Legislator Rechtsprechung & Gesetzgebung
VPB 83-444 KI-generiert

Federal Government Declines Intervention in Wagon Factory Closure

Geschäftsnummer VPB 83-444
Gericht / Behörde
Rechtsordnung Schweiz · Verwaltungspraxis der Bundesbehörden (VPB) (CH)
Entscheiddatum
Ausgang Abgewiesen (Dismissed)

Legislator-Zusammenfassung

KI-generiert

The federal government will not intervene to prevent the closure of a wagon factory and will not order new wagons to keep it open, as such measures would not address the core issue of overcapacity in the industry and could lead to economically detrimental structural preservation. While acknowledging the social hardships caused by such closures, the government asserts that business decisions are primarily the responsibility of entrepreneurs, and a national interest justifying federal takeover does not exist in this case, although it will continue to provide support through unemployment benefits and job placement services to mitigate the consequences for affected workers.

Legislator-Regeste

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Federal Government Declines Intervention in Wagon Factory Closure: While acknowledging the social hardships caused by such closures, the government asserts that business decisions are primarily the responsibility of entrepreneurs, and a national interest justifying federal takeover does not exist in this case, although it will continue to provide support through unemployment benefits and job placement services to mitigate the consequences for affected workers.

Schlagwörter

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Betriebsschliessung Erhaltung von Arbeitsplätzen schwerer Härtefall Rückzug der Klage strukturelle Arbeitslosigkeit Abbruchverbot
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Volltext

Interpellation Lieberherr 394 19 septembre 1983

#ST# 83.444 régionaux et les trains-navette, etc.), ce qui permettrait de

surmonter les difficultés actuelles?

Interpellation Lieberherr Dans quelle mesure serait-il possible de passer de telles

Waggons-Industrie Schlieren. Überbrückungsauf- commandes, qui auraient un effet important sur l'emploi

trag dans les usines de Schlieren?

Fabrique de wagons de Schlieren. 2. Les CFF pourraient-ils passer des commandes pour des

Commandes destinées à surmonter la période voitures unifiées du type IV, en plus du nombre prévu?

transitoire 3. Quel genre d'aide le gouvernement prévoit-il d'accorder

dans le cadre d'une opération destinée à sauver l'emploi

pendant la période critique?

4. Le Conseil fédéral n'est-il pas de l'avis qu'il conviendrait

de mettre temporairement la fabrique de wagons de Schlie-

ren au bénéfice de la recommandation faite aux CFF par le

Wortlaut der Interpellation vom 7. Juni 1983 Département fédéral de l'économie publique (30 pour cent

des commandes en faveur des régions économiquement

Die Schindler Wagons- und Aufzügefabrik Schlieren soll

faibles)?

nach Absicht der Schindler-Holding in zwei Jahren

geschlossen werden. Es besteht die Gefahr, dass wegen Mitunterzeichner - Cosignataires: Belser, Bührer, Donzé,

einer vorübergehenden Auftragsflaute in der ersten Hälfte Gassmann, Meylan, Miville, Piller, Weber (8)

der achtziger Jahre Kapazitäten in der Waggonindustrie

abgebaut werden, die nach 1985 wegen der in Aussicht

gestellten Grossaufträge wieder ausgelastet werden könn- Frau Lieberherr: Ich habe diese Interpellation seinerzeit

ten (Zürcher Tram 2000, Zürcher S-Bahn, Privatbahnen, eingereicht, als die Wagonfabrik Schlieren mit ihrer

Hochgeschwindigkeitszüge). Entscheidung, den Betrieb zu schliessen, nicht nur das

Nach verbreiteter Auffassung haben die schweizerischen Personal und dessen Verband, sondern die ganze Gemeinde

Bahnen zum Teil sehr überaltetes Rollmaterial, das revi- Schlieren, den Kanton Zürich und insbesondere auch die

sionsbedürftig ist oder nach dem Umbau anderweitig einge- Stadt Zürich schockierte. Die Stadt Zürich pflegt seit Jahr-

setzt werden könnte. Die Auftragserteilung für solche Revi- zehnten mit Schlieren intensive Kontakte. Die Einrichtungen

sionen könnte unter Umständen dazu dienen, die Schlies- des Gaswerkes funktionierten über Jahrzehnte hinweg in

sung des Werkes Schlieren zu verhindern. dieser Gemeinde, und die Verkehrsbetriebe der Stadt Zürich

waren seit jeher ein nicht zu unterschätzender Auftraggeber

Der Bundesrat wird deshalb um Auskunft gebeten:

für die Wagonfabrik Schlieren.

1. Welche Möglichkeiten sieht der Bundesrat, innert Jahres- In der Zwischenzeit sind die Waggons leider abgefahren, die

frist Überbrückungsaufträge für die Revision und Umbau Weichen wurden anders gestellt, und es wäre müssig, heute

von SBB-Rollmaterial in die Wege zu leiten? (Z.B. Umbau noch das sagen zu wollen, was ich damals gerne geäussert

von SBB-Einheitswagen l zu Steuerwagen, Modernisierung hätte, wenn meine Interpellation, wie gewünscht, als dring-

von Leichtstahlwagen zu moderneren Personenwagen für lich erklärt worden wäre. Boykotte wurden seither ausge-

Regional- und Pendelzüge usw.). In welchem Ausmass sprochen und wieder aufgehoben und zurückgehaltene Auf-

wären solche Aufträge mit besonderer Beschäftigungswir- träge schliesslich doch erteilt. Sicher nicht unwesentlich

kung für Schlieren möglich? unter dem Druck der Öffentlichkeit wurde zwischen dem

2. Welche Möglichkeiten für Bestellung von zusätzlichen Schindler-Management AG und der Schweizerischen

Einheitswagen IV bestehen für die SBB, und zwar über das Wagons- und Aufzügefabrik Schlieren einerseits und dem

heute bestellte Auftragsvolumen hinaus? Stadtrat Schlieren andererseits am 31.August 1983 eine

3. Welche Finanzierungsbeihilfen durch den Bund gedenkt Vereinbarung abgeschlossen, in welcher das weitere Vorge-

der Bundesrat im Rahmen einer überbrückenden Beschäfti- hen und die sich daraus ergebenden Verpflichtungen im

gungsmassnahme in Aussicht zu nehmen? Zusammenhang mit der geplanten Schliessung des Werkes

4. Ist der Bundesrat nicht auch der Meinung, dass die vom Schlieren geregelt wurden. Diese Übereinkunft hat dann

EVD gegenüber den SBB geltend gemachte Empfehlung (30 den Stadtrat von Zürich auch bewogen, eine grössere Ver-

Prozent der Aufträge für wirtschaftlich schwache Gebiete) gebung von Rollmaterial für die Verkehrsbetriebe, wie

vorübergehend auch auf die Wagonfabrik Schlieren ausge- ursprünglich vorgesehen, an die Schindler-Waggon AG

dehnt werden sollte? Pratteln, die SIG (Schweizerische Industrie-Gesellschaft

Neuhausen) und an die BBC (Brown, Boveri & Co. Baden-

Texte de l'interpellation du 7 juin 1983 Oerlikon) zu tätigen.

La société holding Schindler a l'intention de fermer dans Die Schliessung des Schlierener Betriebes hat nicht nur

deux ans la fabrique de wagons et d'ascenseurs de Schlie- einen grossen Verlust von Arbeitsplätzen für Schlieren und

ren. A cause d'une baisse temporaire des commandes au Umgebung zur Folge, sondern auch ein weiteres Schrump-

cours de la première moitié des années 80, on risque de fen des Arbeitsplatzangebotes im Produktionssektor. Die

réduire la capacité de production dans l'industrie des Wirtschaft im Einflussbereich von Zürich richtet sich je

wagons, capacité qui pourrait de nouveau être utilisée en länger desto mehr auf den Tertiärsektor aus, was einer

plein dès 1985, en raison des grosses commandes en vue .wünschbaren Diversifikation entgegenläuft. Ein grosses

(tram 2000 de Zurich, réseau express de la région de Zurich, Potential technisch orientierter Arbeitskräfte wird, sofern sie

chemins de fer privés, trains à grande vitesse). aus familiären Gründen nicht über die nötige Mobilität verfü-

De l'avis général, le matériel roulant des chemins de fer gen, artfremd beschäftigt werden müssen. Das wird für viele

suisses est parfois très désuet et aurait besoin d'être révisé Mitarbeiter einen finanziellen und auch einen sozialen

ou pourrait, après transformation, être utilisé à d'autres fins. Abstieg bedeuten. Für rund 310 Mitarbeiter sind voraus-

En passant des commandes pour de telles révisions, on sichtlich neue Arbeitsplätze zu suchen. Die Art und Weise,

pourrait éventuellement éviter la fermeture de l'usine de wie die Schindler-Konzernleitung die Schliessung des

Schlieren. Betriebes in Schlieren an die Hand nahm, musste allgemein

Etant donné ce qui précède, le Conseil fédéral est prié de befremden. Noch im Jahresbericht 1982 des Verwaltungsra-

fournir les renseignements suivants: tes der Schindler-Holding AG für die am 9.Juni 1983 vorge-

1. Le Conseil fédéral voit-il une possibilité de faire préparer sehene Generalversammlung war offenbar mit Genugtuung

par les CFF, d'ici un an, des commandes portant sur la festgestellt worden, dass gleichzeitig mit einer Erhöhung

révision et la transformation de matériel roulant (p. ex. trans- des Umsatzes von nahezu 12 Prozent eine nochmalige Ver-

formation des voitures unifiées du type I en voitures pilotes, besserung der Ertragslage habe erzielt werden können,

modernisation de voitures légères en voitures pour les trains übertreffe doch der Konzerngewinn von 41 Millionen Fran-

19. September 1983 395 Interpellation Lieberherr

ken den Vorjahreswert um 32,7 Prozent. Aus dem letztjähri- gungsmöglichkeiten zu verhelfen. Der Bundesrat ist sich

gen Ergebnis solle deshalb eine gegenüber dem Vorjahr sehr wohl bewusst, dass damit lediglich die finanzielle Seite,

unveränderte Dividende an die Aktionäre ausgerichtet wer- nicht jedoch alle menschlich-persönlichen Probleme gemil-

den. Der Stadtrat von Zürich hat dann auch an seiner Sit- dert werden.

zung vom 18. Mai 1983 mit grossem Befremden von der Die von der Interpellantin geforderten staatlichen Massnah-

Absicht der Schindler-Konzernleitung, den Betrieb in Schlie- men sind nicht allein im Hinblick auf die geplante Schlies-

ren zu schliessen, Kenntnis genommen. sung der Wagon- und Aufzügefabrik Schlieren zu würdigen,

In einem Pressecommuniqué hat er darauf hingewiesen, wenn im Vergleich zu anderen Betriebsstillegungen über-

dass die Region Zürich ein vitales Interesse an der Erhaltung durchschnittlich viele Arbeitnehmer von diesem Entscheid

des industriellen Sektors habe, und er erwarte von der betroffen sein werden; es ist auch an andere Unternehmen

Leitung des Konzerns, dass sie ihren Entscheid nochmals zu denken. Das Recht auf staatliche Leistungen zur Abwen-

überprüfe. Für ihren Entscheid machte die Wagonfabrik dung einer drohenden Betriebsschliessung aus wirtschaftli-

Schlieren strukturpolitische Überlegungen geltend. Dies chen Gründen müsste ja, wenn wir dem Antrag von Frau

mag, wirtschaftlich gesehen, gerechtfertigt sein. Ob es poli- Lieberherr entsprechen könnten, auch anderen Unterneh-

tisch tragbar ist, dass eine international ausgerichtete Unter- mungen zugestanden werden. Eine solche Politik - so sehr

nehmung derart massiv in die Bereiche der Produktions- sie vielleicht im ersten Augenblick verlockend erscheint -

strukturen eingreift, ist allerdings eine andere Frage. müsste zu Strukturerhaltungen führen, die gesamtwirt-

Beim Produkt der Wagonfabrik handelt es sich ja nicht um schaftlich für die Arbeitnehmer nicht von gutem wären, weil

irgend ein Konsumgut. Es ist ein Produkt, das im Sektor des wir dann vom Ausland her überrundet würden, was zu

öffentlichen Verkehrs eine zentrale Rolle spielt. Es kann uns Fehlleitungen, zur Verschleuderung öffentlicher Mittel und

nicht gleichgültig sein, ob und wer Innovationsarbeit leistet. letztlich zur Einbusse unserer internationalen Wettbewerbs- '

Es ist bedauerlich, dass man auf die Forderung der SP- fähigkeit führen müsste. Wir haben ja in einer vorhergehen-

Schweiz, Überbrückungsaufträge im Waggonbau und in der den Gesprächsrunde- bei der Interpellation von Herrn Hefti

Erneuerung der Eisenbahnwagen zu erteilen, um das Werk - gesehen, dass uns die ausländische Industrie ihrerseits

Schlieren zu retten, nicht eingetreten ist. Ein entsprechen- nicht nur liebevoll behandelt, sondern eine Konkurrenzsi-

der Antrag wurde unsererseits bereits bei der Behandlung tuation bringt, die, solange der Wettbewerb fair bleibt, von

des Budgets 1983 im Rate hier gestellt. Man ging dabei von uns akzeptiert wird, die aber, wo er unfair wird, von uns hart

der Überzeugung aus, Überbrückungsaufträge könnten bekämpft werden muss.

Kapazitäten auslasten, bis die Waggonindustrie in der zwei- Ich meine also, wenn man Verluste staatlich sozialisieren

ten Hälfte der achtziger Jahre die vorgesehenen Grossauf- würde, wäre das eine Scheinlösung; das Problem an und für

träge erhält, nämlich unter anderen diejenigen für die Zür- sich bliebe bestehen, die Innovationskraft ginge verloren

cher S-Bahn. Wirtschaftliche Entscheidungen dieser Dimen- und damit die gesamte Stellung unserer schweizerischen

sion können nicht Privatsache sein. Sie stossen stark in Volkswirtschaft, die - wie Sie wissen - ausserordentlich

öffentliche Intressen hinein. Im Falle der Wagonfabrik stark exportorientiert ist. Ich würde sogar sagen: erhöhte

Schlieren war das Vorgehen sicher nicht richtig. Ein stärke- Arbeitslosigkeit wäre die Folge. Somit muss ich diesen

res öffentliches Engagement wäre nicht nur wünschbar, ersten Teil meiner Überlegungen mit dem an und für sich

sondern absolut notwendig gewesen. bedaurlichen, aber wahren Satz beenden: Eine Schliessung

Ich bitte den Bundesrat, im Rahmen seiner Wirtschaftspoli- von Unternehmen bleibt in unserem Wirtschaftssystem ein

tik sowohl auf die Erhaltung von Arbeitsplätzen als auch auf unternehmerischer Entscheid; unsere Wirtschaftsverfas-

die Förderung guter Wettbewerbsverhältnisse im Sektorder sung schliesst die Übernahme von Verlusten durch den

Angebote für die öffentliche Hand grössten Wert zu legen. Bund zum Zweck der Erhaltung von Unternehmen aus,

sofern kein nationales Interesse am Weiterbestand eines

Bundesrat Purgier: Gründung und Schliessung von Unter- bestimmten, konkreten Unternehmens besteht. Ein solches

nehmen gehören zu den Wesensmerkmalen unserer wettbe- nationales Intresse können wir- bei aller Zuneigung zu den

werbsorientierten Wirtschaftsordnung, wobei jede Schlies- Menschen in diesem betroffenen Werk - hier nicht anneh-

sung enorme menschliche, soziale Probleme mit sich bringt, men; wir können demzufolge auch nicht die staatliche Über-

wie wir alle wissen - deshalb auch die dieser Sorge entspre- nahme des in Gefahr geratenen Unternehmens beantragen.

chende Interpellation von Frau Lieberherr. Eine Waggonfabrik unterscheidet sich von anderen Unter-

Soll die Forderung nach verstärkter struktureller Anpassung nehmungen dadurch, dass öffentliche Transportunterneh-

an die sich rasch wandelnden Umweltbedingungen nicht men ihre hauptsächlichen Auftraggeber sind.

eine theoretische Aussage, ein Lippenbekenntnis bleiben, Von verschiedenen Seiten wurde seit langer Zeit auf die

dann können Umstellungen, Veränderungen in der Indu- Notwendigkeit eines Kapazitätsabbaus hingewiesen. Mit der

striewelt - in Extremfällen auch Betriebsschliessungen - Binnennachfrage allein können die vorhandenen Kapazitä-

nicht von Staates wegen grundsätzlich abgelehnt oder ver- ten im schweizerischen Waggonbau auf die Dauer nicht

hindert werden. Sie sind in der Regel - ich wiederhole es - ausgelastet werden. Ich bin mir bewusst, dass das wiederum

für die Betroffenen mit wirtschaftlichen und sozialen Härten eine schmerzhafte Feststellung ist, aber es hat keinen Sinn,

verbunden, die es im Rahmen des Möglichen zu mildern gilt. sich gegenseitig Sand in die Augen zu streuen. Es ist ein

Deshalb möchte ich sagen: Wenn in einer Wirtschaftsord- ausgesprochen generelles Problem. Denken Sie an die Pro-

nung, wie wir sie kennen, Betriebsschliessungen möglich bleme in den anderen Ländern beim Stahl- und beim

bleiben, dann steht als Korrelat dazu die Verpflichtung der Schiffsbau, um nur zwei Beispiele zu nennen. Dort, wo

Unternehmer, die nachteiligen Folgen von Betriebsschlies- Kapazitätsüberhänge bestehen, müssen so rasch als mög-

sungen und Entlassungen nach Möglichkeit zu mildern lich Kapazitätsanpassungen vorgenommen werden, wenn

sowie die Wiedereingliederung der Entlassenen zu fördern. man nicht Verluste auf Vorrat in Kauf nehmen will, die es

Im vorliegenden Fall stellten wir fest, dass die Vertragspart- dann zu finanzieren gilt und die Negativwirkungen, wie die

ner untereinander solche Vereinbarungen getroffen haben bereits angetönten, haben.

und weiterhin im Einvernehmen mit dem Kanton und der Zur Frage, ob im vorliegenden Fall mit zusätzlichen Aufträ-

Stadt, den Gewerkschaften und allen Beteiligten nach Ver- gen der Weiterbestand der Schweizerischen Wagon- und

besserungen zum Auffangen der soeben erwähnten Härten Aufzügefabrik AG Schlieren, der SWS, gesichert werden

suchen. Zum Abbau der Schwierigkeiten tragen auch staatli- könnte, erlaube ich mir folgende Bemerkungen.

che Leistungen bei. So sollen die Arbeitslosenversicherung 1. Die SWS beschäftigt rund einen Viertel bis einen Drittel

und andere finanzielle Beihilfen die einkommensseitigen ihrer Arbeitnehmer im Waggonbau. Der Schliessungsent-

Schwierigkeiten überbrücken helfen. Mit der Arbeitsvermitt- scheid ist auf die unbefriedigende Auftrags- und Ertragslage

lung, der ich ein grosses Gewicht gebe, muss sodann ver- in sämtlichen Sparten zurückzuführen. Mehraufträge im

sucht werden, die Dauer der Arbeitslosigkeit zu reduzieren Waggonbau würden die Probleme in anderen Bereichen

und den freigestellten Arbeitnehmern zu neuen Beschäfti- nicht einfach zum Verschwinden bringen.

Interpellation Lieberherr 396 19 septembre 1983

2. Aufgrund eines Abkommens, das 1981 zwischen der Schliessung kommen soll. Damit zeigt dieses Beispiel auch,

Wagonfabrik Schlieren, den Schindler-Waggons Pratteln dass alle Unternehmen im Rahmen des Menschenmögli-

und der Industriegesellschaft Neuhausen (SIG) abgeschlos- chen aufgerufen sind, rechtzeitig für Innovationen besorgt

sen worden ist, wurden gleichsam Arbeitsbereiche zugewie- zu sein und diesbezügliche Mittel in Forschung und

sen. Die SWS - also Schlieren - hatte sich nach dieser Entwicklung einzubringen; es kann uns endlich zeigen, dass

Arbeitsaufteilung vor allem auf Revisionen und den Bau von unsere freie Wirtschaft Möglichkeiten finden muss, um den

Komponenten zu spezialisieren, wie die Interpellantin weiss. hohen Stand an technischem Können weiterhin allen nutz-

Dieses Abkommen zeigt Ihnen deutlich, dass schon damals bar zu machen.

der Kapazitätsüberhang erkannt worden war. Dieses In diesem Sinne kann ich Ihnen sagen, dass der Bundesrat

Abkommen ist auch eine Antwort auf die Appelle der öffent- alles daran setzt, um durch ein gutes Arbeitslosenrecht und

lichen Hand, die damals eine Spezialisierung anstrebte und durch ein gutes Arbeitsvermittlungsverfahren zusammen

unterstützte. Mit zusätzlichen Bestellungen von Einheitswa- mit dem Kanton das jetzt Mögliche zu tun. Eine Übernahme

gen EW IV könnte die Beschäftigung in der SWS nicht auf durch den Bund ist aber ausgeschlossen, und eine Auftrags-

längere Dauer nachhaltig stimuliert werden. Ich erinnere an erteilung, ohne dass entsprechende Bedürfnisse bestehen,

die Debatten, die wir beim Budget und nachher beim Mass- würde weit über das in unserer Wirtschaft Mögliche und

nahmenpaket in der Märzsession miteinander führten. dem Staat Erlaubte hinausschiessen.

3. In der Waggonindustrie herrscht seit längerer Zeit der

vorher geschilderte Angebotsüberhang bei ausgesprochen Frau Lieberherr: Ich kann mich natürlich mit den grundsätz-

schlechter Auslastung der vorhandenen technischen Kapa- lichen Überlegungen des Bundesrates nicht einverstanden

zitäten. Wenn ich nun all dem Rechnung tragen könnte, was erklären.

Sie begreiflicherweise wünschen, dann müsste beim gege-

benen Auftragsvolumen das alles zu Lasten anderer Unter-

nehmer und Unternehmen, also auch anderer Arbeitnehmer Schluss der Sitzung um 19.20 Uhr

erfolgen. Es würden mit anderen Worten die Schwierigkei-

ten von A nach B transponiert, und eine grundsätzliche La séance est levée à 19 h 20

Lösung dieses Problems hätten wir doch nicht erreicht.

4. Im Beschäftigungsprogramm - darf ich darauf hinweisen

- sind Rollmaterialbeschaffungen im Umfang von 70,4 Mil-

lionen Franken sowie Revisionen von SBB-Wagen im Betrag

von 2,5 Millionen Franken enthalten. Und ein Teil dieser

Aufträge wird an Schlieren vergeben. Die entsprechenden

Verhandlungen sind im Gang. Aber ich bin mir bewusst,

dass auch das nur zu einer Verzögerung führt, nicht zur

grundsätzlichen Lösung der von Ihnen und von mir hier

geschilderten Probleme.

5. Die Frage zusätzlicher Aufträge ist auch unter dem

Gesichtspunkt des Bedarfs zu prüfen. Anlässlich der Debat-

ten im März haben Sie diese Bedürfnisfrage sehr sorgfältig

ausdiskutiert. Vor allem mache ich darauf aufmerksam, dass

die SBB, die ja unter Ihrer Kontrolle eine eigenständige

Wirtschafts- und Verkehrspolitik entwickeln möchten, es mit

dem Hinweis auf Ihren Leistungsauftrag abgelehnt haben,

die zusätzlichen Beschaffungs- bzw. Revisionskosten zu

finanzieren.

Ich sage noch einmal, die Aufträge aus dem Beschaffungs-

programm werden sicher dazu beitragen, die Verhandlun-

gen über den Zeitpunkt der Unternehmensschliessung zu

erleichtern. Sie haben also Wirkung. Und unter der Leitung

der Firma Schindler prüfen Gewerkschaften, Behörden des

Kantons Zürich und der Stadt Schlieren Möglichkeiten zum

Aufbau neuer Arbeitsplätze auf dem freiwerdenden Werka-

real. Sie sind darüber in allerjüngster Zeit orientiert worden.

Die eingesetzte Arbeitsgruppe gibt sich zuversichtlich. Die

Vereinbarung zwischen der Schindler Management AG und

der SWS einerseits, dem Regierungsrat des Kantons und

dem Stadtrat von Zürich andererseits enthält neben ver-

schiedenen Zusicherungen des Schindler-Konzerns über

den Auslaufplan und die Entlassungen auch die Aufhebung

des Boykotts, den der Regierungsrat seinerzeit über die

Schindlerprodukte verhängt hatte.

Auch wenn die Schliessung der SWS damit für die betroffe-

nen Arbeitnehmer schmerzliche Tatsache bleibt, haben die

Verhandlungsergebnisse dennoch Erfolge gezeitigt in Rich-

tung besserer Lösungen. Sofern sich weitere Schwierigkei-

ten ergeben, werden die vorerwähnten Verhandlungspart-

ner- notfalls, wenn man den Bund braucht, auch wir-, alles

tun, um das entstehende Leid zu lindern und neue Lösun-

gen zu suchen.

Darf ich abschliessend bemerken: Mir scheint, dass an die-

sem Beispiel das Hauptproblem der Industriegesellschaft

von heute sehr deutlich wird, nämlich der veränderungsbe-

dingte Zwang zur Innovation, zum Ausbau der Produktenpa-

lette, zum Verzicht auf veraltete Produktbereiche und zum

Ersatz für die freiwerdenden Kapazitäten, sofern es nicht zur

Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften

Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées

Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali

Interpellation Lieberherr Waggons-Industrie Schlieren. Überbrückungsauf- trag

Interpellation Lieberherr Fabrique de wagons de Schlieren. Commandes destinées à

surmonter la période transitoire

In Amtliches Bulletin der Bundesversammlung

Dans Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale

In Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale

Jahr 1983

Année

Anno

Band IV

Volume

Volume

Session Herbstsession

Session Session d'automne

Sessione Sessione autunnale

Rat Ständerat

Conseil Conseil des Etats

Consiglio Consiglio degli Stati

Sitzung 01

Séance

Seduta

Geschäftsnummer 83.444

Numéro d'objet

Numero dell'oggetto

Datum 19.09.1983 - 18:15

Date

Data

Seite 394-396

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Ref. No 20 011 949

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