Parliamentarians' Access to Colleague Addresses Denied in Favor of Interest Groups
Legislator-Zusammenfassung
KI-generiertParliamentarians questioned the government's practice of denying them access to self-adhesive labels with the addresses of their colleagues while providing them to private interest organizations, which was seen as preferential treatment and a disregard for parliament. The government responded that labels are provided to organizations wishing to express opinions on upcoming session matters, but not for general mailings, and that parliamentarians have other means to communicate. The parliamentarians were not fully satisfied with this response.
Legislator-Regeste
KI-generiertParliamentarians' Access to Colleague Addresses Denied in Favor of Interest Groups: The government responded that labels are provided to organizations wishing to express opinions on upcoming session matters, but not for general mailings, and that parliamentarians have other means to communicate. The parliamentarians were not fully satisfied with this response.
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19. Dezember 1986 N 2065 Interpellation Braunschweig
#ST# 86.943 Mitunterzeichner- Cosignataire: Steffen (1 )
Interpellation Ruf-Bern Schriftliche Begründung - Développement par écrit
Selbstklebeadressen der Parlamentarier Wiederholt wurde verschiedenen Mitgliedern der Bundes-
versammlung durch das Generalsekretariat die Abgabe der
Interpellation Ruf-Berne Selbstklebeetiketten mit den Adressen aller National- und
Adresses autocollantes des Parlementaires Ständeräte verweigert! Parlamentarier müssen die Couverts
also selbst adressieren, wenn sie ihre Kollegen mit Informa-
tionsunterlagen bedienen wollen.
Immer wieder erhalten jedoch vor allem privatrechtliche
Wortlaut der Interpellation vom 9. Oktober 1986 Interessenorganisationen, namentlich Wirtschaftsverbände,
Im Zusammenhang mit der Abgabe der Selbstklebeetiketten die Selbstklebeadressen problemlos (und vermutlich gratis),
mit den Adressen aller National- und Ständeräte durch das um ihre Jahresberichte oder andere Propagandaschriften zu
Generalsekretariat der Bundesversammlung wird das Büro versenden. Jüngstes Beispiel dafür ist der Versand der
um die Beantwortung folgender Fragen ersucht: «Aare-Tessin AG für Elektrizität» - an die Mitglieder der
1. Nach welchen Grundsätzen - und allenfalls zu welchem Bundesversammlung im Vorfeld der ausserordentlichen
Preis - werden die erwähnten Selbstklebeetiketten durch «Tschernobyl-Session» im Oktober 1986.
das Generalsekretariat der Bundesversammlung an welche Diese Praxis des Generalsekretariats, Interessenorganisatio-
Empfänger herausgegeben? nen gegenüber den Parlamentariern in diesem Bereich zu
2. Besteht hinsichtlich dieser Frage ein Reglement, oder bevorzugen, wird von verschiedenen National- und Stände-
handelt es sich bei der bisherigen Praxis, die Adressetiket- räten als äusserst befremdend und als eine Missachtung des
ten sehr wohl an Wirtschaftsverbände und andere Interes- Parlaments empfunden. Eine Regelung, die den Mitgliedern
senorganisationen abzugeben, Parlamentarier mit entspre- der Bundesversammlung den Bezug der Selbstklebeadres-
chenden Begehren jedoch abzuweisen, um eine gewohn- sen - allenfalls gegen die Vergütung der Selbstkosten -
heitsrechtliche Regelung? ohne Verzug und ohne Schwierigkeiten ermöglicht, drängt
3. An welche Organisationen (und allenfalls Einzelpersonen) sich auf, da das Generalsekretariat im Dienste des Parla-
wurden die Selbstklebeadressen in den letzten drei Jahren mentes und nicht irgendwelcher Wirtschaftsverbände zu
durch das Generalsekretariat herausgegeben? (Es wird eine stehen hat. Am zweckmässigsten wäre der Erlass eines
detaillierte Liste mit den Namen der Empfänger, den Daten entsprechenden Reglements durch die Büros beider Räte,
der Abgabe der Etiketten und - soweit bekannt - dem Inhalt um willkürliche Entscheidungen des Generalsekretariats,
des Versandes gewünscht). wie sie wiederholt getroffen wurden, inskünftig zu ver-
