Legislator Rechtsprechung & Gesetzgebung
BGE 89 III 65 KI-generiert

Priority of Alimony Garnishment Over Prior Ordinary Garnishment

Geschäftsnummer BGE 89 III 65
Gericht / Behörde
Rechtsordnung Schweiz · Bundesgericht (BGer / BGE) (CH)
Ausgang Gutgeheissen (Allowed)

Legislator-Zusammenfassung

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Priority of Alimony Garnishment Over Prior Ordinary Garnishment A creditor sought the annulment of a subsequent salary garnishment, favoring maintenance creditors for both current and past-due alimony over an earlier garnishment for ordinary debt, arguing the full amount of the periodic salary deduction could not be entirely allocated to the alimony creditors. The court ruled that while maintenance claims benefit from a privilege, preceding ordinary claims by increasing the debtor's subsistence minimum, this privilege is limited to the amount necessary for the alimony creditor's current maintenance needs; thus, in the case of a subsequent alimony garnishment, any periodic salary deduction should first allocate the fixed corresponding maintenance amount to the alimony creditors, with the remainder going to the ordinary creditors from the earlier garnishment.

Legislator-Regeste

Amtlich

Regeste Lohnpfändung für Alimente nach vorausgehender Pfändung für gewöhnliche Forderungen. Privilegierung der Alimentenforderung: Vom periodischen Lohnabzug ist vorweg der Alimentengläubiger zu befriedigen, aber nur bis zur Höhe des für den entsprechenden Zeitabschnitt festgesetzten Alimentenbetrages.

Schlagwörter

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Lohnpfändung Konkursprivileg nachehelicher Unterhalt Mindestleistungen Vollstreckung von Unterhaltsbeiträgen hypothetisches Einkommen des Ehegatten

Zitierte Gesetzesbestimmungen

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Zitierte Rechtsprechung

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BGE 71 III 177
mit zu berücksichtigen, soweit der Alimentengläubiger, was im Zweifelsfall vermutet wird, die Beiträge zur Bestreitung seines Unterhalts wirklich benötigt und vorausgesetzt, dass der Schuldner sie auch tatsächlich zahlt (BGE 71 III 177, BGE 84 III 31).
BGE 84 III 31
mit zu berücksichtigen, soweit der Alimentengläubiger, was im Zweifelsfall vermutet wird, die Beiträge zur Bestreitung seines Unterhalts wirklich benötigt und vorausgesetzt, dass der Schuldner sie auch tatsächlich zahlt (BGE 71 III 177, BGE 84 III 31).
BGE 80 III 68
BGE 80 III 65
Federal Court Ruling on Priority of Alimony Garnishment Over Prior Ordinary Debts
BGE 62 III 89
BGE 64 III 132
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Zentrale Rechtsfragen, extrahiert von Legislator

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Art. 219 SchKG

Cited in the reasoning to draw an analogy regarding the extent of priority accorded to alimony claims versus secured claims.

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Spätere Entscheide, die dieses Urteil zitieren (16)

