Müller-Aargau Postulate: Election of Swiss Delegation to Council of Europe
Legislator-Zusammenfassung
KI-generiertThe presented text includes two parliamentary postulates concerning the election of the Swiss delegation to the Council of Europe. The first, Postulat Uchtenhagen, requested the regulation of parliamentary groups and was deemed fulfilled and therefore closed. The second, Postulat Müller-Aargau, specifically proposed that the delegation to the Council of Europe be elected by the Federal Assembly rather than the Bureau, arguing this would increase public awareness and the perceived importance of Swiss foreign policy. The Bureau rejected this, citing constitutional arguments against disenfranchising the Council of States and suggesting alternative methods for enhancing the delegation's visibility, leading to the rejection of the postulate.
Legislator-Regeste
KI-generiertArt. 85 Ziffer 4 BV, Art. 93; Müller-Aargau Postulate: Election of Swiss Delegation to Council of Europe: The first, Postulat Uchtenhagen, requested the regulation of parliamentary groups and was deemed fulfilled and therefore closed. The second, Postulat Müller-Aargau, specifically proposed that the delegation to the Council of Europe be elected by the Federal Assembly rather than the Bureau, arguing this would increase public awareness and the perceived importance of Swiss foreign policy. The Bureau rejected this, citing constitutional arguments against disenfranchising the Council of States and suggesting alternative methods for enhancing the delegation's visibility, leading to the rejection of the postulate.
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KI-generiertVerwandte Entscheide
KI-generiertZentrale Rechtsfragen, extrahiert von Legislator
KI-generiertCited as the constitutional basis for the election of federal officials by the United Federal Assembly, which the proposal would contradict.
Cited as the principle of separate deliberation by the two chambers, which the proposal would violate.
Volltext
20. März 1984 N 277 Postulat Müller-Aargau
#ST# 81.402 Chambres fédérales auprès du Conseil de l'Europe. Le
Bureau informera le Conseil national des résultats de cet
Postulat Uchtenhagen examen.
Parlamentarische Gruppen
Mitunterzeichner - Cosignataires: Aider, Barchi, Biel, Bir-
Clubs parlementaires cher, Delamuraz, Duboule, Girard, Humbel, Jaeger, Keller,
Kloter, Meier Josi, Muheim, Müller-Bern, Oester, Renschler,
Fortsetzung - Suite Schalcher, Schär, Widmer, Wilhelm (20)
Siehe Jahrgang 1982, Seite 541 - Voir année 1982, page 541 Schriftliche Begründung - Développement par écrit
Obwohl die Aussenpolitik unseres Kleinstaates zuerst ein-
mal Europapolitik sein muss, findet die Tätigkeit unserer
Delegation im Europarat wenig bis kein Interesse in der
Öffentlichkeit und entsprechend auch in unseren Medien.
Le président: Dans la séance du 19 mars 1982, la discussion Dieser Teufelskreis der Missachtung hat seinen Ausgangs-
a été demandée par Mme Eppenberger qui a combattu le punkt beim Wahlmodus der Delegation.
postulat que le Bureau proposait d'accepter. Es ist unsinnig zu glauben, Parlamentarier besässen öffentli-
ches Ansehen, wenn sie wie Kommissionsmitglieder durch
M. Kohler Raoul, rapporteur: Par voie de postulat, die Büros der eidgenössischen Räte auf Vorschlag der Frak-
Mme Uchtenhagen a demandé, en juin 1981, que soient tionen bestimmt werden, praktisch unter Ausschluss der
réglementés les clubs de parlementaires. Öffentlichkeit.
Le Bureau a proposé à votre conseil d'adopter le postulat de Es ist uns bekannt, dass eine Änderung des Wahlmodus
Mme Uchtenhagen et de le transmettre à la commission schon einmal zur Debatte gestanden und keine Gnade bei
chargée d'examiner l'initiative parlementaire «Réforme du den Räten gefunden hatte.
Parlement». Notre conseil n'a pas eu l'occasion de se pro- Seit das Europaparlament aber durch Direktwahlen
noncer sur ce postulat, mais la commission «Réforme du bestimmt wird, hat sich die Situation grundlegend geändert.
Parlement» en a tenu compte au cours de ses travaux. Elle a Das Ansehen des Europarates droht neben demjenigen des
proposé un nouvel article 8seplies de la loi sur les rapports Europaparlamentes zu verblassen.
entre les conseils, dans lequel sont précisées les conditions Vor allem in der Schweiz haben wir dafür zu sorgen, dass
que doit satisfaire un groupement de parlementaires pour jenes Gremium, in welchem sich ein Teil unserer offiziellen
bénéficier de facilités administratives. Aussenpolitik abspielt, im Inland durch Änderung des Wahl-
Notre conseil a adopté ces nouvelles dispositions en février modus aufgewertet wird.
de l'année dernière. Entre-temps, le Conseil des Etats s'est
prononcé à son tour, de sorte que nous aurons l'occasion, Schriftliche Stellungnahme des Büros
vendredi prochain, d'adopter les modifications de la loi sur
Rapport écrit du Bureau
les rapports entre les conseils, en votation finale.
Nous pouvons donc constater que, sans que le postulat de 1. Der Wahlmodus der Delegation beim Europarat wurde
Mme Uchtenhagen ait été adopté par notre conseil, il se bereits im Jahre 1963 anlässlich des ersten Bundesbe-
trouve être tout de même exécuté, de sorte que le Bureau schlusses betreffend die Bestellung der Delegation beim
vous propose de classer le postulat. Europarat vom 17./18. Dezember 1963 diskutiert. Damals
stellte sich die Frage, ob die Delegation durch den Rat (nicht
Le président: Le Bureau propose le classement du postulat, wie im vorliegenden Postulat durch die Bundesversamm-
qui est réalisé. Il n'est pas fait d'autres propositions. Il en est lung) oder durch das Büro gewählt werden sollte. Obwohl
ainsi décidé. die Kommission des Nationalrates für auswärtige Angele-
genheiten eine Wahl der Delegation durch den Rat
Abgeschrieben - Classé wünschte, beschloss das Büro am 19. November 1963, dem
Rat die Wahl durch das Büro zu beantragen. Der Nationalrat,
und in der Folge der Ständerat, genehmigten diesen Antrag
diskussionslos.
Für die Wahl durch das Büro wurde vor allem folgender
82.400 Grund angeführt: Das damals erst seit kurzem gültige Rats-
reglement (vom 2. Oktober 1962) übertrug die Wahl sämtli-
#ST#
Postulat Müller-Aargau cher ständigen Kommissionen dem Büro. Für die Delegation
Delegation beim Europarat. Wahlmodus beim Europarat, vom Büro als ständige Kommission
betrachtet, wollte man keine Ausnahme schaffen.
Postulat Müller-Argovie Das Büro teilt auch heute noch diese Ansicht. Es ist sich
Délégation auprès du Conseil de l'Europe. zwar der Tatsache bewusst, dass die Delegation beim Euro-
Mode de désignation des membres parat einen speziellen Aufgabenbereich hat (keine Vorbera-
tungs-, sondern Repräsentationsfunktion), möchte aber
dennoch am Grundsatz festhalten, wonach diese, als stän-
dige Delegation der beiden Räte, nicht anders behandelt
werden soll als andere ständige Kommissionen, zum Bei-
Wortlaut des Postulates vom 9. Juni 1982 spiel die Kommission für auswärtige Angelegenheiten, die
Das Büro des Nationalrates wird gebeten, zu prüfen und zu sich ebenfalls mit aussenpolitischen Fragen befasst.
berichten, ob das Geschäftsverkehrsgesetz oder ein anderes 2. Der Urheber des Postulates verlangt eine Wahl der Dele-
Gesetz in dem Sinne geändert werden kann, dass die Dele- gation beim Europarat durch die Vereinigte Bundesver-
gation der eidgenössischen Räte beim Europarat nach Arti- sammlung, im Gegensatz zu früheren Begehren, die eine
kel 85 Ziffer 4 Absatz 2 BV durch die Bundesversammlung Wahl durch den Rat vorsahen. Die Verwirklichung dieses
gewählt wird. Begehrens würde sowohl eine Änderung des Geschäftsre-
glementes (Art. 14), des Bundesbeschlusses über die Dele-
Texte du postulat du 9 juin 1982 gation der Bundesversammlung beim Europarat als auch
Le Bureau du Conseil national est prié d'examiner s'il serait des Réglementes der Vereinigten Bundesversammlung not-
possible de modifier la loi sur les rapports entre les conseils wendig machen, wofür auch das Einverständnis des Stände-
ou une autre loi, de sorte que l'Assemblée fédérale soit rates einzuholen wäre,
chargée, en vertu de l'article 85, chiffre 4, 2e alinéa, est, de Gegen eine Wahl durch die Vereinigte Bundesversammlung
désigner les membres de la délégation représentant les spricht vor allem ein verfassungsrechtliches Argument. Es
Postulat Müller-Argovie 278 N 20 mars 1984
geht einerseits um die Auslegung von Artikel 85 Ziffer 4 der dort mitarbeitet und dass das nicht etwas ist, was uns
Bundesverfassung, andererseits um den Grundsatz der einfach aufgedrängt wird.
Gleichstellung der beiden Re,te. Bei einer Wahl durch die Das Büro argumentiert damit, dass die Wahl durch das Büro
Vereinigte Bundesversammlung würde der Ständerat mit eigentlich schon öffentlich sei. Aber ich meine eine andere
seinen 46 Mitgliedern stark benachteiligt. Zum verfassungs- Öffentlichkeit. Ich meine, dass es im Bewusstsein der Öffent-
rechtlichen Problem ist in der Literatur nachzulesen: lichkeit sein soll, dass die Schweiz im Europarat in Strass-
«Selbstverständlich bezieht sich Artikel 85 Ziffer 4 nur auf burg mitwirkt. Es ist ja selbstverständlich, dass man wissen
die Wahl von Gerichts- oder Vorwaltungsbeamten, nicht von und nachfragen kann, wer dieser Delegation angehört. Es
parlamentarischen Kommissionen, die zuhanden der Räte fehlte gerade noch, dass diese gewählt würde wie ein Feme-
vorbereitende Beratungen pllegen oder in ihrem Namen gericht. Aber auf der anderen Seite fehlt doch im Schweizer-
delegationsweise Kompetenzen ausüben (z. B. der Auf- volk das Bewusstsein, dass die Schweiz in Strassburg mitar-
sicht). Eine Ernennung solcher Kommissionen durch die beitet.
Vereinigte Bundesversammlung würde dem Grundsatz der Ich möchte ein Beispiel geben: Der Ständerat hat die Sozial-
Gleichstellung beider Räte und der gesonderten Beratung charta behandelt. Ich bin überzeugt, dass ein grosser Teil
(Art. 93) widersprechen.» (W. Burckhardt, Kommentar der der Bevölkerung diese Sozialcharta als etwas Fremdes
Schweizerischen Bundesverfassung, 3. Aufl. Bern 1931, angesehen hat, etwas, das nicht von der Schweiz mitgestal-
S. 672). tet worden ist. Aber das war der Fall ! Ich bin überzeugt, dass
3. Mit dem Postulat soll das Ansehen des Europarates und viele Menschen, wenn sie hören, dass jemand an die Men-
der schweizerischen AussenDolitik gestärkt werden. Das schenrechtskommission appelliert, nicht wissen, dass das
Büro bezweifelt, dass das geringe Interesse der Medien und auch unsere Kommission ist, weil wir dort beteiligt sind. Ich
der Öffentlichkeit an der Aussenpolitik unter anderem auf bin überzeugt davon, dass viele Menschen in der Schweiz,
die Art der Wahl der Mitglieder der Europaratsdelegation wenn der Gerichtshof in Strassburg angerufen wird, nicht
zurückzuführen ist. Im Ständerat werden die ständigen wissen, dass das auch unser Gerichtshof ist, sondern sie
Kommissionen (auch die standerätlichen Mitglieder der sehen darin fremde Richter. Das alles zeigt doch, dass die
Europaratsdelegation) durch den Rat, also in einem öffentli- Europapolitik der Schweiz gar nicht ins Bewusstsein der
chen Verfahren, gewählt. Das Interesse der Medien an die- Bevölkerung eingedrungen ist. Hier möchte ich ein Zeichen
ser Wahl ist jedoch nicht grässer als im Nationalrat. Die setzen und alle Unterzeichner mit mir, ein Zeichen setzen,
Mitglieder aller ständigen Kommissionen werden sowohl in indem wir die Wahl anders durchführen; die Wahl soll mar-
dem regelmässig herausgegebenen Mitgliederverzeichnis kieren, dass die Schweiz in Strassburg mit tätig ist.
der eidgenössischen Räte als auch in der jeweils nach der Sehen wir einmal, was wir in der Vereinigten Bundesver-
Session als Anhang zum Bundesblatt erscheinenden Über- sammlung sonst auch wählen: zum Beispiel die stellvertre-
sicht über die Verhandlungen der eidgenössischen Räte tenden Richter des Militärkassationsgerichtes. Liesse sich
veröffentlicht. Die vom Urhebor des Postulates angestrebte nicht mindestens so berechtigt wie diese Ersatzrichter nun
Öffentlichkeit der Delegationszusammensetzung ist bereits auch die Delegation des Europarates wählen? Sind wir noch
heute gewährleistet. fähig, für neue Inhalte auch neue Gefässe zu schaffen, oder
Das Büro ist der Ansicht, dass das Ziel des Postulates, d. h. können wir nur etwas Neues einführen, wenn wir es in
eine Hebung des Ansehens des Europarates, der Tätigkeit unsere bisherigen Kommissionen integrieren können? Wer-
schweizerischer Parlamentarier im Europarat und der Aus- den wir, im Falle des Beitrittes zur UNO, auch das Büro
senpolitik im allgemeinen auf eine andere Weise erreicht beauftragen, die Delegation für New York zu bestimmen?
werden muss. Zu denken ist an eine vermehrte Öffentlich- Das müssten wir konsequenterweise tun, wenn wir das jetzt
keitsarbeit der Delegation une der Kommission für auswär- auch so machen.
tige Angelegenheiten. Ich möchte Sie bitten, angesichts dieser Argumente, dieses
Postulätchen zu überweisen, wonach eine Kommission, die
Schriftlicher Antrag des Büros
einmal die Reform oder Wiederreform des Parlamentes
Proposition écrite du Bureau durchführt, das Anliegen mindestens einmal behandelt und
Das Büro beantragt, das Postjlat abzulehnen. à fond überlegt.
In diesem Sinne möchte ich Sie bitten, hier etwas Beweg-
Müller-Aargau: Ich möchte Ihren beantragen, das vom Büro lichkeit zu zeigen, nicht diese Starrheit, die das Büro in
abgelehnte Postulat zu überweisen. seinen Überlegungen zutage legt, dass wir noch fähig sind,
Es ist für mich doppelt peinlioh, jetzt über dieses Postulat uns auch noch über anderes zu unterhalten als nur über
reden zu müssen: Erstens bin ich jetzt im Büro und muss Rationalisierung, wie wir die persönlichen Vorstösse mög-
trotzdem gegen das Büro kämpfen, das zwar etwas anders lichst schnell durch die Mühle lassen können, sondern dass
zusammengesetzt ist als damE.ls. Zweitens äussere ich mich wir auch qualitativ unsere Arbeit in eine solche Reform
über die Delegation beim Europarat, der ich nun auch selber einbeziehen könnten. Ich bitte Sie also, diese Beweglichkeit
angehöre. Aber das Datum von 9. Juni 1982 wird Sie daran zu zeigen und mein Postulat zu überweisen.
erinnern, dass mein Vorstoss davon ganz unbeeinflusst war.
Ich bin froh, dass Herr Rüttimann, der Sprecher des frühe- Rüttimann, Berichterstatter: Herr Müller und ich sind in
ren Büros, die Sache des Büros vertreten wird. einem eigenartigen Rollentausch. Er hat es bereits ange-
Worum geht es? Es geht hier vor allem darum, dass die führt. Ich war in der letzten Legislaturperiode Mitglied des
Europapolitik und die Anwesonheit der Schweiz in Strass- Büros. Er war damals noch hinten, ist jetzt inzwischen ins
burg auch hier im Rat deutlich gemacht werden. Diesen Büro eingetreten, und ich als neuer Hinterbänkler muss nun
Vorstoss haben fast sämtliche Mitglieder der früheren Dele- das Büro vertreten. Also nicht das alte, sondern das neue
gation mitunterzeichnet. Hätts man ihn früher behandelt, Büro hat mich gebeten, weil ich seinerzeit damit beauftragt
dann würde ich heute vermutlich nicht alleine kämpfen. wurde, es hier zu vertreten. Dies ist die Situation. Ich hoffe,
Unter Umständen würden sich Herr Delamuraz oder Frau Sie sind damit einverstanden.
Josi Meier genauso einsetzen wie ich. Zur Sache: Das Büro beantragt Ihnen, dieses Postulat abzu-
Es geht mir darum, dass die Dîlegation von der Vereinigten lehnen. Ich weiss nicht, ob alle Mitglieder den schriftlichen
Bundesversammlung gewählt wird und entsprechende Bericht in Händen haben. Diese Ablehnung geschieht nicht
Bestimmungen erlassen werden. Ich meine, dass die Zuge- einfach aus dem Gesetz der Beharrlichkeit oder aus dem
hörigkeit der Schweiz zum Europarat in Strassburg von der Grundsatz heraus: Wir haben es immer so gemacht, es muss
Öffentlichkeit viel zu wenig wahrgenommen wird. Man also auch in Zukunft so recht sein. Der Antrag hat seine
müsste zeigen, wie jene Politik, die in ihren Richtlinien und guten Gründe: Schon beim ersten Bundesbeschluss über
Weisungen - sagen wir einmal - jede zweite oder dritte die Delegation beim Europarat im Jahre 1962, den National-
Botschaft mitbeeinflusst, von der Schweiz zur Kenntnis rat und Ständerat separat genehmigt haben, wurde festge-
genommen wird. Es ist nötig festzustellen, dass die Schweiz legt, dass - wie alle anderen ständigen Kommissionen -
20. März 1984 N 279 Motion Müller-Aargau
auch die Delegation beim Europarat durch das Büro permettrait au conseil de traiter une affaire sans être tenu de
bestimmt werden solle, wie Herr Müller gesagt hat, in einem la transmettre à une commission.
an sich öffentlichen Verfahren. En outre, les conseils doivent avoir la compétence de retirer
Es gibt auch ein verfassungsrechtliches Argument, das nicht un mandat à une commission, ainsi que de fixer un délai
leicht zu gewichten ist, nämlich den Artikel 85 Ziffer 4 der pour l'examen préalable.
Bundesverfassung, der regelt, was die Vereinigte Bundes-
versammlung an Wahlen zu treffen hat. Dort steht, dass Schriftliche Begründung - Développement par écrit
richterliche Personen und hohe Verwaltungspersonen von Es steht uns fern, den Wert der Kommissionsvorberatung
der Vereinigten Bundesversammlung zu wählen seien. gering zu achten oder ihr gar den Sinn abzusprechen. Die
Damit hat es sich. Alle anderen Kommissionen - auch Auf- Entlastung der parlamentarischen Debatte, die Vertiefung
sichtskommissionen, parlamentarische Kommissionen - der Einsichten und die Erweiterung des Sachverstandes
werden von den beiden Räten separat ernannt. Gegen die- sind unabdingbare Voraussetzungen für eine effektive und
ses Prinzip würde nun der Vorstoss von Herrn Müller ver- seriöse Ratsarbeit.
stossen, weil nämlich der Ständerat in der Vereinigten Bun- Andererseits zwingt die starre Regelung, wie sie in Artikel 26
desversammlung rein zahlenmässig untervertreten ist. des Geschäftsreglementes des Nationalrates festgelegt ist,
Zudem würde der Vorschlag auch dem Prinzip der geson- auch jene Geschäfte an Kommissionen zu delegieren, von
derten Beratung widersprechen. Das ist der Hauptgrund, denen jedermann weiss, dass die Meinungen gemacht sind
warum das Büro der Meinung war, es sei dem Postulat keine und im Plenum trotz Kommissionsarbeit wohl kein einziges
Folge zu leisten. Votum weniger abgegeben wird.
Herrn Müller geht es um die Hebung des Ansehens der Wir müssen einmal festhalten, dass beim heutigen System
Delegation des Europarates oder ganz allgemein des Euro- die Kommissionen sofort nach Konstitution eine Eigen-
parates in unserer schweizerischen Bevölkerung. Das ist dynamik entwickeln, die sich der Kontrolle des Rates fast
zweifellos richtig. Ich glaube, wir müssen alle Versuche vollständig entzieht. Eine Kommission bringt es fertig,
unternehmen, dieses Ansehen zu heben. Das könnte aber Behandlungstermine zu beeinflussen, vor allem aber die
auf verschiedene andere Arten geschehen, insbesondere Behandlung eines Geschäftes derart zu verzögern, dass die
auch durch die Medien. Wir haben nämlich festgestellt, dass Politik auf gewissen Gebieten total blockiert werden kann
das Interesse der Medien an den Wahlen, die die beiden und zum Teil ungeheure Folgekosten entstehen.
Räte separat vornehmen, nicht sonderlich gross ist. Man Der Rat ist weitgehend machtlos, wenn einmal ein Geschäft
müsste einen besonderen Vorstoss unternehmen, um diese an eine Kommission delegiert ist.
Zusammenhänge, wie sie Herr Müller richtig geschildert hat Ein grosser Teil des Schweizervolkes sieht mit Erbitterung,
- die Sozialcharta zum Beispiel oder die Menschenrechts- dass der Entscheid der eidgenössischen Räte über Kaiser-
konvention, wo wir Schweizer ja teilhaben und nicht nur augst, worüber nun wirklich zur Genüge von beiden Seiten
Zuschauer sind -, unserer Bevölkerung näherzubringen. in aller Öffentlichkeit informiert und diskutiert worden ist,
Zusammengefasst: das Büro ist der Meinung, dass sich eine sich derart in die Länge zieht und dabei die Kosten, die in
Änderung des Wahlverfahrens dieser Delegation nicht auf- jedem Falle durch uns alle bezahlt werden müssen, ins
drängt. Uferlose anschwellen. Es ist auch hier die Kommission, die
Ich beantrage Ihnen im Namen des Büros, das Postulat alles in Händen hält. Nicht der Bundesrat ist entscheidungs-
abzulehnen. lahm, sondern das Parlament durch seine Réglemente.
Die Kommissionsarbeit über den UNO-Beitritt bringt wenig
Le président: M. Müller maintient son postulat tandis que le oder nichts. Jedermann weiss, dass die Riesendebatte total
Bureau vous engage à le rejeter. im Plenum ausgetragen wird. Die Kommission, die offenbar
Abstimmung - Vote die Behandlung dieses Geschäftes auf die Zeit nach den
Wahlen verschieben will, zieht die Beratung einfach so in die
Für Überweisung des Postulates 28 Stimmen
Länge, dass in aller Stille durch Kommissionsmitglieder nur
Dagegen 63 Stimmen
gewissen Parteistrategen in die Hände gearbeitet wird.
Im Rat kann dagegen nichts unternommen werden. Selbst
dem einzelnen sind die Hände gebunden; er findet keinen
Adressaten für sein Anliegen, solange das Geschäft in Kom-
missionsberatung steht.
Gewiss: Konzertierte Aktionen der Parteien über ihre Kom-
#ST# 82.448 missionsmitglieder wären möglich; ein Ordnungsantrag, der
Motion Müller-Aargau in der Kommission eine Mehrheit findet, könnte einiges
ausrichten. Solange aber viele Parlamentarier froh darüber
Vorberatung durch Kommissionen. sind, ihre Entscheidungsträgheit hinter dem Geschäftsregle-
Einschränkung ment zu verbergen, warten wir vergeblich auf ein entspre-
Müller-Argovie chendes Vorgehen.
In der letzten Zeit konnte nur einmal das selbstherrliche
Objets traités directement par le plénum Agieren einer Kommission gebremst werden. Als die Kom-
mission des Ständerates für die Schwerverkehrsabgabe
Aussetzen der Behandlung beschlossen hatte und damit für
beide Räte das Geschäft blockieren wollte, hat die Frak-
tionspräsidentenkonferenz unter Bitten und Flehen die
Wortlaut der Motion vom 23. Juni 1982 Kommission erweichen können, auf ihren Beschluss zu-
Es wird beantragt, den eidgenössischen Räten eine Ände- rückzukommen.
rung der Geschäftsreglemente in dem Sinne vorzuschlagen, Dieses Verfahren ist eines Parlamentes unwürdig. Eine klare
dass Ratsgeschäfte durch Beschluss des Rates auch ohne Regelung dürfte der parlamentarischen Arbeit nur förderlich
Überweisung an eine Kommission behandelt werden sein.
können.
Zudem muss den Räten sowohl der Entzug des Auftrages an Schriftliche Stellungnahme des Büros
eine Kommission als auch die Terminierung der Vorbera-
tung zustehen. Rapport écrit du Bureau
1. Der Motionär verfolgt mit seinem Vorstoss zwei Ziele;
Texte de la motion du 23 juin 1982 erstens eine Rationalisierung der Parlamentsarbeit, indem
Les soussignés proposent que soit soumise aux Chambres verhindert werden soll, dass sich im Ratsplenum die Kom-
fédérales une modification des règlements des conseils, qui missionsverhandlungen wiederholen (vgl. unten 2), und
Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften
Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées
Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali
Postulat Müller-Aargau Delegation beim Europarat. Wahlmodus
Postulat Müller-Argovie Délégation auprès du Conseil de l'Europe. Mode de désignation
des membres
In Amtliches Bulletin der Bundesversammlung
Dans Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale
In Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale
Jahr 1984
Année
Anno
Band I
Volume
Volume
Session Frühjahrssession
Session Session de printemps
Sessione Sessione primaverile
Rat Nationalrat
Conseil Conseil national
Consiglio Consiglio nazionale
Sitzung 11
Séance
Seduta
Geschäftsnummer 82.400
Numéro d'objet
Numero dell'oggetto
Datum 20.03.1984 - 08:00
Date
Data
Seite 277-279
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Ref. No 20 012 251
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