Civil Defense Reform for Environmental Disasters Rejected, Working Group Established
Legislator-Zusammenfassung
KI-generiertThe postulator requested a report and proposals on transforming civil defense from a war-focused system to one that addresses environmental disasters, including prevention. The Federal Council rejected this, arguing that civil defense is fundamentally part of overall defense and that existing laws allow cantons to deploy civil defense for disaster relief. However, the Council acknowledged the need to review the effectiveness of civil defense organizations in peacetime disasters and established a working group to explore this, while ultimately declining the postulator's request for a radical restructuring.
Legislator-Regeste
KI-generiertArt. 1 Absatz, Art. 1 eine, Art. 22bis der Bundesverfassung, Art. 1 Absatz 3 des Zivilschutzgesetzes, Art. 1 des Zivilschutzgesetzes; Civil Defense Reform for Environmental Disasters Rejected, Working Group Established: The Federal Council rejected this, arguing that civil defense is fundamentally part of overall defense and that existing laws allow cantons to deploy civil defense for disaster relief. However, the Council acknowledged the need to review the effectiveness of civil defense organizations in peacetime disasters and established a working group to explore this, while ultimately declining the postulator's request for a radical restructuring.
Schlagwörter
KI-generiertZitierte Gesetzesbestimmungen
KI-generiertVerwandte Entscheide
KI-generiertZentrale Rechtsfragen, extrahiert von Legislator
KI-generiertThis article declares the protection of persons and property against the effects of war as a federal matter, forming the legal basis for civil protection.
This provision allows cantons and municipalities to call upon their civil protection organizations for emergency aid at their own discretion.
This article contains a 'may' clause allowing civil protection to be involved in disaster relief in peacetime.
Volltext
2. März 1987 N 25 Postulat Braunschweig
#ST# 86.143 Renschier, Ruffy, Stappung, Uchtenhagen, Vannay, Wagner
(19)
Postulat Braunschweig
Schriftliche Begründung - Développement par écrit
Zivilschutz und Umweltkatastrophen Der Postulant verzichtet auf eine Begründung und wünscht
Catastrophes écologiques eine schriftliche Antwort.
et protection civile
Schriftliche Stellungnahme des Bundesrates
vom 25. Februar 1987
Rapport écrit du Conseil fédéral du 25 février 1987
Artikel 22bis der Bundesverfassung erklärt die Regelung des
Wortlaut des Postulates vom 11. Dezember 1986 zivilen Schutzes der Personen und Güter gegen die Auswir-
Der Bundesrat wird eingeladen, nach der Sandoz-Katastro- kungen von kriegerischen Ereignissen zur Bundessache.
phe von Schweizerhalle den eidgenössischen Räten eine Gestützt darauf hat der Gesetzgeber die Rechtsgrundlagen
Bericht und Vorschläge zur Umwandlung des Zivilschutzes für einen diesen Zielsetzungen entsprechenden gesamt-
' in einen Umwelt-Katastrophenschutz (der auch die Katastro- schweizerischen Zivilschutz geschaffen. Dessen Konzeption
phenverhütung einschliesst) zu unterbreiten. wurde 1983 überprüft und von den eidgenössischen Räten
Dieser Bericht muss u. a. auf die folgenden Fragen Antwort für richtig befunden.
geben: Die Vorsorge im Hinblick auf mögliche Katastrophen in
1. Wie kann der bisherige Zivilschutz, der rechtlich und in Friedenszeiten und deren Bewältigung obliegen demgegen-
der Praxis auf den Kriegsfall ausgerichtet ist, auf Verhütung über den Kantonen und Gemeinden. Diese bestellen auf-
von (und notfalls Schutz vor) Umweltkatastrophen umge- grund von kantonalen Gesetzen und von Gemeinderegle-
wandelt werden? menten die erforderlichen Führungsstrukturen und Bereit-
2. Kommen als Anknüpfungspunkte das Bundesamt für schaftsdienste wie Polizei, Ortsfeuerwehren, Stützpunktfeu-
Umweltschutz (BUS) und die Artikel 9 und 10 des Bundesge- erwehren, Betriebsfeuerwehren, Notfallorganisationen der
setzes über den Umweltschutz (USG) von 1983 für diesen Spitäler usw.
neuen Katastrophenschutz in Frage? Zur Verstärkung oder auch zur Uebernahme besonderer
3. Wie können die bisherigen Zivilschutzverantwortlichen Aufgaben können die Kantone und Gemeinden aufgrund
das einseitige bauliche Schutzraumdenken (unter gleichzei- von Artikel 1 Absatz 3 des Zivilschutzgesetzes ihre Zivil-
tiger Vernachlässigung des menschlichen Verhaltens, der schutzorganisationen jederzeit in eigener Kompetenz zur
Information und der Vorwarnzeiten) überwinden? Nothilfe heranziehen. Sie können sie mit den entsprechen-
4. Wie weit kann der bisherige bürokratische, zentralisierte den Planungen beauftragen und die Ausbildung auch auf
Zivilschutz als bürgernaher Umwelt-Katastrophenschutz auf diese Aufgaben ausrichten. Die Erfüllung des verfassungs-
Gemeindeebene ausgestaltet werden - aufbauend auf Feu- mässigen Auftrages des Zivilschutzes muss indessen
erwehr, Polizei, Samariter- und Fürsorgeorganisationen, gewährleistet bleiben. Unsere Gesamtverteidigung ist ohne
ortsansässige Fachleute und Betriebe usw.? einen kriegstauglichen Zivilschutz nicht denkbar.
