Provisional Admission for Asylum Seekers Facing Deportation Obstacles
Legislator-Zusammenfassung
KI-generiertThis case concerns the status of rejected asylum seekers who cannot be deported for humanitarian reasons. The court acknowledged that while existing laws provide for temporary admission, this often involves recurring annual extensions, leaving individuals in a state of uncertainty. The court proposed anchoring the current practice of open internment as a form of provisional admission into law, which would also address employment and social welfare aspects. This approach aims to better accommodate humanitarian concerns without compromising the integrity of immigration laws or prejudicing future repatriation when conditions in their home countries improve.
Legislator-Regeste
KI-generiertArt. 36bis freie, Art. 3 Asylgesetz, Art. 3 der Europäischen Menschenrechtskonvention; Provisional Admission for Asylum Seekers Facing Deportation Obstacles: The court acknowledged that while existing laws provide for temporary admission, this often involves recurring annual extensions, leaving individuals in a state of uncertainty. The court proposed anchoring the current practice of open internment as a form of provisional admission into law, which would also address employment and social welfare aspects. This approach aims to better accommodate humanitarian concerns without compromising the integrity of immigration laws or prejudicing future repatriation when conditions in their home countries improve.
Schlagwörter
KI-generiertZitierte Gesetzesbestimmungen
KI-generiertVerwandte Entscheide
KI-generiertZentrale Rechtsfragen, extrahiert von Legislator
KI-generiertRelevant for determining refugee status under the Asylum Act.
Applicable to all persons regarding the principle of non-refoulement.
Volltext
Motion Wick 354 N 19 mars 1986
Zu denken wäre an eine Form der Internierung in offenen ber angeführt werden, unter dem Gesichtspunkt der Verhält-
Zentren unter Aufsicht des Bundes, etwa entsprechend dem nismässigkeit verantworten lassen, kann nicht generell
Vorschlag des Kantons Jura in der seinerzeitigen Vernehm- beantwortet werden. Immerhin wird eine Aufenthaltsgestal-
lassung zum Asylgesetz. Dadurch würde den Betroffenen tung in offenen Zentren unter dem Titel der vorläufigen
die Wahrung ihrer kulturellen Identität erleichtert und die Aufnahme durchaus möglich sein.
fortdauernde Verankerung in ihrem Kulturkreis gefördert; Da der Bundesrat dem Parlament eine dem Postulat
die Assimilation in unserem Land dagegen würde abge- entsprechende gesetzliche Regelung vorschlägt, erweist
schwächt, ohne den notwendigen und wünschbaren Kon- sich dieses als unnötig.
takt mit der schweizerischen Bevölkerung ganz zu unterbin-
den. Eine künftige Heimschaffung nach einer zu erhoffen- Schriftliche Erklärung des Bundesrates
den Beruhigung der Lage im Herkunftsland würde somit Déclaration écrite du Conseil fédéral
nicht präjudiziert. Zumindest im Falle der Tamilen entspricht Abschreibung
dies auch dem Wunsch der meisten Betroffenen, sobald als
möglich wieder in ihre Heimat zurückzukehren. Ott: Der Sinn meines Postulates ging in eine ähnliche Rich-
Diese anzustrebende Lösung hätte neben der Würde und tung wie der Antrag, den ich heute in der Debatte gestellt
der Kultur der Asylanten auch die Anliegen breiter Kreise der habe und der zur Prüfung entgegengenommen worden ist,
schweizerischen Bevölkerung zu berücksichtigen; so wäre nämlich eine Zwischenlösung für bestimmte Kategorien von
namentlich darauf zu achten, dass die Asylanten beschäftigt Flüchtlingen zu schaffen, eine Zwischenlösung, welche die
werden könnten. Auf diese Weise fielen sie einerseits dem Situation für die Flüchtlinge erleichtert und für die Behör-
Staatssäckel nicht länger zur Last und andererseits stünden den vereinfacht.
sie nicht weiter untätig auf öffentlichen Plätzen und Bahn- Ich darf sagen, dass ich von der Antwort des Bundesrates,
höfen herum, was allenthalben Anstoss erregt hat. Die der erklärt, dass dies heute schon aufgrund des Gesetzes
Beschäftigung brächte zudem auch für die Asylanten unbe- möglich sei, und wie er sich eine Realisierung im einzelnen
streitbare psychische Vorteile und wäre das wohl tauglich- vorstellt, befriedigt bin und in diesem Sinne der Abschrei-
ste Mittel zur Prävention vereinzelt aufgetretener Kriminali- bung meines Postulates zustimme.
tät. Es wäre dabei durchaus denkbar, den Asylanten nur Darf ich, Herr Präsident, da ich unmittelbar nach der Inter-
einen Teil des. erarbeiteten Lohnes für den laufenden pellation von Herrn Oehen das Wort habe, im Sinne einer
Lebensunterhalt auszubezahlen und den Rest teilweise für persönlichen Erklärung noch folgendes feststellen: Ich kann
die allgemein anfallenden Kosten der Internierung (eine Art dem Standpunkt, wie er von bundesrätlicher Seite bezüglich
Internierungssteuer) zu verwenden und andernteils auf ein des sogenannten Kirchenasyls dargelegt wurde, selber
Sperrkonto zur späteren Auszahlung als Rückkehrhilfe an- zustimmen. Ich habe mich meinerseits diesbezüglich schon
zulegen. in der Presse geäussert und darauf hingewiesen, dass wir in
einem demokratischen Rechtsstaat leben und mit demokra-
Schriftliche Stellungnahme des Bundesrates tisch-rechtsstaatlichen Mitteln kämpfen müssen. Das ändert
vom 26. Februar 1986 aber nichts an der moralischen und der glaubensmässigen
Rapport écrit du Conseil fédéral du 26 février 1986 Verpflichtung der Kirchen, für die Unterdrückten alles zu
Im Bereich der Flüchtlings- und Asylfragen werden sich die tun, was in diesem Rahmen möglich ist, und nötigenfalls
Behörden auch weiterhin strikte an das Abkommen vom auch sehr demonstrativ ihren Einsatz für die Verfolgten, für
28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge und an die Unterdrückten zu bezeugen.
das Asylgesetz halten, welche beide den Grundsatz des
Non-refoulement enthalten. Auf diesen können sich Perso- Präsident: Der Bundesrat beantragt Abschreibung des
nen beziehen, welche die Flüchtlingseigenschaft im Sinne Postulates. Ein anderer Antrag ist nicht gestellt.
von Artikel 3 Asylgesetz besitzen.
In einem weiteren Sinn ist der Grundsatz aber auch in Zustimmung - Adhésion
Artikel 3 der Europäischen Menschenrechtskonvention
enthalten, der auf alle Personen Anwendung findet, unab-
hängig davon, ob sie um Asyl nachgesucht haben oder
nicht. Im Rahmen des Auslieferungsrechtes führte diese
Bestimmung das Bundesgericht z. B. dazu, trotz bestehen-
dem Auslieferungsvertrag Auslieferungen an Argentinien
nicht zu bewilligen, als dort noch die Militärs an der Macht #ST# 85.991
waren. Motion Wick
Gleichzeitig muss die Schweiz auch Sorge dafür tragen, Abgewiesene Asylbewerber.
dass die Einrichtung des Asylrechtes um der eigentlichen
Aufenthalt in der Schweiz
Flüchtlinge willen bestehen bleibt und nicht ausgehöhlt
wird. Es ist deswegen damit zu rechnen, dass unter voller Demandeurs d'asile.
Beachtung des Grundsatzes der Nichtrückschiebung in Statut provisoire
bestimmten Fällen Rückschaffungen auch weiterhin durch-
geführt werden müssen. Solche Rückschaffungen werden
nur nach umfangreichen Abklärungen beschlossen werden.
