Legislator Rechtsprechung & Gesetzgebung
BGE 121 III 301 KI-generiert

Canton Court Decision on Separation Maintenance Upheld

Geschäftsnummer BGE 121 III 301
Gericht / Behörde
Rechtsordnung Schweiz · Bundesgericht (BGer / BGE) (CH)
Ausgang Abgewiesen (Dismissed)

Legislator-Zusammenfassung

KI-generiert

Canton Court Decision on Separation Maintenance Upheld The Supreme Court upheld a canton court's decision concerning the setting of separation maintenance payments, where the husband was obligated to pay a total of CHF 2,000 monthly to his wife and two children under marital protection measures (Art. 176 para. 1 no. 1 SCC). The wife challenged the decision because the shortfall between the couple's collective income and expenses, after deducting both parties’ existence minimums (Existenzminimum), was borne entirely by her, arguing this was an arbitrary interpretation of marital law (Art. 4 BV, Art. 159, 163, 176 SCC). The Court ruled that applying the principle—common in protective interim measures (Art. 145 para. 2 SCC)—that guarantees the employed, obligated spouse their debt enforcement minimum existence level, and assigning any resulting deficit solely to the maintenance claim of the other spouse, is not arbitrary, especially since Art. 176 SCC and Art. 145 SCC address similar situations of a dissolved marital household while the marriage persists.

Legislator-Regeste

Amtlich

Regeste Aufteilung eines allfälligen Fehlbetrages bei der Festsetzung des Unterhaltsbeitrages im Eheschutzverfahren (Art. 4 BV; Art. 159, 163, 176 Abs. 1 Ziff. 1 ZGB). Eine Unterhaltsregelung gemäss Art. 176 Abs. 1 Ziff. 1 ZGB, welche dem erwerbstätigen, unterhaltspflichtigen Ehegatten auf jeden Fall das betreibungsrechtliche Existenzminimum belässt und einen allfälligen Fehlbetrag einzig beim Unterhaltsanspruch des anderen Ehegatten berücksichtigt, ist nicht willkürlich (E. 5b).

Schlagwörter

KI-generiert
Vollstreckung von Unterhaltsbeiträgen Eheschutzmassnahmen erwerbstätiger Ehegatte aufgelöste Ehe monatliche Lohnzahlung Mindesteinkommen

Zitierte Gesetzesbestimmungen

KI-generiert

Zitierte Rechtsprechung

KI-generiert
KI-generiert

Fragen Sie sich, wie dieser Entscheid auf Ihren Fall anwendbar ist?

Prüfen Sie diesen Entscheid zusammen mit Bundesrecht, kantonalen Erlassen, Kommentaren und Folgeentscheiden in Legislator AI.

Fall in Legislator öffnen →

Spätere Entscheide, die dieses Urteil zitieren (84)

