Federal Election Law: Postal Voting Timing
Legislator-Zusammenfassung
KI-generiertThis case concerns the federal law on political rights, specifically regarding the timing of postal voting. The motion proposed to remove a provision that prohibited postal voting earlier than three weeks before an election day. The court reasoned that while the law stated a minimum period, it was intended to prevent abuse and ensure voters received voting materials, not to invalidate votes cast slightly early if materials were received sooner. The court acknowledged that the federal government intended to revise the law to allow earlier postal voting, accepting the motion to align the law with practical realities.
Legislator-Regeste
KI-generiertArt. 11 Absatz, Art. 8 Absatz, Art. 8 Abs. 2 BPR; Federal Election Law: Postal Voting Timing: The motion proposed to remove a provision that prohibited postal voting earlier than three weeks before an election day. The court reasoned that while the law stated a minimum period, it was intended to prevent abuse and ensure voters received voting materials, not to invalidate votes cast slightly early if materials were received sooner. The court acknowledged that the federal government intended to revise the law to allow earlier postal voting, accepting the motion to align the law with practical realities.
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KI-generiertThis provision is cited as the legal basis for the motion to be accepted, aiming to remove the restriction on when postal voting is permitted.
Volltext
Interpellation Weber 29 février 1988
#ST# 87.364 vier Wochen vor dem Abstimmungstag zustellt. Wenn
schon, müsste man der Administration den Vorwurf machen
Motion des Nationalrates (Segmüller) und nicht den Stimmbürger bestrafen, der ohne Argwohn
Briefliche Stimmabgabe. Zeitliche seine Pflicht zu erfüllen glaubt.
Terminierung Ich möchte nicht die Gemeindeschreiber kritisieren und
auch nicht zurückblicken. Wenn ich dennoch das Wort zu
Motion du Conseil national (Segmüller) dieser Problematik ergreife; so um in die Zukunft zu weisen.
Vote par correspondance. Délai requis Es wird noch einige Zeit dauern, bis das Bundesgesetz über
politische Rechte revidiert ist. Es scheint mir nun stossend,
Beschluss des Nationalrates vom 19. Juni 1987 wenn weitere briefliche Stimmen wegen der Frist ungültig
Décision du Conseil national du 19 juin 1987 erklärt werden. Es sollten Massnahmen ergriffen werden,
allenfalls durch ein Kreisschreiben des zuständigen Depar-
tements an die Kantone, damit dies nicht mehr geschieht.
Nach bundesrätlicher Botschaft von 1975 stimmt Artikel 8
Wortlaut der Motion Absatz 2 mit Artikel 11 Absatz 3 überein, wonach die Stimm-
Der Bundesrat wird beauftragt, Artikel 8 Absatz 2 des Bun- berechtigten Abstimmungsvorlage und Erläuterung minde-
desgesetzes über die politischen Rechte (BPR), welcher die stens drei Wochen vor dem Abstimmungstag erhalten. Es
briefliche Stimmabgabe frühestens drei Wochen vor dem soll also niemand stimmen können, bevor er im Besitze von
Abstimmungstag zulässt, zu streichen. Vorlage und Erläuterung ist. Erhält er diese Unterlagen
früher, ist nichts dagegen einzuwenden, dass er früher
Texte de la motion stimmt, zumal Artikeln Absatz3 von «mindestens drei
Le Conseil fédéral est chargé de préparer une révision de la Wochen» spricht. In diesem Sinne ist meines Erachtens
loi fédérale sur les droits politiques, visant à biffer l'article 8, Artikel 8 Absatz 2 eine Ordnungsvorschrift, die nicht stur
2e alinéa, qui déclare le vote par correspondance admissible ausgelegt werden muss.
au plus tôt trois semaines avant le jours de la votation. Sollte diese Angelegenheit weiterhin sehr formalistisch
behandelt werden, würde ich mit Goethes Mephisto ausru-
fen: «Vernunft wird Unsinn, Wohltat Plage.»
M. Reymond, rapporteur: Le vote par correspondance est
prévu aux articles 5 et 8 de la loi fédérale sur les droits Bundeskanzler Buser: Ihr Kommissionspräsident hat bereits
politiques. L'article 8 indique que les cantons instituent la bekanntgegeben, dass der Bundesrat die Motion entgegen-
procédure à ce propos. nimmt. Dazu wäre also nichts Weiteres zu sagen.
Le deuxième alinéa de cet article 8 prévoit cependant que le Die Ausführungen von Herrn Iten beschäftigen mich natür-
vote par correspondance est admissible au plus tôt - c'est lich. Artikel 8 enthält aber eine klare Limitierung. Er sagt:
ce qui est important - trois semaines avant le jour de la «Die briefliche Stimmabgabe ist frühestens drei Wochen vor
votation. C'est précisément cette disposition que la motion dem Abstimmungstag zulässig.» Das lässt sich nicht deh-
du Conseil national vise à supprimer. Souvent le matériel de nen, es ist eine klare Gesetzesvorschrift, so dass es nicht
vote envoyé aux électeurs leur parvient plus de trois denkbar ist, diese Frist auf dem Zirkulationsweg zu verkür-
semaines avant le vote. Or, ceux qui désirent participer au zen oder zu verlängern. Wir müssten das Gesetz ändern. Ich
scrutin renvoient immédiatement leur bulletin sans connaî- kann Ihnen aber zusichern, dass die Revision des Gesetzes
tre la disposition législative. De ce fait, leurs votes sont sehr rasch in die Wege geleitet wird. Wir haben bereits eine
annulés. Arbeitsgruppe bestellt, die eine Reihe von weiteren Proble-
Selon les renseignements qui nous ont été donnés, le maté- men zu beurteilen hat. Wir rechnen damit, dass wir Ihnen im
riel de vote est à disposition des cantons six semaines avant Verlaufe des nächsten oder spätestens übernächsten Jahres
le scrutin. Seul le canton de Zurich fait exception à cette die Botschaft unterbreiten können.
règle car il a besoin d'une semaine supplémentaire pour la
distribution aux électeurs. Le Conseil fédéral est prêt à Präsident: Der Vorstoss wird nicht bekämpft.
accepter la motion et à supprimer ce deuxième alinéa, de
manière à permettre aux cantons de prévoir une disposition Ueberwiesen - Transmis
selon laquelle les électeurs pourraient utiliser le vote par
correspondance au moment de la réception du matériel. An den Bundesrat - Au Conseil fédéral
La commission vous recommande à l'unanimité d'accepter
la motion. #ST# 87.810
Interpellation Weber
Präsident: Die Kommission beantragt einstimmig, die
Motion zu überweisen. Informationspraxis des Bundesrates in
ausserordentlichen Situationen
Iten: Ich wende mich nicht gegen die Motion von Frau Pratique du Conseil fédéral en
National rätin Segmüller, zumal der Bundesrat sie akzeptiert. matière d'information dans des situations
Was mich hingegen bewegt, ist die Tatsache, dass im Kan- exceptionnelles
ton St.Gallen briefliche Stimmen wegen der Verletzung der
Frist um einige Tage für ungültig erklärt wurden. Es stört
mich, dass einige Gemeindeschreiber das zu frühe Eintref-
fen der Stimmcouverts als Grund für die Ungültigerklärung
genommen haben, andere wiederum nicht - das konnten Wortlaut der Interpellation vom W, Dezember 1987
wir in der Kommission erfahren. Die Information der Bevölkerung in gefährlichen und heik-
Wurde da nicht zuviel Gesetzesformalismus betrieben? Der len Situationen ist eine wichtige Sache und sollte nicht zu
Gesetzgeber jedenfalls wollte nur, wie es in der Botschaft mehr Verunsicherung führen, sondern im Gegenteil mehr
vom 9. April 1975 heisst, Missbräuche beseitigen und zog Transparenz verleihen. Der Bundesrat hat in den letzten
daher die Fristen etwas enger als früher. Nun könnte man Jahren bei verschiedenen Ereignissen (z.B. Hormonskandal,
aber mit gesundem Menschenverstand ohne weiteres fest- «Schweizerhalle», «Tschernobyl», aber auch im jüngsten
stellen, dass das Eintreffen eines Couverts ein oder zwei Fall rund um den «Mont d'Or») nicht eben eine glückliche
Tage vor der im Gesetz in Artikel 8 angegebenen Frist kei- Hand in seiner Informationspraxis gezeigt. Insbesondere
nen Missbrauch darstellt, zumal die Verwaltung das Material liess er Aemter oder Kommissionen Auskünfte geben, die
29. Februar 1988 Interpellation Weber
zwar sicher kompetent in der Sache, nicht aber transparent Informieren heisst heute in vielen Fällen transparent
für den Bürger/die Bürgerin waren. machen - vor allem, wenn es von der öffentlichen Hand
Ich frage deshalb den Bundesrat an: ausgeht -, damit sich der einzelne ein Bild machen, sich
- Welche organisatorischen oder anderen Vorkehren sind vernünftig verhalten kann. Gerade das ist dem Bürger aber
geplant oder schon ergriffen worden, um in unerwarteten bei sämtlichen ausserordentlichen Geschehnissen der letz-
Lagen mit ungewöhnlicher Problemstellung rasche, kompe- ten zehn Jahre, die ich abschätzen kann, nicht zuteil gewor-
tente und zweckmässige Entscheide in Sachen Information den. Vielmehr war die Information des Bundes sehr stark
sicherzustellen? von Intransparenz geprägt, und solche Intransparenz kann
- Wie wird für Transparenz und Klarheit gegenüber der sowohl dem Bürger wie auch dem Konsumenten oder der
Bevölkerung, aber auch gegenüber der Wirtschaft und dem Wirtschaft schaden.
Konsumenten gesorgt? Zwei Beispiele - es gäbe weitere, ich habe sie in meiner
- Ist sich der Bundesrat bewusst, dass in unserem kleinen Interpellation erwähnt-: Ich denke an den jüngsten Fall: an
Land auch in Rechnung gezogen werden muss, dass es in die Listeriose-Geschichte im vergangenen Herbst, als das
allen Landesteilen auch grenzüberschreitende Informatio- Bundesamt für Gesundheitswesen an die Oeffentlichkeit
nen gibt, die das Bild für den einzelnen beträchtlich erwei- trat. Man kann ruhig sagen: Es war ein mutiger Entscheid.
tern? Es hat sich mutig verhalten, aber doch auch wiederum zu
zaghaft. Das Bundesamt wollte das Kind nicht beim Namen
Texte de l'interpellation du 18 décembre 1987 nennen und brachte damit eine ganze Branche in Verruf. Im
L'information de la population, dans des situations dange- Klartext: Man hat gesagt, es handle sich um einen Weich-
reuses ou délicates, est une chose très importante; elle ne käse, aber nicht um welchen, und damit geriet die ganze
devrait pas ajouter à l'incertitude du public mais au Branche in Verruf. Das ist meines Erachtens eine Handha-
contraire permettre une plus grande transparence de la bung der Information, wie sie nicht vorkommen sollte.
situation. Les dernières années, le Conseil fédéral n'a pas Das zweite Beispiel betrifft «Tschernobyl», also eine ganz
fait preuve de toute la rigueur voulue pour informer le public andere Angelegenheit. Auch damals war die Situation alles
à l'occasion de divers événements (par exemple, le scandale andere als transparent. Die Information, die aus den Ost-
des veaux engraissés aux hormones, l'incendie de Schwei- blockstaaten kam, war sehr dürftig. Bei uns war eine natio-
zerhalle, la catastrophe de Tchernobyl et, plus récemment, nale Kommission - wenn ich sie so nennen darf - beauf-
le cas du vacherin Mont d'Or). Il a en particulier autorisé des tragt, zu berichten, und diese Kommission berichtete auch
offices ou des commissions, pourtant compétents en la regelmässig. Aber sie berichtete nicht nur sehr akademisch,
matière, à diffuser des informations qui manquaient de sondern in einer Art, dass der einzelne Bürger kaum verste-
clarté pour le public. hen konnte, wo er in dieser Situation wirklich stand. Es
C'est pourquoi je prie le Conseil fédéral de répondre aux wurde vom Mass der Verstrahlung gesprochen, und jeden
questions suivantes: Tag wurden eigentlich nur die Differenzen dazu angegeben.
