Legislator Rechtsprechung & Gesetzgebung
BGE 117 IV 20 KI-generiert

Architect Embezzlement: Qualification as Professional Asset Manager

Geschäftsnummer BGE 117 IV 20
Gericht / Behörde
Rechtsordnung Schweiz · Bundesgericht (BGer / BGE) (CH)
Ausgang Gutgeheissen (Allowed)

Legislator-Zusammenfassung

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Architect Embezzlement: Qualification as Professional Asset Manager An architect's office received an insurance payment of CHF 11,165.10 for water damage on a property it managed, which the architect subsequently used to pay salaries in April 1982. The lower courts convicted the architect of qualified embezzlement as a professional asset manager (Art. 140 para. 2 Swiss Criminal Code). The Federal Supreme Court reversed the conviction, holding that an architect is not generally considered a professional asset manager under Art. 140 para. 2 SCC unless property management constitutes an independent and substantial source of income, distinct from the core architectural activities, and managing only one or two medium-sized properties is insufficient to meet this threshold; furthermore, the court emphasized that the determination of qualified embezzlement must strictly be based on whether the professional condition was met at the time of the offense and the receipt of the funds, not on the scale of activities afterwards.

Legislator-Regeste

Amtlich

Regeste Art. 140 Ziff. 2 StGB; Begriff des berufsmässigen Vermögensverwalters. Voraussetzungen für die Annahme berufsmässiger Vermögensverwaltung im Sinne von Art. 140 Ziff. 2 StGB bei einem Architekten, der auch Liegenschaften verwaltet (E. 1b). Bei der Beantwortung der Frage, ob ein Täter wegen Veruntreuung als berufsmässiger Vermögensverwalter zu verurteilen ist, ist entscheidend, ob die Qualifikationsvoraussetzung im Zeitpunkt der Tatausführung sowie gegebenenfalls im Moment der Entgegennahme der Gelder erfüllt ist (E. 2).

Schlagwörter

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Veruntreuung Vermögensverwaltung Vermögensversicherung Haftung des Architekten Einkommensermittlung Versicherungskasse

Zitierte Gesetzesbestimmungen

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Zitierte Rechtsprechung

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Zentrale Rechtsfragen, extrahiert von Legislator

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Art. 140 Ziff. 2 StGB

This provision defines the qualified embezzlement by a professional asset manager, which is the core criminal offense considered in the appeal.

Art. 70 Abs. 2 StGB

Cited in the reasoning when discussing the extension of the limitation period associated with qualified embezzlement being classified as a felony.

Art. 9 Abs. 1 StGB

Cited in the reasoning when discussing the classification of qualified embezzlement as a felony due to the severe penalty structure.

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Spätere Entscheide, die dieses Urteil zitieren (17)

6B_1090/2022 (2022-12-05)
«…Veruntreuung begeht. Damit sollen Täter erfasst werden, die ein erhöhtes Vertrauen geniessen ( BGE 120 IV 182 E. 1b; 117 IV 20 E. 1b; 103 IV 18 ). Als anvertraut gilt, was jemand mit der Verpflichtung empfängt, es in bestimmter Weise im Interes…»
6B_710/2022 (2022-08-31)
«…von Art. 138 Ziff. 2 StGB soll Tätergruppen erfassen, die ein erhöhtes Vertrauen geniessen ( BGE 120 IV 182 E. 1b; 117 IV 20 E. 1b). Zum Begriff des berufsmässigen Vermögensverwalters hielt das Bundesgericht in BGE 100 IV 30 fest, berufsmäss…»
6B_1183/2020 (2022-08-16)
«…Veruntreuung begeht. Damit sollen Täter erfasst werden, die ein erhöhtes Vertrauen geniessen ( BGE 120 IV 182 E. 1b; 117 IV 20 E. 1b; 103 IV 18 ; Urteile 6B_629/2015 vom 7. Januar 2016 E. 4.3.1; 6B_415/2011 vom 13. Oktober 2011 E. 2.2; je mit H…»
P/10538/2013 (2022-08-04) · ge
Republic v. Main Defendant (Fraud and Forgery)
«…earch?query=120%20IV%20182) consid. 1b, JdT 1996 IV 10), l'architecte qui gère également des propriétés foncières (ATF [117 IV 20](https://justice.ge.ch/apps/decis/fr/decis/search?query=117%20IV%2020) consid. 1b, JdT 1993 IV 78), ou encore le courti…»
P/930/2013 (2022-03-25) · ge
Wealth Manager Convicted of Habitual Fraud and Breach of Trust
«…té accessoire, mais qui doit toutefois représenter une part conséquente de l'activité professionnelle de l'auteur (ATF [117 IV 20](https://justice.ge.ch/apps/decis/fr/decis/search?query=117%20IV%2020), c.1b, JdT 1993 IV 78; ATF [100 IV 30](https://j…»
SK.2015.55 (2017-01-30)
Commercial Fraud, Breach of Trust, and Mismanagement Conviction
«…Güter für diese Aktivität typisch ist; eine vorrangige Aktivität in dieser Richtung ist nicht erforderlich (BGE 117 IV 20 E. 1b). Die D. SA, für welche der Beschuldigte die Verträge mit den Anlegern unterzeichnen liess, be- z…»
6B_448/2011 (2012-07-27)
«…angefochtenes Urteil S. 36; erstinstanzliches Urteil S. 176; zur Berufsmässigkeit bei Art. 138 Ziff. 2 StGB vgl. BGE 117 IV 20 E. 1b; 100 IV 30 ). Zudem hätten sie mit der unrechtmässigen Verwendung der ihnen anvertrauten Kundengelder bezweckt,…»
72.2009.88 (2012-06-13) · ti
Aggravated Misappropriation by Attorney in Fact
«…conoscere l’aggravante dell’aver agito come gerente di patrimoni previo richiamo delle massime giurisprudenziali in DTF 117 IV 20 e 100 IV 30 nonché nelle sentenze non pubblicate del TF 6S.57/2003 del 26.1.2004 e 6S.287/2003 del 17.10.2003, rispetti…»
RR.2010.10 (2011-01-04)
Switzerland Grants Partial Legal Assistance to Croatia in Embezzlement Case
«…trauen geniessen und die in Ausübung der dieses Vertrauen begründende Tätigkeit handeln (vgl. BGE 103 IV 18 S. 20; 117 IV 20 E. 1b S. 22; 120 IV 182 E. 1a S. 184). 4.3.2 Laut Rechtshilfeersuchen sollen verfügungsberechtigte Amtspersonen ihre…»
6B_415/2010 (2010-09-01)
«…nn sie einen bedeutenden Teil der Erwerbstätigkeit des Verwalters darstellt und einen erheblichen Umfang aufweist ( BGE 117 IV 20 E. 1b zum gleichlautenden qualifizierten Tatbestand der Veruntreuung gemäss Art. 140 Ziff. 2 aStGB). Der Beruf muss so…»
SK.2004.13 (2009-06-01)
Former Ambassador Convicted of Money Laundering, Forgery, and Breach of Trust
«…par des tiers doit être exercée comme une profession, dans le cadre de laquelle lesdites valeurs ont été confiées (ATF 117 IV 20 consid. 1b, p. 21; arrêt du Tribunal fédéral 6S.287/2003 du 17 octobre 2003, consid. 4.1; NIGGLI/RIEDO, op. cit., n. 16…»
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«…von Art. 138 Ziff. 2 StGB soll Tätergruppen erfassen, die ein erhöhtes Vertrauen geniessen ( BGE 120 IV 182 E. 1b; 117 IV 20 E. 1b zum gleichlautenden qualifizierten Tatbestand der Veruntreuung gemäss Art. 140 Ziff. 2 aStGB). Der Grund der höh…»
6S.287/2003 (2003-10-17)
Professional asset manager status for qualified misappropriation of client funds diverted to personal debts
«…r ein berufsmässiger Vermögensverwalter im Sinne des qualifizierten Tatbestands der Veruntreuung gewesen sei. Nach BGE 117 IV 20 liege bei einem Architekten, der nebenbei Liegenschaftsverwaltungen betreibe, keine berufsmässige Vermögensverwaltung…»
SF 2003 25 (2003-09-09) · gr
Misappropriation, Forgery, and Breach of Trust in Asset Management
«…met, sondern sich daneben noch anders betätigt, als Ver- mögensverwalter im Sinne von Art. 138 Ziff. 2 StGB gelten (BGE 117 IV 20 ff.; Nig- gli/Riedo, a.a.O., N 166 f. zu Art. 138 StGB). b. Einleitend ist festzuhalten, dass dem Angeklagte…»
6S.249/2002 (2002-11-21)
«…nn sie einen bedeutenden Teil der Erwerbstätigkeit des Verwalters darstellt und einen erheblichen Umfang aufweist ( BGE 117 IV 20 E. 1b; 100 IV 30 ). Das Organ und der Angestellte einer juristischen Person, welche gemäss ihrem Zweck Vermögen verwa…»

Volltext

Urteilskopf

117 IV 20

6. Auszug aus dem Urteil des Kassationshofes vom 7. Januar 1991 i.S. J. gegen Generalprokurator und Obergericht des Kantons Bern (staatsrechtliche Beschwerde)

Regeste

Art. 140 Ziff. 2 StGB; Begriff des berufsmässigen Vermögensverwalters.

Voraussetzungen für die Annahme berufsmässiger Vermögensverwaltung im Sinne von Art. 140 Ziff. 2 StGB bei einem Architekten, der auch Liegenschaften verwaltet (E. 1b).

Bei der Beantwortung der Frage, ob ein Täter wegen Veruntreuung als berufsmässiger Vermögensverwalter zu verurteilen ist, ist entscheidend, ob die Qualifikationsvoraussetzung im Zeitpunkt der Tatausführung sowie gegebenenfalls im Moment der Entgegennahme der Gelder erfüllt ist (E. 2).

Sachverhalt ab Seite 21

BGE 117 IV 20 S. 21

J. führte von 1979 bis 1984 ein Architekturbüro in N. Dieses verwaltete die Liegenschaft X-Strasse 62 in S. Wegen eines in dieser Liegenschaft eingetretenen Wasserschadens überwies die Y-Versicherungsgesellschaft am 2. März 1982 den Betrag von Fr. 11'165.10 auf das private Postcheckkonto von J. Durch Belastung dieses Kontos zahlte J. anfangs April 1982 Löhne in der Höhe von Fr. 11'000.--.

Mit Urteil vom 16. Dezember 1988 erklärte das Strafamtsgericht Thun J. schuldig der qualifizierten Veruntreuung als berufsmässiger Vermögensverwalter und verurteilte ihn in Ausfällung einer Zusatzstrafe zum Urteil des Gerichtspräsidenten II, Thun, vom 17. Juni 1987 zu 6 Monaten Gefängnis, bedingt unter Auferlegung einer Probezeit von 4 Jahren.

Auf Appellation sowohl von J. als auch der Staatsanwaltschaft reduzierte das Obergericht des Kantons Bern am 3. November 1989 die Probezeit für den bedingten Strafvollzug auf 3 Jahre, bestätigte im übrigen aber das erstinstanzliche Urteil.

Eine von J. dagegen eingereichte staatsrechtliche Beschwerde heisst das Bundesgericht gut.

Erwägungen

Aus der Erwägungen:

1. b) Der Beschwerdeführer beantragt im erwähnten, an die Vorinstanz gerichteten Schreiben, verschiedene Schriftstücke zu den Akten zu nehmen, eine Abklärung bei der Volkswirtschaftsdirektion des Kantons Bern zu treffen und eine Zeugin sowie ihn

BGE 117 IV 20 S. 22

selber nochmals einzuvernehmen. Damit hätte er seiner Auffassung nach den Beweis namentlich dafür erbringen können, dass sein Büro im Tatzeitpunkt, anfangs April 1982, nur zwei Liegenschaften verwaltete, nämlich je eine auf eigene und auf fremde Rechnung.

Wäre ihm dieser Nachweise gelungen, hätte er nicht als berufsmässiger Vermögensverwalter im Sinne von Art. 140 Ziff. 2 StGB betrachtet werden können. Zwar setzt eine Verurteilung wegen qualifizierter Veruntreuung nach der Rechtsprechung nicht voraus, dass die Vermögensverwaltung die Haupttätigkeit des Täters bildet; berufsmässig kann Vermögen auch verwalten, wer sich daneben in wesentlichem Umfange noch anders betätigt (BGE 100 IV 30). In Anbetracht der erheblichen Strafdrohung des Art. 140 Ziff. 2 StGB von einem Monat Gefängnis bis zu zehn Jahren Zuchthaus und der namentlich mit einer Verlängerung der Strafverfolgungsverjährung verbundenen Zuordnung der qualifizierten Veruntreuung zu den Verbrechen (vgl. Art. 9 Abs. 1 und 70 Abs. 2 StGB), sowie mit Blick darauf, dass Art. 140 Ziff. 2 StGB durchwegs nur Tätergruppen erfassen soll, die erhöhtes Vertrauen geniessen, ist eine berufsmässige Vermögensverwaltung indes nicht leichthin anzunehmen. Die Literatur weist zutreffend darauf hin, dass nicht jede Person, die in Ausübung ihres Berufs Vermögen anvertraut erhält, als berufsmässiger Vermögensverwalter angesehen werden kann (NOLL, Schweizerisches Strafrecht, Besonderer Teil I, S. 155); der Beruf muss vielmehr gerade in der Verwaltung von Vermögen bestehen (STRATENWERTH, Schweizerisches Strafrecht, Besonderer Teil I, 3. Auflage, § 8 N 68). Da die Besorgung von Liegenschaftsverwaltungen nicht typischerweise zum Architektenberuf gehört, ist ein Architekt danach jedenfalls solange nicht berufsmässiger Vermögensverwalter im Sinne von Art. 140 Ziff. 2 StGB, als er nur nebenbei und in geringem Ausmass Liegenschaften verwaltet. Die Annahme einer berufsmässigen Vermögensverwaltung kommt erst in Betracht, wenn die Liegenschaftsverwaltung einen eigenständigen Erwerbszweig des Architekten bildet und einen erheblichen Umfang aufweist; die Verwaltung von ein oder zwei Liegenschaften mittlerer Grösse reicht nicht aus.

2. Es kann offenbleiben, ob die weitere Rüge des Beschwerdeführers begründet ist, die Vorinstanz habe den Umfang seiner Liegenschaftsverwaltungstätigkeit im Zeitpunkt der Tat, anfangs April 1982, willkürlich beurteilt. Festzuhalten ist, dass es für die Beantwortung der Frage, ob ein Täter wegen Veruntreuung als

BGE 117 IV 20 S. 23

berufsmässiger Vermögensverwalter nach Art. 140 Ziff. 2 StGB zu verurteilen ist, entgegen der vom Generalprokurator in seiner Vernehmlassung vertretenen Auffassung allein darauf ankommt, ob die Qualifikationsvoraussetzung im Moment der Tatausführung sowie gegebenenfalls im Moment der Entgegennahme der Gelder gegeben ist. In welchem Ausmass der Beschwerdeführer nach der Begehung der Veruntreuung im April 1982 Liegenschaften verwaltet hat, ist somit belanglos.