22 00 48 (2000-05-26) · lu
Support Obligation Priority Versus Existing Wage Garnishment
«…(Vonder Mühll Georges, Komm. zum Bundesgesetz über Schuldbetreibung und Konkurs, Basel 1998, N 37 zu Art. 93 SchKG; BGE 89 III 65, 67). Das Obergericht verkennt nicht, dass mit dieser Lösung der Vorrang der familienrechtlichen Unterhaltsansprüche…»
C/15694/2020 (2021-09-20) · ge
Government Entity's Right to Privileged Participation in Seizure Following Spousal Maintenance Claim Cession
«…e d’aliments qui fait désormais l’objet d’une poursuite a pour effet d’augmenter automatiquement le minimum vital (ATF [89 III 65](https://justice.ge.ch/apps/decis/fr/decis/search?query=89%20III%2065) c. 1, JdT 1964 II 5; ATF [80 III 65](https:/…»
5A_490/2018 (2019-04-30)
«…ungsurkunde vom 26. Oktober 2017 die von der Gemeinde U.________ bereits im Fortsetzungsbegehren unter Hinweis auf BGE 89 III 65 (Vorfahrprivileg) beanspruchte Privilegierung von Alimentenforderungen bei vorbestehender Pfändung nicht. B. Daraufhin…»
BGE 145 III 317
«…der Pfändungsurkunde vom 26. Oktober 2017 die von der Gemeinde U. bereits im Fortsetzungsbegehren unter Hinweis auf BGE 89 III 65 (Vorfahrprivileg) beanspruchte Privilegierung von Alimentenforderungen bei vorbestehender Pfändung nicht. B. Daraufhin…»
PS180042 (2018-05-25) · zh
Municipality Denied Parental Privilege in Child Support Debt Collection
«…Die Gemeinde A._____ machte bereits im Fortsetzungsbegehren vom 22. September 2017 das Vorfahrprivileg gestützt auf BGE 89 III 65 geltend (act. 2/3; auf das Vorfahrprivileg wird weiter unten näher eingegangen). Das Be- treibungsamt berücksichtigte d…»
LE170038 (2017-08-22) · zh
Appeal Regarding Child Support Calculation and Prior Maintenance Obligations
«…worden seien (OGer ZH PS160137 vom 5.09.2016 E. III. 2.5 mit Hinweis auf BGE 121 III 20 E. 3; BGE 107 III 77 E. 1; BGE 89 III 65 E. 1). Auch hat das Bundesgericht in BGE 121 III 20 bei der Berechnung des Existenzmini- mums im Rahmen von Einkommensp…»
PS160137 (2016-09-05) · zh
Debt Enforcement Appeal Regarding Characterization of Third-Party Transfer
«…it zu berücksichtigen sind, als sie auch tatsächlich bezahlt worden sind (BGE 121 III 20 E. 3; BGE 107 III 77 E. 1, BGE 89 III 65 E. 1). Da der Umstand, dass der Beschwerdeführer die geschuldeten Unterhalts- beiträge bis anhin nicht bzw. nicht volls…»
KSK 2009 64 (2009-12-07) · gr
Creditor v. Debtor: Child Support Garnishment and Subsistence Minimum Calculation
«…nke zugrunde, dass dem Alimentengläubiger immer der für seinen Unterhalt notwendige Betrag vorbehalten werden muss (BGE 89 III 65 E. 1). Der Grund dieser Anrechnung im Notbedarf entfällt nicht durch den Umstand, dass die Alimentenforderungen mehrere…»
7B.135/2005 (2005-12-23)
«…hingegen stellten eigentliches Kapital dar, für das das Eingriffsprivileg nicht mehr geltend gemacht werden könne ( BGE 89 III 65 E. 1 S. 67; Georges vonder Mühll, in: Kommentar zum Bundesgesetz über Schuldbetreibung und Konkurs, Hrsg. Staehelin/Ba…»
15.2002.00070 (2002-07-03) · ti
Creditor Appeal Regarding Garnishment Calculation of Debtor's Surplus Income
«…ttavia limitato agli alimenti diventati esigibili nell’anno precedente la promozione della sua esecuzione (cfr. **DTF** 89 III 65, con rif.). **2.2.** Dall’analisi della giurisprudenza del Tribunale fede…»
BGE 121 III 20
«…rig=&translation=&rank=0&highlight_docid=atf%3A%2F%2F84-III-29%3Ade&number_of_ranks=0&azaclir=clir#page29), S. 31; [BGE 89 III 65](https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/clir/http/index.php?lang=de&type=show_document&page=1&from_date=&to_dat…»
15.2002.00070 · ti
Creditor Appeal on Attachment Surplus Calculation and Deductions
«…ttavia limitato agli alimenti diventati esigibili nell’anno precedente la promozione della sua esecuzione (cfr. **DTF** 89 III 65, con rif.). **2.2.** Dall’analisi della giurisprudenza del Tribunale federale risulta tuttavia che i crediti di al…»
PKG 2010 8 · gr
Child Support Garnishment Calculation with Multiple Support Obligations
«…e zugrunde, dass dem Alimentengläubiger immer der für seinen Unter- halt notwendige Betrag vorbehalten werden muss (BGE 89 III 65 E. 1). Der Grund dieser Anrechnung im Notbedarf entfällt nicht durch den Umstand, dass die Alimentenforderungen mehrere…»
LE170038 · zh
Appeal Dismissed: Child Support Calculation Including Prior Obligation to Half-Sibling
«…worden seien (OGer ZH PS160137 vom 5.09.2016 E. III. 2.5 mit Hinweis auf BGE 121 III 20 E. 3; BGE 107 III 77 E. 1; BGE 89 III 65 E. 1). Auch hat das Bundesgericht in BGE 121 III 20 bei der Berechnung des Existenzmini- mums im Rahmen von Einkommensp…»
PS160137 · zh
Debtor's Monthly Payment Attachment Upheld Despite Loan Claim
«…it zu berücksichtigen sind, als sie auch tatsächlich bezahlt worden sind (BGE 121 III 20 E. 3; BGE 107 III 77 E. 1, BGE 89 III 65 E. 1). Da der Umstand, dass der Beschwerdeführer die geschuldeten Unterhalts- beiträge bis anhin nicht bzw. nicht volls…»

Volltext

Urteilskopf

89 III 65

14. Entscheid vom 6. Dezember 1963 i.S. Comot AG

Regeste

Lohnpfändung für Alimente nach vorausgehender Pfändung für gewöhnliche Forderungen.

Privilegierung der Alimentenforderung: Vom periodischen Lohnabzug ist vorweg der Alimentengläubiger zu befriedigen, aber nur bis zur Höhe des für den entsprechenden Zeitabschnitt festgesetzten Alimentenbetrages.

Sachverhalt ab Seite 65

BGE 89 III 65 S. 65

A.- In Gruppe Nr. 86, der die Firma Comot AG als Gläubigerin angehört, vollzog das Betreibungsamt von Basel-Stadt am 7. Januar 1963 gegen den Schuldner Bruno Schmitter eine Lohnpfändung auf die Dauer eines Jahres

BGE 89 III 65 S. 66

in Höhe von Fr. 357.-- monatlich. Am 5. September 1963 betrieben die drei Kinder des Schuldners diesen für rückständige Unterhaltsbeiträge betreffend die Zeit vom 1. August 1962 bis 31. August 1963 (= 13 Monate à Fr. 240.--). Am 7. Oktober 1963 erwirkten sie eine Notbedarfspfändung in Gruppe Nr. 4268, von der der Lohn des Schuldners bis 6. Oktober 1964 erfasst wurde. Das Betreibungsamt teilte daraufhin den Gläubigern der Gruppe Nr. 86, denen am 15./16. Oktober 1963 eine Abschrift jenes Nachtrags vom 7. Oktober 1963 zugestellt worden war, mit, dass die verfügten Lohnabzüge "vorweg allen bestehenden und künftigen Lohnpfändungen vorgehend", den Alimentengläubigern der Gruppe Nr. 4268 "in voller Höhe laufend bis zur Deckung des Notbedarfs von Fr. 3170.--" auszuweisen seien. .

Gegen diese Verfügung des Betreibungsamtes erhob die Comot AG Beschwerde mit dem Antrag, es sei das Betreibungsamt anzuweisen, den Pfändungsnachtrag vom 7. Oktober 1963 dahin abzuändern, dass den Gläubigern der Gruppe Nr. 86 mindestens die Differenz zwischen dem gerichtlich festgestellten monatlichen Alimentenbetrag und der gepfändeten monatlichen Lohnquote zukomme.

B.- Die Aufsichtsbehörde über das Betreibungs- und Konkursamt des Kantons Basel-Stadt erteilte dem Betreibungsamt die Weisung, den privilegierten Notbedarf der Gläubiger in Betreibung Nr. 36490 auf 12 Monate à Fr. 240.-- = Fr. 2880.-- festzusetzen und die Verfügung vom 7. Oktober 1963 entsprechend zu berichtigen. Im übrigen wies es die Beschwerde ab.

C.- Mit dem vorliegenden Rekurs hält die Comot AG an ihrem Beschwerdeantrag fest.

Erwägungen

Die Schuldbetreibungs- und Konkurskammer zieht in Erwägung:

1 . - Nach ständiger Rechtsprechung sind Unterhaltsbeiträge an Familienmitglieder bei der Ermittlung des Existenzminimums des Schuldners als Notbedarfsausgaben

BGE 89 III 65 S. 67

mit zu berücksichtigen, soweit der Alimentengläubiger, was im Zweifelsfall vermutet wird, die Beiträge zur Bestreitung seines Unterhalts wirklich benötigt und vorausgesetzt, dass der Schuldner sie auch tatsächlich zahlt (BGE 71 III 177, BGE 84 III 31). Ist bei einer früheren Lohnpfändung die Alimentenschuld nicht in Rechnung gestellt worden und wird sie hinterher in Betreibung gesetzt, so muss das Betreibungsamt in der neuen Betreibung den Betrag pfänden, auf den es diese Beitragspflicht bei Festsetzung der pfändbaren Lohnquote in der ersten Betreibung geschätzt hätte (BGE 84 III 31, fernerBGE 67 III 150und BGE 80 III 68). Obwohl sich grundsätzlich der eine Lohnpfändung verlangende Alimentengläubiger eine früher zugunsten eines gewöhnlichen Gläubigers vollzogene Lohnpfändung muss entgegenhalten lassen, wirkt somit die Alimentenschuld, einmal in Betreibung gesetzt, unmittelbar notbedarferhöhend. Dieser Privilegierung von Alimentenforderungen vor gewöhnlichen Forderungen liegt der Gedanke zugrunde, dass dem Alimentengläubiger immer der für seinen Unterhalt notwendige Betrag vorbehalten werden muss (BGE 80 III 65, BGE 84 III 31). Damit ist aber auch gesagt, dass sich das genannte Privileg nur insoweit rechtfertigt, als es durch diesen Zweck gedeckt ist. Das Bundesgericht hat deswegen Alimentenforderungen, die, weil längere Zeit zurückliegend, nicht mehr den laufenden Unterhaltsbedürfnissen des Gläubigers dienen, sondern ein eigentliches Kapital darstellen, ausgeschlossen (BGE 62 III 89,BGE 64 III 132,BGE 75 III 52) und das Privileg auf die im letzten Jahre vor Anhebung der Betreibung verfallenen Unterhaltsbeiträge beschränkt (statt vieler BGE 86 III 13, BGE 87 III 8).

Die der Begünstigung des Alimentengläubigers gesetzte zweckbedingte Schranke würde nun aber zweifellos überschritten, wollte man, wie das die Vorinstanz getan hat, dem genannten Gläubiger ein Vorrecht in dem Sinne einräumen, dass er für seine rückständigen Forderungen des letzten Jahres gleich etwa dem Gläubiger pfandversicherter

BGE 89 III 65 S. 68

Forderungen (Art. 219 SchKG) in vollem Umfang vorweg zu befriedigen wäre. Tatsächlich würde der Alimentengläubiger in Fällen wie dem vorliegenden, wo der periodische Lohnabzug den für den entsprechenden Zeitabschnitt festgesetzten Alimentenbetrag übersteigt, mehr erhalten, als er zur Deckung seiner laufenden Unterhaltsbedürfnisse bedarf. Das ihm durch die Rechtsprechung eingeräumte Privileg reicht jedoch, wie gesagt, nur so weit, dass das Betreibungsamt bei einer Alimentenbetreibung, trotz einer früher vollzogenen Pfändung, in welche die Alimentenforderung nicht einbezogen war, denjenigen Betrag zu pfänden hat, auf den es die periodische Beitragspflicht bei Ermittlung des Notbedarfs des Schuldners und damit der pfändbaren Lohnquote in der ersten Betreibung bemessen hätte (in diesem Sinne auch das nicht veröffentlichte Urteil der Schuldbetreibungs- und Konkurskammer vom 7. März 1961 i.S. Bergundthal E. 4). Im übrigen gilt als Regel, dass auch der Alimentengläubiger sich eine früher vollzogene Lohnpfändung muss entgegenhalten lassen.

2. Im vorliegenden Fall rügt daher die Rekurrentin mit Recht eine Verletzung dieser Grundsätze. Es war unzulässig, die verfügten Lohnabzüge, "vorweg allen bestehenden Lohnpfändungen vorgehend", dem Alimentengläubiger "in voller Höhe laufend bis zur Deckung des Notbedarfs von Fr. 2880. -" zuzuerkennen. Das Betreibungsamt Basel-Stadt wird daher seine Verfügung vom 7. Oktober 1963 dahin abändern müssen, dass vom monatlichen Lohnabzug Fr. 240.-- den Alimentengläubigern der Gruppe Nr. 4268 und die Restanz den Gläubigern der Gruppe Nr. 86 auszuweisen sind.

Dispositiv

Demnach erkennt die Schuldbetr.- u. Konkurskammer:

Der Rekurs wird gutgeheissen und das Betreibungsamt Basel-Stadt angewiesen, den Pfändungsnachtrag vom 7. Oktober 1963 im Sinne der Erwägungen abzuändern.