FO.2012.53 (2013-10-01) · sg
Spousal Support Based on Marital Standard of Living in Traditional Marriage
«…och stets das Lebensnotwendige für sich behalten; sein Existenzminimum wird nicht angetastet (BGE 135 III 66; 121 I 97; 121 III 301; 112 III 4; 126 III 356). 5. In diesem Zusammenhang ist erstens zu ergänzen, dass das Gericht nur an die formellen…»
FO.2012.53 (2013-10-01) · sg
Spousal Support Based on Shared Marital Standard of Living
«…och stets das Lebensnotwendige für sich behalten; sein Existenzminimum wird nicht angetastet (BGE 135 III 66; 121 I 97; 121 III 301; 112 III 4; 126 III 356). 5. In diesem Zusammenhang ist erstens zu ergänzen, dass das Gericht nur an die formellen…»
FO.2011.28 (2012-09-03) · sg
Spousal Support Calculation Based on Equal Division of Surplus Income
«…stets das Lebensnotwendige für sich behalten; sein Existenzminimum wird nicht angetastet (BGE 135 III 66; 121 I 97 ff.; 121 III 301 ff.; 112 III 4 ff.; 126 III 356). Einen Mangel hat also immer die Unterhaltsberechtigte zu tragen. © Kanton St.Gall…»
ZZ.1996.2 (1996-02-20) · so
Child Support Obligation vs. Obligor's Subsistence Minimum for Illegitimate Child
«…inen Notbedarf nicht erreicht. Fraglich ist einzig, ob analog der herrschenden Lehre in Eheverfahren (BGE 121 I 97 ff., 121 III 301 ff.; SOG 1991 Nr. 2) unter diesen Umständen dem Pflichtigen sein Existenzminimum zu belassen ist, so dass die Berechtig…»
BGE 147 III 265
«…. Im Ergebnis hat dies freilich insoweit keine grosse Auswirkung, als nach der mit BGE 123 III 1 ; BGE 121 I 97 und BGE 121 III 301 und begründeten Rechtsprechung (zur kritischen Auseinandersetzung vgl. BGE 135 III 66 ) dem Unterhaltsverpflichteten un…»
5A_311/2019 (2020-11-11)
«…t gedeckt werden kann. Im Ergebnis hat dies freilich insoweit keine grosse Auswirkung, als nach der mit BGE 121 I 97 , 121 III 301 und 123 III 1 begründeten Rechtsprechung (zur kritischen Auseinandersetzung vgl. BGE 135 III 66 ) dem Unterhaltsverpfl…»
LE160059 (2016-12-21) · zh
Spousal and Child Support Obligation Contingent on Payer's Financial Capacity
«…(Urk. 15 S. 6 ff.), da sie der bundesgerichtlichen Rechtsprechung nicht Rechnung tragen: Nach der mit den BGE 121 I 97, 121 III 301 und 123 III 1 begründeten und in den BGE 126 III 353 E. 1a/aa, 127 III 68 E. 2c, 133 III 57 E. 3 und 135 III 66 E. 2, 1…»
AbR.1998.99.Nr.5 (2015-11-26) · ow
Divorce Decree Modification: Temporary Support Reduction Requires Extraordinary Circumstances
«…le, indem der Unterhaltspflichtige neben der Arbeit noch den Gang zum Sozialamt unternehmen muss (vgl. BGE 121 I 97 und 121 III 301). Es konnte während der Arbeitslosigkeit des Rekursgegners deshalb nicht um den Erhalt der Arbeitskraft sowie des Arbei…»
C/5569/2014 (2015-10-16) · ge
Appeal on Provisional Child Maintenance and Spousal Support Order
«…f à retenir un revenu hypothétique à son encontre (ATF 135 III 66; 123 III 1 = JdT 1998 I 39; 121 I 97 = JdT 1997 I 46; 121 III 301 = JdT 1997 I 57; DESCHENAUX/STEINAUER/ BADDELEY, op. cit., p. 625). 5.2 Conformément aux constatations ci-dessus, depu…»
5A_876/2014 (2015-06-03)
«…dbarkeit des schuldnerischen Einkommens anlehnen ( BGE 140 III 337 E. 4.2.3 S. 339). 3.4. Nach der in BGE 121 I 97 , 121 III 301 und 123 III 1 begründeten und in BGE 126 III 353 E. 1a/aa S. 356, 127 III 68 E. 2c S. 70, 133 III 57 E. 3 S. 59 und 1…»
LE140034 (2015-01-19) · zh
Spousal Maintenance and Marital Home Allocation Appeal
«…weichung zum Gleichbehandlungsgrundsatz stets das betreibungsrechtliche Exis- tenzminimum zu belassen (BGE 121 I 97; 121 III 301; 123 III 1; 126 III 353 E. 1a/aa; 127 III 68 E. 2c; 133 III 57 E. 3; 135 III 66 E. 2 und 137 III 59 E. 4.2.1). Dies hat…»
5A_890/2013 (2014-05-22)
«…kelten Grundsätze über die Pfändbarkeit des schuldnerischen Einkommens anlehnen. 4.3. Nach der mit den BGE 121 I 97 , 121 III 301 und 123 III 1 begründeten und in den BGE 126 III 353 E. 1a/aa S. 356, 127 III 68 E. 2c S. 70, 133 III 57 E. 3 und 135…»
BGE 140 III 337
«…elten Grundsätze über die Pfändbarkeit des schuldnerischen Einkommens anlehnen. 4.3 Nach der mit den BGE 121 I 97 , BGE 121 III 301 und BGE 123 III 1 begründeten und in den BGE 126 III 353 E. 1a/aa S. 356, BGE 127 III 68 E. 2c S. 70, BGE 133 III 57 E.…»
FO.2011.28 (2012-09-03) · sg
Post-Marital Maintenance Calculation Based on Equal Surplus Division
«…stets das Lebensnotwendige für sich behalten; sein Existenzminimum wird nicht angetastet (BGE 135 III 66; 121 I 97 ff.; 121 III 301 ff.; 112 III 4 ff.; 126 III 356). Einen Mangel hat also immer die Unterhaltsberechtigte zu tragen. © Kanton St.Gall…»
LQ110002 (2012-08-22) · zh
Divorce: Interim Support Adjustment Based on Income and Earning Potential
«…Die Gesuchstellerin kann für diesen Zeitraum nicht zu Unterhaltsleistungen verpflichtet werden (vgl. BGE 121 I 97 ff., 121 III 301 ff.). Erst die Anrechnung eines hypothetischen Einkommens ab dem 1. Dezember 2012 wird zu einem (hypothetischen) Übersc…»