4. Wie rechtfertigt das Büro die befremdende Tatsache, dass meiden.
private Interessenverbände und andere parlamentsexterne
Organisationen bei der Abgabe der Selbstklebeadressen Schriftliche Stellungnahme des Büros
gegenüber den Parlamentariern - also den eigentlichen Rapport écrit du Bureau
«Hausherren (und -damen)» - bevorzugt behandelt werden? Seit der Einführung der Informatik beim Generalsekretariat
5. Teilt das Büro die Ansicht, die Mitglieder beider Räte der Bundesversammlung gibt dieses auf Wunsch Selbstkle-
sollten jederzeit - ohne Verzug und ohne Begründung - die beadressen der Ratsmitglieder an die eidgenössischen Räte
Selbstklebeetiketten mit den Adressen der Parlamentarier sowie an Organisationen ab, die ihre Meinung zu Geschäf-
beziehen können - allenfalls gegen die Vergütung der ten im Zusammenhang mit der bevorstehenden Session
Selbstkosten? äussern möchten. Die zu verteilenden Texte sollen zum
6. Ist das Büro bereit, dem Generalsekretariat in diesem besseren Verständnis der Geschäfte beitragen und für die
Sinne Weisungen zu erteilen bzw. ein diesbezügliches Ratsmitglieder von Interesse sein. Die Anfragen müssen von
Reglement zu erlassen, um willkürliche Entscheidungen ins- wirklich bestehenden Organisationen stammen und von den
künftig auszuschliessen? verantwortlichen Organen unterzeichnet sein. Diese Anfra-
gen sind relativ selten. Es wird keine Statistik darüber ge-
Texte de l'interpellation du 9 octobre 1986 führt.
A propos de la remise d'autocollants portant les adresses de Das Büro ist jedoch der Ansicht, dass die Ratsmitglieder
tous les députés des deux Chambres par le secrétariat über zahlreiche Möglichkeiten verfügen, um sich bei ihren
général de l'Assemblée fédérale, le Bureau est prié de Kollegen während der Sessionen Gehör zu verschaffen, und
répondre aux questions ci-après: dass es nicht angebracht ist, den Versand von zusätzlichem
1. Selon quels critères le secrétariat a-t-il distribué ces éti- Material zu fördern, ausser in dringenden Fällen und wenn
quettes? A quel prix? Pour quels destinataires? ein offensichtliches Interesse für alle Parlamentarier be-
2. Est-ce en raison d'un règlement ou d'une simple coutume steht.
que l'on remet les adresses autocollantes aux organisations
économiques et autres associations intéressées alors qu'on Le président: L'interpellant n'est pas satisfait de la réponse
les refuse aux députés qui en font la demande? du Conseil fédéral.
3. A quelles organisations - et le cas échéant à quels parti-
culiers - ces autocollants ont-ils été remis ces trois der-
nières années par le secrétariat? (Nous désirons une liste
détaillée des noms des destinataires, des dates de remise 86.971
#ST#
des étiquettes, et si possible du contenu des envois).
4. Comment le Bureau justifie-t-il le fait choquant que des Interpellation Braunschweig
groupements d'intérêts privés et autres organismes exté-
rieurs au Parlement reçoivent un traitement préférentiel KSZE-Folgetreffen in Wien
quant à la remise de ces étiquettes, alors que les députés CSCE. Prochaine réunion de Vienne
devraient être les premiers servis?
5. Le Bureau pense-t-il comme nous que les députés des
deux Chambres devraient pouvoir en tout temps- sans délai
et sans avoir à donner d'explication - obtenir les adresses
autocollantes des parlementaires, éventuellement contre Wortlaut der Interpellation vom 11. Oktober 1986
paiement du prix coûtant? Der Bundesrat misst dem KSZE-Prozess seit Jahren im Rah-
6. Le Bureau est-il prêt à donner au secrétariat général des men der schweizerischen Aussenpolitik grosse Bedeutung
instructions dans ce sens ou à établir un règlement en la zu, zuletzt in seiner Interpellationsantwort vom 22. Septem-
matière afin d'éviter à l'avenir des décisions arbitraires? ber 1986 auf Seite 9. Im Hinblick auf die aussenpolitische
Interpellation Braunschweig 2066 N 19 décembre 1986
Debatte in der Wintersession 1986 bitte ich den Bundesrat, volonté de l'Europe de mener une politique autonome? Le
zusätzlich die folgenden Fragen zu beantworten: Conseil fédéral est-il d'avis que les Etats européens
1. Welche Ausgangslage ergab sich allgemein und für die devraient chercher des solutions de manière aussi indépen-
Schweizer Delegation zu Beginn des KSZE-Folgetreffens in dante que possible à l'égard des grandes puissances?
