die Schweizerische

nach der Verwerfung des neuen Bildungsartikels wurde durch Hochschulkonferenz (SHK) zuständig.

drei parlamentarische Vorstösse eine neue Vorlage verlangt Die Kommission stellt fest, dass eine Rahmengesetzgebungs-

(Motionen Barchi, Müller-Marzohl und Uchtenhagen). In der kompetenz des Bundes, gestützt auf einen neuen Bildungsar-

Herbstsession 1973 hat der Nationalrat diese Vorstösse in der tikel, es dem Bund erlauben würde, die gesamtschweizeri-

Form von Postulaten überwiesen. sche Zusammenarbeit nachhaltiger zu fördern. Sie schliesst

In den Regierungsrichtlinien 1975-1979 sah der Bundesrat sich aber in ihrer Mehrheit der Meinung des Bundesrates an,

vor, gegen Ende der Legislatur einen neuen Vorschlag zu un- dass sich die Kantone und insbesondere die SHK mit grösse-

terbreiten. Vorarbeiten wurden eingeleitet Der zweite Anlauf rem Nachdruck als bisher der Probleme der Zusammenarbeit

zu einem generellen Bildungsartikel begann mit der einset- und Koordination annehmen werden.

zenden Rezession und dem sich abzeichnenden Geburten- Ein positives Signal stellt die Konvention zwischen den

rückgang jedoch etwas an Interesse und Aktualität einzubüs- schweizerischen Universitäten und Hochschulen über die Mo-

sen und wurde ab Herbst 1978 durch die Frage der Koordina- bilität der Studierenden dar, die am 20. Dezember 1989 von

tion des Schuljahresbeginns mehr und mehr zurückgedrängt der Schweizerischen Hochschulrektorenkonferenz erlassen

Mit der Verabschiedung der Botschaft über die Volksinitiative worden ist Weitere Vereinbarungen über die gegenseitige An-

«für die Koordination des Schuljahresbeginns in allen Kanto- erkennung von Semestern und Prüfungen sind inzwischen

nen» (BB11983 III 761) haben die eidgenössischen Räte aus- getroffen worden oder sind noch in Vorbereitung. Dem vor-

drücklich auf einen umfassenden Verfassungsartikel im Bil- dringlichen Anliegen der gegenseitigen Anerkennung von

dungsbereich verzichtet Im Geschäftsbericht 1984 bean- Studienzeiten und Diplomen und der Mobilitätsförderung wird

tragte der Bundesrat die Abschreibung der drei genannten also vermehrt Rechnung getragen. All diese Ziele sind ferner

Postulate. Seither ist die Frage eines Bildungsartikels auf par- im Rahmen der Totalrevision des Hochschulförderungsgeset-

lamentarischer Ebene nicht mehr diskutiert worden. zes explizit als Hauptaufgaben der SHK definiert worden

b. Stellungnahme zu einzelnen Forderungen der Initiative (Art 13).

Die Forderungen des Initianten zielen einen Verfassungsarti- Deshalb kann sich die Mehrheit der Kommission der Auffas-

kel an, der sämtliche Stufen der Ausbildung umfasst, die pri- sung des Bundesrates anschliessen, dass zurzeit auch für den

märe, die sekundäre und die tertiäre, während gemäss der Hochschulbereich keine zusätzliche Bundeskompetenz auf

heutigen verfassungsrechtlichen Grundlage der Bund nur die Verfassungsstufe anzustreben ist

Kompetenz hat, selbst Hochschulen zu errichten oder derar- Ausseruniversitärer Tertiärbereich: Probleme ergeben sich im

tige Anstalten finanziell zu unterstützen sowie dem kantonal Zusammenhang mit den nicht dem Berufsbildungs- oder

geregelten Schulwesen im Sinne von Rahmenbedingungen Landwirtschaftsgesetz unterstehenden Ausbildungsstätten

gewisse Leitplanken zu setzen (Art 27 BV). des sogenannten ausseruniversitären Tertiärbereichs (Schu-

Deshalb ergeht der Vorwurf an die Initiative Zbinden Hans, in len für soziale Arbeit, Heimerziehung, Konservatorien usw.).

Initiative parlementaire. Article sur l'éducation 228 N 2 mars 1992

Das Bedürfnis nach einer minimalen gesamtschweizerischen Développement de l'auteur de l'initiative (résumé)

staatlichen Regelung ist wiederholt geäussert worden. Dieses Depuis lafondation de notre Etat fédéral, le débat au sujet d'un

Anliegen nimmt die Kommission mit ihrem Postulat auf. article constitutionnel sur l'éducation n'a pas cessé. Il a tou-

Es trifft zu, dass mit der Diskussion um die Europafähigkeit der jours été fortement marqué par l'opposition entre le fédéra-

Schweiz im Bildungswesen die Idee eines neuen Bildungsarti- lisme et le centralisme.

kels an Aktualität gewonnen hat Die Kommission weist jedoch Il y a une vingtaine d'années, on a discuté de la possibilité d'in-

darauf hin, dass es auch nach den Vorstellungen der EG heute troduire un article sur l'éducation au plan fédéral. Le projet y

in Europa keine erzwungene Harmonisierung der Bildungssy- relatif, accepté par le peuple, a cependant échoué en raison

steme mehr geben soll, sondern dass die EG grundsätzlich de l'opposition de la majorité des cantons. A l'époque, on avait

die Zuständigkeit der Mitgliedstaaten für die Bildungspolitik invoqué, dans le débat, l'accélération de l'évolution sociale et

bekräftigt; angestrebt wird ein «Bildungsraum Europa». Aus- économique entre 1945 et 1973. J'affirme que cette évolution

gangspunkt ist das Gegenseitigkeitsprinzip, gesucht wird s'est poursuivie au même rythme effréné depuis lors (mobilité,

nicht Anpassung, sondern Abstimmung. urbanisation, émigration, modifications sectorielles avec ac-

Ein bedeutender Schritt in Richtung Zusammenarbeit mit an- croissement de l'importance des prestations de service).

deren europäischen Hochschulen kann mit der Ratifizierung Les autres arguments présentés en ce temps-là ont gardé

der Unesco- und der Europaratsabkommen im Hochschulbe- toute leur valeur.

reich gemacht werden, der das Parlament bereits zugestimmt -Lacunes dans l'enseignement en Suisse: écoles à pro-

hat Vom Parlament genehmigt wurden inzwischen auch die gramme d'enseignement spécial, formation des adultes, per-

Beteiligung der Schweiz an Austauschprogrammen der EG im fectionnement des connaissances.

Bildungsbereich und die dazu benötigten Kredite, - Différences du niveau de la formation entre les cantons (no-

c. Schlussfolgerungen tamment entre les cantons dans lesquels une université a son

Nach diesen Ueberprüfungen kann sich die Mehrheit der siège et les autres).

Kommission der Argumentation des Bundesrates anschlies- La seule nouveauté est le soutien apporté par les cantons

sen, dass im gegenwärtigen Zeitpunkt auf eine Neuauflage ei- n'ayant pas d'université à ceux qui en ont (accord intercanto-

nes Bildungsartikels verzichtet werden kann. Die Lösung nal sur la participation au financement des universités).

wichtiger Probleme ist im Prinzip ohne neue Verfassungs- De nouveaux arguments s'y ajoutent Dans le cadre de la dis-

grundlage möglich - der politische Wille der Kantone voraus- cussion au sujet de l'Europe, certaines mesures ont déjà été

gesetzt Für Teilbereiche des Bildungswesens würden neue prises (libre-passage sur le plan universitaire). On se renvoie

Bildungsartikel zwar Verbesserungen bringen (Mittelschulbe- mutuellement la responsabilité lorsque de nouvelles tâches

reich, ausseruniversitärer Tertiärbereich, Erwachsenenbil- apparaissent en matière de formation (formation des adultes,

dung), eine eingehende Diskussion über die rechtlichen par exemple). Il faudrait créer un mécanisme par lequel on

Grundlagen würde die vorhandenen Kräfte aber derart stark in pourrait négocier l'attribution d'une tâche nouvelle à une caté-

Anspruch nehmen, dass konkrete Fortschritte bei Einzelfra- gorie déterminée. Qui est-ce qui est responsable pour l'ensei-

gen blockiert würden. Ein Hauptargument gegen einen um- gnement en matière écologique? Le nombre de personnes

fassenden Bildungsartikel bleibt nach wie vor die Zuständig- qui ne sont pas encore entrées dans la vie professionnelle,

keit der Kantone im Bildungsbereich als Herzstück unseres n'ont qu'un emploi temporaire ou sont entièrement marginali-

Föderalismus. sées ne fait que s'accroître. Il n'existe pas de programme d'en-

Die Kommissionsminderheit stellt sich auf den Standpunkt, seignement de base valable pour tous les cantons. Afin d'as-

dass sich das Instrument des kooperativen Föderalismus im surer la cohésion des régions, il faudrait créer une base com-

Bildungswesen als ungenügend erwiesen hat; so sind auch prenant des éléments ayant un caractère national, auxquels

heute noch Zweifel angebracht, dass die Kantone von sich aus s'ajouteraient des composantes de caractère spécifiquement

zu einer Harmonisierung finden werden. Nicht zu vergessen cantonal ou régional. Il y a aussi le problème du libre-passage

ist, dass die Volksmehrheit 1973 einen neuen Bildungsartikel des enseignants, des conseillers et du personnel soignant

befürwortete. Es ist damit zu rechnen, dass ein neuer Bil- Dans le domaine des écoles supérieures spécialisées, nous

dungsartikel in den nächsten Jahren unumgänglich werden possédons un système à deux classes. Ces écoles (ETS, ES-

wird. Der Initiative Zbinden Hans sei deshalb Folge zu leisten. CEA, écoles d'ingénieurs, entre autres) sont couvertes par la

Wird dieser Antrag abgelehnt, dann soll dem Bundesrat via loi fédérale sur la formation professionnelle. Les écoles qui for-

Motion der Auftrag erteilt werden, einen Bildungsartikel vorzu- ment les travailleurs sociaux, les soignants et les artistes ne le

bereiten. sont pas. Il faudrait procéder à une réorganisation systémati-

Die Kommissionsmehrheit beantragt bei einem Stimmenver- que en l'occurrence. L'innovation dans le domaine de la for-

hältnis von 12 zu 5, der Initiative keine Folge zu geben. Mit mation devrait être encouragée au même titre qu'on le fait

8 zu 3 Stimmen lehnt sie eine die Anliegen der Initiative über- dans l'économie.

nehmende Motion ab. Le système éducatif suisse s'est développé sur des bases em-

Einstimmig beschloss die Kommission, dem Rat ein Postulat piriques, les types d'école créés par les cantons s'étant ajou-

zu unterbreiten, mit dem der Bundesrat eingeladen wird, Vor- tés les uns aux autres. On ne dispose pas d"une conception

schläge zur Anerkennung von Berufen und Diplomen vorzule- générale. Ce particularisme devrait faire place à une concep-

gen, die nicht dem Berufsbildungsgesetz oder einem Spezial- tion globale. Le système éducatif suisse devrait être considéré

gesetz unterstellt sind. comme un ensemble dont les éléments se complètent Dans

Die Kommissionsminderheit beantragt, der Initiative Folge zu un système scolaire moderne, il faut pouvoir passer sans diffi-

geben und die von der Mehrheit abgelehnte Motion zu über- culté d'un type d'établissement à un autre (système dit des

weisen. passerelles). A cet effet, il faut que les différents éléments du

système d'éducation soient coordonnés, ce qui nécessite un

M. Guinand présente au nom de la commission le rapport cadre général fixé par la Confédération. Dans ce cadre, les dif-

écrit suivant: férentes composantes auront une grande autonomie.

