Environmental Protection Agency v. Federal Council
Legislator-Zusammenfassung
KI-generiertThe postulant requested a reduction in the benzene content of all motor fuels to a maximum of 2% by volume and the lead content of unleaded gasoline to a maximum of 5 mg/l, citing health risks. The Federal Council rejected this, opting to maintain current regulations of 5% benzene and 13 mg/l lead, arguing for harmonization with international standards and that the existing regulations were recently established and sufficient.
Legislator-Regeste
KI-generiertArt. 4 Verordnung über verbotene giftige Stoffe; Environmental Protection Agency v. Federal Council: The Federal Council rejected this, opting to maintain current regulations of 5% benzene and 13 mg/l lead, arguing for harmonization with international standards and that the existing regulations were recently established and sufficient.
Schlagwörter
KI-generiertVerwandte Entscheide
KI-generiertZentrale Rechtsfragen, extrahiert von Legislator
KI-generiertCited to explain the prohibition of benzene and its exception for gasoline, forming part of the background reasoning.
Volltext
17. Juni 1986 363 Postulat Bührer
Mitteln, die uns als Gesetzgeber und als Bundesverwaltung zur Senkung des Benzolgehaltes unverzüglich vorzuneh-
zur Verfügung stehen, darauf zu dringen ist. men, da die Gewohnheiten der Menschen sich ja nicht leicht
ändern lassen.
Bundespräsident Egli: Der Bundesrat nimmt die Motion Die fünf Prozent, die bei uns als Obergrenze gelten und die
entgegen. ab 1. Oktober 1989 auch in der EG als Obergrenze dienen
werden, sind in den Augen von Wissenschaftern gefährlich,
Ueberwiesen - Transmis ja unverantwortlich hoch angesetzt, und sie werden vom
technischen Gesichtspunkt als unnötig hoch taxiert. Es han-
delt sich hier um eine Bagatellisierung der Gefahren, die
#ST# 86.385 durch nichts zu rechtfertigen ist. Dabei geht es nicht einmal
um den Gegensatz Industrie contra Gesundheit. Ein Gross-
Postulat Bührer teil der Raffinerien ist in der Lage, Benzin mit einem Benzol-
gehalt von einem Prozent oder sogar darunter zu produzie-
Benzol- und Bleigehalt des Benzins ren. Die restlichen müssten dazu gezwungen werden, falls
Essence. Teneur en benzol et en plomb sie sich nicht freiwillig anschliessen. Es gibt keine auch nur
im entferntesten akzeptablen Gründe, dieses grosse Risiko
in Kauf zu nehmen.
Es liegt mir eine Untersuchung von Anfang 1986 über den
Benzolgehalt von verschiedenen Benzinen vor. Sie zeigt,
Wortlaut des Postulats vom 19. März 1986 dass Benzolwerte von über einem Prozent nicht sein müs-
Der Bundesrat wird eingeladen zu prüfen, ob die Verord- sen. Es hat sogar viele Benzine, deren Gehalt unter einem
nung über verbotene giftige Stoffe und die Luftreinhalte- Prozent ist. Ich verlange ja nur eine Senkung auf zwei
verordnung nicht dahingehend geändert'werden sollten, Prozent.
dass Es ist so, dass kein Unterschied zwischen bleihaltigem und
l.der Benzolgehalt aller Motorenbenzine auf höchstens unverbleitem Benzin besteht. Einige Benzine liegen aller-
2 Volumenprozente, und dings krass darüber. Das müsste nicht sein. Ich visiere also
2. der Bleigehalt von unverbleitem Motorenbenzin auf höch- nichts Unmögliches, aber etwas Notwendiges an. Es gilt
stens 5 mg/l auch beim Benzol der Grundsatz: Je höher die Konzentra-
festgesetzt werden. tion, desto grösser die Gefährdung, und - auch das ist
üblich - es gibt keinen Schwellenwert. Ein geringerer Ben-
Texte du postulat du 19 mars 1986 zolgehalt des Benzins ergibt auch niedrigere Belastungen
Le Conseil fédéral est prié d'examiner s'il n'y a pas lieu de der Abgase. Dieses Krebsgift ist in der zugelassenen hohen
modifier l'ordonnance sur l'interdiction des substances toxi- Konzentration von fünf Prozent kein unverzichtbarer Ben-
ques et l'ordonnance sur la protection de l'air de manière à zinbestandteil mehr. Die Klopffestigkeit kann heute mit
prescrire que: anderen Aromaten hergestellt werden.