5. Sind in den letzten Jahren die Möglichkeiten der freiwilli- Der Bundesrat ist der Auffassung, dass die für den Schutz
gen Mitarbeit der Bevölkerung im Sinne eines Selbstschut- der Bevölkerung vor akuten Gefahren geltende und einge-
zes vor lauter Diskussionen über Dienstpflicht und Frauen- spielte Aufteilung der Aufgaben zwischen Bund, Kantonen
obligatorium nicht vernachlässigt worden? und Gemeinden zweckmässig ist. Im Nachgang zu den
Ereignissen von Tschernobyl und Schweizerhalle sind
Texte du postulat du 11 décembre 1986 indessen die Möglichkeiten und Grenzen des Einsatzes der
Suite à la catastrophe Sandoz à Schweizerhalle, le Conseil Zivilschutzorganisationen zur Hilfeleistung bei Katastrophen
fédéral est prié de soumettre aux Chambres un rapport et in Friedenszeiten erneut zu überprüfen. Zu diesem Zweck
des propositions visant à faire de la protection civile une hat das Eidgenössische Justiz- und Polizeidepartement
protection de l'environnement contre les catastrophes (y Ende 1986 eine Arbeitsgruppe eingesetzt, in der auch für
compris leur prévention). den Zivilschutz verantwortliche kantonale und kommunale
Ce plan devra notamment tendre à Behörden vertreten sind. Die vom Postulanten angestrebte
1. faire du système actuel de protection civile, axé en droit et grundsätzliche Infragestellung der geltenden Zivilschutz-
en pratique sur les situations de guerre, un plan de préven- konzeption hingegen ist mit unserer Sicherheitspolitik nicht
tion des catastrophes écologiques et de protection contre vereinbar und deshalb abzulehnen.
de telles catastrophes en cas de besoin;
2. déterminer si l'Office fédéral de la protection de l'environ- Schriftliche Erklärung des Bundesrates
nement (OFPE) et les articles 9 et 10 de la loi sur la protec- Déclaration écrite du Conseil fédéral
tion de l'environnement (LPE) de 1983 peuvent servir de Der Bundesrat beantragt, das Postulat abzulehnen.
bases à cette protection contre les catastrophes;
3. inciter les responsables de la protection civile à changer Braunschweig: Mit relativer Gelassenheit habe ich die
leur mode de penser axé unilatéralement sur la construction Ablehnung meines Postulates durch den Bundesrat zur
d'abris pour les amener à prendre davantage en compte les Kenntnis genommen. Ich habe nicht übersehen, dass der
comportements humains, l'information et l'alerte précoce; Bundesrat drei ähnliche Begehren angenommen hat. Es
4. transformer la protection civile actuelle, caractérisée par wird also zu einem neuen Bericht über den Zivilschutz
la bureaucratie et la centralisation, en une protection contre kommen. Das verlangte ich ebenfalls. Nur denke ich, dass es
les catastrophes écologiques qui soit proche des citoyens, dem Bundesrat - der Bandbreite seiner Toleranz - nicht
organisée à l'échelon des communes, et intégrant les ser- gerade ein gutes Zeugnis ausstellt, wenn er nicht bereit ist,
vices du feu, de la police, des premiers secours, des organi- die etwas radikaleren und kritischeren Fragen zu beantwor-
sations de prévoyance, ainsi que des spécialistes et des ten. Die Befürchtung ist gross, dass im kommenden Bericht
entreprises de la région; das zu lesen sein wird, was wir schon hin und wieder in den
5. recourir davantage au travail volontaire de la population letzten 25 Jahren gelesen haben. Ich wollte den Bundesrat
et à l'autoprotection, négligés jusqu'ici dans des discus- dazu anregen, nach den beiden Umweltkatastrophen, deren
sions trop axées sur l'obligation de servir et l'enrôlement Zeugen und Opfer wir im letzten Jahr waren, den Zivilschutz
des femmes. neu zu überdenken.
Ich habe es begrüsst, dass der Bundesrat eine departe-
Mitunterzeichner - Cosignataires: Ammann-St. Gallen, mentsinterne Arbeitsgruppe eingesetzt hat. Ich selber war
Bäumlin, Borei, Christinat, Euler, Fankhauser, Friedli, Lanz, zu einem Hearing eingeladen, habe es aber bedauert, dass
Leuenberger Moritz, Morf, Nauer, Pitteloud, Rechsteiner, sich diese Arbeitsgruppe vor allem aus bisherigen Verant-
Postulat Braunschweig 26 N 2 mars 1987
wortlichen des Zivilschutzes zusammensetzt. Eigentlich diesen Tagen Pakistan. Wir müssen befürchten, dass einmal
hätte ich erwartet, dass zum Neuüberdenken einer Einrich- eines Tages eine solche Bombe eingesetzt werden könnte,
tung auch von aussen her Persönlichkeiten eingeladen wer- und die Radioaktivität uns erreichen kann. Ganz sicher wird
den - Frauen und Männer, die aus der Distanz neue Ideen es uns berühren. Man hat bei «Tschernobyl» früher auch
hätten einbringen können. Die Engherzigkeit des Bundesra- nicht gedacht, dass es uns berühren könnte. Wir müssen
tes ist mir unbegreiflich! doch diese Wandlungen zur Kenntnis nehmen.
