Legislator Rechtsprechung & Gesetzgebung
VPB 84-310 KI-generiert

Switzerland to Maintain UNESCO Membership Despite Concerns

Geschäftsnummer VPB 84-310
Gericht / Behörde
Rechtsordnung Schweiz · Verwaltungspraxis der Bundesbehörden (VPB) (CH)
Entscheiddatum
Ausgang Abgewiesen (Dismissed)

Legislator-Zusammenfassung

KI-generiert

The Federal Council addressed concerns regarding Switzerland's membership in international organizations, particularly UNESCO, in response to parliamentary interpellations. While acknowledging issues within UNESCO concerning financial mismanagement, politicization, and potential restrictions on press freedom, the Council affirmed its intention to maintain Switzerland's membership. The government emphasized its critical yet constructive engagement, highlighting Switzerland's consistent opposition to initiatives that could infringe upon freedom of expression and its efforts to foster dialogue and reform. The Council also reiterated that these considerations do not undermine the rationale for Switzerland's potential accession to the UN, asserting that a critical stance within international bodies is part of its responsibility.

Legislator-Regeste

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Art. 66 al. 1 LTF; Switzerland to Maintain UNESCO Membership Despite Concerns: While acknowledging issues within UNESCO concerning financial mismanagement, politicization, and potential restrictions on press freedom, the Council affirmed its intention to maintain Switzerland's membership. The government emphasized its critical yet constructive engagement, highlighting Switzerland's consistent opposition to initiatives that could infringe upon freedom of expression and its efforts to foster dialogue and reform. The Council also reiterated that these considerations do not undermine the rationale for Switzerland's potential accession to the UN, asserting that a critical stance within international bodies is part of its responsibility.

Schlagwörter

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Internationale Organisationen Mitgliedschaft E-Government Luganer Übereinkommen Regierungskonferenz Meinungsäusserungsfreiheit

Zitierte Gesetzesbestimmungen

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Zentrale Rechtsfragen, extrahiert von Legislator

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Art. 66 al. 1 LTF

Applied to determine the costs of the proceedings.

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Volltext

15.Juni 1984 N 801 Interpellationen Sager/Hegg

soient bien claires, je voudrais simplement préciser que ce Ist der Bundesrat nicht auch der Ansicht, dass eine kritische

projet ne concerne pas uniquement le projet LEP. Notre Haltung der Schweiz in internationalen Organisationen den

Parlement'a déjà discuté de ce projet LEP et il n'est pas bevorstehenden Volksentscheid zugunsten der UNO positiv

question d'y revenir. Le prêt que l'on nous demande de voter beeinflussen würde?

aujourd'hui ne concerne pas exclusivement ce projet-là.

Texte de l'interpellation du 5 mars 1984

M. Aubert, conseiller fédéral: Je ne me déroberai pas à la Le Conseil fédéral est-il disposé à présenter au Parlement un

question, posée par M. Longet, qui a déjà fait l'objet de bien rapport sur les problèmes que connaît l'UNESCO et à revoir

des préoccupations en son temps. Je rappellerai simple- le cas échéant la question de savoir s'il convient que notre

ment que le Conseil fédéral avait donné son accord pour la pays reste membre de cette organisation?

construction de ce «collisionneur» LEP - abréviation de N'est-il pas d'avis qu'une attitude critique de la Suisse au

Laboratoire à Electrons-Positons - à des conditions extrê- sein des organisations internationales influencerait favora-

mement strictes, à savoir que toutes les normes suisses sur blement la votation populaire qui aura lieu sur l'adhésion de

la protection de l'environnement et sur la santé publique notre pays à l'ONU?

soient respectées. L'observation de ces normes a été l'une

Mitunterzeichner - Cosignataires: Bühler-Tschappina,

des conditions essentielles à l'octroi, par les autorités gene-

Eisenring, Fischer-Hägglingen, Geissbühler, Graf, Hofmann,

voises, du permis de construction délivré au CERN pour le

Hösli, Martignoni, Müller-Wiliberg, Nebiker, Neuenschwan-

LEP. En outre, lors des travaux de construction et pendant

der, Rutishauser, Uhlmann (13)

l'utilisation du LEP, une surveillance rigoureuse doit être

exercée par une commission dont font partie les services Schriftliche Begründung - Développement par écrit

compétents de la Confédération et du canton de Genève; Seit 1976 haben sich Generaldirektion und gewisse Mitglied-

nous en avons reçu l'assurance. Cette commission existe. staaten der UNESCO um eine neue «Weltinformations- und

D'autre part, il y a la décision prise par le Grand Conseil -kommunikationsordnung» bemüht. Trotz Milderung der

genevois, le 12 décembre 1983, qui demandait la constitu- ursprünglich plakatierten Absichten würde eine solche

tion d'une instance de consultation permanente entre les Medienordnung die Freiheit der Presse tangieren. Darum

communes, les populations locales et le CERN. hat die schweizerische Delegation in verdienstvoller Weise

Je puis vous dire, Monsieur Longet, que les autorités gene- eine kritische Haltung eingenommen.

voises n'ont pas encore approché la Confédération à ce Dennoch mehren sich die Anzeichen, dass die UNESCO

sujet. Nous sommes en faveur, je vous en donne acte, de zunehmend zum Sprachrohr einer antiwestlichen Ideologie

toutes les mesures destinées à maintenir, voire à renforcer le umfunktioniert wird. Ferner gibt es Hinweise auf eine pro-

dialogue entre la Direction du CERN et les habitants de la blematische Finanzverwaltung.

région. Vous avez porté, aujourd'hui, publiquement à notre Diese Entwicklungen haben die USA dazu geführt, einen

connaissance cette décision genevoise de constituer une Entscheid über ihren weiteren Verbleib in der UNESCO

instance de consultation permanente. Nous ne manquerons Ende 1984 in Aussicht zu nehmen. Grossbritannien und die

pas de prendre contact avec le Conseil d'Etat de la Républi- Bundesrepublik Deutschland haben ebenfalls gewarnt, dass

que et Canton de Genève. sie ihre Mitgliedschaft überprüfen, falls die notwendigen

Eintreten wird ohne Gegenantrag beschlossen Korrekturen nicht erfolgen. Auch Dänemark gehört zu den

langjährigen Kritikern der UNESCO.

Le conseil décide sans opposition d'entrer en matière

Angesichts dieser Lage wäre es nützlich, wenn der Bundes-

rat ein ähnliches Signal setzte, um beizutragen, dass die

Detailberatung - Discussion par articles

UNESCO auf den neutralen Kurs zurückkehrt, den sie

Titel und Ingress, Art. 1 und 2 gemäss ihrem Statut verfolgen müsste. Mit einer entspre-

Antrag der Kommission chenden Erklärung soll nicht ohne Not eine «Politik des

leeren Sitzes» eingeleitet, sondern die aktive und kritische

Zustimmung zum Entwurf des Bundesrates Teilnahme der Schweiz an internationalen Organisationen

bekundet werden.

Titre et préambule, art. 1 et 2

Proposition de la commission

Adhérer au projet du Conseil fédéral

Angenommen - Adopté

#84.310

ST#

Gesamtabstimmung - Vote sur l'ensemble Interpellation Hegg

Zur Annahme des Beschlussentwurfes 81 Stimmen

(Einstimmigkeit) Schweiz und UNESCO

La Suisse et l'UNESCO

An den Ständerat - Au Conseil des Etats

Wortlaut der Interpellation vom 5. März 1984

#ST# 84.307 Die Vereinigten Staaten von Amerika haben ihre Mitglied-

Interpellation Sager schaft bei der UNESCO aufgekündigt. Als Gründe für diesen

Schritt wurden finanzielle Misswirtschaft, Korruption, Ver-

UNESCO. Mitgliedschaft der Schweiz politisierung der Organisation und Anschläge der UNESCO

La Suisse et ('UNESCO auf die Presse- und Meinungsfreiheit angegeben.

1. Teilt der Bundesrat die Überzeugung der US-amerikani-

schen Regierung, dass die erhobenen Vorwürfe zutreffen?

2. Wie sieht der Bundesrat die Mitgliedschaft der Schweiz

in der UNESCO in Anbetracht des zukünftigen Abseitsste-

Wortlaut der Interpellation vom 5. März 1984 hens der USA von dieser Organisation im Lichte der Neutra-

Ist der Bundesrat bereit, über die teils problematischen litätspolitik? Ist namentlich die Mitgliedschaft der Schweiz

Entwicklungen in der UNESCO dem Parlament Bericht zu in einer Organisation, die politisiert ist und in deren Berich-

erstatten und allenfalls die Mitgliedschaft unseres Landes in ten nicht nur gegen die USA, sondern gegen fast alle Natio-

dieser Organisation zu überprüfen?

Interpellations Sager/Hegg 802 N 15 juin 1984

nen der westlich-freiheitlichen und demokratischen Welt in treffen. Daraus ergeben sich häufig Situationen, in denen

demagogischer Weise polemisiert wird, indem gegen sie die Standpunkte unvereinbar sind.

leichtfertig unhaltbare moralische Anklagen erhoben wer- Wenn sich unser Land den Anstrengungen anderer Staaten

den, mit unserer traditionellen Neutralitätspolitik noch ver- anschliesst, deren Ansichten unseren nahestehen, kann es

einbar? mithelfen, dass die Organisation in ihrer Tätigkeit den in der

3. Ist die Mitgliedschaft der Schweiz in der UNESCO in Satzung festgelegten Auftrag nicht überschreitet und dass

Anbetracht deren Bestrebungen, die Presse- und Meinungs- die politischen Meinungsverschiedenheiten zwischen den

freiheit durch eine «neue Weltinformationsordnung» einzu- Mitgliedstaaten die Erfüllung der speziellen Aufgaben nicht

schränken, noch mit den Grundsätzen der Bundesverfas- behindern.

sung vereinbar? Während der beiden letzten Generalkonferenzen der

UNESCO in den Jahren 1982 und 1983 bekräftigte der

4. Was für Auswirkungen hat der Austritt der USA aus der

schweizerische Delegationschef die von unserem Land der

UNESCO auf die Absicht des Bundesrates, die Schweiz in

die UNO zu führen? Zusammenarbeit mit den Mitgliedstaaten innerhalb der

UNESCO beigemessene Bedeutung erneut, übte aber

Texte de l'interpellation du 5 mars 1984 gleichzeitig substantielle Kritik an einzelnen Teilen des Pro-

Les Etats-Unis d'Amérique se retirent de l'UNESCO. Ils ont grammes. Er gab der Besorgnis Ausdruck, mit der unsere

invoqué comme motifs la mauvaise gestion financière, la Behörden und interessierte Kreise in unserem Land gewisse

corruption, la politisation de l'organisation et ses atteintes à Entwicklungen verfolgten.

la liberté de presse et d'opinion. Diese Interventionen waren geprägt vom Willen zum Dialog

und von konstruktiv verstandenen Überlegungen. Unser

1. Le Conseil fédéral est-il d'accord avec les accusations du

Land hat nicht verfehlt, auf Fehlentwicklungen in der

gouvernement américain? UNESCO hinzuweisen; es hat es aber auch nicht unterlas-

2. Compte tenu de notre politique de neutralité, le retrait sen, die Verdienste dieser Organisation hervorzuheben. Die

des Etats-Unis de l'UNESCO influencera-t-il le Conseil fédé- Schweiz ist in der Tat der Meinung, dass die UNESCO-von

ral en ce qui concerne la participation de la Suisse à cette gewissen kontroversen Aktivitäten abgesehen - eine nützli-

organisation? L'appartenance de notre pays à une organisa- che und verdienstvolle Arbeit auf zahlreichen Gebieten ver-

tion politisée qui, dans ses rapports, attaque de façon déma- richtet, so vor allem auf denen der Alphabetisierung, der

gogique non seulement les Etats-Unis mais aussi presque Anerkennung von Diplomen, der Ausbildung von Lehrkräf-

toutes les démocraties occidentales en portant contre elles, ten, der wissenschaftlichen Programme, der Rettung histori-

à la légère, des critiques insoutenables, est-elle encore scher Denkmäler und der normativen Tätigkeit auf dem

compatible avec notre politique traditionnelle de neutralité? Gebiet der Autorenrechte.

3. La participation de la Suisse à l'UNESCO - qui cherche à In bezug auf die normativen Initiativen der UNESCO im

restreindre la liberté de presse et d'opinion au moyen d'un Kommunikationsbereich hat die Schweiz seit jeher eine

«nouvel ordre mondial de l'information» - est-elle encore klare und unmissverständliche Haltung vertreten. Schon

conciliable avec les principes de notre constitution? anlässlich der Generalkonferenz in Belgrad im Jahre 1980

4. Quelle influence le retrait des Etats-Unis aura-t-il sur schloss sich die Schweiz als einziges Land nicht dem Kon-

l'intention du Conseil fédéral de faire adhérer la Suisse à sens an, mit dem die Resolution über die Schlussfolgerun-

l'ONU? gen des Berichtes der von Sean MacBride geleiteten inter-

nationalen Studienkommission für Probleme der Massen-

Mitunterzeichner- Cosignataires: Oehen, Ruf-Bern, Soldini medien angenommen wurde. Sie war ebenfalls das einzige

(3) Land, das eindeutig Stellung gegen die Erteilung eines

Mandates an die UNESCO bezog, eine Erklärung zu einer

Schriftliche Begründung - Développement par écrit neuen Weltinformations- und -kommunikationsordnung

Der Urheber verzichtet auf eine Begründung und wünscht auszuarbeiten. Auch hat sich die Schweiz an den beiden

eine schriftliche Antwort. letzten Generalkonferenzen der UNESCO klar gegen Versu-

che gewisser Staaten verwahrt, die Presse- und Meinungs-

Schriftliche Stellungnahme des Bundesrates äusserungsfreiheit zu beeinträchtigen.

Rapport écrit du Conseil fédéral Die Schweiz wird auf jeden Fall fortfahren, sich jedem Ver-

Der Bundesrat ist sich der Probleme bewusst, die bei der such zu widersetzen, der die in unserer Verfassung als

UNESCO aufgetreten sind, und verfolgt aufmerksam die Grundsatz verankerte Meinungsäusserungsfreiheit - und

Vorgänge innerhalb dieser Organisation. Die Schweiz hat damit die Pressefreiheit - einzuschränken beabsichtigt.

übrigens im Verlauf der letzten Jahre nicht verfehlt, wieder- Der Bundesrat anerkennt, dass die UNESCO innerhalb der

holt auf Entwicklungen hinzuweisen, die zur heutigen Krise Familie der Vereinten Nationen eine Organisation ist, deren

geführt haben. Funktionieren zu wünschen übrig lässt. Er ist dennoch der

Auch wenn der Bundesrat die Gründe versteht, welche die Ansicht, dass die Gründe, die ihn bewogen haben, den

USA bewogen haben, ihren Austritt aus der UNESCO auf Beitritt zur UNO zu beantragen, nach wie vor uneinge-

Ende des Jahres 1984 anzukünden, bedauert er diese Ent- schränkt gültig sind. Sie werden dadurch nicht in Frage

scheidung, die den universellen Charakter der Organisation gestellt, dass innerhalb des Systems der Vereinten Nationen

beeinträchtigt. eine Organisation nicht zu unserer vollen Zufriedenheit ar-

Der Bundesrat seinerseits beabsichtigt nicht, die Mitglied- beitet.

schaft der Schweiz bei der UNESCO in Frage zu stellen. Er Der Bundesrat ist im übrigen der Ansicht, dass eine kritische

ist der Ansicht, dass unser Land bei den laufenden Bemü- und sich auf Tatsachen stützende Haltung der Schweiz zu

hungen, eine Reihe sich aufdrängender Reformen in die ihrer Verantwortung als Mitgliedstaat gehört, und zwar

Wege zu leiten, eine nützliche Rolle spielen kann, wenn sie unabhängig von der Aussicht auf eine Volksabstimmung

in der Organisation verbleibt. Das Eidgenössische Departe- über den Beitritt unseres Landes zur UNO.

ment für auswärtige Angelegenheiten steht dazu in engem

Kontakt mit den westlichen Ländern und nimmt mit diesen Präsident: Beide Interpellanten beantragen Diskussion.

regelmässig Konsultationen über das weitere Vorgehen vor. Entsteht diesem Antrag aus der Mitte des Rates Opposition?

Es beteiligt sich ebenfalls am Dialog mit gewissen Ländern - Es ist nicht der Fall.

der Dritten Welt, unter denen viele unsere Sorge über die

Lage der UNESCO teilen. Sager: Es ist nicht meine Absicht, hier eine Polemik über

Zielsetzung und Aufgabenbereich der UNESCO erlauben es Irrungen und Verwirrungen der UNESCO vom Zaun zu bre-

ihr nicht, ausserhalb der grossen politischen Debatten unse- chen. Anlass dazu böten die vom Generaldirektor produ-

rer Zeit zu bleiben, in denen gegensätzliche Konzeptionen zierte neue Weltinformations- und -kommunikationsord-

und Erwartungen sich gegenüberstehen und aufeinander- nung sowie einige weitere unerfreuliche Entscheidungen,

15. Juni 1984 N 803 Interpellationen Sager/Hegg

mit denen sich die Weltpresse in letzter Zeit recht eingehend Schweiz bzw. ihre Bundesverfassung eindeutig zur geisti-

auseinandergesetzt hat. Diese Entwicklungen sind ein gen Freiheit und dadurch zur Gruppe der Nationen, die

Grund dafür, dass neben den Vereinigten Staaten auch diesen Wert hochhält und verteidigt. Auch im Hinblick auf

andere Länder, darunter Grossbritannien, die Bundesrepu- einen eventuellen UNO-Beitritt sind diese Dinge zu ge-

blik Deutschland und Dänemark, ihre Mitgliedschaft in der wichten.

UNESCO überprüfen.

Die schweizerische Delegation in der UNESCO hat seit Jah- Bäumlin: Wir haben hier zwar nichts zu entscheiden; es

ren in verdienstvoller Weise auf die Gefahren aufmerksam handelt sich um eine Interpellation. Ich möchte aber nicht,

gemacht, die der Pressefreiheit durch die sogenannte neue dass die Äusserungen der beiden Vorredner einfach unwi-

Weltinformations- und -kommunikationsordnung drohen dersprochen stehenbleiben.

könnten. Teilerfolge dieses Einsatzes sind erfreuliche Die Aussage, die UNESCO sei «verpolitisiert», ist sonderbar.

Ergebnisse dieser Haltung. Unsere Delegation hat unermüd- Die UNESCO hat sich mit Erziehung, Wissenschaft und

lich auch die Verpolitisierung dieser bedeutenden Unteror- Kultur zu befassen. Es ist immer eine politische Frage,

ganisation der UNO kritisiert. welches die richtige Kultur ist (was kulturell zu fördern ist,

Die Haltung unseres Landes als UNESCO-Mitglied ist im welche Wissenschaft zu fördern ist usw.). Das Erziehungs-

Parlament und im Volk viel zu wenig bekannt. Das ist bedau- wesen ist durch und durch politisch. Wer das nicht zugibt,

erlich, zumal die Mitgliedschaft unseres Landes in interna- erhebt einen Objektivitätsanspruch, der sich über alles stellt

tionalen Organisationen als selbständiges Element von und nur das eigene gelten lässt - als höchste und angeblich

wachsender Bedeutung unserer Neutralitätspolitik zu ver- «unpolitische» Instanz. Es geht in der UNESCO um Politik -

stehen ist und sich gleichberechtigt neben Solidarität, Uni- ich möchte nicht alles beschönigen, beileibe nicht, wo gibt

versalität und Disponibilität stellt. Daher möchte ich den es nicht Ungereimtheiten? -, um eine Politik, die den

Bundesrat einladen, ohne hier einer «Rapportitis» zu verfal- Entwicklungsländern erlaubt, zahlenmässig stärker zum

len, auf die Frühjahrssession nächsten Jahres einen Bericht Zuge zu kommen. Hier haben sie die Möglichkeit, ein biss-

über die Entwicklungen in der UNESCO und die Haltung chen Gegensteuer zu geben, zum Beispiel gegen die

unserer Delegation zu erstatten. Derweil ich keineswegs Entwicklung, die über die internationalen Währungsorgani-

einen Rückzug unseres Landes aus der UNESCO beantrage sationen gesteuert wird. Dort haben nämlich die Industrie-

oder befürworte, könnte in diesem Bericht zum Ausdruck länder das Sagen; und mit ihrer internationalen Wirtschafts-

gebracht werden, dass unsere Mitgliedschaften in interna- politik zerstören sie gleichzeitig die eigenständige Kulturpo-

tionalen Organisationen durchaus überprüfbar sind. Von litik vieler Länder. Deshalb ist dieses Gegengewicht in der

einem solchen Bericht erhoffe ich Erfolge insbesondere auf UNESCO notwendig!

drei Ebenen: Und jetzt dieses Lamento über die Beschränkung der Pesse-

1. Bessere Orientierung über die Haltung unseres Landes in freiheit! Man rhuss wissen, worum es hier geht. Anvisiert ist

internationalen Organisationen; offensichtlich der Mac-Bride-Bericht, der eine neue Weltin-

formations- und -kommunikationsordnung will. Über die

2. wachsendes Verständnis dafür, dass solche Mitglied-

schaften im Dienst unserer Neutralitätspolitik stehen; Details einer solchen Ordnung müsste man diskutieren. Da

möchte auch ich keinen Blankocheck ausstellen. Aber

3. im konkreten Fall auch ein meines Erachtens erwünsch- worum geht es? Es soll ein Gegengewicht gegen das

tes Signal an die UNESCO, dass unsere Mitgliedschaft nicht geschaffen werden, was sich heute freier Informationsfluss

bedingungslos ist. nennt, in Wirklichkeit aber Hegemonie bedeutet: eine kultu-

Erfolge auf diesen drei Ebenen würde im Volk die Einsicht relle und ideologische Hegemonie der Industrienationen

verbreiten und vertiefen, dass eine schweizerische Mitglied- unter Führung der USA nämlich, die den wirtschaftlichen

schaft auch in der UNO als Element der Neutralitätspolitik zu Hegemonieanspruch begleitet und unterstützt. Darübergibt

verstehen ist und dass unsere Haltung in allen internationa- es wissenschaftliche Studien. Eine französische Studie habe

len Organisationen der Bekundung unseres Interesses ich schon einmal in diesem Haus zitiert; sie zeigt mit einer

dient, und das ist: Frieden, Freiheit und Unabhängigkeit für Überfülle von Belegen, wie diese hegemoniale Tendenz

alle Völker. planmässig, namentlich von den USA, von staatlicher Seite

her im Verein mit vielen Firmen, gefördert wird. Sie müssten

Hegg: Ich bin über die Antwort des Bundesrates auf meine sich einmal das Fernsehen in der Dritten Welt ansehen, wo

Interpellation deshalb vor allem enttäuscht, weil die Schweiz die Ideologie der Konsumgesellschaft, die Coca-Cola-

nicht bereit ist, ein deutlicheres Zeichen der Missbilligung Reklame und die Waschmittelreklame, bis in die hinterste

zu gewissen unguten Entwicklungen im Schosse der Hütte eindringt - auch in Slums -, diese Ideologie, die jede

UNESCO zu setzen. Über die finanzielle Misswirtschaft Lebensform zu zerstören sucht, die ihr nicht entspricht!

könnte man noch hinwegsehen; sie ist nicht besser, aber Herr Hegg, Sie verstehe ich zuletzt! Sie wollen ein «dynami-

auch nicht viel schlechter als in anderen internationalen, sches Gleichgewicht» und sehen nicht, dass die erwähnten,

UNO-nahen Organisationen. weltweit verfolgten Strategien dieses dynamische Gleichge-

Bedenklicher für mich sind die ständig wiederkehrenden wicht mehr und mehr zerstören, wo es noch in Resten

Bestrebungen innerhalb der UNESCO, die geistigen Freihei- vorhanden ist!

ten einzuschränken, vor allem über die schon von meinem Und die Entwicklungsländerdiktaturen, die Sie beklagen:

Vorredner erwähnte neue Weltinformationsordnung, und Sie sind keine Unglücksfälle der Weltgeschichte, sie sind

das geschieht ausgerechnet durch die Organisation, die auch nicht den wilden Sitten fremder Völker und ihrer Unfä-

Wissenschaft und Kultur zu betreuen hat! Wie kann eine higkeit zur Demokratie zuzuschreiben, sondern sie sind die

echte Wissenschaft gedeihen, wenn die geistige Freiheit notwendige Begleiterscheinung einer Entwicklung, bei der

verlorengeht, nämlich die Möglichkeit, innerhalb der man bestimmte Völker zwangsweise in den sogenannten

Machtstrukturen nonkonforme Gedanken zu äussern, auch freien Weltmarkt integriert, dessen Ideologie und Wirklich-

Forschungsergebnisse auszusprechen und zu publizieren, keit man ihnen gegen ihren Willen aufzwingt.

die diesen Machtstrukturen widersprechen? Die Frage ist Der kulturelle, ideologische und ökonomische Hegemonie-

viel ernster zu nehmen, als unsere veröffentlichten Mei- anspruch der Industrienationen tritt überall in der Dritten

nungsträger zuzugeben bereit sind. Es droht nach meiner Welt auf, was leicht nachgewiesen werden kann, wenn-

Berurteilung tatsächlich ein totalitärer Weltstaat durch gleich die Methoden im einzelnen von Land zu Land diver-

Zusammenspiel und Zusammenarbeit des kommunistischen gieren können.

Machtblocks und der totalitär regierten Entwicklungs- Was strebt nun aber die neue Weltinformations- und -kom-

staaten. munikationsordnung an? Sie möchte versuchen, ein besse-

Natürlich kann die Rolle der Schweiz in einem solchen res Gleichgewicht zwischen den Industrienationen und der

Ringen nur eine sehr kleine sein. Aber wir haben hier auch Dritten Welt und damit die Voraussetzungen zu einer wirk-

einen Beitrag zu leisten. Trotz Neutralität bekennt sich die lich internationalen Diskussion zu schaffen. Heute ist das

Interpellations Sager/Hegg 804 N 15 juin 1984

Informationswesen der gesamten westlichen Welt von weni- Claude Cheysson - dans divers pays occidentaux pour dis-

gen kapitalkräftigen Nachrichtenagenturen beherrscht. cuter de l'attitude que l'on devrait adopter vis-à-vis de

Auch was in Lateinamerika, Afrika usw. geschieht, wird l'UNESCO. Ainsi, Mme Halimi a été reçue à Berne, dernière-

durch den Filter dieser Agenturen vermittelt. ment, par le secrétaire d'Etat, M. Brunner, et par l'ambassa-

Die Drittweltländer, die diesen einseitigen Informationsfluss deur Muheim, chef de la Direction des organisations interna-

korrigieren möchten, sind hoffnungslos ins Hintertreffen tionales. En outre, un groupe d'information a été constitué,

geraten. Im Namen der «Freiheit» wird der kulturelle und le groupe Mourik, du nom du délégué permanent des Pays-

wirtschaftliche Hegemonieanspruch der westlichen Indu- Bas à l'UNESCO, qui a élaboré un document énumérant les

strieländer verteidigt, und dabei macht auch die Schweiz principaux problèmes qui affectent ladite organisation.

mit. Ich bin nicht so glücklich über die Politik der Schweiz in D'autre part, des contacts informels ont été pris entre pays

der UNESCO und gerade nicht im Zusammenhang mit dem occidentaux et pays du tiers monde. Enfin, nous venons de

hier erwähnten Problem. Wir marschieren da munter und constater avec plaisir qu'un nouveau directeur général

sehr gehorsam hinter den USA her. Ich bin wirklich entsetzt adjoint a été désigné en la personne d'un Suisse, M. Gérard

und verwundert. Ich möchte den Bundesrat dazu ermuntern, Bolla, qui sera chargé de la réorganisation interne de

in der UNESCO mehr zu wagen und dafür zu sorgen, dass l'UNESCO. En conclusion, aujourd'hui, Messieurs Sager et

unsere Delegation keiner einseitigen Ideologie verfällt, auch Hegg, face à toutes ces propositions, à la constitution de ces

nicht der jetzt dominanten, die sie - wie kaum eine andere comités, à ces travaux dont nous ne connaissons pas

Delegation - unterstützt hat. Der Bundesrat soll freilich auch encore les résultats, je ne suis pas en mesure de vous

nicht gegenüber jedem Vorschlag, der von der anderen donner d'autres renseignements que ceux qui vous ont déjà

Seite vorgebracht wird, unkritisch sein, sich aber dennoch été communiqués par écrit.

fragen, ob man nicht mehr in Richtung eines echten Plura- Nous prenons en tout cas l'engagement de continuer à vous

lismus tun müsste. Gäbe es nur ein bisschen mehr an tenir informés de tous ces problèmes et plus particulière-

echtem Pluralismus, würden mehr Chancen für andere Kul- ment de ceux de l'UNESCO. Je tiens encore à préciser qu'il

turen bestehen und auch zur Geltung kommen. Diese wür- est possible que les Etats-Unis reviennent sur leur retrait. Je

den nicht einfach einem Zerstörungsprozess ausgesetzt voudrais aussi que l'on se rappelle, et je l'ai déjà dit ici, que

sein, der wirtschaftlich motiviert und mittels Militärdiktatur M. Shultz, lui-même, le 17 janvier 1984, à Stockholm, a tenu

durchgesetzt wird. Wir hätten auch weniger Eintopfkultur, des propos très élogieux sur l'UNESCO, sur son rôle, notam-

die mehr und mehr zu einer Unkultur wird. ment en matière d'alphabétisation, de reconnaissance des

diplômes, de formation d'enseignants, de programmes de

M. Aubert, conseiller fédéral: Je voudrais rassurer M. Bäum- recherche scientifique, de sauvetage des monuments, de

lin en lui disant qu'il n'est pas le seul à se poser des droits d'auteur, etc. Les Américains eux-mêmes reconnais-

questions à propos de la politisation de l'éducation, de la sent donc que ('UNESCO a joué dans tous ces domaines un

science et de la culture, «politisation» dans un sens comme rôle essentiel, fondamental, extrêmement important. Tout

dans l'autre. En fait ce que nous désirons, c'est lutter contre n'est donc pas négatif dans les critiques émises par certains

toute politisation de gauche ou de droite. Tel est le mandat pays.

que nous avons donné à la délégation suisse. Je crois qu'une réforme est en marche, attendons-en les

Par contre, je m'élève avec force contre les propos de résultats, en espérant qu'ils soient bons. Dans tous les cas,

M. Hegg, concernant le «nouvel ordre mondial de l'informa- je vous promets de vous tenir au courant de cette évolution.

tion» et l'absence d'attitude critique. Monsieur Hegg, ou

bien vous ne lisez pas les réponses du Conseil fédéral, ou Präsident: Die Interpellanten haben noch die Möglichkeit zu

alors, véritablement, vous n'êtes pas au courant de ce qui se erklären, ob sie von der Antwort des Bundesrates befriedigt

passe à l'Unesco et notamment des déclarations de la délé- sind oder nicht. - Herr Sager ist von der Antwort befriedigt.

gation suisse! En 1980, la délégation suisse a été la seule à Herr Hegg ist es nicht.

ne pas se joindre au consensus sur le résultat de la Commis-

sion Me Bride. Je l'ai précisé à cette tribune lundi dernier,

mais peut-être étiez-vous absent? Toujours en 1980, nous

avons été les seuls à nous opposer à ce nouvel ordre Schluss der Sitzung um 12.10 Uhr

mondial de l'information, dont nous ne voulions pas, parce La séance est levée à 12 h 10

qu'il préfigurait une politisation que nous refusons. La délé-

gation était alors dirigée par M. Félix Schnyder, ancien

ambassadeur, dont les déclarations sont restées célèbres,

qu'elles plaisent ou non. D'autres critiques ont d'ailleurs été

émises par la Suisse. En 1982 et en 1983, lors des confé-

rences générales de Belgrade, notre délégation, conduite

alors par l'ambassadeur Thalmann, ancien secrétaire géné-

ral du Département fédéral des affaires étrangères, a claire-

ment pris position en dénonçant ce que l'on considère

comme des erreurs de fonctionnement et de gestion de

l'UNESCO. Alors que l'on ne vienne pas nous dire aujour-

d'hui que nous n'avons pas émis de critiques!

Pour en revenir à la proposition de M. Sager, qui nous invite

à déposer un rapport sur la position de notre pays dans les

organisations internationales, je vous rends attentifs au tra-

vail considérable que cela représenterait. M. Sager demande

aussi que nous donnions davantage de détails sur notre

activité au sein de l'UNESCO; dans notre réponse, Monsieur

Sager, nous vous avons donné toutes les informations que

nous avons à l'heure actuelle. Vous savez que les Britanni-

ques ont adressé, au début de cette année, une lettre au

directeur général de l'UNESCO, M. M'Bow, accompagnée

d'un document contenant des propositions concrètes

d'amélioration de l'organisation. La France, qui n'est pas

particulièrement un pays proaméricain en matière d'éduca-

tion, de science et de culture, a constitué un Comité des

Sages et a envoyé Mme Gisèle Halimi - déléguée par M.

Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften

Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées

Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali

Interpellation Hegg Schweiz und UNESCO

Interpellation Hegg La Suisse et l'UNESCO

In Amtliches Bulletin der Bundesversammlung

Dans Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale

In Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale

Jahr 1984

Année

Anno

Band III

Volume

Volume

Session Sommersession

Session Session d'été

Sessione Sessione estiva

Rat Nationalrat

Conseil Conseil national

Consiglio Consiglio nazionale

Sitzung 08

Séance

Seduta

Geschäftsnummer 84.310

Numéro d'objet

Numero dell'oggetto

Datum 15.06.1984 - 08:00

Date

Data

Seite 801-804

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Ref. No 20 012 521

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