Legislator Rechtsprechung & Gesetzgebung
BGE 117 IA 295 KI-generiert

Higher Court Cost Allocation for Partially Successful Plaintiff Denying Party Costs Based on Legal Expenses Insurance

Geschäftsnummer BGE 117 IA 295
Gericht / Behörde
Rechtsordnung Schweiz · Bundesgericht (BGer / BGE) (CH)
Ausgang Gutgeheissen (Allowed)

Legislator-Zusammenfassung

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Higher Court Cost Allocation for Partially Successful Plaintiff Denying Party Costs Based on Legal Expenses Insurance In a claim where the plaintiff only succeeded with one-tenth of the demand, the canton's Higher Court burdened the plaintiff with three-quarters of the court costs but decided to offset the party costs for the defendant, claiming that a party compensation was out of the question because the defendant was covered by legal expenses insurance and his lawyer, an employee of that insurer, would be paid by the insurance. The Federal Supreme Court found this reasoning arbitrary and a violation of Article 4 of the Federal Constitution, holding that denying a successful party compensation solely because they are covered by legal expenses insurance, or have an employed lawyer, runs contrary to the principle that the losing party must compensate the prevailing party according to the extent of their loss, similar to cases involving free legal aid or third-party cost coverage like liability insurance or associations. The court annulled the decision, requiring the Higher Court to reassess the compensation amount without considering the legal expenses insurance as a factor for denial, though the employment status of the lawyer may be considered when determining the compensation level.

Legislator-Regeste

Amtlich

Regeste Art. 4 BV; Parteientschädigung im Zivilprozess. Es ist willkürlich, einer Partei eine Parteientschädigung allein deswegen zu verweigern, weil sie für Rechtsschutz versichert ist (E. 3).

Schlagwörter

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Rechtsschutzversicherung Parteientschädigung Kostenverlegung Drittansprache Recht auf Höherversicherung unentgeltliche Rechtspflege

Zitierte Gesetzesbestimmungen

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Zentrale Rechtsfragen, extrahiert von Legislator

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Art. 4 BV

The appeal was granted based on the arbitrariness (willkürlich) in violating this constitutional provision regarding cost awards.

Art. 66 Abs. 1 lit. b BV

The decision orders the respondent to pay the appellant costs according to this article.

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Spätere Entscheide, die dieses Urteil zitieren (13)

