Legislator Rechtsprechung & Gesetzgebung
BGE 115 IV 173 KI-generiert

State v. Defendant (Confiscation of Illicit Gains in Pimping Case)

Geschäftsnummer BGE 115 IV 173
Gericht / Behörde
Rechtsordnung Schweiz · Bundesgericht (BGer / BGE) (CH)
Ausgang Gutgeheissen (Allowed)

Legislator-Zusammenfassung

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State v. Defendant (Confiscation of Illicit Gains in Pimping Case) In a case involving professional pimping, the initial court sentenced the defendant to ten months imprisonment and a fine of CHF 30,000, and ordered the confiscation of illegally obtained assets amounting to CHF 87,034; however, the appellate court upheld the conviction and sentence (including the fine) but refrained from ordering the confiscation, reasoning that the ill-gotten gains were already sufficiently "considered" within the amount of the fine. The Federal Supreme Court reversed this decision, affirming that the determination of a fine must adhere to the principles outlined in Art. 48 para. 2 of the Swiss Penal Code, primarily focusing on culpability and the offender's financial capacity, and is independent of the compulsory measure of confiscation (Art. 58 para. 1 and 4 StGB); the court held that the fine, being a personal punishment, cannot be accounted for in the amount of the substituted claim for the unlawful profit, and therefore, the appellate court violated federal law by failing to order the mandatory confiscation or substitute claim.

Legislator-Regeste

Amtlich

Regeste Art. 48 Ziff. 2, Art. 58 Abs. 1 und 4 StGB; Einziehung. Die Höhe einer Busse ist nach den in Art. 48 Ziff. 2 StGB festgelegten Grundsätzen zu bemessen (E. 2; Bestätigung der Rechtsprechung). Unabhängig davon muss der Richter die Einziehung anordnen, wenn deren Voraussetzungen vorliegen; insbesondere darf er eine ausgesprochene Busse nicht bei der Abschöpfung des unrechtmässig erlangten Vermögensvorteils auf die Ersatzforderung anrechnen (E. 3).

Schlagwörter

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Strafzumessung Beschlagnahme Betäubungsmittelhandel-Strafmass Deliktsgut Geldbußen wegen Zuwiderhandlung gegen Verfahrensvorschriften Pfändung

Zitierte Gesetzesbestimmungen

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Zitierte Rechtsprechung

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BGE 86 II 75
48-50, 106 StGB) wie die Freiheitsstrafe persönlicher Natur (BGE 86 II 75 f.); sie bleibt auch dann eine Hauptstrafe, wenn sie gemäss Art.
BGE 86 IV 231
50 StGB mit einer Freiheitsstrafe verbunden wird (BGE 86 IV 231 ff.
BGE 101 IV 16
Verurteilten in der dem Verschulden angepassten Höhe trifft (BGE 101 IV 16 f.
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Zentrale Rechtsfragen, extrahiert von Legislator

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Art. 48 Ziff. 2 StGB

The Tribunal confirmed that the fine must be determined according to the principles set out in this article.

Art. 58 Abs. 1 und 4 StGB

The Tribunal ruled that the lower court violated the mandatory requirement for confiscation/seizure of illegal gains.

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Spätere Entscheide, die dieses Urteil zitieren (7)

VPB 93-058 (1993-09-07)
Switzerland: New Laws Target Organized Crime and Money Laundering
«…gemeiner Teil 2, Berne 1989, n° 49 ad par. 14; Hans Schultz (note 71), p. 315. 76 > Cf. ATF 72 IV 102. 77 > Cf. ATF 115 IV 173. 78 > Cf. Stefan Trechsel (note 69), ad article 59, note 3.…»
Arr.t.2011.304 (2011-02-16) · vd
Public Prosecutor v. Subject (Confiscation of Drug Proceeds)
«…itions en sont réunies, la confiscation doit être ordonnée, la présomption d'innocence ne trouvant pas application (ATF 115 IV 173; ATF 132 II 178, c. 4), qu'en l'espèce, le montant de 2'200 Euros séquestré a été découvert dans le rect…»
SK.2006.20 (2009-06-01)
Switzerland: Investor Fraudster Convicted of Fraud, Forgery, and Money Laundering
«…iktischen Vermögens- werte vorhanden sind. Über eine Ersatzforderung ist von Amtes wegen zu befin- den (BGE 115 IV 173, 175 E. 3), d.h. auch ohne Antrag der Bundesanwaltschaft, der tatsächlich nicht vorliegt. Indessen erlaubt Art. 5…»
INC.2007.3002 (2008-05-08) · ti
Partial Release of Seized Funds Following Settlement in Embezzlement Case
«…pv. 3 CP; cfr. anche FF 1993 III, p. 223; M. Vouilloz, La confiscation en droit pénal, in AJP/PJA 12/2001, p. 1392; DTF 115 IV 173); - a quanto sopra si aggiunge, comunque, la richiesta del magistrato inquirente (invero considerata anche dagli…»
6P.138/2006 (2006-09-22)
«…ires l'avantage illicite provenant de l'infraction ( ATF 74 IV 139 consid. 4 p. 143; 119 IV 10 consid. 4b/aa p. 14; 115 IV 173 consid. 2 p. 174 s.). 4.1.2 Si la loi prévoit alternativement une peine privative de liberté ou l'amende, le juge pour…»
BGE 120 IB 167
«…erischem Recht dürfen Ersatzforderungen des Staates den unrechtmässigen Vorteil betragsmässig nicht überschreiten ([BGE 115 IV 173](https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/clir/http/index.php?lang=de&type=show_document&page=1&from_date=&to_dat…»
INC.2007.3002 · ti
Partial Release of Seized Assets in Embezzlement Case
«…pv. 3 CP; cfr. anche FF 1993 III, p. 223; M. Vouilloz, La confiscation en droit pénal, in AJP/PJA 12/2001, p. 1392; DTF 115 IV 173); - a quanto sopra si aggiunge, comunque, la richiesta del magistrato inquirente (invero considerata anche dagli istan…»

Volltext

Urteilskopf

115 IV 173

39. Auszug aus dem Urteil des Kassationshofes vom 5. September 1989 i.S. Staatsanwaltschaft des Kantons Zürich gegen A. (Nichtigkeitsbeschwerde)

Regeste

Art. 48 Ziff. 2, Art. 58 Abs. 1 und 4 StGB; Einziehung.

Die Höhe einer Busse ist nach den in Art. 48 Ziff. 2 StGB festgelegten Grundsätzen zu bemessen (E. 2; Bestätigung der Rechtsprechung). Unabhängig davon muss der Richter die Einziehung anordnen, wenn deren Voraussetzungen vorliegen; insbesondere darf er eine ausgesprochene Busse nicht bei der Abschöpfung des unrechtmässig erlangten Vermögensvorteils auf die Ersatzforderung anrechnen (E. 3).

Sachverhalt ab Seite 174

BGE 115 IV 173 S. 174

Das Bezirksgericht Zürich verurteilte A. am 9. März 1988 wegen gewerbsmässiger Kuppelei zu zehn Monaten Gefängnis sowie einer Busse von Fr. 30'000.-- und verpflichtete ihn, vom unrechtmässig erlangten Vermögensvorteil Fr. 87'034.-- an den Kanton Zürich abzuliefern. Das Obergericht des Kantons Zürich gelangte am 29. November 1988 zum gleichen Schuld- und Strafspruch, sah aber von einer Einziehung ab.

Die Staatsanwaltschaft des Kantons Zürich führt eidgenössische Nichtigkeitsbeschwerde mit dem Antrag, das angefochtene Urteil sei aufzuheben und die Sache zur Abschöpfung des unrechtmässig erlangten Vermögensvorteils an das Obergericht zurückzuweisen.

A. beantragt in seiner Vernehmlassung, die Beschwerde sei abzuweisen. Das Obergericht verzichtete auf Gegenbemerkungen.

Erwägungen

Das Bundesgericht zieht in Erwägung:

1. Umstritten ist einzig die Frage, ob die Vorinstanz zu Recht von einer Abschöpfung des unrechtmässig erlangten Vermögensvorteils absah.

2. Als einzige Vermögensstrafe des Strafgesetzbuches ist die Busse (Art. 48-50, 106 StGB) wie die Freiheitsstrafe persönlicher Natur (BGE 86 II 75 f.); sie bleibt auch dann eine Hauptstrafe, wenn sie gemäss Art. 50 StGB mit einer Freiheitsstrafe verbunden wird (BGE 86 IV 231 ff. E. 3). Innerhalb des Strafrahmens von Art. 48 Ziff. 1 StGB bestimmt der Richter den Betrag der Busse je nach den Verhältnissen des Täters so, dass dieser durch die Einbusse jene Strafe erleidet, die seinem Verschulden angemessen ist. Massgebend bleibt in erster Linie das Verschulden; erst danach ist unter Berücksichtigung der übrigen in Art. 48 Ziff. 2 Abs. 2 StGB genannten Umstände anhand der Einkommens- und Vermögensverhältnisse die Höhe der Busse so anzusetzen, dass sie den

BGE 115 IV 173 S. 175

Verurteilten in der dem Verschulden angepassten Höhe trifft (BGE 101 IV 16 f. mit Hinweisen; SCHULTZ, Einführung in den allgemeinen Teil des Strafrechts II, 4. Aufl., S. 122 ff.; REHBERG, Strafrecht II, 4. Aufl., S. 42 ff.). Durch ihren Strafcharakter unterscheidet sich die Busse unter anderem von der Massnahme der Einziehung nach Art. 58 StGB (SCHWANDER, Das Schweizerische Strafgesetzbuch, 2. Aufl., S. 192, N. 369).

Dem Bezirksgericht erschien nach Würdigung der Strafzumessungsgründe und angesichts des Vermögens von Fr. 1'886'000.-- eine Strafe von zehn Monaten Gefängnis sowie eine Busse von Fr. 30'000.-- dem Verschulden des Beschwerdegegners als angemessen. Das Obergericht verwies im wesentlichen auf die Erwägungen des Bezirksgerichts und erachtete die ausgesprochene Strafe, "verbunden mit Fr. 30'000.-- Busse", ebenfalls als angemessen.

3. Die Vorinstanz erwog für den Beschwerdegegner einen "unbestimmten, Fr. 20'645.-- nicht übersteigenden Betrag" als unrechtmässig erlangten Vermögensvorteil, hielt diesen in der Bussenhöhe von Fr. 30'000.-- als genügend berücksichtigt und verzichtete deswegen auf eine "zusätzliche Vorteilsbeseitigung". Damit verstiess sie gegen die für die Bussenbemessung im Schuldstrafrecht geltenden Grundsätze (SCHULTZ, a.a.O., S. 208 f.) und missachtete das zwingende Gebot der Einziehung bzw. Ersatzeinziehung nach Art. 58 Abs. 1 und 4 StGB (STRATENWERTH, Schweizerisches Strafrecht, AT II, S. 487 N. 31; SCHULTZ, a.a.O., S. 210 f.), wonach unter den gegebenen Voraussetzungen auf eine Ersatzforderung des Staates in der Höhe des unrechtmässigen Vorteils hätte erkannt werden müssen. Indem die Vorinstanz letzteres nicht tat, verletzte sie Bundesrecht. Dies führt zur Aufhebung des angefochtenen Urteils.