Legislator Rechtsprechung & Gesetzgebung
BGE 110 II 122 KI-generiert

Fürsorgerische Freiheitsentziehung

Geschäftsnummer BGE 110 II 122
Gericht / Behörde
Rechtsordnung Schweiz · Bundesgericht (BGer / BGE) (CH)

Legislator-Zusammenfassung

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Swiss Federal Court Interpretation of Expertise and Oral Hearing Requirements in Involuntary Mental Health Commitment In a case concerning therapeutic deprivation of liberty for mental illness, the Swiss Federal Court ruled on the procedural requirements for such decisions, clarifying that Article 397e para. 5 Swiss Civil Code (SCC), which mandates involvement of experts when deciding on mentally ill individuals, is satisfied when experts are members of the deciding judicial body, not only when they are consulted as external appraisers, as the law’s purpose is to ensure psychiatric expertise is integrated into the decision-making process. Furthermore, the court held that the mandatory oral hearing according to Article 397f para. 3 SCC for psychically ill persons is sufficiently met if the medical expert (referent) contributing to the decision conducts the interview at the clinic, deeming an additional hearing by the entire court unnecessary to maintain a simple and swift procedure.

Legislator-Regeste

Amtlich

Regeste Fürsorgerische Freiheitsentziehung. 1. Art. 397e Ziff. 5 ZGB, wonach bei psychisch Kranken nur unter Beizug von Sachverständigen entschieden werden darf, verlangt nicht den Beizug von Sachverständigen als Gutachter. Es genügt für die Einhaltung dieser Vorschrift, wenn Sachverständige der entscheidenden Instanz als Mitglieder angehören (E. 3). 2. Im Falle eines psychisch Kranken ist der in Art. 397f Abs. 3 ZGB vorgeschriebenen mündlichen Anhörung Genüge getan, wenn der als Sachverständiger mitwirkende ärztliche Referent die Einvernahme in der Klinik vornimmt (E. 4).

Schlagwörter

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mündliche Verhandlung Geistige Gesundheit Prozessvoraussetzung Prozessrecht Freiheitsentzug ZPO-Bestimmung

Zitierte Gesetzesbestimmungen

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Spätere Entscheide, die dieses Urteil zitieren (9)

Arr.t.2015.215 (2015-02-17) · vd
Appeal Regarding Involuntary Psychiatric Placement and Treatment Compliance
«…, la possibilité de déléguer l'audition à un membre de l'autorité est admise exceptionnellement (avec référence aux ATF 110 II 122, 124 consid. 4) et que l'on pourrait aussi renoncer à une audition personnelle si, par exemple, la personne concernée l…»
5A_299/2013 (2013-06-06)
«…la possibilité de déléguer l'audition à un membre de l'autorité est admise exceptionnellement (avec référence aux ATF 110 II 122 , 124 consid. 4) et que l'on pourrait aussi renoncer à une audition personnelle si, par exemple, la personne concernée…»
BGE 139 III 257
«…la possibilité de déléguer l'audition à un membre de l'autorité est admise exceptionnellement (avec référence aux ATF 110 II 122 , ATF 110 II 124 consid. 4) et que l'on pourrait aussi renoncer à une audition personnelle si, par exemple, la perso…»
Arr.t.2009.129 (2009-03-19) · vd
Father v. Mother (Hague Convention Return/Habitual Residence/Parental Authority)
«…226). Normalement, le lieu du cadre familial de l'enfant constitue le centre effectif de sa vie et de ses attaches (ATF 110 II 122 c. 3). Si deux résidences habituelles simultanées sont exclues, il peut y avoir en revanche deux résidences habituelles…»
11.2008.40 (2008-05-26) · ti
Guardianship Jurisdiction and Habitual Residence of Minors
«…in un dato luogo; la residenza abituale di un bambino si determina così secondo il centro effettivo della sua vita (DTF 110 II 122 consid. 3; Siehr in: Zürcher Kommentar zum IPRG, 2ª edi­zione, n. 18 ad art. 85 LDIP). In concreto è pacifico che dal m…»
VPB 06-0731-6635 (2006-09-12)
Revision of Swiss Civil Code: Adult Protection, Personal Rights, and Parentage Law
«…justice pour les personnes soumises au secret professionnel selon l’art. 321, ch. 1, 35 ATF 117 II 132 36 Cf. ATF 110 II 122, 124 c. 4 37 Cf. ATF 116 II 406 s. 6712 CP. L’al. 3 énumère les personnes qui ne sont pas tenues de collaborer. Disp…»
BGE 118 II 249
«…legenheit gegeben wird, allenfalls Einwände gegen den Gutachter vorzubringen. Der Hinweis des Berufungsklägers auf [BGE 110 II 122](https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/clir/http/index.php?lang=de&type=show_document&page=1&from_date=&to_dat…»
VPB 85-021 (1984-12-31)
«…orteur procède lui-même à 1'audition de la personne en cause dans l'établissement où elle se trouve (ATF 110 II 122). En matière de droits réels, le Tribunal fédéral a confirmé sa jurisprudence selon laquelle le propriétaire désireux…»
11.2008.40 · ti
Father v. Guardianship Commission: Territorial Jurisdiction for Curator Appointment
«…in un dato luogo; la residenza abituale di un bambino si determina così secondo il centro effettivo della sua vita (DTF 110 II 122 consid. 3; Siehr in: Zürcher Kommentar zum IPRG, 2ª edi­zione, n. 18 ad art. 85 LDIP). In concreto è pacifico che dal m…»

Volltext

Urteilskopf

110 II 122

24. Auszug aus dem Urteil der II. Zivilabteilung vom 20. August 1984 i.S. W. gegen Psychiatrische Gerichtskommission des Kantons Zürich (Berufung)

Regeste

Fürsorgerische Freiheitsentziehung.

1. Art. 397e Ziff. 5 ZGB, wonach bei psychisch Kranken nur unter Beizug von Sachverständigen entschieden werden darf, verlangt nicht den Beizug von Sachverständigen als Gutachter. Es genügt für die Einhaltung dieser Vorschrift, wenn Sachverständige der entscheidenden Instanz als Mitglieder angehören (E. 3).

2. Im Falle eines psychisch Kranken ist der in Art. 397f Abs. 3 ZGB vorgeschriebenen mündlichen Anhörung Genüge getan, wenn der als Sachverständiger mitwirkende ärztliche Referent die Einvernahme in der Klinik vornimmt (E. 4).

Erwägungen ab Seite 123

BGE 110 II 122 S. 123

Aus den Erwägungen:

3. In der Berufung wird geltend gemacht, Art. 397e Ziff. 5 ZGB sei verletzt worden, indem entgegen dieser Vorschrift ohne den Beizug von Sachverständigen entschieden worden sei; unter einem Sachverständigen könne nur ein aussenstehender Fachmann verstanden werden, nicht aber der ärztliche Referent oder Korreferent der Vorinstanz, deren gutachterliche Meinungsäusserungen dem Vertreter des Berufungsklägers im übrigen auch unzugänglich geblieben seien.

Entgegen der in der Berufung vertretenen Auffassung schreibt Art. 397e Ziff. 5 ZGB nicht zwingend den Beizug von Sachverständigen als Gutachter durch die entscheidende Instanz vor, sondern es genügt für die Einhaltung dieser Vorschrift, wenn Sachverständige der entscheidenden Instanz als Mitglieder angehören. Dies

BGE 110 II 122 S. 124

sah bereits die bundesrätliche Botschaft vom 17. August 1977 so vor (BBl 1977, Bd. III, S. 36 oben). Der Sinn der gesetzlichen Anordnung besteht darin, dass bei psychisch Kranken nicht ohne den Rat und das Fachwissen psychiatrisch geschulter Ärzte entschieden werden soll. Das ist bei der Mitwirkung solcher Ärzte als Mitglieder der gerichtlichen Instanz in optimaler Weise der Fall. Aus dem angefochtenen Entscheid geht auch hervor, zu welcher Auffassung der ärztliche Referent aufgrund seiner Untersuchungen gelangt ist. Das Bundesgericht verfügt damit als Berufungsinstanz über eine genügende Urteilsgrundlage. Entgegen den Ausführungen in der Berufung benötigt es für seinen Entscheid nicht weitergehende gutachterliche Meinungsäusserungen der mitwirkenden Ärzte, da es im Rahmen des Berufungsverfahrens die Beweiswürdigung ohnehin nicht überprüfen kann. Was im übrigen die Frage anbetrifft, ob den Parteien Gelegenheit zur Stellungnahme zu den gutachterlichen Äusserungen der mitwirkenden Ärzte zu geben sei, wie in der Berufung geltend gemacht wird, handelt es sich dabei um eine Frage des Anspruchs auf das rechtliche Gehör, dessen Verletzung nur mit staatsrechtlicher Beschwerde gerügt werden kann.

Auch auf die in der Berufung enthaltene Kritik an der Beurteilung medizinischer Fragen durch die sachverständigen Mitglieder der Vorinstanz ist nicht näher einzugehen, da es sich dabei um Fragen der Beweiswürdigung handelt, die ebenfalls nur im Rahmen einer staatsrechtlichen Beschwerde, und zwar unter dem Gesichtspunkt der Willkür, aufgeworfen werden können.

4. Heikler ist die in der Berufung nur kurz gestreifte Frage, ob die in Art. 397f Abs. 3 ZGB vorgeschriebene mündliche Anhörung durch den Referenten allein erfolgen konnte. Der bundesrätlichen Botschaft lässt sich diesbezüglich nichts entnehmen. Im Falle eines psychisch Kranken wie hier ist dem Grundsatz der mündlichen Anhörung jedoch Genüge getan, wenn der ärztliche Referent die Einvernahme in der Klinik vornimmt. Das Verfahren, das nach Art. 397f Abs. 1 ZGB einfach und rasch sein soll, würde dadurch kompliziert, dass zusätzlich zu dieser Befragung durch den fachkundigen Referenten noch die mündliche Anhörung durch das ganze Gericht verlangt würde. Das Erfordernis des Art. 397f Abs. 3 ZGB ist daher jedenfalls im vorliegenden Fall als erfüllt zu betrachten.