Legislator Rechtsprechung & Gesetzgebung
BGE 112 II 226 KI-generiert

Spousal Claim for Moral Damages Following Severe Injury of Partner

Geschäftsnummer BGE 112 II 226
Gericht / Behörde
Rechtsordnung Schweiz · Bundesgericht (BGer / BGE) (CH)
Ausgang Gutgeheissen (Allowed)

Legislator-Zusammenfassung

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Spousal Claim for Moral Damages Following Severe Injury of Partner A wife sued for moral damages after her husband suffered a severe, permanent injury, including impotence, in an accident caused by a truck driver convicted of negligent severe bodily harm. The husband's recovery of CHF 60,000 in moral damages did not satisfy the wife's claim, which the lower courts denied based on the premise that only the injured party, and not their relatives, could claim moral damages under Art. 49 OR (old version). The Federal Supreme Court overturned this decision, holding that a spouse severely impacted by the partner's incapacitating injury is entitled to moral damages, even without proof of gross negligence by the tortfeasor, provided the impact is comparable or greater than that experienced in the case of a relative's death (Art. 47 OR); the court reasoned that denying compensation solely on the lack of gross negligence would unfairly disadvantage relatives of the severely injured compared to those of the deceased, emphasizing that the focus must be on the severity of the violation of the spouse's personal rights. The case was remanded to assess the intensity of the wife's injury, considering factors like age, importance of sexual life, type of impotence, and desire for more children.

Legislator-Regeste

Amtlich

Regeste Genugtuungsanspruch des Ehegatten (Art. 47 und Art. 49 a.F. OR). Der Ehegatte, dessen Partner durch einen Unfall schwer invalid geworden ist, hat Anspruch auf Genugtuung, wenn er gleich schwer oder schwerer betroffen ist als im Falle der Tötung eines Angehörigen; sein Anspruch setzt kein schweres Verschulden des Schadensverursachers voraus.

Schlagwörter

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Genugtuung Ehegatte Unfallschwere Beistandspflicht Gesellschafterhaftung Verletzung von Parteirechten

Zitierte Gesetzesbestimmungen

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Zentrale Rechtsfragen, extrahiert von Legislator

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Art. 49 a.F. OR

This article is cited in the reasoning as the basis for the spouse's non-pecuniary damage claim, which the Federal Tribunal is reviewing against the lower court's dismissal.

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Spätere Entscheide, die dieses Urteil zitieren (22)

43.2024.4 (2025-01-20) · ti
Grandmother's Appeal for Increased Moral Damages in Crime Victim Case Due to Contributory Negligence Reduction
«…il congiunto è stato colpito almeno altrettanto gravemente come nel caso del decesso della vittima (DTF 112 II 220; DTF 112 II 226; DTF 117 II 50; DTF 122 III 5; DTF 125 III 412). A pag. 18 della guida sono descritt…»
43.2024.5 (2025-01-20) · ti
Appeal Against Reduction of Moral Damages Following Homicide Conviction
«…il congiunto è stato colpito almeno altrettanto gravemente come nel caso del decesso della vittima (DTF 112 II 220; DTF 112 II 226; DTF 117 II 50; DTF 122 III 5; DTF 125 III 412). A pag. 18 della guida sono descritt…»
43.2024.1 (2024-10-14) · ti
Child Care Emotional Distress Claim Appeal Dismissed
«…il congiunto è stato colpito almeno altrettanto gravemente come nel caso del decesso della vittima (DTF 112 II 220; DTF 112 II 226; DTF 117 II 50; DTF 122 III 5; DTF 125 III 412). A pag. 18 della guida sono descritt…»
43.2024.2 (2024-10-14) · ti
Son's Claim for Indirect Moral Damages Following Armed Robbery Dismissed
«…il congiunto è stato colpito almeno altrettanto gravemente come nel caso del decesso della vittima (DTF 112 II 220; DTF 112 II 226; DTF 117 II 50; DTF 122 III 5; DTF 125 III 412). A pag. 18 della guida sono descritt…»
SK.2023.23 (2024-05-15)
Gambia Ex-Official Convicted of Crimes Against Humanity
«…hwerer betroffen sind als im Falle der Tötung eines Angehörigen (BGE 125 III 412 E. 2; BGE 117 II 50 E. 3; BGE 112 II 226; KESSLER, a.a.O., Art. 49 OR N. 6). Eine Genugtuung an einen Angehöri- gen bei Todesfall setzt neben Kenntnis…»
6B_784/2022 (2022-10-05)
«…zt und gleich schwer oder schwerer betroffen sind als im Falle der Tötung eines Angehörigen ( BGE 117 II 50 E. 3; BGE 112 II 226 ). Bemessungskriterien sind dabei, wie bei der Bemessung der Genugtuung allgemein, vor allem die Art und Schwere der Ve…»
6B_329/2020 (2021-01-20)
«…elle ne doit être admise qu'exceptionnellement (v. p. ex.: ATF 125 III 412 consid. 2a p. 417; 117 II 50 consid. 3; 112 II 226 ; arrêt 4C.165/1997 du 16 juillet 1998 consid. 4b; BREHM, op. cit., nos 38 ss ad art. 49 CO ; moins affirmatif: Kessl…»
HC.2020.299 (2020-06-12) · vd
Construction Immissions Damages Appeal Rejection
«…time de lésions corporelles graves lorsqu'ils sont touchés de la même manière ou plus fortement qu'en cas de décès (ATF 112 II 226, JdT 1987 I 450 ; ATF 125 III 412 ; Werro, La responsabilité civile, 3e éd, n. 186 p. 60) n'étant manifestement pas réa…»
P/15070/2015 (2018-07-09) · ge
Attempted Coercion Upheld, Attempted Murder Overturned on Appeal
«…alors d'une prétention autonome, lorsqu'ils sont touchés de la même manière ou plus fortement qu'en cas de décès (ATF [112 II 226](https://justice.ge.ch/apps/decis/fr/decis/search?query=112%20II%20226); ATF [125 III 412](https://justice.ge.ch/apps/d…»
4A_606/2017 (2018-04-30)
«…schwerer betroffen sein als im Falle der Tötung einer Angehörigen ( BGE 125 III 412 E. 2a S. 417; 117 II 50 E. 3a; 112 II 226 E. 3). 3.1.1. Neben der Persönlichkeitsverletzung im Sinne von Art. 49 OR müssen zur Bejahung eines Anspruchs auf G…»
4A_608/2017 (2018-04-30)
«…schwerer betroffen sein als im Falle der Tötung einer Angehörigen ( BGE 125 III 412 E. 2a S. 417; 117 II 50 E. 3a; 112 II 226 E. 3). 3.1.1. Neben der Persönlichkeitsverletzung im Sinne von Art. 49 OR müssen zur Bejahung eines Anspruchs auf G…»
LB160065 (2017-10-12) · zh
Bed Collapse Injury: Liability of Gratuitous Assembler
«…-9- schwerer betroffen sein als im Falle der Tötung eines Angehörigen (BGer 1A.69/2005 vom 8. Juni 2005, E. 2.4; BGE 112 II 226; BGE 117 II 50 E. 3). Be- messungskriterien sind dabei, wie bei der Bemessung der Genugtuung allgemein, vor allem die A…»
SB110670 (2012-09-05) · zh
State v. Defendant (Domestic Violence, Homicide Attempt, Embezzlement Convictions Upheld and Modified)
«…le der Tötung eines Angehörigen voraus (vgl. Keller, Haftpflicht im Privatrecht, Bd. II, Bern 1998, S. 164 m.H. auf BGE 112 II 226). Das ist hier nicht gegeben. In Bezug auf den Tötungsversuch zum Nachteil der Privatklägerin 2 ist daran zu erinnern,…»
VPB 2004.111 (2005-12-27)
Revision of Federal Law on Victim Assistance (LAVI)
«…cons. 2a; ATF 1A.69/2005, cons. 2.3. 179 Cf. ATF 117 II 50, cons. 3a; ATF 122 III 5, cons. 2a; ATF 112 II 220; ATF 112 II 226. 180 RS 830.1 181 ATF 1A.235/2000 du 21 février 2001, cons. 5b aa. 182 Cf. art. 25. 183 Cf. ATF 79 IV 1…»
BGE 125 III 412
«…widerrechtlich verletzt und gleich schwer oder schwerer betroffen sein als im Falle der Tötung eines Angehörigen ([BGE 112 II 226](https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=show_document&page=1&from_date=&to_date…»

Volltext

Urteilskopf

112 II 226

38. Auszug aus dem Urteil der I. Zivilabteilung vom 22. April 1986 i.S. R. X. gegen Y. (Berufung)

Regeste

Genugtuungsanspruch des Ehegatten (Art. 47 und Art. 49 a.F. OR).

Der Ehegatte, dessen Partner durch einen Unfall schwer invalid geworden ist, hat Anspruch auf Genugtuung, wenn er gleich schwer oder schwerer betroffen ist als im Falle der Tötung eines Angehörigen; sein Anspruch setzt kein schweres Verschulden des Schadensverursachers voraus.

Sachverhalt ab Seite 227

BGE 112 II 226 S. 227

A.- Am 14. Mai 1980 wurde der 1952 geborene J. X. in Basel von einem Lastwagen überfahren. Der Unfall hatte unter anderem die Impotenz von X. zur Folge. Am 4. November 1980 verurteilte der Strafgerichtspräsident Basel-Stadt den Lastwagenlenker wegen fahrlässiger schwerer Körperverletzung zu einer Busse von Fr. 500.--.

B.- Am 21. April 1983 klagte die im Zeitpunkt des Unfalls knapp 19 Jahre alte Ehefrau von X., R. X., beim Zivilgericht des Kantons Basel-Stadt gegen die Haftpflichtversicherungs-Gesellschaft des Lastwagenhalters, die Y. Versicherungs-Gesellschaft, auf Zahlung einer Genugtuung von Fr. 30'000.-- nebst Zins. Die Klägerin begründete ihren auf Art. 49 OR abgestützten Anspruch damit, dass sie wegen der Verletzung ihres Ehemannes keine weitern Kinder haben könne. Nach Einreichung der Klage fand die Beklagte den Ehemann mit einer Genugtuung von Fr. 60'000.-- ab. Das Zivilgericht des Kantons Basel-Stadt beschränkte den Prozess auf die Frage, ob auch Angehörigen eines Verletzten ein Genugtuungsanspruch gemäss Art. 49 OR zustehe, verneinte dies und wies die Klage ab. Das Appellationsgericht des Kantons Basel-Stadt bestätigte das erstinstanzliche Urteil.

Das Bundesgericht heisst die Berufung gut, hebt das Urteil des Appellationsgerichts auf und weist die Sache zur Neubeurteilung im Sinn der Erwägungen an die Vorinstanz zurück.

Erwägungen

Aus den Erwägungen:

3. Weil die Anspruchsberechtigung der Klägerin dem Grundsatz nach zu bejahen ist, sind die weiteren Voraussetzungen von Art. 49 OR zu prüfen. Der Einwand der Beklagten, es fehle selbst bei Vorliegen der Aktivlegitimation an der nötigen Intensität der Verletzung, übersieht, dass sowohl das Zivilgericht als auch das Appellationsgericht den Prozess auf die Frage der Anspruchsberechtigung beschränkt haben, weshalb die übrigen Bedingungen von Art. 49 OR offengeblieben sind. So erschöpfen sich die Ausführungen über die Schwere der Verletzung in Andeutungen. Die Vorinstanz wird darüber umfassende Feststellungen zu treffen haben.

a) Beim Entscheid, ob die Impotenz des Ehemannes die Klägerin in ihren Persönlichkeitsrechten besonders schwer verletzt hat, wird auch der vom Ministerkomitee mit Resolution 75-7 vom 19. März 1975 empfohlene Grundsatz Nr. 13 zu beachten sein (vgl.

BGE 112 II 226 S. 228

dazu J.-F. EGLI in Mélanges André Grisel, S. 325 und 338). Im französischen Originaltext verlangt er die "présence de souffrances d'un caractère exceptionnel". Massgebend sind dabei alle Umstände wie das Alter der Ehegatten, die Bedeutung des Geschlechtslebens in der vorliegenden Ehe, die Art der Impotenz, das heisst, ob und inwieweit zur impotentia generandi noch die impotentia coeundi hinzukommt, sowie die Ausgeprägtheit des Wunsches nach weiteren Kindern.

b) Im Gegensatz zu Art. 49 OR in der bis zum 30. Juni 1985 geltenden Fassung setzt Art. 47 OR kein besonders schweres Verschulden voraus. Die Tötung eines Menschen unter gravierenden Umständen auch objektiver Natur kann den Angehörigen derart treffen, dass sich eine Genugtuung ungeachtet des Verschuldens des Schädigers aufdrängt.

Dieser Grundgedanke ist auch bei der Auslegung von Art. 49 OR heranzuziehen, obwohl der Fall altem Recht untersteht (Botschaft des Bundesrates über die Änderung des Schweizerischen Zivilgesetzbuches vom 5. Mai 1982, BBl 1982 II S. 683; BROGGINI, Schweizerisches Privatrecht, Bd. I, S. 460). Es wäre eine ungerechtfertigte Privilegierung von Angehörigen eines Getöteten gegenüber den Angehörigen eines Verletzten, die gleich oder schwerer betroffen sein können, wenn diesen die Genugtuung einzig deshalb versagt bliebe, weil es am besonders schweren Verschulden des Schädigers fehlt. Die Vorinstanz wird demnach entscheidend auf die Schwere der Persönlichkeitsverletzung bei der Klägerin abzustellen haben.