Swiss Federal Council's Uranium Import Response Criticized for Lack of Political Responsibility
Legislator-Zusammenfassung
KI-generiertThe Swiss Federal Council's response to an interpellation regarding uranium imports from Namibia was deemed unsatisfactory because it avoided political responsibility for the sourcing of nuclear fuel. The council argued that due to the complex international processing of uranium, it was legally impossible to definitively trace its origin, and private companies were not subject to Swiss political oversight for their international transactions. The interpellant contended that the issue was primarily political, not legal, and that Switzerland's stance undermined its international image and relationships, particularly as the Federal Council failed to acknowledge the political implications of importing resources from an occupied territory.
Legislator-Regeste
KI-generiertSwiss Federal Council's Uranium Import Response Criticized for Lack of Political Responsibility: The council argued that due to the complex international processing of uranium, it was legally impossible to definitively trace its origin, and private companies were not subject to Swiss political oversight for their international transactions. The interpellant contended that the issue was primarily political, not legal, and that Switzerland's stance undermined its international image and relationships, particularly as the Federal Council failed to acknowledge the political implications of importing resources from an occupied territory.
Schlagwörter
KI-generiertVerwandte Entscheide
KI-generiertZentrale Rechtsfragen, extrahiert von Legislator
KI-generiertThis article is cited to explain the requirement for a federal authorization for the handling and transport of nuclear fuel, indicating the legal framework governing the import of uranium.
Volltext
21. März 1984 N 345 Interpellation Mascarin
#ST# 81.546 ganz klar, dass die Anwendung dieses Namibia-Dekrets eine
Frage des politischen Willens der westlichen Industrienatio-
Interpellation Mascarin. nen, darunter auch der Schweiz, ist. Gerade jetzt, wo in den
Uran aus Namibia Verhandlungen über die Entlassung von Namibia in die
Selbständigkeit sich gewisse Fortschritte abzuzeichnen
Uranium en provenance de Namibie
scheinen, meine ich, sind derartige Rohstoffausbeutungen
in einem besetzten Land und deren Verwendung in der
Siehe Jahr 1982, Seite 556 Schweiz dem schweizerischen Image im Ausland abträglich.
Voir année 1982, page 556 Ebenso sind sie den Beziehungen der Schweiz zu allen
anderen Staaten, insbesondere den schwarzafrikanischen,
auf die wir ja auch angewiesen sind, abträglich.
Diesen ganzen politischen Aspekt klammert der Bundesrat
in seiner Antwort völlig aus. Zu der in Zug domizilierten
Diskussion - Discussion Firma RTZ Mineral Service LTD möchte ich nur sagen, dass
es klar ist, dass das Uran von dieser Firma nicht physikalisch
Frau Mascarin: Bereits 1974 hat der Namibia-Rat der UNO via Schweiz nach Japan verschoben wurde, sondern nur auf
ein Dekret erlassen, das den Export von Rohstoffen aus dem Papier, und dazu brauchte sie offensichtlich keine
Namibia verbietet, solange Namibia von Südafrika besetzt Genehmigung von irgendwelchen Bundesbehörden. Es ist
gehalten wird. Zweck dieses UNO-Dekretes ist es, die Aus- aber offensichtlich, dass das namibische Uran in Japan
beutung der Rohstoffe von Namibia zu verhindern, sei es nicht als solches deklariert und verkauft wurde, weil Japan
durch die Besatzungsmacht oder durch multinationale Kon- zu jener Zeit einen Importstopp für namibisches Uran ver-
zerne, die Südafrika genehm sind. Nun läuft das schweizeri- fügt hatte. Es besteht hier offensichtlich eine Lücke in der
sche Atomkraftwerk Mühleberg mit massgeblichen Mengen schweizerischen Gesetzgebung, die von derartigen Briefka-
Uran aus Namibia. Von den anderen schweizerischen Atom- stenfirmen ausgenutzt wird. Solche Briefkastenfirmen kom-
kraftwerken weiss ich nicht, woher das Uran kommt. Der men ja auch wegen solchen Gesetzeslücken in die Schweiz,
Bundesrat erklärt sich in der Antwort auf meine Interpella- und auch hier meint der Bundesrat, dass ihn keine politi-
tion auch ausserstande, zu dieser Frage Stellung zu neh- sche Verantwortung für das Geschäftsgebaren derartiger
men. Mühleberg jedenfalls gibt auf Anfrage hin ohne weite- Firmen trifft. Da bin ich anderer Meinung. Das Geschäftsge-
res zu, dass das Kraftwerk mit Uran aus Namibia arbeitet. baren derartiger Firmen prägt eben auch das Image der
Der Bundesrat schreibt in seiner Antwort allerdings, er wisse Schweiz in der übrigen Welt, und es dient sicher nicht zu
auch hier nichts Genaues. Offensichtlich will er nichts unserem besten.
Genaueres wissen über den ursprünglichen Herkunftsort Ich bin also von der Antwort insbesondere deswegen abso-
des Urans. lut unbefriedigt, weil der Bundesrat keinerlei politische Ver-
Die Kernkraftwerkgesellschaften haben völlig freie Hand, wo antwortung für derartiges Geschehen übernehmen will.
sie den Kernbrennstoff einkaufen, wo sie ihn anreichern und
wo sie ihn zu Brennelementen verarbeiten lassen. Bei der M. Aubert, conseiller fédéral: Je crois qu'il sera difficile de
Einfuhr in die Schweiz müssen nur der Ort der Anreicherung nous entendre avec Mme Mascarin lorsqu'elle prétend que
und der Ort der Herstellung von Brennelementen angege- le Conseil fédéral ne veut rien savoir de la provenance de
ben werden. Das ursprüngliche Herkunftsland bleibt in l'uranium utilisé par des entreprises nucléaires suisses pri-
einem diskreten Dunkel, und was die Bundesbehörden offi- vées et qu'il rejette sa «responsabilité politique».
ziell nicht wissen, dafür brauchen sie offensichtlich auch Je voudrais remettre l'église au milieu du village et rappeler
politisch keine Verantwortung zu tragen. Internationale Kon- que notre législation - peut-être lacunaire - dispose, à
zerne sind ja auch nicht politisch verantwortlich zu machen. l'article 4 de la loi fédérale sur l'utilisation pacifique de
Es ist für mich eine höchst unakzeptable Situation, dass der l'énergie atomique, du 23 décembre 1959, qu'une autorisa-
Bundesrat sich hier um die politische Verantwortung her- tion de la Confédération est requise pour le transport, la
ummanövrieren will. Unakzeptabel ist das mir deswegen, remise à la réception et toute autre forme de détention de
weil die Schweiz extrem auslandabhängig ist bei der combustible nucléaire et de résidus radioactifs. Une autori-
Beschaffung von Uran. Unakzeptabel deshalb, weil hier die sation est également requise pour le transit, pour l'importa-
aussenpolitischen Beziehungen der Schweiz ganz mass- tion et l'exportation de combustible et de résidus. Les auto-
geblich von privaten Konzernen einseitig festgelegt und risations d'importation sont accordées par l'Office fédéral
Korrekturmöglichkeiten von selten der politischen Behör- de l'énergie.
den angeblich nicht möglich sind. L'administration fédérale est sans doute en possession de
Die ganze Problematik des völkerrechtlich widerrechtlich in certains renseignements, en particulier sur les lieux d'ex-
Namibia beschafften Urans ist nicht eine juristische Frage. traction du combustible, mais - vous le savez Madame
Da bin ich ganz anderer Meinung als der Bundesrat in seiner Mascarin - ce combustible nucléaire doit suivre différentes
Antwort, der das Problem rein juristisch angeht. Es ist nicht phases de fabrication. La conversion de l'uranium en une
eine juristische Frage, sondern es ist eine Frage der Aussen- matière qui puisse être enrichie, l'enrichissement lui-même,
politik der Schweiz. Abgesehen davon hat das Namibia- la fabrication des éléments combustibles se font à l'étran-
Dekret Nummer 1 der UNO-Vollversammlung mehr Gewicht ger, hors du contrôle de la Suisse. Dès lors, il n'est pas
als eine andere Resolution der UNO-Vollversammlung. Aus possible de déterminer l'origine du minerai utilisé pour le
zwei Gründen: weil das Dekret sich abstützt auf ein völker- produit d'uranium enrichi pour lequel nous délivrons des
rechtlich anerkanntes Prinzip, dass die Nationen selber über autorisations d'importation. De plus, des minerais d'origines
ihre Rohstoffe und deren Ausbeutung bestimmen können différentes sont mélangés tout au long des phases de fabri-
sollen und nicht etwa die Besatzungsmacht, und weil zwei- cation que je viens d'énumérer.
tens das Namibia-Dekret sich anlehnt an eine Resolution Cela dit, le Conseil fédéral ne dispose d'aucune base légale
des Sicherheitsrates von 1971. Derartige Beschlüsse des lui permettant d'intervenir. Il ne s'agit donc, de la part du
Sicherheitsrates sind ja viel verbindlicher. Der damalige Conseil fédéral, ni de mauvaise volonté ni d'un refus de
Beschluss des Sicherheitsrates von 1971 forderte sämtliche prendre ses responsabilités. Au demeurant, comme nous
Staaten auf, ihre Verträge mit Südafrika, sofern Namibia mit vous l'avons dit dans notre réponse, les décisions du «Con-
betroffen war, zu überprüfen und zu revidieren. Der Sicher- seil pour la Namibie» ne sont que des recommandations;
heitsrat machte sämtliche Staaten darauf aufmerksam, dass elles n'ont aucune valeur juridique contraignante, même
eine künftige Klage einer künftig unabhängigen namibi- pour les membres dudit conseil.
schen Regierung zu Recht erfolgen werde und Schadener- Enfin, en ce qui concerne la «Rio Tinto Zinc», RTZ, Minéral
satzforderungen zu Recht erfolgen werden für Rohstoffe, Service Limited avec siège social à Zoug, cette société n'a
die aus Namibia widerrechtlich bezogen wurden. Es ist nun jamais demandé d'autorisation aux autorités suisses et rien
44-N
Interpellation Braunschweig 346 21 mars 1984
ne nous permet d'intervenir sur des transactions qu'elle achtung der Tätigkeit der Parlamentarischen Versammlung
organiserait en dehors de Suisse entre des pays tiers. muss hier und heute angeprangert werden. Inzwischen hat
die Expertenkommission die Empfehlung der Parlamentari-
Le président: L'auteur de l'interpellation, Mme Mascarin, schen Versammlung bearbeitet; sie wird an die entspre-
n'est pas satisfaite de la repense. chenden Minister der Staaten weitergeleitet.
Man kann sich fragen, was das Bekenntnis des Bundesrates
zum Europarat wert ist, beispielsweise in den neuen Regie-
rungsrichtlinien, wenn der Bundesrat in derart klaren Fällen
die Empfehlungen der Parlamentarischen Versammlung an
#ST# 83.496 die Mitgliedstaaten einfach ignoriert.
Zusammenfassend halte ich nochmals fest: Es liegen zwei
Interpellation (Alder)-Muller-Aargau. Postulate aus den beiden Kammern des Parlamentes vor;
Korrespondenzwahlrecht der Ausländer eine Empfehlung der Parlamentarischen Versammlung des
Interpellation (Alder)-Müller-Argovie. Europarates sowie eine Interpellation meines Kollegen Aider
an den Bundesrat wegen des Korrespondenzwahlrechts für
Vote par correspondance des étrangers die Ausländer. Was braucht es also noch, um den Bundesrat
zu veranlassen, dieses Verbot aufzuheben?
Siehe Jahrgang 1983, Seite 1544 Ich erkläre mich in diesem Sinne also nicht befriedigt von
Voir année 1983, page 1544 der Antwort und vor allem aber von der Haltung des Bundes-
rates.
M. Aubert, conseiller fédéral: Je remercie M. Müller de son
intervention. Lorsque nous avons, au mois d'août 1983,
Müller-Aargau: Ich habe die Interpellation von Kollege Aider répondu par écrit à l'interpellation de M. Adler, nous venions
übernommen und möchte versuchen, das, was Herr Aider in d'ouvrir une procédure de consultation sur le vote des
der Diskussion sicher gesagt hätte, in ähnlicher Weise vor- Suisses de l'étranger, dont l'échéance avait été fixée au
zutragen. 30 novembre 1983, donc postérieurement à la réponse du
Das Thema «Korrespondenzwahlrecht für Ausländer» hat Conseil fédéral à M. Aider.
meinen Kollegen Aider über lange Zeit beschäftigt. Im Vor- Le Conseil fédéral est en train d'examiner les résultats de
dergrund stand für ihn die Tatsache, dass der Bundesrat cette procédure de consultation et de préparer un rapport.
den in der Schweiz wohnerden Ausländer verbietet, auf C'est sur la base de ce rapport que seront élaborées les
dem Korrespondenzweg oc er über ihre Konsulate an propositions qu'il présentera au sujet du vote des Suisses de
Abstimmungen in ihrer Heimat teilzunehmen, auch wenn l'étranger.
ihnen dies gestattet wird vom Recht in ihrer Heimat. Es Le Conseil fédéral devra également réexaminer le problème
betrifft Portugiesen, Spanier, aber auch Franzosen und du vote des étrangers en Suisse, son interdiction n'ayant pas
Schweden. Das Verbot des Bundesrates beruht - nach der de base légale, comme l'a relevé M. Müller. De même, le
Überzeugung von Herr Aider-auf keiner rechtlichen Grund- Conseil fédéral sera appelé à examiner, au vu des résultats
lage. Es handelt sich um eire Praxis, die darauf gründet, de cette consultation, s'il y a lieu de maintenir un parallèle
dass der Bundesrat ganz eirrach Angst hat, dass es in der entre ces deux problèmes. Il est possible qu'on puisse les
Schweiz eine Art Abstimmungskampf unter diesen Auslän- dissocier et traiter séparément celui du vote des étrangers
dern geben könnte. Unter dem demokratischen Blickwinkel en Suisse.
erachten wir diese Praxis als absolut haltlos. Dementspre-
chend reichte Herr Aider schan im Jahre 1980 ein Postulat Le président: M. Müller est invité à déclarer s'il est satisfait
ein, und genau das gleiche Postulat hat auch Ständerat ou non de la réponse du Conseil fédéral.
Generali in seinem Rat eingereicht. Die Vorstösse wurden
überwiesen. Müller-Aargau: Ich erwarte diesen Bericht mit Spannung
Um auf europäischer Ebene nachzudoppeln, hat Herr Aider und werde daraus dann die Haltung des Bundesrates erse-
einen entsprechenden Vorstoss im Europarat gemacht. Der hen. Insofern kann ich mich teilweise befriedigt erklären.
Vorstoss ist überwiesen und i/on der Juristischen Kommis-
sion bearbeitet worden. Mit der Empfehlung Nummer 951,
welche von der Parlamentarischen Versammlung mit gros-
sem Mehr angenommen wirde,'ist das Ministerkomitee
aufgefordert worden, entsprechende Schritte zu unterneh-
men. Soviel zur Sachlage. 83.582
#ST#
Herr Aider hat nun im Sinne einer Rückkoppelung am Interpellation Braunschweig
22. Juni 1983 nachgedoppelt, aber die Antwort des Bundes-
rates, die jetzt vorliegt, ist erneut ausweichend. Weiterhin
Nato-Nachrüstungsbeschluss und die Schweiz
will der Bundesrat keinen zwingenden Grund sehen, die La Suisse et les mesures de l'OTAN
vom Interpellanten geforderte Liberalisierung in die Tat visant au rétablissement
umzusetzen. Besonders eigenartig mutet an, dass der Bun- de l'équilibre des forces en Europe
desrat nun dieses Korrespordenzwahlrecht für Ausländer
mit dem Recht der Auslandschweizer verkoppelt, ein Glei- Siehe Jahrgang 1983, Seite 1864
ches tun zu können. Voir année 1983, page 1864
Wir sind weiter noch der Meinung, dass die Antwort des
Bundesrates unzureichend cder unannehmbar ist, da die
Empfehlung der Parlamentarischen Versammlung des Euro-
parates an die Adresse der Mitgliedstaaten, und nicht an die
Adresse des Ministerkomitee!;, gerichtet ist. Es besteht also Diskussion - Discussion
kein Grund, nun die Weisung des Ministerkomitees abzu-
warten. Indem der Bundesrat erst nach dem Beschluss des Braunschwelg: Ich habe Ende der letzten Session aus zwei
Ministerkomitees seine Haltung festlegen möchte, ignoriert Gründen um Diskussion gebeten. Der erste Grund: Seit dem
er den entsprechenden Appell der Parlamentarischen Ver- 28. September 1983, da ich meine Interpellation eingereicht
sammlung des Europarates. Er setzt sich, ohne ein Wort habe, sind etliche Monate verstrichen, und zahlreiche
darüber zu verlieren, über die von der Parlamentarischen Entwicklungen haben sich vor unseren Augen abgespielt,
Versammlung erlassene Empfehlung hinweg. Diese Miss- an denen unser Land ebenfalls teilweise beteiligt war. Ich
Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften
Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées
Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali
Interpellation Mascarin. Uran aus Namibia
Interpellation Mascarin. Uranium en provenance de Namibie
In Amtliches Bulletin der Bundesversammlung
Dans Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale
In Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale
Jahr 1984
Année
Anno
Band I
Volume
Volume
Session Frühjahrssession
Session Session de printemps
Sessione Sessione primaverile
Rat Nationalrat
Conseil Conseil national
Consiglio Consiglio nazionale
Sitzung 13
Séance
Seduta
Geschäftsnummer 81.546
Numéro d'objet
Numero dell'oggetto
Datum 21.03.1984 - 15:00
Date
Data
Seite 345-346
Page
Pagina
Ref. No 20 012 284
Dieses Dokument wurde digitalisiert durch den Dienst für das Amtliche Bulletin der Bundesversammlung.
Ce document a été numérisé par le Service du Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale.
Questo documento è stato digitalizzato dal Servizio del Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale.