Legislator Rechtsprechung & Gesetzgebung
VPB 84-320 KI-generiert

Conscientious Objection and Alternative Civil Service

Geschäftsnummer VPB 84-320
Gericht / Behörde
Rechtsordnung Schweiz · Verwaltungspraxis der Bundesbehörden (VPB) (CH)
Entscheiddatum

Legislator-Zusammenfassung

KI-generiert

This interpellation questioned the government's commitment to resolving the issue of conscientious objectors after the rejection of a civil service initiative. It probed the government's stance on establishing an alternative civil service, the inadequacy of the current "severe conscientious distress" criteria, the blurring of motives for objection (religious, ethical, social), and the best way to prove the sincerity of objections, suggesting a longer alternative service as a more convincing proof. The interpellation also sought details on how a civil service could be designed to be equivalent in demands to military service.

Legislator-Regeste

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Conscientious Objection and Alternative Civil Service: Schriftliche Begründung - Développement par écrit Die UNO hat in ihrer Resolution Nr.418 vom 4. November 1977 ausdrücklich die Vergabe von Produktionslizenzen in die Waffenembargo-Bestimmungen aufgenommen. Auch die Schweiz verbot unabhängig und noch vor der UNO alle Waffenausfuhren nach Südafrika. Zudem wird im Kriegsmaterialgesetz jegliche Ausfuhr untersagt, die «zwischenstaatlichen Vereinbarungen widerspricht» (Art. 10).

Schlagwörter

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Militärdienstverweigerung öffentlicher Dienst Einspruch gegen die Eheschliessung Zustellnachweis Aufgebot zum Militärdienst Ungehorsam gegen eine amtliche Verfügung
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Volltext

22.Juni 1984 N 1005 Interpellation Ott

#ST# 84.320 1. Après le rejet de l'initiative pour un service civil, le gou-

vernement est-il toujours disposé à entreprendre quelque

Interpellation Ott chose pour arriver rapidement à une solution acceptable

Militärdienstverweigerer aus Gewissensgründen pour tous?

Objecteurs de conscience 2. Partage-t-il toujours l'opinion, exprimée par son porte-

parole lors des débats sur le service civil au Conseil national,

à savoir que la solution doit consister à créer un service civil

de remplacement? Estime-t-il en conséquence également

que la suite à donner à la motion Segmüller, acceptée par le

Text der Interpellation vom 5. März 1984 Conseil national (demandant que les objecteurs de cons-

Sprecher des Bundesrates, der Armee und fast aller Parteien cience ne soient plus assimilés aux criminels de droit com-

haben betont, das Problem der Militärdienstverweigereraus mun quant aux peines encourues et à l'exécution de celles-

Gewissensgründen müsse nun endlich auf würdige Weise ci), ne peut tout au plus constituer qu'une solution provi-

gelöst werden. Ich frage den Bundesrat an: soire?

3. Ne pense-t-il pas également que la notion de «grave

1. Ist er nach der Verwerfung der Zivildienstinitiative nach

conflit de conscience», introduite en vertu de l'actuel droit

wie vor willens, zu einer raschen und konsensfähigen

pénal militaire et qui est encore communément admise

Lösung Schritte zu unternehmen?

aujourd'hui, est dépassée du fait qu'elle donne l'impression

2. Ist der Bundesrat nach wie vor der Auffassung, die sein que l'impératif de la conscience est une anomalie, une sorte

Sprecher anlässlich der Zivildienstdebatte im Nationalrat de maladie psychique? Ne faudrait-il pas s'efforcer d'adop-

zum Ausdruck gebracht hat: dass die Lösung in der Einrich- ter, dans la loi et dans la jurisprudence, une formation plus

tung eines zivilen Ersatzdienstes bestehen muss? Ist er objective?

demzufolge ebenfalls der Meinung, dass die Verwirklichung 4. La motion Segmüller accueillie favorablement par le

der vom Nationalrat überwiesenen Motion Segmüller Conseil fédéral parle d'«objecteurs de conscience authenti-

(«Entkriminalisierung» der Dienstverweigerer aus echten ques». Elle ne contient aucune indication quant aux motifs

Gewissensgründen beim Vollzug der Strafe) höchstens eine de nature religieuse ou morale. Le gouvernement admet-il

provisorische Lösung darstellen kann? que ce que l'on nomme des motifs de conscience, qu'ils

3. Glaubt der Bundesrat nicht auch, dass der heute auf- soient de nature religieuse, (individuelle-)éthique ou autre,

grund des geltenden Militärstrafrechtes immer noch herr- par ex. sociale (et en ce sens politique) peuvent souvent

schende Begriff der «schweren Gewissensnot» veraltet ist, s'entremêler au point de se révéler indissociables et que,

indem er den Eindruck erweckt, als sei der Imperativ des pour cette raison, il faut renoncer totalement à établir de

Gewissens eine Anomalie, eine Art seelischer Krankheit? telles distinctions dans la législation?

Müsste man sich nicht in Gesetz und Praxis um eine sachge- 5. Des entretiens permettent certes de déterminer plus ou

mässere Diktion bemühen? moins la nature des motifs de conscience, mais il paraît

4. Die Motion Segmüller, die der Bundesrat ausdrücklich difficile d'en déceler la force qui, finalement pourtant, est

begrüsst hat, spricht von «echten Militärdienstverweigerern déterminante en l'occurrence. Ne faut-il pas, pour cette

aus Gewissensgründen». Der Wortlaut enthält keinen Hin- raison, considérer quand même la preuve par l'acte, soit

weis auf «religiöse und ethische Gewissensgründe». Aner- l'accomplissement d'un service de remplacement plus long,

kennt der Bundesrat, dass sich sogenannte religiöse, soge- comme l'élément relativement le plus convaincant, sur ce

nannte (individual-)ethische und andere, zum Beispiel point décisif? Mais à présent que le peuple et les cantons

gesellschaftliche (und in diesem Sinne: politische) Gewis- ont décidé qu'il ne fallait pas s'en remettre au seul jugement

senmotive oft zum Verwechseln ähnlich sehen bzw. ineinan- de chacun pour ce qui est de la preuve, mais qu'un organe

der übergehen können und dass es darum tunlich ist, auf représentant les pouvoirs publics devait avoir son mot à

solche Unterscheidungen in der Gesetzgebung überhaupt dire, il faut se poser la question suivante: Comment sera-t-il

zu verzichten. possible, de l'avis du Conseil fédéral, de combiner l'idée de

la preuve par l'acte sous une forme crédible avec l'interven-

5. Zwar lässt sich die Art der Motivation des Gewissens tion d'une commission constituée par l'Etat?

durch Gespräche einigermassen erkunden, weniger jedoch

6. Il est incontestable qu'un service civil de remplacement

die Stärke dieser Motivation, auf die es aber letztlich

ne peut être considéré comme valable que s'il pose des

entscheidend ankommt. MUSS darum nicht doch der Tatbe-

exigences équivalant à celles du service militaire. Comment,

weis durch Leistung eines verlängerten Ersatzdienstes als

der relativ sicherste Beweis in diesem entscheidenden dans ses Grandes lignes, le service civil pourrait-il être

conçu afin que, dans tous les aspects principaux, il ne pose

Punkt angesehen werden? Nachdem nun aber Volk und

pas en moyenne d'exigences moindres que le service mili-

Stände entschieden haben, dass das Antreten des Tatbewei-

ses nicht in die alleinige Entscheidung des einzelnen gelegt taire?

werden soll, ohne die Mitsprache eines Organs der staatli- Mitunterzeichner - Cosignataires: Ammann-St. Gallen,

chen Gemeinschaft, stellt sich die Frage: In welcher Weise Bäumlin, Bircher, Bratschi, Braunschweig, Bundi.Chopard,

kann nach Meinung des Bundesrates der Gedanke des Deneys, Dünki, Eggenberg-Thun, Eggli-Winterthur, Euler,

Tatbeweises in würdiger Form mit der Wirkung einer vom Fankhauser, Fehr, Günter, Hubacher, Jaeger, Jaggi, Lanz,

Staat bestellten Kommission kombiniert werden? Leuenberger Ernst, Leuenberger Moritz, Maeder-Appenzell,

6. Es muss als unbestritten vorausgesetzt werden, dass ein Mauch, Meyer-Bern, Meizoz, Morf, Müller-Zürich, Nauer,

ziviler Ersatzdienst nur dann sinnvoll ist, wenn er dem Mili- Neukomm, Pitteloud, Reimann, Riesen-Freiburg, Robbiani,

tärdienst äquivalente Anforderungen stellt. Wie könnte, in Robert, Rubi, Ruch-Zuchwil, Ruffy, Schmid, Stamm Walter,

Grundzügen, ein Zivildienst nach Meinung des Bundesrates Stappung, Uchtenhagen, Vannay, Wagner, Weber Monika,

ausgestaltet sein, damit er in allen wichtigen Hinsichten im Weber-Àrbon (45)

Durchschnitt keine geringere Belastung mit sich bringt als

der Militärdienst? Schriftliche Begründung - Développement par écrit

Zu Frage 2: Das Anliegen der echten Militärdienstverweige-

Texte de l'interpellation du 5 mars 1984 rer aus Gewissensgründen erschöpft sich nicht darin, nicht

Des porte-parole du Conseil fédéral, de l'armée et de pres- wie Kriminelle bestraft zu werden, wie dies die Motion Seg-

que tous les partis ont souligné que le problème des objec- müller vorsieht. Es geht ihnen vielmehr darum, überhaupt

teurs de conscience devait enfin être résolu de manière nicht schuldig gesprochen zu werden, da sie ja zur Leistung

correcte. Je pose à ce sujet les questions suivantes au eines gleichwertigen Dienstes für die Gemeinschaft bereit

Conseil fédéral: sind.

Interpellation Herczog 1006 N 22 juin 1984

Zu Frage 3: Der kategorische Imperativ des Gewissens kann #ST# 84.309

auf sehr verschiedene Art erlebt werden, nicht nur als

Interpellation Herczog

«schwere Not». Ein Mensch, der genau weiss, welchen Weg

er aufgrund seiner ethischen Maximen zu gehen hat, kann Militärtechnologie-Export nach Südafrika

diese innere Klarheit auch als Erhebung seines Selbst- Exportation de technologie militaire

gefühls, seiner persönlichen Identität, erfahren. Deswegen vers l'Afrique du Sud

ist sein Gewissensentscheid nicht etwa weniger wert! Ein

Abrücken von dem alten Begriff der «schweren Gewissens-

not» könnte auch dazu verhelfen, dass zum Beispiel einem

religiösen Dienstverweigerer nicht mehr Fragen vorgelegt

werden wie: «Haben Sie Angst, in die Hölle zu kommen?» Wortlaut der Interpellation vom 5. März 1984

Fragen, die von vielen modernen Christen als unwürdig und

verletzend empfunden werden müssen. Denn ein Christ Gemäss Ausführungen der Zeitschrift «teil» (Nr. 4/5 1984)

gründet sein ethisches Verhalten nicht auf Angst vor Höllen- hat die Oerlikon-Bührle AG in den Jahren 1980 bis 1983

strafen, sondern auf Liebe zu Gott und Respekt vor dem durch den Export von Militärtechnologie nach Südafrika

göttlichen Willen. sowohl die UNO-Embargo-Bestimmungen als auch das

Kriegsmaterialgesetz verletzt. Ich bitte in diesem Zusam-

Zu Frage 4: Ein religiöser Mensch könnte zum Beispiel menhang den Bundesrat um die Beantwortung folgender

sagen: «Ich glaube, dass Gott Frieden unter den Menschen Fragen:

und eine gewaltfreie Menschheit will. Ich will dem Willen

Gottes gehorchen, denn einige Menschen müssen in aller 1. Ist dem Bundesrat bekannt, dass gemäss südafrikani-

Konsequenz den Anfang machen.» Ein Agnostiker dagegen schem Patentjournal die Oerlikon-Bührle AG in den Jahren

könnte sagen: «Wenn ich überzeugt bin, dass nur eine 1980 bis 1983 eine ganze Anzahl von Patenten für Militär-

gewaltfreie, friedliche Gesellschaft wahrhaft human ist und technologie (unter anderem Zeitzünder, Dumdum-

dass ein solcher Zustand erreicht werden kann, wenn nur geschosse, ballistische Zusätze für Projektile) in Südafrika

alle wollten, dann ist es an mir, an meinem Ort die Konse- angemeldet hat? Wieweit ist die Schweizer Firma des

quenzen zu ziehen und einen Anfang zu machen.» Dereine gesamten Konzerns an diesen Patentanmeldungen betei-

Entscheid könnte als «religiös», der andere als «politisch» ligt? Ist der Bundesrat auch der Ansicht, dass derartige

qualifiziert werden. Dennoch haben beide Menschen in glei- Patentanmeldungen den Technologie-Exporten gleichzu-

cher Weise nach dem Prinzip des kategorischen Imperativs setzen sind?

gehandelt. Obschon der eine den Namen Gottes erwähnt, 2. Ist der Bundesrat auch der Ansicht, dass durch diese

der andere nicht, ist ihr Entscheid in seiner sittlichen Sub- Tatsachen sowohl die UNO-Résolution Nr. 418 vom

stanz derselbe oder mindestens analog zu nennen. 4. November 1977 als auch das Bundesgesetz über das

Zu Frage 5: Der Unterscheidung zwischen Art und Stärke Kriegsmaterial verletzt wurden?

der Gewissensmotivation ist in der ganzen Dienstverweige- 3. Welche Massnahmen wird der Bundesrat ergreifen, um

rerdebatte bisher wohl noch zu wenig Aufmerksamkeit die weltweiten Exporte von Militärtechnologie durch

geschenkt worden, obschon sie eigentlich durch die alte Schweizer Firmen nach Südafrika zu verhindern?

Lehre vom «irrenden Gewissen» längst vorbereitet war. Aus

diesem Grund hat man wohl auch die Idee des «Tatbewei- Texte de l'interpellation du 5 mars 1984

ses» nicht differenziert genug gewürdigt. Es liesse sich aber Si l'on ajoute foi à des déclarations publiées par tell (n"4/5

wohl ein Konzept vorstellen, welches die Entscheidung zum 1984), la SA Oerlikon-Bührle a violé en 1980 à 1983, tant les

Tatbeweis dialogisch denkt, d.h. sie im Kontext eines injonctions d'embargo de l'ONU que la loi fédérale sur le

Gespräches mit Vertretern der Gemeinschaft situiert. matériel de guerre, en exportant de la technologie militaire

Zu Frage 6: Die Motivation des Gewissens im Sinne von vers l'Afrique du Sud. A ce sujet, j'invite le Conseil fédéral à

Friede, Gewaltlosigkeit und Ehrfurcht vor dem Leben sollte répondre aux questions suivantes:

nicht durch andersartige Motivationen wie blosse Abnei- 1. Sait-il que, selon le journal sud-africain des brevets, la SA

gung gegen Disziplin und Subordination unterwandert wer- Oerlikon-Bührle a, de 1980 à 1983, annoncé eu Afrique du

den können. Dem ist bei der Konkretisierung des Zivildien- Sud quantité de brevets se rapportant à la technologie

stes Rechnung zu tragen. militaire (notamment aux fusées à temps, aux projectiles

Antwort des Bundesrates dum-dum, aux compléments balistiques pour projectiles)?

Jusqu'à quel point l'entreprise suisse englobée dans l'en-

siehe Seite 990 hiervor semble du consortium international est-elle intéressée à ces

(Interpellation 84.313 Humbel) demandes de brevets? Le gouvernement estime-t-il aussi

que de tels dépôts de brevets équivalent à des exportations

Réponse du Conseil fédéral

de technologie?

voir page 990 ci-devant

2. Est-il de l'avis qu'en raison de ces actes, tant la résolution

(Interpellation 84.313 Humbel) n°418 de l'ONU, du 4 novembre 1977, que la loi fédérale sur

Abstimmung - Vote le matériel de guerre ont été violées?

Für den Antrag auf Diskussion 58 Stimmen 3. Quelles mesures le Conseil fédéral compte-t-il prendre

Dagegen 38 Stimmen aux fins d'empêcher que des entreprises suisses ne se

livrent à de nouvelles exportations de technologie militaire à

destination de l'Afrique du Sud?

Mitunterzeichner- Cosignataires: Carobbio, Gurtner, Mas-

carin (3)

Schriftliche Begründung - Développement par écrit

Die UNO hat in ihrer Resolution Nr.418 vom 4. November

1977 ausdrücklich die Vergabe von Produktionslizenzen in

die Waffenembargo-Bestimmungen aufgenommen. Auch

die Schweiz verbot unabhängig und noch vor der UNO alle

Waffenausfuhren nach Südafrika. Zudem wird im Kriegsma-

terialgesetz jegliche Ausfuhr untersagt, die «zwischenstaat-

lichen Vereinbarungen widerspricht» (Art. 10).

Die Zeitschrift «teil» (Nr. 4/5 1984) liefert nun Beweise dafür,

Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften

Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées

Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali

Interpellation Ott Militärdienstverweigerer aus Gewissensgründen

Interpellation Ott Objecteurs de conscience

In Amtliches Bulletin der Bundesversammlung

Dans Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale

In Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale

Jahr 1984

Année

Anno

Band III

Volume

Volume

Session Sommersession

Session Session d'été

Sessione Sessione estiva

Rat Nationalrat

Conseil Conseil national

Consiglio Consiglio nazionale

Sitzung 15

Séance

Seduta

Geschäftsnummer 84.320

Numéro d'objet

Numero dell'oggetto

Datum 22.06.1984 - 08:00

Date

Data

Seite 1005-1006

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Ref. No 20 012 580

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