Legislator Rechtsprechung & Gesetzgebung
VPB 85-344 KI-generiert

Federal Council Statements on Popular Initiatives and Democratic Rights

Geschäftsnummer VPB 85-344
Gericht / Behörde
Rechtsordnung Schweiz · Verwaltungspraxis der Bundesbehörden (VPB) (CH)
Entscheiddatum
Ausgang Abgewiesen (Dismissed)

Legislator-Zusammenfassung

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The Swiss Federal Council stated that members of the government have the right to express their opinions on popular initiatives, and such statements do not constitute interference with democratic rights. The Council argued that enacting the proposed immigration limitation initiative would have severe economic consequences and contradict current government policy, and that its official message would detail these impacts. The interpellant remained unsatisfied, asserting that a member of the Federal Council making demonstrably false statements during an initiative's signature collection period undermines public trust, and that a correction is warranted.

Legislator-Regeste

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Art. 13 Absatz, Art. 4 Absatz, Art. 271 StGB, Art. 3 Absatz, Art. 13 Abs. 3 des Bundesgesetzes zum Vertrag, Art. 3 Abs. 1 lit. a des Vertrags; Federal Council Statements on Popular Initiatives and Democratic Rights: The Council argued that enacting the proposed immigration limitation initiative would have severe economic consequences and contradict current government policy, and that its official message would detail these impacts. The interpellant remained unsatisfied, asserting that a member of the Federal Council making demonstrably false statements during an initiative's signature collection period undermines public trust, and that a correction is warranted.

Schlagwörter

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Volksinitiative Regierungserklärung Vertrauen in die Regierung wirtschaftliche Rechte Regierungspolitik Meinungsäusserungsfreiheit

Zitierte Gesetzesbestimmungen

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Art. 13 Absatz
Art. 4 Absatz
Art. 271 StGB
Art. 3 Absatz
geworden (Art. 38 des Bundesgesetzes über die Organisa-
Art. 13 Abs. 3 des Bundesgesetzes zum Vertrag
Cited to justify the early release of information to the requesting state before a final decision on the legal assistance request.
Art. 3 Abs. 1 lit. a des Vertrags
Cited to assess whether the provision of legal assistance would jeopardize essential Swiss interests.

Zitierte Rechtsprechung

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Zentrale Rechtsfragen, extrahiert von Legislator

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Art. 13 Abs. 3 des Bundesgesetzes zum Vertrag

Cited to justify the early release of information to the requesting state before a final decision on the legal assistance request.

Art. 3 Abs. 1 lit. a des Vertrags

Cited to assess whether the provision of legal assistance would jeopardize essential Swiss interests.

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Volltext

Interpellation Gehen 1272 N 21 juin 1985

#ST# 85.333 là d'une immixtion inadmissible dans les droits démocrati-

ques du peuple.

Interpellation der Fraktion 3. Sous quelle forme le Conseil fédéral envisage-t-il de

der Nationalen Aktion/Vigilants rectifier les affirmations fausses de la conseillère fédérale

Aussage eines Mitgliedes des Bundesrates Kopp?

Interpellation du groupe Schriftliche Stellungnahme des Bundesrates

de l'Action nationale/Vigilants vom S.April 1985

Déclaration d'un membre du Conseil fédéral Rapport écrit du Conseil fédéral du 3 avril 1985

Die Mitglieder des Bundesrates haben, wie alle anderen

Schweizerinnen und Schweizer, das Recht, sich zu einer

lancierten Initiative zu äussern. Derartige Stellungnahmen

bilden keine Einmischung in die demokratischen Rechte

des Volkes.

Wortlaut der Interpellation vom 7. Februar 1985 Bei einer Verwirklichung der Ziele der Volksinitiative «für die

In einer Sendung von Radio DRS 1 am 31. Dezember 1984 Begrenzung der Einwanderung» würde der Bestand der

behauptete Frau Bundesrätin Kopp in wahrheitswidriger ausländischen Wohnbevölkerung um einige 100000 Auslän-

Weise, die Annahme der Initiative der Nationalen Aktion der reduziert. Dies hätte nicht nur schwerwiegende Konse-

«Beschränkung der Einwanderung» hätte wegen der Über- quenzen für die Wirtschaft, sondern widerspräche auch der

gangsbestimmungen zur Folge, Zitat: «dass Hunderttau- bundesrätlichen Ausländerpolitik. Der Bundesrat wird in

sende von Ausländern ausgewiesen werden müssten». seiner Botschaft zum Volksbegehren ausführlich auf die

Diese Aussage ist offensichtlich falsch. Richtig ist, dass bei Auswirkungen der Initiative eingehen.

Annahme der Initiative in Erfüllung der Übergangsbestim-

mungen mit einem freiwilligen Abbau der ausländischen Präsident: Die Interpellanten sind von der Antwort des Bun-

Wohnbevölkerung durch Rückwanderung um 200 000 bis desrates nicht befriedigt.

300 000 Personen im Laufe von 15 Jahren gerechnet werden

dürfte. Dabei sind keinerlei Massnahmen zur Ausweisung in Steifen: Die Fraktion der Nationalen Aktion und der Vigi-

der Schweiz ansässiger Ausländer vorgesehen. lants erklärt, von der Antwort des Bundesrates nicht befrie-

Die zweifellos bewusst unwahre Darstellung ist ein krasser digt zu sein. Wenn ein Mitglied des Bundesrates während

Eingriff in die zurzeit noch laufende Unterschriftensamm- der Sammelzeit für ein Volksbegehren mit Blick auf dessen

lung. spätere Auswirkungen eine offensichtlich falsche Aussage

Fragen an den Bundesrat: macht - wir haben aus Respekt vor Frau Bundesrätin Kopp

1. Teilt der Bundesrat unsere Auffassung, wonach eine der- nicht von Lüge gesprochen -, dann darf erwartet werden,

artige am Radio vorgetragene offensichtliche Unwahrheit dass eine Richtigstellung erfolgt. Diese ist weder vor der

durch ein Mitglied der Landesregierung das Vertrauen des Öffentlichkeit noch vor diesem Rat erfolgt.

Volkes in seine Regierung schädigt? Mit dem Eingeständnis eines tatsächlichen Fehlers - auch

2. Teilt der Bundesrat unsere Auffassung, dass sich die durch ein Mitglied des Bundesrates-fallen wahrhaftig keine

Mitglieder des Bundesrates jeglichen öffentlichen Kommen- Steine aus der Krone, sondern Respekt und Vertrauen

tars zu laufenden Unterschriftensammlungen zu enthalten wachsen.

haben, da solche als unzulässige Einmischung in die demo-

kratischen Rechte des Volkes zu werten sind?

3. In welcher Form gedenkt der Bundesrat die falsche Dar-

stellung von Frau Bundesrätin Kopp gegenüber der Öffent-

lichkeit richtigzustellen? #ST# 85.344

Interpellation Oehen

Texte de l'interpellation du 7 février 1985 Internationale Rechtshilfe in Strafsachen

Lors d'une émission de DRS 1, qui a eu lieu le 31 décembre

1984, Madame Kopp, conseillère fédérale, a déclaré qu'en Entraide judiciaire internationale

cas d'acceptation de l'initiative de l'Action nationale «Pour en matière pénale

la limitation de l'immigration», les dispositions transitoires

auraient pour conséquence que des centaines de milliers

d'étrangers devraient être renvoyés dans leur pays, ce qui

est contraire à la vérité.

Cette affirmation est donc manifestement fausse. Il est exact Wortlaut der Interpellation vom 8. Februar 1985

qu'en cas d'acceptation de l'initiative, on pourrait s'attendre 1. Steht der Bundesrat weiterhin zu seinen formellen Zusi-

à ce que l'application des dispositions transitoires entraîne, cherungen, die er anlässlich der parlamentarischen Debatte

en l'espace de quinze ans, une diminution de la population über das Rechtshilfeabkommen mit den USA vom 25. Mai

étrangère de 200000 à 300000 personnes, qui retourne- 1974 gegeben hat, wonach, unter anderem

raient volontairement dans leur pays d'origine. Mais il n'est a. es «sich um die Verfolgung einer schweren Tat handeln»

prévu aucune mesure permettant d'expulser des étrangers müsse (BBI 1974 II 584), wobei die dem Abkommen beige-

séjournant en Suisse. fügte Liste der «Straftaten, für welche Zwangsmassnahmen

Cette présentation inexacte des faits, qui étaient sans doute angewendet werden können», nur Offizialdelikte umfasst

voulue, constitue un cas d'ingérence grave ayant lieu à un und Antragsdelikte daher entfallen;

moment où la récolte des signatures n'est pas encore ter- b. eine weitere, unabdingbare Voraussetzung für Rechts-

minée. hilfe die sei, «dass die Handlung, die Gegenstand der Straf-

Questions au Conseil fédéral: untersuchung im ersuchenden Staat ist, die objektiven

1. Le Conseil fédéral est-il aussi d'avis que le fait que de tels Merkmale eines nach dem Recht des ersuchten Staats straf-

propos - manifestement contraires à la vérité - aient été baren und auf der dem Vertrag beigefügten Liste aufgeführ-

tenus à la radio par un membre de l'exécutif ne peut que ten Tatbestands aufweist...

nuire à la confiance du peuple en son gouvernement? Es bedarf deshalb der doppelten Voraussetzung der beidsei-

2. Estime-t-il également que les membres du Conseil fédé- tigen Strafbarkeit der Handlung und ihrer Zugehörigkeit zu

ral doivent s'abstenir de tout commentaire en public tant einer der in der Liste aufgezählten Straftaten» (ebenda Seite

que la récolte des signatures est en cours? En effet, il s'agit 587); und

21. Juni 1985 N 1273 Interpellation Oehen

c. «jede Beeinträchtigung der Geheimhaltungsinteressen b. Une condition indispensable de l'entraide est que les faits

einer privaten Unternehmung gleichzeitig auch die Interes- «qui font l'objet d'une enquête pénale dans l'Etat requérant

sen der schweizerischen Volkswirtschaft und damit gesamt- remplissent les conditions objectives d'une infraction punis-

schweizerische Interessen verletzt oder gefährdet (BGE 98 sable selon le droit de l'Etat requis et mentionnée dans la

IV 209)» (BBI 1974 643). liste annexée au traité ...

2. Wie beurteilt der Bundesrat die Tatsache und welche C'est pourquoi il faut que soient réunies les deux conditions

Konsequenzen gedenkt er sodann daraus zu ziehen, dass de la double incrimination de l'acte et de sa mention sur la

gemäss Schreiben des Bundesamtes für Polizeiwesen vom liste» (ibid., p. 589).

2. Juli 1984 in der Rechtshilfesache Santa Fé International c. «... toute atteinte aux intérêts secrets d'une entreprise

die wesentlichsten Elemente des amerikanischen Rechtshil- privée lèse ou compromet en même temps les intérêts de

febegehrens, nämlich die dem Bankgeheimnis unterstehen- l'économie suisse et, partant, ceux de la Suisse tout entière

den Namen von Kunden schweizerischer Banken, noch vor (ATF 98 IV 209» ibid., p. 643).

Prüfung des Gesuchs durch den Bundesrat damals preisge- 2. Comment le Conseil fédéral juge-t-il le fait que, selon une

geben worden sind? lettre de l'Office fédéral de la police datée du 2 juillet 1984,

3. Wie beurteilt der Bundesrat die Tatsache, und welche les principaux renseignements requis par les autorités amé-

Konsequenzen gedenkt er sodann daraus zu ziehen, dass ricaines dans l'affaire «Santa Fé International», à savoir les

die Rechtshilfebegehren der amerikanischen Securities and noms des clients de banques suisses tenues de garder le

Exchange Commission in Sachen Santa Fé sich aus- secret, ont été communiqués avant que le gouvernement ne

schliesslich auf ein ziviles Verfahren zu stützen vermochten, se soit prononcé sur la demande d'entraide judiciaire?

dass trotz klar gegenteiligem gesetzgeberischen Willen eid- 3. Comment juge-t-il le fait que la demande d'entraide judi-

genössische Beamte dazu gleichwohl bedeutende Rechts- ciaire de l'autorité américaine requérante, à savoir la «Secu-

hilfevorleistungen und trotz bundesgerichtlicher Rechtshil- rities and exchange commission», se fondait uniquement,

feverweigerung sogar eigentliche Rechtshilfe bewirkten, dans l'affaire susmentionnée, sur une procédure de droit

und dass dabei auch die Ausstandsverfügungen des EJPD civil, et que, en dépit de la volonté clairement exprimée du

vom 21. Juni 1982 und eventuell vom 18. Oktober 1983 ver- législateur, des fonctionnaires fédéraux ont fait d'impor-

letzt worden sind? Finden sich darin nicht die schlimmsten tantes prestations préalables et qu'ils sont ensuite passés

Befürchtungen zahlreicher Parlamentarier und Wirtschafts- outre à la décision du Tribunal fédéral rejetant la demande

vertreter bestätigt? d'entraide, violant ainsi du même coup les décisions de

récusation prises par le Département de justice et police le

4. Erachtet es der Bundesrat als mit der Würde unseres 21 juin 1982 et aussi, éventuellement, le 18 octobre 1983?

souveränen Staates vereinbar, wenn unter Bezugnahme auf Quelles conséquences en tire-t-il? Les pires craintes de

ein nicht vorhandenes und auch nicht zu erwartendes Straf- nombreux députés et de représentants de notre économie

verfahren von der Schweiz Rechtshilfe anbegehrt wird, in ne se sont-elles pas ainsi réalisées?

demselben Zivilverfahren die SEC sich aber erlaubt, gemäss

Brief des US Department of Justice vom 7. September 1984 4. Estime-t-il compatible avec la dignité de notre Etat souve-

an das französische Justizministerium, ein entsprechendes rain que l'on requière de nous une entraide judiciaire en se

Rechtsbegehren gestützt auf eben diesen Zivilcharakter zu prévalant d'une procédure pénale qui n'a pas encore été

stellen? ouverte et qui ne le sera sans doute jamais, alors que la

«Securities and exchange commission» se permet, confor-

5. Erachtet der Bundesrat unter all diesen Umständen, mément à la lettre du Département américain de la justice

unter Berücksichtigung des Gebots der Verhältnismässig- datée du 7 septembre 1984, de présenter une requête sem-

keit und angesichts der auf dem Spiel stehenden Souveräni- blable au Ministère français de la justice dans la même

täts-, Bankgeheimnis- und «ähnlich wesentlichen Interes- procédure civile, en se fondant justement sur le caractère

sen» der Schweiz, die Gewährung von Rechtshilfe gegen- civil de l'affaire?

über einer ausländischen Behörde als tunlich ud vertretbar, 5. Compte tenu de toutes ces circonstances, estime-t-il

insbesondere wenn diese Behörde offenkundig keinerlei opportun et admissible d'accorder l'entraide judiciaire à une

Interessen an einer Strafverfolgung hat? Aus welchen autorité étrangère, surtout si cette autorité n'a manifeste-

Gründen gilt dies allenfalls auch bezüglich aller nicht im ment aucun intérêt à engager des poursuites pénales? Une

kritischen Zeitraum von Ende September 1981 abgewickel- telle décision est-elle conforme au principe de la proportion-

ten Banktransaktionen im Jahre 1981 mit unbeteiligten Drit- nalité, au respect dû à notre souveraineté, au maintien du

ten, deren Bankauszüge die einzigen sind, welche die SEC secret bancaire et à d'autres intérêts fondamentaux de la

noch nicht hat, und deren Auslieferung oder Unter-Ver- Suisse? Pour quelles raisons l'octroi de cette entraide se

schluss-Haltung nun allein dem Bundesrat obliegt? justifie-t-il le cas échéant également pour toutes les transac-

6. Wie könnten die Ergebnisse der bisherigen und der tions bancaires faites en 1981 en dehors de la période

allenfalls zusätzlichen Rechtshilfe im Falle Santa Fé sowie critique de fin septembre avec des tiers non impliqués, dont

die Auswirkungen solcher Entscheidungen auf das Ver- les extraits de compte - les seuls que la «Securities and

trauen ausländischer Bankkunden in unsere Institutionen exchange commission» ne possède pas encore - seront

mit den oben zusammengefassten bundesrätlichen Zusiche- remis ou gardés sous clé selon une décision que le gouver-

rungen und gesetzgeberischen Willensbekundungen in Ein- nement doit prendre?

klang gebracht werden? 6. Comment peut-on concilier les conséquences de l'en-

traide judiciaire accordée jusqu'à présent dans l'affaire

Texte de l'interpellation du 8 février 1985 «Santa Fé» et de celle qui le sera encore le cas échéant,

1. Le Conseil fédéral est-il encore prêt à souscrire aux ainsi que l'effet produit par de telles décisions sur la con-

assurances formelles qu'il a données lors du débat parle- fiance que des clients étrangers de nos banques ont en nos

mentaire sur le traité d'entraide judiciaire en matière pénale institutions, avec les assurances du Conseil fédéral que

conclu avec les Etats-Unis d'Amérique, le 25 mai 1973, et qui nous avons résumées ci-dessus et avec l'expression de la

portaient notamment sur les points suivants: volonté du législateur?

a. L'infraction faisant l'objet de la poursuite doit être grave Schriftliche Begründung - Développement par écrit

(FF 1974 II 586); en l'occurrence, il convient de relever que la 1. Gemäss bundesrätlicher Botschaft zum Staatsvertrag mit

«liste des infractions permettant l'application de mesures de den Vereinigten Staaten über gegenseitige Rechtshilfe in

contrainte» annexée au traité, ne comprend que des délits à Strafsachen vom 28. August 1974 (Nr. 12070, BB11974, Seite

poursuivre d'office, de sorte que ceux dont la répression n'a 580 ff.) und zum entsprechenden Bundesgesetz vom

lieu que sur plainte de la victime n'entrent pas en considéra- 3. Oktober 1975 (Botschaft Nr. 12071, BB11974, Seite 631 ff.

tion. SR 351.93, 351.934) sowie gemäss den einschlägigen parla-

160-N

Interpellation Oehen 1274 N 21 juin 1985

mentarischen Beratungen («Amtliches Bulletin» 1974 NR gesetzes zum Vertrag (SR 351.93) genannten Voraussetzun-

1885 bis 1909; 1975 SR 427 bis 438, 558; NR 1135 bis 1137) gen erfüllt und das Bundesamt für Polizeiwesen (BAP) ver-

steht ausser Zweifel, dass pflichtet, die sich in seinem Besitz befindlichen Informatio-

- ein Zivilverfahren unter keinen Umständen eine Rechtsba- nen dem ersuchenden Staat herauszugeben. Die Namen der

sis für Rechtshilfe gemäss Vertrag vom 25. Mai 1983 sein Bankkunden, welche Titel der Santa Fé erworben hatten

kann und zufolge des darin verankerten Prinzips der Spezia- (mithin ein Gegenstand des Ersuchens), waren dem BAP

lität (Art. 5) allenfalls irrtümlich, fahrlässig oder sonst nicht- schon seit mehreren Monaten bekannt, wurden aber bis

gesetzeskonform erbrachte Rechtshilfen «im ersuchenden zum rechtskräftigen Entscheid des Bundesgerichts über die

Staat nicht in (z. B. zivilen) Verfahren verwendet werden Rechtshilfe geheimgehalten. Am 18. Mai 1984 hat dann das

dürfen, für die Rechtshilfe unzulässig ist» (ebenda Seite BAP gestützt auf Artikel 13 Absatz 3 des Bundesgesetzes

583), und «dass wir sehr sorgfältig darauf achten werden, zum Vertrag dem amerikanischen Justizdepartement die

dass dieses Prinzip auch in der Praxis zum Tragen kommt Namen der Bankkunden bekanntgegeben. Zu diesem Zeit-

und nicht leere Worte bleibt» (BR Purgier auf Bedenken NR punkt hatten die Betroffenen die beratende Kommission

Gautiers, «Amtliches Bulletin» 1974 NR 1896), und noch nicht angerufen. Erst am 25. Mai 1984 stellten sie ihren

Antrag an diese Kommission.

- «unter gewissen Voraussetzungen auch privaten oder

industriellen Geschäfts- oder Fabrikationsvorgängen eine ad 3. bis 4. Das Bundesgesetz zum Vertrag umschreibt prä-

Bedeutung zukommen kann, die deren Geheimhaltung zu zise die Kompetenzen des Bundesgerichts und diejenigen

einem <ähnlich wesentlichen lnteresse> der Schweiz im des Bundesrates.

Sinne des Artikels 3 Absatz 1 Buchstabe a des Vertrags In seinem Entscheid vom 16. Mai 1984 hat das Bundesge-

stempeln... (wobei der Entscheid darüber) letztinstanzlich richt erklärt, dass die in Artikel 4 Absatz 2 des Vertrages

dem Bundesrat vorbehalten bleiben» muss (Seite 637), und, genannte Voraussetzung der doppelten Strafbarkeit gege-

nicht zuletzt zufolge der gesetzlich vorgeschriebenen auf- ben sei (E. 6b), und dass das BAP weder den Vertrag noch

schiebenden Wirkung, der «Rechtsschutz, der den von Artikel 271 StGB verletzt habe, als es nach dem Entscheid

Rechtshilfehandlungen Betroffenen gewährt wird, ... in vom 26. Januar .1983 Rechtshilfemassnahmen anordnete,

einem Wort, umfassend» ist (Kommissionssprecher Koller, die keiner Anwendung prozessualen Zwanges bedurften (E.

«Amtliches Bulletin» 1974 NR 1887). 5c). Des weiteren hat das Bundesgericht als Beschwerde-

grund abgewiesen, dass die Rechtshilfeleistung für ein Ver-

2. Die vorzeitige Rechtshilfe ergibt sich aus dem Schreiben

fahren zivil- und nicht strafrechtlicher Natur erfolge (E. 6a;

des Bundesamts für Polizeiwesen vom 2. Juli 1984, wonach

vgl. BGE 109 Ib 47 E. 3a und b). Wie es der Bundesrat in

«nous avons naturellement transmis les dispositifs des

seinen Entscheiden vom 11. Februar 1981 (VPB 1981, Heft

arrêts du Tribunal fédéral avec les noms des recourants ...»

45 II 48) und vom 20. Februar 1985 (in Sachen Santa Fé)

(!), sowie aus der trockenen Feststellung der vom Gesetzge-

unterstrichen hat, kann auf Fragen, die vom Bundesgericht

ber speziell für solche Rechtshilfefälle eingesetzten «Bera-

im Rahmen seiner Prüfungsbefugnis entschieden worden

tenden Kommission»: Elle se déclarait étonnée «de la com-

sind, mangels Kognition der Exekutive nicht zurückgekom-

munication par l'Office fédéral de la police des noms encore men werden.

inconnus des intéressés sitôt rendus les arrêts du Tribunal

Im übrigen ist darauf hinzuweisen, dass mit dem von den

fédéral du 16 mai 1984», et elle se demandait «si, dans de

USA gestützt auf die Haager Konvention über Zivilprozess-

telles conditions, elle a vraiment son utilité» (Entschei-

recht an Frankreich gerichteten Rechtshilfeersuchen ganz

dungsschreiben des Kommissionspräsidenten an die Vor-

offensichtlich nicht derselbe Zweck verfolgt wird wie mit

steherin des EJPD, 14. November 1984, Seite 5).

demjenigen gestützt auf den schweizerisch-amerikanischen

3. Stellvertretend für die Parlamentarier, welche der Ver- Vertrag.

trags- und Gesetzesnovelle zum Teil äusserst skeptisch und ad 5. Der Entscheid, Erhebungen für den Zeitraum zwischen

voll Argwohn gegenüberstanden, sei das Votum von SR

dem I.Januar und dem 31.Dezember 1981 durchführen zu

Hefti angeführt: «Ich bin der Auffassung, dass vielleicht die

lassen, ist gerechtfertigt. Dieses Vorgehen diente nämlich

Verwaltung eher etwas zu stark die Partei des anderen Ver-

der Feststellung, ob die verdächtigen Transaktionen nor-

tragspartners ergriffen hat als unsere eigene. Ich hoffe, dass

male Geschäftsabläufe darstellten und ob die Käufer allein

zum mindesten bei der Anwendung dieses Vertrages sich

oder gemeinsam, im eigenen oder für fremde Interessen

die Gewichte hier wieder normalisieren» («Amtliches Bulle-

gehandelt hatten.

tin» 1975 SR 430).

Das amerikanische Ersuchen betraf nur einen beschränkten

4. Das betreffende Schreiben des US Department of Justice Kreis von Personen; keine dieser Personen stand in näherer

- welches gegebenenfalls die Strafuntersuchung hätte Beziehung zur Schweiz. Darüber hinaus hatten die Banken

durchführen müssen - enthält folgende Schlüsselpassagen: selbst darauf bestanden, dass die Angelegenheit Santa Fé

«After inquiry this office has determined that thè request auf dem Rechtshilfeweg gelöst werde. Insbesondere diese

deals with a matter which is civil in nature. ... The court Gründe führten den Bundesrat zur Feststellung - nach der

number assigned to thè case 81 Civ. 6553, évidences thè fact beratenden Kommission und dem Eidgenössischen Justiz-

that it is a civil case under our System.... Accordingly, it is an und Polizeidepartement -, dass durch den Vollzug des ame-

action for money damages. This is not an administrative rikanischen Rechtshilfeersuchens keine wesentlichen Inter-

proceeding at thé Securities and Exchange Commission. It essen der Schweiz in Sinne von Artikel 3 Absatz 1 litera a des

is not a criminal proceeding. Rather, it is a civil action Vertrages gefährdet würden.

brought by thé Securities and Exchange Commission.»

ad 6. Die Schweiz im allgemeinen und die Banken im beson-

deren haben ein grosses Interesse an der Bekämpfung von

Schriftliche Stellungnahme des Bundesrates Insidertransaktionen, die den korrekten Geschäftsablaufauf

vom 27. April 1985 dem Finanzmarkt behindern. Zudem ist es wichtig, dass die

Rapport écrit du Conseil fédéral du 17 avril 1985 Schweiz ihren Vertragsverpflichtungen nachkommt und

ad. 1. Der Bundesrat hat immer darauf geachtet, dass Sinn nach dem für internationale Rechtshilfebeziehungen gülti-

und Wortlaut des mit den Vereinigten Staaten von Amerika gen Vertauensprinzip handelt. Sie darf sich nicht ohne

am 25. Mai 1973 abgeschlossenen Rechtshilfevertrages (der Grund auf die Gefährdung der wesentlichen schweizeri-

Vertrag; SR 0.351.933.6) respektiert werden. Er wird auch schen Interessen berufen.

weiterhin dafür Sorge tragen.

ad 2. Der Entscheid des Bundesgerichts in Sachen Santa Fé Präsident: Der Interpellant ist von der Antwort des Bundes-

ist mit seiner Ausfällung am 16. Mai 1984 sofort rechtskräftig rates nicht befriedigt.

geworden (Art. 38 des Bundesgesetzes über die Organisa-

tion der Bundesrechtspflege vom 16. Dezember 1943, SR

173.110). Damit waren die in Artikel 13 Absatz 3 des Bundes-

Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften

Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées

Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali

Interpellation Oehen Internationale Rechtshilfe in Strafsachen

Interpellation Oehen Entraide judiciaire internationale en matière pénale

In Amtliches Bulletin der Bundesversammlung

Dans Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale

In Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale

Jahr 1985

Année

Anno

Band III

Volume

Volume

Session Sommersession

Session Session d'été

Sessione Sessione estiva

Rat Nationalrat

Conseil Conseil national

Consiglio Consiglio nazionale

Sitzung 17

Séance

Seduta

Geschäftsnummer 85.344

Numéro d'objet

Numero dell'oggetto

Datum 21.06.1985 - 08:00

Date

Data

Seite 1272-1274

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