Nous devons abandonner la formation traditionnelle de base

Nous vous soumettons, conformément à l'article 21 ter de la loi et la remplacer par un système permettant les passages entre

sur les rapports entre les conseils, le rapport de la commission les établissements.

du Conseil national chargée de l'examen préalable de l'initia- L'exemple de l'enseignement secondaire du 1er degré nous

tive parlementaire déposée le 23 juin 1989 par M. Hans Zbin- servira à illustrer les faiblesses structurelles. Si le cursus est

den, conseiller national. Cette initiative demande l'introduc- fondé sur une conception unitaire, l'enseignement secondaire

tion, dans la Constitution fédérale, d'un article sur l'éducation, du 2e degré commence à l'école primaire; sinon il commence à

qui porte sur tous les niveaux de la formation. partir de la dixième année scolaire. En cas de changement de

La commission a entendu l'auteur de l'initiative lors de sa localité, l'enfant doit passer d'un système à un autre. Pouvons-

séance du 8 mai 1990 et a poursuivi la discussion lors de ses nous nous permettre d'avoir des systèmes parallèles aussi dif-

séances du 28 août et des 19 et 20 novembre 1990. férents à l'heure de l'Europe et de l'expansion internationale?

2. März 1992 N 229 Parlamentarische Initiative. Bildungsrahmenartikel

Les offres en matière de pédagogie spéciale, de formation des a toujours constitué une des caractéristiques principales du

adultes et d'enseignement supérieur spécialisé ne sont pas fédéralisme suisse et qu'il n'est guère de spectre plus ef-

harmonisées en Suisse. En logopedie par exemple, on cons- frayant que celui du grand manitou fédéral des écoles.

tate des différences considérables. Il faudrait une coordination La commission a commencé par se demander concrètement

plus poussée dans l'enseignement spécial. quels objectifs de l'initiative nécessitaient une nouvelle base

La formation des instituteurs, des maîtres et des autres ensei- constitutionnelle afin d'être concrétisés, et elle a choisi quel-

gnants est mal réglée. Les exigences posées aux jardinières ques aspects qui lui ont paru particulièrement importants:

d'enfants varient également selon les cantons. Je suis favora- Scolarité obligatoire: L'article constitutionnel en vigueur

ble à une formation complémentaire organisée par régions; (art 27) fixe les principes essentiels en l'occurrence. La Confé-

cependant, la formation de base devrait être équivalente par- rence suisse des directeurs cantonaux de l'instruction publi-

tout que (CDIP) assume une fonction de coordination dans ce do-

La formation extra-professionnelle des adultes acquerra une maine qui a toujours été réservé aux cantons. En outre, de

importance essentielle à l'avenir. Or, personne ne veut pren- nouvelles idées émaneront du rapport final de l'OCDE concer-

dre de responsabilité dans ce domaine. nant la politique de la formation en Suisse. Un nouvel article

Une réglementation systématique des passages d'une forme constitutionnel ne s'impose pas à cet égard.

d'enseignement à une autre ne suffit pas; le passage de Ecole moyenne: L'ordonnance fédérale en vigueur sur la re-

l'école à la vie professionnelle doit également être réglé. Pour- connaissance de certificats de maturité (ORM) constitue une

quoi n'est-il possible de quitter le gymnase ou le collège base juridique étroite, qui a toutefois rendu service jusqu'à

qu'après quatre ans? Ne pourrait-on pas prévoir la possibilité présent La situation juridique n'est pas fondamentalement re-

de terminer l'enseignement secondaire au bout de deux ans mise en cause. (La révision totale de l'ORM est en discussion

avec une qualification formelle? dans le cadre de la Commission de maturité. Par ailleurs, les

Aux trois niveaux existants (communal, cantonal, national) thèses défendues en janvier 1991 par le comité de la Confé-

s'ajoutera le niveau européen. Qui parlera au nom de la Suisse rence des directeurs de gymnases suisses sont conformes

lorsqu'une coordination sera exigée par les instances interna- aux intentions formulées dans l'initiative; elles partent du prin-

tionales? Sur le plan fédéral, on ne dispose pas de possibilités cipe que des réformes s'imposent pour le gymnase, notam-

d'action et de décision suffisantes pour réaliser les mandats ment en raison des changements intervenus dans les structu-

internationaux res de la famille et de la société.)

Dans les cantons, l'éducation relève de différents départe- Formation professionnelle: Selon le droit constitutionnel en vi-

ments. Je suis d'avis qu'il faudra concentrer les questions tou- gueur, la compétence législative de la Confédération en ma-

chant la formation au plan fédéral et au plan cantonal, afin que tière de formation professionnelle se limite aux domaines de

nous puissions obtenir une conception d'ensemble en la ma- l'industrie, des arts et métiers, du commerce, de l'agriculture

tière. et du service de maison (art 34ter, 1er al., let g, est). Dans la

perspective de l'intégration européenne, diverses modifica-

Considérations de la commission tions des bases juridiques concernant le perfectionnement

a Situation initiale professionnel pourrait s'avérer nécessaires. Il faudrait notam-

Les articles en vigueur sur l'éducation (art 27, 27quater, ment que les écoles supérieures (ETS, ESCEA) acquièrent le

27sexies, est) remontent au siècle dernier. La dernière tenta- statut de hautes écoles spécialisées («Fachhochschulen»).

tive de réforme partielle dans ce domaine a échoué de jus- Un groupe de travail a été mis sur pied sous l'égide de

tesse en mars 1973, n'obtenant pas la majorité des cantons. l'OFIAMT. Cette adaptation est toutefois réalisable sur la base

Dès le rejet du nouvel article sur l'éducation, trois interventions des dispositions constitutionnelles en vigueur.

parlementaires demandant l'élaboration d'un nouveau projet Niveau universitaire: En vertu de la base constitutionnelle ac-

ont été déposées (motions Sarchi, Müller-Marzohl et Uchten- tuelle, la Confédération ne dispose pas de compétences gé-

hagen). Durant la session d'automne 1973, le Conseil national nérales de coordination et de direction dans le domaine des

a transmis ces interventions sous forme de postulats. universités. Conformément à la loi fédérale sur l'aide aux uni-

Dans les Grandes lignes de la politique gouvernementale versités (art 19), c'est à la Conférence universitaire suisse

1975-1979, le Conseil fédéral avait prévu de soumettre une qu'il incombe d'assurer la coordination entre les universités.

nouvelle proposition vers la fin de la législature. Des travaux La commission constate que si la Confédération disposait

préliminaires avaient été entrepris. Sous l'effet conjugué du d'une compétence législative générale, fondée sur un nouvel

début de la récession et de la baisse delà natalité, la deuxième article sur l'éducation, elle pourrait encourager plus efficace-

tentative d'introduction d'un article général sur l'éducation a ment la coopération sur le plan fédéral. Toutefois, dans sa ma-

commencé à perdre quelque peu de son intérêt et de son ac- jorité, elle se rallie au point de vue du Conseil fédéral qui es-

tualité; dès l'automne 1978, elle a été de plus en plus éclipsée time que, dorénavant, les cantons, et plus particulièrement la

par la question de l'harmonisation du début de l'année sco- Conférence universitaire suisse, s'attacheront davantage aux

laire. En adoptant le message sur l'initiative populaire «deman- problèmes de la coopération et de la coordination. La conven-

dant l'harmonisation du début de l'année scolaire dans tous tion entre les universités et les hautes écoles de Suisse sur la

les cantons» (FF 1983 III 789), les Chambres fédérales ont ex- mobilité des étudiants, convention signée le 20 décembre

pressément renoncé à introduire dans la constitution un article 1989 par la Conférence des recteurs des universités suisses,

général sur l'éducation. Dans le rapport de gestion 1984, le constitue un premier pas en ce sens. D'autres accords concer-

Conseil fédéral a proposé de classer les trois postulats sus- nant la reconnaissance mutuelle des semestres d'études et

mentionnés. Depuis lors, la question d'un article sur l'éduca- examens ont été passés entre-temps ou sont encore en prépa-

tion n'a plus été discutée au Parlement ration. On accorde donc une importance accrue à la re-

b. Avis concernant certaines exigences formulées dans l'initia- connaissance mutuelle des années d'études et des diplô-

tive mes - objectif essentiel - ainsi qu'à l'encouragement de la

L'auteur de l'initiative demande l'introduction d'un article mobilité. En outre, dans le cadre de la révision totale de la loi

constitutionnel qui porte sur tous les niveaux de la formation - fédérale sur l'aide aux universités (nouvel art 13), tous ces ob-

le primaire, le secondaire et le tertiaire - alors qu'en vertu de la jectifs ont été définis explicitement comme étant des tâches

base constitutionnelle actuelle la Confédération n'a que la principales de la Conférence universitaire suisse.

compétence de créer elle-même des hautes écoles ou de sub- C'est pourquoi la majorité de la commission se rallie à l'opi-

ventionner des établissements de ce genre ainsi que de fixer, nion du Conseil fédéral qui estime qu'à l'heure actuelle, dans

sous forme de conditions générales, certains principes ap- le domaine des universités, il n'est pas non plus nécessaire de

plicables au système scolaire réglementé par les cantons chercher à donner à la Confédération des compétences sup-

(art 27 est). plémentaires à l'échelon constitutionnel.

C'est pourquoi on reproche à l'initiative Zbinden Hans d'être, Niveau tertiaire extra-universitaire: Des problèmes se posent

dans l'ensemble, plus centralisatrice que ne l'était le projet de pour ce qui est des établissements du «secteur tertiaire extra-

1973. Cette objection a d'autant plus de poids que l'éducation universitaire», qui ne tombent pas sous le coup de la loi sur la

Initiative parlementaire. Article sur l'éducation 230 2 mars 1992

formation professionnelle ou de la loi sur l'agriculture (écoles Majorité

de service social, éducation en foyer, conservatoires, etc.). A Ne pas donner suite à l'initiative

plusieurs reprises, des voix se sont fait entendre pour deman- Minorité

der, dans ce domaine, une réglementation minimale valable (Haering Binder, Borei François, Uchtenhagen, Ulrich)

dans toute la Suisse. Dans son postulat, la commission a tenu Donner suite à l'initiative

compte de ce désir.

Il est vrai que, à la lumière du débat sur la capacité d'intégra- Frau Haering Binder, Sprecherin der Minderheit: Ueber die

tion de la Suisse dans l'Europe en matière d'éducation, l'idée inhaltliche Richtigkeit dessen, was unser Ratskollege Hans

d'un nouvel article sur l'éducation est devenue plus actuelle. Zbinden vorgeschlagen hat, sind sich eigentlich alle einig. Die

La commission relève toutefois que, même dans l'optique de parlamentarische Initiative «Bildungsrahmenartikel in der Bun-

la CE, il ne doit plus y avoir d'harmonisation forcée des systè- desverfassung» fordert, es sei ein integral koordiniertes

mes éducatifs en Europe, et que la CE réaffirme en principe la schweizerisches Bildungswesen anzustreben, in welchem

compétence des Etats membres pour ce qui est de la politique Gemeinden, Kantone, Bund und Wirtschaft als vernetzte Trä-

de l'éducation; elle vise à créer un «espace éducatif euro- gerschaft ihre Bildungsbemühungen wechselseitig aufeinan-

péen». Le principe de la réciprocité serait le point de départ, et der abstimmen. Darüber hinaus sollen gravierende regionale

le but serait la coordination et non l'adaptation. Angebots- und Nachfrageunterschiede innerhalb unseres Bil-

La ratification des conventions de l'UNÉSCO et du Conseil de dungswesens vermehrt ausgeglichen und die Harmonisie-

l'Europe dans le domaine des universités permettra de pro- rung zwischen den schweizerischen und ausländischen Bil-

mouvoir sensiblement la coopération avec d'autres universi- dungssystemen ermöglicht werden. Das Instrument dazu

tés européennes, ratification que le Parlement a déjà approu- wäre ein Bildungsrahmenartikel in der Bundesverfassung.

vée. Entre-temps, le Parlement a aussi approuvé la participa- Dieser müsste die gesamte Regelschulung sowie die Schu-

tion de la Suisse à des programmes d'échanges de la CE en lung von Beeinträchtigten von der Vorschulstufe bis zur Tertiär-

matière d'éducation ainsi que les crédits nécessaires à cet stufe umfassen. Gleichzeitig würde er in der Berufsbildung

égard. und in derausserberuflichen Erwachsenenbildung sowohl die

c. Conclusions Grundausbildung als auch die Weiterbildung berücksichtigen.