Eine Frage hat offenbar besonders böses Blut ausgelöst. Ich Wenn ich dann an die Bunker selber denke, stellen sich die
setzte voraus, der Zivilschutz sei ausschliesslich oder fast Fragen: Wie lange müssen wir dort bleiben? Wir glauben
ausschliesslich auf den Kriegsfall ausgerichtet. Wir mussten nicht mehr, dass das nur eine Sache von Stunden oder zwei,
im letzten Jahr anlässlich der Katastrophen von Tschernobyl drei Tagen ist. Wie steht es mit dem Wasser, mit den Medika-
und Schweizerhalle feststellen, dass er sich in einigen menten? Wie steht es mit der Nahrung? Vor allem kommen
wesentlichen Punkten nicht bewährt hat. Ich denke an das neuerdings auch die Sorgen der Landwirtschaft hinzu: Was
Versagen der Alarmorganisation in der Stadt Basel; ich geschieht mit den Tieren, mit dem Tierfutter? Was geschieht
denke an die Nichtinformation der Gemeinden nach der psychologisch in diesen Bunkern, wenn man während
Tschernobyl-Katastrophe. Als man bei der Information Wochen mit Leuten sehr eng zusammenleben muss, unter
Schwachstellen herauszuspüren begann, hätte eine Mög- denen es auch solche gibt, die man nicht so sehr liebt? Was
lichkeit und eine Chance für den Zivilschutz bestanden, finden wir vor, wenn wir hinausgehen können, falls wir
einzuspringen, selbst dann, wenn es im Organigramm nicht überleben? Wollen wir in dieser Situation überhaupt überle-
vorgesehen gewesen wäre. Abschliessend erwähne ich den ben? Fragen, die nach meiner Auffassung bis heute - trotz
Mangel an Koordination, der durchaus hätte durch den viel Propaganda und Werbung - nicht genügend beantwor-
Zivilschutz behoben werden können. Die Nothilfe in der tet worden sind. Solche Antworten erwarte ich vom neuen
Verfassung ist in Artikel 22bis Ziffer? enthalten: «Das Zivilschutzbericht.
Gesetz ordnet den Einsatz von Organisationen des Zivil- Ich bitte Sie, auch mein Postulat zu überweisen.
schutzes zur Nothilfe.» Das ist eine Formulierung aus den
sechziger Jahren, die heute 25 Jahre alt ist! Da hätte sich der Hubacher: Ich möchte sie ebenfalls ersuchen, das Postulat
Zivilschutz in dieser Zeit wirklich etwas einfallen lassen von Kollege Braunschweig zu unterstützen.
können. 1. Ich finde die Begründung des Bundesrates etwas konstru-
Sehr viele Menschen haben nicht verstanden, dass der Zivil- iert. Es mag sein, dass hier und dort gesetzliche Grundlagen
schutz zur Zeit der Katastrophen mehr oder weniger abwe- des Zivilschutzes bestehen, die geändert werden mussten!
send war. In der Ostschweiz wurde eine Zivilschutzübung Meiner Meinung nach wird von Kollege Braunschweig das
Dreizack durchgeführt, während in der Nordwestschweiz bestehende Konzept zu Recht in Frage gestellt, als es sich
der Ernstfall stattfand. Deswegen meine Idee: Wir sollten eindeutig erwiesen hat, dass im zivilen Katastrophenfall
uns überlegen, ob wir den Zivilschutz nicht auf den Umwelt- dieser Zivilschutz praktisch null bis ganz wenig wert ist. Ich
katastrophenfall ausrichten und ihn dann selbstverständlich erinnere mich an die Aussage des Zivilschutzchefs von
auch in einem allfälligen Kriegsfall verwenden. Die beiden Basel-Stadt, Herrn Eiruno Leuenberger, der zwei, drei Tage
Zielsetzungen schliessen sich nicht aus, im Gegenteil. Des- nach «Schweizerhalle» zugegeben hat, dass der Zivilschutz
halb bitte ich Sie, das Postulat entgegen dem bundesrätli- völlig nichtpräsent war und nicht in der Lage gewesen sei,
chen Antrag zu überweisen und frage Frau Bundesrätin wesentliche Hilfeleistung zu bieten, weil von den etwa 4500
Kopp, ob sie nicht so grosszügig sein könnte, dies einzuse- öffentlichen und privaten Schutzräumen in unserem Kanton
hen und das Postulat anzunehmen. 2800 nicht verfügbar gewesen seien.
Wir haben in der letzten Woche aus einer Umfrage gehört, 2. Wir sind vermutlich auch in keiner Weise auf einen atoma-
dass heute nur 12 Prozent der Bevölkerung an einen zukünf- ren Katastrophenfall vorbereitet. Ich verweise auf Publikatio-
tigen Krieg in Europa glauben und ihn befürchten. Hingegen nen des Eidgenössischen Amtes für Energiewirtschaft mit
hat eine Mehrheit der Bevölkerung Angst, es könnte neuer- Weisungen beispielsweise im Merkblatt für die Bevölkerung
dings eine Umweltkatastrophe auf uns zukommen, und dar- im Kanton Aargau aus dem Monat Juli 1979. Dort steht
auf müssen wir Hilfe und Abwehr konzentrieren. Deshalb geschrieben, dass in Schutzräumen die Ventilation abge-
sollten Zivilschutz und Gesamtverteidigung von einer sol- stellt werden müsste und man sich nur während ungefähr
chen Bewusstseinsänderung in der Bevölkerung Kenntnis fünf Stunden ohne Ventilation in einem Schutzraum aufhal-
nehmen. Wenn sie das nicht tun, schweben sie über den ten könnte. Spätestens nach «Tschernobyl» wissen wir, was
Köpfen unseres Volkes in den Wolken. Vielleicht haben sie es bedeuten würde, für nur einige Stunden sicheren Schutz
das schon immer getan! im zivilen Katastrophenfall zu finden.
Der Bundesrat hat auch zuwenig Kenntnis davon genom- Ich verstehe das Postulat von Kollege Braunschweig so,
men, dass schon vor diesen beiden Katastrophen wesentli- dass wir uns überlegen müssen, wie dieser Zivilschutz auch
che Vorlagen über den Zivilschutz in verschiedenen Kanto- im zivilen Katastrophenfall verwendbar sein könnte, wie
nen - in Basel-Stadt, in Basel-Land, in Zürich und anderswo dieses viele Geld, diese vielen Milliarden, die da investiert
- verworfen worden sind. Man hat im Einzelfall immer worden sind, auch dann etwas nützen, wenn nicht im militä-
Gründe gefunden, auf Kosten der Bereitschaft ein gemein- rischen, sondern im zivilen Bereich etwas Katastrophales
sames Unbehagen festzustellen und daraus Folgerungen zu passiert.
ziehen. Wir sollten weg - ohne es ganz zu vernachlässigen - von
Abschliessend noch zu Punkt 4 in meinem Postulat: Opposi- unserem nur militärischen Denken. Wir sollten aufhören, nur
tion und Unbehagen richten sich vor allem gegen die Ueber- an die militärische Bedrohung zu denken. Während in
betonung der Zivilschutzkeller, gegen die Bunkermentalität. Schweizerhalle der eigentliche Ernstfall passierte und wir
Es ist an sich schon schwierig, sich vorzustellen, dass man auf dieses Ereignis nicht vorbereitet waren, haben in der
sich in einem Katastrophenfall in einen Keller begeben Ostschweiz die militärischen Dreizack-Manöver stattgefun-
würde. Hier stellen sich viele Fragen, die bis heute nicht den. Das muss auch sein, aber der Ernstfall ist in der Umwelt
gelöst worden sind. Unsere Bunker sind nicht vorbereitet, passiert.
wir sind es ebenfalls nicht, die Bunker sind nicht zugeteilt. Ich bitte Sie, nicht allzu kleinlich zu sein. Es wäre etwas
Wir wissen nicht, wohin wir gehen müssen, wenn beispiels- arrogant, wenn wir uns einbilden wollten, der Zivilschutz sei
weise heute nacht ein Atomwaffenunfall in der Bundesrepu- heute für zivile Katastrophen geeignet. Ich glaube, dass das
blik geschehen würde. Früher hat man gesagt, das könne Postulat Braunschweig zeitgemäss und richtig ist. Es sollte
nicht vorkommen. Das hat man vor «Tschernobyl» auch in diesem Sinne zumindest geprüft werden.
gesagt und vor «Schweizerhalle» nicht für möglich ge-
halten. Auer: Ich danke dem Bundesrat, dass er bereit ist, mein
Immer wieder spielen nahöstliche und andere Staaten mit Postulat entgegenzunehmen. Ich glaube nicht, dass es
der Drohung, eine Atombombe einsetzen zu können, in «engherzig» ist, wenn er jenes von Herrn Braunschweig
2. März 1987 N 27 Postulat Braunschweig
ablehnt. Es sei auf einige wesentliche Unterschiede hinge- Schutzräume, der Schutzraumbezugszuplanung und der
wiesen: Herr Braunschweig verlangt eine «Umwandlung des Ausbildung behoben werden und dass der Zivilschutz bes-
Zivilschutzes in einen Umwelt-Katastrophenschutz», wäh- ser für zivile Katastrophen vorbereitet wird. Mein Postulat
rend mein Postulat nur fordert, es sollte der Zivilschutz für verlangt auch, dass zur Kritik Herrn Leuenbergers, des Zivil-
zivile Katastrophen besser vorbereitet werden. schutzchefs des Kantons Basel-Stadt, Stellung genommen
Das Postulat Braunschweig würde eine Verfassungsände- wird. Hier gehe ich einig mit Herrn Hubacher, was er an
rung bedingen, denn gemäss BV ist der Zivilschutz primär Kritik von Herrn Leuenberger zitiert hat. Aber dieser hat
ein Bestandteil der Gesamtverteidigung. Der Soldat im nicht nur Kritik geübt, er hat auch konkrete Vorschläge zur
Dienst soll wissen, dass auch für den Schutz der Bevölke- Abhilfe gemacht.
rung Massnahmen getroffen werden. Ich bitte den Bundesrat, zu diesen konkreten Vorschlägen,
Schlimmer als die sachlich gerechtfertigte Krtitik am Zivil- die freilich teilweise sehr weit gehen, Stellung zu nehmen.
schutz ist die Agitation dagegen: der Vorwurf, der Zivil-
schutz sei kriegsfördernd. Weil wir in einem «Gleichgewicht Oehen: Ich finde es sehr nützlich, dass beim Problem unse-
des Schreckens» lebten, könne keine Grossmacht einen res Zivilschutzes grundsätzliche Fragen diskutiert und die
atomaren Krieg beginnen, denn sie wisse, dass die andere Schwächen hier dargelegt werden.
Seite zum ebenso vernichtenden Gegenschlag ausholen Ich bin der Auffassung - das aus persönlicher Erfahrung -,
würde. Wenn aber ein ausgebauter Zivilschutz oder der dass die heutige Organisationform mit der Dezentralisierung
«Sternenkrieg» absoluten Schutz biete oder zumindest des Zivilschutzes, wie das soeben Herr Auer hier angeführt
einen solchen erwarten lasse, dann sinke die Hemm- hat, Probleme mit sich gebracht hat und mit sich bringt, die
schwelle und die potentielle Gefahr des Kriegs werde kaum lösbar sind. Als Ergebnis dieser Vorstösse ist sicher
grösser. die Frage sehr sorgfältig zu prüfen, ob nicht eine Gesetzes-
In Amerika gibt es praktisch keinen Zivilschutz, während in änderung im Sinne einer strafferen Führung notwendig sein
Russland jeder Werktätige 24 Stunden im Jahr üben muss, wird. Wenn hier - zu Recht - kritisiert wurde, dass die
auch die Schüler. Aber auch dort weiss man - Gott sei Dank! Bereitschaft des Zivilschutzes offensichtlich ungenügend
-, dass es keinen absoluten Schutz gibt. Auch wir geben uns sei, müssen wir uns einige Fragen vorlegen: Ist es überhaupt
nicht der Illusion hin, es könne der Bevölkerung absoluter möglich, personell und materiell eine ununterbrochene
Schutz gewährt werden, sondern nur ein teilweiser, sei es, Bereitschaft aufrechtzuerhalten in einem System, wie es der
dass wir von einem Atomkrieg - Gott möge uns davor schweizerische Zivilschutz darstellt?
bewahren - «nur» tangiert werden, sei es in einem «konven- Bei der Beratung der entsprechenden Gesetze haben wir
tionellen» Krieg. In einem solchen Fall können wir dem Volk zum Beispiel zugestanden, dass die Schutzräume in soge-
keinen absoluten Schutz bieten, aber wir sollten möglichst nannten Friedenszeiten für zivile Zwecke benutzt werden
einen optimalen Schutz anstreben. dürfen. Wenn wir die dauernde Bereitschaft wollen, muss
Was zivile Katastrophen betrifft, zeigen Untersuchungen, das abgeschafft werden, dann dürfen solche Räume nur für
über die in der Sowjetunion selbst das Fernsehen informiert, den vorgesehenen Einsatzfall in Bereitschaft gehalten wer-
dass allein schon geschlossene Fenster einen gewissen den. Nun kommt das menschliche Problem: Halten Sie es
Schutz bieten, einen noch besseren das «Tauchen» in Zivil- wirklich für möglich, dass ein ganzes Volk auch in scheinba-
schutzkeller, wenn es auch dort keinen absoluten Schutz ren Friedenszeiten dauernd sozusagen in Alarmbereitschaft
gibt. lebt? Ich halte das nicht für möglich. Es kommt noch dazu,
Das jetzige Zivilschutzgesetz enthält in Artikel 1 eine Kann- dass wir alle die Bedrohungen, die auf uns lasten - denken
Formel, derzufolge der Zivilschutz bei zivilen Katastrophen wir an die atomare Bedrohung durch den Krieg, durch
zur Hilfeleistung beigezogen werden kann. Aber bei Kata- Katastrophen und wegen der Chemiepotentiale -, doch
strophen à la «Schweizerhalle» sind primär andere Organi- andauernd verdrängen, verdrängen müssen, sonst könnten
sationen zuständig, vor allem die Polizei, die Feurwehr, die wir kein normales Leben mehr führen.
Pikettdienste der Spitäler, Stützpunkt- und Betriebs-Feuer- Der Zivilschutz ist ein Bestandteil der Gesamtverteidigung-
wehren usw. Es ist allenfalls Aufgabe des Zivilschutzes, so sagt Herr Kollega Auer zu Recht. Aber ich verstehe unter
Folgen von Katastrophen - wir hatten das ja schon bei Gesamtverteidigung natürlich nicht nur die Verteidigung
Ueberschwemmungen oder bei Lawinenniedergängen-zu gegenüber akuter militärischer Bedrohung. Es gibt eine
beseitigen. Anzahl Bedrohungen, die durch unsere heutige Technik
Der Fehler bei «Schweizerhalle» - hier stimme ich Herrn entstanden sind und die wir ebenso sehr im Sinne einer
Hubacher zu - war vor allem, dass der Zivilschutz ungenü- Gesamtverteidigung berücksichtigen müssen. Was mir als
gend vorbereitet war, dass in Basel nicht einmal die Sirenen Wichtigstes erscheint, wäre ein bewusstes Angehen der
funktioniert haben. Die Vorbereitung und die Bezugsbereit- ungeheuren Gefahrenpotentiale, die wir in dieser Welt auf-
schaft der Schutzplätze waren offensichtlich ungenügend. gebaut haben. Da sind einmal Gefahrenpotentiale, die mit
Die Bevölkerung hätte sich, wenn es notwendig gewesen dem Willen zur notfalls kriegerischen Lösung bestehender
wäre, dort nicht hinreichend schützen können. Menschheitsprobleme zusammenhängen, aber auch Gefah-
Herr Braunschweig sagt, dass der Zivilschutz zu «bürokra- renpotentiale, die wir aufgebaut haben in der Meinung, wir
tisch», «zentralistisch» und zu wenig «bürgernah» sei. Der könnten nur so ein menschenwürdiges, nach heutigen zivili-
Zivilschutz ist genau umgekehrt zur Armee aufgebaut: Die satorischen Begriffen menschenwürdiges Leben führen.
Armee hat eine Hierarchie von oben nach unten, und der Mit diesen Hinweisen möchte ich empfehlen, das Postulat
Zivilschutz hat eine solche von unten nach oben; primär von Herrn Braunschweig zu überweisen. Ich sehe keinen
sind der Bürger, die Frau und der Mann daheim, zuständig, Grund, wieso das nicht mitgeprüft werden soll, auch wenn
dann kommt die Gemeinde, dann kommt der Kanton und damit nicht mehr eine Umwandlung im Sinne eines Zivil-
zuletzt der Bund. Das war bei der Konzeption des Zivilschut- schutzes gefordert wird, sondern im Sinne eines Umweltka-
zes so gewollt, weil es sich um eine zivile Organisation tastrophenschutzes. Das lässt sich ja gar nicht trennen. Wir
handelt. Der Zivilschutz ist auch nicht dem EMD ange- kommen bei kriegerischen Ereignissen ohne weiteres und
schlossen, sondern dem Justizdepartement. Das ist der automatisch zu Umweltkatastrophen, und wir können sehr
wesentlichste Unterschied zwischen Armee und Zivilschutz. wohl auch Umweltkatastrophen haben, die den Einsatz aller
Der Zivilschutz ist also bewusst nicht zentralistisch aufge- unserer Mittel verlangen, ohne dass militärische Auseinan-
baut. Gewisse Mängel wären wohl nicht da, wenn er zentrali- dersetzungen stattfinden.
siert wäre. Was die Bürokratisierung betrifft: Ein Betrieb mit In diesem Sinn bitte ich den Bundesrat, die paar Gedanken,
Hunderttausenden von Menschen, die zu Dienstleistungen die ich hier beigesteuert habe, mitzuberücksichtigen und
aufgeboten werden, ist logischerweise - und leider - mit das Postulat entgegenzunehmen.
Bürokratie verbunden.
Mein Postulat strebt an- bzw. verlangt einen Bericht-, dass Blocher: Ich habe Sympathien für den Vorstoss von Herrn
die offensichtlich bestehenden Mängel bezüglich der Braunschweig. Nur eine Kleinigkeit, Herr Braunschweig, die
Postulat Braunschweig 28 2 mars 1987
aber doch wesentlich ist, kann ich nicht unterstützen. Sie Wir müssen den Zivilschutz vermehrt auch für die Friedens-
möchten den Zivilschutz für den Katastrophenfall, aber nicht zeiten ausbauen - für Katastrophen, die uns wegen unseres
mehr für den Fall des Kriegs. Ich bin der Meinung, dass wir chemischen und technischen Fortschritts möglicherweise
den Zivilschutz so ausbauen sollten, dass er für beides gilt. noch erwarten -, damit wir da entsprechend gewappnet
Es ist klar, dass Sie das nicht fordern, weil Sie ja ursprüng- sind. Es ist durchaus möglich - ich will es Ihnen an einem
lich immer wieder gegen den Zivilschutz opponierten: Zivil- Beispiel beweisen -, dass der Zivilschutz bei Katastrophen-
schutz sei ein Teil der militärischen Landesverteidigung, fällen eingesetzt wird, nämlich als zweite Staffel. Als erste
darum stets Ihre Opposition. Ich kann Ihren Vorstoss darum Staffel haben wir in grösseren Ortschaften und mittleren
nicht unterstützen. Städten Feuerwehren, wir haben in der Stadt Bern beispiels-
Ich bin aber mit Ihrer Kritik am Zivilschutz - so weh es mir weise eine Berufsfeuerwehr, -sanität usw. Das ist die erste
tut, dass ich das sagen muss-zum grossen Teil einverstan- Staffel. Als zweite Staffel, wenn die erste ausgedient hat,
den. Wir erweisen dem Zivilschutz einen schlechten Dienst, wird dann eine Einsatzeinheit des Zivilschutzes zum Zuge
wenn wir ihn hier immer wieder als prächtiges, sehr gut kommen.
funktionierendes Gebilde darstellen. Wir haben schon ein- Wir hatten in der Stadt Bern zwei Détachements links und
mal darüber diskutiert, und Herr Bundesrat Purgier hat rechts der Aare von ungefähr 150 Bürgerinnen und Bürgern,
damals den Zivilschutz in den prächtigsten Farben gezeich- die sich bereit erklärt hatten, innert 24 Stunden - sie waren
net. Es ist leider nicht so. Es macht auch nichts, das zuzuge- beruflich so gestellt, dass sie das konnten - einberufen zu
ben; das bedeutet den Anfang einer Besserung. werden, um dann den Einsatz, den die ordentlichen Kräfte
Die Kritik ist von verschiedenen Seiten in Bern vorgetragen nicht weiterführen können, zu übernehmen.
worden: von Fachleuten des Zivilschutzes, von Leuten, die Wir müssen in dieser Hinsicht für einen Zivilschutz im Frie-
beim Aufbau des Zivilschutzes mitgeholfen haben. Das Bun- densfall, im Katastrophenfall, Aenderungen vornehmen.
desamt für Zivilschutz hat sich mehr als hemmende denn als Diese Aenderungen sind natürlich auch in der Ausbildung
treibende Kraft erwiesen. ziemlich einschneidend. Dazu muss ich Ihnen sagen: Wenn
Ich bin der Auffassung, dass wir beim Zivilschutz auf die Sie die Leute im Wiederholungskurs nur zwei Tage weiter-
einfachen Dinge zurückgehen müssen und von der Armee bilden (der Einführungskurs geht fünf Tage), dann ist das
lernen sollten. Das hat nichts mit der kantonalen Vielfalt zu viel zu wenig, dann gefährden Sie die Bürger bei zukünfti-
tun. Jeder Soldat weiss doch, dass es im Kriegsfall das gen Katastrophen allzu stark.
Wichtigste ist, dass er weiss, was er mitzunehmen und wo er Ich bitte Sie deshalb, die gut gemeinten Vorschläge von
hinzugehen hat. Das braucht eine recht anspruchsvolle Herrn Braunschweig aufzunehmen und das Postulat zu
Organisation, aber das ist das Primärste. überweisen. Es geht hier wirklich darum, dass wir einen
Wir können daraus lernen und beim Zivilschutz das gleiche Zivilschutz für den Frieden haben - für den Krieg haben wir
tun. Das kommt vor den gelben Helmen, vor den Motorsprit- bereits begonnen, ihn auszubauen.
zen usw.; jeder sollte wissen, wohin er gehen muss und was
er mitzunehmen hat. Das ist schon recht anspruchsvoll. Die Cincera: Wie so oft bei Vorstössen von Herrn Dr. Braun-
Leute müssen untergebracht werden, also kommt dem schweig ist es auch hier so, dass im Detail sehr vieles gut ist,
Schutzraumbezug eine wesentliche Bedeutung zu. Auch dass wir aber das gut versteckte oder verpackte Hauptziel,
wenn das nicht sehr spektakulär ist, ist das wichtiger als die das er verfolgt, ablehnen müssen. Wenn er den Zivilschutz
Führungsbunker und ähnliches. in ein ziviles Umweltschutzkatastrophenkorps umwandeln
Ich bin der Auffassung, dass im Zivilschutz die finanziellen will, so verfolgt er ja nur das Ziel, diesen Zivilschutz aus der
Investitionen in einem krassen Widerspruch zu den geisti- Gesamtverteidigung herauszulösen. Er schlägt dann zwar
gen Investitionen stehen. Aber nur geistige Investitionen vor, dass man dieses Korps im Kriegsfall auch einsetzen
werden unseren Zivilschutz weiterbringen. Wir stehen in könnte.
einer Krise. Diese Krise müssen wir zugeben, und ich tue das Dem stelle ich eine Alternative entgegen: Man kann nämlich
hier, um den Zivilschutz zu verbessern, nicht um ihn auch den Zivilschutz bei der zivilen Katastrophe einsetzen;
schlecht zu machen. Ich bitte Frau Bundesrätin Kopp, diese er übt die Funktion teilweise schon aus. Darum: Lassen wir
Bedenken von Fachleuten ernst zu nehmen, damit wir zu diesen Zivilschutz, den wir jetzt in etwa einem Dutzend
einer Besserung gelangen können. Jahren aufgebaut, aber noch nicht auf den notwendigen
Ich habe keine andere Möglichkeit, als den Vorstoss von Stand gebracht haben, in dieser Organisation und verbes-
Herrn Auer zu unterstützen. Er geht mir zwar etwas zu wenig sern wir, was zu verbessern ist!
weit. Ihren Vorstoss, Herr Braunschweig, kann ich nicht Hier gibt es einige Dinge zu tun: Materiell ist der Zivilschutz
unterstützen, weil er nur das eine will - ich will beides. einigermassen ausgerüstet. Er ist eine Milizorganisation.