Wien am 4. November 1986, und welche Erfahrungen wer- 4. Quels moyens le Gouvernement entrevoit-il pour mieux
den sich nach den ersten vier Wochen Konferenzverlauf in faire pénétrer le processus de la CSCE dans la population?
bezug auf die folgenden Bereiche ergeben haben? Cette question est d'autant plus pressante que ce processus
a. Menschenrechte und Grundfreiheiten; devient plus complexe et se prolonge dans le temps, et que
b. Menschliche Kontakte und Korb 3 (Zusammenarbeit in les résultats de diverses phases deviennent moins évidents.
humanitären und anderen Bereichen); 5. Comment peut-on faire intervenir, dans le mécanisme do
c. Korb 2 (Zusammenarbeit in Wirtschaft, Wissenschaft, la CSCE, les particuliers et les groupements intéressés, les
Technik und Umwelt); représentants d'organismes privés, les spécialistes des
d. Friedliche Regelung von Streitfällen; divers domaines, les scientifiques, et de façon tout à fait
e. Zusammenarbeit im Mittelmeer-Raum; générale les personnalités extérieures à l'administration?
f. Ergebnisse der Stockholmer Konferenz über vertrauens-
bildende Massnahmen und Abrüstung in Europa (KVAE) Mitunterzeichner - Cosignataires: Ammann-St. Gallen,
und Korb 1 (Sicherheit in Europa); Bäumlin, Bircher, Borei, Bratschi, Christinat, Clivaz, Deneys,
g. Ergebnisse des Kulturforums in Budapest und ganz allge- Eggenberg-Thun, Euler, Fankhauser, Fehr, Friedli, Gloor,
mein kultureller Bereich; Gurtner, Hubacher, Lanz, Leuenberger-Solothurn, Leuen-
h. Neue Vorschläge (Vertiefung gegenseitiger Beziehungen, berger Moritz, Longet, Mauch, Meyer-Bern, Morf, Nauer,
Verbesserung der Sicherheit, Entwicklung der Zusammen- Neukomm, Pitteloud, Rechsteiner, Reimann, Renschier, Rie-
arbeit und des Entspannungsprozesses in Europa). sen-Freiburg, Robbiani, Ruch-Zuchwil, Ruffy, Stamm Wal-
2. In welcher Weise wird die Schweiz nach der Reaktor- ter, Stappung, Uchtenhagen, Vannay, Wagner, Weber-Arbon
Katastrophe Tschernobyl die Variante Ausstieg aus der (39)
Kernenergie in die Verhandlungen einfliessen lassen?
3. Wie weit und wie konkret lässt sich die Schweizer Delega- Schriftliche Begründung - Développement par écrit
tion zusammen mit neutralen Staaten von Europas Eigen- Der Urheber verzichtet auf eine Begründung und wünscht
ständigkeit leiten? Teilt der Bundesrat die Auffassung, dass eine schriftliche Antwort.
die europäischen Staaten Lösungen möglichst unabhängig
von den Grossmächten anstreben sollten?
4. Welche Mittel und Möglichkeiten sieht der Bundesrat, den Schriftliche Stellungnahme des Bundesrates
KSZE-Prozess in der Bevölkerung besser zu verankern? vom 26. November 1986
Diese Frage ist um so dringender, je langfristiger, kompli- Rapport écrit du Conseil fédéral du 26 novembre 1986
zierter und vielfältiger sich diese Entwicklung erweist und je I.Das dritte Folgetreffen der KSZE ist am vergangenen
bescheidener die Ergebnisse einzelner Etappen sichtbar 4. November, d. h. mehr als drei Jahre nach der Beendigung
werden. seines Vorgängers von Madrid, in Wien eröffnet worden.
5. In welcher Weise können insbesonders Interessierte, Ver- Zwischen diesen beiden Treffen haben verschiedene, in
treter privater Organisationen, Fachleute aller Art, Wissen- Madrid beschlossene KSZE-Zusammenkünfte stattgefun-
schafter und ganz allgemein regierungsunabhängige Per- den: vom 21. März bis 30. April 1984 in Athen ein Experten-
sönlichkeiten in den KSZE-Prozess einbezogen werden? treffen über die friedliche Regelung von Streitfällen, vom 16.
bis 26. Oktober desselben Jahres in Venedig ein Seminar
Texte de l'interpellation du 11 octobre 1986 über die Zusammenarbeit im Mittelmeerraum, vom 7. Mai
Le Conseil fédéral attribue depuis des années une grande bis 14. Juni 1985 in Ottawa ein Expertentreffen über Men-
importance à la Conférence sur la sécurité et la coopération schenrechte, vom 15. Oktober bis 25. November 1985 in
en Europe dans le cadre de sa politique étrangère. Il le Budapest ein Kulturforum, vom 15. April bis 26. Mai 1986 in
répétait encore dernièrement dans sa réponse à une inter- Bern ein Expertentreffen über menschliche Kontakte und
vention du 22 septembre 1986 (page 9). En prévision du schliesslich vom 17. Januar 1984 bis 19. September 1986 in
débat de politique extérieure de la session d'hiver pro- Stockholm die Konferenz über Vertrauens- und sicherheits-
chaine, je prie le Gouvernement de répondre aux questions bildende Massnahmen und Abrüstung in Europa (KVAE). Mit
ci-après: Ausnahme dieser letzten Konferenz sowie des bescheide-
1. Comment se présente la situation en général, et en parti- nen Seminars von Venedig ist es keiner der erwähnten
culier pour la délégation suisse, à la veille de la prochaine Zusammenkünfte gelungen, ein Schlussdokument zu verab-
réunion de la CSCE, qui s'ouvre à Vienne le 4 novembre schieden.
1986? Quels résultats attend-on après les quatre premières Parallel dazu waren die Ost-West-Beziehungen durch ein
semaines de la réunion en matière de: gewisses Tauwetter gekennzeichnet, dies insbesondere seit
a. droits personnels et libertés fondamentales; sich im Jahr 1985 ein neuer Stil in der KP der Sowjetunion
b. relations humaines, coopération humanitaire et autres bemerkbar gemacht hat, was zum Gipfeltreffen zwischen
formes de collaboration (corbeille 3); Präsident Reagan und Generalsekretär Gorbatschow in
c. coopération économique, scientifique, technique et éco- Genf und zum Vorgipfel von Reykjavik geführt hat.
logique (corbeille 2); Was den Rüstungsbereich anbelangt, so ist in derselben
d. règlement pacifique des différends; Zeitperiode die Aufstellung der Pershing II in Westeuropa
e. coopération dans le bassin méditerranéen; erfolgt, dies als Reaktion auf die sowjetischen SS 20. Gleich-
f. résultats de la conférence de Stockholm sur les mesures zeitig sind die für den Einsatz von Marschflugkörpern not-
de confiance et le désarmement (CDE) et la sécurité en wendigen Einrichtungen installiert worden. Auf dem Abrü-
Europe (corbeille 1); stungssektor hat keine der sich im Gang befindlichen Ver-
g. résultats du forum culturel de Budapest et de la confé- handlungsrunden zu einer sei es auch nur bescheidenen
rence dans le domaine de la culture en général; Vereinbarung geführt.
h. nouvelles propositions telles que: amélioration des rela- Der Handelsaustausch zwischen Ost und West war (trotz
tions, renforcement de la sécurité, intensification de la coo- eines leichten Rückgangs im Jahr 1985) in den letzten drei
pération et poursuite du processus de détente en Europe. Jahren gesamthaft gesehen stabil geblieben, wobei der Aus-
2. Après la catastrophe de Tchernobyl, comment la Suisse tausch mit den Alliierten der Sowjetunion im Steigen und
entend-elle oeuvrer pour promouvoir au cours des négocia- mit letzterer im Abnehmen begriffen ist. Die östliche Nach-
tions la renonciation à l'énergie nucléaire? frage nach Technologie hat regelmässig zugenommen.
3. Dans quelle mesure la délégation suisse se laisse-t-elle Im Umweltbereich hat die Bewusstseinsbildung in bezug auf
guider, de concert avec les autres pays neutres, par la die grenzüberschreitenden Auswirkungen der Verschmut-
19. Dezember 1986 2067 Interpellation Braunschweig
zung beträchtlich zugenommen als Folge der jüngsten Indu- nungen und Prozeduren zu veröffentlichen und bekanntzu-
strieunfälle. Die Verstärkung der internationalen Zusam- machen.
menarbeit im Hinblick auf die Verhinderung und die Wieder- c. Die Diskussionen im Rahmen des zweiten Korbes werden
gutmachung von Umweltschäden wird seither als unbestrit- in Wien wahrscheinlich einen grösseren Platz einnehmen
tene Priorität anerkannt. als anlässlich der Folgetreffen von Madrid und Belgrad.
Was die Achtung der Menschen rechte in den Ländern Ost- Unsere Aufmerksamkeit wird dabei vor allem einer harmoni-
europas anbelangt, so ist die Gesamtbilanz negativ. Man schen Entwicklung des Handelsaustauschs gelten. Es geht
kann höchstens einige konkrete Fälle erwähnen, die den dabei insbesondere um gewisse Praktiken im Warenhandel
betreffenden Delegationen (am Rande namentlich des Ber- sowie um die Erleichterung von Geschäftskontakten und
ner Expertentreffens) unterbreitet worden sind und die eine den Schutz von Investitionen.
befriedigende Lösung gefunden haben. Gesamthaft gese- Wir messen der internationalen Zusammenarbeit im
hen, bekommt die Bevölkerung Osteuropas jedoch kaum Umweltbereich besondere Bedeutung zu. Wir werden uns
Fortschritte in diesem Bereich zu spüren. deshalb insbesondere dahingehend verwenden, die Verab-
So präsentiert sich, in grossen Zügen, das Umfeld, in dem schiedung von harmonisierten, international geltenden Nor-
das Treffen von Wien eröffnet wurde. Was das allgemeine men betreffend die Luftverschmutzung zu erreichen und
Klima betrifft, ist beizufügen, dass die Ergebnisse der Konfe- eine Verbesserung beim Informationsaustausch über den
renz von Stockholm bei gewissen Teilnehmerstaaten eine Verschmutzungsgrad in den verschiedenen Ländern zu
Euphorie verursacht haben, die auch das Treffen von Reyk- erwirken. Was die gefährlichen Abfälle anbelangt, so sind
javik nicht zu dämpfen vermochte (eher das Gegenteil wir für die Ausarbeitung eines den grenzüberschreitenden
scheint der Fall zu sein). Besagte Euphorie lässt diese Teil- Transport von Abfällen erfassenden Ueberwachungs- und
nehmerstaaten darauf drängen, so rasch wie möglich in die Kontrollsystems. Wir sind zudem an der Ausarbeitung inter-
zweite Phase der KVAE überzugehen, die sich mit der nationaler Empfehlungen im Hinblick auf die Wiedergutma-
eigentlichen Abrüstung zu befassen hätte. Wir können uns chung von Umweltschäden interessiert.
diesem Drängen nicht anschliessen, und zwar aus folgen- d. Die beiden Treffen von Montreux (1978) und Athen (1984)
den drei Hauptgründen: haben deutlich gemacht, dass die Zeit für die Einführung
- Wir sind - nach dem Erfolg von Stockholm und angesichts eines Systems der friedlichen Regelung von Streitfällen
fehlender Schlussdokumente in Ottawa, Budapest und Bern noch nicht reif ist. Jeder Teilnehmerstaat kennt die ihm zur
- davon überzeugt, dass sich die Notwendigkeit greifbarer Verfügung stehenden Mittel; er wird davon, gestützt auf
Fortschritte beim Kapitel Menschenrechte aufdrängt. Es ist politische Kriterien, Gebrauch machen oder nicht. Im
dies seit jeher eine Konstante der schweizerischen KSZE- Grunde genommen wünschen gegenwärtig weder der
Politik, haben wir doch seit 1972 auf der unerlässlichen Osten noch die NATO-Partner in ein System eingebunden zu
Ausgewogenheit zwischen den Körben bestanden. werden, das obligatorischen Charakter trägt.
-Wir sind auch überzeugt davon, dass Abrüstungsmass- Dennoch wird die Schweiz das Ziel, das sie sich zu Beginn
nahmen, und sei es auch nur in Teilbereichen, erst wirklich des KSZE-Prozesses gesetzt hat, nicht aus den Augen verlie-
ergriffen werden können, wenn zwischen den Hauptteilneh- ren. Es scheint uns nur, dass die Bedingungen gegenwärtig
mern ausreichend Vertrauen herrscht. Es scheint uns unum- nicht gegeben sind, um in naher Zukunft eine erfolgverspre-
gänglich, dass die in Stockholm beschlossenen Massnah- chende Verhandlung dieser Frage wieder aufzunehmen.
men vorerst in die Praxis umgesetzt werden, bevor ernsthaft e. Der Mittelmeerraum hat als zweitrangige Materie Eingang
in die zweite Phase übergegangen wird. Wir fürchten dies- in die offiziellen Texte der KSZE gefunden. Der Grund liegt
bezüglich nämlich, dass einigen Delegationen daran gele- darin, dass das Hauptanliegen der KSZE die Ost-West-Bezie-
gen ist, eher über Abrüstung zu reden, als letztere auch hungen sind. Nachdem letztere schon komplex genug sind,
durchzuführen. sollte vermieden werden, durch die Diskussion der Pro-
-Wirkliche Abrüstungsmassnehmen betreffen in erster bleme des Mittelmeerraums, und insbesondere jener seines
Linie jene Länder, die einer Allianz angehören, und nicht die östlichen Teils, von den Hauptanliegen der KSZE abzulen-
neutralen Staaten, deren Streitkräfte den alleinigen und ken. Im übrigen hat die Schweiz aufgrund ihrer geographi-
unbestrittenen Zweck erfüllen, das Staatsgebiet zu vertei- schen Lage in diesem Bereich eine Rolle zu spielen, die von
digen. Zurückhaltung geprägt ist.
Dies ist in den grossen Zügen die Haltung der schweizeri- f. Wir hatten eingangs bei den allgemeinen Ausführungen
schen Delegation am Wiener Folgetreffen. Im Detail präsen- schon Gelegenheit, die Konferenz von Stockholm und ihre
tieren sich die Dinge wie folgt: Resultate zu erwähnen. Die schweizerische Delegation, die
Wert auf Realismus legt, hat darauf hingearbeitet, dass die
a. Wir sind nach wie vor überzeugt, dass die Achtung der
in Aussicht genommenen vertrauensbildenden Massnah-
Menschenrechte und der Grundfreiheiten als ein wesentli-
men (insbesondere die Verifikation) so wirkungsvoll wie
cher Faktor des Friedens, der Gerechtigkeit und des Wohler-
gehens notwendig ist, um die Entwicklung freundschaftli- möglich sind. Es hat sich leider gezeigt, dass eine der
Allianzen aus Gründen, die wenig mit der Konferenz selber
cher Beziehungen und die Zusammenarbeit zwischen den
zu tun haben, ihre Forderungen gegenüber der anderen
Staaten sicherzustellen. Dieses in der Schlussakte veran-
Allianz ein wenig voreilig zurückgesteckt hat. Die schliess-
kerte Prinzip bleibt gültig, vorausgesetzt diese Achtung
lich getroffene Vereinbarung lässt wichtige praktische
werde indie Tat umgesetzt und stelle nicht eine reine Fiktion
dar. Bestimmungen im Ungewissen, was die Wirksamkeit der
Vereinbarung zum gegebenen Zeitpunkt entsprechend
b. Der Bereich der menschlichen Kontakte (Familienzusam- schwächen wird. Deshalb können die Bestimmungen von
menführungen, Besuche, gemischte Heiraten usw.) ist einer Stockholm noch verbessert werden. Unsere Sorge, reali-
der wenigen, bei dem im Rahmen des dritten Korbes, wenig- stisch zu sein, drängt uns ausserdem dazu, die Beurteilung
stens mit gewissen Staaten Osteuropas, praktische Resul- der Anwendungsweise dieser Bestimmungen und allenfalls
tate erzielt werden konnte. Wir werden deshalb unsere ihre Verbesserung vorzunehmen, bevor in eigentliche Abrü-
Bemühungen aufgrund konkreter Fälle, auf die wir aufmerk- stungsverhandlungen übergegangen wird (zweite Phase der
sam gemacht werden, fortführen. Selbst wenn sie manch- KVAE). Wir sehen nicht, wie Massnahmen betreffend den
mal zu Erfolgen führen, sind die diskreten Interventionen am Abbau von Rüstung und Truppen beschlossen werden kön-
Rande der Konferenz nicht ausreichend. Im Rahmen der nen, bevor nicht ein Minimum an Vertrauen zwischen den
Konferenz selber müssen deshalb vereinzelte früher Blöcken gegeben ist. Ein zu rasches Vorgehen würde die
(namentlich am Berner Expertentreffen) eingebrachte Vor- Unterhändler unweigerlich zu endlosen Wortgefechten ver-
schläge wieder aufgenommen werden, um sie in den norma- urteilen, ohne - wie das Beispiel der MBFR in Wien zeigt -
tiven Teil der KSZE zu integrieren. Wir denken dabei insbe- konkrete Ergebnisse zu erzielen, was die Glaubwürdigkeit
sondere an die Verpflichtung jedes Teilnehmerstaates, die des Prozesses schädigt.