Après ce réexamen, la majorité de la commission s'est ralliée Innerhalb dieses Ordnungsrahmens würde der Bildungsarti-

aux arguments du Conseil fédéral, selon lesquels, à l'heure kel ausdrücklich Freiräume für vielfältige Entwicklungen offen-

actuelle, on peut renoncer à reformuler l'article sur l'éduca- halten.

tion. En principe, des problèmes importants peuvent être réso- Diese Initiative stellt im Grundsatz die alte, ja uralte Forderung

lus sans qu'il soit nécessaire d'élaborer une nouvelle base nach einer Harmonisierung unseres Bildungssystems auf.

constitutionnelle à condition que les cantons en aient la vo- 1973 wurde dieses Postulat hier im Rat ohne grundsätzliche

lonté politique. Pour certains domaines de l'éducation (école Opposition gutgeheissen. Die Begründung für dieses Anlie-

moyenne, niveau tertiaire extra-universitaire, formation perma- gen lag damals in der rasanten gesellschaftlichen Entwick-

nente), de nouveaux articles sur l'éducation apporteraient cer- lung seit dem Zweiten Weltkrieg und bei der raschen Zunahme

tes des améliorations; toutefois, un débat approfondi sur les der binnenschweizerischen Mobilität; Entwicklungen, die

bases juridiques mettraient tellement à contribution les forces beide zu einer Homogenisierung der Lebens- sowie der Bil-

en présence qu'il serait alors presque impossible de réaliser dungsbedürfnisse in unserem Lande beitrugen.

des progrès concernant les questions concrètes. Le fait que la Wir wissen es: In der Volksabstimmung scheiterte dieser Bil-

compétence des cantons en matière d'éducation est une des dungsartikel äusserst knapp und lediglich am fehlenden Stän-

caractéristiques de notre fédéralisme demeure l'argument qui demehr. Die Diskussion ist seither zwar nicht ganz, aber doch

milite le plus contre l'introduction d'un article général sur weitgehend eingeschlafen. Die Argumente aber, die damals

l'éducation. für einen Bildungsartikel sprachen, sind geblieben. Ja, sie ha-

La minorité de la commission estime que l'instrument du fédé- ben sich im Verlauf dieser zwanzig Jahre noch verschärft

ralisme coopératif s'est révélé insuffisant dans le domaine de Denn seither hat sich der soziale und kulturelle Wandel eher

l'éducation; selon elle, il y a, aujourd'hui encore, lieu de se de- noch beschleunigt Die Verstädterung, die internationalen Ver-

mander si les cantons arriveront d'eux-mêmes à harmoniser flechtungen, die zunehmende Bedeutung des Tertiärsektors

leurs systèmes. Il ne faut pas oublier qu'en 1973 la majorité du in der Wirtschaft, die telematischen Möglichkeiten, der Zerfall

peuple était favorable à un nouvel article sur l'éducation. Il faut der sozialen Strukturen und damit die Individualisierung

s'attendre à ce que, ces prochaines années, l'introduction schreiten alle voran. Die föderalistische Struktur des schweize-

d'un nouvel article sur l'éducation se révèle indispensable. La rischen Bildungswesens und die Unzulänglichkeiten dieses

minorité de la commission estime donc qu'il faut donner suite Systems aber blieben dieselben.

à l'initiative Zbinden Hans et que, si cette proposition est reje- Dazu nur einige wenige Illustrationen:

tée, il convient de charger le Conseil fédéral, par la voie d'une 1. Die Bildungsausgaben pro Kopf und Jahr schwanken zwi-

motion, de préparer un article sur l'éducation. schen 1500 Franken in Genf und 700 Franken im Kanton Ob-

Par 12 voix contre 5, la majorité de la commission propose de walden.

ne pas donner suite à l'initiative. Par 8 voix contre 3, elle rejette 2. Die zeitliche Präsenz der Kinder während ihrer gesamten

une motion reprenant les exigences formulées dans l'initiative. Volksschulzeit beträgt im Kanton Uri 9000 Stunden und im

A l'unanimité, la commission a décidé de soumettre à son Kanton Basel-Stadt 7000 Stunden, ein Unterschied von rund

conseil un postulat invitant le Conseil fédéral à présenter des zweieinhalb Schuljahren.

propositions visant la reconnaissance des professions et des 3. In Genf können Stipendienbezüger(innen) durchschnittlich

diplômes qui ne sont pas soumis à la loi sur la formation pro- 6000 Franken Stipendien beziehen, im Kanton Neuenburg

fessionnelle ni à une loi spéciale. sind es zwei Drittel weniger.

La minorité de la commission propose de donner suite à l'ini- 4. Die Berechtigung für staatliche Beihilfen zur Erlangung ei-

tiative et de transmettre la motion rejetée par la commission. nes Zweitberufs begrenzen die einen Kantone bei 30 Jahren;

andere wiederum sind hier grosszügiger und setzen die Limite

Antrag der Kommission bei 40 - ein Beispiel, das insbesondere für uns Frauen stos-

Die Kommission beantragt mit 12 zu 5 Stimmen: send ist

Mehrheit Sie sehen: Unser Bildungswesen ist ohne übergreifendes

Der Initiative keine Folge geben Konzept gewachsen. Jeder Teil, von der Volks- über die Mittel-

Minderheit schule bis hin zur Berufsbildung und zu den Hochschulen,

(Haering Binder, Borei François, Uchtenhagen, Ulrich) führt ein Eigenleben, und jeder Kanton gestaltet zudem diese

Der Initiative Folge geben Teile wiederum auf seine Weise.

Es ist somit kein Wunder, wenn die OECD in ihrem Ländergut-

Proposition de la commission achten die Schlussfolgerung anstellt: «Wir sind überzeugt,

Par 12 voix contre 5, la commission propose: dass dieses Bildungssystem noch leistungsfähiger wird, wenn

2. März 1992 N 231 Parlamentarische Initiative. Bildungsrahmenartikel

es dazu kommt, einige grundlegende Rahmenbedingungen L'instant présent nécessite précisément de mieux utiliser les

gemeinsam zu setzen.» ressources déjà importantes mises à disposition, d'encoura-

Die Schweiz steht vor einem europäischen Integrationspro- ger les économies d'échelle, de mobiliser les énergies et les

zess, ganz unabhängig, welchen Weg sie dazu wählen wird. moyens supplémentaires indispensables. L'intelligence et

Der Harmonisierungsdruck auf das schweizerische Bildungs- l'esprit sont les seules ressources naturelles de notre Etat

wesen wirkt also nicht nur von innen, er wirkt auch von aussen. Comment cet Etat peut-il s'en désintéresser?

Denn die Kooperation mit den Bildungssystemen der umlie- Créer une base constitutionnelle ne signifie pas qu'il convient

genden Länder sowie mit den europäischen Institutionen wird de donner toutes compétences à l'Etat central, mais bien de

es ermöglichen, in unserem eigenen Bildungssystem - auch mieux répartir les droits et les responsabilités, de clarifier les

auf Bundesebene - handlungs- und entscheidungsfähig zu compétences, de susciter un débat fondamental et de donner

werden. Ich denke, dieser Harmonisierungsdruck wird somit à tous les partenaires l'occasion de définir le contrat de leurs

in jedem Fall zu einem Umbau unseres Bildungswesens nach engagements.

einem einheitlichen oder zumindest nach einem vereinheit- Le groupe socialiste soutient donc vivement la motion de la

lichten Bauplan führen. Die Frage ist nur, in welchem Zeitraum minorité et vous recommande d'en faire de même.

und mit welchen Komplikationen und externen Kosten dies

geschehen wird. Frau Goll: Bildung ist unser einziger Rohstoff und wird es auf

Unserer Ansicht nach liegen dabei die Harmonisierungsdefi- unabsehbare Zeit auch bleiben. Es wird aber höchste Zeit, mit

zite vor allem in folgenden Bereichen: bei der Aufbaustruktur dem weitverbreiteten Mythos vom Bildungsparadies Schweiz

der Schulstufen und -typen sowie bei ihrer Durchlässigkeit, bei aufzuräumen. Zunächst möchte ich festhalten, dass der bil-

der Entwicklung eines gesamtschweizerischen Basislehr- dungsstatistische Notstand aussagekräftige Vergleiche auf

plans (selbstverständlich mit kantons- und regionsspezifi- nationaler und internationaler Ebene erschwert Eine Neubele-

schen Ergänzungen), im Bereich der Lehrer-und Lehrerinnen- bung der bildungspolitischen Situation ist angesichts der in

bildung, in der Berufsbildung inklusive der beruflichen Weiter- jüngster Zeit veröffentlichten Berichte angebracht. Alle Unter-

bildung sowie bei der ausserberuflichen Erwachsenenbil- suchungen stellen dem schweizerischen Bildungswesen kein

dung, bei der Verwaltungsreform im Bildungswesen auf Kan- allzu gutes Zeugnis aus. Ich möchte vier Beispiele erwähnen:

tons- wie auch auf Bundesebene und - last but not least - 1. Der Bericht der EDK mit dem Titel BICHMO (Bildung in der

beim Aufbau von Scharnieren zwischen dem schweizerischen Schweiz von morgen): Der Bericht kritisiert die lebensferne

Bildungswesen und den diversen europäischen Institutionen. Ausrichtung unserer Schulstrukturen und -Inhalte, die dem ge-

Aufgrund der Kommissionsarbeit weiss ich, dass all diese sellschaftlichen Wandel und der Veränderung von Lebensfor-

Gründe und Ueberlegungen nicht ausreichen werden, um Sie men keine Rechnung trägt.

heute von der Notwendigkeit eines Bildungsrahmenartikels zu 2. Die Expertenberichte der OECD: Im Ländervergleich liefert

überzeugen. Offensichtlich ist Ihnen eine sachbezogene Opti- der OECD-Bericht ein ernüchterndes Ergebnis. Die Schweiz

mierung der schweizerischen Bildungsbemühungen weniger steht bei den öffentlichen Ausgaben für Bildung, gemessen

wichtig als die alte Föderalismusdiskussion; dabei reagieren am Bruttoinlandprodukt, vor der BRD und Griechenland am

Sie reflexartig und absolut irrational, wenn Sie nur schon den Schluss der Rangliste. In vielen qualifizierten Ausbildungsgän-

Begriff «Bildungsartikel» hören. Nur denke ich: Sie können gen sind Frauen nach wie vor stark untervertreten.

den Föderalismus auch zu Tode reiten, wenn Sie ihn am fal- 3. Der Bericht der CESDOC (Schweizerische Dokumentati-

schen Beispiel exerzieren. Angesichts der gesamtgesell- onsstelle für Schul- und Bildungsfragen) hält unter anderem

schaftlichen Entwicklung, in der wir stehen, ist der Bildungsbe- fest, dass vor allem Kinder ausländischer Herkunft in den Son-

reich der ungeeignete Ort, um quasi zwanghaft an vermeintli- derschuleinrichtungen überproportional vertreten sind.

cher Eigenständigkeit der Regionen festzuhalten. 4. Eine Untersuchung des Bundesamtes für Statistik von

Ich weiss, dass Bundesrat Cotti dies im Grunde auch so sieht. zwanzig empirischen Studien zum Thema Weiterbildung lässt

Nur sagt er es jeweils lieber erst nach Sitzungsschluss. Im offi- Unterschiede in den Merkmalen Vorbildung, Geschlecht und

ziellen Diskurs wird nach wie vor auf die selbständige Koordi- Alter sichtbar werden. Das heisst: mehrheitlich bilden sich

nationsfähigkeit der Kantone gehofft. Seit Jahren wird ihnen junge, bereits qualifizierte Schweizer Männer weiter. Das

dazu die jeweils unwiderruflich letzte Chance gegeben. schweizerische Bildungswesen zementiert die Kluft zwischen

Für mich haben die Kantone ihre letzte Chance ausgespielt Privilegierten und Benachteiligten, zwischen an qualifizierter

Der Ball muss nun bei uns liegen. Wenn Sie aber diesen Ball Aus- und Weiterbildung teilhabenden und vom Bildungsmarkt

nicht auffangen wollen, d. h. wenn Sie diese parlamentarische ausgegrenzten Bevölkerungsschichten. Es schafft damit auf

Initiative nicht unterstützen können, dann überweisen Sie bitte der einen Seite hochqualifizierte, oft lebensferne Experten und

wenigstens die Motion der Kommissionsminderheit. Sie wür- einige wenige Expertinnen. Auf der anderen Seite fallen Men-

den damit den Ball dem Bundesrat weiter spielen, und der schen in verschiedenen Selektionsmechanismen durch die

sollte eigentlich um diesen Ball recht froh sein. Lücken des Bildungsnetzes, werden damit Anwärter und An-

wärterinnen für unqualifizierte Hilfsarbeitsstellen, landen zu-

M. Duvoisin: Les Suisses n'ont, pour assurer leur prospérité, erst auf der Strasse, wie die heutige Arbeitslosenstatistik be-

que la force de leurs bras, l'agilité de leurs mains, la finesse de weist, und haben keine Möglichkeit, verpasste Bildung im Er-

leur esprit En période économiquement difficile, il n'y a que wachsenenalter nachzuholen.

trois façons d'assurer aux Suisses une chance de relever le Der real existierende helvetische Föderalismus verhindert

défi, à savoir: la formation, la formation et la formation. grundlegende Reformen und Veränderungen zur Behebung

Tout d'abord la formation de base pour tout enfant conduit dieser strukturellen Mängel. Je nach politischen, wirtschaftli-

chez nous par le destin de sa naissance ou par les nécessités chen und kulturellen Verhältnissen in den Regionen und Kan-

de sa famille; formation supérieure et professionnelle ensuite, tonen dieses Landes haben sich unterschiedliche Schul- und

pour l'accès à la vie active; formation complémentaire et per- Bildungsstrukturen herausgebildet. Die Berufswahl und die

manente enfin, pour maintenir, renforcer, réorienter les Gestaltung der beruflichen Laufbahn werden durch qualitative

connaissances, les aptitudes, les comportements. und quantitative Bildungsangebote sowie durch arbeitsmarkt-

Notre fédéralisme garantit aux Etats cantonaux la pleine et en- liche Kriterien in den Regionen beeinflusst. Eine ausglei-

tière responsabilité de la formation de base. Cela est bien et chende Koordination auf Bundesebene fehlt. Die verschiede-

doit subsister. En revanche, au niveau de la formation supé- nen öffentlichen und privaten Bildungseinrichtungen kranken

rieure, professionnelle, complémentaire ou permanente, une an fehlender Durchlässigkeit Die zunehmend wichtiger wer-

coordination est indispensable. Des moyens accrus doivent dende Erwachsenenbildung wird zuwenig gefördert. 26 ver-

être dispensés. Seul l'Etat fédéral, en collaboration avec les schiedene Stipendiengesetze schaffen zum Teil krasse Un-

Etats cantonaux et les multiples milieux qui se préoccupent de gleichheiten, wenn es um die Finanzierung von Bildung geht

formation, avec des succès divers du reste, peut coordonner, Ein Bildungsrahmenartikel verfolgt die Koordination auf Bun-

stimuler et renforcer. L'émergence de l'Europe ne fait que don- desebene und die Förderung einzelner Bildungsbereiche. Un-

ner plus d'actualité à cette nécessité. ser Bildungssystem ist reformbedürftig, dies jedoch nicht nur

Initiative parlementaire. Article sur l'éducation 232 N 2 mars 1992

unter dem Aspekt der Europatauglichkeit, sondern vor allem reiche. Sie nimmt damit die Diskussion um einen Bildungsarti-

auf dem Prüfstand der Chancengleichheit. Lebenslanges Ler- kel in der Bundesverfassung wieder auf; Bemühungen, die

nen hat Zukunft, wenn es heisst: Lebenslange Bildung für alle, seit dem in der Volksabstimmung von 1973 gescheiterten Un-

unabhängig von ihrer Vorbildung, vom Geschlecht, vom so- ternehmen nicht mehr vorankamen. Mit Blick auf die seither

zialen Status, von der regionalen oder von der nationalen Her- verstrichenen fast zwanzig Jahre, mit Blick auch auf neue Be-

kunft dürfnisse im Zusammenhang mit der europäischen Integra-

tion ist der Vorstoss an sich verständlich. Gemeinden, Kan-

Loeb François: Die FDP-Fraktion lehnt die parlamentarische tone, Bund und Wirtschaft sollen - so will es diese Initiative -

Initiative ab. als vernetzte Trägerschaften auftreten, wobei unübersehbar

Folgende Ueberlegungen haben uns dabei massgeblich ge- dem Bund eine kräftig verstärkte Führungsrolle zugedacht ist

leitet: Die Schulhoheit der Kantone ist ein Herzstück unseres Die parlamentarische Initiative geht von Unvollkommenheiten

Föderalismus. Sie soll soweit wie möglich beibehalten und nur unseres Bildungssystems aus. Wer gibt nicht zu, dass hier ei-

wo unbedingt nötig beschnitten werden. Die Kantone haben niges fehlt und anderes ungereimt erscheint! Es sind zu einem

die Möglichkeit, die Koordination an die Hand zu nehmen, wie grossen Teil Mängel, die im System des Föderalismus selbst

sie dies bereits in der Erziehungsdirektorenkonferenztun. Die liegen, der sich in bezug auf Abstimmung und Koordination oft

FDP-Fraktion empfiehlt noch einen weiteren Ausbau dieser auch dort schwertut, wo die Notwendigkeit offensichtlich ist

freiwilligen Koordination. Wir sind überzeugt, dass diese Koor- Es sind auch die Mängel eines Föderalismus, dessen Initiati-

dination nötig ist, jedoch sehr gut auf föderalistischer Zusam- ven oft nur sporadisch und nicht durchgreifend sind.

menarbeit beruhen kann und dies auch soll, insbesondere Denken wir zurück, wie mühsam es für manche Deutsch-

auch deshalb, weil die Viersprachigkeit unseres Landes einer schweizer Kantone war, sich zu einem einheitlichen Schuljah-

gezielten Zusammenarbeit in der jeweiligen Sprachregion be- resbeginn im Herbst durchzuringen, obwohl dieser Schuljah-

darf und nicht vom Bund dekretiert werden soll. resbeginn den europäischen Verhältnissen entsprach und be-

Die anstehenden Probleme können auch ohne eine neue Ver- reits die Hälfte der Schweizer Kantone diesen Uebergang voll-

fassungsbestimmung gelöst werden. Verfassungsbestim- zogen hatte.

mungen sollen nur dann neu aufgenommen werden, wenn die Oder denken Sie an die Konventionen zur Förderung der Mo-

föderalistische Lösung nicht möglich ist Eine Verfassungsbe- bilität der studierenden Jugend, die wir letztes Jahr ratifiziert

stimmung würde zwar die Koordination erleichtern, jedoch haben. Erst dabei haben wir entdeckt, dass man die landesin-

zwangsläufig den Aufbau einer Bürokratie beim Bund nach terne Mobilität ebenfalls fördern sollte, was wir jetzt auch tun.

sich ziehen. Solange der einfachere Weg der Koordination un- Die parlamentarische Initiative macht auf echte Fragen auf-

ter den Kantonen möglich ist und zum Erfolg führt, soll dieser merksam, das kann man zugeben. Wenn wir uns - die CVP-

gewählt werden. Fraktion - dennoch nicht für einen neuen Verfassungsartikel

Wir rufen die Kantone auf, die Koordinationsaufgabe im Bil- erwärmen können, dann ausfolgenden, knapp zusammenge-

dungsbereich vermehrt an die Hand zu nehmen, auch um zu fassten Gründen:

verhindern, dass der Bund aktiv werden muss und dadurch 1. Die parlamentarische Initiative Zbinden Hans ruft nach einer

ein weiteres Urgebiet des Föderalismus unterlaufen wird. sehr aufwendigen Gesamtkonzeption. Wenn der Verfassungs-

Das schweizerische Bildungssystem ist auch im internationa- artikel angenommen ist, beginnt die Arbeit erst richtig. Sie

len Vergleich hervorragend. In Europa gehen nur in Belgien dürfte enorm sein. Eine Gesamtkonzeption im Bildungsbe-

mehr Jugendliche zwischen 15 und 19 Jahren noch in die reich stösst in breiten Kreisen auf Skepsis, weil sie im Zusam-

Schule als in der Schweiz. Das System der Berufslehre, das menspiel schwer durchschaubar ist und in ihren Auswirkun-

bei uns sehr gut organisiert ist, hilft dabei wesentlich mit Zu gen zu wenig abschätzbar erscheint Die zweifelnde Frage ist

diesem Schluss kommt eine OECD-Studie über das Bildungs- berechtigt: Hätten wir heute die Durchhaltekraft zu einem der-

system in unserem Lande. Gleichzeitig weisen die Experten art umfassend geplanten Reformwerk?

der OECD auf Verbesserungsmöglichkeiten hin, insbeson- 2. Das Meiste, was im Bildungswesen getan werden sollte, ist

dere bei der Durchlässigkeit zwischen den Ausbildungswe- auf der bestehenden Verfassungsgrundlage machbar; was

gen. Die OECD-Studie geht auf die Initiative der Erziehungsdi- auf ihr nicht getan werden kann, lässt sich als einzelne Mass-

rektorenkonferenz zurück, die nun auch deren Ergebnis bera- nahme gezielt in die Wege leiten. In diesem Sinne unterstüt-

ten und Massnahmen zu Verbesserungen erarbeiten wird. zen wir das Postulat der Kommission. Wir glauben, dass die-

Wir von der FDP-Fraktion begrüssen diesen Weg, er beweist, ser Weg zu einer rascheren Lösung anstehender Probleme

dass ohne Bürokratie schnell und gezielt gehandelt werden führt als der lange Marsch über eine Gesamtkonzeption.

kann. Den Erziehungsdirektoren möchten wir danken, dass 3. Da auch die EG nicht auf dem Weg der Gleichschaltung der

sie mit ihrem Handeln beweisen, dass der Föderalismus bei Schulsysteme vorangeht, sondern das Ziel die Oeffnung die-

uns nicht toter Buchstabe ist, sondern lebt und Probleme un- ser Systeme ist - z B. gegenseitige Anerkennung der Di-

bürokratisch angepackt und auf freiwilliger Basis gelöst wer- plome -, besteht auch in dieser Beziehung kein zwingender

den können. Die EDK beweist durch ihr initiatives Tun, dass Grund, eine umfassende neue Verfassungsgrundlage zu

der Bildungsartikel zurzeit nicht notwendig ist Deshalb bitte schaffen. Jedenfalls zur Stunde besteht dieser Grund nicht

ich Sie, die parlamentarische Initiative abzulehnen. 4. Wir gehen davon aus - das ist eine grundlegende Annah-

Hier noch eine Bitte - auch an die Erziehungsdirektoren -: Ich me-, dass die Kantone und ihre initiativ koordinierenden Instru-

bin überzeugt, dass nicht ein neuer Verfassungsartikel das mente - diese sind ja alle vorhanden: die EDK, die Konferenz

Wesentlichste ist, was wir im Moment brauchen, sondern dass der Hochschulkantone-die Zeichen der Zeit verstehen und die

wir dafür sorgen sollten, dass die Ausbildungen nicht dauernd notwendigen Harmonisierungen und Koordinationen voran-

zeitlich verlängert werden. Eine Straffung, ein Abwerfen von bringen. Die Kraft der Logik verlangt von ihnen zwingend, dass

unnötigem Ballast, eine regelmässige Durchleuchtung der sie freiwillig tun, wozu sie nicht gezwungen werden wollen.

Ausbildungsgänge sind heute von entscheidender Bedeu- Wenn man nicht an diese Bereitschaft der Kantone glaubt,

tung, um unsere Konkurrenzfähigkeit aufrechterhalten zu kön- kann man auch den Glauben an einen neuen Verfassungsarti-

nen. Die Auszubildenden sind bereit, Leistungen zu erbrin- kel aufgeben. Gegen den Willen der Kantone wäre das Ringen

gen, hohe Leistungen, und gezielt und rasch ihr Berufsziel zu um einen neuen Verfassungsartikel ein eitles Bemühen.

erreichen. Geben wir ihnen diese Möglichkeit! Nicht die Länge Ich fasse zusammen: Wir lehnen diese parlamentarische In-

einer Ausbildung entscheidet über die internationale Konkur- itiative aus den genannten Gründen ab und konsequenter-

renzfähigkeit, sondern vor allem deren Qualität Ich möchte an weise auch die Motion der Kommissionsminderheit. Nicht weil

dieser Stelle den Erziehungsdirektoren danken, wenn sie sich alles gut ist, sondern weil vieles besser werden kann, wenn die

dieses Problems speziell annehmen. Kantone es wollen - und daran glauben wir noch.

Keller Anton: Die parlamentarische Initiative Zbinden Hans Frau Zölch: Namens der SVP-Fraktion beantrage ich Ihnen,

zielt auf das Ganze der Bildung. Sie betont die Ganzheitlich- der parlamentarischen Initiative «Bildungsrahmenartikel in der

keit des Bildungswesens und fordert Koordination der Teilbe- Bundesverfassung» keine Folge zu geben.

2. März 1992 N 233 Parlamentarische Initiative. Bildungsrahmenartikel

Die Initiative will die Aufnahme eines Bildungsartikels in die gen für die Ausgestaltung des Bildungswesens. Wie uns vor

Bundesverfassung, der alle Stufen der Ausbildung umfasst der Kommission klar dargelegt wurde, bieten die 40 Empfeh-

Ziel dieser Initiative ist ein koordiniertes schweizerisches Bil- lungen für uns keine Probleme. Bezüglich der Anerkennung

dungswesen, in dem Bund, Kantone, Gemeinden und die der wissenschaftlichen Berufsdiplome wäre wahrscheinlich

Wirtschaft als sogenannte vernetzte Trägerschaften ihre Bil- eine Lösung auf Gesetzesstufe weitgehend möglich.

dungsziele aufeinander abstimmen sollen. Es soll also auf Die Kantone und Gemeinden mit ihren Organen haben als ver-

Bundesebene eine Gesamtbildungskonzeption entwickelt antwortliche Träger im Bildungsbereich die Zeichen der Zeit

werden. erkannt. Wir brauchen keinen Bildungsartikel auf Bundes-

Die Initiative ist mit ihrer Stossrichtung sehr zentral istisch und ebene; es besteht diesbezüglich kein Handlungsbedarf. Wir

will den Bund praktisch zum Schirmherrn über sämtliche Stu- brauchen via einen solchen Artikel auch keinen Druck auf die

fen der Ausbildung küren. Unbestritten ist, dass in verschie- Kantone auszuüben. Die Wiederbelebung der Diskussion um

densten Bereichen und auf verschiedenen Stufen unseres Bil- den Bildungsartikel würde im Gegenteil Kräfte binden und fes-

dungswesens ein Koordinationsbedarf besteht Heute ist je- seln, die es jetzt dringend braucht, um im Bildungsbereich

doch die Bereitschaft zur freiwilligen Koordination unter den praktische Lösungen für die Zukunft zu finden.

Kantonen bereits sehr gross. Diese freiwillige Zusammenar- Ich beantrage Ihnen namens der SVP-Fratction nochmals, der

beit war in den letzten zehn Jahren - vielleicht mit Ausnahme parlamentarischen Initiative keine Folge zu geben, die Motion

des Schuljahresbeginns - durchaus erfolgreich. Ich erinnere der Kommissionsminderheit abzulehnen und das Postulat der

z. B. an die Harmonisierung des Beginns der ersten Fremd- Kommission gutzuheissen.

sprache in der Volksschule, an die Harmonisierung der Lehr-

pläne der Volksschulen und der Gymnasien, an die Harmoni-

Maeder: Das Bildungswesen in der Schweiz geniesst heute

sierung der Erstselektion in der Volksschule, an die gemein-

international noch einen guten Ruf. Noch! Wie lange wohl

same Produktion fast aller Lehrmittel auf Volksschulebene

noch? In anderen Ländern ist man nicht untätig geblieben,

oder an die interkantonale Vereinbarung über die Hochschul-

und der Glanz über dem Erziehungsland Pestalozzis beginnt

beiträge. Es kann unseres Erachtens nicht im Interesse des

langsam zu verblassen. Wir tun uns schwer mit neuen Aufga-

Bundes liegen, die Kompetenzen der Kantone in einem Gebiet

ben. Ich denke beispielsweise an die gerade in wirtschaftlich

zu beschneiden, in dem diese freiwillige Koordination grund-

schwierigen Zeiten so wichtige Erwachsenenbildung.

sätzlich gut funktioniert

Unser geltender Bildungsartikel stammt aus dem letzten Jahr-

Die Zuständigkeit der Kantone im Bildungsbereich ist das

hundert Der jüngste Versuch einer teilweisen Neuordnung

Herzstück, ist der Kernbereich unseres Föderalismus, der uns

scheiterte im März 1973 knapp am Ständemehr. Die Motionen

hier sehr wichtig ist Wir helfen keine Entwicklung fördern, die

Barchi, Müller-Marzohl und Uchtenhagen verlangten bereits

in diesem Bereich zu einer Schwächung des Föderalismus

im Herbst 1973 eine neue Vorlage. Sie wurden als Postulate

führen könnte. Unsere Fraktion ist überzeugt, dass ein innova-

überwiesen und 1984-elf Jahrespäter-abgeschrieben.

tives und gutes Bildungssystem auch in Zukunft nur funktio-

Was ist in den fast zwanzig Jahren seit der Volksabstimmung

nieren kann, wenn die Kompetenzen grundsätzlich dort ange-

auf eidgenössischer Ebene im Bildungswesen geschehen?

siedelt werden, wo die Bildung geschieht Auch aus diesem

Die Koordination des Schuljahrbeginns kann als einzige Tat

Grunde delegieren selbst die Kantone ihre Kompetenzen, mit

erwähnt werden. Sonst nichts als Leere, kein Wort mehr über

Ausnahme der tertiären Stufe, häufig bis zu den Gemeinden

einen Bildungsartikel auf Bundesebenel Es ist ein Verdienst

und Schulen.

des Pädagogen Hans Zbinden, mit seiner Initiative vom Juni

Dieses dezentrale System in unserem Bildungswesen hat sich

1989 das Gespräch wieder in Gang gebracht zu haben.

bewährt. Dies zeigte zum Beispiel die im Dezember 1991 ver-

Der gegenüber der Initiative Zbinden Hans laufend erhobene

öffentlichte internationale Untersuchung zur Frage «Was wis-

Hauptvorwurf lautet, sie sei in ihrer Stossrichtung zu zentrali-

sen Dreizehnjährige?». Dort erzielte unser Land Spitzenergeb-

stisch, sie richte sich gegen den Föderalismus und schaffe ei-

nisse. Dazu kommen die guten Noten der OECD-Studie, die

nen eidgenössischen Schulvogt. Die Erwägungen der Kom-

bereits von meinen Vorrednern zitiert wurden.

missionsmehrheit sind nicht nur von einem geradezu ängstli-

Wie Sie aus dem Kommissionsbericht ersehen, haben wir bei

chen Föderalismus geprägt, sie tönen teilweise geradezu resi-

unseren Arbeiten geprüft, welche Ziele der Initiative zu ihrer

gniert Da heisst es etwa: «Die Lösung wichtiger Probleme ist

Verwirklichung überhaupt einer neuen Verfassungsgrundlage

im Prinzip ohne neue Verfassungsgrundlage möglich-der po-

bedürfen:

litische Wille der Kantone vorausgesetzt» An diesem Willen

- Beim obligatorischen Schulbereich drängt sich ein neuer

kann man da und dort aus guten Gründen zweifeln.

Bildungsartikel nicht auf, da die Konferenz der kantonalen Er-

Ich zitiere weiter: «Für Teilbereiche des Bildungswesens wür-

ziehungsdirektoren ihre Koordinationsfunktion wahrnimmt

den neue Bildungsartikel zwar Verbesserungen bringen (Mit-

- Im Mittelschulbereich hat der Vorstand der schweizerischen

telschulbereich, ausseruniversitärer Tertiärbereich, Erwachse-

Gymnasialrektoren im Hinblick auf Reformen im Gymnasial-

nenbildung), eine eingehende Diskussion über die rechtli-

schulwesen im Januar 1991 Thesen vertreten, die den Zielen

chen Grundlagen würde die vorhandenen Kräfte aber derart

der Initiative Zbinden Hans entsprechen.

stark in Anspruch nehmen, dass konkrete Fortschritte bei Ein-

- Im Berufsschulbereich sind im Hinblick auf die europäische

zelfragen blockiert würden.» Die Kommissionsmehrheit gibt

Integration Anpassungen weitgehend aufgrund der bereits

also zu, dass in sehr wichtigen Bereichen Verbesserungen zu

geltenden Verfassungsbestimmungen möglich.

erzielen wären, schreckt aber mit einer fadenscheinigen Aus-

- Im Hochschulbereich gibt es klare Signale dafür, dass die

rede vor Neuerungen zurück.

Schweizerische Hochschulkonferenz und die Kantone die Lö-

Der Bildungsbereich als «Herzstück unseres Föderalismus» -

sung der Probleme im Bereich der Zusammenarbeit und Koor-

verschiedene Votanten haben dieses Herzstück erwähnt -,

dination mit Nachdruck an die Hand genommen haben. Dem

das tönt immer sehr schön, aber wenn wir ohne mutigen

wichtigen Anliegen der gegenseitigen Anerkennung von Stu-

Schritt in diesem Bereich nur die Idylle pflegen, verkommt un-

dienzeiten und Diplomen sowie der Mobilitätsförderung wird

ser vielbeschworenes Herzstück zum Fetisch.

immer vermehrt Rechnung getragen. Deshalb braucht es zur-

Im Namen der einstimmigen LdU/EVP-Fraktion bitte ich Sie,

zeit auch im Hochschulbereich keine zusätzlichen Bundes-

der Initiative Zbinden Hans zuzustimmen und allenfalls die

kompetenzen auf Verfassungsebene.

Motion der Minderheit zu überweisen.

Frau Haering Binder, nach unserer Meinung sticht auch das

Argument nicht, die europäische Entwicklung zwinge uns zu

schweizerischen Einheitslösungen. In Deutschland zum Bei- M. Scheurer Rémy: L'initiative parlementaire de M. Zbinden

spiel liegt die Kompetenz im Bildungswesen bei den Bundes- Hans fait émerger une nouvelle fois le vieux serpent de mer

ländern. Frankreich mit einem zentral istischen System steht qu'est le débat au sujet de la répartition des tâches de l'instruc-

international nicht besonders gut da tion et de la formation entre la Confédération et les cantons.

Die EG hat 120 Richtlinien und Direktiven verfasst; 80 betreffen Cette fois-ci, le monstre sort sa tête du magma d'affirmations,

die Anerkennung der Diplome, 40 sind allgemeine Empfehlun- d'exemples particuliers, de suppositions, de questions et de

Initiative parlementaire. Article sur l'éducation 234 N 2 mars 1992

prophéties qui tient lieu d'exposé des motifs à l'auteur de l'ini- die Vernehmlassung geschickt; auch die eidgenössische Ma-

tiative. turitätsverordnung wird Einfluss auf alle Mittelschulen des

En regard de ce texte brumeux, nous avons heureusement la Landes haben.

logique et la clarté du rapport de la commission. Une nouvelle Das Biga, das ja vom Bund her gesteuert wird, ist verantwort-

fois, nous établissons ici la règle qu'avant de toucher en quoi lich für die Berufsbildung. Und die Berufsbildung betrifft

que ce soit à la constitution, il convient de s'assurer que le pro- 80 Prozent unserer Jugendlichen im Alter von 15 bis 19 Jah-

blème posé est insoluble dans l'état actuel de la législation ou ren. Auch die Richtlinien des Biga, das eng mit der Wirtschaft

qu'il serait à l'évidence mieux résolu à la faveur d'une nouvelle zusammenarbeitet, reagieren sehr schnell auf Veränderun-

disposition constitutionnelle. En l'occurrence, le groupe libé- gen. Die obligatorische Einführung des Informatik-Unterrich-

ral a bien reconnu dans le texte de M. Zbinden des objets qui tes beispielsweise hat bereits Auswirkungen auf unsere Volks-

pourraient être réglementés, qui pourraient donner lieu à schulen.

concordats ou à accords intercantonaux, mais il ne voit tou- Es ist eigenartig und spricht nicht für die zentralistische Idee

jours rien qui nécessite une modification constitutionnelle, si der Initiative, dass die Volksschulen, die ja sehr föderalistisch

ce n'est peut-être la question de la reconnaissance des diplô- gehalten sind, im bereits erwähnten OECD-Bericht am besten

mes de professions qui ne sont régies ni par la loi sur la forma- wegkommen. Unsere Kantone arbeiten sehr innovativ. In den

tion professionnelle ni par une loi spéciale. letzten 25 Jahren wurden Methoden und Ziele sehr stark geän-

Le débat sur le partage des compétences entre les cantons et dert. Sie sind modern und zeitgemäss. Als Beispiel erwähne

la Confédération, dans le domaine de l'éducation et de la for- ich den Reform-Unterricht bei der Einführung der zweiten Lan-

mation, a été et demeure un débat et même un combat du fé- dessprache, der fast in allen Kantonen vorverlegt wurde. Auch

déralisme et de la centralisation au sens historique. Mais les haben die Erziehungsdirektoren der Nordwestschweiz 1991

problèmes actuels sont, à bien des égards, moins théoriques einen Austausch von Schülern und Lehrern mit der Suisse ro-

que pratiques. Ils résultent avant tout, dans ce qui nous oc- mande initiiert. Er wird weiter ausgebaut Sie sehen auch da

cupe aujourd'hui, de la mobilité, une mobilité rendue néces- wieder Einflüsse von Kanton zu Kanton. Die Lehrerfort- und

saire par révolution générale de l'économie et des moeurs, -Weiterbildungskurse auf schweizerischer Ebene werden sehr

une mobilité encouragée, à juste titre, pour faciliter aux per- stark besucht Auch das hat wieder Einfluss auf die Kantone.

sonnes leur formation et leur adaptation à cette même mobi- Ich meine, dass der Föderalismus hier gut ist, wenn er nicht zu

lité. Or, les instances politiques et scolaires, dans leurs formes streng angewendet wird, denn eine Wettbewerbsfunktion, wie

actuelles, ont la compétence pour aplanir les difficultés de sie die Kantone untereinander haben, schadet sicher nicht.

passage, pour abolir les entraves administratives désuètes, Und die kleinen Netze funktionieren hier.

pour assurer les coordinations, pour établir les relations, pour Ich erinnere Sie an die Schulkommissionen, die für die Schu-

reconnaître les équivalences. len in ihren Gemeinden verantwortlich sind. Diese Verantwor-

Ce qui est urgent, ce n'est pas de modifier la constitution, c'est tung sollten wir den Gemeinden lassen, denn nur so ist auch

de modifier des comportements et des états d'esprit Ce qui Gewähr dafür geboten, dass sie sich verantwortlich fühlen,

est important, c'est d'obtenir des résultats concrets. A cet dass die Zusammenarbeit zwischen Lehrern und Eltern weiter

égard, nous constatons une meilleure volonté de coopération ausgebaut werden kann. Ich meine auch, dass es gut ist,

à tous les niveaux et les résultats sont encore peu spectaculai- wenn ein Erziehungsdirektor seine Lehrer und Lehrerinnen

res mais déjà encourageants et de plus en plus nombreux. Il noch kennt, wenn die Lehrerinnen und Lehrer noch wissen, an

est vrai que l'on revient de loin parfois, et l'on se demandera wen sie sich wenden müssen.

bientôt sans doute, par exemple, comment il était possible de Deshalb beantrage ich Ihnen, diese parlamentarische Initia-

contraindre un maître secondaire, dûment qualifié dans son tive nicht zu unterstützen, im Interesse unserer Schulen.

canton au double niveau universitaire et pédagogique, à subir

une nouvelle formation pédagogique complète dans un autre Präsident: Im Interesse der Verkürzung der Debatte teilt die

canton avant de pouvoir y être nommé dans un même ensei- Fraktion der Auto-Partei mit, dass sie einstimmig beschlossen

gnement hat, der Initiative keine Folge zu geben. Sie unterstützt jedoch

Pas plus les problèmes internes à la Suisse que la question de die Ueberweisung des Kommissionspostulates.

nos relations internationales ne nous imposent une modifica-

tion de la constitution. Les systèmes scolaires restent de l'en- Frau Robert: Ich möchte Ihnen die Haltung der grünen Frak-

tière compétence des Etats, même dans la Communauté eu- tion darlegen. Wir haben es uns nicht leichtgemacht, weil

ropéenne, comme l'a encore affirmé et confirmé très nette- Grüne eingefleischte Föderalisten und Antizentralisten sind

ment M. Delors la semaine dernière. La reconnaissance des ti- und daran glauben, dass Kompetenzen so weit unten wie

tres et des formations dans nos écoles avec les titres et les for- möglich angesiedelt sein müssen.

mations dans d'autres pays ne passe pas par une modification Wir hatten einige Vorbehalte gegen die Formulierung dieser

constitutionnelle et, lorsque M. Zbinden demande que l'on parlamentarischen Initiative, weil sie insbesondere in den An-

vise à coordonner le système de formation entre la Confédéra- regungen den Eindruck erweckt, es wäre wünschbar, dass der

tion et l'étranger, il est évident qu'il nous laisse le choix entre la Mensch in Bildungsfragen vom Bund von der Wiege bis zur

coordination avec la France, l'Allemagne, l'Autriche et l'Italie, Bahre an die Hand genommen würde. Wir haben die Vorwürfe

pour ne citer que nos voisins directs; sur lequel de ces systè- ernst genommen, dass sie in der Tendenz antiföderalistisch

mes veut-il que l'on s'aligne? Le système scolaire suisse re- sei und die kantonale Schulhoheit ritze. Wir haben auch die

pose sur des éléments forts et vivants de nos traditions canto- Bedenken ernst genommen, dass eine riesige Bildungsdis-

nales et nationales. Il tient compte de nos particularités cultu- kussion auf irgendwelcher philosophischen Ebene stattfinden

relles et de nos tâches communes, il est capable de souplesse könnte und damit verhindert würde, dass die praktischen, not-

et d'adaptation; il n'y a donc pas lieu de donner de nouvelles wendigen und dringenden Aufgaben angepackt würden.

compétences constitutionnelles à la Confédération. Wenn wir zu dieser Initiative trotzdem ja sagen, so deshalb,

Avec le Conseil fédéral et la majorité de la commission, le weil wir ein wenig hinter die Schlagworte geschaut haben,

groupe libéral refusera l'initiative Zbinden, il acceptera du bout auch hinter gewisse Legenden, was kantonale Schulhoheit

des lèvres le postulat de la majorité de la commission. und Föderalismus anbelangt Dabei sind wir zur Ueberzeu-

gung gekommen - wenn man die konkrete Situation des Bil-

Frau Grossenbacher: Was die Initiative anstrebt, nämlich die dungswesens in unserem Land als Ganzes anschaut -, dass

Harmonisierung auf allen Ebenen des Bildungswesens auszu- die Vorteile einer Neuformulierung der Bildungskompetenzen

bauen, diesem Gedanken stimme ich zu. Ich meine aber, dass auf Bundesebene die Nachteile bei weitem überwiegen und

eine Grundsatzdebatte um Kompetenzzuteilungen zwischen dass die Befürchtungen relativ unbegründet sind.

Bund und Kantonen im jetzigen Zeitpunkt die laufenden Be- Wir haben eine Initiative in Form einer allgemeinen Anregung

mühungen nur verzögern würde, denn vieles ist auf horizonta- vor uns. Kein Mensch wird uns zwingen, irgend etwas Bewähr-

ler und auf vertikaler Ebene im Gang. Wie Sie alle wissen, hat tes über Bord zu werfen. Aber wir erhalten die Möglichkeit, die

die EDK kürzlich Rahmenlehrpläne für Maturitätsschulen in heutige Situation zu überdenken, die in manchen Punkten

2. März 1992 N 235 Parlamentarische Initiative. Bildungsrahmenartikel

nicht gut ist-viele, welche die Initiative und die Motion ableh- aufzuwerten, die bisher auf dem praxisbezogenen Weg in den

nen, wiegen sich diesbezüglich in einerfalschen Sicherheit Beruf gekommen sind. Das ist recht und gut, aber wieder sek-

Unser Bildungswesen ist in sehr vielen Teilen nicht mehr gut. toriell. Wieder vergisst man den Bezug zum Ganzen. Wieder

Es ist höchste Zeit, dass wir uns wieder einmal auf das Bil- «wurstelt» man sich auf irgendeine Art durch. Doch das Ende

dungswesen als Ganzes besinnen und darauf, dass wir für der Wurst ist in Sicht Wir werden uns über eine Revision der

diese nationale Aufgabe - das Bildungswesen ist eine natio- Verfassungsgrundlagen des Bundes im Bildungsbereich in al-

nale Aufgabe, eine Gemeinschaftsaufgabe - keine wirklich lernächster Zeit erneut unterhalten müssen, wenn wir heute

tragfähige Verfassungsgrundlage haben. Ohne Neuordnung nicht den Mut haben, darauf einzugehen. Sektoriell bleibt

sind wir für die gewandelten Anforderungen der Gegenwart nämlich auch, dass wir weiterhin ein Zweiklassen-Bildungssy-

nicht gerüstet und ebensowenig für die Anforderungen der Zu- stem haben, und das ist fatal.

kunft, in der die Bildung eine Schlüsselrolle spielen wird. Ich sage nicht «zweitklassig», sondern «zweiklassig»! Kein

Ich möchte Ihnen einige Beispiele für die rechtliche Unord- Land hat derartige Unterschiede zwischen akademischen und

nung nennen, die heute im Bildungswesen herrscht, für die nichtakademischen Berufsgängen. Ich bin für eine ganz stark

grosse Kluft zwischen dem, was auf dem Papier und in den praxisbezogene Berufsausbildung. Aber zwischen den bei-

Gesetzen steht, und dem, was in der Praxis passiert und wo- den Bereichen müssen eine Annäherung und eine Durchläs-

durch der Föderalismus und die kantonale Schulhoheit heute sigkeit geschaffen werden, die bis heute in weiter Ferne sind.

bedroht und ausgehöhlt werden. Ich möchte auch einige Nun geht uns das Geld aus, vor allem für Bildungsaufgaben!

Lücken, Ueberschneidungen und gegenseitige Blockierun- Bildung aber ist kein Luxus für gute Tage. Bildung ist die Le-

gen aufzeigen, die uns heute schon teuer und in Zukunft noch bensversicherung für schlechte Tage, um aus den schlechten

teurer zu stehen kommen. wieder in gute Tage zu kommen. Für Flugzeuge sind wir im-

Es ist gesagt worden, die kantonale Schulhoheit sei das Herz- mer zu gewaltigen Diskussionen bereit, im Bildungswesen je-

stück unseres Bildungswesens. Da ist ziemlich viel Legende doch will man nicht grundsätzlich diskutieren - das ist nicht

dabei. Wenn Sie genau hinschauen, werden Sie feststellen, nötig, nicht wahr?

dass die kantonale Schulhoheit eigentlich nur im Kindergarten Am Volk vorbei werden wir wohl Milliarden in eine Sicherheit

Realität ist. Im obligatorischen Volksschulbereich war es dage- stecken, die illusorisch ist. Dort, wo als kleines Land unsere ei-

gen eine der grossen Taten des Bundes im letzten Jahrhun- gentliche Lebensversicherung ist, wollen wir weder Zeit zum

dert, dass er ganz klar Pflöcke eingeschlagen hat, die bis diskutieren haben noch genug Geld aufbringen, noch die Ver-

heute verbindlich in der Verfassung stehen. Wenn der Bund fassungsgrundlagen revidieren, um unter anderem Geld

hier seine Kompetenzen nicht wahrnimmt, so heisst das nicht, locker zu machen, dort, wo die Kantone an ihre Grenzen stos-

dass er sie nicht hat Er verfügt im Volksschulbereich über be- sen; und sie sind in weiten und wichtigen Bereichen an ihre

trächtliche Kompetenzen; er nimmt sie nur nicht wahr. Grenzen gestossen.

Umgekehrt hat der Bund im Bereich des Mittelschulwesens Gerade dieses Durchwursteln kostet uns aber viel Geld. Wir

praktisch keine Kompetenzen. Er verfügt über eine ganz leisten uns ja vor allem im höheren Bildungsbereich auch un-

schmale Basis auf dem Umweg der Freizügigkeit der Medizi- glaubliche Ueberschneidungen.

nalberufe, aber darauf legiferiert er via Maturitätsanerken- Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben. Wenn wir heute

nungsverordnung im ganzen Bildungsbereich der Mittelschu- wieder nicht bereit sind, diese Aufgabe endlich an die Hand zu

len bis ins Detail - und die Kantone wehren sich nicht! Das nehmen und die wackeligen, lückenhaften, doppelspurigen

Lied der kantonalen Bildungshoheit tönt ziemlich falsch, wenn und für diesen wichtigen Bereich eigentlich unwürdigen Ver-

man einmal hinter diese Schlagworte schaut fassungsgrundlagen endlich zu überarbeiten, gilt der Spruch

Im Bereich der höheren Bildungsanstalten wiederum hat der auch für uns, und leider für einen Bereich, der eine Schlüssel-

Bund Kompetenzen für seine Technischen Schulen. Was aber position und -rolle für unsere zukünftige Entwicklung ein-

die kantonalen Universitäten betrifft, so hat er vor allem reak- nimmt.

tive Kompetenzen. Er darf zahlen, und das merkt man dann Ich bitte Sie deshalb im Namen der grünen Fraktion, der In-

auch! itiative zuzustimmen, obwohl es uns der Initiant nicht ganz

Dazu nur ein Beispiel: Seit über 30 Jahren wird versucht, die leichtmacht und er nicht unschuldig daran ist, dass auf so bil-

fünf Pharmazieschulen in der Schweiz auf die vernünftige Zahl lige Art Fehlinterpretationen möglich sind und Schlagworte

von zwei zu reduzieren. Es ist seit über 30 Jahren nicht mög- aus der Mottenkiste hervorgeholt werden können. Wenn Sie

lich. nicht zustimmen können, so überweisen Sie mindestens die

Ich wundere mich über alle in diesem Saal, die den Glauben Motion.

haben, dass in nächster Zeit plötzlich alles möglich sein wird,

weil die lieben Kantone ja alle wollen. Die Kantone sind heute M. Guinand, rapporteur: Vous avez en main le rapport écrit de

an der Grenze ihrer finanziellen Leistungsfähigkeit, insbeson- la commission qui date de novembre 1990; vous avez la prise

dere im Hochschulbereich. Und da zeigt es sich leider, dass de position détaillée du Conseil fédéral sur la motion de la mi-

dort gespart wird, wo Innovationen nötig wären, und dass sich norité du 15 mai 1991, vous avez entendu les différents porte-

alle an den Besitzstand klammern, statt in die Zukunft zu inve- parole des groupes et je n'ai pas le sentiment que des élé-

stieren. Eine Aufgabenteilung und Schwerpunktbildung unter ments nouveaux aient été avancés pour ou contre l'initiative

den Universitäten scheint schlicht nicht möglich. Ich wäre froh, parlementaire qui a été présentée, de sorte qu'il me paraît inu-

wenn wir hier noch etwas anderes erleben würden, ohne dass tile de répéter les arguments que vous trouvez dans les deux

wir den Bildungsartikel revidieren. Das sind ein paar Beispiele. documents écrits que je viens d'évoquer.

Die freiwillige Koordination ist bis heute nicht oder nur in An- J'aimerais simplement vous rappeler que depuis l'adoption

sätzen und Einzelbereichen gelungen. du rapport de la commission en novembre 1990, notre conseil

Ein weiterer Bereich ist die ganze Erwachsenenbildung - le- a pris un certain nombre de décisions qui vont dans le sens

benslanges Lernen, Fort- und Weiterbildung beruflich und all- souhaité par M. Zbinden. Je vous rappelle qu'au niveau uni-

gemein. Hier wäre der Ausbau für den Bund die Aufgabe des versitaire en particulier, nous avons adopté une nouvelle loi

20. Jahrhunderts, so, wie es im 19. Jahrhundert die obligatori- sur l'aide aux universités qui renforce le pouvoir de coordina-

sche Volksschule war. Und was stellen wir hier fest? Ein rechtli- tion de la Conférence universitaire suisse. Nous avons adopté

ches und bildungspolitisches Ozonloch, wo der Bund drin- un programme interne de mobilité, fondé sur une convention

gend Kompetenzen übernehmen müsste. interuniversitaire, garantissant le libre-passage d'une univer-

Herr alt Ständerat Arthur Hänsenberger hat einmal gesagt: «Es sité à l'autre. Nous avons pu ouvrir le programme Erasmus aux

liegt uns nicht, grosse Konzepte zu machen. Wir ziehen es vor, étudiants suisses. Les conventions du Conseil de l'Europe ont

uns pragmatisch 'durchzuwursteln'.» Er hat recht, wir haben été ratifiées. Un programme de relève basé sur le principe de

das heute wieder erlebt la coordination a été voté. A cela s'ajoute la création du Grou-

Ein letztes Beispiel: Wir kommen im tertiären Bildungsbereich pement pour la science et la recherche. Récemment, un projet

unter den Druck der EG. Was machen wir? Wir bieten schnell vient encore d'être déposé qui facilite les conditions d'admis-

eine Berufsmatur und Fachhochschulen an, um unsere Leute sion dans les universités et hautes écoles de Suisse.

Initiative parlementaire. Article sur l'éducation 236 N 2 mars 1992

Au niveau de la formation professionnelle, on sait que l'office das gleiche wie die Initiative. In der Kommission wurde der

fédéral compétent s'occupe d'examiner la question du statut Vorstoss mit 8 zu 3 Stimmen abgelehnt

des écoles techniques supérieures et des écoles supérieures

de commerce et d'administration, pour voir dans quelle me- Abstimmung - Vote

sure leur donner un statut compatible avec des écoles similai- Für den Antrag der Mehrheit

res en Europe. Nous connaissons la volonté de la Conférence (keine Folge geben) 103 Stimmen

des directeurs de l'instruction publique d'harmoniser les rè- Für den Antrag der Minderheit

gles sur la reconnaissance des formations professionnelles en (Folge geben) 54 Stimmen

relation avec la discussion du traité sur l'Espace économique

européen et enfin, nous savons qu'une nouvelle ordonnance

sur la maturité fédérale vient d'être proposée, toutes actions

qui ont été réalisées depuis le dépôt du rapport de la commis-

sion. Ad 89.237

Un argument qui est souvent opposé à notre système suisse,

c'est qu'il est trop compliqué et que, par conséquent, il fau- Postulat der Kommission für Wissenschaft und For-

drait donner des compétences à la Confédération pour le sim- schung

plifier. Mais la complication n'est pas nécessairement le corol- Nicht dem Berufsbildungsgesetz unterstellte Berufe. An-

laire d'un mauvais système. Comme le disait le président de la erkennung

Conférence des directeurs de l'instruction publique dans une

Postulat de la Commission delà science et de la recherche

interview publiée hier dans un quotidien romand paraissant le

Professions non régies par la loi sur la formation profes-

dimanche: La complexité ne signifie pas la complication. Il faut

sionnelle. Reconnaissance des diplômes

souligner l'essentiel, les jeunes ne sont pas moins bien formés

à cause de notre système «décentralisé». Je considère, au

contraire, que notre système décentralisé a des avantages

non négligeables et que c'est même un privilège que de pou-

voir bénéficier d'une aussi grande diversité d'offres de forma-

Wortlaut des Postulates vom 20. November 1990

tion.

Der Bundesrat wird beauftragt, zu prüfen und darüber Bericht

Il ne me paraît dès lors pas nécessaire - c'est l'avis de la com-

zu erstatten, ob eine Aenderung der Bundesverfassung not-

mission - de mettre actuellement en oeuvre une procédure

wendig ist, um Berufe, die weder unter das Bundesgesetz

d'élaboration d'un nouvel article constitutionnel, surtout dans

über die Berufsbildung noch unter ein anderes einschlägiges

un moment où toutes les forces dans ce domaine doivent être

Gesetz fallen, anerkennen zu können, und welche gesetzli-

consacrées à l'amélioration de la situation et à la mise en oeu-

chen Regelungen allenfalls heute schon möglich sind für die

vre des nombreuses initiatives prises dans ce sens et que

Anerkennung von Berufen, die nicht dem Berufsbildungsge-

nous venons de rappeler.

setz oder einem Spezialgesetz unterstellt sind.

Contrairement aux affirmations de Mme Haering Binder, nous

considérons que les cantons, comme le souhaite d'ailleurs ex-

Texfe du postulat du 20 novembre 1990

pressément le Conseil fédéral dans sa prise de position sur la

Le Conseil fédéral est invité à examiner si un amendement

motion de la minorité, sont conscients du rôle important qu'ils

constitutionnel est nécessaire afin de permettre la reconnais-

doivent jouer dans l'exercice de tâches d'importance natio-

sance des diplômes de professions qui ne sont régies ni par la

nale.

loi sur la formation professionnelle ni par une loi spéciale. Il

En conclusion, je vous propose au nom de la commission de

examinera également quelles prescriptions permettraient, au-

ne pas donner suite à l'initiative parlementaire de M. Zbinden.

jourd'hui déjà, de reconnaître de telles professions et présen-

Cette décision a été prise par 12 voix contre 5 par la commis-

tera un rapport à ce sujet.

sion. Je vous propose de ne pas adopter la motion de la mino-

rité, la commission l'ayant rejetée par 8 voix contre 3. Je vous

Ueberwiesen - Transmis

rappelle que le Conseil fédéral propose également le rejet de

la motion. Enfin, je vous propose d'accepter le postulat de la

commission, qui n'a été combattu ni par la commission ni par

le Conseil fédéral.

Ad 89.237

Schmidhalter, Berichterstatter: Der Kommissionspräsident

hat eingehend ausgeführt, was seit 1990 geregelt wurde; ich Motion der Kommission für Wissenschaft und Forschung

möchte nichts wiederholen. Die Debatte ergab keine neuen (Minderheit)

Elemente für oder gegen die Initiative, denen wir nicht schon in Bildungsrahmenartikel in der Bundesverfassung

der Kommissionssitzung begegnet sind. Ich kann daher zu- Motion de la Commission de la science et de la recherche

sammenfassen: Im Westen nichts Neues. (minorité)

Wir haben in der Kommission auch eingehend die Argumenta- Article constitutionnel sur l'éducation

tion des Bundesrates studiert und sind mit ihm der Meinung,

dass eine Neuauflage dieses Bildungsartikels im Moment

nicht notwendig ist. Im Prinzip kann die Lösung wichtiger Pro-

bleme an die Hand genommen werden, und es wird laufend

gemacht. Dafür ist aber keine neue Verfassungsgrundlage Wortlaut der Motion vom 20. November 1990

notwendig. Der Bundesrat wird aufgefordert, dem Parlament eine Vorlage

Ein Hauptargument gegen einen umfassenden Bildungsarti- über einen Bildungsrahmenartikel zu unterbreiten, welcher

kel bleibt nach wie vor die Zuständigkeit der Kantone im Bil- die Koordination des schweizerischen Bildungswesens, die

dungsbereich, ein Herzstück unseres Föderalismus! Förderung einzelner Bildungsbereiche und die Abstimmung

Die Kommissionsmehrheit hat die Initiative - bei einem Ver- des schweizerischen Bildungswesens mit demjenigen der eu-

hältnis von 12 zu 5 Stimmen - abgelehnt ropäischen Länder sicherstellt.

Der Bundesrat wird beauftragt, einen Teilbereich - Anerken-

nung der Diplome-zu prüfen und Bericht zu erstatten; dies ist Texfe de la motion du 20 novembre 1990

der Inhalt des Postulates der Kommission. Dieses Postulat Le Conseil fédéral est invité à soumettre au Parlement un pro-

wurde einstimmig angenommen. Der Bundesrat ist bereit, es jet d'article constitutionnel sur l'éducation qui assure la coordi-

entgegenzunehmen. nation de la formation et l'unification de la formation suisse

Die Motion der Kommissionsminderheit verlangt im Prinzip avec celle des autres pays européens.

2. März 1992 N 237 Parlamentarische Initiative. Sozialversicherungsrecht

Unterzeichner-Signataires: Fierz, Haering Binder, Uchtenha- Bei der Revision des Militärversicherungsgesetzes (MVG),

gen, Ulrich (4) welche demnächst vom Nationalrat beraten wird, wurde die

Koordination mit den übrigen Sozialversicherungswerken be-

Abstimmung - Vote reits weitgehend verwirklicht In bezug auf die Zielsetzungen

Für Ueberweisung der Motion 58 Stimmen wurde bei den Revisionsarbeiten schon auf eine Vereinbarkeit

Dagegen 96 Stimmen mit dem ATSG geachtet In der konkreten gesetzestechni-

schen Ausgestaltung bleiben aber noch Differenzen zu berei-

nigen.

Von Seiten des Konkordats der Schweizerischen Krankenkas-

#ST# 85.227 sen wünscht man sich nach wie vor einen ATSG, allerdings ko-

ordiniert zugleich mit den EWR-bedingten Aenderungen. Im

Parlamentarische Initiative weiteren hofft man, dass auch heikle Themen wie z. B. die Re-

(Meier Josi) gelung der Kontrolle der Wirtschaftlichkeit in den ATSG aufge-

Sozialversicherungsrecht nommen und nicht in die Spezialgesetzgebung ausgelagert

werden. Im Hinblick auf die Kostenentwicklung warnt das Kon-

Initiative parlementaire kordat davor, weitere Kategorien von Leistungserbringern in

(Meier Josi) den ATSG aufzunehmen. In verschiedenen Einzelfragen

Droit des assurances sociales wünscht man noch Aenderungen oder Präzisierungen.

Auch die Suva spricht sich für eine einheitliche Definierung der

Bericht und Gesetzentwurf der Kommission des Ständerates wichtigsten Begriffe im gesamten Sozialversicherungsbereich

vom 27 September 1990 (BB11991 I1185)

Rapport et projet de loi de la commission du Conseil des Etats aus. Allerdings sollten einzelne Bestimmungen und deren

du 27 septembre 1990 (FF 1991 I1181) Auswirkungen aus der Sicht des Praktikers noch einmal ge-

Stellungnahme des Bundesrates vom 17 April 1991 (BBIII910) prüft werden.

Avis du Conseil fédéral du 17 avril 1991 (FF II 888) Im Mittelpunkt der Diskussion in der Kommission stand die

Beschluss des Ständerates vom 25. September 1991 Grundsatzfrage, ob es sinnvoll sei, die verschiedenen Bun-

Décision du Conseil des Etats du 25 septembre 1991 desgesetze im Bereich Sozialversicherung durch ein neu zu

Kategorie V, Art 68 GRN - Catégorie V, art 68 RCN schaffendes «Dachgesetz», den allgemeinen Teil des Sozial-

versicherungsrechts (ATSG), zu koordinieren, oder ob man

besser durch individuelle Aenderung und Anpassung aller So-

zialversicherungsgesetze eine Harmonisierung anstreben

sollte.

Herr Allenspach unterbreitet im Namen der Kommission den Beide Varianten sind auch im Hinblick auf eine allfällige Anpas-

folgenden schriftlichen Bericht: sung des schweizerischen Sozialversicherungsrechts an das

EWR-Recht zu prüfen.

Der Ständerat ist als Erstrat am 25. September 1991 auf die Die Kommission beschloss, die Beratung für zwei Jahre aufzu-

Vorlage seiner Kommission eingetreten und hat sie einstim- schieben, um zunächst den Abschluss der Revisionsarbeiten,

mig zuhanden des Nationalrates verabschiedet In der Diskus- wie sie derzeit bei verschiedenen Sozialversicherungsgeset-

sion wurde darauf hingewiesen, dass es Sache des National- zen im Gang sind, abzuwarten. Insbesondere muss Klarheit

rates sein werde, die Vorlage im Detail zu bereinigen. über die 10. AHV-Revision, die Revision der Krankenversiche-

In bezug auf den Termin für die endgültige Verabschiedung rung und die Auswirkungen des EWR bestehen, bevor die De-

wurde darauf verwiesen, dass er «in Berücksichtigung der tailberatung des ATSG an die Hand genommen werden kann.

Rechtsetzungsverfahren zur 10. AHV-Revision, zur Revision Die Verwaltung wird bis zum Abschluss des Beratungsauf-

der Krankenversicherung und zur Revision des BVG sowie im schubs die in der Stellungnahme des Bundesrates geäusser-

Lichte der Fortschritte im europäischen Integrationsprozess» ten Bedenken vervollständigen. Es handelt sich einerseits um

festzulegen sei. Vorbehalte, die Bundesstellen und rechtsprechende Behör-

den in der Vernehmlassung geäussert haben. Andererseits

Erwägungen der Kommission soll die Verwaltung interne Diskrepanzen ausräumen bzw.

Die Kommission des Nationalrates hat zu ihrer Sitzung Exper- Sachgebiete aufzeigen, die so sehr abweichen, dass sie nicht

ten aus den verschiedenen Sozialversicherungsbereichen in einem ATSG geregelt werden können. In diesem Zusam-

eingeladen. Die Stossrichtung der parlamentarischen Initia- menhang wurde speziell die Arbeitslosenversicherung ge-

tive wurde grundsätzlich von allen Seiten begrüsst, doch nannt.

zeigte sich in der Diskussion, dass sich bei der Umsetzung in

einen konkreten Gesetzesartikel verschiedene Probleme stel- M. Allenspach présente au nom de la commission le rapport

len. écrit suivant:

Das Bundesamt für Sozialversicherung (BSV) hält eine ver- Le Conseil des Etats, quia traité l'objet en premier, est entré en

tiefte Ueberprüfung in materieller wie formeller Hinsicht für not- matière le 25 septembre 1991 sur le projet de sa commission

wendig. Dabei sollten auch die Wechselbeziehungen und et l'a adopté à l'unanimité à l'intention du Conseil national.

Schnittstellen zu den laufenden Revisionsarbeiten klar heraus- Lors de la discussion, le Conseil des Etats a souligné qu'il ap-

gearbeitet werden. Das BSV erklärte sich bereit, zu den Vor- partiendrait au Conseil national de mettre au point les détails.

schlägen, die seinen Bereich betreffen, eine detaillierte Stel- Pour ce qui est de la date de l'adoption définitive du projet, il a

lungnahme auszuarbeiten und diese mit den anderen betrof- précisé qu'elle devrait être fixée compte tenu de la procédure

fenen Bundesämtern zu koordinieren. législative concernant la 10e révision de l'AVS, la révision de

Am schwierigsten dürfte es sein, die Arbeitslosenversicherung l'assurance-maladie et celle de la LPP ainsi qu'à la lumière des

(ALV) in einen allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts progrès réalisés dans le cadre du processus d'intégration eu-

(ATSG) einzubeziehen. Gemäss moderner Konzeption ist die ropéenne.

ALV eher ein Instrument der Arbeitsmarktpolitik als ein Sozial-

versicherungszweig. Sie muss sich auch an wirtschaftspoliti- Considérations de la commission

schen Ueberlegungen orientieren, welche für klassische Sozi- La commission du Conseil national a invité des experts de di-

alversicherungen kaum relevant sind. Eintritt und Fortdauer ei- verses branches des assurances sociales à participer à sa

nes Versicherungsfalls werden bei der ALV in stärkerem Masse séance. Tous ont approuvé, dans ses grandes lignes, l'objectif

durch das Verhalten des Versicherten beeinflusst, als dies bei de l'initiative parlementaire, mais il s'est avéré au cours de la

anderen Sozialversicherungen der Fall ist discussion que l'élaboration d'un article de loi concret posait

Es ist daher grundsätzlich zu überdenken, ob die ALV gleich bien des problèmes.

wie die anderen Sozialversicherungszweige dem ATSG unter- L'Office fédéral des assurances sociales (OFAS) estime que

stellt werden kann. l'objet doit être réexaminé minutieusement, tant sur le plan

Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften

Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées

Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali

Parlamentarische Initiative (Zbinden Hans) Bildungsrahmenartikel in der

Bundesverfassung

Initiative parlementaire (Zbinden Hans) Article constitutionnel sur l'éducation

In Amtliches Bulletin der Bundesversammlung

Dans Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale

In Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale

Jahr 1992

Année

Anno

Band II

Volume

Volume

Session Frühjahrssession

Session Session de printemps

Sessione Sessione primaverile

Rat Nationalrat

Conseil Conseil national

Consiglio Consiglio nazionale

Sitzung 01

Séance

Seduta

Geschäftsnummer 89.237

Numéro d'objet

Numero dell'oggetto

Datum 02.03.1992 - 14:30

Date

Data

Seite 225-237

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Ref. No 20 020 941

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