Legislator Rechtsprechung & Gesetzgebung
BGE 121 II 134 KI-generiert

Driver Frustrating Blood Test vs. Minimum License Withdrawal Periods

Geschäftsnummer BGE 121 II 134
Gericht / Behörde
Rechtsordnung Schweiz · Bundesgericht (BGer / BGE) (CH)
Ausgang Teilweise gutgeheissen (Partially Allowed)

Legislator-Zusammenfassung

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Driver Frustrating Blood Test vs. Minimum License Withdrawal Periods The driver, previously subjected to a 13-month license withdrawal for driving with a blood alcohol content of at least 0.94‰, was later involved in a traffic accident on February 20, 1993, and left the scene, leading to a new 12-month license withdrawal for frustrating the blood test. The Supreme Court ruled that the minimum withdrawal periods of two months or one year prescribed in Art. 17 para. 1 lit. b and d SVG for driving while intoxicated do not technically apply in cases of frustrating the blood sample procedure (Art. 16 para. 3 lit. g SVG), where the minimum withdrawal is one month; however, the administrative authority may orient itself towards the measure framework for driving while intoxicated when determining the withdrawal duration, if there was a possibility that the driver would have been convicted of driving while intoxicated in the absence of the frustration, thereby considering the severity of the culpability and the risk.

Legislator-Regeste

Amtlich

Regeste Art. 16 Abs. 3 lit. g und 17 Abs. 1 SVG; Vereitelung der Blutprobe, Dauer des Führerausweisentzuges. Die Mindestentzugsdauer von zwei Monaten resp. von einem Jahr (Art. 17 Abs. 1 lit. b und d SVG), vorgesehen für Fahren in angetrunkenem Zustand, gilt nicht bei Vereitelung der Blutprobe (E. 3c). Doch kann sich die Behörde bei der Bemessung der Entzugsdauer daran orientieren, wenn die Möglichkeit bestand, dass der Fahrzeuglenker ohne die Vereitelung wegen Fahrens in angetrunkenem Zustand verurteilt worden wäre (E. 3d).

Schlagwörter

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Führerausweisentzug Blutprobe Atemlufttest Verkehrsunfall Fahreignung qualifizierte Fahrunfähigkeit

Zitierte Gesetzesbestimmungen

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Zitierte Rechtsprechung

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Spätere Entscheide, die dieses Urteil zitieren (8)

CR.2005.0315 (2006-03-15) · vd
Driver Evasion of Blood Test Suspension Reduction
«…se au volant par l'art. 17 al. 1 lit. b et d LCR ne sont pas applicables en cas de soustraction à la prise de sang (ATF 121 II 134). Compte tenu du concours, on peut certes admettre que l'autorité intimée augmente cette durée minimale pour tenir comp…»
6A.15/2004 (2004-04-22)
«…entieren, sofern die Schwere des Verschuldens und der Gefährdung sowie die persönlichen Umstände es rechtfertigen ( BGE 121 II 134 E. 3d). 3. Bei diesem Verfahrensausgang hat der Beschwerdeführer die bundesgerichtlichen Kosten zu tragen ( Art. 156 A…»
CR.2003.0199 (2003-12-23) · vd
State v. Driver's License Revocation Appeal
«…'applique, selon les circonstances, le minimum légal d'un mois de l'art. 17 al. 1 lettre a LCR, ou la lettre b (cf. ATF 121 II 134, JT 1995 I 687 consid. 3 d), constitue un motif d'aggravation de la mesure à prononcer (cf. CR 1994/0476 du 7 mars 1995…»
CR.2002.0175 (2003-04-28) · vd
Motorist License Withdrawal Reduction for Traffic Infractions
«…se au volant par l'art. 17 al. 1 lit. b et d LCR ne sont pas applicables en cas de soustraction à la prise de sang (ATF 121 II 134). Le motif de retrait fondé sur l'art. 16 al. 2 LCR pour la perte de maîtrise entre en concour…»
CR.2001.0395 (2002-09-18) · vd
Motorist License Suspension for Refusing Blood Test Reduced Based on Mitigated Fault
«…tion est en grossière contradiction avec la jurisprudence du Tribunal fédéral que la recourante cite à juste titre (ATF 121 II 134). Selon cette jurisprudence, les durées minimales du retrait de permis de deux mois (ou d'une année en cas de récidive)…»
6A.102/2001 (2002-01-09)
«…rüheren Vorfall aus dem Jahre 1993 hingegen bei der Beurteilung des automobilis- tischen Leumunds berücksichtigen ( BGE 121 II 134 E. 3d S. 136 f.). b) Im dargestellten Rahmen ist die Dauer des War- nungsentzugs nach den Umständen festzusetzen ( Art…»
BGE 128 II 173
«…früheren Vorfall aus dem Jahre 1993 hingegen bei der Beurteilung des automobilistischen Leumunds berücksichtigen ( BGE 121 II 134 E. 3d S. 136 f.). b) Im dargestellten Rahmen ist die Dauer des Warnungsentzugs nach den Umständen festzusetzen ( Art.…»
PKG 1997 25 · gr
Traffic Conviction Appeal and Lawfulness of Forced Blood Sampling in Drunk Driving Cases
«…er- ausweisentzuges kann, muss aber nicht, bezüglich der Dauer wie oben er- wähnt eine andere Beurteilung erfolgen (BGE 121 II 134 ff.). Aufgrund dieser Umstände ist bezüglich des aufgeführten Interesses von seiten des Staates sowie der Allgemeinheit…»

Volltext

Urteilskopf

121 II 134

22. Auszug aus dem Urteil des Kassationshofes vom 4. Mai 1995 i.S. S. gegen Rekurskommission für Strassenverkehrssachen des Kantons Thurgau (Verwaltungsgerichtsbeschwerde)

Regeste

Art. 16 Abs. 3 lit. g und 17 Abs. 1 SVG; Vereitelung der Blutprobe, Dauer des Führerausweisentzuges.

Die Mindestentzugsdauer von zwei Monaten resp. von einem Jahr (Art. 17 Abs. 1 lit. b und d SVG), vorgesehen für Fahren in angetrunkenem Zustand, gilt nicht bei Vereitelung der Blutprobe (E. 3c). Doch kann sich die Behörde bei der Bemessung der Entzugsdauer daran orientieren, wenn die Möglichkeit bestand, dass der Fahrzeuglenker ohne die Vereitelung wegen Fahrens in angetrunkenem Zustand verurteilt worden wäre (E. 3d).

Sachverhalt ab Seite 135

BGE 121 II 134 S. 135

Am 9. Januar 1990 fuhr S. mit einem Blutalkoholgehalt von mindestens 0,94 Gewichtspromillen Auto, worauf das Strassenverkehrsamt des Kantons Thurgau am 9. April 1990 einen Führerausweisentzug während 13 Monaten verfügte.

Am 20. Februar 1993 verursachte S. beim Linksabbiegen mit einem entgegenkommenden Fahrzeug einen Verkehrsunfall und verliess die Unfallstelle, ohne das Eintreffen der Polizei abzuwarten. Darauf entzog das Strassenverkehrsamt des Kantons Thurgau mit Verfügung vom 3. März 1994 S. den Führerausweis für 12 Monate. Die Rekurskommission für Strassenverkehrssachen des Kantons Thurgau wies einen Rekurs von S. mit Entscheid vom 30. Mai 1994 ab.

Dagegen erhebt S. Verwaltungsgerichtsbeschwerde, mit der er beantragt, der angefochtene Entscheid sei aufzuheben und die Entzugsdauer sei für das Führen von Personenwagen auf sechs, für alle anderen Kategorien auf zwei Monate festzusetzen.

Das Bundesgericht heisst die Beschwerde gut.

Erwägungen

Aus den Erwägungen:

3. a) Gemäss Art. 16 Abs. 3 SVG (SR 741.01) muss der Führerausweis entzogen werden, wenn der Führer in angetrunkenem Zustand gefahren ist

BGE 121 II 134 S. 136

(lit. b), sowie wenn er sich vorsätzlich einer Blutprobe oder einer zusätzlichen ärztlichen Untersuchung widersetzt oder entzogen hat oder den Zweck dieser Massnahmen vereitelt hat (lit. g). Nach Art. 17 Abs. 1 lit. a SVG beträgt die Entzugsdauer mindestens einen Monat. Wenn der Führer in angetrunkenem Zustand gefahren ist, beträgt der Entzug mindestens zwei Monate (Art. 17 Abs. 1 lit. b SVG); ist er innert fünf Jahren seit Ablauf eines früheren Entzugs wegen Fahrens in angetrunkenem Zustand erneut in diesem Zustand gefahren, beträgt die Entzugsdauer mindestens ein Jahr (Art. 17 Abs. 1 lit. d SVG).

c) (Entgegen der Auffassung der Vorinstanz liegt kein technischer Rückfall im Sinne von Art. 17 Abs. 1 lit. d SVG vor, wenn sich innert fünf Jahren seit Ablauf des Führerausweisentzuges wegen Fahrens in angetrunkenem Zustand eine Vereitelung einer Blutprobe ereignet).

Art. 17 Abs. 1 lit. b und d SVG beziehen sich ausschliesslich auf den Tatbestand des Fahrens in angetrunkenem Zustand. Der Bundesrat verneinte ausdrücklich die zwingende Anwendung dieser Bestimmungen auf das Delikt der Vereitelung der Blutprobe (vgl. Botschaft über die Änderung des Strassenverkehrsgesetzes vom 27. August 1986, BBl 1986 III 209, bes. S. 221 f.) und in den parlamentarischen Debatten wurde daran nichts geändert. Dass eine generelle Gleichstellung für das Verfahren des Führerausweisentzugs nicht beabsichtigt war, folgt auch aus dem Umstand, dass die Vereitelung einer Blutprobe gemäss Art. 16 Abs. 3 lit. g SVG eine eigenständige Bestimmung im Vergleich zu Art. 16 Abs. 3 lit. b SVG darstellt. Die gesetzliche Mindestdauer des Führerausweisentzugs wegen Vereitelung einer Blutprobe beträgt deshalb nach Art. 17 Abs. 1 lit. a SVG einen Monat bei der ersten Begehung und sechs Monate, wenn der Führer innert zwei Jahren im Rückfall gehandelt hat (Art. 17 Abs. 1 lit. c SVG).

d) Strafrechtlich erfolgt gemäss Art. 91 Abs. 3 SVG eine Gleichstellung des Delikts der Vereitelung der Blutprobe mit jenem des Fahrens in angetrunkenem Zustand hinsichtlich der Strafzumessung und in bezug auf die Frage der Gewährung des bedingten Strafvollzugs, wenn die Möglichkeit bestand, dass der Fahrzeuglenker bei korrektem Verhalten aufgrund des Ergebnisses der Analyse einer Blutprobe wegen Fahrens in angetrunkenem Zustand verurteilt worden wäre (BGE 117 IV 297). Unter den gleichen Voraussetzungen ist es auch der Verwaltungsbehörde erlaubt, sich bei der Bemessung der Dauer des Führerausweisentzugs für die Vereitelung einer Blutprobe am Massnahmerahmen für Fahren in angetrunkenem Zustand zu

BGE 121 II 134 S. 137

orientieren. Sie kann daher der Mindestentzugsdauer für Fahren in angetrunkenem Zustand gemäss Art. 17 Abs. 1 lit. b und d SVG auch bei der Vereitelung einer Blutprobe Rechnung tragen - ohne aber an diese Mindestdauer gebunden zu sein -, sofern die Schwere des Verschuldens und der Gefährdung sowie die persönlichen Umstände des Fahrzeuglenkers es rechtfertigen.