Lieber das endgültige Los der von solchen Massnahmen
betroffenen Personen vermag aber in keinem Fall vor der Wortlaut der Motion vom 19. Dezember 1985
Rückschaffung Gewissheit in allen Punkten zu bestehen, da Humanitäre Gründe können in Ausnahmefällen (lange Ver-
nie auf absolute Garantien abgestellt werden kann. zögerung angesichts des Pendenzenberges) die Auswei-
Erweist sich der Vollzug der Wegweisung als unzumutbar, sung eines abgewiesenen Asylbewerbers verunmöglichen.
wird der Aufenthalt des Ausländers im Sinne einer Ersatz- Weder im Asylgesetz noch im Bundesgesetz über den Auf-
massnahme gemäss den Bestimmungen über die Internie- enthalt und die Niederlassung der Ausländer (ANAG) ist aber
rung geregelt. Die bestehende Regelung hat sich bewährt. der weitere Aufenthalt eines abgewiesenen Asylbewerbers
Sie soll im Rahmen der Revisionen des Asylgesetzes und in unserem Land befriedigend geregelt.
des Gesetzes über Aufenthalt und Niederlassung der Aus- Der Bundesrat wird deshalb im Sinne einer Uebergangsre-
länder auf Gesetzesstufe detailliert verankert werden. Nach gelung ersucht, zusammen mit den Kantonen ein Konzept
wie vor kann dabei den besonderen Gegebenheiten der zu erarbeiten, das den Status eines abgewiesenen Asylbe-
Anwesenheit des Ausländers Rechnung getragen werden. werbers, dem aus humanitären Gründen erlaubt wird, weiter
Ob sich freiheitsbeschränkende Massnahmen, wie sie bei- in unserem Lande zu verbleiben, in befriedigender Weise
spielhaft für den Fall abgewiesener tamilischer Asylbewer- regelt.
19. März 1986 N 355 Motion Wick
Texte de la motion du 19 décembre 1985 enthalt dieser Personen kann in befriedigender Weise gelöst
Dans certains cas exceptionnels (long délai d'attente dû à werden. Im Falle abgewiesener Asylbewerber steht dabei die
un amoncellement de demandes), il n'est plus possible, Internierung im Vordergrund. Um humanitären Anliegen,
pour des raisons humanitaires, d'expulser une personne wie sie auch vom Motionär ausgedrückt werden, besser
dont la demande d'asile a été rejetée. Cependant, la ques- entsprechen zu können als bisher, schlagen wir im Rahmen
tion du séjour en Suisse d'une telle personne, après que la der laufenden Revision des Gesetzes über Aufenthalt und
décision de renvoi a été prise, n'est réglée de façon satisfai- Niederlassung der Ausländer vor, die bisher praktizierte
sante ni dans la loi sur l'asile, ni dans la loi fédérale sur le Form der offenen Internierung als vorläufige Aufnahme auf
séjour et l'établissement des étrangers (LSEE). Gesetzesstufe zu verankern. Damit verbunden ist auch eine
C'est pourquoi le Conseil fédéral est chargé d'élaborer, à Verankerung der Stellung im arbeitsmarktlichen und fürsor-
titre de réglementation transitoire et en collaboration avec gerischen Bereich. Angesichts der Tatsache, dass schon
les cantons, une conception qui permette de régler de façon heute der individuellen Lage angepasste Lösungen verwirk-
satisfaisante le statut d'une personne dont la demande licht werden können und dies in Zukunft noch vermehrt der
d'asile a été rejetée, mais qui est autorisée, pour des raisons Fall sein wird, erübrigt sich eine vom Motionär verlangte
humanitaires, à rester dans notre pays. Uebergangsregelung.
Mitunterzeichner - Cosignataires: Blunschy, Cantieni, Schriftliche Erklärung des Bundesrates
Columberg, Darbellay, Grassi, Humbel, Keller, Koller Arnold, Déclaration écrite du Conseil fédéral
Kühne, Nussbaumer, Oester, Ott, Ruckstuhl, Rüttimann, Abschreibung
Savary-Fribourg, Schmidhalter, Segmüller, Seiler, Stamm
Judith, Weber Leo (20)
Wick: Ich möchte Ihnen beliebt machen, meiner Motion
Schriftliche Begründung - Développement par écrit zuzustimmen. Ich widersetze mich mit anderen Worten der
Asylbewerber, die viele Jahre auf ihren Entscheid warten Abschreibung und will Ihnen erklären, warum.
müssen, sind in Ausnahmefällen derart in unserem Land Ich habe bereits in meiner Motion geschrieben, dass es sich
integriert, dass eine Ausweisung aus humanitären Gründen erstens um eine Uebergangsregelung handle, welche nur so
nicht mehr möglich ist. Dies ist zum Beispiel der Fall, wenn lange in Kraft wäre, wie-bedingt durch den hohen Penden-
eine ganze Familie um Asyl nachgesucht hat, die Kinder bei zenberg - die Behandlung von Asylbewerbungen so lange
uns zur Schule gehen, die Eltern im Arbeitsprozess voll dauert. Infolge dieser langen Dauer kommt es immer wieder
integriert sind. zu humanitären Fällen. Ich möchte eine Familie mit recht
Nach einem negativen Entscheid fallen diese Asylbewerber vielen Kinder erwähnen, die aus einem Land eingereist ist,
nicht mehr unter das Asylgesetz. Sie sind in der gleichen wo sie überhaupt nicht bedroht ist; das heisst, sie sind
Lage wie ein Ausländer, der sich ohne Bewilligung in der falsche Asylbewerber, da gibt es gar keinen Zweifel. Deswe-
Schweiz aufhält. Gemäss dem Bundesgesetz über Aufent- gen wurden sie auch abgelehnt, dagegen ist gar nichts zu
halt und Niederlassung der Ausländer (ANAG) können sol- sagen. Aber jetzt sind sie seit 4 Jahren in der Schweiz; zwei
che abgewiesene Asylbewerber theoretisch eine Aufent- oder drei der Kinder haben bereits geheiratet, das Problem
haltsbewilligung vom Kanton erhalten, aus diversen für diese ist also gelöst. Die Eltern aber sollten wieder
Gründen dürfte dies aber selten zutreffen. Insbesondere ausgeschafft werden; was mit den anderen Kinder gesche-
deshalb, weil solche Aufenthaltsbewilligungen kontingen- hen soll, ist noch vollständig offen.
tiert sind. Des weiteren werden die im ANAG aufgezählten Selbstverständlich schreibt nun der Bundesrat in seiner
Möglichkeiten der besonderen Situation der abgewiesenen Antwort', dass hier die vorläufige Aufnahme auf Gesetzes-
Asylbewerber nicht gerecht. Die Toleranzbewilligung wie stufe eintreten könne. Aber was heisst das, wenn wir es
selbst die offene Internierung ist als Dauerbewilligung recht genau lesen? Es bedeutet eine Aufenthaltsbewilligung, die
problematisch. Es muss deshalb ein Konzept augearbeitet immer wieder um 12 Monate verlängert wird und eine solche
werden, das den rechtlichen Status abgewiesener Asylbe- Familie eben doch vollständig in der Schwebe lässt. Solche
werber, denen aus humanitären Gründen erlaubt wird, wei- ganz vereinzelte Fälle führen zu keinem neuen Berg oder zu
ter in unserem Land zu verbleiben, befriedigend zu regeln einem Unterlaufen der Ausländergesetzgebung. Das will ich
vermag. auch nicht, das möchte ich betonen. Für diese einzelnen
Fälle muss eine andere, vernünftige und dauerhafte Lösung
Schriftliche Stellungnahme des Bundesrates gefunden werden, die aber bis jetzt in den Gesetzen nicht
vom 26. Februar 1986 vorgesehen ist. Die einzige andere Möglichkeit ist zurzeit die
Rapport écrit du Conseil fédéral du 26 février 1986 Ueberführung in eine Aufenthaltsbewilligung. Sie wissen
Die Situation eines Aylbewerbers, dessen Gesuch abgelehnt aber ganz genau, was das bedeutet: die Ueberführung in