für Reisen der eigenen Bürger geltenden Gesetze, Verord- Die Schweiz ist der Ueberzeugung, dass neutrale Staaten,
Interpellation Braunschweig 2068 N 19 décembre 1986
die per definitionem niemanden bedrohen, nicht gezwun- eines, welches die bedauerlichsten Auswirkungen hat und
gen werden können, in diesem Bereich den ersten Schritt zu das zudem den Regeln der Konferenz zuwiderläuft: Es ist
tun. Eine Teilnahme unseres Landes an Verhandlungen, die dies die Tendenz zur Bipolarisation. Auch wenn es auf der
zu obligatorischen Abrüstungsmassnahmen führen würden, Hand liegt, dass die beiden Grossmächte die sie betreffen-
müsste aus den oben erwähnten Gründen und in Kenntnis den Probleme unter sich regeln, so sollte doch vom Moment
aller Aspekte des Problems sorgfältig geprüft werden. an, da der Verhandlungsrahmen die KSZE ist, jeder Teilneh-
Im Rahmen des ersten Korbes wird die Schweiz schliesslich merstaat seine Interessen auf gleiche Weise vertreten kön-
alle Ideen und Vorschläge unterstützen, die auf eine Verbes- nen. Es ist gerade dies der Vorteil, den die KSZE unserem
serung bei der Bekämpfung des Terrorismus hinzielen, Land bietet, und wir werden weiterhin mit Nachdruck auf
g. Das Kulturforum von Budapest war die erste Veranstal- den Prozedurregeln bestehen, die uns ebendiesos Rocht
tung im Rahmen des KSZE- Prozesses, an der nicht nur garantieren.
Regierungsvertreter teilnehmen konnten. Dieses Forum 4. Der Bundesrat ist sich der Notwendigkeit bewusst, die
hätte Gelegenheit bieten können, um Kulturschaffenden aus Bevölkerung über den KSZE-Prozess zu informieren. Es
Ost und West einen direkten und informellen Meinungsaus- handelt sich dabei einerseits um eine Verpflichtung, dio in
tausch zu gestatten. Die Unnachgiebigkeit der sowjetischen den verabschiedeten KSZE-Dokumenten niedergeschrieben
Delegation hat dies leider teilweise verhindert und dazu ist, besagen doch letztere, dass diese Texte veröffentlicht
beigetragen, dass sich der Meinungsaustausch nur mit und so umfassend wie möglich bekanntgemacht werden
beschränkter Spontaneität abwickeln konnte. Diese Tatsa- müssen. Anderseits betrifft der Inhalt dieser Dokumente
che ist bei den Persönlichkeiten aus dem Westen nicht Privatpersonen unmittelbar. Wir haben sowohl die Schluss-
unbemerkt geblieben; sie hat auch die sowjetische Furcht akte wie das Abschliessende Dokument von Madrid im Bun-
vor der freien Meinungsäusserung zu Tage gebracht. desblatt veröffentlicht. Das Dokument der Stockholmer Kon-
In Wien werden vereinzelte der zahlreichen am Forum ein- ferenz ist im Druck und sollte vor dem I.Januar 1987 im
gebrachten Vorschläge wieder unterbreitet werden. Die Bundesblatt erscheinen. In allen drei erwähnten Fällen ste-
Schweiz wird jene unterstützen, die sie schon in Budapest hen Separatdrucke in deutscher, französischer und italieni-
unterstützt hatte. Ausserdem wird sie den Fragen der Infor- scher Sprache allfällig interessierten Bürgern und Organisa-
mation besondere Aufmerksamkeit schenken, insbesondere tionen zur Verfügung.
auch dem Problem der Arbeitsbedingungen für Journali- Dies ist allerdings nicht ausreichend, um die schweizerische
sten. Die Beschränkungen, denen letztere in bezug auf ihre Oeffentlichkeit für die Arbeiten der KSZE in dem Masse zu
Person und ihr Material in den Staaten Osteuropas ausge- interessieren, wie wir dies wünschten. Wir pflegen deshalb
setzt sind, erschweren in der Tat die Ausübung einer ernst- eine sehr offene Informationspolitik gegenüber der Presse
haften und unabhängigen Tätigkeit, und haben zahlreiche Konferenzen gegeben. Ausserdom
h. Wir sind der Ansicht, dass die Schlussakte und das legen wir viel Wert auf eine aktive Zusammenarbeit mit
Abschliessende Dokument von Madrid das Wesentliche an jenen Privatorganisationen, die sich mit den verschiedenen
wünschbaren Bestimmungen für die Ost-West-Beziehungen Fragenkreisen der KSZE befassen. Wir werden auch in
enthalten. Bestimmt sind diese Texte verbesserbar, aber sie Zukunft an dieser Vorgehensweise festhalten.
sind es nur in geringem Mass. Die Schweiz wird sich in Wien 5. KSZE-Veranstaltungen finden in der Regel auf der Ebone
folglich nicht darauf verwenden, diese Texte in neuer Form von Regierungsvertretern statt. Es ist deshalb nicht möglich,
nochmals zu schreiben. Wir stellen hingegen fest, dass die Personen in die Delegationen aufzunehmen, die nicht der
Anwendung dieser Bestimmungen, insbesondere derjeni- Verwaltung angehören. Das Kulturforum von Budapest
gen des dritten Korbs, zu wünschen übrig lässt. Statt einer indessen sah, wie auch das wissenschaftliche und techni-
Neuformulierung bereits eingegangener Verpflichtungen - sche Forum von Hamburg (1978), die Teilnahme von unab-
eine Uebung, die diesen kaum einen höheren Wirkungsgrad hängigen Personen, in diesem Fall aus dem Bereich der
verleihen dürfte-, glauben wir, wäre es nützlicher, in diesem Kultur, vor. Wir haben dieser Oeffnung insofern Rechnung
Bereich ein Verifikationssystem einzuführen, das, mit getragen, als Frau Jeanne Hersch zur Delegationsleitorin
entsprechenden Anpassungen, dem in Stockholm beschlos- ernannt wurde und die Delegation in ihrer Mehrheit Kultur-
senen Mechanismus ähnlich ist. Die schweizerische Delega- schaffende aus allen Regionen der Schweiz umfasste. Nur
tion wird sich bemühen, diese Idee zu fördern, die, falls sie zwei der elf Delegierten waren Karrierediplomaten.
Form annimmt, eine wichtige Verbesserung im Vertrauen Falls, wie wir dies hoffen, in Wien die Durchführung eines
zwischen den Teilnehmerstaaten darstellen könnte. Treffens über Fragen der Information, inklusive der Arbeits-
2. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass am Wiener Treffen ein bedingungen für Journalisten, beschlossen werden sollte,
Thema wie der Ausstieg aus der Kernenergie aufgegriffen werden wir die Einbeziehung von Vertretern dieser Berufs-
wird. Ein solches Anliegen widerspricht der Energiepolitik sparte vorsehen. Dasselbe würde für andere KSZE-Veran-
der meisten Teilnehmerstaaten, allen voran jener der Gross- staltungen gelten, falls die Teilnehmerstaaten ein Vorgehen
mächte. Es ist hingegen zu erwarten, dass die Teilnehmer- in diesem Sinne beschliessen sollten.
staaten als Folge der Katastrophe von Tschernobyl Wege
und Mittel suchen werden, um die Zusammenarbeit im Fall Abstimmung - Vote
von Industrieunfällen, welcher Art sie auch seien, zu ver-
stärken. Für den Antrag auf Diskussion 39 Stirn mon
3. Auch wenn sich innerhalb der 35 Teilnehmerstaaten der Dagegen 61 Stimmen
KSZE drei Interessengruppen herausgebildet haben (NATO,
Warschauer Pakt, Neutrale und Nichtpaktgebundene), Le président: L'interpellant n'est que partiellement satisfait
ergibt es sich doch auch, dass sich Beziehungen zwischen de la réponse du Conseil fédéral.
den Delegationen auf weniger ausgeprägte Art abwickeln.
Je nach Thema kann die Verhandlung Ost-West-Charakter
annehmen, oder provisorische Absprachen nach einem eher
unklassischen Muster können sich abzeichnen. Manchmal
finden direkte Kontakte zwischen den USA und der Sowjet-
union im Namen ihrer Allianzpartnerstatt. Bei dieser Vielfalt
kann es geschehen, dass die Gruppe der N + N, die per
definitionem keiner strengen internen Disziplin unterworfen
ist und innerhalb derer die Ansichten divergieren mögen,
einige Schwierigkeiten hat, ihre Rolle als Schiedsrichter zu
erfüllen, eine Rolle, die man ihr auf den ersten Blick einzu-
räumen versucht ist.
Unter diesen verschiedenen Verhaltensmustern gibt es
Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften
Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées
Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali
Interpellation Braunschweig KSZE-Folgetreffen in Wien
Interpellation Braunschweig CSCE. Prochaine réunion de Vienne
In Amtliches Bulletin der Bundesversammlung
Dans Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale
In Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale
Jahr 1986
Année
Anno
Band V
Volume
Volume
Session Wintersession
Session Session d'hiver
Sessione Sessione invernale
Rat Nationalrat
Conseil Conseil national
Consiglio Consiglio nazionale
Sitzung 13
Séance
Seduta
Geschäftsnummer 86.971
Numéro d'objet
Numero dell'oggetto
Datum 19.12.1986 - 08:00
Date
Data
Seite 2065-2068
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Pagina
Ref. No 20 015 066
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