Legislator Rechtsprechung & Gesetzgebung
BGE 121 IV 26 KI-generiert

Fraud Conviction Upheld Due to Encumbered Property Value

Geschäftsnummer BGE 121 IV 26
Gericht / Behörde
Rechtsordnung Schweiz · Bundesgericht (BGer / BGE) (CH)
Ausgang Abgewiesen (Dismissed)

Legislator-Zusammenfassung

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Fraud Conviction Upheld Due to Encumbered Property Value A defendant, previously convicted of theft and other crimes, was found guilty of fraud for selling stolen or fraudulently acquired items to unsuspecting third parties. The court upheld the fraud conviction, reasoning that a financial loss (patrimonial damage) is incurred by the buyer because, under Article 934 para. 1 of the Swiss Civil Code (SCC), the original owner of a stolen item can reclaim it from any purchaser within five years, meaning the buyer acquires a property with a significant encumbrance (the rightful owner's claim), diminishing its value relative to the purchase price. Furthermore, even regarding fraudulently acquired items, the buyer suffers damage due to the uncertain legal status of such property under civil law, creating a substantial risk of being forced to return the item to the defrauded original owner and thus reducing the economic value of the acquired asset.

Legislator-Regeste

Amtlich

Regeste Art. 148 Abs. 1 StGB (a.F.), Art. 933 und 934 Abs. 1 ZGB; Betrug durch Verkauf gestohlener bzw. ertrogener Sachen, Vermögensschaden. Wer eine von ihm gestohlene oder ertrogene Sache an einen gutgläubigen Dritten verkauft, schädigt diesen am Vermögen und ist wegen Betruges strafbar.

Schlagwörter

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gestohlene Sache Betrug Rückkehrrisiko betrügerischer Erwerb Vermögen Käufer

Zitierte Gesetzesbestimmungen

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Zitierte Rechtsprechung

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Zentrale Rechtsfragen, extrahiert von Legislator

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Art. 933 ZGB

This Civil Code article concerning entrusted property was discussed in relation to the acquisition of ownership through good faith third-party purchase after fraud.

Art. 934 Abs. 1 ZGB

This Civil Code article concerning the owner's right to reclaim stolen property was cited to establish the detriment suffered by the good-faith buyer of stolen goods.

Art. 148 Abs. 1 StGB (a.F.)

This provision concerns the grounds for conviction of fraud, which was the core issue addressed by the ruling.

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Spätere Entscheide, die dieses Urteil zitieren (13)

BGE 151 III 122
Stolen watch ownership: good-faith acquisition barred by law of place of transfer, no acquisition by subsequent transport into Switzerland.
«…trouve dessaisi de quelque autre manière sans sa volonté, peut la revendiquer pendant cinq ans (art. 934 al. 1 CC; [ATF 121 IV 26](/ext/eurospider/live/de/php/clir/http/index.php?lang=de&type=show_document&highlight_docid=BGE-121-IV-26#page26) consi…»
5A_520/2023 (2024-09-13)
«…ouve dessaisi de quelque autre manière sans sa volonté, peut la revendiquer pendant cinq ans ( art. 934 al. 1 CC ; ATF 121 IV 26 consid. 2b). Passé le délai de cinq ans, le (premier) possesseur de bonne foi du bien après l'écoulement du délai devi…»
6B_1161/2021 (2023-04-21)
«…ng, da die Sache den Preis nicht wert ist, weil der Käufer Gefahr läuft, sie entschädigungslos hergeben zu müssen ( BGE 121 IV 26 E. 2c; 92 IV 128 ; 72 IV 8 E. 1; Urteil 6S.277/2004 vom 1. September 2004 E. 3). Die Tatbestände des Diebstahls und…»
SK.2020.54 (2021-05-31)
Deficient Indictment in Stolen Mobile Phone Fraud Case
«…sondere auch die erhebliche Gefahr besteht, dass der Erwer- ber in einem allfälligen Zivilprozess unterliegt (BGE 121 IV 26 E. 2c S. 27 f.). Die hier interessierenden Veräusserungen der vom Beschuldigten aus den Post- paketen entw…»
SK 2009 422 (2011-01-11) · be
Victims' Restitution Claims Versus Bank Security Interests Over Fraud Proceeds
«…n ist. Nach der vorherrschenden Auffassung ist die Sache einem Betrüger im Sinne von Art. 933 ZGB anvertraut (vgl. BGE 121 IV 26, mit Hinweisen auf STARK, Berner Kommentar zum schweizerischen Zivilgesetzbuch, Der Besitz, 2. Aufl. 1984, N 29 zu Art.…»
AP.2010.189 (2010-08-23) · vd
Public Prosecutor v. Forgery and Fraud Conviction Appeal
«…e le vendeur à une condamnation pour escroquerie car elle expose l’acheteur à un devoir de restitution de la chose (ATF 121 IV 26), il doit en aller de même du maître de l’ouvrage qui se fait remettre un faux certificat de garantie et qui ne pourra…»
72.2005.80 (2007-05-24) · ti
Professional Fraud and Forgery Convictions Involving CHF 7.3 Million Investor Scheme
«…il reato è solo tentato (DTF 116 IV 218). Il reato di truffa presuppone un danno del patrimonio della vittima (DTF 121 IV 26), non è per contro necessario che il danno corrisponda all’arricchimento dell’autore (DTF 122 II 422) o che venga cifra…»
17.2002.5 (2004-10-05) · ti
Appellant v. State: Appeal Regarding Fraud Conviction for Altered Vehicle Identification Number
«…i importanti riparazione, con la sostituzione di pezzi per fr. 3000.–. La sentenza richiama­ta dalla prima giudice (DTF 121 IV 26) non si attaglia alla fattispecie, riferendosi essa alla consumazione di una truffa da parte di chi vende a un terzo in…»
6S.277/2004 (2004-09-01)
«…, la vente des voitures par le recourant pouvait-elle être qualifiée d'escroquerie au détriment de Y.________ (cf. ATF 121 IV 26 consid. 2 p. 27 ss). Le recourant nie avoir agi astucieusement s'agissant de la Mercedes classe A. Il observe que Y.__…»
1P.196/2001 (2001-04-18)
«…érée; par ailleurs, une atteinte seulement provisoire est également suffisante ( ATF 121 IV 104 consid. 2c p. 107/108, 121 IV 26 consid. 2 in fine p. 29, 120 IV 122 consid. 6b p. 134). Il est également sans importance que les prétentions de la banq…»
BGE 121 III 345
«…inn von Art. 933 ZGB oder als abhandengekommen im Sinn von Art. 934 Abs. 1 ZGB zu gelten hat, ist umstritten (vgl. [BGE 121 IV 26](https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/clir/http/index.php?lang=de&type=show_document&page=1&from_date=&to_dat…»
17.2002.5 · ti
Defendant's Appeal Denied in Chassis Tampering and Insurance Fraud Scheme
«…i importanti riparazione, con la sostituzione di pezzi per fr. 3000.–. La sentenza richiama­ta dalla prima giudice (DTF 121 IV 26) non si attaglia alla fattispecie, riferendosi essa alla consumazione di una truffa da parte di chi vende a un terzo in…»
72.2005.80 · ti
Swiss Aggravated Fraud and Document Falsification Case
«…one il reato è solo tentato (DTF 116 IV 218). Il reato di truffa presuppone un danno del patrimonio della vittima (DTF 121 IV 26), non è per contro necessario che il danno corrisponda all’arricchimento dell’autore (DTF 122 II 422) o che venga cifra…»

Volltext

Urteilskopf

121 IV 26

6. Auszug aus dem Urteil des Kassationshofes vom 27. Januar 1995 i.S. H. gegen Firma M., K., W. und Staatsanwaltschaft des Kantons Aargau (Nichtigkeitsbeschwerde)

Regeste

Art. 148 Abs. 1 StGB (a.F.), Art. 933 und 934 Abs. 1 ZGB; Betrug durch Verkauf gestohlener bzw. ertrogener Sachen, Vermögensschaden.

Wer eine von ihm gestohlene oder ertrogene Sache an einen gutgläubigen Dritten verkauft, schädigt diesen am Vermögen und ist wegen Betruges strafbar.

Sachverhalt ab Seite 26

BGE 121 IV 26 S. 26

A.- Am 22. September 1993 sprach das Bezirksgericht Aarau H. schuldig der Sachbeschädigung, des Diebstahls, des Nichtbezahlens des Militärpflichtersatzes, des Hausfriedensbruchs sowie des Betruges und verurteilte ihn zu einer unbedingten Gefängnisstrafe von fünfeinhalb Monaten und zu einer Busse von Fr. 300.--.

B.- Eine von H. dagegen erhobene Berufung wies das Obergericht des Kantons Aargau am 8. Juni 1994 ab.

BGE 121 IV 26 S. 27

C.- H. führt eidgenössische Nichtigkeitsbeschwerde mit dem Antrag, das Urteil des Obergerichts aufzuheben und die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen.

Das Bundesgericht weist die Beschwerde ab, soweit es darauf eintritt.

Erwägungen

Aus den Erwägungen:

2. Die Vorinstanz nimmt an, der Beschwerdeführer habe sich des Betruges schuldig gemacht dadurch, dass er die von ihm gestohlenen bzw. ertrogenen Sachen an Dritte verkauft habe. Der Beschwerdeführer macht geltend, diese Auffassung verletze Bundesrecht.

a) Gemäss Art. 148 Abs. 1 StGB in seiner vor dem 1. Januar 1995 geltenden alten Fassung ist wegen Betruges strafbar, wer in der Absicht, sich oder einen andern unrechtmässig zu bereichern, jemanden durch Vorspiegelung oder Unterdrückung von Tatsachen arglistig irreführt und so den Irrenden zu einem Verhalten bestimmt, wodurch dieser sich selbst oder einen andern am Vermögen schädigt. Entscheidend ist somit, ob der Dritte durch den Erwerb einer gestohlenen bzw. einer ertrogenen Sache einen Schaden erleidet.

b) Wer in gutem Glauben eine bewegliche Sache zu Eigentum übertragen erhält, wird, auch wenn der Veräusserer zur Eigentumsübertragung nicht befugt ist, deren Eigentümer, sobald er nach den Besitzesregeln im Besitze der Sache geschützt ist (Art. 714 Abs. 2 ZGB). Nach den Besitzesregeln ist, wer eine bewegliche Sache in gutem Glauben zu Eigentum oder zu einem beschränkten dinglichen Recht übertragen erhält, in seinem Erwerbe auch dann zu schützen, wenn sie dem Veräusserer ohne jede Ermächtigung zur Übertragung anvertraut worden war (Art. 933 ZGB). Der Besitzer, dem eine bewegliche Sache gestohlen wird oder verloren geht oder sonst wider seinen Willen abhanden kommt, kann sie während fünf Jahren jedem Empfänger abfordern (Art. 934 Abs. 1 ZGB). Ist die Sache öffentlich versteigert oder auf dem Markt oder durch einen Kaufmann, der mit Waren der gleichen Art handelt, übertragen worden, so kann sie dem ersten und jedem späteren gutgläubigen Empfänger nur gegen Vergütung des von ihm bezahlten Preises abgefordert werden (Art. 934 Abs. 2 ZGB). Wer den Besitz einer beweglichen Sache nicht in gutem Glauben erworben hat, kann von dem früheren Besitzer jederzeit auf Herausgabe belangt werden (Art. 936 Abs. 1 ZGB).

BGE 121 IV 26 S. 28

c) Soweit die Vorinstanz annimmt, der Beschwerdeführer habe sich durch den Verkauf der von ihm gestohlenen Sachen des Betruges schuldig gemacht, verletzt sie kein Bundesrecht. Gemäss Art. 934 Abs. 1 ZGB kann der bestohlene Eigentümer die Sache dem Käufer während fünf Jahren abfordern. Die dem Käufer übergebene Sache ist somit mit dem Herausgabeanspruch des rechtmässigen Eigentümers belastet. Sie entspricht deshalb wertmässig dem Kaufpreis nicht. Ein Vermögensschaden des Käufers ist damit zu bejahen (BGE 92 IV 128 mit Hinweisen). Dass die Voraussetzungen hier erfüllt seien, unter denen die Sache dem gutgläubigen Käufer nur gegen Vergütung des von ihm bezahlten Preises abgefordert werden kann (Art. 934 Abs. 2 ZGB), ergibt sich aus dem angefochtenen Urteil nicht und macht der Beschwerdeführer nicht geltend.

d) Eine Bundesrechtsverletzung ist auch zu verneinen, soweit die Vorinstanz davon ausgeht, der Beschwerdeführer habe sich des Betruges schuldig gemacht durch den Weiterverkauf der von ihm ertrogenen Sachen.

Im zivilrechtlichen Schrifttum ist umstritten, ob die aufgrund einer Täuschung übergebene Sache im Sinne von Art. 933 ZGB anvertraut und der gutgläubige Dritterwerber in seinem Erwerb daher geschützt sei, oder ob die Sache im Sinne von Art. 934 Abs. 1 ZGB dem ursprünglich Berechtigten wider seinen Willen abhanden gekommen sei und dieser sie beim Dritterwerber somit während fünf Jahren herausverlangen könne. Nach der vorherrschenden Auffassung ist die Sache dem Betrüger im Sinne von Art. 933 ZGB anvertraut (STARK, Berner Kommentar zum schweizerischen Zivilgesetzbuch, Der Besitz, 2. Aufl., 1984, Art. 933 N. 29 mit Hinweisen; HINDERLING, Schweizerisches Privatrecht V/1, Basel 1977, S. 475 f.). Nach anderer Ansicht ist die Sache dagegen dem ursprünglich Berechtigten wider seinen Willen abhanden gekommen (STARK, a.a.O., N. 29 f.; ZOBL, Berner Kommentar zum schweizerischen Zivilgesetzbuch, Das Fahrnispfand, 2. Aufl., 1982, Art. 884 N. 645). Zur Begründung dieser Gegenmeinung wird ausgeführt, die innere Rechtfertigung des Eigentumsverlustes bei anvertrauten Sachen falle bei Täuschung weg. Wer eine Sache aufgrund einer Täuschung übergebe, habe sich keinen Vertrauensmann ausgesucht und die Gefahr einer unrechtmässigen Weitergabe nicht auf sich genommen. Er habe nicht freiwillig einen falschen Rechtsschein geschaffen. Nur das Übertragen der Sache an einen andern aus freiem Willen vermöge den Verlust des Eigentums zugunsten des gutgläubigen späteren Erwerbers zu rechtfertigen. Bei Übergabe einer Sache aufgrund

BGE 121 IV 26 S. 29

einer Täuschung sei daher der gutgläubige spätere Erwerber nicht zu schützen (STARK, a.a.O., N. 30 mit Hinweisen). Auch im strafrechtlichen Schrifttum wird angenommen, ertrogene Sachen seien dem Besitzer wider seinen Willen abhanden gekommen (TRECHSEL, Schweizerisches Strafgesetzbuch, Kurzkommentar, Art. 148 N. 22).

Aufgrund dieser unsicheren Zivilrechtslage besteht für den Dritterwerber das erhebliche Risiko, in eine zivilrechtliche Auseinandersetzung verstrickt und dabei zur Herausgabe der Sache verpflichtet zu werden, weil der Richter die dargelegte umstrittene Rechtsfrage zu seinen Ungunsten entscheidet und davon ausgeht, ertrogene Sachen seien dem ursprünglich Berechtigten wider seinen Willen abhanden gekommen. Diese erhebliche Gefahr für den Dritterwerber, im Zivilprozess zu unterliegen, vermindert den wirtschaftlichen Wert der empfangenen Sache. Der Dritterwerber kann die Sache auch nicht weiterverkaufen, ohne auf die ungewisse Rechtslage hinzuweisen. Der Vermögensschaden ist deshalb zu bejahen (vgl. SCHUBARTH, Kommentar zum schweizerischen Strafrecht, 2. Band, Art. 148 N. 94; SAMSON, Systematischer Kommentar zum deutschen Strafgesetzbuch, Band II, 5. Aufl., § 263 N. 180).