wurde und der zur Ausreise aus der Schweiz verhalten wird, das Kontingent. Und Sie wissen auch, wofür wir die Kontin-
ist identisch mit derjenigen eines Ausländers, gegen den gente haben: Wir haben sie zum Beispiel in Basel, um einen
eine Wegweisungsverfügung getroffen werden musste. Universitätsprofessor anzustellen, oder wir haben sie, um
Sofern in beiden Fällen weder innerstaatliche noch völker- irgendeinen Forscher oder einen bestimmten benötigten
rechtliche Grundsätze den Vollzug einer Wegweisungs- Fachmann in der Industrie, im Bildungswesen oder im Thea-
massnahme hindern, so können keine unterschiedlichen ter anzustellen; aber wir haben das Kontingent nicht, um
Massstäbe hinsichtlich der Zumutbarkeit der Ausreise aus humanitäre Probleme zu lösen. Diese wenigen Fälle spielen
unserem Land angelegt werden. Dies hat zur Folge, dass in wahrscheinlich in anderen Kantonen kaum eine Rolle. Es
allen Fällen humanitäre Ueberlegungen, wie sie beispielhaft kann nur dort eine Rolle spielen, wo die Zahl der Asylbewer-
in der Motion aufgeführt werden, nur im Rahmen der Stabili- ber eben besonders gross gewesen ist. Dass man gerade
sierungspolitik des Bundes zur Begrenzung der Zahl der deswegen in Basel nicht auf Verständnis stossen kann,
ausländischen Wohnbevölkerung angestellt werden kön- leuchtet mir auch ein. Aber dennoch muss ich sagen: Die
nen. Die Nichtbeachtung der fremdenpolizeilichen Zielset- Lösung, wie sie der Bundesrat vorschreibt, ist keine Lösung
zung im Falle abgewiesener Asylbewerber würde aus diesen für solche humanitäre Fälle. Ich bin überzeugt, dass das
Gründen eine Präjudizwirkung im Bereich des Vollzugs der gleiche Problem in anderen Kantonen mit grosser Anzahl
gesamten Ausländergesetzgebung auslösen und bewirken, von Asylbewerbern auch spielt, dass es z. B. auch in Genf
dass die Zuwanderung von Ausländern nicht mehr unter vorhanden ist. Und ich muss Ihnen sagen: Was ich Ihnen
Kontrolle gehalten werden könnte. jetzt erzählt habe, ist nicht auf meinem Mist gewachsen. Ich
Die vorstehenden Ueberlegungen zeigen, dass nur in Aus- habe es in ausführlichen Diskussionen mit dem Chef der
nahmefällen Integrationskriterien als ausschlaggebendes Basler Fremdenpolizei besprochen. Dieser wäre sehr froh,
Element einer ansonsten zumutbaren und durchführbaren wenn hier eine bessere Lösung auf Gesetzesstufe vorhan-
Entfernungsmassnahme entgegenstehen können. Der Auf- den wäre. Deshalb möchte ich Sie bitten: Machen Sie es
Réexamen de tronçons de routes nationales 356 19 mars 1986
einmal umgekehrt als üblich. Stimmen Sie einmal einem zes, welche ihre Arbeiten bereits 1954 begann. Dieser
Anliegen des Kantons Basel-Stadt zu! Bericht der Kommission wurde im April 1958 erstattet.
Nun war dieser Bericht beileibe nicht euphorisch. Man hat
Präsident: Herr Wick beantragt, an der Motion festzuhalten. damals für 1980 mit 800 000 Automobilen gerechnet. Diese
800000 Automobile waren bereits 1963 erreicht, und wir
Bundesrätin Kopp: Nationalrat Wick, ich wäre natürlich hatten 1980 statt dessen 2,2 Millionen. Die damalige Volks-
bereit, das sorgfältig anzusehen, auch wenn es auf Ihrem abstimmung 1958 fand also in Kenntnis dieser Vorstellun-
Mist gewachsen wäre und nicht auf demjenigen der Frem- gen über das Nationalstrassennetz statt.
denpolizei. Aufgrund Ihrer Ausführungen bin ich bereit, Ihre Die eidgenössischen Räte sind auch bei der Erweiterung
Motion als Postulat entgegenzunehmen. dieses Netzes sehr zurückhaltend gewesen. Es ist bis heute
dreimal erweitert worden: 1965 durch den Gotthardtunnel,
Präsident: Herr Wick ist damit einverstanden. 1972 durch die Umfahrung Zürichs und 1984 durch die
Transjurastrasse.