Volltext

Urteilskopf

121 III 301

61. Auszug aus dem Urteil der II. Zivilabteilung vom 11. August 1995 i.S. B.S. gegen P.S. (staatsrechtliche Beschwerde)

Regeste

Aufteilung eines allfälligen Fehlbetrages bei der Festsetzung des Unterhaltsbeitrages im Eheschutzverfahren (Art. 4 BV; Art. 159, 163, 176 Abs. 1 Ziff. 1 ZGB).

Eine Unterhaltsregelung gemäss Art. 176 Abs. 1 Ziff. 1 ZGB, welche dem erwerbstätigen, unterhaltspflichtigen Ehegatten auf jeden Fall das betreibungsrechtliche Existenzminimum belässt und einen allfälligen Fehlbetrag einzig beim Unterhaltsanspruch des anderen Ehegatten berücksichtigt, ist nicht willkürlich (E. 5b).

Sachverhalt ab Seite 302

BGE 121 III 301 S. 302

A.- Im Eheschutzverfahren zwischen B. S. und P. S. hielt der Gerichtspräsident II von K. fest, dass der gemeinsame Haushalt der Eheleute seit dem 13. November 1993 aufgehoben sei. Der angerufene Richter stellte ferner die beiden Kinder D., geb. am 2. Mai 1991, und A., geb. am 7. August 1993, unter die Obhut der Mutter und räumte dem Vater ein Besuchsrecht ein. Den vom erwerbstätigen Ehemann an Frau und Kinder zu bezahlenden Unterhaltsbeitrag setzte der Richter auf einen Betrag von monatlich Fr. 2'360.-- fest, wobei dieser zu je Fr. 503.-- für die beiden Kinder und Fr. 1'354.-- für die Ehefrau gedacht war.

B.- Auf Appellation des Ehemannes verurteilte der Appellationshof des Kantons Bern diesen mit Entscheid vom 5. April 1995 dazu, seiner Ehefrau und den beiden Kindern insgesamt Fr. 2'000.-- monatlich zu bezahlen (je Kind Fr. 450.--).

C.- Mit staatsrechtlicher Beschwerde vom 15. Mai 1995 wegen Verletzung von Art. 4 BV ersucht die Ehefrau um Aufhebung des Entscheids der II. Zivilkammer des Appellationshofs.

Erwägungen

Aus den Erwägungen:

5. Die Beschwerdeführerin erblickt alsdann im Umstand, dass die letzte kantonale Instanz den sich nach Abzug beider Existenzminima vom Gesamteinkommen der Eheleute ergebenden Fehlbetrag ihr allein überbunden hat, eine willkürliche Auslegung der Art. 159, 163 und 176 ZGB. ....

b) (Darlegung der Regelung, wie sie aufgrund der Rechtsprechung für die vorsorglichen Massnahmen nach Art. 145 Abs. 2 ZGB gilt) ....

