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BGE 96 I 71 KI-generiert

Art. 84 Abs. 2 OG. Wegen Nichtanordnung einer psychiatrischen Oberexpertise im Strafverfahren kann der Angeklagte die eidgen. Nichtigkeitsbeschwerde erheben; die staatsrechtliche Beschwerde steht daher dafür nicht offen.

Geschäftsnummer BGE 96 I 71
Gericht / Behörde
Rechtsordnung Schweiz · Bundesgericht (BGer / BGE) (CH)

Legislator-Zusammenfassung

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Appeal Challenging Refusal of Supplementary Psychiatric Expert Opinion on Culpability The appellant challenged a judgment of the Cantonal High Court, arguing that the court failed to order a supplementary psychiatric expert opinion ("Oberexpertise"), claiming the initial expert opinion was insufficient regarding the accused's culpability. The Swiss Federal Court determined that the right to *adequate* expert assessment on accountability stems from Article 13 of the Swiss Penal Code (StGB), which includes the right to a supplementary expert opinion if required by the circumstances. Since the potential violation of Article 13 StGB (by rejecting an Oberexpertise) in a criminal procedure can be challenged via federal nullity appeal (*Nichtigkeitsbeschwerde*) under Articles 268 and 269 of the Federal Criminal Procedure Act (BStP), the extraordinary remedy of constitutional complaint (*staatsrechtliche Beschwerde*) for violation of Article 4 of the Constitution is inadmissible, pursuant to the subsidiary rule set forth in Article 84(2) of the Federal Judiciary Act (OG).

Legislator-Regeste

Amtlich

Regeste Art. 84 Abs. 2 OG. Wegen Nichtanordnung einer psychiatrischen Oberexpertise im Strafverfahren kann der Angeklagte die eidgen. Nichtigkeitsbeschwerde erheben; die staatsrechtliche Beschwerde steht daher dafür nicht offen.

Schlagwörter

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psychiatrisches Gutachten Strafanzeige Verfassung Geschäftsordnung Anfechtbarkeit des Rückweisungsentscheids ungenügende Substantiierung von Grundrechtsverletzungen

Zitierte Gesetzesbestimmungen

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Spätere Entscheide, die dieses Urteil zitieren (5)

BGE 103 IA 55
Psychiatric examination refusal in criminal proceedings: nullity appeal for failure to order expertise, public-law appeal for defects in expert evaluation
«…xpert et lui auraient été extrêmement mauvaises. Erwägungen Considérant en droit: 1. Il a été jugé ([ATF 96 I 71](https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/clir/http/index.php?lang=de&type=show_document&page=1&from_date=&to_dat…»
6P.124/2006 (2006-09-04)
«…elève du droit pénal matériel et devait être invoquée dans un pourvoi en nullité ( ATF 103 Ia 55 consid. 1 p. 57; ATF 96 I 71 ). Quant à la question de savoir si l'autorité cantonale a correctement apprécié d'autres expertises figurant au dossie…»
1P.144/2006 (2006-05-08)
«…donc du droit pénal matériel et devrait être invoqué dans un pourvoi en nullité ( ATF 103 Ia 55 consid. 1 p. 57; ATF 96 I 71 ). Tels qu'ils sont formulés, les griefs du recourant se résument à l'invocation d'une violation de l' art. 13 CP et s…»
1P.420/2003 (2003-09-24)
«…n ricorso di diritto pubblico ( DTF 103 Ia 55 consid. 1a; cfr. anche DTF 106 IV 97 consid. 2b, 105 IV 161 consid. 2, 96 I 71 seg.). 1.2 Mediante la decisione impugnata la Vicepresidente del Tribunale penale cantonale ha ordinato l'allestimento…»
BGE 106 IV 97
«…Beschuldigten wie auch über die Zweckmässigkeit von Massnahmen (Art. 13 Abs. 2 StGB). b) Das Bundesgericht hat in [BGE 96 I 71](https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/clir/http/index.php?lang=de&type=show_document&page=1&from_date=&to_dat…»

Volltext

Urteilskopf

96 I 71

12. Urteil vom 21. April 1970 i.S. Kiefer gegen Staatsanwaltschaft und Obergericht des Kantons Solothurn.

Regeste

Art. 84 Abs. 2 OG.

Wegen Nichtanordnung einer psychiatrischen Oberexpertise im Strafverfahren kann der Angeklagte die eidgen. Nichtigkeitsbeschwerde erheben; die staatsrechtliche Beschwerde steht daher dafür nicht offen.

Erwägungen ab Seite 71

BGE 96 I 71 S. 71

Mit der gegen das Urteil des Obergerichtes des Kantons Solothurn vom 29. Oktober 1969 gerichteten staatsrechtlichen Beschwerde vom 28. November 1969 /9. März 1970 wird geltend gemacht, das Obergericht hätte dem Begehren des Beschwerdeführers auf Durchführung einer psychiatrischen Oberexpertise entsprechen müssen, weil das eingeholte Gutachten ungenügend sei.

Im Strafverfahren ergibt sich der Anspruch auf Anordnung einer Expertise bei Zweifeln über die Zurechnungsfähigkeit des Beschuldigten aus Art. 13 StGB. Doch schreibt das Strafgesetz nicht bloss einfach eine Begutachtung, sondern eine ausreichende Begutachtung vor; auf Grund von Art. 13 StGB ist daher auch zu entscheiden, ob im Einzelfall, auf Grund der konkreten tatsächlichen oder rechtlichen Verhältnisse des Beschuldigten, ein Obergutachten einzuholen ist.

Der Anspruch auf Einholung eines Gutachtens, der sich für den Beschuldigten aus Art. 4 BV ergibt, geht nicht weiter als der aus Art. 13 StGB folgende. Wie es sich verhält, wenn das kantonale

BGE 96 I 71 S. 72

Prozessrecht Vorschriften aufweist, die über den aus Art. 13 StGB sich ergebenden Schutz hinausgehen, kann auf sich beruhen. Denn der Beschwerdeführer macht nichts geltend, woraus sich ein weitergehender Anspruch ergeben würde.

Die Verletzung von Art. 13 StGB durch Ablehnung einer Oberexpertise im Strafverfahren kann daher gegenüber einem letztinstanzlichen Urteil mit der eidgenössischen Nichtigkeitsbeschwerde zur Geltung gebracht werden (Art. 268, 269 BStP).

Dieses Rechtsmittel schliesst die staatsrechtliche Beschwerde wegen Verletzung von Art. 4 BV aus (Art. 84 Abs. 2 OG).

Auf die staatsrechtliche Beschwerde wegen Nichteinholung einer psychiatrischen Oberexpertise ist deshalb nicht einzutreten.