Ueberwiesen als Postulat - Transmis comme postulat 1974 wurde die Volksinitiative «Demokratie im National-
strassenbau» eingereicht. Diese Initiative hätte viele Kompe-
tenzen an die eidgenössischen Räte verlagert und ein fakul-
tatives Referendum eingeführt. 1978 ist diese Initiative mit
1,2 Millionen Nein zu 700 000 Ja und allen Standesstimmen
abgelehnt worden.
#ST# 84.094 Immerhin haben die Räte bei der Behandlung dieser Volks-
Ueberprüfung von Nationalstrassenstrecken initiative eine Motion überwiesen, die eigentlich den Auslö-
ser für die heutige Debatte bildet. Der Bundesrat wurde
Réexamen de tronçons de routes nationales nämlich beauftragt, in einem Bericht darzulegen und zu
beantragen, ob und wieweit das Nationalstrassennetz zu
Botschaft und Beschlussentwurf vom 17. Dezember 1984 revidieren sei. Es wurden einige Strecken namentlich aufge-
(BBI 1985 l, 534) führt. Schliesslich wurde gewünscht, dass in der Zwischen-
Message et projet d'arrêté du 17 décembre 1984 (FF 1985 I, 541) zeit bei diesen Strecken keine Baubeschlüsse usw. gefasst
würden.
Um den Vollzug dieser Motion vorzubereiten, hat der Bun-
desrat eine Kommission zur Ueberprüfung von National-
strassenstrecken unter dem Präsidium unseres Kollegen
Antrag der Kommission Biel eingesetzt, die Kommission NUP. Der Schlussbericht
Eintreten und Zustimmung zum Entwurf des Bundesrates dieser Kommission trägt das Datum Dezember 1981. 1982
wurde ein grosses Vernehmlassungsverfahren zu diesem
Ordnungsantrag Günter Bericht veranstaltet. 1983 hat sich auch die beratende Kom-
Es sei eine ordentliche Eintretensdebatte zu führen und auf mission für den Nationalstrassenbau damit befasst, und die
die Beschränkung der Eintretensdebatte auf die Kommis- vorliegende Botschaft ist vom Bundesrat im Dezember 1985
sionssprecher zu verzichten. verabschiedet worden.
In verschiedenen Kantonen haben zu verschiedenen Natio-
Ordnungsantrag Herczog nalstrassenteilstücken auch Volksabstimmungen stattge-
Es wird eine Eintretensdebatte bzw. eine allgemeine Aus- funden. Diese regional-demokratischen Veranstaltungen
sprache durchgeführt. sind natürlich problematisch und können das im übergeord-
neten Interesse zu erstellende Nationalstrassennetz nicht in
Proposition de la commission Frage stellen. Da diese Abstimmungen nicht gegen die
Entrer en matière et adhérer au projet du Conseil fédéral Beschlüsse und Kompetenzen des Bundes aufkommen,
sind sie teilweise zu eigentlichen Frustrationsauslösern
Motion d'ordre Günter geworden. Es handelt sich um Uebungen mit konsultativem
Prévoir un véritable débat d'entrée en matière et ne pas Wert. Wir müssen die Ergebnisse dieser Abstimmungen
limiter la discussion générale aux interventions des rappor- angemessen in die Beurteilung einbeziehen und insbeson-
teurs. dere dort berücksichtigen, wo es nicht um die Verhinderung
von Teilstücken geht, sondern lediglich um Varianten der
Motion d'ordre Herczog Linienführung.