- Quelles sont les mesures qui sont prévues ou ont déjà été Wenn man nicht selber Buch geführt hat, konnte man nicht
prises en matière d'organisation ou dans d'autres domaines wissen, wie hoch die Verstrahlung zu einem gewissen Zeit-
afin que des décisions appropriées soient rapidement prises punkt war.
pour assurer une bonne information dans des situations Auch war es so, dass man in der Schweiz immer davon
inattendues présentant des problèmes particuliers? ausgegangen ist, dass alles harmlos war. Ich will das hier
- Que fait-on pour assurer la transparence et la clarté de nicht anzweifeln. Aber man hat dabei vergessen, dass
l'information destinée non seulement au public, mais aussi gleichzeitig über das Fernsehen oder über das Radio Mel-
aux milieux économiques et aux consommateurs? dungen aus dem Ausland kamen, die nicht so harmlos
- Le Conseil fédéral est-il conscient que dans notre petit tönten. Man hat also vergessen, dass jeder Schweizerbürger
pays, il faut également tenir compte des informations qui mindestens noch ein, zwei ausländische Kanäle bedienen
nous parviennent de l'étranger et qui élargissent considéra- konnte und deshalb mit mehr Information bespickt wurde
blement notre point de vue? als nur mit derjenigen aus unserer Kommission.
Auch muss man sagen, dass eine Kommission dafür eigent-
Mitunterzeichner - Cosignataire: Jagmetti lich nicht das richtige Instrument ist. Ich glaube, im Moment
einer Gefahr hat der Bürger ein Interesse daran, dass eine
Frau Weber: Meine Interpellation stammt aus der letzten verantwortliche Person - ich denke dabei an einen Bundes-
Session. Ich muss sagen: für eine ehemalige Nationalrätin rat - die Informationen gibt. Damals war es so, dass man
ist es ein erstaunliches Erlebnis, eine Interpellation bereits in nicht sehr viel Informationen, ausgenommen über die Milli-
der nächsten Session begründen zu dürfen. Meine Interpel- rems, geben konnte. Ich möchte bei dieser Gelegenheit
lation stammt also aus jener Zeit der Vorkommnisse rund darauf aufmerksam machen, dass es mir wichtig erscheint,
um den «Mont d'Or» und hängt mit der damals entbrannten dass man in der heutigen Zeit auch ruhig zugeben kann,
Diskussion rund um die Frage zusammen, wie der Bund wenn man nicht so viele Informationen hat. Wichtig ist, dass
seine Informationspflicht verstand, wie er sie bis jetzt ver- man dem Bürger zeigt, dass man um Informationen bemüht
standen hat und wie er sie in Zukunft versteht. ist.
Da es nicht das erste Mal war, dass der Bund in seiner Man kann also sagen, dass in ausserordentlichen Situatio-
Informationspraxis nicht gerade eine glückliche Hand nen auch ausserordentliche Instrumente bereitstehen müs-
zeigte, habe ich mir erlaubt, einige Fragen zu formulieren: sen, um dem Bürger eine Situation transparent zu machen.
Ich gehe davon aus, dass wir in unserem Land ein Staatsver- Ich kann mich hier sehr kurz fassen, weil letzte Woche durch
ständnis haben, das von der Offenheit-es liegt mirsehrviel den Bericht über «Tschernobyl» die erste Frage meiner
daran, das ausdrücken zu können -, von derOeffentlichkeit Interpellation behandelt wurde. Ich habe am Freitag aus der
des Geschehens ausgeht, das unsere Demokratie als res Presse vernommen, dass die Bundeskanzlei eine Informa-
publica, also als eine offene Sache, sieht. Im heutigen Infor- tionszentrale eingerichtet hat. Diese soll nun bei allen den
mationszeitalter stellt sich nun die Frage: Bedeutet Informa- Bund betreffenden ausserordentlichen Lagen und Ereignis-
tion etwas anderes als früher? Ich glaube nicht. Aber sen eine koordinierte, rasche, umfassende und objektive
allenfalls bedeutet der Umgang mit Information etwas ande- Information gewährleisten. Das freut mich sehr. Die Informa-
res als vor 50 oder 100 Jahren. tion wird damit - so hiess es - zu einem festen Bestandteil
Dazu zwei Hinweise: Ich glaube, dass aufklärende Informa- des Krisenmanagements und muss über die nötige Infra-
tion heute den Bürger, den Konsumenten, die Wirtschaft struktur verfügen. Ich erlaube mir jetzt dazu noch zwei
sehr schnell und sehr direkt trifft, und daran müssen wir Bemerkungen. Es scheint mir wichtig zu sein, dass man sich
denken. Andererseits ertragen der Bürger, der Konsument dabei insbesondere drei Dinge merkt:
und auch die Wirtschaft heute viel mehr als früher, weil man 1. Es braucht bestimmt keinen riesigen Apparat, um Infor-
eben an viel und an direkte Information gewöhnt ist. mation sicherzustellen. Wenn man hört, dass die nötige
Interpellation Weber 29 février 1988
Infrastruktur aufgebaut werden muss, bin ich der Meinung, sen sind. Wir haben daraus für ein anderes Mal die Konse-
dass im Grunde genommen ein kleiner Stab von vielleicht quenzen gezogen.
drei Personen zu bezeichnen ist. Unter diesen Personen Es hat sich auch gezeigt, dass das Umfeld der Informations-
sollten sicher ein Bundesrat, der Bundeskanzler und noch tätigkeit deren Umsetzung und Wirkung sehr intensiv beein-
eine Fachperson sein. Ich finde also, dass man für Krisensi- flussen kann. Der Bundesrat hat am 2. Juli 1986 im Rahmen
tuationen nicht über Jahre hinweg ganze Stäbe unterhalten seines Zwölf-Punkte-Programms zu den «Tschernobyl-Fol-
muss. Aber es muss eine kompetente Gruppe sein. Sicher ist gen die Bundeskanzlei beauftragt, zusammen mit den
auch wichtig, dass man ein Konzept erarbeitet, wie man Departementen den qualitativen und quantitativen Ausbau
reagieren kann, und dass für diesen Stab auch Ersatzleute der Informationstätigkeit bei solchen Ereignissen zu prüfen
da sind. und eine Informationszentrale zu schaffen. Die Resultate
2. Inhaltlich ist folgendes dazu zu sagen. Ich glaube, wir dieser Studie sind im Schlussbericht des Bundesrates an die
müssen uns auch mit der Frage beschäftigen: Was heisst Geschäftsprüfungskommission des Nationalrates vom
Information heute? Information hat sicher auch eine ethi- 18. Dezember 1987 enthalten. Frau Ständerätin Weber hat
sche Komponente. Ich meine, dass die Information nach wie ihn eben zitiert.
vor so offen wie möglich verbreitet werden sollte. Man muss Zu den drei konkreten Fragen der Interpellantin ist folgen-
den Mut haben, in Transparenz dem Bürger die Mitteilungen des auszuführen:
zu machen. Ich glaube, man muss sich auch sehr bewusst 1. Als erste organisatorische Massnahme hat der Bundesrat
sein, dass man es nie allen Menschen recht machen kann. bei der Bundeskanzlei - in Erweiterung des Informations-
Das bedeutet, dass man mutig die Wahrheit sagen muss, dienstes, der hier besteht - eine Informationszentrale
auch wenn es vielleicht jemanden trifft. Ehrlich währt am geschaffen, die einerseits die vollständige, rasche und ver-
längsten! Gerade in Konsumfragen ist es immer so, dass ständliche Information der Bevölkerung gewährleisten soll
sicher eine Seite im negativen Sinne getroffen wird. Dass und andererseits die nötige Koordination der Informations-
man hier ehrlich zur Wahrheit steht, scheint mir sehr wichtig tätigkeit mit den verschiedenen Stellen im Bund und in den
zu sein. Kantonen sicherzustellen hat.
3. Es ist auch sehr wichtig, dass man bei einer Information Die neugeschaffene Informationszentrale soll nicht nur bei
ruhig dazu steht, wenn man selbst noch nicht genügend einer Verstrahlung, sondern jederzeit auch für andere aus-
informiert ist, aber dem Bürger doch das Gefühl gibt, dass serordentliche Lagen wie Geiselnahmen, Chemieunfälle
man am Ball und auf der Suche nach Information ist. In usw. einsatzbereit sein. Nachdem das Parlament für diese
diesem Sinne sehe ich auch eine inhaltliche Verpflichtung, Aufgabe zwei zusätzliche Stellen bewilligt hat, kann für jede
wenn eine solche Informationszentrale aufgebaut wird. der drei Hauptaufgaben, nämlich die interne Information,
die Information der Oeffentlichkeit und die Information der
Bundeskanzler Buser: Es liegt auf der Hand, dass die Bevöl- Kantone, je ein Verantwortlicher ernannt werden. Wie haben
kerung in gefährlichen und heiklen Situationen auf alle also - wie es Ständerätin Weber gefordert hat - einen
Formen der Information besonders angewiesen ist. Sie hat kleinen Stab geschaffen; wir haben zwei Leute mehr. Ich
ein Anrecht darauf, zu wissen, welchen Gefahren sie ausge- darf beiläufig daran erinnern, dass das Bundespresseamt in
setzt ist, wie sie sich dagegen schützen kann, wie sie sich Bonn etwas über 700 Mitarbeiter zählt. Wenn wir die zwei
verhalten sollte und was die Behörden für die Bewältigung neuen bei der Bundeskanzlei dazunehmen, verfügen wir in
der Lage und zum Schütze der Bevölkerung unternehmen. diesem Bereiche über insgesamt vier Mitarbeiter; wir
Je schwerer die Krise, je schwieriger die Lage, je stärker die machen es also mit typisch schweizerischer Bescheidenheit.
persönliche Betroffenheit, desto grösser ist das Bedürfnis Der Einsatz der Informationszentrale erfolgt nach dem Bau-
der Oeffentlichkeit nach Informationen. Dabei gilt es zu kastensystem. Zunächst werden Mitarbeiter der Departe-
berücksichtigen, dass die Bevölkerung - vielleicht weil sie mente beigezogen, vorwiegend Informationsbeauftragte der
infolge früherer Ereignisse sensibilisiert oder ängstlich ist - Generalsekretariate und der Bundesämter. Je nach Art,
selbst dann ein besonders starkes Bedürfnis nach Informa- Umfang und Dauer des Ereignisses wird die Informations-
tionen haben kann, wenn dies von der Sache her nicht zentrale durch speziell geschulte Angehörige von Armeestä-
unbedingt gerechtfertigt erscheint. Es muss daher primäre ben verstärkt, wobei wir die Schulung dieser Leute aus den
Aufgabe der Behörden sein, in ausserordentlichen Lagen in Armeestäben selber übernommen haben. Sie ist laufend im
besonderem Masse für eine wahre - hier teile ich ganz die Gang und wird jedes Jahr verstärkt.
Auffassung von Frau Ständerätin Weber -, vollständige, Zur fachlichen Beratung kann die Bundeskanzlei je nach
zeitgerechte und verständliche Information der Oeffentlich- Ereignis und Lage zudem Spezialisten des entsprechenden
keit zu sorgen. Ich betone das letzte Wort: verständliche Fachgebietes beiziehen. Diese Lösung entspricht den
Information. Das war gerade in Sachen «Tschernobyl» nicht bereits vor «Tschernobyl» erarbeiteten Thesen und Grund-
immer besonders leicht, da es um physikalische Begriffe sätzen der Information in ausserordentlichen Lagen sowie
ging, die der Bevölkerung nicht ohne weiteres klar waren. den Lehren, die aus dem Fall «Tschernobyl» gezogen wur-
Es ist denn auch nicht verwunderlich, dass der Bundesrat den. Der Aufbau der Informationszentrale mit den vorgese-
schon lange vor den Katastrophen von «Tschernobyl» und henen personellen und technischen Mitteln ist im Gange.
«Schweizerhalle» der Information in ausserordentlichen Sie wird noch dieses Jahr einsatzbereit sein und auf jeden
Lagen grosse Aufmerksamkeit geschenkt hat. So wurden Fall in der Gesamtverteidigungsübung im November 1988
darüber bereits in den siebziger Jahren zahlreiche Semina- getestet werden.
rien durchgeführt und die Grundsätze sowie die Verwal- 2. Der Bundesrat teilt die Meinung der Interpellantin,
tungsstrukturen für diese schwierige Aufgabe bei den ver- wonach für Transparenz und Klarheit gegenüber der Bevöl-
schiedenen Gesamtverteidigungsübungen überprüft und kerung gesorgt werden muss. Dieses Ziel soll durch eine
ständig angepasst. Dadurch war es, bei aller Anerkennung offene und kontinuierliche Informationspolitik sowie durch
der Kritik, im Falle «Tschernobyl» doch möglich, eine offene organisatorische Massnahmen erreicht werden. Allerdings
und kontinuierliche Information der Oeffentlichkeit zu haben gerade «Tschernobyl» und auch das Beispiel
gewährleisten. Ich betone nochmals, dass die Schwierigkei- «Schweizerhalle» sowie die Ereignisse rund um den «Mont-
ten zum Teil von der Materie her kamen. d'Or» gezeigt, dass es nicht immer leicht ist, in der Praxis
Was den Einsatz der Behörden betrifft, verstehe ich die diesen Bedürfnissen gerecht zu werden.
Ausführungen von Frau Ständerätin Weber bezüglich der Es hat sich herausgestellt, dass Schwierigkeiten in der Infor-
Abgabe von Erklärungen von Mitgliedern des Bundesrates. mation vor allem in denjenigen Bereichen auftreten, in wel-
Wir haben darüber lange diskutiert. Es ist immer eine Frage chen nicht primär der Bund, sondern die Kantone für den
des Masses, wann ein Mitglied der Landesregierung oder Vollzug zuständig sind (beispielsweise die Lebensmittelpoli-
wann gar der Bundespräsident vor dem Fernsehen auftreten zei im von Frau Ständerätin Weber erwähnten Listerienfall).
soll. Ich gebe rückwirkend ohne weiteres zu, dass wir mit Wollte man hier eine zentrale Information einsetzen, müsste
dem Einsatz von Mitgliedern des Bundesrates zu karg gewe- sich der Bundesrat auf sein Mandat der Oberaufsicht beru-
I.März 1988 Standesinitiative Genf
fen und von seinem damit verbundenen Weisungsrecht #ST# Zweite Sitzung - Deuxième séance
Gebrauch machen. Unser föderativer Staats- und Verwal-
tungsaufbau sollte aber nicht ohne Not übergangen werden. Dienstag, 1. März 1988, Vormittag
Der Bundesrat beabsichtigt nun, über die Revision der Mardi 1er mars 1988, matin
betreffenden Gesetze und Verordnungen die Information in
ausserordentlichen Situationen besser zu koordinieren. In 8.00h
der Zwischenzeit soll auf informellem Wege eine möglichst
optimale Koordination zwischen Bund und Kantonen ange- Vorsitz - Présidence: M. Masoni
strebt werden.
3. Es ist bekannt, dass die Bevölkerung permanent und in
allen Landesteilen über Information aus dem Ausland ver-
fügt. Dies ist grundsätzlich zu begrüssen, auch wenn - wie
im Falle «Tschernobyl» - verschiedene Elemente dieser 87.201
ausländischen Informationen zur weiteren Verunsicherung
der Bevölkerung beigetragen haben. Dies war darauf Standesinitiative Genf
zurückzuführen, dass im Ausland nicht nur andere Normen,
sondern auch andere Konzepte für Verstrahlungsfälle ange-
«Strassenabgabe» auf Flugtreibstoff
wendet werden. So wurden im benachbarten Ausland teil- Initiative du canton de Genève
weise Massnahmen beschlossen und sofort propagiert, die Taxe sur l'essence aviation. Affectation
für uns nur schwer verständlich waren. Zum Teil mussten sie
denn auch später wieder abgeschwächt werden. Unsere
Bevölkerung hat jedoch diese Informationen jeweils auch
mitbekommen und sich zu Recht gefragt, woher die grossen Wortlaut der Initiative vom 18. Februar 1987
Unterschiede stammen. Der Kanton Genf beantragt, die «Strassenabgabe» auf Flug-
Um diesem Problem auf den Leib zu rücken, hat der Bun- treibstoffen für Massnahmen zur Verringerung der durch
desrat bereits im Sommer 1986 die Initiative ergriffen mit den Luftverkehr verursachten Schäden zu verwenden.
dem Ziel, auf internationaler Ebene eine Harmonisierung
des Vorgehens sowie eine Abstimmung der Grenzwerte zu Texte de l'initiative du 18 février 1987
erreichen. Ich darf auf die Fortsetzung dieser Initiative ver- Le canton de Genève propose d'affecter la «taxe routière»
weisen, worüber im Bericht über den KKW-Unfall folgendes sur l'essence pour l'aviation à des mesures tendant à dimi-
ausgeführt wird: «Aufgrund der vom Bundesrat ergriffenen nuer les effets des nuisances engendrées par le trafic aérien.
Initiative zur internationalen Harmonisierung von Interven-
tionswerten bei grenzüberschreitender Verstrahlung beauf- Herr Piller unterbreitet im Namen der Verkehrskommission
tragte im September 1986 die Regionalkonferenz Europa den folgenden schriftlichen Bericht:
der Weltgesundheitsorganisation in einer Resolution den
Regionaldirektor, ein Expertentreffen zur Prüfung dieser 1. Text und Begründung der Initiative
Fragen einzuberufen. Nach intensiven Vorbereitungen mit Der Grosse Rat des Kantons Genf hat am 16. Oktober 1986
ausgedehnten Absprachen zwischen den verschiedenen beschlossen, eine Standesinitiative mit folgendem Wortlaut
internationalen Organisationen hat vom 10. bis 14. Novem- einzureichen:
ber 1987 in Genf dieses Expertentreffen stattgefunden. «Der Grosse Rat,
33 Experten aus Strahlenschutz, Strahlenbiologie, klini- - in der Erwägung,
scher Medizin, Epidemiologie, Notfallplanung und Gesund- dass der auf dem Flugbenzin erhobene Zollzuschlag dem
heitsbehörden diskutierten einen ausführlichen Bericht der Bund erhebliche Einnahmen bringt, diese jedoch der Stras-
Weltgesundheitsorganisation über Empfehlungen und senrechnung gutgeschrieben werden;
Massnahmen, die bei einem künftigen Nuklearunfall die dass immer noch Verbesserungen zur Verminderung der
Unsicherheit verhindern sollen.» Beeinträchtigungen durch den Fluglärm möglich sind;
Machen wir uns aber keine Illusionen: divergierende Infor- dass diese oft kostspieligen Verbesserungen mit dem auf
mationen über gravierende Ereignisse sind auch in Zukunft dem Flugbenzin erhobenen Zollzuschlag finanziert werden
zu erwarten, so dass auch künftig mit Momenten der Verun- könnten;
sicherung zu rechnen sein wird. Entscheidend ist deshalb lädt den Staatsrat ein,
wie eh und je, ob es gelingt, das Vertrauen in die öffentliche mit einer Standesinitiative den eidgenössischen Räten vor-
Information der eigenen Behörden zu erhalten. Der Bundes- zuschlagen, einen Beschluss zu fassen, wonach der auf dem
rat ist bereit und entschlossen, alles zu tun und insbeson- Flugbenzin erhobene Zollzuschlag für Massnahmen zur Ver-
dere durch eine offene und kontinuierliche Informationspo- minderung der durch den Fluglärm verursachten Beein-
litik die Basis für die Sicherung dieses Vertrauens auch in trächtigungen zu verwenden ist.»
kritischen Situationen zu schaffen. Diese Standesinitiative wurde wie folgt begründet:
«1985 wurden in Genf Cointrin 811 500 Liter Flugbenzin
Präsident: Frau Weber ist von der Antwort befriedigt. verkauft....
Am 27. Januar 1986 betrug der Flugbenzinpreis Fr. 1.62 pro
Liter. Er setzt sich folgendermassen zusammen:
Schluss der Sitzung um 19.45 Uhr Fr. 1.- Einkaufspreis
La séance est levée à 19 h 45 Fr. -.23 Zoll
Fr. -.30 Zollzuschlag
Fr. -.076 Wust
Fr. -.015 Flughafengebühr
Aus diesen Zahlen geht hervor, dass der Luftverkehr 1985 in
Genf dem Bund Abgaben von mehr als Fr. 400 000- entrich-
tet hat, davon rund Fr. 240 000- für die Nationalstrassen
(das Kerosin bleibt hier unberücksichtigt!).
Unser Staatsrat setzt sich vehement und an mehreren Fron-
ten dafür ein, dass die unerwünschten Auswirkungen des
Luftverkehrs vermindert werden.
In dieser Hinsicht werden von allen und auf allen Ebenen,
und oft ganz spontan, grosse Anstrengungen unter-
nommen.
Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften
Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées
Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali
Interpellation Weber Informationspraxis des Bundesrates in ausserordentlichen
Situationen
Interpellation Weber Pratique du Conseil fédéral en matière d'information dans des
situations exceptionnelles
In Amtliches Bulletin der Bundesversammlung
Dans Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale
In Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale
Jahr 1988
Année
Anno
Band I
Volume
Volume
Session Frühjahrssession
Session Session de printemps
Sessione Sessione primaverile
Rat Ständerat
Conseil Conseil des Etats
Consiglio Consiglio degli Stati
Sitzung 01
Séance
Seduta
Geschäftsnummer 87.810
Numéro d'objet
Numero dell'oggetto
Datum 29.02.1988 - 18:15
Date
Data
Seite 6-9
Page
Pagina
Ref. No 20 016 303
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