Im vorliegenden Fall geht es zwar nicht um die Festsetzung von Unterhaltsbeiträgen für die Dauer des Scheidungsverfahrens. Wie Art. 145 Abs. 2 ZGB enthält indes auch Art. 176 Abs. 1 ZGB Regeln für den Fall, dass der gemeinsame eheliche Haushalt trotz bestehender Ehe aufgelöst wird. Der einzige Unterschied besteht darin, dass Art. 145 Abs. 1 ZGB nach

BGE 121 III 301 S. 303

Einreichung der Scheidungs- bzw. Trennungsklage einen unbedingten Anspruch auf Auflösung des gemeinsamen Haushalts verleiht, während Art. 175 ZGB einen Ehegatten einzig dann zur Auflösung des Haushalts berechtigt, wenn eine "ernstliche Gefährdung" gegeben ist. Liegt aber eine solche vor und wird der Haushalt deswegen aufgelöst, so zieht dies die gleichen Konsequenzen nach sich: Der Richter hat in diesem Fall wie bei den vorsorglichen Massnahmen nach Art. 145 Abs. 2 ZGB Regelungen hinsichtlich Wohnung, elterliche Obhut über die Kinder, Unterhaltsbeiträge sowie güterrechtliche Anordnungen zu treffen. Dass Art. 145 Abs. 2 und Art. 176 ZGB die gleiche Situation beschlagen, wird sodann auch dadurch bestätigt, dass bei der Revision des Eherechts auch Art. 145 ZGB eine Änderung erfahren hat und an den Wortlaut von Art. 163 und Art. 176 ZGB angepasst worden ist, obwohl die erstgenannte Bestimmung nicht zum engeren Gegenstand der Revision gehörte. Schliesslich wird in der Literatur nicht unterschieden, ob die Unterhaltsbeiträge nach Art. 145 Abs. 2 ZGB oder Art. 176 Abs. 1 Ziff. 1 ZGB zuzusprechen sind.

Unter diesen Umständen aber ist es nicht unhaltbar, bei der Festsetzung des Unterhaltsbeitrages im Rahmen von Eheschutzmassnahmen dem rentenpflichtigen Ehegatten das volle Existenzminimum zu belassen und den negativen Saldo allein dem rentenberechtigten Partner zu überbinden. Von einer willkürlichen Auslegung der Art. 159, 163 bzw. Art. 176 ZGB kann demnach keine Rede sein. Daran vermag auch die Kritik, welche GEISER an BGE 121 I 97 geübt hat (AJP 7/95, S. 939 f.), nichts zu ändern: Wie dieser Autor selber einräumt, entfällt im Fall von Art. 176 Abs. 1 Ziff. 1 ZGB die Problematik, dass allfällige Rückforderungen des Sozialamtes aus nachehelichem Einkommen zu bezahlen wären (GEISER, a.a.O. S. 940), zumal die Ehe hier nach dem Dahinfallen der Eheschutzmassnahmen noch andauert, und eine Pflicht zur Rückleistung in jedem Fall Auswirkungen auf die Mittel beider Ehegatten hat. Nicht zu bestechen vermögen schliesslich auch die Bedenken, welche die Beschwerdeführerin gegen eine Berücksichtigung des Arguments der Erhaltung der Arbeitskraft beim selbständigen Bauern vorbringt. Die Erhaltung der Arbeitskraft wird generell und nicht bezogen auf bestimmte Berufsgattungen verstanden und ist bei selbständiger Tätigkeit zudem besonders stark zu gewichten, zumal freiberuflich tätige Personen ihr Einkommen viel flexibler variieren können als Angestellte; von daher ist es sogar besonders naheliegend, dass sich auch bei jener Berufskategorie die in das Existenzminimum eingreifenden Unterhaltsbeiträge

BGE 121 III 301 S. 304

spürbar auf Arbeitsmotivation und Einkommen auswirken.

In bezug auf diesen Punkt ist die Beschwerde mithin als unbegründet abzuweisen.