Prévoir un débat d'entrée en matière (discussion générale). Zu den massgebenden Kriterien:
1. Verkehrsfreiheit: Diese bedeutet nicht Anspruch auf
Steinegger, Berichterstatter: Zur Ausgangslage darf ich Sie Strassenbau. Verkehrsfreiheit bedeutet aber grundsätzlich
vorerst an den Verfassungsauftrag erinnern. In Artikel 36bis freie Wahl der Verkehrsmittel. Wie die Verkehrsfreiheit kei-
Absatz 1 heisst es: «Der Bund wird auf dem Wege der nen Anspruch auf Strassenbau beinhaltet, so verbietet sie
Gesetzgebung die Errichtung und Benützung eines Netzes andererseits auch die systematische Diskriminierung und
von Nationalstrassen sicherstellen.» Allerdings wird bereits Behinderung irgendeines Verkehrsmittels.
im Absatz 3 der Auftrag gegeben, den wirtschaftlich nutzba- 2. Gesamtsystem: Mindestens seit der Erarbeitung der
ren Boden nach Möglichkeit zu schonen. Gesamtverkehrskonzeption sollten wir in der Lage sein, den
Dieser Verfassungsartikel ist in der Volksabstimmung vom Verkehr als Gesamtsystem zu begreifen.
6. Juli 1958 angenommen worden. Er war Teil des Gegen- Die kritischere Einstellung zum Strassenbau, die sicher rich-
entwurfes gegen ein Volksbegehren für eine Verbesserung tig ist, darf uns andererseits nicht dazu verleiten, nur noch
des Strassennetzes, das noch wesentlich weiter gegangen sektoral und nach Abschnitten zu denken.
wäre. «Bahn 2000» und Leistungsauftrag SBB gehen davon aus,
Sie haben also immer noch den Verfassungsauftrag, ein dass kein über die Vollendung des Nationalstrassennetzes
Nationalstrassennetz zu bauen, und nicht die Aufgabe, die hinausgehender Bau von Hochleistungsstrassen durchge-
Fertigstellung des Netzes grundsätzlich zu verhindern. Auf führt wird. Wir sind also von dieser Seite her nicht behindert.
der Grundlage dieses Verfassungsartikels hat der Bundesrat Ich darf auch sagen, dass die im Verkehrsmodell der GVK
am 3. Juli 1959 den Entwurf für das Nationalstrassengesetz prognostizierte Verkehrsentwicklung sich in etwa bestätigt
und am 5. Februar 1960 die Botschaft für die Festlegung des hat. Und wir haben hier eine besondere Verantwortung, weil
Nationalstrassennetzes unterbreitet. Das vorgeschlagene mit der zunehmenden Fertigstellung die Realisierung der
Nationalstrassennetz stützte sich auf die Arbeiten der Pla- letzten Teilstücke politisch immer schwieriger wird und weil
nungskommission für die Planung des Hauptstrassennet- wir bezüglich Entlastung vom Strassenverkehr immer weni-
Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften
Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées
Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali
Motion Wick Abgewiesene Asylbewerber. Aufenthalt in der Schweiz
Motion Wick Demandeurs d'asile. Statut provisoire
In Amtliches Bulletin der Bundesversammlung
Dans Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale
In Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale
Jahr 1986
Année
Anno
Band I
Volume
Volume
Session Frühjahrssession
Session Session de printemps
Sessione Sessione primaverile
Rat Nationalrat
Conseil Conseil national
Consiglio Consiglio nazionale
Sitzung 14
Séance
Seduta
Geschäftsnummer 85.991
Numéro d'objet
Numero dell'oggetto
Datum 19.03.1986 - 15:00
Date
Data
Seite 354-356
Page
Pagina
Ref. No 20 014 182
Dieses Dokument wurde digitalisiert durch den Dienst für das Amtliche Bulletin der Bundesversammlung.
Ce document a été numérisé par le Service du Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale.
Questo documento è stato digitalizzato dal Servizio del Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale.