Mandatory Gymnastics for Apprentices Upheld
Legislator-Zusammenfassung
KI-generiertThis case involves a motion to make mandatory gymnastics for apprentices voluntary, arguing that the current requirement is difficult to implement, financially burdensome, and disproportionate to its benefits. The court rejected the motion, finding that it contradicted the spirit of the law designed to ensure the physical fitness and well-being of all young people, not just those in secondary schools, and that the existing legal framework already allowed for flexibility in implementation. The court emphasized that providing sports opportunities to apprentices was a fundamental right and a valuable investment in public health, and that abandoning the mandate would be a disservice to the youth.
Legislator-Regeste
KI-generiertArt. 17 Abs. 1 URG, Art. 66 Abs. 1 LTF; Mandatory Gymnastics for Apprentices Upheld: The court rejected the motion, finding that it contradicted the spirit of the law designed to ensure the physical fitness and well-being of all young people, not just those in secondary schools, and that the existing legal framework already allowed for flexibility in implementation. The court emphasized that providing sports opportunities to apprentices was a fundamental right and a valuable investment in public health, and that abandoning the mandate would be a disservice to the youth.
Schlagwörter
KI-generiertVerwandte Entscheide
KI-generiertZentrale Rechtsfragen, extrahiert von Legislator
KI-generiertThe court cites this article as the legal basis for the decision to dismiss the appeal.
This article is cited in the dispositive regarding the allocation of costs.
Volltext
Motion Weber-Schwyz 1298 4 octobre 1982
Form eines Postulates ernst nehmen, und etwas, was als Präsidentin: Wir stimmen ab. Herr Meizoz beantragt, seine
Motion grundfalsch ist, kann auch in der Form eines Postu- Motion als Postulat zu überweisen. Der Bundesrat lehnt
lates nicht richtig sein! auch das Postulat ab. Herr Allenspach hat ebenfalls bean-
Das Postulat verlangt, dass die Übernahme eines schweize- tragt, das Postulat abzulehnen.
rischen Unternehmens durch eine ausländische Firma einer
behördlichen Bewilligungspflicht unterstellt wird, und zwar Abstimmung - Vote
ganz generell. Es verlangt, dass diese Bewilligung erst dann Für die Überweisung als Postulat 32 Stimmen
erteilt wird, wenn die Zustimmung der Arbeitnehmer - das Dagegen 90 Stimmen
wäre die Mitbestimmung der Arbeitnehmer -, der kantona-
len und der kommunalen Behörde, also der Kantonsregie-
rungen und der Gemeindeexekutiven der betreffenden
Regionen, vorliegt. Es müssten in den Regionen Abstim-
mungen durchgeführt werden, ob man diese Bewilligung #ST# 81.435
erteilen wollte. Die Bewilligung könnte ferner erst dann
Motion Weber-Schwyz
erteilt werden, wenn die ausländische Firma garantiert, dass
die Zahl und die Qualität der Arbeitsplätze nicht verändert Lehrlingsturnen. Gesetzesrevision
würde. Es müsste also ein ausgesprochener Strukturkon- Gymnastique pour les apprentis.
servativismus garantiert werden. Zudem könnte die Bewilli- Révision de la loi.
gung erst dann erteilt werden, wenn durch wissenschaftli-
che Untersuchungen nachgewiesen werden kann, dass die
Übernahme in erster Linie zur Verbesserung der internatio-
nalen Wettbewerbsfähigkeit führt. Ich möchte weder auf die
ordnungspolitisch verheerenden Konsequenzen einer sol- Wortlaut der Motion vom 18. Juni 1981
chen behördlichen Bewilligungspflicht hinweisen noch auf
den ausgesprochenen Nationalismus, der in dieser Forde- Der Vollzug des obligatorischen Lehrlingsturnens gemäss
rung zum Ausdruck kommt. Es geht mir vielmehr um die Bundesgesetz über Turnen und Sport von 1972 und Verord-
wirtschaftlichen und die sozialpolitischen Konsequenzen. nung von 1976 erweist sich immer mehr als schwierig und
Es sind in den meisten Fällen ernsthafte wirtschaftliche Pro- nachteilig für das Berufsbildungswesen, der endgültige
bleme, die ein schweizerisches Unternehmen veranlassen, Finanzbedarf ist unabsehbar und am Nutzen gemessen
Anschluss an eine grössere ausländische Gesellschaft zu unverantwortbar für die Staatsfinanzen.
suchen. Herr Bundespräsident Honegger hat dies an einem Der Bundesrat wird beauftragt, den eidgenössischen Räten
Beispiel klar dargetan. Man sucht Anschluss an ein auslän- eine Gesetzesrevision über das obligatorische Lehrlingstur-
disches Unternehmen, beispielsweise weil man sich dort nen vorzulegen, damit den Kantonen die freiwillige Durch-
auf eine grössere oder international besser ausgebaute führung dieser Aufgabe überlassen werden kann.
Absatzorganisation abstützen kann. Man sucht Anschluss Texte de la motion du 18 juin 1981
an grössere und vertiefte Forschungsabteilungen und an
La mise en pratique des dispositions sur la gymnastique
Forschungsentwicklungsrichtungen, die wir uns in unserem
pour les apprentis contenues dans la loi sur la gymnastique
Lande und bei unserer kleinbetrieblichen Struktur nicht lei-
et le sport de 1972 et l'ordonnance correspondante de 1976
sten können. Oder man sucht eine Spezialisierung mit brei-
se révèle de plus en plus difficile. Non seulement elle se
terer Risikoabdeckung usw. Nicht wenige der schweizeri-
répercute défavorablement sur la formation, mais son coût
schen Unternehmen, die sich an grössere ausländische définitif est imprévisible et difficile à justifier du point de vue
Gruppen angeschlossen haben, hätten früher oder später
de son utilité, étant donné l'état des finances publiques.
ihre Tore schliessen oder ganz gewaltig redimensionieren
En conséquence, le Conseil fédéral est prié de présenter
müssen, wenn eine solche Zusammenarbeit nicht möglich aux Chambres un projet de révision de la disposition sur la
gewesen wäre. Wenn eine behördliche Bewilligungspflicht
gymnastique obligatoire pour les apprentis, de façon à en
unter den vom Postulat geforderten Bedingungen einge- confier aux cantons l'application volontaire.
führt würde, dann würden ausländische Gruppen wohl
kaum mehr schweizerische Unternehmen übernehmen. Sie Mitunterzeichner - Cosignataires: Allenspach, Ammann-
können es unter diesen Bedingungen nicht, wenn sie eine Bern, Augsburger, Bonnard, Bremi, Bürer-Walenstadt, Cou-
ernsthafte und glaubhafte eigene Unternehmungszielset- tau, Duboule, Eng, Fischer-Weinfelden, Fischer-Bern, Flu-
zung und Unternehmungspolitik haben. bacher, Frey-Neuenburg, Früh, Geissbühler, Hari, Houmard,
Die Motion oder das Postulat führen nun in der Praxis dazu, Hunziker, Iten, Jeanneret, Jost, Kaufmann, Linder, Lüchin-
dass ausländische Unternehmen in der Schweiz nicht mehr ger, Martin, Massy, Meier Kaspar, Messmer, Muff, Müller-
FUSS fassen können. Als Gegenmassnahme des Auslandes Balsthal, Oehler, Pini, Räz, Reichling, Ribi, Risi-Schwyz,
wäre zu erwarten, dass die ausländischen Staaten bei der Röthlin, Rüegg, Schärli, Schule, Schwarz, Stucky, Thévoz,
Niederlassung schweizerischer Unternehmen im Ausland Wellauer, Zbinden (45)
ähnliche Bewilligungspflichten einführen würden. Das kön-
nen wir uns einfach als Kleinstaat, der 40 und mehr Prozent Schriftliche Begründung - Développement par écrit
seines Sozialproduktes im Verkehr mit dem Ausland ver- Das obligatorische Lehrlingsturnen wurde bei der Beratung
dient, nicht leisten. Unsere beschäftigungspolitische Stabili- des Bundesgesetzes für Turnen und Sport vom 17. März
tät mit der geringen Arbeitslosenquote, die wir im Vergleich 1972, entgegen der Auffassung von Bundesrat und Depar-
zum Ausland haben, ist nur mit der Offenheit, der Beweg- tement, zum Beschluss erhoben. Die Verordnung verpflich-
lichkeit und der Findigkeit im Aufspüren von Marktnischen tet die Kantone, das Obligatorium für den Turn- und Sport-
zu erklären. Was aber in diesem Postulat verlangt wird, ist unterricht an Berufsschulen bis spätestens zu Beginn des
ein ausgesprochen bürokratischer Apparat, der der Wirt- Schuljahres 1986 zu verwirklichen. .Ein Postulat Thalmann
schaft die Beweglichkeit nimmt. Der Geist dieses Postula- vom 16. März 1977 wies bereits auf die Schwierigkeiten der
tes mit Bewilligungspflichten, mit Garantien, mit Zustim- Verwirklichung dieser Vorschriften hin.
mungen und Absicherungen aller Art und durch alle Instan- Dieses Bundesobligatorium ist ein bemerkenswertes Bei-
zen, widerspricht diametral dem heutigen wirtschaftlichen spiel aus einer Zeit, da man glaubte, alle Aufgaben seien
und beschäftigungspolitischen Imperativ. Ich würde tragbar, jedes Anliegen könne erfüllt werden. Unterdessen
befürchten, dass, wenn wir derartige Bewilligungspflichten aber hat sich gezeigt, dass die Einführung des Lehrlingstur-
einführen, die Zahl der Betriebsschliessungen noch grösser nens erhebliche Schwierigkeiten bereitet. Letzte Erhebun-
würde, dass wir dann eine noch grössere Arbeitslosigkeit in gen zeigten nämlich, dass sich ein Bedarf von mindestens
der Schweiz bewusst herbeiführten. 200 Turnhallen und von rund 500 ausgebildeten Turnlehrern
(ohne Wahlfächer) ergibt.
4. Oktober 1982 1299 Motion Weber-Schwyz
Der Investitionsbedarf und die jährlich wiederkehrenden perliche Ertüchtigung unserer Heranwachsenden einge-
Kosten für Besoldung, Betrieb und Unterhalt der Anlagen setzten Mittel keineswegs als sinn- und wirkungslos.
werden einen Finanzbedarf auslösen, der in keinem Verhält- Gerade in einer Zeit wachsender Unrast der Jugend recht-
nis zum Nutzeffekt dieses Obligatoriums steht. Die Durch- fertigt sich eine Erziehung zu vernünftiger sportlicher Betä-
setzung des Bundesobligatoriums bringt übrigens auch auf tigung doppelt.
kantonaler Stufe referendumspolitische Hürden. Die Einschätzung des Nutzeffektes ist Ermessenssache;
Besonders schwer wiegt bei den meisten Berufsgattungen wir können uns der Ansicht des Motionärs, der finanzielle
das Problem der Stundenplangestaltung. Der Turnunter- Aufwand stehe in keinem Verhältnis zu den Auswirkungen
richt ist zudem nach Geschlechtern getrennt zu erteilen. des Sportunterrichts, nicht anschliessen. Kosten und Nut-
Weil besonders in ländlichen Gegenden beim Unterricht an zen stehen in einem guten Verhältnis, besonders wenn man
Berufsschulen auch die Fahrzeiten der öffentlichen Ver- berücksichtigt, dass die Sportanlagen der Berufsschulen in
kehrsmittel zu berücksichtigen sind, würde ein Einbau des den Dienst des Jugendsportes ganz allgemein sowie des
obligatorischen Turnunterrichts in vielen Fällen einen Erwachsenensportes gestellt werden können.
zusätzlichen Schulhalbtag bewirken. Besonders deutlich müssten wir uns einer Kompetenzdele-
Da nach den letzten verfügbaren Unterlagen der obligatori- gation an die Kantone widersetzen, wenn diese - wie offen-
sche Turnunterricht bei den meisten Berufsgattungen zu bar vom Motionär beabsichtigt - nur dazu dienen sollte, den
weniger als einem Drittel verwirklicht ist, kann eine Aufhe- Turnunterricht für Lehrlinge teilweise abzuschaffen oder
bung ohnehin verantwortet werden. Gemäss Bericht 1978 nicht einzuführen.
wird der Unterricht sogar zu zwei Dritteln auf bestehenden,
fremden Anlagen erteilt. Diese Feststellung müsste sogar Schriftliche Erklärung des Bundesrates
zur Annahme führen, dass an verschiedenen Volks- und Déclaration écrite du Conseil fédéral
Mittelschulen die Minimalforderungen an Turnunterricht pro Der Bgndesrat empfiehlt, die Motion abzulehnen.
Schulwoche noch nicht erfüllt sind. Nachdem man weiss,
dass mit einem ständigen Anteil von Dispensierten um die Präsidentin: Der Bundesrat lehnt die Motion ab. Herr
40 Prozent zu rechnen ist, scheint in dieser Beziehung Weber hält daran fest. Er hat das Wort zur Begründung.
ebenfalls eine Kosten-Nutzen-Überlegung am Platze zu
sein. Weber-Schwyz: Meine Motion, die von 45 Ratskollegen mit-
Mit einer Revision des Bundesgesetzes soll die freiwillige unterzeichnet wurde, befasst sich mit den Folgen eines
Durchführung des Lehrlingsturnens den Kantonen überlas- Beschlusses aus der Zeit der Hochkonjunktur, nämlich
sen werden. Die beträchtlichen Finanzmittel, welche bei einem Beschluss dieses Rates vom 15. Dezember 1971.
einer vollen Verwirklichung des Lehrlingsturnens bean- Damals wurde das Bundesgesetz zum Verfassungsartikel
sprucht würden, können in unserem Staat sinnvoller und über Turnen und Sport beraten. Entgegen der Auffassung
wirksamer eingesetzt werden. von Bundesrat und Kommissionsmehrheit wurde das Obli-
gatorium für Turnen und Sport ins Bundesgesetz aufge-
Schriftliche Stellungnahme des Bundesrates
nommen. Antragsteller war der damalige Nationalrat und
Rapport écrit du Conseil fédéral Zürcher Erziehungsdirektor König, der in berechtigter
In Befolgung des parlamentarischen Auftrags hat der Bun- Sorge um die immer häufiger auftretenden Haltungsschä-
desrat seit 1972 Massnahmen eingeleitet, um den obligato- den bei Jugendlichen diesen Antrag einbrachte.
rischen Turnunterricht an Berufsschulen zu verwirklichen. Was aus dem gut gemeinten Antrag und dessen Begrün-
Obwohl mannigfache Schwierigkeiten bei der Einführung dungen geworden ist, möchte ich mit kurzen Zitaten aus
dieses Schulfaches vorauszusehen waren und auch einge- dem «Stenographischen Bulletin» untermalen. Herr König
treten sind, dürfen wir heute feststellen, dass dem Anlie- führte folgendes aus, und er zitierte dabei aus einem Heft
gen, auch den Lehrlingen eine körperliche Ertüchtigung zu von Turnen und Sport, Magglingen, eine Abhandlung des
vermitteln, wie sie für die gleichaltrigen Mittelschüler selbst- bekannten Prof. Kräyenbühl, der folgendes feststellte: «Es
verständlich ist, grundsätzlich Verständnis entgegenge- ist erwiesen - und die Untersuchung der Neurologischen
bracht wird. In den meisten Kantonen und Gemeinden mit Klinik hat dies erneut bestätigt -, dass es möglich ist, Hal-
Berufsschulen werden beachtliche Anstrengungen unter- tungsschäden zu korrigieren, wenn man Haltungsturnen
nommen, um der bundesrechtlichen Verpflichtung nachzu- durchführt.» König sagte wörtlich: «Dieses Haltungsturnen
kommen. Dass die Verwirklichung des Lehrlingssports lang- ist ein isometrisches Haltungsturnen, das ohne Turnhallen
samer voranschreitet, als ursprünglich angenommen, muss und Geräte durchgeführt werden kann.»
zur Kenntnis genommen werden, ändert aber nichts daran, Dem Gesetz ist Rechtskraft erwachsen, und die Speziali-
dass die Entwicklung grundsätzlich auf dem richtigen Wege sten haben daraus die Bedürfnisse errechnet: mindestens
weitergeht. 250 Turnhallen und etwa 500 Turnlehrer. Rund elf Jahre
Die Einordnung des Turnens in die Stundenpläne bietet nach der Einführung des Obligatoriums stellen wir fest,
organisatorische Probleme, die aber bis jetzt überall, wo sie dass etwa ein Drittel der Lehrlinge diesen Unterricht
ernsthaft angegangen werden, gelöst werden konnten. Ins- gemessen, wovon gemäss einem Bericht der Expertenkom-
besondere trifft es nicht zu, dass wegen des Turnens ein mission vom Juni 1978 mehr als die Hälfte des Unterrichts
weiterer Schulhalbtag notwendig geworden wäre. auf fremden Anlagen erteilt wird. MUSS man wohl anneh-
Dass in zahlreichen Berufen erst ein Teil der Lehrlinge in men, dass auf Stufe Volks- und Mittelschulen der vorge-
den Genuss des Turnunterrichtes kommen, ist kein Grund, schriebene Unterricht nicht erteilt wird, oder sind ohnehin
eine objektive gerechtfertigte Neuerung auf halbem Wege Überkapazitäten an Turnanlagen vorhanden? Am 16. März
abzubrechen. Ähnliche Schwierigkeiten traten auch auf bei 1977 hat zudem Frau Thalmann aus der CVP-Fraktion mit
der Einführung des obligatorischen Schulsportes, die lange einem Postulat auf die Schwierigkeiten dieser Einführung
Jahre beanspruchte, ohne dass die Notwendigkeit und des Lehrlingsturnens hingewiesen und den Bundesrat um
Nützlichkeit grundsätzlich bestritten wurden. Erstreckung der Einführungsfrist gebeten.
Die Regelung der Berufsbildung und damit des Unterrichts Dass der Bundesrat in seiner Antwort die Ablehnung mei-
an Berufsschulen ist Sache des Bundes. Der Turnunterricht ner Motion beantragt, ist mir verständlich. Es geht hier
zählt heute zu den obligatorischen Fächern wie die Allge- schliesslich unn den Respekt vor dem damaligen Gesetzge-
meinbildung und die Berufskunde. Es ist auch im Rahmen ber, der ihm vor gut zehn Jahren diesen Auftrag erteilt hat.
der Aufgabenteilung zwischen Bund und Kantonen nicht Vermutlich geht es auch darum, jenen Kantonen, die den
vorgesehen, einzelne Teile dieses Fächerkanons in die Gesetzesauftrag unverzüglich erfüllten, nachträglich nicht
sachliche und finanzielle Zuständigkeit der Kantone zu dele- wieder die Beiträge entziehen zu müssen. Von näher
gieren. Der Bund ist gewillt, seinen Verpflichtungen - betrachtet, muss man aber feststellen, dass das obligatori-
zusammen mit den Kantonen - nachzukommen. Dabei sche Lehrlingsturnen überall dort eingeführt ist, wo soge-
betrachtet er im Gegensatz zum Motionär die für die kör- nannte Bilderbuchsituationen herrschen, nämlich in Städten
Motion Weber-Schwyz 1300 N 4 octobre 1982
und Ballungszentren. In allen übrigen Fällen, vor allem bei sollte verwirklicht sein, was der Gesetzgeber grundsätzlich
Tagesunterricht, ergeben sich fast unüberwindliche Stun- beschlossen hat. Schon in der damaligen Debatte in diesem
denplanprobleme, verbunden mit den fahrplantechnischen Rat hat unser verehrter Kollege Walter König den Bundes-
Schwierigkeiten bei den öffentlichen Verkehrsmitteln. rat aufgefordert, bei den Ausführungsbestimmungen etwas
Was fordert meine Motion? Sie verlangt eine Gesetzesrevi- Phantasie zu zeigen, um möglichst bald dem Lehrling ähnli-
sion, damit den Kantonen die freiwillige Durchführung des che Möglichkeiten anzubieten wie dem Mittelschüler. Von
Lehrlingsturnens überlassen werden kann. Mit einer sol- dieser Phantasie in der Einführungs- und Übergangszeit
chen Revision sollten angepasste und vernünftige Lösun- war leider zuerst wenig zu erkennen, und es kam so, wie es
gen möglich werden. Ich bin kein absoluter Gegner des kommen musste: Am 8. Dezember 1977, in der Zeit der
Lehrlingsturnens. Mir scheint aber, dass der Turnunterricht Behandlung des Berufsbildungsgesetzes, wurde ein Postu-
differenziert vollzogen werden sollte. So halte ich bei Block- lat unserer Kollegin Hanni Thalmann vom Rate überwiesen,
unterricht, also bei Wochen- und Monatskursen, Turnen das den Ausführungsorganen ermöglichte, die Realisierung
und Sport für eine Selbstverständlichkeit. Wenn man aber des Lehrlingsturnens «um einige Jahre» hinauszuschieben.
davon ausgeht, dass fast die Hälfte aller Lehrlinge sportlich Am 1. März 1978 - Herr Weber, das haben Sie vergessen -
integriert ist, scheinen mir die voraussehbaren Kosten von holte ich zum Gegenzug aus. Gegen den Willen des Bun-
über 100 Millionen Franken unvertretbar, ja unverantwort- desrates wurde mein Postulat vom gleichen Rate überwie-
lich zu sein. Ein Chirurg und ärztlicher Aushebungsoffizier sen, das den Bundesrat zu einer beweglicheren Politik auf-
aus dem Kanton Zürich schrieb mir in diesem Zusammen- forderte, um möglichst in der vorgegebenen Zeit bis 1986
hang sogar, Lehrlingsturnen auf diese Art sei ein kostspieli- das gesetzlich festgelegte Turnen für Lehrlinge auf irgend-
ger Zeitvertreib. Turnunterricht von netto 30 bis 40 Minuten welchen Wegen zu ermöglichen. Ich habe damals eine vor-
pro Woche kann ohnehin keine Haltungsschäden bei übergehende Zusammenarbeit mit den Turnvereinen und
Jugendlichen korrigieren. Auch das Argument der Gleich- Sportclubs angeregt.
stellung der Lehrlinge gegenüber den Mittelschülern, ja Am 16. März 1981 habe ich Herrn Bundespräsident Honeg-
sogar die Unrast der Jugend, sind in diesem Zusammen- ger in der Fragestunde angefragt, was in dieser Sache
hang keine Begründungen, im Gegenteil. Es ist nämlich viel- geschehen sei. Aus seiner Antwort : «Bereits am I.Juli 1978
mehr so, dass die sportlich engagierten Lehrlinge durch haben wir die Verwirklichung des Lehrlingsturnens nach
den verlängerten Stundenplan oft mit Verspätung in den den folgenden drei Varianten als zulässig erklärt: Ein allge-
Trainingsstunden ihrer Vereine eintreffen. Den entsprechen- meines Training in den ordentlichen Berufsschulklassen -
den Unmut kann man sich vorstellen. Sodann ist es für das sogenannte Modell 1 -, dann der Wahlfachunterricht in
sportbegeisterte Jugendliche eine Zumutung, zusammen ad hoc zusammengestellten Klassen - das sogenannte
mit Muss-Teilnehmern diese Plauschstunde - so der Aus- Modell 2 - sowie der Wahlfachunterricht in Sportvereinen
druck eines Sachverständigen im Berufsbildungswesens - ausserhalb der Berufsschulen, das sogenannte Modell 3.
zu besuchen. Wenn man davon ausgeht, dass rund 40 bis Über die Durchführung ausserhalb der Schulen entscheidet
50 Prozent der Lehrlinge in den Vereinen unseres Landes der Kanton. Sie kann sich aufdrängen bei Mangel an Turn-
alle Sportarten betreiben, dann muss man sich fragen, ob lehrern und Sportstätten, soll aber nicht dazu dienen, ein-
diese nicht zu Recht von diesem Obligatorium befreit sein zelne, vor allem besonders qualifizierte Sportler, vom Schul-
müssten. Übrigens wurde nie ein ernsthafter Versuch unter- unterricht zu dispensieren.»
nommen, die von verschiedenen Votanten in der Debatte Der Bundesrat möchte damit verhindern, dass das Turnen
1971 erwartete Möglichkeit der Partnerschaft mit Sportver- an den Berufsschulen nur die wenig oder überhaupt nicht
einen anzustreben. Modell 3 der Wegleitungen von 1978 motivierten Lehrlinge einbezieht. Das scheint mir eine
gäbe hierzu sogar die Möglichkeit. Wenn man weiter berechtigte Sorge des Bundesrates zu sein. Weiter erklärte
annimmt, dass regelmässig 10 bis 20 Prozent der Lehrlinge der Bundesrat damals: «Soweit einzelne Betriebe die sport-
aus irgendwelchen Gründen vom Turnen dispensiert sind liche Ertüchtigung ihrer Lehrlinge selber betreiben, kann
und bei gewissen Berufen der Unterricht sogar nach auf den Unterricht in den Berufsschulen verzichtet werden.»
