Legislator Rechtsprechung & Gesetzgebung
VPB 85-556 KI-generiert

Federal Council Defends Army Training Chief's Remarks on Soldiers and Democracy

Geschäftsnummer VPB 85-556
Gericht / Behörde
Rechtsordnung Schweiz · Verwaltungspraxis der Bundesbehörden (VPB) (CH)
Entscheiddatum
Ausgang Abgewiesen (Dismissed)

Legislator-Zusammenfassung

KI-generiert

The interpellation questioned the army's training chief regarding his views on soldiers as citizens, information policy, unconditional obedience, and elite military structures, which were perceived as contrary to Swiss democratic values and the militia system. The Federal Council responded that the training chief's remarks, made internally to motivate staff and caution them about media interactions, were consistent with the army's regulations on discipline and training. While acknowledging some statements could be misinterpreted, the Council asserted that the chief's actions did not pose a security risk and that his views on elite individuals were based on merit, not social class, and aligned with the goal of defending Swiss democracy and independence.

Legislator-Regeste

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Art. 3 Dienstreglement; Federal Council Defends Army Training Chief's Remarks on Soldiers and Democracy: The Federal Council responded that the training chief's remarks, made internally to motivate staff and caution them about media interactions, were consistent with the army's regulations on discipline and training. While acknowledging some statements could be misinterpreted, the Council asserted that the chief's actions did not pose a security risk and that his views on elite individuals were based on merit, not social class, and aligned with the goal of defending Swiss democracy and independence.

Schlagwörter

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Verteidigung und militärische Belange Verwaltungsbeschwerde der Bediensteten Demokratie Bedrohung der inneren Sicherheit Militärdisziplinarrecht Oberauditor
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Zentrale Rechtsfragen, extrahiert von Legislator

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Art. 3 Dienstreglement

This provision establishes the principles for military training, discipline, and conduct, which were directly referenced by the Federal Council in its response to the interpellation regarding the training chief's statements on obedience and discipline.

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Volltext

20. Dezember 1985 N 2255 Interpellation Hubacher

#ST# 85.556 7. In einem Interview bedauert Ausbildungschef Mabillard,

dass die am 2. April 1985 «vertraulich» gehaltene Brandrede

Interpellation Hubacher öffentlich publik geworden ist. Ist damit bekannt geworden,

Rede des Ausbildungschefs was eigentliche EMD-Geheimdoktrin war oder hat Ausbil-

Discours du chef de l'instruction dungschef Mabillard auf eigene persönliche Verantwortung

das offizielle Ausbildungskonzept des EMD desavouiert?

8. Steht nach Meinung des Bundesrates Ausbildungschef

Mabillard mit seiner Rede, die in weiten Teilen mit dem

eidgenössischen Demokratieverständnis unvereinbar ist,

Wortlaut der Interpellation vom 19. September 1985 nicht ausserhalb der demokratischen Legalität? Stellt Aus-

Am diesjährigen Instruktoren-Rapport hat Ausbildungschef bildungschef Mabillard nach strengen demokratischen

Roger Mabillard eine vom Demokratieverständnis her aufse- Massstäben nicht ein Sicherheitsrisiko dar, und sollte er

henerregende Rede gehalten. Ich ersuche daher den Bun- daher nicht zur Disposition gestellt werden?

desrat auf folgende Fragen zu antworten: 9. Ausbildungschef Mabillard nahm zu seiner publik gewor-

1. Besteht für die Armee ein Ausbildungskonzept? Ich frage denen Rede in einem Interview mit dem «Tages-Anzeiger»

deshalb, weil zwischen dem früheren Ausbildungschef Wild- Stellung und erklärte, er sei bereit, die «klassische Demokra-

bolz und seinem Nachfolger Mabillard fundamental ver- tie» zu verteidigen. Der Rückgriff auf die elitäre griechische

schiedene Auffassungen bestehen. Ausbildungschef Wild- Demokratie entspräche wohl kaum unserem eidgenössi-

bolz forderte und förderte den denkenden Soldaten, der für schen Demokratieverständnis. Ist es nicht Aufgabe der

ihn in erster Linie immer zuerst auch Bürger war, während Armee, «einfach» die Demokratie zu verteidigen, wedereine

Ausbildungschef Mabillard sich von Anfang an von diesem «klassische» noch elitäre, sondern unsere?

«Bürgerkonzept» seines Vorgängers distanziert hat. Tut er

das im Alleingang, d.h. auf eigene Verantwortung, oder im Texte de l'interpellation du 19 septembre 1985

Einvernehmen mit Armee und EMD-Leitung? Lors du rapport des instructeurs de 1985, le chef de l'ins-

Kann, direkt gefragt, jeder Ausbildungschef seinen eigenen truction Roger Mabillard a prononcé un discours très sur-

Stil pflegen, d.h. ist die Frage des Ausbildungskonzepts prenant, si on l'analyse à la lumière de nos principes démo-

mehr oder weniger Privatsache des Ausbildungschefs? cratiques. C'est pourquoi je demande au Conseil fédéral de

2. Der Bundesrat befürwortet in seinen Richtlinien für die répondre aux questions suivantes:

Legislaturperiode 1983-1987 eine offene und bürgernahe 1. Y a-t-il un «concept de l'instruction» pour l'armée? Si je

Informationspolitik. Ausbildungschef Mabillard ist da ande- pose cette question, c'est parce que les vues de M. Wildbolz,

rer Auffassung, er plädiert für eine möglichst minimale Infor- ancien chef de l'instruction, diffèrent fondamentalement de

mationspolitik, fordert vom Journalisten eher den Gefällig- celles de son successeur Mabillard. Tandis que M. Wildbolz

keitsstil und betrachtet ihn sonst «im besten Fall als poten- estimait que le soldat devait être capable de réfléchir, cette

tiellen Gegner». Ist eine solche Aussage zulässig und ist ein faculté devant même être encouragée vu qu'à ses yeux un

solcher Ausbildungschef überhaupt noch tragbar? Suisse restait toujours en citoyen, même sous l'uniforme, le

3. Ausbildungschef Mabillard fordert im Prinzip den «unbe- chef de l'instruction Mabillard, en ce qui le concerne, s'est

dingten Gehorsam», nach der Devise: «Befehl ist Befehl». d'emblée distancé de la conception «citoyen soldat», chère

Eine derart bedingungslose Befehlsdoktrin kennzeichnet à son prédécesseur. L'a-t-il fait à titre individuel, c'est-à-dire

den «Geist» von Armeen in Diktaturstaaten. Verträgt sich die sous sa propre responsabilité, ou bien a-t-il agi avec l'accord

Mabillard-Doktrin mit unserem Milizarmee-System, in dem de l'armée et de la direction du DMF? Question plus directe:

der Soldat eben auch Bürger und damit ein denkender Chaque chef de l'instruction peut-il adopter son propre style

Mensch ist? de direction; autrement dit, le problème du «concept de

4. Ausbildungschef Mabillard stuft das Instruktionskorps als l'instruction» est-il l'affaire plus ou moins personnelle du

«eine Elite» des Landes ein, «und zwar nicht nur auf militäri- chef de l'instruction?

schem, sondern auch auf gesellschaftlichem Gebiet». 2. Dans les «Grandes lignes» de la politique gouvernemen-

Unsere Armee zählt rund 600 000 Mann. Stehen tatsächlich tale pour la législature 1983/87, le Conseil fédéral se pro-

einige hundert Instruktionsoffiziere elitär über allen Milizsol- nonce résolument pour une politique de l'information

daten, -Unteroffizieren und -Offizieren? Wie verträgt sich die ouverte et proche du citoyen. Le colonel Mabillard est d'un

Idee einer elitären Berufsmilitärkaste mit dem Gedanken des autre avis en l'espèce car il est partisan d'une politique de

Milizheers? l'information aussi restrictive que possible et il attend du

5. Die «Kommission für Fragen der militärischen Erziehung journaliste qu'il adopte plutôt un style de complaisance;

und Ausbildung der Armee», Oswald-Kommission genannt, sinon, il le considère comme «un ennemi potentiel dans le

lieferte im Juni 1970 ihren Reformbericht ab. Einleitend meilleur des cas». Une telle déclaration est-elle admissible

heisst es darin, «die Armee darf kein isoliertes Element in et peut-on encore tolérer un tel chef de l'instruction?

der Gesellschaft darstellen» und «kann sich den Wandlun- 3. Le colonel Mabillard exige en principe «l'obéissance sans

gen der Umwelt nicht entziehen». Ausbildungschef Mabil- réserve», en vertu de la devise: «Un ordre est un ordre». Une

lard bezeichnet Offiziere, die die Oswald-Reformen nach wie doctrine de l'ordre, inconditionnelle à un tel point, est la

vor ganz oder teilweise praktizieren, verächtlich als «Moder- caractéristique de «l'esprit» des armées dans les Etats dicta-

nisten», deren Führungsstil im «Geschwätz» ende. Diese toriaux. La doctrine Mabillard est-elle compatible avec le

«Modernisten» bilden für Mabillard «die letzten Stern- système de notre armée de milice, dans laquelle, justement,

schnuppen aus dem Oswald'schen Kometen». Hat Ausbil- le soldat est aussi un citoyen et, partant, un homme qui

dungschef Mabillard den verbindlichen Auftrag, die letzten réfléchit?

Reformspuren der Oswald-Kommission auszulöschen, 4. Le colonel Mabillard considère le corps des instructeurs

wenn ja, auf wessen Befehl, wenn nein, ist der Bundesrat comme «une élite» de notre pays, «non seulement dans le

damit einverstanden? domaine militaire, mais sur le plan social également». Notre

6. Unsere Milizarmee ist weltweit ein einmaliger Fall. Direkte armée compte 600 000 hommes environ. Quelques centai-

Demokratie und Milizarmee bringen zum Ausdruck, dass der nes d'officiers instructeurs surclassent-ils réellement tous

Soldat immer und vor allem Bürger ist und dass es in der les soldats, les sous-officiers et officiers de milice? Com-

Schweiz keinen Armeestaat im Staat geben darf. Ausbil- ment peut-on concilier l'idée d'une caste élitaire d'officiers

dungschef Mabillard aber plädiert effektiv für eine militäri- de carrière avec celle de l'armée de milice?

sche Elite, diffamiert staatsbürgerliche Selbstverständlich- 5. La commission chargée d'étudier les problèmes d'éduca-

keiten und verletzt mit der Forderung nach unbedingtem tion et d'instruction militaires, communémemt appelée

Gehorsam die Menschenwürde und den Grundgedanken «Commission Oswald» a déposé, au mois de juin 1970, son

der Milizarmee. Will der Bundesrat Ausbildungschef Mabil- rapport prévoyant des réformes. On peut y lire, en guise

lard weiterhin in dieser Richtung gewähren lassen? d'introduction, que l'armée ne saurait constituer un corps

Interpellation Hubacher 2256 N 20 décembre 1985

étranger dans la société et qu'elle ne peut se soustraire aux Zu 1. und 7.: Die Grundsätze für die Ausbildung der Armee

changements ou modifications du milieu ambiant. Le colo- sind im Dienstreglement festgelegt, das einheitliche Vor-

nel Mabillard, avec dédain, qualifie de «modernistes» les schriften für die Führung, Ausbildung, Erziehung und don

officiers qui continuent à mettre en pratique, intégralement Dienstbetrieb schafft und die Verantwortlichkeiten und

ou partiellement, les «réformes Oswald»; à l'en croire, leur Befugnisse-der militärischen Chefs-ordnet. Das Dienstre-

style de conduite tournerait au «bavardage». Pour lui, ces glement ist seit I.Januar 1980 in Kraft. Der Vortrag des

«modernistes» sont les derniers astéroïdes, les derniers feux Ausbildungschefs stand in keiner Weise im Widerspruch

de la comète d'Oswald. Le chef de l'instruction Mabillard a-t- dazu. Der Ausbildungschef steht auch nicht in grundsätzli-

il reçu le mandat impératif d'effacer les dernières traces de cher Opposition zu seinem Amtsvorgänger. Solange seine

réformes de la commission Oswald? Si oui, sur l'ordre de eigenen Vorstellungen mit den offiziellen Vorschriften im

qui? Si non, le Conseil fédéral s'en accommode-t-il? Einklang stehen, muss auch einem hohen Vertreter des

6. Notre armée de milice est un cas unique, à l'échelle Militärdepartements ein eigener Stil zugestanden werden.

mondiale. La démocratie directe et l'armée de milice font Der Bundesrat bedauert die Veröffentlichung eines nur für

ressortir que le soldat est également citoyen, toujours et den dienstlichen Gebrauch bestimmten Referats insofern,

surtout, et qu'en Suisse il ne doit pas y avoir un Etat militaire als dessen teilweises Bekanntwerden Anlass zu Missver-

dans l'Etat. Or, le colonel Mabillard plaide en fait pour une ständnissen gegeben hat. Um die Entwicklung einer angeb-

élite militaire, il dénigre des vérités d'évidence civiques et lichen EMD-Geheimdoktrin hat es sich dabei überhaupt

porte atteinte à la dignité humaine ainsi qu'à l'idée fonda- nicht gehandelt.

mentale de l'armée de milice en exigeant une obéissance Zu 2: Informationspolitik und Informationspraxis des Militär-

aveugle. Le Conseil fédéral va-t-il laisser le chef de l'instruc- departements sind von Offenheit, Bürgernähe und partnor-

tion Mabillard poursuivre dans cette voie? schaftlichem Verhältnis zu den Medienvertretern geprägt.

7. Dans une interview, le colonel Mabillard a regretté que le Auch in der Gruppe für Ausbildung wurden alle Massnah-

discours incendiaire prononcé «confidentiellement» le men getroffen, um den Journalisten kompetente Fachleute

2 avril 1985 ait été donné en pâture au public. Cela eut-il als Anlaufstelle anzubieten, welche die Bedürfnisse der

pour effet de faire connaître ce qui était l'authentique doc- Information kennen und verstehen. Die aktiven Beziehun-

trine secrète du DMF, ou Mabillard a-t-il - sous sa propre gen zur Presse sind Angelegenheit dieser Informationsver-

responsabilité - désavoué le «concept officiel de l'instruc- antwortlichen, die gemäss der vom Departementsvorsteher

tion» du DMF? erlassenen und von den Chefs der Gruppen des Departe-

8. Par son discours, inconciliable sur de nombreux points ments angewandten Informationspolitik tätig sind. Die

avec l'idée de notre Confédération démocratique, le chef de Kader von Verwaltung und Armee informieren nur bei Gele-

l'instruction Mabillard ne se place-t-il pas, aux yeux du genheit - im Rahmen ihrer Kompetenzen und nach genauen

Conseil fédéral, en dehors de la légalité démocratique? Au Richtlinien.

regard de critères démocratiques stricts, cet officier ne Diese Aufgabenteilung zeigt, dass die Beziehungen zur

constitue-t-il pas un risque pour notre sécurité et, partant, Presse nicht in erster Linie Sache der Angehörigen des

ne devrait-il pas être mis en disponibilité? Instruktionskorps sind, wenn es auch vorkommen kann,

9. Dans une interview accordée au «Tages-Anzeiger», le dass Instruktoren direkt mit Pressevertretern verkehren

colonel Mabillard a commenté son discours rendu public, et müssen. Die diesbezüglichen Ausführungen des Ausbil-

il a déclaré qu'il est prêt à défendre la «démocratie classi- dungschefs können die Informationspolitik des EMD, wie sie

que». Pourtant notre conception de la démocratie fédérale von dessen Vorsteher festgelegt wurden, in keiner Weise in

ne saurait guère s'accommoder ou se satisfaire de cette Frage stellen. Es kann höchstens festgestellt werden, dass

allusion à la démocratie grecque élitaire. L'armée n'a-t-elle die Ausführungen des Ausbildungschefs zu diesem Punkt

pas pour devoir de défendre purement et simplement la insofern unglücklich waren, als sie zu einer gewissen Ver-

démocratie, ni «classique», ni élitaire, mais la nôtre? wirrung Anlass geben konnten.

Zu 3. und 6.: Die Armee kann ihre Aufgabe nur erfüllen,

Schriftliche Stellungnahme des Bundesrates wenn sie kriegstüchtig ist. Als oberstes Ziel der militärischen

vom 2. Dezember 1985 Ausbildung und Erziehung verlangt die Kriegstüchtigkeit

Rapport écrit du Conseil fédéral du 2 décembre 1985 von jedem einzelnen Angehörigen der Armee vorab Diszi-

Anlässlich eines Rapports der Instruktionsoffiziere vom plin. Das Dienstreglement, dem der Bundesrat zugestimmt

4. April 1985 hielt der Ausbildungschef der Armee, Korps- hat, hält in diesem Zusammenhang folgendes fest:

kommandant Mabillard, eine nur für interne Bedürfnisse «Disziplin heisst bewusste Einordnung in das Ganze und

bestimmte Ansprache. Auszüge daraus sind infolge einer Pflichterfüllung nach bestem Wissen und Gewissen, mit

Indiskretion an die Oeffentlichkeit gelangt. ganzer Kraft, ohne Rücksicht auf persönliche Wünsche und

Der Bundesrat versteht die Ausführungen des Ausbildungs- Ansichten.» Zur Disziplin gehört auch der Gehorsam gegen-

chefs als solche eines Chefs zu seinen Mitarbeitern - einer- über den Vorgesetzten.

seits mit dem Ziel, diese zu motivieren und die Bedeutung Unsere Milizarmee kennt keine andere Form von Disziplin.

ihrer Funktion als militärische Lehrer zu erkennen, ander- Die Tatsache, dass bei uns jeder Soldat gleichzeitig Bürger

seits sie vor den Risiken improvisierter Kontakte mit Presse- ist, schliesst die Grundsätze nicht aus, die das Dienstregle-

vertretern zu warnen. Wenn einzelne Formulierungen - vor ment in diesem Zusammenhang weiter festlegt: «Auf der

allem in der deutschen Uebersetzung - auch hart und abso- Disziplin beruht die innere Stärke der Armee. Sie verträgt

lut anmuten, drückt der Vortrag des Ausbildungschefs doch keine Halbheiten und Zugeständnisse, weder in der Grund-

in erster Linie das Anliegen eines Vorgesetzten aus, seine haltung gegenüber den Erfordernissen des Dienstes noch

Mitarbeiterin ihrem persönlichen Engagement zu unterstüt- bei der Befolgung eines Befehls.» Dies hat nichts mit irgend-

zen und die Bedeutung ihres Berufs, der mehr als andere welchen politischen Systemen zu tun; es trägt einzig zur

Berufe immer wieder der Kritik ausgesetzt ist, hervorzu- Effizienz unserer Milizarmee bei. Auch wenn diese den

heben. Grundsätzen unseres demokratischen Staatswesens zu

Um die Ausführungen des Ausbildungschefs im richtigen entsprechen hat, kann sie dennoch nicht auf die Disziplin als

Licht sehen und werten zu können, muss man diese in den Mittel der Einflussnahme und der Durchsetzung verzichten.

Gesamtzusammenhang stellen und gleichzeitig das Wirken Es muss aber bei dieser Gelegenheit daran erinnert werden,

und die Verdienste von Korpskommandant Mabillard in ihrer dass das Dienstreglement auch noch folgenden Satz

Gesamtheit würdigen. Der Chef des Militärdepartements hat enthält: «Ihre volle Wirkung erreicht die Disziplin, wenn sie

sich unmittelbar nach Bekanntwerden der Ansprache von mit Initiative und Selbständigkeit verbunden ist.» Diesem

einigen wenig geschickten Formulierungen in aller Form Grundsatz, der sich besonders gut auf unsere Armee von

distanziert. Bürger-Soldaten anwenden lässt, trägt die Ueberzeugung

Zu den Fragen der Interpellation nimmt der Bundesrat wie von Korpskommandant Mabillard Rechnung.

folgt Stellung: Wir haben keinen Grund, von unserer Armee weniger zu

20. Dezember 1985 N 2257 Interpellation Rohrer

fordern als von einem Berufsheer- im Gegenteil; bei uns letzten Jahren mit erheblichen Investitionen ausgebaut wor-

weiss jeder Angehörige der Armee, dass er zur Landesvertei- den. Die wertvollen Einrichtungen des Speditionsgewerbes

digung beiträgt, mit dem einzigen Ziel, die eigenen Freihei- sowie die vorhandenen Bahn- und Zollanlagen sind rationell

ten und die Unabhängigkeit des Landes zu erhalten. zu nutzen. Es geht überdies um die Sicherung von einigen

Diese Grundsätze sind im Dienstreglement verankert, und hundert Arbeitsplätzen. Allein das Speditionsgewerbe zählt

dem Ausbildungschef ist die Aufgabe übertragen, sie in 350 Beschäftigte.

seinem Bereich, d.h. in den militärischen Schulen durchzu- Durch die Errichtung eines österreichisch-schweizerischen

setzen. Gemeinschaftszollamtes auf österreichischem Hoheitsge-

Zu 4., 6. und 9: Für den Ausbildungschef besteht gemäss biet würde der Umschlagplatz Buchs SG und damit die

seinen kritisierten Ausführungen die Elite «aus jenen Men- ganze Region beeinträchtigt.

schen, die mehr zu tun vermögen, mehr tun wollen und Ich frage den Bundesrat an:

mehr tun können als der gewöhnliche Bürger - aus all I.Wie beurteilt er die Errichtung eines österreichisch-

jenen, die ein Mehreres zur gemeinsamen Aufgabe hinzufü- schweizerischen Gemeinschaftszollamtes auf öster-

gen, aus all jenen, die ihre persönliche Begabung und reichischem Hoheitsgebiet?

Leistungsfähigkeit durch ihren Einsatz Früchte tragen las- 2. Teilt er die Auffassung, dass die im Raum Buchs und

sen wollen.» Diese Aussage bezieht sich in keiner Weise auf St. Margrethen vorhandenen und im Bedarfsfall noch aus-

eine angebliche elitäre Militärkaste. In unserer Milizarmee baufähigen Infrastrukturen für den internationalen Handels-

gibt es keine privilegierten Schichten. Die Armee hat auch verkehr mit dem Osten ausreichen?

nicht irgendeine elitäre Demokratie zu verteidigen, sondern 3. Ist er auch der Meinung, dass es unter den gegebenen

unseren Staat, seine Unabhängigkeit und die Freiheit seiner Umständen nicht vertretbar wäre, dass der Bund ein solches

Bürger. Gemeinschaftszollamt mitfinanziert?

Zu 5: Der Bericht der «Kommission für Fragen der militäri- 4. Werden die zuständigen Bundesstellen über die Pla-

schen Erziehung und Ausbildung der Armee» vom S.Juni nungsabsichten in Vorarlberg auf dem laufenden gehalten?

1970 gab Anlass zu zwei wichtigen Reformwerken, nämlich 5. Hat der Bund in dieser Angelegenheit gegenüber Oester-

zur Ueberarbeitung und späteren Neufassung des Dienstre- reich schon einmal Stellung genommen? Falls dies zutref-

glements und andererseits zum Erlass einer modernen fen sollte: Was ist der wesentliche Inhalt der Stellung-

Instruktorenverordnung. Auch wenn nach 15 Jahren nicht nahme?

mehr alles Gültigkeit haben kann, was damals von der 6. Ist er bereit, in dieser Angelegenheit zu intervenieren, falls

Kommission Oswald als richtig betrachtet wurde, bestehen noch keine offiziellen Kontakte stattgefunden haben?

zwischen ihrem Bericht und den erwähnten bundesrätlichen

Verordnungen in der heutigen Truppen real ität keine Diskre- Texte de l'interpellation du 25 septembre 1985

panzen. Ein grosserTeil der von der seinerzeitigen Kommis- Selon des informations parues dans la presse le gouverne-

sion vorgeschlagenen Neuerungen sind im übrigen verwirk- ment du Vorarlberg projette de construire un bureau de

licht worden. Der Ausbildungschef hat in seinem Vortrag nie douane commun austro-suisse dans la région de Lustenau,

die Forderung geäussert, das Rad müsse zurückgedreht sur territoire autrichien, dans le «Schweizer Ried». Il semble

werden. qu'on ne s'est pas encore mis d'accord sur l'emplacement

Zu 8.: Aufgrund des bisher Gesagten stellt der Ausbildungs- définitif, car on est encore en train d'examiner différentes

chef für den Bundesrat auf keinen Fall ein Sicherheitsrisiko variantes, selon le tracé qui sera choisi pour la liaison

dar. autoroutière Suisse-Autriche.

Le projet d'un raccordement autoroutier dans la région

Präsident: Der Interpellant ist von der Antwort des Bundes- d'Au-Widnau a été rejeté par les Conseils communaux, le

rates nicht befriedigt. Département cantonal des travaux publics et les offices

fédéraux compétents, même si la nécessité d'une liaison à

grande capacité des deux autoroutes n'est pas contestée. Si

l'on construisait un bureau de douane commun à l'endroit

#ST# 85.565 prévu, la plus grande partie des installations réalisées dans

Interpellation Rohrer la région de St. Margrethen ne pourrait plus être utilisée

Oesterreichisch-schweizerisches rationnellement.

A Buchs SG, lieu de transit d'importance nationale, les ins-

Gemeinschaftszollamt tallations ont également été agrandies au cours des der-

Bureau de douane commun austro-suisse nières années, au prix d'investissements considérables. Il

s'agit de faire un usage rationnel des équipements coûteux

des transitaires ainsi que des installations ferroviaires et

douanières existants. En outre, le maintien de plusieurs

centaines d'emplois est en jeu. Les seuls transitaires occu-

Wortlaut der Interpellation vom 25. September 1985 pent 350 personnes.

Gemäss Presseberichten plant die Vorarlbergische Landes- La construction d'un bureau de douane commun austro-

regierung auf österreichischem Hoheitsgebiet im Raum suisse sur territoire autrichien porterait préjudice au point

Lustenau, im sogenannten Schweizer Ried, den Bau eines de transit de Buchs SG et par conséquent à toute la région.

österreichisch-schweizerischen Gemeinschaftszollamtes. Je demande donc au Conseil fédéral:

Man hat sich offenbar noch nicht auf einen definitiven 1. Que pense-t-il de la construction d'un bureau de douane

Standort geeinigt, da im Zusammenhang mit dem Auto- commun austro-suisse sur territoire autrichien?

bahnzusammenschluss Schweiz-Oesterreich noch verschie- 2. Estime-t-il lui aussi que l'infrastructure qui existe dans la

dene Varianten geprüft werden. région de Buchs et de St. Margrethen - qui peut d'ailleurs

Ein Autobahnzusammenschluss im Raum Au-Widnau wurde encore être développée - suffit pour absorber le trafic com-

von den Gemeinderäten, dem kantonalen Baudepartement mercial international avec l'Est?

und den zuständigen Bundesstellen abgelehnt, obschon 3. Est-il aussi d'avis que, dans les circonstances actuelles, il

eine leistungsfähige Verbindung der beiden Autobahnen ne serait pas normal que la Confédération participe au

grundsätzlich als notwendig erachtet wird. Die Erstellung financement d'un tel bureau de douane commun?

einer Gemeinschaftszollanlage im Raum Au-Widnau hätte 4. Les offices fédéraux compétents sont-ils tenus au courant

zur Folge, dass ein Grossteil der Infrastrukturanlagen im des projets du Vorarlberg?

Raum St. Margrethen nicht mehr rationell genutzt werden 5. La Confédération a-t-elle déjà fait une fois part à l'Au-

könnte. triche de son point de vue dans cette affaire? Si tel est le cas,

Auch auf dem gesamtschweizerisch gesehen bedeutenden quel est, en substance, cet avis?

Umschlagplatz Buchs SG sind die Infrastrukturen in den 6. Le Conseil fédéral est-il prêt à intervenir dans cette affaire,

Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften

Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées

Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali

Interpellation Hubacher Rede des Ausbildungschefs

Interpellation Hubacher Discours du chef de l'instruction

In Amtliches Bulletin der Bundesversammlung

Dans Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale

In Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale

Jahr 1985

Année

Anno

Band V

Volume

Volume

Session Wintersession

Session Session d'hiver

Sessione Sessione invernale

Rat Nationalrat

Conseil Conseil national

Consiglio Consiglio nazionale

Sitzung 15

Séance

Seduta

Geschäftsnummer 85.556

Numéro d'objet

Numero dell'oggetto

Datum 20.12.1985 - 08:00

Date

Data

Seite 2255-2257

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Ref. No 20 013 987

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