1. la teneur en benzol de tous les carburants ne dépasse pas Nun zum Blei: Auch Blei ist ein verbotener Stoff. Auch hier
2 pour cent en volume, gibt es die Ausnahmeregelung für das Benzin. Blei ist ein
2. la teneur en plomb de l'essence dite «sans plomb» n'ex- gesundheitsgefährdender Stoff ersten Ranges. Ich habe hier
cède pas 5 mg/litre. eine Medizinerstudie, die als Beilage zum Bulletin des Bun-
desamtes für Gesundheitswesen erschienen ist. Hier wird
Mitunterzeichner - Cosignataires: Belser, Miville, Piller, gesagt, dass etwa die Hälfte des in Autoabgasen enthalte-
Weber - (4) nen Bleis sich im Umkreis von etwa 30 Metern von den
Strassen entfernt niederschlägt. Der Bleianteil, der an
Frau Bührer: Mein Postulat wünscht, dass eine Reduktion besonders feine Staubteilchen gebunden ist, bleibt tagelang
von Benzol auf 2 Volumenprozente und von Blei auf 5 Milli- in der Luft und wird durch die Windströmung weit verteilt.
gramm pro Liter im Benzin zu prüfen sei. Ist eine Reduktion Blei findet sich in der Folge im Blut und in den Knochen.
dieser beiden Stoffe nötig, ist sie möglich und machbar? Jetzt zitiere ich diese Mediziner: «Blei ist ein Enzymgift, das
Es gilt der anerkannte Grundsatz, dass Belastungen so die Bildung des roten Blutfarbstoffes zu stören vermag.
niedrig wie möglich zu halten sind. Benzol ist heute bis zu Betroffen sind hier wohl vor allem Frauen und Kinder. Noch
5 Volumenprozent erlaubt, beim Blei sind es 13 Milligramm grössere Bedeutung hat die Bleiwirkung auf das Nervensy-
pro Liter. stem. Durch tierexperimentelle und epidemiologische For-
Zum Benzol: Offenbar ist Benzol kein harmloser Stoff. Er schung konnte erkannt werden, dass vor allem das Gehirn
gehört zu den absolut verbotenen Stoffen. In Artikel 4 der während seiner frühen Entwicklung empfindlich auf die
Verordnung über verbotene giftige Stoffe heisst es in Bleibelastung reagiert.»
Absatz 1 : «Die Verwendung von Benzol in Publikums- oder Eine Studie des Max-Planck-lnstitutes weist nach, dass die
gewerblichen Produkten ist für jeden Zweck verboten.» In Bleibelastung einer der Bausteine im Gesamtkomplex des
Absatz 2 wird dann für Benzin eine Ausnahme gemacht. Waldsterbens sein könnte. Der geltende Grenzwert liegt bei
Benzol ist ein aromatischer Kohlenwasserstoff, und es ist 13 Milligramm pro Liter für bleifreies Benzin. Das ist viel zu
zweifelsfrei erwiesen und unbestritten, dass er krebserre- hoch. Die Lage ist ebenso eindeutig wie beim Benzol. Der
gend ist. Er ist ausgesprochen gefährlich. Sicher gilt für Wert ist zu hoch, er ist von der Praxis bereits überholt. Ein
diesen Stoff der vorher zitierte Grundsatz: Die Belastung grösser Teil der verkauften Benzine liegt nämlich bereits
muss so niedrig wie möglich gehalten werden. Wer in unter der von mir postulierten Limite von fünf Milligramm
Labors mit Stoffen hantiert, die nur ein Prozent Benzol pro Liter. Die 13 Milligramm pro Liter liegen jenseits der
enthalten, unterzieht sich strengen Vorsichtsmassnahmen, Realität.
wie das bei gefährlichen Stoffen verlangt wird. Die Benzine Es ist nicht einzusehen, weshalb nicht vereinzelte schwarze
fallen unter diese gefährlichen Stoffe. Sie enthalten minde- Schafe - um mehr handelt es sich nicht - mit strengeren
stens ein Prozent Benzol. Erlaubt ist ja ein Gehalt bis zu fünf Grenzwerten zur Senkung des Bleigehaltes veranlasst wer-
Prozent. Der Publikumsumgang mit Benzin ist-abgesehen den sollten. Es geht um unsere Gesundheit, um die Umwelt.
von der Rücksicht auf die Feuergefährlichkeit- recht unbe- Dabei ist nicht zu vergessen, dass Katalysatoren, die ja in
kümmert. Benzol in der Atemluft ist gefährlich. An den Zukunft einen wesentlichen Beitrag leisten sollen, das Auto-
Tankstellen wird aber nicht auf die Krebsgefahr beim Einat- fahren weniger umweltbelastend zu gestalten, nur ohne
men von Benzindämpfen hingewiesen. Benzin wird als prak- Bleiverschmutzung funktionstüchtig bleiben. Oder anders
tisches Lösungs- und Reinigungsmittel im Haushalt, von gesagt: Blei ist das Ende jedes Katalysators.
Hobbyhandwerkern und auch in gewerblichen Betrieben Die Vorgaben meines Postulates sind massvoll und vernünf-
unbekümmert benutzt. Ein Grund mehr, jede Möglichkeit tig. Ich bitte Sie, ihm zuzustimmen.
Accidents nucléaires (interpellations) 364 17 juin 1986
Bundespräsident Egli: Frau Bührer, ich bedaure, dass ich ihren Teil beigetragen haben, findet in einer Resolution des
Sie heute bereits zum zweiten Mal enttäuschen muss. Der baselstädtischen Grossen Rates vom 15. Mai 1986 ihren
Bundesrat hat nämlich beschlossen, die Ablehnung des Ausdruck.
Postulates zu beantragen. Ich schliesse dabei nicht aus, Ich frage den Bundesrat,
dass wir zu einem späteren Zeitpunkt auf Ihr Begehren - wie er im Lichte der neuen Ereignisse die Sicherheitskon-
zurückkommen müssen. Aber die Situation ist folgende: Wir zepte unserer erstellten und geplanten Kernkraftwerke beur-
haben soeben die Luftreinhalteverordnung in Kraft gesetzt; teilt;
darin wird der Benzolgehalt aller Motorenbenzine auf höch- -ob er sich veranlasst sieht, diese Sicherheitskonzepte
stens 5 Volumenprozent und der Bleigehalt der Motorben- überprüfen zu lassen;
zine auf höchstens 13 Milligramm pro Liter festgesetzt. - ob er auf diplomatischem Wege mit möglichst vielen Staa-
Der Bundesrat hat sich dabei vor allem vom Gedanken der ten einen schnellen, permanenten und technisch auf glei-
Harmonisierung leiten lassen und Werte festgelegt, wie sie chen Daten beruhenden Informationsaustausch für Fälle
auch in anderen Ländern gelten. Wir möchten daher im dieser Art anstreben will;
heutigen Zeitpunkt diese Festsetzung in der Verordnung - ob es jetzt nicht an der Zeit wäre, die Rahmenbewilligung
nicht ändern. für das Kernkraftwerk Kaiseraugst zu widerrufen und auf
dieses Werk zu verzichten;
Frau Bührer: Ich bin natürlich enttäuscht, wenn Sie dieses - ob jetzt nicht im Sinne einer längerfristigen Strategie der
Postulat ablehnen. Ich frage mich, wozu eigentlich die «Ausstieg» aus der Atomenergie und ihr Ersatz durch eine
Gesetze da sind: Das Umweltschutzgesetz verlangt die Sen- alternative Energie- und Sparpolitik in die Wege zu leiten ist.
kung der Belastung, soweit das technisch und betrieblich
möglich ist. Bei meinen Vorgaben wäre das doch möglich. Texte de l'interpellation du 2 juin 1986
Das Argument der Harmonisierung mit den übrigen Ländern Les informations toutes récentes, fournies par des médecins
sticht nicht. Sollen wir auf die Rückständigkeit Rücksicht qui ont été chargés de traiter les victimes de la catastrophe
nehmen und damit unsere Gesundheit gefährden? Auch die survenue à la centrale nucléaire de Tchernobyl, font appa-
Luftreinhalteverordnung sagt punkto Immissionsbegren- raître que près de 100000 personnes peut-être auront à
zung: «Die Immissionen von krebserzeugenden Stoffen sind souffrir des séquelles lointaines de cet accident.
unabhängig vom Risiko der durch sie verursachten krebser- Dans notre population, de très larges milieux sont inquiets
zeugenden Belastung soweit zu begrenzen, als dies tech- en raison d'un fait tout à fait clair à présent, à savoir que les
nisch und betrieblich möglich und wirtschaftlich tragbar centrales nucléaires dont la sécurité a été attestée, et qui
ist.» sont donc considérées comme sûres, peuvent se transfor-
Ich würde also eher sagen, dass die Luftreinhalteverord- mer en une menace immense pour de larges bandes de
nung - noch «druckfeucht» - mit der Festsetzung der Werte, territoire et leurs habitants.
so wie Sie sie vorgenommen haben, nicht eingehalten wird. Cette inquiétude est ressentie de façon toute particulière
Bei der Einführung der Frist für die US-83-Normen bei den dans la Suisse du Nord-Ouest, où l'on veut imposer encore
Abgasen hat der Bundesrat diese Harmoniserung nicht la centrale de Kaiseraugst à une région très peuplée où la
berücksichtigt. Ich finde es erfreulich, dass er dort Schritt- concentration des centrales nucléaires est déjà extraordi-
macherdienste geleistet hat. Es ist nur schade, dass er in naire. L'état d'esprit de la population, auquel ont contribué
diesem Fall von seinem Mut verlassen wird und sich ins des indications contradictoires quant aux résultats des
Schlepptau nehmen lässt! mesures effectuées dans les pays les plus divers, a été
exprimé dans une résolution que le Grand Conseil de Baie-
Abstimmung - Vote Ville a votée le 15 mai 1986.
Je demande donc au Conseil fédéral:
Für die Ueberweisung des Postulates 5 Stimmen -Comment il apprécie, à la lumière des récents événe-
Dagegen 15 Stimmen ments, les conceptions de sécurité de nos centrales nucléai-
res existantes et de celles qui sont projetées;
- S'il se sent tenu de faire réexaminer ces normes de sécu-
rité;
#ST# 86.428 - Si, par la voie diplomatique, il veut - pour de tels cas -
tenter d'obtenir un échange d'informations avec le plus
Dringliche Interpellation Miville grand nombre possible d'Etats, un tel échange devant être
rapide, permanent et fondé sur les mêmes données, du
Energiepolitik. Strategie point de vue technique;
Interpellation urgente Miville - S'il ne serait pas enfin temps d'annuler l'autorisation géné-
Politique énergétique. Stratégie rale accordée au projet de centrale nucléaire à Kaiseraugst
et de renoncer à cette centrale;
- Si la renonciation à l'énergie atomique et le remplacement
de celle-ci par une politique énergétique et économique de
substitution ne devraient pas être envisagées, en guise de
Wortlaut der Interpellation vom 2. Juni 1986 stratégie d'avenir à long terme.
Neueste Informationen von Aerzten, die mit der medizini-
schen Betreuung von Opfern der Atomkraftwerk-Katastro-
phe von Tschernobyl befasst waren, lassen erkennen, dass
möglicherweise bis zu 100000 Menschen an Spätfolgen
dieses Gross-Unfalls zu leiden haben werden.
Weiteste Kreise unserer Bevölkerung sind beunruhigt über
die nun klar ersichtliche Tatsache, dass auch für sicher
erklärte und erachtete Kernkraftwerke zu einer immensen
Gefährdung für ausgedehnte Landstriche und ihre Bewoh-
ner werden können.
Diese Beunruhigung zeigt sich besonders deutlich in der
Nordwestschweiz, wo man einer dicht besiedelten Region
mit einer ausserordentlichen Massierung von Atomkraftwer-
ken auch noch das Werk Kaiseraugst zumuten will. Die
Stimmung der Bevölkerung, zu der widersprüchliche Anga-
ben über Messresultate aus den verschiedensten Ländern
Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften
Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées
Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali
Postulat Bührer Benzol- und Bleigehalt des Benzins
Postulat Bührer Essence. Teneur en benzol et en plomb
In Amtliches Bulletin der Bundesversammlung
Dans Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale
In Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale
Jahr 1986
Année
Anno
Band II
Volume
Volume
Session Sommersession
Session Session d'été
Sessione Sessione estiva
Rat Ständerat
Conseil Conseil des Etats
Consiglio Consiglio degli Stati
Sitzung 09
Séance
Seduta
Geschäftsnummer 86.385
Numéro d'objet
Numero dell'oggetto
Datum 17.06.1986 - 16:00
Date
Data
Seite 363-364
Page
Pagina
Ref. No 20 014 559
Dieses Dokument wurde digitalisiert durch den Dienst für das Amtliche Bulletin der Bundesversammlung.
Ce document a été numérisé par le Service du Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale.
Questo documento è stato digitalizzato dal Servizio del Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale.