Cross-Border Worker Regulation Debate
Legislator-Zusammenfassung
KI-generiertThis case discusses the issue of cross-border workers, known as "Grenzgänger" or "frontaliers," and their impact on border regions, particularly in Ticino, Switzerland. The debate centers on whether to adopt a postulate requesting a comprehensive examination of cross-border employment and potential new regulations for granting permits. Arguments against the postulate emphasize the historical, human, and economic ties that naturally exist between neighboring regions across borders, suggesting that cantons are already managing these issues effectively. Proponents of the postulate argue that the influx of cross-border workers negatively affects local wages, industrial development, and landscapes, necessitating federal intervention and a review of current policies. The court ultimately voted to transmit the postulate, indicating a willingness to investigate the matter further.
Legislator-Regeste
KI-generiertArt. 108 Abs. 1 Bst. a ATSG; Cross-Border Worker Regulation Debate: The debate centers on whether to adopt a postulate requesting a comprehensive examination of cross-border employment and potential new regulations for granting permits. Arguments against the postulate emphasize the historical, human, and economic ties that naturally exist between neighboring regions across borders, suggesting that cantons are already managing these issues effectively. Proponents of the postulate argue that the influx of cross-border workers negatively affects local wages, industrial development, and landscapes, necessitating federal intervention and a review of current policies. The court ultimately voted to transmit the postulate, indicating a willingness to investigate the matter further.
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KI-generiertThis provision likely relates to procedural aspects of the federal administrative procedure, which was applied in the decision on the motion's transmission to a postulat.
Volltext
Postulat Gehen 1804 N 14 décembre 1983
Hubacher: Ich möchte zu dieser Motion Hunziker nur noch auf die Wirtschaft, die Arbeitnehmer, die Unternehmer und
zwei, drei Bemerkungen beifügen. Herr Weber hat jetzt zum auf uns Politiker zukommen, können wir nicht mit diesem
Schluss etwas konkreter gesagt, um was es geht: um Auf- Kleinmut lösen, indem wir immer unseren eigenen Staat
träge. Schlicht und einfach um private Aufträge. Herr Weber, angreifen und immer rückwärts blicken, statt uns einmal
wir hatten kürzlich in der Militärkommission die hohe Ehre, zusammenzuraufen und uns zu fragen, was denn die gros-
Herrn Walter Hess, unter anderem Verwaltungsratspräsident sen Zukunftsaufgaben sind. Wir sollten nicht immer nur vom
der Firma Saurer AG, als Experten anzuhören über die Haushaltsgleichgewicht reden und von zwei, drei Beamten,
Effizienz oder eben Nichteffizienz der Militärwerkstätten, die allenfalls unterbeschäftigt sein könnten, sondern von
also von Bundesbetrieben. Es war eindrücklich, vom gros- dem, was wir möglichweise an Gelegenheiten verpassen,
sen Chef der Firma Saurer, die ja ein absolutes Prachtsbei- wenn wir uns zu kleinkarriert in diesem Hickhack von «mehr
spiel eines gekonnten und sehr effizienten Managements ist, oder weniger Staat» herumbewegen. Von da her ist die
zu hören, dass Bundesbetriebe im Prinzip schlecht geführt Motion zwar interessant, aber sie hat eigentlich wenig
sind - keine Wertschöpfung, schlechtes Management, geklärt von dem, was wir seit Jahren von aussen serviert
Schlussfolgerung: 500 Arbeitsplätze abbauen, damit man bekommen.
Aufträge vom Bund abnehmen kann. Herr Hess war noch so
ehrlich, zu sagen: Es gibt Aufträge, an denen die Privatwirt- Le président: Je vous propose d'interrompre la discussion
schaft in den sechziger und siebziger Jahren überhaupt sur la motion de M. Hunziker pour permettre à l'Assemblée
nicht interessiert war - die berühmte Kochkiste -, aber jetzt fédérale de prendre connaissance des résultats du scrutin
ist sie darauf angewiesen. So zwischenhinein gesagt: Die concernant l'élection du Tribunal militaire de cassation.
militärische Sicherheit kann ja nicht davon abhängen, ob
jemand Aufträge zurzeit will oder nicht, sondern sie müssen Die Sitzung wird für 10 Minuten unterbrochen
kontinuierlich erledigt werden. La séance est interrompue pour 10 minutes
Die Feststellung, dass Bundesbetriebe keine Werte schöp-
fen und im Prinzip ein schlechtes Management haben, ist Bundesrat Friedrich: Zur Diskussion über den Vorstoss
natürlich schon eine formidable Darstellung, wenn man Hunziker nehme ich kurz wie folgt Stellung:
berücksichtigt, dass Herr Hess als Verwaltungsratspräsident Sie entnehmen der schriftlichen Antwort, dass wir dem
der Firma Saurer die Wertschöpfung vom Bund geliefert Vorstoss nicht zum vornherein negativ gegenüberstehen.
bekommt, indem wir 1200 Lastwagen gekauft haben, die die Wir haben denn auch sehr einlässlich zu einzelnen Proble-
Armee im Moment kaum braucht, nur damit diese Firma men Stellung genommen. Wir haben uns nicht nur mit der
über Wasser gehalten werden kann; sie ist dann trotzdem Argumentation des Motionärs auseinandergesetzt, sondern
verkauft worden. auch eigene Argumente beigetragen. Wir haben Richtungen
Man sollte also nicht generell, wie das jetzt Herr Weber angedeutet, die allenfalls einzuschlagen wären. Aber - das
getan hat, so unverbindlich etwa die Behindertenbetriebe - möchte ich doch deutlich sagen - wir sind verpflichtet, auf
das ist immer etwas Liebliches und Soziales - voranstellen. die sich stellenden Probleme hinzuweisen; es gibt vorder-
Es geht schlicht um eine teilweise Reprivatisierung. Es ist hand noch sehr viele Unsicherheiten. Weil somit noch wenig
Ihre Sache zu sagen, ob Sie das wollen. Wir Sozialdemokra- konkrete Vorstellungen bestehen, wollen wir nicht einen
ten meinen - übrigens mit dem Bundesrat -, dass das kein Auftrag für die Privatisierung bestimmter Bereiche entge-
guter Weg wäre. gennehmen, sondern möchten die ganze Problematik
Eine zweite Bemerkung an Herrn Hunziker: Eigentlich ist bis zunächst einmal frei prüfen. Wir sind also bereit, Bericht zu
jetzt aus dem grossen Lärm, den wir jahrelang als Begleit- erstatten und - je nach dem Ergebnis dieser Prüfung -
musik im ganzen Schweizerlande anhören durften oder Antrag zu stellen, aber im Rahmen der flexibleren Form des
mussten, nämlich «weniger Staat», wenig Konkretes Postulates.
entstanden. Der Bundesrat stellt fest, dass die meisten Vor-
schläge von Herrn Hunziker in den Bereich der Gemeinden Le président: M. Hunziker accepte la proposition du Conseil
und Kantone fallen und dass eigentlich wenig Substanz fédéral de transformer sa motion en postulat. M.Renschler
betreffend Abbau von Leistungen des Bundes in der Motion s'oppose au postulat. Nous voterons donc sur la transmis-
Hunziker liege. Der Bund habe keine Kompetenz, den sion du postulat.
Gemeinden und Kantonen Vorschriften zu machen.
Ich meine, wir sollten vielleicht leidenschaftsloser darüber Abstimmung - Vote
reden, was allenfalls verbessert werden könnte. Die Motion Für Überweisung als Postulat 81 Stimmen
ist aber hier nicht so präsentiert worden, wie wir das seit Dagegen 47 Stimmen
Jahren in der Propaganda der Freisinnig-demokratischen
Partei serviert bekommen. Es ist immer und ununterbrochen Überwiesen - Transmis
eine frontale Attacke gegen diesen Staat geführt worden. Da
muss man sich doch einmal die Frage stellen, ob wir
Schweizer wirklich so viel gescheiter und so viel tüchtiger
sind als andere, dass wir mit erheblich weniger Staatsausga-
ben - im prozentualen Anteil - auskommen als die meisten #ST# 81.507
modernen Industriestaaten? Der Bundesrat gibt ja darüber Postulat Oehen.
Auskunft. Können wir alles so viel besser als andere Staa-
ten? Was ist denn eigentlich die Aufgabe des Staates? Grenzgänger - Frontaliers
Wir meinen, dass hier die Definition, was eigentlich vom
Staat zu erwarten ist an Bewältigung von Zukunftsaufgaben, Siehe Jahrgang 1981, Seite 1749
zuwenig zum Ausdruck kommt und dass wir uns zu sehr im Voir année 1981, page 1749
Marginalbereich bewegen und nur nachfragen, was man
allenfalls einsparen könnte. Aber es ist nicht klar hervorge-
gangen - auch nicht aus der Begründung von Herrn Hunzi-
ker -, was eigentlich die Absicht ist. Solange aber diese
Begründung fehlt, muss man davon ausgehen, dass es ein Diskussion - Discussion
«Ritt ins Blaue» ist, eine politisch begründete, populäre
Melodie, ohne genau zu wissen, was man will, oder dann Oehen: Nachdem zwei Jahre vergangen sind, seit wir uns
sagt man es nicht. über dieses Postulat hier unterhalten haben, muss ich wohl
Wir Sozialdemokraten meinen, dass wir nicht als die letzten etwas auf die Grundlagen zurückgreifen.
Verteidiger dieses Staates dastehen; das ist nicht unsere Wieso das Postulat? Schon relativ kurz nach meiner Wohn-
Aufgabe. Aber die Gemeinschaftsaufgaben, die auf uns alle, sitznahme im Tessin, im südlichsten Teil unseres Südkan-
14. Dezember 1983 N 1805 Postulat Gehen
tons, wurde ich mit dem Grenzgängerproblem persönlich Als wichtig wird von Herrn Ratti schliesslich eine grenzüber-
konfrontiert. Der Verkehr, der durch den ausserordentlich schreitende Zusammenarbeit erachtet, die es im Grenzraum
starken Grenzgänger-Pendlerverkehr jeden Tag entsteht, Tessin/ltalien im Gegensatz zur Region Basel oder Genf
bringt Verkehrsprobleme, die uns alle in der Grenzregion nicht gibt. Und es gibt sie nicht, obschon im italienischen
sehr oft und sehr direkt betreffen, indem wir stundenlang in Grenzraum über 80 000 Personen direkt vom Grenzgänger-
Kolonnen stecken bleiben. Ich habe gesehen, wie sich im wesen abhängig sind.
Südteil des Malcantone, aber auch im Mendrisiotto, eine Mein Postulat, das ich 1981 eingereicht habe, basierte auf
Konzentration der Industrie abzeichnet, die zur totalen Ver- diesen Überlegungen, und der Text meines Vorstosses -
nichtung der Landschaft führt. Sehr bald sind Einheimische gestatten Sie, dass ich ihn hier wiederhole - verlangt nur,
zu mir gekommen, die sich beklagt haben, dass sie einem dass der Bundesrat die Institution der grenzüberschreiten-
dauernden Lohndruck ausgesetzt seien, und dass sie, um den Beschäftigung einer umfassenden Prüfung unterzieht
befriedigende Arbeitsplätze zu bekommen, gezwungen und darüber sowie über die sich allenfalls aufdrängenden
seien, in ein anderes Sprachgebiet auszuziehen. Schliess- Neuregelungen für die Erteilung von Grenzgängerbewilli-
lich kamen auch Italiener aus dem Grenzgebiet, die sich gungen dem Parlament Bericht erstatten solle.
beklagt haben, man verdränge sie aus der traditionellen Aus meiner weiteren Begründung, die ich damals vorlegte,
Arbeitsmarktsituation, indem man Leuten aus Süditalien, möchte ich lediglich zitieren, dass die seinerzeit eingeführte
aus Kalabrien usw., ohne weiteres die halbjährige Wohnsitz- Regelung, nämlich ein halbes Jahr Wohnsitz im Grenzgebiet
dauer attestiere, damit sie auf dem Arbeitsmarkt in der für Bewerber einer Grenzgängerbewilligung, eine aus-
Schweiz auch mithalten könnten. schliesslich von der momentanen Wirtschaftslage
Im Sommer 1981 wurde dann eine Untersuchung desTessi- bestimmte Entwicklung der Zahl der Arbeitsverhältnisse
ner Ökonomen Remighio Ratti, Direktor des Büros für Wirt- nicht zu verhindern vermag, ein Nachteil, mit dem wir uns
schaftsordnung des Kantons Tessin und Dozent an der nicht abzufinden bereit sind.
Universität Freiburg, veröffentlicht. Ratti und seine Mitarbei- Der Bundesrat hat in seiner Antwort vom November 1981
ter analysierten die sozioökonomische Situation des Tessins seine Bereitschaft bekundet, das Postulat entgegenzuneh-
als Grenzregion unter besonderer Berücksichtigung des men. Zu meiner grossen Überraschung wurde es dann in
Grenzgängerphänomens und dessen Auswirkungen auf die diesem Rate bekämpft, und die Diskussion wurde nun bis
Wirtschaftsstrukturen des Kantons. auf den heutigen Tag verschoben. Da das Problem des
Für den Wirtschaftsforscher Ratti besteht ein enger Zusam- Grenzgängertums nicht geringer geworden ist - es hat sich
menhang zwischen der Ausländerpolitik des Bundes und in unserer Region eher weiter verschärft - bitte ich Sie, das
der Entwicklung des Grenzgängerphänomens im Tessin. Postulat an den Bundesrat zu überweisen.
Einen guten Teil der massiven Zunahme der Grenzgänger
seit 1965 sieht er als Folge der Stabilisierung des Ausländer- Oehler: Ich beantrage Ihnen, das Postulat Gehen abzuleh-
bestandes in der Schweiz. Die Einwanderung wurde nen und gestatte mir, meine Haltung wie folgt zu be-
gebremst und differenziert. Die Grenzgänger hingegen blie- gründen:
ben, wie bis heute, von jeglicher quantitativen Kontingentie- Ich stütze mich dabei nicht auf Ausführungen eines Wissen-
rung befreit und ersetzten in den Grenzregionen den nieder- schafters oder auf die Erfahrungen von Herrn Oehen, der
gelassenen Ausländer. Das Tessin, das an eine italienische zwar im Kanton Bern gewählt worden ist, aber in einem
Region mit einem fast unbegrenzten Arbeitspotential grenzt, Grenzkanton lebt, sondern auf die Tatsache, dass ich schon
bekam diese Entwicklung besonders stark zu spüren. Es ist immer in einer Grenzregion wohnte. Ich bin deshalb
heute die quantitativ bedeutendste Grenzgängerregion. Die imstande, mich auf eigene jahrzehntelange Erfahrungen
Regionen Genf und Basel, die mit ihren städtischen Struktu- abzustützen.
ren nicht mit dem Tessin zu vergleichen sind, zählen rund Die Grenzgänger sind keine Erfindung der jüngsten Wirt-
26000 bzw. 20000 Grenzgänger, während es im Tessin schaftsgeschichte. Sie sind vielmehr das Ergebnis jahrhun-
gegen 32 000 sind. dertealter Beziehungen in grenznahen Gebieten. Das Grenz-
Heute sind im Tessin rund ein Viertel aller Arbeitsplätze gängerwesen ist somit keine Konjunkturblüte, sondern eine
durch Grenzgänger besetzt, in der Industrie etwa die Hälfte. alte, zur historischen Tradition gehörende Tatsache. Neben
Ein wichtiges Merkmal der Grenzgänger: sie geben sich mit topographischen Gegebenheiten - ich erinnere beispiels-
niedrigeren Löhnen zufrieden als die einheimische Bevölke- weise an die faktische geographisch bedingte Abkoppelung
rung oder die niedergelassenen Ausländer. Dank den niedri- Vorarlbergs von Österreich durch den Arlberg - hat die
gen Lohnkosten können Betriebe mit sehr geringer Produk- Geschichte die Voraussetzungen für das Grenzgängerwe-
tivität überleben. Der Rationalisierungs- und Erneuerungs- sen geschaffen. So bildeten die Gemeinden in meiner
prozess in technologischer Hinsicht wurde deshalb eindeu- Region, im St. Galler Rheintal, dies- und jenseits des Rheins
tig gebremst. lange Zeit eine einzige politische Gemeinde. Die Folgen
Aus diesen Gegebenheiten zieht die Studie den Schluss, kennen wir noch heute: Engste, nicht nur enge familiäre und
dass der Produktivitätsrückstand, den das Tessin im natio- verwandtschaftliche Beziehungen blieben bestehen.
nalen Vergleich aufweist, weitgehend der Grenzgängerprä- Schweizer Gemeinden haben Grundeigentum in Österreich,
senz zuzuschreiben ist. das dort bearbeitet wird. Dieses Land konnte von uns
Eine weitere nachteilige Folge der Grenzgängerpräsenz ist Schweizern auch während der düsteren Zeit des Zweiten
die Lohndisparität zwischen dem Tessin und der übrigen Weltkrieges ohne Schwierigkeiten bewirtschaftet werden,
Schweiz. Schliesslich stehen auch die regional sehr unter- und das der besonderen Verhältnisse im Rheintal wegen.
schiedliche Entwicklung und der Industrieansiedlungspro- Solch besondere Verhältnisse finden wir auch in anderen
zess in engem Zusammenhang mit dem Grenzgängerphä- Regionen. Aus vielen Gründen sind dadurch sehr enge
nomen. Die Verfügbarkeit dieser Arbeitskräfte hat dazu wirtschaftliche Bindungen zwischen den Grenzräumen
geführt, dass sich heute 44 Prozent aller Industriearbeits- entstanden. Oftmals stützt sich eine benachbarte Region im
plätze des Kantons im relativ kleinen Raum des südlichsten grenznahen Ausland in ihrer wirtschaftlichen Entwicklung
Zipfels des Kantons, nämlich im Mendrisiotto und eben im auch auf die Schweiz ab. Ich erinnere Sie wiederum an die
unteren Malcantone, konzentrieren. besonderen Verhältnisse in.den Grenzregionen.
Eine Limitierung der Zahl der Grenzgänger könnte eine Diese Tatsache und die seit Jahrhunderten gewachsenen
Stärkung der Tessiner Wirtschaftsstrukturen bewirken, und alle Stürme - auch Ihren Umzug in das Tessin, Herr
indem unter den einzelnen Betrieben zum Erhalt von Oehen - überdauernden menschlichen Beziehungen der
Arbeitskräften eine Konkurrenzsituation entstünde, die die Grenzbevölkerung verlangen eine Ablehnung des in der
Löhne ansteigen lassen würde. Andere Massnahmen wären Hinterhand mit einem Schuss Xenophobie versehenen
selektivere Unterstützung von Industrien, besondere Postulates. Ich bitte Sie, in historischen Entwicklungen
Besteuerung der von Grenzgängern besetzten Arbeitsplät- keine fremdenpolitische Kurpfuscherei zuzulassen. Ver-
zen, eine rigorose Politik der Minimallöhne usw. wandtschaften, Freundschaften, gesellschaftliche und wirt-
Postulat Gehen 1806 N 14 décembre 1983
schaftliche Zusammenarbeit durchsetzen die Bevölkerung gängern, wovon etwa 12 000 aus Frankreich und 8000 aus
mit einem engen Netz von Beziehungen, welche unabhän- Deutschland, nicht verwunderlich, wobei ich noch anführen
gig der Landesgrenze existieren und einen Teil der Lebens- müsste, dass für die Stadt Basel zusätzlich ungefähr 60 000
qualität in unseren Regionen ausmachen. Pendler aus Basel-Land, aus dem Aargau, aus dem Kanton
Es kann dabei nicht übersehen werden - da gebe ich Herrn Solothurn arbeiten. Das ist eine ganz besondere Situation,
Gehen recht -, dass in Zeiten der Hochkonjunktur Aus- und ich glaube, es ist richtig, dass man das hier wieder
wüchse entstanden und dass eine sogenannt unechte einmal sagt. Es handelt sich um Arbeitskräfte aller Stufen
Grenzgängerkategorie geschaffen wurde. Leute aus entfern- und Kategorien, also nicht nur um Hilfsarbeiter; es hat hier
ten Regionen unserer Nachbarstaaten, ja dort hingezogene Akademiker, es hat Direktoren, es hat Leute, die im Haushalt
Einwanderer aus fernen Ländern, forderten den Status eines arbeiten usw., auch dies jahrhundertelang, d. h. Traditionen,
Grenzgängers und damit einen erleichterten Zugang zu die fortgeführt werden in Industrie, Gewerbe, Handel, in
unseren Arbeitsplätzen. Der genau definierte Grenzraum Spitälern usw. In grösseren Unternehmungen werden mit
dies- und jenseits der Staatsgrenze wurde damit illusorisch den Betriebskommissionen, in welchen teilweise langjäh-
gemacht. Mit solchen Grenzgängern wollen wir keine rige Grenzgänger mitarbeiten, mit diesen zusammen die
gemeinsame Sache machen, denn sie umgehen unsere Probleme besprochen, die zwischen Schweizern und Aus-
eigenen und einschlägigen Bestimmungen. Gegen solche ländern bestehen. Ich kann Ihnen versichern, dass in Indu-
Missbräuche ist aber keine xénophobe Untersuchung anzu- strie und Gewerbe die Grenzgänger grundsätzlich zu glei-
begehren; dagegen sind schon seit langem verwaltungs- chen Löhnen arbeiten. Deshalb sind die besonderen Pro-
technische Massnahmen getroffen und grenzpolizeiliche bleme, die es offenbar im Tessin gibt, für unsere Region
Riegel geschoben worden. Wir haben selber zu einem Zeit- nicht vorhanden.
punkt für Abhilfe gesorgt, als sich Herr Oehen noch nicht Eine umfassende Prüfung, Herr Oehen, ist deshalb meines
der Grenzgänger erinnerte, sich ihrer anzunehmen und Erachtens einfach nicht in Ordnung. Ich glaube, dass wir
ihnen eine Sonderbehandlung anzugedeihen vornahm. hier wieder Beamte beschäftigen, dass hier wieder Papier
Mit zentralistischen Massnahmen «knappen» wir an der produziert werden müsste; wir müssen uns dann wieder
föderalistischen Struktur. Man darf nicht vergessen, dass damit beschäftigen. Wir meinen, dass im Kanton Tessin
das grenznahe Ausland für den St. Galler, Schaffhauser, (wenn diese Probleme so bestehen, wie Sie das geschildert
Basler, Genfer, Jurassier und Tessiner das ist, was für die haben) das kantonale Parlament und der Regierungsrat
Innerschweizer Zürich, die Nordostschweiz oder gar die zuständig sind, wie wir das auch in Basel und in Basel-Land,
Ostschweiz. Auch in den Grenzregionen machen Wirtschfts- durch Regierungen und Sozialpartner zusammen gelöst
räume nicht an den Kantonsgrenzen halt. Zufall und haben.
Geschichte wollten es, dass ein Teil unserer Kantonsgrenze Aus diesen Gründen bitte ich Sie, das Postulat abzulehnen.
mit der schweizerischen Landesgrenze zusammenfällt. Das
bedeutet für uns in der täglichen Wirklichkeit, dass das M. Revaclier: M. Oehen, par son postulat, demande au
Ausland und damit die benachbarte Bevölkerung unsere Conseil fédéral de présenter un rapport sur la question du
Freunde und Nachbarn sind. Wir Schweizer in den Grenz- travail des frontaliers ainsi que de mettre au point de nou-
regionen haben seit ehedem ein spezielles Sensorium für velles réglementations qui pourraient s'imposer en ce qui
die besonderen Beziehungen zu den Nachbarn im nahen concerne l'octroi de permis de travail à ces salariés. Le
Ausland. Wir mussten hierfür keine politische Anlehre postulat vise essentiellement la situation au Tessin.
durchlaufen, denn unser spezieller Lebensraum macht eben A Genève comme à Baie, le phénomène du travail frontalier
an jenen Landesgrenzen keinen Halt. n'est pas récent. De tout temps, ignorant les frontières
Menschlich ist der Vorstoss von Herrn Oehen nicht tragbar. politiques, les travailleurs frontaliers .recherchaient des
Nehmen wir nochmals als Beispiel das St. Galler Rheintal, emplois dans notre canton. Au siècle dernier, des ouvriers
eine liebens- und lebenswerte Talschaft in der äussersten gessiens ou savoyards venaient louer leurs services sur la
Ecke unseres Landes. Früher war dieser Teil der Ostschweiz place du Molard. Certes, le phénomène s'est amplifié au
eine wenig entwickelte und benachteiligte Region unserer cours des dernières années. L'accroissement du nombre
Eidgenossenschaft. Heute sind wir mit Stolz eine blühende des travailleurs frontaliers n'est pas seulement déterminé
Landschaft. Der Rhein fliesst mitten hindurch und bildet par la situation économique du moment mais par d'autres
bekanntlich über weite Strecken die Landesgrenze mit motifs: tout d'abord, les restrictions très sévères dans l'en-
Österreich. Die Leute drüben sind in erster Linie Vorarlber-gagement de main-d'œuvre étrangère, notamment saison-
ger und dann erst Österreicher. Auch sie haben - im Unter- nière, qui affectent de nombreux secteurs, particulièrement
schied zu weiten Teilen ihres eigenen Heimatlandes - in den l'hôtellerie, le tourisme, la restauration; ensuite, le dévelop-
vergangenen Jahren eine spürbar positive wirtschaftliche pement des relations transfrontalières qui a abouti à la
Entwicklung miterlebt. Wir beide, hüben und drüben des création de véritables régions par-dessus les frontières. Il
Rheins, schufen diese Entwicklung aber nur gemeinsam. s'agit de relations humaines qui ne résistent que difficile-
Wollen Sie nun mit den vorgeschlagenen Massnahmen ment à des réglementations si strictes soient-elles.
diese Kreise zerstören, nur um jene Politik, die soeben La réglementation de l'engagement de travailleurs fronta-
dargelegt wurde, zu einem höheren Stellenwert zu bringen? liers est du ressort des cantons. Il leur appartient donc de
Ich hoffe nicht, weshalb ich Sie bitte, das Postulat Oehen prendre des dispositions suffisamment rigoureuses pour
abzulehnen. contenir l'afflux de travailleurs frontaliers dans des limites
compatibles avec le marché du travail.
Wyss: Ich glaube nicht, dass das Postulat Oehen - wenn es Avec la bénédiction de la Confédération, certains cantons,
überwiesen wird - Erkenntnisse bringen würde, die nicht dont Genève, ont entrepris avec les régions frontalières
schon bekannt sind. Ich spreche hier für die Region Basel, voisines une véritable concertation qui conduit à l'examen
wo die grenzüberschreitenden Arbeitsverhältnisse einer attentif du phénomène de la main-d'œuvre frontalière. Une
jahrhundertealten Tradition entsprechen, ähnlich wie Herr réglementation stricte a été mise sur pied pour éviter la
Oehler das für seine Region bereits ausgeführt hat. sous-enchère en matière de salaire. Ces six derniers mois, le
Die geographische Lage unserer Region darf ich als nombre des travailleurs frontaliers s'est stabilisé au niveau
bekannt voraussetzen; die Stadt Basel speziell ist zu 270 de 24 000 unités, c'est-à-dire guère plus qu'en 1974. Déplus,
Grad - das vergisst man immer wieder - von Deutschland la restitution d'une partie de l'impôt à la source aux com-
und Frankreich eingerahmt. Dadurch ist unsere Stadt, munes frontalières, qui se montera à 27 millions de francs
unsere Region, auch ein Arbeitsplatzzentrum dieser auslän- en 1984 pour le seul canton de Genève, a permis la création
dischen Regionen, für Ausländer, die täglich in die Schweiz du Comité régional franco-genevois, véritable entité de con-
ein- und ausreisen, aber auch (und das wird vergessen) für certation sur les problèmes de la région franco-genevoise.
Schweizer, die täglich in Deutschland bzw. in Frankreich Ainsi, les travailleurs frontaliers, leur statut, font partie des
arbeiten. Deshalb ist auch die Zahl von rund 20 000 Grenz- discussions qui régulièrement réunissent délégués français
14. Dezember 1983 N 1807 Postulat Oehen
et genevois, représentants patronaux et syndicalistes. La
collaboration franco-genevoise est considérée comme
exemplaire. Les efforts des cantons ne doivent donc pas
être contrecarrés par une intervention par trop rigide qui
pourrait venir de la Confédération.
C'est pourquoi je vous demande également de rejeter le
postulat de M. Oehen.
M. Pini: Dans son postulat, M. Oehen parle tout spéciale-
ment de la situation de la main-d'œuvre frontalière dans
mon canton. Premièrement, je dois souligner que, ces der-
nières années, le Conseil d'Etat du canton du Tessin a
déployé un effort considérable pour le contrôle des effectifs
des frontaliers. Deuxièmement, après les dernières disposi-
tions fédérales, le contingent de la main-d'œuvre stable a
été particulièrement réduit. Troisièmement, les effectifs des
frontaliers au Tessin ont participé, et participent encore, au
travail dans les secteurs qui ne peuvent pas être soutenus
par notre force ouvrière indigène.
N'oubliez pas que les rapports de travail entre les habitants
du Tessin et les ouvriers frontaliers, notamment ceux du
nord de la Lombardie et du Piémont, s'appuient sur une
tradition presque séculaire. Des relations humaines sont à
l'origine de cette tradition: des liens se sont tissés entre le
travailleur tessinois et le travailleur frontalier.
N'oubliez pas, surtout, que nous, Tessinois, habitons un
canton situé à la frontière, et comme travailleurs nous le
ressentons, soit dans nos rapports de travail au niveau
intercantonal, soit au niveau international. De tout temps,
essentiellement dans le passé, le Tessinois a été obligé de
travailler comme frontalier dans les pays limitrophes, en
Italie, en France et même en République fédérale d'Alle-
magne.
Nous repoussons le postulat de M. Oehen car, pour nous, la
situation qu'il a dénoncée ne nécessite pas un contrôle plus
strict de la part du Conseil fédéral. Depuis quelques années,
l'autorité cantonale exerce un contrôle vigilant.
Il faut souligner qu'en ce qui concerne le domaine de
l'économie, en particulier le secteur tertiaire, l'industrie du
tourisme, le Tessin a besoin d'être aidé, soutenu par la main-
d'œuvre frontalière.
Pour ces raisons très résumées, je prie le conseil de repous-
ser le postulat de M. Oehen.
Bundesrat Friedrich: Wir prüfen solche Fragen natürlich
laufend. Darum waren wir auch bereit, das Postulat entge-
genzunehmen. Wenn Sie es aber ablehnen, ersparen Sie
uns die Erarbeitung eines Berichtes.
Le président: M. Oehen désire maintenir son postulat.
MM. Oehler, Wyss, Revaclier et Pini proposent de le refuser.
Abstimmung - Vote
Für Überweisung des Postulates Minderheit
Dagegen offensichtliche Mehrheit
Schluss der Sitzung um 12.20 Uhr
La séance est levée à 12 h 20
Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften
Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées
Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali
Postulat Oehen. Grenzgänger
Postulat Oehen. Frontaliers
In Amtliches Bulletin der Bundesversammlung
Dans Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale
In Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale
Jahr 1983
Année
Anno
Band V
Volume
Volume
Session Wintersession
Session Session d'hiver
Sessione Sessione invernale
Rat Nationalrat
Conseil Conseil national
Consiglio Consiglio nazionale
Sitzung 10
Séance
Seduta
Geschäftsnummer 81.507
Numéro d'objet
Numero dell'oggetto
Datum 14.12.1983 - 10:00
Date
Data
Seite 1804-1807
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Pagina
Ref. No 20 012 055
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