2C_585/2023 (2024-03-19)
«…e auprès d'une protection juridique ( ATF 142 IV 42 consid. 2.3; 135 V 473 consid. 3.1; 122 V 278 consid. 3.e.aa; 117 Ia 295 consid. 3; cf. aussi arrêt 6B_450/2022 du 29 mars 2023 consid. 2.4). Pour le reste, les arguments du recourant reposen…»
6B_450/2022 (2023-03-29)
«…ur le droit des assurances sociales ATF 135 V 473 consid. 3 et 122 V 278 consid. 3.e.aa; cf. pour le droit civil ATF 117 Ia 295 consid. 3; arrêt 6B_997/2020 du 18 novembre 2021 consid. 3.7). En concluant une police d'assurance et en acquittant le…»
6B_997/2020 (2021-11-18)
«…eisen; vgl. für das Sozialversicherungsrecht BGE 135 V 473 E. 3 und 122 V 278 E. 3.e.aa; vgl. für das Zivilrecht BGE 117 Ia 295 E. 3 S. 296; je mit Hinweisen). Unter Berücksichtigung dieser Rechtsprechung kam das Bundesgericht zum Schluss, dass e…»
BGE 142 IV 42
«…'indennità a titolo di ripetibili per il solo fatto ch'essa beneficia di un'assicurazione di protezione giuridica ( DTF 117 Ia 295 consid. 3). Mediante la stipulazione della polizza assicurativa e il pagamento dei relativi premi, l'assicurato tutela…»
6B_958/2015 (2015-11-24)
«…'indennità a titolo di ripetibili per il solo fatto ch'essa beneficia di un'assicurazione di protezione giuridica ( DTF 117 Ia 295 consid. 3). Mediante la stipulazione della polizza assicurativa e il pagamento dei relativi premi, l'assicurato tutela…»
5G_1/2015 (2015-03-18)
«…beistand bewilligt worden ist, befreit die unterliegende Partei nicht von der Leistung einer Prozessentschädigung ( BGE 117 Ia 295 E. 3 S. 296). Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung verlangt der Anspruch auf unentgeltliche Rechtspflege, dass…»
6B_816/2013 (2014-01-22)
«…u'il s'agisse d'une assurance de protection juridique, d'un syndicat, d'un employeur ou de tout autre intervenant ( ATF 117 Ia 295 consid. 3 p. 296 s.). Ces règles, développées en procédure civile, trouvent également application en procédure adminis…»
6B_312/2010 (2010-08-13)
«…die nach Massgabe des Kostenentscheids auf den Versicherten entfallen (vgl. BGE 122 V 278 E. 3d und 3e/aa S. 279 f.; 117 Ia 295 E. 3 S. 296). Es ist willkürlich, einer Partei eine Parteientschädigung vorzuenthalten, weil sie rechtsschutzversicher…»
9C_475/2009 (2009-10-23)
«…rtie une indemnité à titre de dépens du seul fait qu'elle est au bénéfice d'une assurance de protection juridique ( ATF 117 Ia 295 consid. 3 p. 296 sv.). 3.2 Contrairement à l'opinion de la Cour des assurances sociales, la notion d'ayant droit à de…»
5A_388/2009 (2009-06-29)
«…Rechtsbeistand bewilligt worden ist, befreit die unterliegende nicht von der Leistung einer Prozessentschädigung ( BGE 117 Ia 295 E. 3 S. 296; Frank/Sträuli/Messmer, Kommentar zur zürcherischen Zivilprozessordnung, 3. Aufl. Zürich 2000, N. 1 zu §…»
6B_976/2008 (2009-06-08)
«…antonale Praxis habe das bisher bejaht und dabei insbesondere auf die Rechtsprechung des Bundesgerichts verwiesen ( BGE 117 Ia 295 ; 122 V 278 ; 108 V 270 E. 2). Gestützt auf diese im Bereich des Zivilprozessrechts entwickelte bundesgerichtliche R…»
BGE 135 V 473
«…rtie une indemnité à titre de dépens du seul fait qu'elle est au bénéfice d'une assurance de protection juridique ( ATF 117 Ia 295 consid. 3 p. 296 s.). 3.2 Contrairement à l'opinion de la Cour des assurances sociales, la notion d'ayant droit à des…»
5P.421/2000 (2001-01-10)
«…nicht aber die Gegenpartei, welche im Prozess unterliegt, von der Bezahlung der Parteientschädigung zu entlasten ( BGE 117 Ia 295 E. 3; Frank/Sträuli/ Messmer, Kommentar zur zürcherischen Zivilprozessordnung, 3. Aufl. , Zürich 1997, N. 1 zu § 89).…»

Volltext

Urteilskopf

117 Ia 295

47. Auszug aus dem Urteil der I. Zivilabteilung vom 22. Juli 1991 i.S. B. gegen V. und Obergericht (Ausschuss) des Kantons Basel-Landschaft (staatsrechtliche Beschwerde)

Regeste

Art. 4 BV; Parteientschädigung im Zivilprozess.

Es ist willkürlich, einer Partei eine Parteientschädigung allein deswegen zu verweigern, weil sie für Rechtsschutz versichert ist (E. 3).

Sachverhalt ab Seite 295

BGE 117 Ia 295 S. 295

In einem Forderungsprozess gegen B. drang V. erst- und zweitinstanzlich nur mit einem Zehntel seiner Forderung von rund Fr. 3'000.-- durch. Er wurde von beiden kantonalen Instanzen mit 3/4 der Gerichtskosten belastet, und die Parteikosten wurden wettgeschlagen. Zur Verlegung der Parteikosten findet sich im erstinstanzlichen Urteil keine Begründung. Das Obergericht führte zur Begründung an, eine Parteientschädigung falle ohnehin ausser Betracht, weil der Beklagte bei einer Rechtsschutzversicherung versichert und der ihn vertretende Anwalt Angestellter dieser Versicherung sei, die für die Vertretungskosten im Rahmen ihrer vertraglichen Pflichten aufzukommen habe.

BGE 117 Ia 295 S. 296

Gegen das obergerichtliche Urteil hat B. staatsrechtliche Beschwerde wegen Verletzung von Art. 4 BV eingereicht. Das Bundesgericht heisst die Beschwerde, soweit es auf sie eintritt, gut.

Erwägungen

Aus den Erwägungen:

3. Gemäss § 211 ZPO/BL kann "der unterliegenden Partei in dem Masse, als sie im Unrecht erfunden wird, im Urteil die Bezahlung einer in fester Summe anzugebenden Entschädigung an die Gegenpartei auferlegt werden (ausserordentliche Prozesskosten)".

Für die Verweigerung einer Prozessentschädigung an eine Partei allein deswegen, weil sie für Rechtsschutz versichert ist, bietet das Gesetz keinen Anhaltspunkt. Eine solche Annahme lässt sich entgegen der Auffassung des Obergerichts auch nicht aus Art. 1 der Verordnung über die Rechtsschutzversicherung (SR 961.22) ableiten, ist dort doch einzig umschrieben, welche Versicherungen der Bewilligungspflicht nach diesem Erlass unterstehen; über Voraussetzungen und Ausmass der Versicherungsleistungen ist weder generell noch für den Einzelfall etwas gesagt. Es versteht sich jedoch von selbst, dass jeder Versicherte nur sein eigenes Kostenrisiko und nicht auch dasjenige seiner Gegenpartei durch die Versicherung abdecken lässt, dass er ihr gegenüber folglich nur Anspruch auf Ersatz derjenigen Gerichts- und Parteikosten hat, die nach Massgabe des Kostenentscheides auf ihn entfallen. Es verhält sich damit nicht anders, als wenn einer Partei das Kostenrisiko durch eine Haftpflichtversicherung, eine Gewerkschaft, eine andere Vereinigung oder eine Drittperson abgenommen wird. Einem Prinzip des Zivilprozessrechts entspricht es, dass grundsätzlich jede Partei die andere nach Massgabe ihres Unterliegens zu entschädigen hat. Der Umstand, dass der obsiegenden Partei ein unentgeltlicher Rechtsbeistand bewilligt worden ist, befreit die unterliegende dabei nicht von der Leistung einer Prozessentschädigung. Entsprechendes hat für den Fall zu gelten, in dem die obsiegende Partei eine Rechtsschutzversicherung abgeschlossen und dafür Prämien bezahlt hat.

Mit der vom Obergericht gegebenen Begründung lässt sich der angefochtene Entscheid nicht halten. Da auch keine weiteren Erwägungen vorliegen, die ihn wenigstens im Ergebnis zu stützen vermöchten, erweist er sich als willkürlich im Sinne der Rechtsprechung des Bundesgerichts und ist als verfassungswidrig aufzuheben. Ob und in welcher Höhe dem Beklagten nach Massgabe des

BGE 117 Ia 295 S. 297

Prozessausganges eine Entschädigung zuzusprechen und ob allenfalls zwischen dem Anspruch für das erstinstanzliche und demjenigen für das zweitinstanzliche Verfahren zu unterscheiden sei, wird das Obergericht unter Preisgabe der als willkürlich erkannten Erwägung neu zu entscheiden haben. Bei der Bemessung der Entschädigung wird gegebenenfalls auch dem Umstand Rechnung getragen werden können, dass der Vertreter der Beklagten als Anwalt im Anstellungsverhältnis zu ihr tätig ist.