Constitutional Speed Limits Rejected for Administrative Flexibility
Legislator-Zusammenfassung
KI-generiertThis parliamentary initiative proposed amending the constitution to set general speed limits of 80 km/h on non-highway roads and 100 km/h on highways for light vehicles and motorcycles, with provisions for lower limits on particularly dangerous sections to enhance safety. The court reasoned that while speed limits can contribute to safety and reduce pollution, amending the constitution is an overly cumbersome and inflexible method for such regulations. Existing legislation already grants the Federal Council the authority to set speed limits, allowing for necessary adjustments based on changing circumstances, and the court believed this administrative flexibility was more appropriate than a constitutional mandate which would require a lengthy and complex legislative and public voting process.
Legislator-Regeste
KI-generiertArt. 32 SVG, Art. 37bis Abs. 3 Bundesverfassung; Constitutional Speed Limits Rejected for Administrative Flexibility: The court reasoned that while speed limits can contribute to safety and reduce pollution, amending the constitution is an overly cumbersome and inflexible method for such regulations. Existing legislation already grants the Federal Council the authority to set speed limits, allowing for necessary adjustments based on changing circumstances, and the court believed this administrative flexibility was more appropriate than a constitutional mandate which would require a lengthy and complex legislative and public voting process.
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KI-generiertThis article is the core of the initiative, proposing to establish specific speed limits in the Federal Constitution.
Volltext
S.Juni 1986 633 Parlamentarische Initiative (Herczog)
#ST# 84.225 rasch reduzieren zu können, ist eine Verfassungsrevision
nicht das geeignete Mittel.
Parlamentarische Initiative (Herczog) Die Bundesversammlung hat mit einem Postulat beider Räte
Tempo 80/100 am 5. März 1985 den Bundesrat aufgefordert, Tempo 100
auf Autobahnen einzuführen. Zudem ist im Nationalrat eine
Initiative parlementaire (Herczog) Motion hängig, mit der die Festlegung der Höchstgeschwin-
Limitation de vitesse 80/100 digkeiten im Gesetz verlangt wird.
2.2. Aufwand und Zeitplan der parlamentarischen Arbeit
Bei der vorliegenden Initiative wäre der Aufwand des Parla-
ments relativ bescheiden. Hingegen musste ein Vernehmlas-
sungsverfahren bei Kantonen, Parteien und Verbänden
Wortlaut der Initiative vom 18. September 1984 durchgeführt werden, weil es sich um eine Verfassungsän-
Gemäss Artikel 21 septies des Geschäftsverkehrsgesetzes derung handelt, auch wenn der Bundesrat zur Frage
reiche ich folgende Initiative in der Form des ausgearbeite- Tempo 80/100 schon eine Vernehmlassung durchgeführt
ten Entwurfes ein: hat. Zudem musste über die neue Regelung von Volk und
Die Bundesverfassung wird wie folgt geändert: Ständen abgestimmt werden, was ebenfalls aufwendig ist.
Art. 37bis Abs. 3 (neu) Bis zur Volksabstimmung würde sehr viel Zeit (mindestens 2
a. Die allgemeine Höchstgeschwindigkeit für leichte Motor- bis 3 Jahre) vergehen.
wagen und Motorräder beträgt auf Strassen ausserorts 2.3. Verhältnis zur Initiative Pro Tempo 130/100
80 km/h, auf Autobahnen 100 km/h. Am 15. Januar 1985 wurde eine Volksinitiative eingereicht,
b. Zur Hebung der Verkehrssicherheit kann auf besonders mit der die Höchstgeschwindigkeit von 130 km/h auf Auto-
gefährlichen Abschnitten eine tiefere Höchstgeschwindig- bahnen und 100km/h ausserorts festgelegt werden soll.
keit angesetzt werden. Diese Limiten würden in der Bundesverfassung festgelegt,
weil sonst die Volksinitiative nicht möglich wäre. Sobald
Texte de l'initiative du 18 septembre 1984 diese Volksinitiative im Parlament beraten wird, kann die
Conformément à l'article 21septies de la loi sur les rapports parlamentarische Einzelinitiative als Antrag für einen
entre les conseils, je dépose l'initiative suivante sous la Gegenvorschlag eingereicht werden.
forme d'un projet rédigé de toutes pièces:
Art. 37bis al. 3 (nouveau) Begründung des Initianten
a. La vitesse maximale pour les voitures automobiles légères 1. Der kürzliche Besçhluss des Bundesrates für Tempo 80/
et les motocycles est fixée à 80 km/h sur les routes situées 120 ist derart unbefriedigend, dass in dieser Frage nun das
hors des localités et à 100 km/h sur les autoroutes. Parlament eine Diskussions-und Entscheidungsmöglichkeit
b. Sur certains tronçons de route particulièrement dange- erhalten muss.
reux, la vitesse maximale peut être abaissée afin d'accroître 2. Da neben anderen Schadstoffen die Stickoxide der Auto-
la sécurité routière. abgase Hauptyerursacher des Waldsterbens sind, besteht
somit zwischen verschmutzter Luft und dem.Zerstörungs-
Herr Aregger unterbreitet im Namen der Verkehrskommis- prozess in unseren Wäldern ein direkter Zusammenhang;
sion den folgenden schriftlichen Bericht: massgebende Temporeduktionen führen auch eindeutig zu
einem Rückgang der Stickoxidemissionen.
1. Inhalt der Initiative Untersuchungen des Bundesamtes für Umweltschutz gehen
Siehe oben. davon aus, dass bei Tempo 80/100 die Stickoxidemissionen
total um 9 Prozent vermindert werden können (auf Autobah-
2. Ergebnis der Vorprüfung nen um 12 Prozent, auf Strassen ausserorts um 11,4 Pro-
Die Kommission hat am 30. Oktober 1985 den Initianten zent); Studien in der Bundesrepublik Deutschland (Umwelt-
angehört und das Geschäft behandelt. Sie hatte sich nicht schutzamt der BRD, Technische Universität Berlin, Rhei-
zur Frage Tempo 100 oder 120 auf Autobahnen zu äussern, nisch-Westfälischer Technischer Ueberwachungs-Verein)
sondern zur Frage, ob Tempolimiten in der Bundesverfas- kommen auf Stickoxid-Reduktionen von 10 bis 21 Prozent.
sung festgelegt werden sollten. Dabei kam sie zu folgenden Schweizerische Messungen belegen zudem, dass auch der
Feststellungen: Ausstoss von Kohlenwasserstoffen und Kohlenmonoxid ver-
2.1. Stand der Arbeit der Bundesversammlung und der Ver- ringert werden kann.
waltung zum gleichen Gegenstand 3. Für die Verringerung des Schadstoffausstosses ist nicht
Die Bundesversammlung hat am 20. März 1975 Artikel 32 die heutige mittlere Fahrgeschwindigkeit, sondern das Aus-
des Bundesgesetzes über den Strassenverkehr vom mass der Geschwindigkeitsverminderung ausschlagge-
19. Dezember 1958 wie folgt geändert: bend.
Abs. 2 4. Tempo 80/100 führt zu einer generellen Verlangsamung
«Der Bundesrat beschränkt die Geschwindigkeit der Motor- des schnellen Verkehrsanteils; es finden weniger Ueberhol-
fahrzeuge auf allen Strassen.» manöver statt, d. h. weniger Beschleunigungen, die zusam-
1958 war im Gesetz die Höchstgeschwindigkeit innerorts auf men mit den hohen Geschwindigkeiten viel Treibstoff ver-
60 km/h festgelegt worden. Der Bundesrat konnte vor der brauchen.
Revision von 1974/75 Geschwindigkeitslimiten für die Antrag der Kommission
ändern Strassen erlassen, musste es aber nicht. Bei der Die Verkehrskommission beantragt mit 14 zu 4 Stimmen,
Revision lagen im Parlament Anträge vor, mit welchen die der Initiative keine Folge zu geben.
Höchstgeschwindigkeiten für Autobahnen, Strassen ausser-
orts und innerorts im Gesetz festgelegt worden wären. Antrag Günter
National- und Ständerat haben diese Anträge abgelehnt in 1. Der Initiative sei Folge zu geben.
der Auffassung, dass Geschwindigkeitsbeschränkungen 2. Die Kommission sei für die Erarbeitung der Vorlage zu
nicht auf Stufe Gesetz erlassen werden sollten. beauftragen, die Variante ebenfalls vorzusehen, dass der
Die Verkehrskommission ist der Ansicht, dass der Bundesrat Bundesrat für leichte Motorwagen und Motorräder, welche
den Auftrag, die Geschwindigkeit auf allen Strassen zu die strengeren Schweizer Abgasnormen, wie sie ab Herbst
begrenzen, im Sinne des Gesetzgebers erfüllt hat. Es wäre 1987 gelten, erfüllen, auf Autobahnen höhere Geschwindig-
unverhältnismässig, die Höchstgeschwindigkeiten neu in keitslimiten festlegen kann.
der Bundesverfassung festzulegen, wie dies der Initiant
beantragt. Eine Festlegung in der Verfassung macht es Proposition de la commission
schwierig, je nach Situation flexibel zu handeln, wie dies in La Commission des transports et du trafic propose par
den letzten Jahren nötig war. Um die Luftverschmutzung 14 voix contre 4, de ne pas donner suite à cette initiative.
Initiative parlementaire (Herczog) 634 N 5 juin 1986
Proposition Günter Es ist selbstverständlich so, dass für die Verringerung des
1. Donner suite à l'initiative. Schadstoffausstosses nicht eine mittlere Fahrgeschwindig-
2. Inviter la commission chargée d'élaborer le projet à pré- keit wichtig ist. Es ist völlig unwesentlich, wenn jemand
voir également la variante autorisant le Conseil fédéral à sagt, heute werde schon auf den Autobahnen praktisch im
fixer sur les autoroutes des limites de vitesse plus élevées Schnitt 100km/h gefahren. Massgebend ist vielmehr die
pour les voitures et les motocycles qui, en matière de gaz eigentliche absolute Reduzierung der Geschwindigkeit.
d'échappement, répondent aux nouvelles normes suisses, 3. Verlangsamung des schnellen Verkehrsanteils. Sie wis-
plus sévères, qui entreront en vigueur en automne 1987. sen, dass, wenn man langsamer fährt, auch weniger über-
holt wird. Beim Ueberholen braucht man mehr Treibstoff,
Herczog: Ich habe im Jahre 1984 eine parlamentarische und das gehört wieder ins Kapitel der Schadstoffemission.
Initiative eingereicht, mit der ich in der Bundesverfassung Hier noch ein Punkt, den Herr Günter in seiner Erklärung
verankern möchte, dass die allgemeine Höchstgeschwindig- kurz aufgegriffen hat und den ich hier noch etwas breiter
keit für leichte Motorwagen und Motorräder auf Strassen ausführen möchte. Die Aerzte haben 1984 in der Schweizeri-
ausserorts auf 80 km pro Stunde und auf Autobahnen auf schen Aerzteinformation klar in dem Sinne Stellung genom-
100km pro Stunde beschränkt werden soll. Noch eine men, dass die Reduzierung der Verkehrstempi zur Reduzie-
Ergänzung: Zur Hebung der Verkehrssicherheit kann auf rung des Verkehrsopfer führt und dass 80/100 nach ihren
besonders gefährlichen Abschnitten eine tiefere Höchstge- Schätzungen mindestens 100 Tote und mindestens 2000
schwindigkeit angesetzt werden. Verletzte pro Jahr weniger, immer ausserorts gerechnet,
Nun zur Begründung drei Punkte: bedeuten würde. Selbverständlich würde das auch beinhal-
1. Der damalige Entscheid des Bundesrates - hier muss ich ten, dass man eine wirksame Eindämmung der sogenannten
Frau Kopp herausnehmen, weil sie an diesem Entscheid ja «Kostenexplosion im Gesundheitswesen» machen könnte.
damals nicht beteiligt war - ist meiner Meinung nach der Es wäre in dieser Frage sehr unklug, sich von den Verbän-
dümmste Entscheid, den, seit ich in Bern bin, der Bundesrat den der Automobilisten leiten zu lassen. Ich möchte Sie
gefällt hat. Mit diesem Kompromiss von 120 und 80 war daran erinnern, dass zum Beispiel der ACS seinerzeit gegen
niemand einverstanden. Der Bundesrat wollte es damals- in Tempo 100 ausserorts eine massive Kampagne mit grossen
einer Zeitgeiststimmung, die auch heute noch nachwirkt - Unterschriftensammlungen organisiert hatte; hingegen
allen und jedem recht machen; aber er konnte auf diese wurde nach der Einführung eine Reduzierung der Toten
Weise niemanden zufriedenstellen. ausserorts um 17 Prozent erreicht. Gegen 50 innerorts
Das ist eine politische Vernehmlassungsmentalität, die an haben TCS und ACS gemeinsam eine massive, polemische
die Tagsatzung der alten Eidgenossenschaft erinnert, indem und unsachliche Kampagne geführt. Nach der Einführung
heute wenige Leute in der Verwaltung von Kantonen und hatten wir innerorts eine Reduzierung der Fussgängerver-
Interessenverbände mehr Einfluss nehmen auf die eidge- letzten um 13 Prozent. Gegen das Gurtentragobligatorium
nössische Politik, als zum Beispiel Initiative oder Refe- hat bekanntlich der ACS noch nach der Volksabstimmung
rendum. Zu dieser Situation sollte sich das Parlament äus- grosse Polemiken in die Weltgeschichte gesetzt, und Sie
sern, obwohl man selbstkritisch sagen muss, dass das Parla- wissen, nach den Statistiken, dass wir mit einer 13 prozenti-
ment hier in seiner Mehrheit nicht wesentlich anders gen Reduzierung der Unfalltoten viel erreicht haben.
entscheidet als der Bundesrat, höchstens mit dem Unter- Ich habe heute morgen durch gute Geister vom Statisti-
schied, dass der Bundesrat meistens in Kenntnis der Dinge schen Amt die neuesten Unfallstatistiken von 1984 bis 1985
und das Parlament eher in Unkenntnis der Dinge erhalten. Sie können darin genau die Zahlen nachlesen, die
entscheidet. Herr Günter erwähnt hat, nämlich dass allein durch die
2. Schadstoffreduktion. Ich möchte hier nicht die ganze Einführung von Tempo 50 innerorts massive Senkungen der
«Walddebatte» wieder heraufbeschwören, sondern nur ein Unfallzahlen herbeigeführt werden konnten.
paar Tatsachen nochmals feststellen. Die gegenwärtige Es wäre sehr unklug, auf die etwas primitive Marlboro-
Luftverschmutzung und das Waldsterben haben einen Mentalität von Freiheit und Abenteuer der Automobilver-
direkten und unmittelbaren Zusammenhang. Der Bundesrat, bände einzutreten und sich davon beraten zu lassen.
namentlich Herr Bundesrat Egli, hat klar darauf hingewie- Ich möchte noch auf die Gegenargumente eingehen, dass
sen, dass eine dramatische Situation existiert und dass Tempo 80/100 nicht durchsetzbar und nicht verfassungs-
deswegen auch notfallsmässige Sofortmassnahmen zu würdig sei. Zur Durchsetzbarkeit: Die von mir geforderte
ergreifen sind. Temporeduktion ist nicht neu. Wir haben Erfahrung damit.
Was heisst Luftverschmutzung? Die Stickoxide in der Luft- Während der Oelkrise 1973/74 hat der Bundesrat klug
verschmutzung durch die Autoabgase sind die Hauptverur- gehandelt. Man hat bereits im Jahre 1972 eine Arbeits-
sacher des Waldsterbens, das ist bekannt und nachgewie- gruppe eingesetzt, die eine derartige Massnahme begleitend
sen. Es ist nun aber klar, dass, wenn der Wald stirbt, der studieren sollte. Man fand heraus, dass sogar bei Autofah-
Mensch auch in der Lunge, den Atemwegen erkranken rern nachher, 1975, die Akzeptanz von 64 auf 80 Prozent
kann. Dies wurde bereits in der Diskussion 1984 von Aerzten gestiegen ist, und die Akzeptanz wird auch steigen, wenn
in der Schweizer Aerzteinformation nachgewiesen, und der politische Wille, die Ueberzeugung und die vielgeprie-
gegenüber dem Bundesrat wurde betont, dass diese Erkran- sene Führungsqualität beim Bundesrat und in unserem poli-
kungen der Atemwege unter anderem zu sehr schlimmen tischen Organ, dem Parlament, existieren.
Schäden führen werden. Unzweideutige Untersuchungen in Zum zweiten Gegenargument, «nicht verfassungswürdig»:
unserem Land beweisen, dass bei Tempo 80/100 diese Was ist heute schon alles in der Verfassung zahlenmässig
Stickoxidimmission verringert werden kann. Das Bundes- geregelt? Die Wust-Prozente, wieviel Reinertrag man von
amt für Umweltschutz war sogar noch ziemlich vorsichtig den Treibstoffzöllen abzwacken darf, dann die Vorschrift,
mit der Annahme von etwa 9 Prozent im Durchschnitt; auf dass der Handel mit nicht gebrannten geistigen Getränken
Autobahnen wären es etwa 12 Prozent. Wir haben Untersu- von 2 bis 10 Litern in den Kantonen von einer Bewilligung
chungen angeschaut aus der Bundesrepublik Deutschland, abhängig gemacht werden kann. Es ist auch möglich, hier
namentlich von der Technischen Universität Berlin und vom meine Initiative zu nehmen und sie gleichzeitig als Gegen-
Umweltschutzamt der Bundesrepublik Deutschland, die von vorschlag für die vorliegende Volksinitiative Tempo 130/100
wesentlichen Reduktionen ausgehen, nämlich von 10 bis zu verwenden.
21 Prozent. Zusammenfassend: Meine parlamentarische Initiative hat
Zur Katalysatorendebatte: Im Vergleich bringen diese selbst- nur positive Auswirkungen. Sie kostet den Bund nichts, und
verständlich wenig.. Am Institut für Energieforschung der deswegen könnten Sie dieser eigentlich nur zustimmen.
Universität Genf wurde eine Studie gemacht, die aussagt,
dass die Schadstoffverminderung durch die Katalysatoren Günter: Es gibt gar keinen Zweifel, dass Tempo 100 auf
bis 1990 durch die Dieselmotoren der Lastwagen wieder Autobahnen zur Verkehrssicherheit beiträgt. Schon die
auf gewogen wird. Reduktion auf 120, die der Bundesrat beschlossen hat, hat
5. Juni 1986 N 635 Parlamentarische Initiative (Herczog)
aber hundert Menschen das Leben gerettet. Ausserdem ist Problem zu befassen und allenfalls alternative Vorschläge
der Energieverbrauch beim langsamer Fahren niedriger. vorzulegen, was wir betreffend Altwagen unternehmen müs-
Langsamer Fahren ist kein Sozialproblem; es ist höchstens sen, damit ab nächstem Herbst nicht eine Stagnierung bei
so, dass die Jagdlust etwas weniger aufkommen kann, wenn unseren Sanierungsmassnahmen eintritt. In diesem Sinne
man sich gemächlich in einem Pulk mit regelmässiger bitte ich Sie, meinen Antrag zu unterstützen.
Geschwindigkeit bewegt und nicht einfach den Ueberholin-
stinkt treiben lassen kann. Dünki: Im Namen der LdU/EVP-Fraktion teile ich Ihnen mit,
Ich beantrage Ihnen, der Initiative Folge zu geben, in der dass wir die parlamentarische Initiative Herczog auf Herab-
Meinung, dass das der Kommission eine Gelegenheit gibt, setzung der Geschwindigkeitsbeschränkung unterstützen,
zusätzlich noch einmal in aller Ruhe das differenzierte und zwar mit Ueberzeugung. Die Statistik über die Strassen-
Tempo 100 anzusehen. Es gibt Argumente dafür und dage- verkehrsunfälle spricht eine deutliche Sprache:
gen. Dagegen spricht das unruhigere Bild, das entsteht, Tiefere Geschwindigkeiten - das kann man sicher nicht
wenn gewissen Wagen erlaubt wird, schneller zu fahren. Es bestreiten - bedeuten in erster Linie weniger Verkehrstote
gibt das Problem der Kontrolle, auf das Frau Kopp bei der und -verunfallte, aber auch weniger Sachschaden. Schon
Diskussion, die wir bereits zu diesem Thema hatten, grosses aus diesen Gründen sind vernünftige Tempolimiten ein ech-
Gewicht legte. In Klammern: Persönlich halte ich die Kon- tes Gebot der Vernunft.
trolle für kein Problem; man muss alle Wagen erfassen. Das Volk wird ja demnächst zu diesen Fragen Stellung
Bevor der Bussenzettel verschickt wird, kann mittels Com- nehmen, da verschiedene Volksinitiativen zur Abstimmung
puter abgeklärt werden, ob ein Wagen die besseren Abgas- gelangen. Erfahrungen mit hohen Tempolimiten haben wir;
normen erfüllt. sammeln wir noch welche mit vernünftigen Höchstge-
Was passiert jetzt? Es wird uns immer gesagt, der Katalysa- schwindigkeiten, dann können wir vergleichen!
tor löse alle Probleme und dessen Einführung gehe zügig Von den Parlamentariern erwartet man in jeder Beziehung
voran. Gemäss Statistiken ist das nicht wahr. Die Einführung ein vernünftiges Handeln im Dienste der Mitmenschen, auch
des Katalysators geht lediglich bei den teuren Wagen zügig wenn es auf Kosten der persönlichen Freiheit geht. Die
voran, die sowieso schon eine Benzininjektion haben. Dort persönliche Freiheit ist immer dann einzuschränken, wenn
ist es kein Problem, einen Katalysator einzubauen: Erstens es sich um das Leben von Mitmenschen handelt. Und hier
fällt der Mehrpreis kaum ins Gewicht, und zweitens ist er steht das Leben von Hunderten von Mitmenschen auf dem
effektiv weniger hoch. Die Probleme stellen sich bei den Spiel.
kleinen Wagen. Wir müssen doch sehen, dass wir ab näch- Noch ein Wort zur Durchsetzbarkeit. Was der Staat durch-
stem Herbst, sicher auf übernächsten Herbst, mit dem Pro- setzen will, das kann er auch. Es ist lediglich eine Frage des
blem konfrontiert sind, dass sich einige Leute die neuen Wollens. Schon heute wäre es möglich, auf Autobahnen -
Wagen nicht mehr kaufen, weil sie im Vergleich mit denjeni- auch andernorts - vermehrte Geschwindigkeitskontrollen
gen ohne Katalysator doch massiv teurer werden: Das kann durchzuführen. Es spricht sich zum Beispiel herum, dass
bei einem Kleinwagen ohne weiteres 15 Prozent des man bei schlechtem Wetter ruhig über 120 fahren kann,
Anschaffungspreises oder mehr ausmachen. Polizisten seien nicht auf der Strecke; zur Mittagszeit könne
Wir haben einfach «vergessen», Massnahmen für die alten man es ebenfalls! Ich glaube, die Mittel wären vorhanden:
Wagen zu beschliessen. Ich weiss, dass regelmässig Abgas- Wenn Exempel statuiert werden, passt sich das Verhalten
kontrollen durchgeführt werden müssen. Neueste Berichte der Autofahrer automatisch den Gegebenheiten an.
aus Deutschland sind aber ausserordentlich beunruhigend, Wir bitten Sie also, diese Initiative zu unterstützen.
indem behauptet wird, dass die regelmässige Abgaskon-
trolle sogar einen kontraproduktiven Effekt habe, weil offen-
bar - zumindest in der Bundesrepublik Deutschland - nur Frau Fankhauser: Wir können die Tempolimiten aus ver-
das Kohlenmonoxid gemessen wird. Die «bessere Einstel- schiedener Sicht betrachten, zuerst einmal als Fussgängerin
lung» des Motors läuft also meistens darauf hinaus, dass der oder Fussgänger. Das ist der Fall sehr vieler Kinder und
CO-Gehalt erniedrigt wird. Damit ist dieser Giftstoff weniger Betagter. Wir können die Tempolimite auch als Velofahrer
stark vorhanden. Leider führt das aber bei einem normalen oder Velofahrerin erfahren, weil wir noch kaum getrennte
Wagen häufig dazu, dass sich der Anteil an Stickoxiden Fahrbahnen haben, und natürlich auch als Auto- oder Mo-
erhöht. Zur Erinnerung: Stickoxide sind hauptverantwort- torradfahrer/in.
lich für das Waldsterben. Diese Stickoxide werden weit Der Bundesrat hat für eine Versuchsphase die Tempolimite
herum nicht gemessen, weil die Anlagen dazu sehr, sehr viel festgelegt, und diese Phase geht weiter bis Ende 1987. Es ist
teurer sind als diejenigen für die Messung des CO. Mit fraglich, ob wir überhaupt über die Geschwindigkeitsbe-
anderen Worten: Wir sind gar nicht sicher, ob wir den Zweck grenzung noch einmal diskutieren und sie in Frage stellen
erreichen, der beabsichtigt war. müssen oder ob wir nicht besser abwarten wollen, bis wir
Wir haben daneben keine Massnahmen bei Altwagen. Es nach der Versuchsphase endgültige Resultate haben.
gäbe wohl die Möglichkeit der Ausmerzaktion sowie die Es gibt Leute, die befürchten, dass wir Politiker hier im
Möglichkeit, zunehmend verschärfte Vorschriften für Altwa- Parlament keine Worte mehr für das Waldsterben haben.
gen zu erlassen. Beides ist Thema eines Vorstosses, den Sie Wir haben mehrmals lesen können, dass das kein Thema
auf der Liste haben und der vielleicht heute morgen noch mehr sei. Tatsächlich sorgen wir uns zu wenig und viel zu
behandelt wird; aber beides wird vom Bundesrat abgelehnt. wenig konsequent um den Umweltschutz. Wir haben heute
Der Bundesrat hofft einfach darauf, dass allein die Regelung eine Gelegenheit, noch einmal klar zu sagen, was wir in
bei den Neuwagen genügt. Die Hoffnung ist schön, aber es diesem Bereich wollen. Die Tempolimite hilft uns, mehrere
wäre am Platze, mehr zu tun. Die Bestimmung Tempo 100 Ziele gleichzeitig zu erreichen. Zuerst können wir die Ver-
für Normalwagen und eine etwas gelockerte Tempoversion kehrssicherheit erhöhen, dann den Lärm und die Abgas-
für diejenigen, welche die verschärften Abgasnormen erfül- emissionen verringern und den Gesamtverbrauch an
len, würden für den Schweizer sicher einen Anreiz schaffen, Energie herabsetzen. Jeder kleinste Schritt in diese Rich-
diese Anlage auch in einem alten Wagen einzubauen! tung lohnt sich, weil wir an der Grenze eines Notstands
Ich betone allerdings noch einmal, dass damit möglicher- leben.
weise ein erhöhtes Unfallrisiko einhergeht. Daher muss der Zum Thema Verkehrssicherheit liefert die letzte, im Februar
Bundesrat die Kompetenz erhalten, diese variable Limitie- publizierte Unfallstatistik wichtige Daten. Herr Günter und
rung zwar einzuführen, aber auch wieder abzusetzen, falls Herr Herczog haben sie bereits erwähnt. Ich kann es nur
sich die Zahl der Unfälle erhöhen sollte. Das Problem ist noch einmal betonen: 17,3 Prozent weniger Verkehrstote
komplex, deshalb sollte es die Kommission nochmals über- oder, in einer Zahl, 191 Menschen, die durch verschiedene
denken. Wir können das heute nicht entscheiden. Massnahmen, unter anderem wegen der Tempolimite, ihr
Ich beantrage Ihnen daher, der Initiative Herczog Folge zu Leben retten konnten. Das beeindruckt! Das sind Zahlen, die
geben. Die Kommission bitte ich, sich nochmals mit diesem unsere Bundesräte und unsere Bundesrätin ermutigen und
Initiative parlementaire (Herczog) 636 N 5 juin 1986
sogar verpflichten sollten, die Geschwindigkeitsbeschrän- Ich ersuche Sie also namens der SVP-Fraktion, der Initiative
kung nach der Versuchsphase noch weiterzuführen. Herczog keine Folge zu geben.
Zum Schadstoffausstoss: Wir wissen aus einem Bericht des
Bundesamts für Umweltschutz, dass die Tempolimite
Wesentliches zur Verbesserung der Luftqualität beiträgt. Wir Aliesch: Ich darf einige Gründe aufführen, weshalb Ihnen
wissen auch, dass Katalysatorautos im Moment höchstens auch die Fraktion der FdP beantragt, dieser Initiative Herc-
zwei Prozent der gesamten Autozahl ausmachen. Wir sollten zog keine Folge zu geben.
also nicht stur an bestimmten Tempolimiten festhalten. I.Wir betrachten die nach dem StrassenVerkehrsgesetz
Allerdings: Menschen, die Freiheit nur im Schnellfahren dem Bundesrat zustehende Kompetenz, die Tempolimiten
spüren, sind doch zu bedauern! Die Verankerung der auf den Strassen festzulegen, als zweckmässig. Nachdem
Höchstgeschwindigkeit in der Verfassung scheint ein wenig der Bundesrat im September 1985 seinen früheren
problematisch: Besonders im Vorfeld einer Totalrevision Entscheid zur Frage der Tempolimiten überprüft und
möchte man die Verfassung nicht unbedingt mit solchen beschlossen hat, Tempo 80 ausserorts und 120 auf Autobah-
Details belasten. Die Flexibilität, das heisst also die Bundes- nen bis Ende 1987 zu belassen, haben wir keine Veranlas-
ratskompetenz, sollte eigentlich erhalten bleiben. Trotzdem sung, ein noch tieferes Autobahntempo in der Verfassung
möchten wir die parlamentarische Initiative Herczog unter- zu verankern.
stützen. Wir wollen etwas in der Hand behalten, denn die 2. Die Tempolimiten gehören - wie ausgeführt worden ist -^
Volksinitiative zum Tempo 100/130 wird leider nicht gleich- deshalb nicht in die Bundesverfassung. Bei einer Veranke-
zeitig behandelt. rung in der Verfassung könnte auf allfällige neue Gegeben-
Der Antrag von Herrn Günter scheint mir persönlich die heiten zu wenig rasch reagiert werden.
Frage der Verkehrssicherheit zu wenig zu berücksichtigen. 3. Wir erachten eine weitere Reduktion der Tempolimite auf
Sollte man Umweltbewusste mit höheren Tempolimiten Autobahnen, auch unter dem Aspekt der Verkehrssicher-
belohnen? Ist das der richtige Weg? Werden da nicht zwei heit, als wenig sinnvoll. Die Nationalstrassen sind immerhin
Sachen vermischt, die eigentlich gesondert betrachtet wer- unsere sichersten Strassen, und es wäre nicht zu erwarten,
den sollten? Verschiedene Geschwindigkeitsbegrenzungen dass sich weniger Unfälle ereigneten. Zudem käme es zu
nebeneinander sind sehr wahrscheinlich kaum durchführ- weiteren Verkehrsverlagerungen auf das weniger sichere
bar. Kurz zusammengefasst: Wir sind froh, dass sich der übrige Strassennetz, was gesamthaft zu einer Verschlechte-
Bundesrat für Tempolimiten engagiert, wir sind froh, dass rung der Verkehrssicherheit führte.
wir die Tempolimiten den neusten Erkenntnissen des 4. Die Reduktion auf Tempo 80/120 wurde nicht aus
Umweltschutzes anpassen, und vorsorglich unterstützen wir Gründen der Verkehrssicherheit eingeführt, sondern mit
die parlamentarische Initiative Herczog. dem Ziel, den Schadstoffausstoss zu reduzieren.
In der Zwischenzeit hat der Anteil der Katalysatorfahrzeuge
konstant zugenommen. Ein weiterer starker Anstieg des
Bühler-Tschappina: Wir alle wissen noch bestens um die Anteils der Katalysatorfahrzeuge ist in diesem und den kom-
grossen Diskussionen über die Tempolimiten 80/100 bezie- menden Jahren zu erwarten, wodurch sich die Schadstoff-
hungsweise 80/120. Letztere wurde dann vom Bundesrat belastung sehr stark reduzieren wird. Wir von der FdP aner-
beschlossen. Die SVP-Fraktion ist der Auffassung, dass wir kennen die grossen Anstrengungen der Automobilwirt-
die vom Bundesrat beschlossene Lösung nach so kurzer schaft und des Autogewerbes auf diesem Gebiet sowie die
Zeit nicht einfach wieder umstossen sollten, obwohl damals Bereitschaft der Schweizer Automobilisten, zugunsten der
auch aus unserer Fraktion einige für die Lösung 80/100 Umwelt jährlich Hunderte von Millionen Franken mehr für
eingetreten sind. Bekanntlich sind zunehmend Katalysator- den Kauf von Katalysatorfahrzeugen auszugeben. Ich erin-
fahrzeuge im Verkehr. Bei der Walddebatte habe unter nere daran, dass bereits die Abgasnormen von 1982 weitaus
anderem auch ich die Auffassung vertreten, Tempo 100 auf strenger sind als die in den anderen europäischen Ländern
Autobahnen sei eine, wenn auch bescheidene, so doch sehr vorgeschriebenen Grenzwerte.
rasch wirksame Massnahme zur Verbesserung der Luftqua- Aus diesen Gründen beantragt Ihnen die Fraktion der FdP,
lität. Dieses Argument fällt, dank der zunehmenden Anzahl der Initiative Herczog keine Folge zu geben.
von Katalysatorfahrzeugen, immer weniger ins Gewicht. Gleichzeitig unterstützen wir den Antrag des Bundesrates,
Der Hauptgrund, warum wir der Initiative nicht folgen kön- das Postulat Zwingli abzulehnen. Mit diesem Postulat wird
nen, liegt aber darin, dass eine Verankerung der Tempolimi- der Bundesrat bekanntlich beauftragt, nochmals auf seinen
ten in der Verfassung völlig unverhältnismässig wäre. Für Tempoentscheid zurückzukommen und Tempo 100 auf
jede Anpassung, sei es auch aus Sicherheits-, Umwelt- Autobahnen vorzuschreiben.
schutz- oder anderen Gründen, müsste stets eine Volksab- Wir beantragen Ihnen dagegen, die Motion Revaclier zu
stimmung durchgeführt werden. Dann muss auch die Volks- überweisen, gemäss welcher verlangt wird, Tempo 80/120
initiative Tempo 130 auf Autobahnen, die sogenannte Boni- bis zur Volksabstimmung über die Initiative pro Tempo 100/
Initiative, wenn sie nicht zurückgezogen wird, dem Volke 130 beizubehalten.
vorgelegt werden. Wenn wir also der Initiative Herczog Die Chancen der Volksinitiative pro Tempo 100/130, die
zustimmen würden, müsste innert relativ kurzer Zeit das immerhin mit weit über 200000 Unterschriften eingereicht
Volk zweimal zum gleichen Thema Stellung nehmen, was wurde, würden mit Sicherheit ansteigen, wenn wir heute
bestimmt nicht verstanden würde. Ferner ist auch noch zu Tempo 100 auf Autobahnen einführten.
bedenken, dass, wenn die Geschwindigkeitsbeschränkun- Für diese Tempolimite setzt sich jetzt auch Herr Günter mit
gen vor Einführung von Tempo 80/120 in der Verfassung seinem Antrag ein. Lediglich auf Autobahnen möchte er
gewesen wären, die Reduktion nicht in der gleichen Zeit höhere Geschwindigkeiten für jene Motorfahrzeuge zulas-
hätte erfolgen können. Man hätte das ordentliche Verfahren sen, welche die Abgasnormen 1987 erfüllen.
(Botschaft, parlamentarische Beratung und Volksabstim- Die Fraktion der FdP hat bereits früher ihre Sympathie für
mung) durchführen müssen. Dabei wissen wir erst noch generell höhere Tempolimiten (Tempo 100/130) für jene
nicht, ob das Volk und die Stände - was bei einer Verfas- Motorfahrzeuge geäussert, welche die strengen US-Abgas-
sungsabstimmung nötig wäre-einer Reduktion überhaupt grenzwerte erfüllen. Es könnte damit in der Tat ein zusätzli-
zugestimmt hätten. Wir sind ohnehin überzeugt, dass cher Anreiz für den Kauf solcher Fahrzeuge geschaffen
Geschwindigkeitsbeschränkungen auf Stufe Verordnung zu werden. Wir verkennen jedoch nicht die Probleme einer
regeln sind. So können sie einfach und, wenn es die Situa- solchen Differenzierung bei der Verkehrskontrolle. Wir bit-
tion erfordert, auch rasch angepasst werden. Selbst wenn ten deshalb den Bundesrat, eine generelle Heraufsetzung
jeder der sechs Millionen Schweizer selbstverständlich bes- der Tempolimiten für Fahrzeuge immerhin zu prüfen, wel-
ser wüsste, welches die richtigen Tempolimiten wären, sind che die US-83 Werte erfüllen.
wir doch der Meinung, dass die Festsetzungskompetenz Gleichzeitig geben wir den Wunsch an die Kantone weiter,
beim Bundesrat in guten Händen ist. den Umstieg auf Katalysatorfahrzeuge durch Steuervergün-
5. Juni 1986 N 637 Parlamentarische Initiative (Herczog)
stigungen oder zumindest durch differenzierte Motorfahr- Frau Mauch: Wir sprechen nun im Zusammenhang mit den
zeugsteuern noch weiter zu beschleunigen. Geschwindigkeitsbeschränkungen vor allem von der Ver-
Wir bitten hingegen, den Antrag Günter abzulehnen und, minderung der Luftbelastung. Herr Rüttimann hat soeben
wie gesagt, der parlamentarischen Initiative Tempo 80/100 gesagt, dass namhafte Wissenschafter der Meinung sind,
keine Folge zu geben. die Luftbelastung durch den Verkehr sei unter Kontrolle.
Sie alle haben diese Woche einen Brief des Autogewerbe-
Rüttimann: Die Initiative Herczog besteht aus zwei Ele- verbandes der Schweiz bekommen, in dem ebenfalls die
menten: Ansicht vertreten wird, dass in unserem Land das Problem
1. Die Verankerung der Geschwindigkeitslimiten in der Ver- der Luftbelastung durch Motorfahrzeuge unter Kontrolle sei.
fassung. Letzte Woche hat der TCS eine Studie vorgestellt, in der er
2. Die weitere Herabsetzung der Geschwindigkeiten. zum selben Schluss kommt.
Ich bitte Sie, das zweite, nämlich weitere Reduktionen, abzu- Ich möchte nun Frau Bundesrätin Kopp bitten, dem Parla-
lehnen. ment, sobald das möglich ist, Auskunft zu geben, wie das
Zum ersten Punkt wird sich zweifellos Frau Bundesrätin Bundesamt und vor allem auch der Bundesrat die Resultate
Kopp noch äussern. Persönlich bin ich auch der Meinung, dieser TCS-Studie beurteilen. Es ist mir bekannt, dass sie
dass die Handhabung der Geschwindigkeitslimiten flexibler von ganz anderen Vorgaben ausgeht als die Studien des
gestaltet werden kann, wenn wir die Kompetenz beim Bun- Bundesamtes für Umweltschutz. Weil nicht so ohne weiteres
desrat belassen. ersichtlich ist, auf welchen wissenschaftlichen Grundlagen
Wir haben seit einiger Zeit die vom Bundesrat verfügten solche Studien basieren, wäre es für uns nun von Interesse
Beschränkungen von 120 km/h auf Nationalstrassen, 80 aus- zu hören, zu welcher Beurteilung der Bundesrat selbst ge-
serorts und 50 innerorts generell. Diese haben sich mehr langt.
oder weniger eingebürgert und sind im Interesse der Ver- Dürfen sich in Zukunft das Autogewerbe und die Automobil-
kehrssicherheit auch nicht ohne Not wieder zu ändern. verbände zu sagen erlauben, dass die Luftbelastung durch
Bekanntlich stützten sich diese Beschränkungen auf Sicher- den Privatverkehr unter Kontrolle sei, oder dürfen sie es
heitsüberlegungen einerseits und Umweltschutzmassnah- nicht?
men andererseits ab. Die Verkehrsunfälle - das sei zugege-
ben - haben sich reduziert, doch können wir das Problem Kühne, Berichterstatter: Die Verkehrskommission hat die
nicht aufgrund dieser quantitativen Erkenntnisse lösen, parlamentarische Initiative Herczog «Tempo 80/100» behan-
sonst müsste man logischerweise die Geschwindigkeit auf delt. Die Kommission hat am 30. Oktober 1985 den Initianten
null oder auf zehn bis zwanzig Kilometer pro Stunde redu- angehört. Sie haben zu diesem Geschäft einen schriftlichen
zieren. Jeder Unfall ist einer zu viel. Wir müssen die Unfall- Bericht erhalten, der in der Zwischenzeit zwar nicht mehr
bekämpfung aber auch mit anderen Massnahmen angehen. brandneu ist, aber doch seine Gültigkeit behalten hat.
Es wäre doch unverhältnismässig, den Verkehr mit immer Gewisse Entwicklungen sind jedoch in der Zwischenzeit
rigoroseren Geschwindigkeitslimiten zum Erliegen zu brin- nicht stillgestanden. Es geht im wesentlichen um zwei
gen. Es gibt zwar Leute, die dies gezielt provozieren. Anders Fragen:
kann man sich nicht erklären, weshalb ein Parlamentsmit- 1. Wer soll für die Festlegung von Tempolimiten zuständig
glied meines Kantons vom Regierungsrat die versuchsweise sein? Soll es der Bundesrat bleiben oder das Volk werden?
Einführung von Tempo 30 innerorts verlangt. Die Initiative will eine Verfassungsbestimmung und somit
Was die umweltschutzpolitische Begründung anbelangt, hat die Zuständigkeit des Volkes. Das Volk wird vermutlich zu
sich doch innert eines Jahres einiges getan und geändert. dieser Frage im Zusammenhang mit der Initiative 100/130
Sie wissen, dass die Einführung der Katalysatortechnik sich einmal Stellung nehmen können. Frau Fankhauser hat
mindestens in der Schweiz unerwartet gut durchgesetzt hat. appelliert, wir sollten hinsichtlich der Geschwindigkeit nicht
Trotz nicht unbeträchtlicher Mehrkosten haben viele Auto- stur sein. Wenn wir dies jedoch in der Verfassung festhalten,
mobilisten den Schadstoffausstoss auf rund 10 Prozent des werden wir zumindest starr.
früheren reduzieren lassen können. Namhafte Experten 2. Es geht um die Frage, wie hoch die Geschwindigkeit
bestätigen, dass in unserem Land das Problem der Luftbela- angesetzt sein soll. Bei Tempo 80 für Strassen ausserorts
stung unter Kontrolle ist. besteht Einigkeit. Es geht folglich nur noch um die Limiten
Kollege Günter versucht mit seinem Antrag vom 2. Juni eine auf Nationalstrassen: 100 oder 120. Die Kommission ist
Brücke zu schlagen, da er den Katalysatorfahrzeugen eine gegen das Festlegen von einer Tempolimite 80/100 in der
höhere Geschwindigkeit zugestehen will. Ich frage mich nur, Bundesverfassung, und sie hofft auch, dass nie Tempo 100/
Herr Günter, wer das und wie kontrollieren soll. Sie haben 130 in unser Grundgesetz geschrieben werden muss. Wenn
selber die Komplexität dieser Massnahme eingesehen. Eine wir jedoch der Initiative Herczog Folge geben, kommen wir
solche Regelung würde einmal mehr den Umgehungen und dem zweiten, ebenfalls nicht erstrebenswerten Ziel einen
Mogeleien Tür und Tor öffnen. Jeder Fahrer müsste bei grossen Schritt näher. Die Gefahr, dass die parlamentari-
voller Fahrt sichtbar machen können, ob er mit 120, mit 100 sche Initiative letztlich kontraproduktiv wirkt, ist nämlich
oder mit 80 zu fahren berechtigt sei. So gut dieser Vorschlag sehr gross. Mit dem erneuten Aufwärmen der Tempofrage
gemeint ist, er muss aus den eben genannten Gründen werden wir mit Sicherheit die Emotionen anheizen. Ob es
abgelehnt werden. andererseits zu einer Reduktion der Schadstoffe führt, ist
Ich bitte Sie aber auch, der Initiative aus grundsätzlichen eher unsicher.
Ueberlegungen keine Folge zu geben. Mit ständigen Ein- Der Bundesrat hat im Gegensatz zu anderen Regierungen
schränkungen an die Adresse der bösen Automobilisten gehandelt und Tempo 80/120 eingeführt. Die Priorität muss
treffen wir gleichzeitig Leute, die zu unserem volkswirt- nun bei der Durchsetzung dieser Vorschrift liegen. Herr
schaftlichen Einkommen - ich denke an den Berufsverkehr Herczog hat in der Kommission und auch heute seinen
- wesentlich beitragen. Sie halten sich in der Regel mehr Vorstoss vor allem mit dem Erfordernis der Schadstoffre-
oder weniger gutmütig auch an staatliche Vorschriften. duktion begründet. Das wollen auch die Kommission und
Ständiger Druck erzeugt bekanntlich Gegendruck, vor allem die Mehrheit des Parlamentes. Die Prioritäten sind jedoch
bei den jungen Automobilisten. Nicht umsonst passieren die etwas anders gelagert. Für den privaten Verkehr liegen sie in
schwersten Unfälle nachts und am Wochenende, da sich die der Förderung des Katalysatorwagens durch Vergünstigung
Leute von der Polizei und vom Radargerät unbeobachtet des bleifreien Benzins - ebenfalls ein Beschluss dieses
fühlen. Der aufgestaute Druck der Beschränkung entweicht Parlamentes - und durch die Bevorzugung bei den Motor-
über das «Ueberdruckventil» des Gaspedals. fahrzeugsteuern. Zudem darf ich Sie daran erinnern, dass
Aus all diesen Gründen bitte ich Sie, keine extremen Lösun- die Bundesratsparteien am 2. Dezember 1985 ein Programm
gen anzustreben und weitere Geschwindigkeitsreduktionen zur Förderung des öffentlichen Verkehrs erlassen haben
abzulehnen. Ich bitte Sie, der Initiative Herczog keine Folge und dass wir nun in der Phase stehen, dieses zu realisieren.
zu geben und den Antrag Günter abzulehnen. In diesem Programm sind einige recht wichtige Punkte
Motion Oehler 638 N 5 juin 1986
festgehalten, nämlich: Um der steigenden Luftverschmut- #ST# 84.546
zung sowie der Energieverschwendung entgegenzuwirken,
und im Hinblick auf eine bessere Auslastung und Steigerung Motion Oehler
der Attraktivität sind die Bundesratsparteien entschlossen,
sich vermehrt für die Förderung des öffentlichen Verkehrs Strassenverkehrsgesetz. Tempolimiten
einzusetzen, insbesondere durch: die Verbesserung des Lei- Loi sur la circulation routière.
stungsangebotes, nicht zuletzt durch die «Bahn 2000», den Limitations de vitesse
Halbstundentakt bei den grossen Agglomerationen, ausrei-
chende Bedienung auch bei wenig befahrenen Strecken,
Reduktion der Reisezeit, um gleiche Verhältnisse herzustel-
len, wie sie das Auto bietet, vermehrte Koordination, Förde-
rung des Güterverkehrs, Förderung von Park-and-Ride,
damit überhaupt auf die Bahn umgestiegen werden kann, Wortlaut der Motion vom 4. Oktober 1984
Fortführung und Verstärkung der laufenden Investitionen Der Bundesrat wird beauftragt, eine Revision des Artikels 32
und, was jetzt speziell aktuell ist, durch gezielte Massnah- des StrassenVerkehrsgesetzes auszuarbeiten, mit dem
men, die die Benützung des öffentlichen Verkehrs unterstüt- Zweck, die Höchstgeschwindigkeiten auf den Strassen in
zen sollen (Jahreshalbtaxabonnement usw.). Zu diesen Fra- diesem Gesetz festzusetzen.
gen werden Sie in dieser Session noch Gelegenheit haben,
Stellung zu beziehen. Texte de la motion du 4 octobre 1984
Sie sehen somit, Herr Herczog, die Bundesratsparteien Le Conseil fédéral est chargé de préparer une révision de
haben zur Reduktion der Schadstoffe ein vernünftiges Kon- l'article 32 de la loi sur la circulation routière, et ce dans le
zept. Ich sage dies völlig objektiv. but d'y fixer les vitesses maximales autorisées sur les routes.
Der Antrag Günter für differenzierte Geschwindigkeiten lag
in der Kommission nicht vor. Ich kann somit nicht im Namen Oehler: Ich habe im Jahre 1984 im Anschluss an die Diskus-
der Kommission dazu Stellung nehmen, aber ich kann Ihnen sionen über die Geschwindigkeitsbegrenzungen im Zusam-
sagen, dass die Frage in diesem Hause nicht neu ist. Sie menhang mit dem Entscheid des Bundesrates, aber auch
bringt - Herr Günter hat das selbst zugegeben - verschie- mit Blick auf die Volksinitiative eine Motion deponiert in der
dene Probleme, meines Erachtens nicht zuletzt ein soziales. Absicht und mit dem Vorschlag, die Geschwindigkeitsbe-
Wer sich einen Katalysatorwagen leisten kann, erfährt näm- grenzungen im Strassenverkehrsgesetz (Artikel 32) zu
lich eine Besserbehandlung. Auch die Kontrolle ist sicher regeln. Artikel 32 des Strassenverkehrsgesetzes umschreibt
nicht sehr einfach. Wenn Sie der Kommission folgen, bleibt in Absatz 1, dass die Geschwindigkeit generell stets den
so oder so der Bundesrat zuständig. Er wird das Problem - Umständen anzupassen ist. Absatz 2 - und um diesen Arti-
davon bin ich überzeugt- aufmerksam verfolgen und neue kel geht es letztlich - bestimmt die Kompetenz und lautet:
Erkenntnisse wieder in die Tat umsetzen. Das Problem wird «Der Bundesrat beschränkt die Geschwindigkeit der Motor-
also nicht schubladisiert. fahrzeuge auf allen Strassen.» Abweichungen sind gemäss
In diesem Sinne bitte ich Sie, dem Antrag der Kommissions- diesem Artikel 32 SVG selbstverständlich zulässig, und als
mehrheit zuzustimmen, d. h. der Initiative keine Folge zu zuständig werden entweder die kantonalen Behörden oder
geben. das EJPD erklärt.
Meine Motion bezweckt nicht, die generelle Regelung in
M. Massy, rapporteur: En ce qui concerne l'initiative parle- Absatz 1 zu ändern. Aber eine neue Situation in der Kompe-
mentaire de M. Herczog, je n'ai rien de spécial à ajouter au tenzverteilung hat sich im Anschluss an den Entscheid des
rapport écrit de la commission qui est très clair. Les nou- Bundesrates ergeben, der nach Meinung von Herrn Herczog
velles interventions, ce matin, à cette tribune, n'ont rien der dümmste Entscheid seit seiner Einsitznahme in diesem
apporté de nouveau. Les limitations actuelles de vitesse à Rat gewesen sei. Es war ein Entscheid, der je nach Standort
80 km sur les routes et 120 km sur les autoroutes semblent anders beurteilt wird; er hat aber immerhin die mittlere
rallier une majorité de citoyens. Je vous propose donc, au Unzufriedenheit auf beiden Seiten wesentlich erhöht.
nom de la majorité de la commission, de refuser l'initiative Die verwaltungsinterne, dann aber vor allem auch die öffent-
parlementaire de M. Herczog. liche Diskussion hat uns aufgezeigt, dass die Festsetzung
Personnellement, je vous prie de faire de même pour la der Höchstgeschwindigkeiten einen völlig neuen Aspekt,
proposition Günter puisque la commission n'a pas pris nämlich denjenigen einer politischen Diskussion, angenom-
position. men hat. Der Gesichtspunkt der Verkehrssicherheit bleibt
D'autre part, le groupe libéral unanime s'opposera à l'initia- zwar dominant und darf selbstverständlich auch in Zukunft
tive et à la proposition Günter. keinesfalls ausser acht gelassen werden. Hinzu kommt-wir
alle wissen es - als neues Element der Umweltschutz. Im
Le président: Mme Kopp, conseillère fédérale, ne désirant besonderen geht es dabei bekanntlich um die Begrenzung
pas s'exprimer, nous pouvons passer à la votation. Je vous des Ausstosses der Abgase der Motorfahrzeuge. Hierüber
rappelle que la commission propose de ne pas donner suite will und kann ich im Zusammenhang mit meiner Motion
à l'initiative, M. Günter propose d'y donner suite. nicht referieren.
Im Frühjahr und im Sommer 1984 ist in der schweizerischen
Abstimmung - Vote Oeffentlichkeit und über die Medien eine heftig geführte
Diskussion über uns ergangen. Sie hat uns mit aller Deut-
Für den Antrag der Kommission 72 Stimmen lichkeit vor Augen geführt, dass die Bestimmung der
Für den Antrag Günter 37 Stimmen Höchstgeschwindigkeiten fürden Motorfahrzeugverkehrein
Politikum mit grösster Brisanz geworden ist. Diese Beob-
achtung bzw. diese Erfahrung darf uns nicht überraschen.
Rund 40 Prozent der Gesamtbevölkerung - eingeschlossen
Säuglinge und älteste Leute - sind Automobilisten, also
Inhaber von Führerausweisen. Mit Blick auf die Altersgruppe
der 20- bis 75jährigen beträgt der Anteil heute knappe
68 Prozent, also weit mehr als zwei Drittel der Gesamtbevöl-
kerung. Vor diesem Hintergrund überrascht es nicht, dass
diese Gruppe an der Regelung der Tempolimiten in hohem
Masse interessiert ist.
Die Frage, wer diese Limite festsetzen soll, ist bis anhin im
Gesetz geregelt: der Bundesrat. Es ist Ihnen bekannt, dass
Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften
Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées
Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali
Parlamentarische Initiative (Herczog) Tempo 80/100
Initiative parlementaire (Herczog) Limitation de vitesse 80/100
In Amtliches Bulletin der Bundesversammlung
Dans Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale
In Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale
Jahr 1986
Année
Anno
Band II
Volume
Volume
Session Sommersession
Session Session d'été
Sessione Sessione estiva
Rat Nationalrat
Conseil Conseil national
Consiglio Consiglio nazionale
Sitzung 05
Séance
Seduta
Geschäftsnummer 84.225
Numéro d'objet
Numero dell'oggetto
Datum 05.06.1986 - 08:00
Date
Data
Seite 633-638
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Ref. No 20 014 361
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