Geschlechtern getrennt geführt wird, so muss man sich fra- Ich fasse zusammen: Den Kantonen ist also ein sehr gros-
gen, wie das Lehrlingsturnen für einen Restbestand von 30 ser Spielraum belassen, ihre Pflicht bis 1986 zu erfüllen.
bis 40 Prozent stundenplantechnisch zu bewältigen ist. Wer das Lehrlingsturnen wirklich realisieren möchte,
Sicher ist, dass aufgrund dieser Tatsachen die Annahmen braucht das Gesetz von 1972 nicht zu revidieren. Im Revi-
der Gesamtplanung für Anlagen wie auch die Bedarfsrech- sionsvorschlag des Kollegen Weber-Schwyz steckt eben
nung für Turnlehrer überholt sind. Wenn man allein in der zwischen den Zeilen ganz kurz und einfach der Wunsch,
Stadt Zürich einen Bedarf von 28 Turnhallen errechnet hat, sich aus dem Lehrlingsturnen davonzustehlen, dies zu
so ist anzunehmen, dass diese nicht an zentraler Lage einem Zeitpunkt, in dem ein Drittel der Lehrlinge bereits
erstellt werden können. Der Weg zu peripher gelegenen regelmässig Sportunterricht erhält und für weitere 55 000
Anlagen wie auch die Gestaltung der Stundenpläne werden Lehrlinge die Vorbedingungen zum gesetzlich festgelegten
auch in städtischen Verhältnissen einige Probleme aufge- Unterricht kurz vor ihrer Vollendung stehen. Noch liegen
ben, und vermutlich kann nicht für alle Lehrlinge eine Rand- vier Jahre vor uns!
stunde angeboten werden. In einigen Kantonen ist das Obligatorium voll erfüllt, andere
Darum möchte ich den Rat dringend bitten, die Motion bemühen sich, in nächster Zeit ihren Verpflichtungen nach-
erheblich zu erklären und dadurch den Weg zu einer neuen zukommen. Und nun soll es nicht möglich werden, dass
Lösung zu ebnen. Es geht hier um einen sinnvolleren Ein- besonders langweilige Regierungen anstelle eines Schub-
satz der Mittel, es geht darum, Wege zu suchen, um Kombi- ses in den Rücken einen Polstersessel offeriert bekommen,
nationen mit «Jugend und Sport» wie auch mit Sportverei- auf dem sie - mit Hinweis auf die Freiwilligkeit - noch jahre-
nen zu ermöglichen. Mit einer Gesetzesrevision eröffnen lang ruhen können. Wenn Turnen aus dem obligatorischen
Sie aber auch einen Weg, der den Regionen unseres Lan- Fächerkatalog gestrichen wird, dann kann auch jedes
des, den Verhältnissen in den einzelnen Berufsschultypen andere Fach aus dem Bundesobfigatorium herausgelöst
und den sportlichen Neigungen unserer Jugend angepasst und dem kantonalen Belieben anheimgestellt werden.
ist. Die Kosten - Herr Weber - stehen in keinem Verhältnis zum
Nutzeffekt. Zum einen sind die Kosten, wenn die geforderte
Müller-Aargau: Soll der Leidensgeschichte des Lehrlings- Phantasie angewendet wird, weit entfernt von jener Höhe,
turnens heute ein weiteres Kapitel angehängt werden? die Sie vorhin angegeben haben. Zum anderen: Wie
Gemäss Bundesgesetz über Turnen und Sport vom berechnet Herr Weber den gesundheitlichen Nutzen? Wie
17. März 1972 ist der Sportunterricht an Berufsschulen berechnet er das körperliche Wohlbefinden? Wie berechnet
obligatorisch. Schon damals kam der Gesetzgeber den er die erhöhte Leistungsfähigkeit eines gesunden Geistes
Kantonen, die die nötigen Anlagen zu realisieren hatten, bis in einem gesunden Körper? Wie berechnet er die Anregung
an die Grenze des Tragbaren entgegen. Erst im Jahre 1986 zur sinnvollen Freizeitgestaltung, und wie berechnet er den
4. Oktober 1982 1301 Motion Weber-Schwyz
Nutzen einer Tätigkeit, der zum Teil erst 30 Jahre später der Kantone, die Lücken zu schliessen, ist mit wenigen
festgestellt werden kann? Ausnahmen vorhanden.
Diese Kosten-Nutzen-Behauptung des Herrn Weber scheint Ein Drittel der Lehrlinge erhält heute regelmässig Sportun-
mir eine Anmassung zu sein. Seine Angaben, dass der terricht. Für weitere 55 000 Lehrlinge - das ist eine beein-
Turnunterricht nach Geschlechtern getrennt zu erteilen sei, druckende Zahl - sind Anlagen im Bau oder geplant. Das
ist falsch. Ein zusätzlicher Schulhalbtag entsteht nicht, Schwergewicht der gewählten Modelle liegt auf dem Fit-
wenn der durch das Gesetz vorgegebene Zeitraum wirklich ness-Training mit Spielausbildung.
genutzt wird. Bei gutem Willen fallen also die stundenplan- Und nun einige Bemerkungen zu den Einwänden und zu
technischen Probleme dahin oder scheinen mindestens dem, was Kollege Weber gesagt hat. Man sagt, der Investi-
nicht unüberwindbar zu sein. Dieser Meinung war übrigens tionsbedarf und die Kosten für die Lehrkräfte stünden in
auch der Bundesrat in seiner Antwort auf einen Vorstoss keinem Verhältnis zum Nutzeffekt. Von den rund 300 Sport-
Carobbio. stätten, die für den Lehrlingssport notwendig sind, wurden
Erlauben Sie mir noch ein persönliches Wort. Zu Hause bis heute - das hat eine Rückfrage in Magglingen ergeben
habe ich einige Söhne und Töchter, darunter drei gleich- - über einen Drittel bereits gebaut, und ein weiteres Drittel
altrige Jugendliche, die gerade dieses Frühjahr im Über- kommt demnächst zur Ausführung. An diese Sportanlagen
gang von der Volksschule zur Weiterausbildung standen. wurden bereits Bundesbeiträge von 18 Millionen Franken
Sie haben bis dahin - seit dem Kindergarten - die gleichen ausbezahlt bei einem budgetierten Betrag von 36 Millionen
Schulen besucht. Alle drei haben Freude am Sport und Franken. Die für die Realisierung der weiteren Projekte not-
wünschen einen systematischen Unterricht als Fitness-Trai- wendigen Mittel werden auf 72 Millionen Franken geschätzt.
ning für spezielle sportliche Betätigung in Clubs und Verei- Ich frage Sie: Sind für 55000 Lehrlinge diese 72 Millionen
nen. Zwei von ihnen besuchen eine Mittelschule; ihnen wer- nicht angebracht?
den drei Turnstunden pro Woche angeboten, dazu Wahl- Ferner hat man gesagt - das ist die zweite Bemerkung von
fachkurse in verschiedenen Sportarten nach freier Wahl. Herrn Kollege Weber -, die Frist zur Einführung des Obliga-
Zudem erhalten sie das Angebot einer schulischen Sport- toriums bis 1986 sei zu kurz. Zuständig für eine eventuelle
woche pro Jahr, unterstützt von Jugend und Sport. Das Verlängerung dieser Frist ist der Bundesrat. Die Innehaltung
Dritte im Bunde hat im Frühling eine Berufslehre begonnen, der Frist stellt lediglich in Kantonen mit grossen Stadtschu-
es wird tagsüber weniger Bewegung haben als seine zwei len Probleme. Eine generelle Fristerstreckung, gemäss
Geschwister in der Schule. Im Reglement konnte es nachle- Rücksprache in Magglingen, sei im heutigen Zeitpunkt nicht
sen, dass zwei Turnstunden zum Programm gehören. Nun notwendig. Der Bundesrat könnte aber in gegebenen Fällen
hat es vernehmen müssen, dass dieser Unterricht noch für besondere Objekte eine Fristverlängerung gewähren.
nicht erteilt werde. Was hätte der Vater antworten sollen auf Flexibilität ist hier am Platz. Dann: der obligatorische Sport-
die Frage nach der Gerechtigkeit in diesem Staat? unterricht führe zu zusätzlichem Schulhalbtag. Diese
Die Attacke des Kollegen Weber-Schwyz greift an die Befürchtung ist vollständig unbegründet. Entsprechende
Grundfesten unseres Berufsschulwesens, das als einziger Zusicherungen wurden bei der Schaffung der Ausführungs-
Schulzweig sinnvollerweise eidgenössisch geregelt ist und erlasse abgegeben, und die verbindlichen Lehrpläne tragen
das auch bleiben soll. Dieser Einbruch beim Turnunterricht diesen Rechnung. - Und schliesslich die vierte Bemerkung:
macht selbst unsere klare Bundesregelung nur verschwom- das Bundesobligatorium sei abzuschaffen und die Einfüh-
mener, verwischt die Kompetenzen, nur um kantonale Ein- rung den Kantonen zu überlassen. Die Kantonalisierung des
sparungen zu tätigen durch Nichtstun. Genau das aber war Lehrlingssportes wäre, aus dieser Sicht betrachtet, einfach
bei der Aufgabenneuverteilung zwischen Bund und Kanto- widersinnig. Wie alle anderen Fächer des Berufsschulunter-
nen nicht gemeint. Wo so klare Regelungen bestehen, müs- richtes ist Turnen und Sport ein vom Bund erlassenes
sen wir nicht aufschieben, das dient nicht der staatspoliti- Pflichtfach, dessen Stundenzahlen in die vom BIGA erlasse-
schen Klarheit. nenen Lehrpläne gehört. Es ist aus unterrichtstechnischen
Gründen nicht möglich, aus der Vielzahl von Pflichtfächern
Die Frage, ob bis 1986 Gerechtigkeit zwischen Mittel- und
an den Berufsschulen ein einziges Fach, nämlich Turnen,
Berufsschülern bezüglich Sportunterricht herrschen wird,
aus dem Bundesobligatorium herauszulösen und den Kan-
kann heute noch nicht beantwortet werden. Herr Weber hat
tonen zu unterstellen.
durch seine Motion aber in den ganzen Bereich neue
Unsicherheit gebracht. Ich bitte Sie aus diesen Gründen, dem Antrag des Bundes-
Helfen Sie, Klarheit in diesem Bereich zu schaffen, durch rates zu folgen und die Motion Weber abzulehnen.
Ablehnung der Motion Weber.
Stucky: Ich beantrage Ihnen, die Motion von Herrn Weber
zu unterstützen, weil sich aufgrund der gemachten Erfah-
Ogi: Ich ersuche Sie, gleich dem Bundesrat und Kollege
rungen gezeigt hat, dass das Obligatorium viel zuwenig
Müller, die Motion Weber nicht als erheblich zu erklären.
differenziert ist. Es geht hier nicht.darum, weniger Sport zu
Lassen Sie mich zu Ihrer Meinungsbildung in einigen Stich-
treiben, sondern darum, mit den gegebenen Mitteln mehr
worten die Rechtslage kurz in Erinnerung rufen: Der Sport-
herauszuholen. Ich will das an ein paar Beispielen darlegen.
unterricht an den Berufsschulen ist obligatorisch, und zwar
Für mich ist es ein Unterschied, ob den Lehrlingen aller
gemäss Bundesgesetz vom 17. März 1972. Die Kantone
Berufsgruppen Turnunterricht erteilt werden soll oder nicht.
sind verpflichtet, das Obligatorium bis Anfang 1986 zu ver- Es scheint mir selbstverständlich, dass zum Beispiel die
wirklichen. Pro Woche sind vorgeschrieben: Eine Lektion
kaufmännischen Berufsschüler einen Turnunterricht nötig
von 40 Minuten bei eintägigem Berufsschuluntericht, eine haben, während ich es für überflüssig halte, das Zimmer-
Doppellektion von 75 Minuten bei anderthalb- oder zweitä- mann- und Dachdeckerlehrlinge noch turnen gehen. Leute
gigem Unterricht. dieser Berufsgattungen haben genügend Bewegung.
Als Lehrkräfte sind eidgenössisch diplomierte Fachlehrer Ein zweiter Punkt: Es ist erwiesen, dass sich etwa ein Drit-
einzusetzen.
tel der Schüler auf irgendeine Weise vom Turnen dispensie-
Der Unterricht kann nach drei Modellen gestaltet werden. ren lässt. Diese Rate ist ausserordentlich hoch. Der Turnun-
Modell 1: Fitness-Training mit Spielausbildung; Modell 2: terricht in den Berufsschulen ist eben nicht beliebt, und
Wahlfachunterricht mit Konditionstraining; Modell 3: Wahl- warum dem so ist, ist begreiflich. Gerade die sportlichen
fachunterricht mit Konditionstraining ausserhalb der Berufs- Schüler lassen sich vom Turnen sehr oft dispensieren, da
schule. Soweit die Rechtslage. sie einem freiwilligen Training, meistens bei einem Verein,
Und nun eine Betrachtung zum Stand der Einführung des unterliegen. Es wäre viel gescheiter, man würde diese Tätig-
Lehrlingsturnens. In einigen Kantonen ist das Obligatorium keit, zusammen mit den Vereinen, unterstützen, statt dass
voll erfüllt, andere werden dieser Pflicht in nächster Zeit man diesen Schülern noch einen obligatorischen Turnunter-
ganz oder zum grössten Teil nachkommen. Das Bestreben richt verpassen will.
Motion Weber-Schwyz 1302 4 octobre 1982
Übrigens verhält es sich so - auch wenn Herr Ogi das solide Ausbildung des Nachwuchses verzichten müssen,
Gegenteil behauptet -, dass der Turnunterricht in der und zwar ganz einfach aus Gründen der Präsenz, weil die
Schulplanung der Berufsschulen ausserordentlich viel Lehrlinge und Lehrtöchter dann zuwenig zur effektiven Aus-
Mühe bereitet. Ich weise Herrn Ogi auf seine eigene Einfa- bildung im Geschäft sind.
che Anfrage vom 18. Juni 1981 hin, wo er zu Recht festge- Ich bin der Meinung, dass das ein Mitgrund ist, der Motion
stellt hat, dass man eigentlich den Lehrplan oder den von Kollege Weber zuzustimmen.
Pflichtunterricht der Berufsschule mit dem der Berufsmittel-
schule koordinieren sollte. Vom Bundesrat ist ihm dann
Biel: Ich beantrage Ihnen, die Motion abzulehnen. Allen
geantwortet worden, dass man hier dem Berufsschulunter-
Bedenken, die Kollege Weber aufgeführt hat, können wir
richt Priorität geben wolle vor dem Unterricht an der Berufs-
heute schon Rechnung tragen. Herr Müller hat Ihnen noch
mittelschule, dass man aber auf jeden Fall vermeiden wolle,
einmal die verschiedenen Modelle und die Möglichkeiten
dass das; Ausbildungsprogramm länger als zwei Tage dau-
geschildert. Wir haben genügend Flexibilität, um Lösungen
ere. Es sind uns Fälle bekannt, wo tatsächlich die Lehrlinge
zu finden.
wegen des Turnens diese zwei Tage nicht einhalten können
Es gibt aber noch ein anderes Problem, und das hat mich
und deshalb an anderen Orten reduziert werden muss. Das
veranlasst, hier das Wort zu ergreifen. Herr Weber, aus
halte ich für sehr ungeschickt. Die organisatorischen Pro-
Ihren Ausführungen tönte ein Materialismus, der mir
bleme werden übrigens sowohl in der Stellungnahme des
bedenklich scheint. Sie haben gesagt, 100 Millionen seien
Bundesrates zur Motion wie in einem Bericht des BIGA, der
viel zuviel und Hessen sich nicht rechtfertigen.
kürzlich erschienen ist, zugegeben. In diesem Bericht
Im Jahr gibt man in der Schweiz für das Gesundheitswesen
heisst es, dass wegen der Randstunden, in denen dieser
im Augenblick um die 15 Milliarden Franken aus; für die Prä-
Unterricht erteilt werden muss, trotz oft erheblichen organi-
vention machen wir dagegen praktisch nichts. Ist nicht
satorischen Schwierigkeiten, schulfremde Anlagen benutzt
alles, was wir im Sinne der Prévention für die körperliche
werden müssten, was Mühe mit dem Schulplan mache. Das
Betätigung aufwenden, eine produktive Investition für die
kann nicht bestritten werden.
Zukunft? Die Ausgaben für das Lehrlingsturnen sind für
Schliesslich ist auch auf das, was Herr Weber gesagt hat, mich eine produktive Investition und nicht eine unproduk-
hinzuweisen, dass es nämlich in gewissen Regionen zu tive, wie man das nun verschiedenen Voten entnehmen
erheblichen Kosten kommt, wenn man all diesen Schulun- konnte.
terricht bezahlen und leisten muss; ich verweise auf den Es ist doch interessant. Bei Hochschulvorlagen wird immer
Kanton Graubünden. Im Kontaktgremium für die Aufgaben- gejammert - zum Teil von den gleichen Kreisen -, man
teilung hat der Bündner Vertreter darauf aufmerksam mache nur etwas für die Hochschulen und für die wichtigen
gemacht, dass in seinem Kanton etwa 40 bis 50 Turnhallen Berufsschüler tue man nichts. Aber in einem wesentlichen
gebaut werden müssten. Ob das nun sinnvoll ist, dort, wo Bereich, der später für ein gesundes Leben, aber auch für
der Lehrling ohnehin Bewegung hat, das möchte ich wirk- die Freizeitgestaltung, von Bedeutung ist, wollen Sie mit
lich bezweifeln. ungleichen Ellen messen: für die Hochschulen wird alles
Mir scheint es bei dieser Sache einmal mehr darum zu gemacht, und bei den Berufsschulen wollen Sie eine Diskri-
gehen, dass wir klare Prioritäten setzen und dass wir eine minierung, Sie wollen nämlich schlicht und einfach das
flexible Lösung anstreben. Diese erreichen wir mit der Obligatorium des Sports abschaffen und damit natürlich
Motion Weber, weshalb ich Ihnen die Annahme dieser auch dem Berufsschulturnen den Todesstoss geben. Sonst
Motion empfehlen möchte. brauchten Sie nämlich Ihre Forderung gar nicht, Herr
Weber, weil Sie ja gesehen haben, dass wir die Möglichkeit
Schärli: Vom Lehrlingsturnen sind neben den Lehrtöchtern haben, flexibel vorzugehen, um die Fristen zu erstrecken.
und Lehrlingen, neben den Finanzen, von denen man jetzt Wenn wir all die Probleme ansehen, vor denen unsere
soviel gesprochen hat, auch die Lehrbetriebe betroffen. In Gesellschaft steht, scheint mir, dass Investitionen in den
diesem Zusammenhang gestatte ich mir, auf einige Schwie- Sport auf der Schul- und Nachschulebene produktive Inve-
rigkeiten hinzuweisen, die sich den Lehrbetrieben stellen. stitionen sind, die sich ausbezahlt machen.
Ich mache darauf aufmerksam, dass wir in der Schweiz Ich bitte Sie deshalb, helfen Sie uns, diese Attacke auf das
250000 Klein- und 40000 Mittelbetriebe haben; es sind Berufsschulturnen abzuwehren, und lehnen Sie die Motion
also die Klein- und Mittelbetriebe, die den grössten Teil von Kollege Weber ab.
unserer Lehrlinge und Lehrtöchter ausbilden. Es sind
immerhin etwa 70 bis 80 Prozent sämtlicher Nachwuchs-
leute, die dort ausgebildet werden. M. Loetscher: J'apporte ici mon soutien à la proposition du
Conseil fédéral et vous demande de repousser la proposi-
Es sind Kleinbetriebe, Mittelbetriebe, die wirtschaftlich eine
tion de notre collègue Weber-Schwyz. Par le biais de cette
gesunde Einheit bilden zwischen Familie und Betrieb, in der
proposition, le bien-être de toute une partie de notre jeu-
Arbeitgeber und Arbeitnehmer miteinander an der Werk-
nesse devrait tout simplement être sacrifié sur l'autel de
bank arbeiten, im Büro oder im Laden den Tag miteinander
l'état des finances publiques; car chers collègues, Mon-
verbringen. Beachten wir doch dabei, dass hier nicht nur
sieur Stucky et Monsieur Schärli, vous ne vous êtes pas tel-
Berufsausbildung betrieben wird, sondern dass vielleicht
lement exprimés sur le fond de la motion qui consisterait à
den jungen Leuten in diesen Jahren auch anders noch «der
donner la compétence aux cantons de légiférer; vous vous
Hobel angesetzt» wird.
êtes bien plutôt opposés à la gymnastique des apprentis. Et
Diese Betriebe - sind wir ehrlich - brauchen die «Stifte» pourtant, dans ce pays, chacun s'accorde à relever l'impor-
nicht nur einen bis zwei Tage pro Woche. Sie brauchen die tance de celle-ci, à relever le rôle primordial que peut et doit
Lehrlinge für die Ausbildung in der praktischen Tätigkeit, jouer le sport dans la lutte contre les nombreuses agres-
und wenn Sie an gewisse Berufe denken, sind zwei bis drei sions de notre monde moderne. Tous les rapports, thèses,
Tage fast etwas wenig. Wenn nun dieser zusätzliche Turn- antithèses sur la jeunesse, mettent en évidence l'impor-
unterricht voll obligatorisch eingeführt wird, heisst das, tance du sport. Notre collègue M. Biel vient de le dire, c'est
dass wahrscheinlich - und da bin ich mit Herrn Ogi nicht l'investissement, je pense, le plus facile et le plus rentable.
einverstanden - stundenplanmässig der ganze Turnunter- En outre, Monsieur Weber, votre proposition est une discri-
richt nicht während der jetzigen Schulstunden gegeben mination inadmissible entre apprentis et étudiants. Les pre-
werden kann. Das heisst unter Umständen, dass der Lehr- miers plus que tous doivent avoir l'occasion de pratiquer
ling oder die Lehrtochter noch zusätzlich einen halben Tag quelques heures de gymnastique pendant leur scolarité.
vom Lehrgeschäft weg ist. Ob das richtig wäre, das Je crois enfin avoir compris que, chaque année, les milieux
bezweifle ich. militaires se plaignent de l'insuffisance physique des
Vom Lehrgeschäft her heisst das aber im Klartext, dass recrues. Ce n'est donc vraiment pas le moment, à mon avis,
unsere Ausbildungsbetriebe langsam aber sicher auf die de supprimer ce que nos prédécesseurs avaient fait.
4. Oktober 1982 1303 Motion Weber-Schwyz
Pour toutes ces raisons, je vous demande instamment de nicht von Bern aus diktieren! Ich bin überzeugt, dass prak-
refuser cette motion et de suivre le préavis du Conseil fédé- tisch alle Kantone für ihr Gebiet ein Obligatorium in ange-
ral. messener Form durchführen würden. Für meinen Kanton
Zürich bin ich davon überzeugt. Ich würde mich auch jeder-
Müller-Scharnachtal: Ich bin einigermassen erstaunt, dass zeit für ein solches Obligatorium einsetzen, aber für ein
diese Motion überhaupt eingereicht wurde. angepasstes Obligatorium, das den Bedürfnissen der Jun-
Die Kantone haben nämlich den Vollzug des Obligatoriums gen gerecht wird.
längst eingeleitet und - zusammen mit dem Bund - recht Es sind hier Voten gefallen, auch von Befürwortern der
grosse finanzielle Opfer erbracht. Allerdings ist anzuneh- Motion, die ich gar nicht unterstützen kann, dass etwa der
men, dass eine vollständige Durchführung des Obligato- Dachdecker nicht turnen müsse, dass auch der Bauer bei-
riums nicht fristgerecht erreicht werden kann. Hier müssen spielsweise nicht turnen müsse. Ich kann Ihnen sagen, dass
wir noch um eine Erstreckung der Frist ersuchen. diese körperlichen Berufe sehr stark zur einseitigen Bela-
Die Abschaffung des Obligatoriums würde jedoch das stung des Körpers führen, dass dort eine sportliche Betäti-
begonnene Werk in Frage stellen und die Kantone vor fast gung mindestens so wichtig ist wie beim Kaufmann. Ich bin
unlösbare Probleme stellen. In allen übrigen vergleichbaren also keineswegs ein Gegner des Sportes, sondern ich bin
Schultypen ist das Turnobligatorium Selbstverständlichkeit. ein Befürworter eines gesunden Jugendturnens. Wenn wir
Ich kann nicht begreifen, weshalb man hier eine Ausnahme eine flexible Lösung in den Wohngemeinden in Zusammen-
machen will! Guter Turnunterricht, wirklich guter Turnunter- arbeit mit den bestehenden Sportvereinen ins Leben rufen
richt, auf zwei Wochenstunden eingeschränkt, ist das Mini- können, dann kommen auch jene Jungen zum Turnen, die
mum, was wir für unsere Jugend tun können. Ich stimme keine Lehre absolvieren, die als Hilfsarbeiter irgendwo tätig
dem Motionär insofern zu, als guter, lehrlingsgerechter sind und für die das Turnen ebenso wichtig ist wie für jene,
Turnunterricht nicht zwingend von perfekten Sportanlagen die in einer Berufsausbildung stehen.
abhängen sollte. Die Kantone würden gut daran tun, auch Ich beantrage Ihnen daher im Sinne der Förderung des
einfachere Sportanlagen vorzusehen. Jugendturnens und flexiblerer Lösungen der Motion von
Im Kanton Bern wurden verschiedene Modelle im Einver- Kollega Weber zuzustimmen.
nehmen mit dem BIGA eingehend getestet, und zwar Tur-
nen am Schulort, das jetzt hier umstritten ist, Turnen am Bratschi: Ich bitte Sie, die Motion Weber abzulehnen. Ich
Lehrort und das Turnen in Vereinen, wenn möglich am gehe dabei von dem aus, was ich selber erfahren habe, von
Wohnort der Lehrlinge. Das Ergebnis fiel klar aus, klarer als zwei Erfahrungen, die mich überzeugt haben, dass die
erwartet. Nur der Turnunterricht am Schulort, wenn möglich Bestimmungen, die wir seinerzeit in diesem Rate aufgestellt
über Tag und nicht am Rande des Schultages erteilt, führte haben, richtig sind. Auch wenn sie zeitlich kaum zu erfüllen
zum Erfolg. Alles andere ist kaum durchführbar, nicht zu sind, so sind sie grundsätzlich doch richtig, genau gleich
kontrollieren oder aber vom turnerischen Standpunkt aus wie im Gewässerschutz, wo ebenfalls eine zeitliche Erstrek-
nicht effizient. Lehrlingsturnen hängt eindeutig vom guten, kung erfolgte.
wirklich guten Turnlehrer ab, der zu begeistern vermag. Ich gehe von einer ersten Erfahrung aus als Mitglied der
Die Motion, Herr Kollege Weber, löst dieses Problem nicht! Exekutive der Stadt Bern. Wir haben ein Sportplatzpro-
Ich empfehle Ihnen deshalb, sie abzulehnen. gramm aufgestellt, mit Turnhallen, Sportanlagen. Wir müs-
sen das im überbauten städtischen Gebiet tun, sonst kann
Reichling: Ich bin kein Gegner des Jugendsportes, im man das Turnen gar nicht pflegen, auch nicht das Lehrlings-
Gegenteil, ich bin auch kein Gegner des obligatorischen turnen. Wenn wir die vielen Anlagen durchbringen wollen,
Jugendturnens. Ich bin aber der Auffassung, dass das dann brauchen wir die Unterstützung und den Druck des
heute bestehende Prinzip des Lehrlingsturnens nicht richtig Bundes. Sonst bringen wir dieses Programm nicht durch,
ist. Es gibt verschiedene Typen von Berufsschulen. Es gibt sonst werden die Prioritäten anders gesetzt, und das Lehr-
Berufe, bei denen aufgrund einer geringen Zahl von Lehrlin- lingsturnen fällt weg!
gen diese in der ganzen Schweiz zentral an einem Ort Zweitens: Ich spreche hier in meiner Eigenschaft als Präsi-
zusammengefasst werden. Diese fahren einmal wöchentlich dent eines kantonalen Sportverbandes.
nach Bern oder nach Thun oder irgendwohin, um dann dort Mit der Schulentlassung gehen die jungen Leute, die vorher
auch noch eine Stunde zu turnen. Anderer Schulunterricht in Kinderriegen, Jugendriegen usw. geturnt haben, den
wird als mehrwöchiger Blockunterricht zusammengefasst. Sportverbänden durchwegs verloren, wenn sie mit 'der
In diesen Schulen wird dann während einiger Wochen inten- Schulentlassung auch das Gebiet, wo sie in die Schule
siv geturnt; während der restlichen Zeit wird aber nicht gegangen sind, verlassen und keine Beziehungen zu den
geturnt. Die Landwirtschaftslehrlinge haben während des Vereinen pflegen, in denen sie geturnt haben. Dann hört
Winterhalbjahrs Berufsschulunterricht; meistens müssen das Turnen ganz einfach auf. Wenn wir nicht ein obligatori-
sie mehrere Dörfer weit fahren mit ihrem Moped oder Velo, sches Lehrlingsturnen haben, dann geht die sportliche
um dann dort noch je eine Stunde pro Woche zu turnen. Im Betätigung eines grossen Teils der Schweizer Jugend verlo-
Sommer wird nicht geturnt, weil auch kein Berufsschulun- ren. Das darf nicht sein, und das sage ich jetzt als Gesund-
terricht stattfindet. Daneben haben wir die kaufmännischen heitsdirektor der Stadt Bern: Wenn wir in diesen Jahren
Berufe, die während des ganzen Jahres ihren Unterricht nicht zur Gesundheit aller Jugendlichen - nicht nur der Mit-
absolvieren. Schon diese Vielfalt zeigt uns, dass wir flexible telschüler - Sorge tragen, dann haben wir in präventivmedi-
Lösungen brauchen. zinischer Hinsicht'- da gehe ich mit Kollega Biel einig -
Mir geht es darum, dass aus dem Turnen des jungen Men- etwas versäumt, das wir später nicht mehr nachholen kön-
schen der Sport des Erwachsenen wird, dass der Junge nen.
integriert wird in einen Sport, den er auch nachher, schul-
entwachsen, weiterführt. Das kann meiner Ansicht nach nur Künzi: Als Volkswirtschaftsdirektor des Kantons Zürich
gefördert werden, wenn dieser Turnunterricht oder Sport in untersteht mir auch das berufliche Bildungswesen. Aus die-
seiner Umgebung stattfindet; wenn er zusammen mit sei- ser Sicht möchte ich Ihnen mitteilen, dass ich im Interesse
nen Kameraden, den Banklehrlingen, Zimmermannlehrlin- einer Förderung des Jugendturnens diese Motion nicht
. gen, Landwirten usw. an seinem Wohnort turnen kann und unterstützen kann.
nicht, wenn er die Turnstunden mit fremden Leuten, mit Wir kämpfen in Kantonen und im Bund seit Jahren für eine
denen er nachher keinen Kontakt mehr hat, weit entfernt Verbesserung der Berufslehre. Tüchtige und gute Leute
vom Wohnort absolvieren muss. Ich bin auch der Auffas- müssen wir für unsere Lehre gewinnen. Das ist uns weitge-
sung, dass alle schweizerischen Kantone, ihre Parlamente hend gelungen. Wir haben regionale Schulen aufgezogen,
und ihre Stimmbürger sehr wohl darüber entscheiden kön- die gleich gegliedert sind wie unsere Mittelschulen. Wir
nen, ob für ihr Volk ein obligatorisches Turnen für die haben in letzter Zeit immer mehr ausgebildete Berufsschul-
Gesundheit nötig ist oder nicht. Das müssen wir weiss Gott lehrer anstellen können. Was nun den sportlichen Unter-
Motion Weber-Schwyz 1304 4 octobre 1982
rieht anbetrifft, dürfen unsere Berufsschüler nicht schlech- C'est la raison pour laquelle je vous demande de rejeter la
ter gestellt sein als die Mittelschüler. Es geht auch bei proposition Weber-Schwyz. Je regrette qu'on n'ait pas
ihnen um die körperliche Ertüchtigung. Zahlreiche Gemein- ajouté à cette loi l'obligation pour tous les conseillers natio-
den - zum Beispiel im Kanton Zürich - sind dem Auftrag naux de faire un peu de gymnastique.
des Bundes nachgekommen und haben in den letzten Jah-
ren Turnhallen gebaut. Am letzten Samstag haben wir in Nussbaumer: In der Armee sind von 100 Wehrmännern, die
Bülach eine neue Schule mit einer grosszügigen Turnhalle die Rekrutenschule absolvieren, noch 50 dabei, wenn es
eingeweiht. Der Leiter dieser Schule hat uns gesagt, dass darum geht, aus der Wehrpflicht entlassen zu werden.
er nicht nur wegen der körperlichen Ertüchtigung, sondern Hinzu kommt die Tatsache, dass die Quote der Diensttaug-
auch wegen der Charakterbildung voll und ganz für das lichkeit stets absinkt; die Ärzte führen diese Tatsache
Turnobligatorium einstehe. Ich frage mich nun: Soll man darauf zurück, dass der Jugend mehr und mehr die Bewe-
diejenigen Gemeinden, die bis heute nichts gemacht haben, gung fehlt. Die Jugend hat zuwenig Bewegung, und deshalb
belohnen, und soll man die anderen, die dem Auftrag des ist sie später eher krankheitsanfällig. Herr Stucky erklärte
Parlamentes oder des Bundes nachgekommen sind, hier, es hätten nicht alle Lehrlinge das Turnen nötig. Gerade
bestrafen? die Zimmerleute und die Dachdecker können nicht genug
Über die Organisation des Turnunterrichtes, Herr Reichling, turnen für ihre körperliche Ertüchtigung, und zwar im Inter-
da gehe ich mit Ihnen einig, kann man noch diskutieren. Wir esse der Unfallverhütung.
wollen flexibel bleiben. Vor allem möchte ich auch betonen: Bis 1984 wachsen die Lehrlingszahlen noch, nachher sinken
Der Turnunterricht darf nicht auf Kosten des übrigen Unter- sie allmählich ab. Heute schon werden Turnhallen frei, weil
richtes gehen. die Zahl der Primarschulen sinkt. Wenn wir etwas nicht wol-
Eine Fristverlängerung über 1986 wäre sicher für grössere len in diesem Staat, dann haben wir die Tendenz, es auf die
Zentren wie Zürich sehr zu begrüssen, damit auch in sol- Kantone abzuschieben; dann sind wir dann meistens sicher
chen Städten die Berufsjugend vom Turnunterricht nicht für - besonders wenn wir es noch freiwillig machen -, dass
alle Zeiten ausgeschlossen bleibt. später nichts geschieht. Wir leisten übrigens dem Gewerbe
Ich möchte Sie bitten, die Motion nicht zu überweisen. einen schlechten Dienst, wenn wir die Motion Weber anneh-
men. Dann werden noch mehr Eltern alles daran setzen,
M. Dafflon: A suivre le débat qui s'est instauré à propos de aus ihren eher praktisch veranlagten Töchtern und Söhnen
cette motion, j'en viens à douter des intentions de Mittelschüler zu machen oder zu erzwingen. Wir dürfen
M. Weber-Schwyz. Je crois que l'on devrait l'autoriser à unsere Jugend nicht in zweierlei Kategorien einteilen. Wir
modifier le texte de sa motion improprement appelée haben ein Interesse daran, dass die Jugend entsprechend
«Motion concernant la gymnastique des apprentis». J'ai le ihren Fähigkeiten ausgebildet wird. Fehler, die zu Beginn
sentiment que M. Weber-Schwyz, ainsi que M. Stucky et der Einführung des Lehrlingsturnens gemacht wurden, dür-
M. Schärli, qui sont venus défendre cette motion, se fen nicht verallgemeinert werden. Den Turnunterricht auf
moquent éperdument de la gymnastique des apprentis. die Sportvereine zu übertragen, Herr Reichling, ist admini-
Monsieur Weber-Schwyz vous auriez dû titrer votre motion strativ kaum durchführbar, und wir müssen auch jene Lehr-
«la gymnastique financière des employeurs». C'est là votre linge erfassen, die sich nicht durch Selbstüberwindung zum
souci; en fait vous êtes guidé par un égoïsme sacré. Dans Turnen aufraffen können.
les interventions faites à cette tribune, on a toujours parlé Ich bitte Sie deshalb, die Motion Weber abzulehnen.
des coûts et c'est ce qui est dangereux. Dans votre motion,
vous demandez que le Conseil fédéral révise la loi afin d'en Bundespräsident Honegger: Ich glaube, es geht heute
confier l'application volontaire aux cantons. Vous n'êtes nicht darum, die Realisierbarkeit des Lehrlingsturnens
donc pas contre la loi, mais en permettre une application innert der vorgesehenen Frist bis 1986 und im vorgesehe-
partielle. nen Umfang zu prüfen. Es geht heute - wie das verschie-
J'aimerais attirer l'attention de ce conseil sur un point dentlich dargelegt worden ist - vielmehr um den grundsätz-
important. Cette loi sur l'encouragement de la gymnastique lichen Anspruch eines Grossteils unserer Jugend auf eine
pour les apprentis est une des rares lois qui a été votée à turnerisch-sportliche Förderung, die der privilegierten
l'unanimité dans ce conseil, comme au Conseil des Etats. Minderheit der Mittelschüler - vergessen Sie das nicht! -
En votation populaire, elle a été acceptée par la quasi-una- Unbestrittenermassen und auch aufgrund bundesrechtli-
nimité des votants et elle a fait aussi l'unanimité de tous les cher Regelungen zugestanden wird. Es ist bereits darauf
cantons. Or, cette loi a été votée en 1972; l'ordonnance aufmerksam gemacht worden, dass heute mehr als ein Drit-
d'application qui date de 1976 est valable jusqu'en 1986 et tel der Lehrlinge bereits einen regelmässigen Turnunterricht
peut même être prolongée. Cela veut dire que, dans la pra- geniesst. Sportanlagen für rund 55 000 Lehrlinge sind zur-
tique, la loi n'a pas déployé tous ses effets. Vouloir la modi- zeit in Planung oder schon im Bau.
fier, c'est donner tort à l'électeur, à la citoyenne et au Ein Ausscheren des Bundes im jetzigen Zeitpunkt würde
citoyen qui ont voté cette loi. meines Erachtens gegen Treu und Glauben verstossen. Ich
Il est vrai qu'on a parlé technique. Il est évident que ni gebe gerne zu, was in der Diskussion verschiedentlich
M. Weber-Schwyz, ni M. Stucky, ni M. Schärli ne se sou- angetönt worden ist, dass der Termin von 1986 sehr wahr-
cient de savoir comment les jeunes apprentis font la gym- scheinlich nicht realistisch ist. Aber der Bundesrat ist ja so
nastique. On vient nous expliquer que les employés de vernünftig, dass er, wenn diese Frist nicht eingehalten wer-
commerce devraient faire de la gymnastique mais pas les den kann, durchaus mit sich reden lässt, und diesen Termin
charpentiers et pas les agriculteurs. M. Reichling qui entweder für gewisse Ortschaften oder ganz allgemein ver-
connaît bien le problème a expliqué que c'est totalement längert.
faux. Il faut que l'ensemble des jeunes apprentis fassent de Es geht - und das muss man auch deutlich sagen - also
la gymnastique. nicht darum, dass überall Turnhallen erstellt werden müs-
M. Loetscher à cette tribune a rappelé un fait extrêmement sen. Es gilt heute, zahlreiche sportliche Betätigungen zu
important: dans tous les rapports que nous recevons sur entwickeln, die ohne nennenswerten Finanzaufwand aus-
l'aptitude des recrues, les responsables médicaux de geübt werden können. Herr Müller hat darauf aufmerksam
l'armée attirent l'attention sur le danger que fait courir à gemacht. Das BIGA ist bereit - und hat es übrigens bisher
notre jeunesse le manque d'exercice physique. Il est évi- bewiesen -, dass man hier sehr grosszügig und large sein
dent qu'il est absolument important que les jeunes conti- kann. Mit Recht ist in der Diskussion auf die Flexibilität auf-
nuent à faire de la gymnastique et surtout qu'ils puissent en merksam gemacht worden. Sie hängt auch ganz von den
faire dès l'apprentissage. Il est clair que ce qui gêne les Ortschaften ab; das Turnen kann durchaus auch ausserhalb
opposants c'est le fait que les patrons doivent payer les einer Turnhalle durchgeführt werden. Damit soll aber nicht
heures de fréquentation des salles de gymnastique par les der grundsätzliche Anspruch der Lehrlinge auf sportliche
apprentis. Förderung in Frage gestellt werden.
4. Oktober 1982 N 1305 Motion Weber-Schwyz
Ich möchte zum Schluss betonen, dass gerade jene Lehr-
linge, die von sich aus keiner sportlichen Betätigung nach-
gehen, diese Förderung brauchen. Deshalb bitte ich Sie, die
Motion abzulehnen.
Abstimmung - Vote
Für die Überweisung der Motion 50 Stimmen
Dagegen 68 Stimmen
Schluss der Sitzung 20.00 Uhr
La séance est levée à 20 h 00
165-N
Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften
Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées
Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali
Motion Weber-Schwyz Lehrlingsturnen. Gesetzesrevision
Motion Weber-Schwyz Gymnastique pour les apprentis. Révision de la loi.
In Amtliches Bulletin der Bundesversammlung
Dans Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale
In Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale
Jahr 1982
Année
Anno
Band IV
Volume
Volume
Session Herbstsession
Session Session d'automne
Sessione Sessione autunnale
Rat Nationalrat
Conseil Conseil national
Consiglio Consiglio nazionale
Sitzung 10
Séance
Seduta
Geschäftsnummer 81.435
Numéro d'objet
Numero dell'oggetto
Datum 04.10.1982 - 15:30
Date
Data
Seite 1298-1305
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Pagina
Ref. No 20 010 787
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