Jeder Milizorganisation haften einige Mängel an. Der Haupt-
Bratschi: Ich glaube, es wird hier um des Kaisers Bart mangel des Zivilschutzes, wenn man ihn aufbieten muss, ist
gestritten, denn die Nuancen, die über unseren Zivilschutz der Faktor Zeit. Er wird in vielen zivilen Katastrophenfällen
vertreten werden, sind derart gering, dass man sich dieses zwangsläufig wegen seiner Organisationsstruktur zu spät
Wortgefecht eigentlich ersparen könnte. Wer selbst im Zivil- kommen. Hier nützen nur feuerwehrartig gebildete Organi-
schutz tätig war - ich war während Jahren Ortschef des sationen etwas. Am besten sorgen wir dafür, dass erstens in
Zivilschutzes der Stadt Bern -, der weiss, wofür man den der Zivilschutzgesetzgebung diese Aufgabe für den zivilen
Zivilschutz brauchen kann und wofür nicht. Es ist eigenartig, Katastropheneinsatz das nötige Gewicht erhält, und zwei-
dass heute hier vom Einsatz des Zivilschutzes für Katastro- tens die Ausbildungszeiten so verlängert werden, dass der
phen gesprochen wird, wenn ich daran denke, dass wir Zivilschutz auch wirklich eine gut ausgebildete Truppe ist.
bereits vor Jahren in der Stadt Bern einen Zivilschutz nicht Mit zwei Tagen im Jahr lässt sich da nicht sehr viel machen.
nur für den Krieg, sondern auch für den Frieden gefordert Drittens: wir sorgen dafür, dass das Alarmierungssystem gut
haben. wird.
Denn dieser Frieden, den wir heute haben, ist für die Bevöl- Aber als Bestandteil der Gesamtverteidigung ist der Zivil-
kerung mindestens so gefährlich wie der Krieg. Wir haben schutz ein wichtiges Instrument. Auch wenn sich niemand
das bei den Katastrophenfällen gesehen, sei das «Tscherno- von uns einen Kriegsfall herbeiwünscht, haben wir Vorberei-
byl», sei das «Schweizerhalle». Wir haben beim Zivilschutz tungen zu treffen, oamit bei dieser «flächenartigen Katastro-
gelernt, dass wir uns auch für diese Fälle vorbereiten müs- phe», die jeder Krieg mit sich bringen würde, auch für die
sen. Nur ist die Situation so, dass wir beim Zivilschutz nicht Zivilbevölkerung effiziente Schutzmassnahmen und -Vor-
gleich handeln können wie beim Militär. Dies ist schon aus kehrungen getroffen werden.
finanziellen Gründen nicht möglich. Vergleichen Sie einmal Zu den Schutzräumen: Die Schutzräume dürfen jetzt
die verschiedenen Ausgaben beim Militär einerseits, beim genutzt werden. Es wäre tatsächlich eine Ueberlegung wert,
Zivilschutz andererseits! Da können Sie viele Nullen abstrei- ob man nicht die Schutzräume teilweise oder zu einem
chen. gewissen Prozentsatz heute schon entrümpeln, entleeren
2. März 1987 29 Postulat Auer
müsste, damit sie dann wirklich als Schutzräume in ganz lich den Zivilschutz in der Oeffentlichkeit und in den Organi-
kurzer Zeit bezogen werden können. sationen des Zivilschutzes selbst aufgeworfen worden sind.
Insbesondere sollten Aspekte des Einsatzes des Zivilschut-
Bundesrätin Kopp: Sie werden entscheiden müssen, ob Sie zes bei Katastrophen in Friedenszeiten beleuchtet werden.
sich auf die mündlichen Ausführungen von Herrn Braun- Es stellen sich dabei u. a. folgende Fragen:
schweig abstützen wollen oder auf das Postulat, das er -Genügen die diesbezüglichen Vorbereitungen?
schriftlich eingereicht hat und zu dem der Bundesrat Stel- - MUSS allenfalls Artikel 1 des Zivilschutzgesetzes (Kann-
lung genommen hat. Formel bei Hilfeleistungen in Friedenszeiten) revidiert wer-
Punkt 1 des Postulates lautet: «Wie kann der bisherige Zivil- den, indem Organisation und Vorbereitung in Kriegs- und in
schutz, der rechtlich und in der Praxis auf den Kriegsfall Friedenszeiten in ihrer Bedeutung gleichgestellt werden?
ausgerichtet ist, auf Verhütung von Umweltkatastrophen - Welche Konsequenzen ergeben sich allenfalls für die Kan-
umgewandelt werden?» Zu diesem Postulat hat der Bundes- tone und Gemeinden?
rat schriftlich Stellung genommen, d. h. nicht zu den Aus- -Wie stellt sich der Bundesrat zu den vom Chef des Zivil-
führungen, wie sie Herr Braunschweig heute mündlich vor- schutzes des Kantons Basel-Stadt in seinen Vorträgen vom
gebracht hat. 4. April 1986 und 20. Juni 1986 vor den Zivilschutzverbänden
Der Bundesrat legt Wert auf die Feststellung, dass der Basel-Landschaft bzw. Basel-Stadt unterbreiteten Vorschlä-
Zivilschutz ein wichtiger Teil der Gesamtverteidigung ist und gen? Rechtliche, materielle und finanzielle Konsequenzen?
bleiben soll. Diese Konzeption ist auch im Zivilschutzbericht
festgehalten und vom Parlament ebenfalls entsprechend Texte du postulat du 17 décembre 1986
genehmigt und gewürdigt worden. Le Conseil fédéral est invité à présenter au Parlement un
Dass aber der Zivilschutz zusätzlich auch für Umweltkata- rapport sur la mission et l'engagement de la protection
strophen eingesetzt werden könnte, ist bereits im geltenden civile. Le rapport devra répondre aux questions qui ont été
Gesetz vorgesehen. Es heisst dort, dass die Kantone und soulevées à ce sujet, dans l'opinion publique aussi bien
Gemeinden in Katastrophen den Zivilschutz beiziehen kön- qu'au sein des organisations de protection civile elles-
nen. Nun ist der Zivilschutz natürlich - darauf haben ver- mêmes, après les catastrophes de Tchernobyl et de Schwei-
schiedene Sprecher hingewiesen - ein schwerfälliges zerhalle. Il devra notamment exposer le rôle de la protection
Instrument, weil es eine reine Milizorganisation ist und des- civile lors de catastrophes en temps de paix.
halb nicht von einer Stunde auf die andere aufgeboten A cet égard, il conviendra de répondre aux questions sui-
werden kann, wie das bei der Feuerwehr oder bei der Sanität vantes:
der Fall ist. Herr Bratschi hat richtigerweise gesagt, der - La préparation telle qu'elle est prévue actuellement est-
Zivilschutz sollte als zweite Staffel eingesetzt werden kön- elle suffisante?
nen, nämlich dann, wenn Polizei, Sanität, Spital und Notfall- - Est-il opportun de réviser l'article premier de la loi sur la
dienst die erste Hilfe geleistet haben. protection civile (disposition potestative concernant les
Die Kritik, die am Zivilschutz geübt wurde, ist zum Teil secours en temps de paix), de sorte que la même impor-
berechtigt. Ich bin willens, ihr Rechnung zu tragen. Deshalb tance soit accordée à l'organisation et à la préparation en
habe ich auch eine Arbeitsgruppe - es war nicht der Btin- temps de paix qu'en temps de guerre?
desrat, sondern es war das Departement - eingesetzt, die - Quelles en seront les conséquences pour les cantons et
diesen Kritiken nachgehen und Vorschläge unterbreiten les communes?
soll, wie der Zivilschutz vermehrt bei zivilen Katastrophen - Que pense le Conseil fédéral des propositions émises par
eingesetzt werden kann. Diese Arbeitsgruppe setzt sich aus le chef de la protection civile du canton de Baie-Ville dans
Zivilschutzverantwortlichen, aber auch aus den entspre- les exposés qu'il a tenus les 4 avril et 20 juin 1986 devant les
chenden Politikern auf Gemeinde- und Kantonsebene associations pour la protection civile de Baie-Campagne et
zusammen. Es ist übrigens ausdrücklich vorgesehen, dass de Baie-Ville? Quelles seraient les conséquences juridiques,
auch Kritiker des Zivilschutzes zu Hearings eingeladen wer- matérielles et financières de leur réalisation?
den; denn wir nehmen die Kritiken ernst. Ich werde mich
ganz persönlich auch um den Fortgang dieser Arbeiten Mitunterzeichner - Cosignataires: Bratschi, Gautier, Jean-
bemühen. Aber so, wie das Postulat formuliert ist - dass neret, Ruch-Zuchwil, Schule, Weber Leo (6)
nämlich eine Umwandlung des Zivilschutzes nicht nur zu
einer Beseitigung der Schäden, sondern zu einer Verhütung Schriftliche Begründung - Développement par écrit
der Umweltschutzkatastrophen dienen soll -, kann der Bun- Es besteht kein Zweifel, dass in erster Linie Massnahmen
desrat nicht anders als dieses ablehnen. i ergriffen werden müssen, um derart schwerwiegende Kata-
strophen zu vermeiden, wie wir sie dieses Jahr erlebt haben.
Abstimmung - Vote Dennoch werden wir nach wie vor mit grossen Risiken leben
und daher auch im Zivilschutz das Notwendige zum Schutz
Für Ueberweisung des Postulates 31 Stimmen der Menschen vorkehren müssen. Die Begründung des
Dagegen 68 Stimmen Postulats geht im übrigen aus dem Text hervor.
Schriftliche Erklärung des Bundesrates
vom 28. Januar 1987
#ST# 86.180 Déclaration écrite du Conseil fédéral
du 28 janvier 1987
Postulat Auer Der Bundesrat ist bereit, das Postulat entgegenzunehmen.
Aufgabe und Einsatz des Zivilschutzes Ueberwiesen - Transmis
Mission et engagement de la
protection civile
Wortlaut des Postulates vom 17. Dezember 1986
Der Bundesrat wird eingeladen, dem Parlament einen
Bericht über Aufgabe und Einsatz des Zivilschutzes zu
erstatten. Der Bericht soll Fragen beantworten, die nach den
Katastrophen von Tschernobyl und Schweizerhalle bezüg-
Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften
Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées
Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali
Postulat Braunschweig Zivilschutz und Umweltkatastrophen
Postulat Braunschweig Catastrophes écologiques et protection civile
In Amtliches Bulletin der Bundesversammlung
Dans Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale
In Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale
Jahr 1987
Année
Anno
Band I
Volume
Volume
Session Frühjahrssession
Session Session de printemps
Sessione Sessione primaverile
Rat Nationalrat
Conseil Conseil national
Consiglio Consiglio nazionale
Sitzung 01
Séance
Seduta
Geschäftsnummer 86.143
Numéro d'objet
Numero dell'oggetto
Datum 02.03.1987 - 14:30
Date
Data
Seite 25-29
Page
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Ref. No 20 015 136
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