Legislator Rechtsprechung & Gesetzgebung
BGE 107 IV 158 KI-generiert

Jurisdiction over Confiscation After Accused's Suicide

Geschäftsnummer BGE 107 IV 158
Gericht / Behörde
Rechtsordnung Schweiz · Bundesgericht (BGer / BGE) (CH)
Ausgang Gutgeheissen (Allowed)

Legislator-Zusammenfassung

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Jurisdiction over Confiscation After Accused's Suicide A criminal investigation in two cantons against an accused for drug offenses led one canton to assume jurisdiction over all charged offenses; following the accused's suicide, a dispute arose over which canton was competent to decide on the confiscation (Einziehung) of seized cash, bank deposits, and drugs. The Federal Supreme Court ruled that the canton which assumed jurisdiction to prosecute and judge all criminal acts committed by the accused is also competent to decide on the confiscation of items and assets seized in connection with those crimes, even if seized by the other canton, because the right to prosecute (Art. 351 CPC) includes the authority to conclude the proceedings and determine the final fate of the confiscated items (Art. 58 SCC).

Legislator-Regeste

Amtlich

Regeste Art. 58 und Art. 351 StGB. Zuständigkeit zur Einziehung. Übernimmt ein Kanton die Verfolgung und Beurteilung der vom Angeschuldigten in einem andern Kanton verübten strafbaren Handlungen, so ist er auch zum Entscheid darüber zuständig, ob die von diesem Kanton beim Angeschuldigten beschlagnahmten, im Zusammenhang mit dessen strafbaren Handlungen stehenden Gegenstände und Vermögenswerte einzuziehen sind.

Schlagwörter

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strafrechtliche Einziehung Strafuntersuchung unrechtmässiger Betäubungsmittelbesitz Recht zur Hinterlegung Recht auf Selbstbestimmung Zuständigkeitsbestimmung

Zitierte Gesetzesbestimmungen

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Zitierte Rechtsprechung

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BGE 98 IV 208
Ein nachträglicher Wechsel des vereinbarten Gerichtsstands wäre nur aus triftigen Gründen zulässig (BGE 98 IV 208 E.
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Zentrale Rechtsfragen, extrahiert von Legislator

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Art. 351 StGB

The Tribunal cited this article in relation to the right and obligation of the competent canton to prosecute and judge criminal offenses, which includes the power to decide on confiscation.

Art. 58 StGB

The core issue determined by the Tribunal was the jurisdiction regarding the confiscation of seized assets, which is legally governed by this article.

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Spätere Entscheide, die dieses Urteil zitieren (10)

BG.2022.43 (2023-02-22)
Cantonal Jurisdiction Dispute in Fraud Case
«…vi motivi di un foro già oggetto di una prima fissazione di ordine consensuale (v. DTF 119 IV 102 consid. 5a; 107 IV 158 consid. 1; 98 IV 205 consid. 2; SCHLEGEL, op. cit., n. 6 ad art. 42 CPP; KUHN, op. cit., n. 6 ad art. 42 CPP).…»
BB.2006.49 (2009-06-01)
Federal Court Upholds Cantonal Jurisdiction in Forgery Case
«…celerità procedurale, mantenere il foro presso l’autorità che ha av- viato l’inchiesta (DTF 120 IV 282 consid. 3a; 107 IV 158 consid. 1 e rinvii; sentenza del Tribunale federale 8G.5/2004 del 23 marzo 2004 consid. 2.4). In casu, la so…»
BG.2005.6 (2009-06-01)
Neuchâtel Retains Jurisdiction Over Drug and Fraud Offenses Despite Bern Investigation
«…is d'accord à son sujet n'est possible qu'en présence de motifs dé- terminants (ATF 120 IV 282 consid. 3a p. 286; 107 IV 158 consid. 1 p. 159; 98 IV 205 consid. 2 p. 208). Tel peut être le cas pour des raisons d'écono- mie de procéd…»
BK.G.180.04 (2009-06-01)
Federal Criminal Court Upholds Jurisdiction Transfer Decision
«…orités cantonales n'est possible qu'en présence de motifs déterminants (ATF 120 IV 282 consid. 3a p. 286; 107 IV 158 consid. 1 p. 159; 98 IV 205 consid. 2 p. 208). Un tel motif peut consister dans un usage abusif du pouvoir d'app…»
6S.455/2005 (2006-03-28)
«…barten Zuständigkeit zwar grundsätzlich möglich, es bedarf dafür aber triftiger Gründe ( BGE 120 IV 282 E. 3a S. 286; 107 IV 158 E. 1; 71 IV 60 E. 1). Das ergibt sich namentlich bei fortgeschrittener Untersuchung bereits daraus, dass Gründe der…»
BGE 132 IV 89
«…en Zuständigkeit zwar grundsätzlich möglich, es bedarf dafür aber triftiger Gründe ( BGE 120 IV 282 E. 3a S. 286; BGE 107 IV 158 E. 1; 71 IV 60 E. 1). Das ergibt sich namentlich bei fortgeschrittener Untersuchung bereits daraus, dass Gründe der…»
8G.5/2004 (2004-03-23)
«…ere in effetti l'eccezione e può venire effettuato solo in presenza di motivi importanti ( DTF 120 IV 282 consid. 3a; 107 IV 158 consid. 1 e rinvii), come per esempio di fronte a fatti nuovi ( DTF 72 IV 39 consid. 1). Fatti nuovi qui indubbiament…»
8G.15/2003 (2003-05-09)
«…t mis d'accord à son sujet, est admissible uniquement en présence de motifs déterminants ( ATF 120 IV 282 consid. 3a; 107 IV 158 consid. 1; 98 IV 205 consid. 2 et les nombreux arrêts cités). Le but premier étant de sauvegarder la rapidité et l'e…»
BGE 120 IV 282
«…ès que les cantons se sont mis d'accord à son sujet, est admissible uniquement en présence de motifs déterminants ([ATF 107 IV 158](https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=it&type=show_document&page=1&from_date=&to_date…»
TPF 2006 301
Federal Prosecutor's Office Jurisdiction over Forgery and Fraudulent Misrepresentation Charges
«…enza e celerità procedurale, mantenere il foro presso l’autorità che ha avviato l’inchiesta (DTF 120 IV 282 consid. 3a; 107 IV 158 consid. 1 e rinvii; sentenza del Tribunale federale 8G.5/2004 del 23 marzo 2004 con- sid. 2.4). In casu, la sospensione…»

Volltext

Urteilskopf

107 IV 158

45. Auszug aus dem Urteil der Anklagekammer vom 21. Juli 1981 i.S. Staatsanwaltschaft des Kantons Aargau gegen Staatsanwaltschaft des Kantons Zürich

Regeste

Art. 58 und Art. 351 StGB. Zuständigkeit zur Einziehung.

Übernimmt ein Kanton die Verfolgung und Beurteilung der vom Angeschuldigten in einem andern Kanton verübten strafbaren Handlungen, so ist er auch zum Entscheid darüber zuständig, ob die von diesem Kanton beim Angeschuldigten beschlagnahmten, im Zusammenhang mit dessen strafbaren Handlungen stehenden Gegenstände und Vermögenswerte einzuziehen sind.

Sachverhalt ab Seite 158

BGE 107 IV 158 S. 158

A.- Die thailändische Staatsangehörige P. V. alias M. N. stand seit August 1979 im Kanton Aargau und seit Oktober 1980 auch im Kanton Zürich in Strafuntersuchung wegen Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz. Die anlässlich ihrer Verhaftung in Zürich bei ihr sichergestellten, vermutlich Haschisch und vor allem Heroin enthaltenden Plastiksäckchen und Briefcouverts, die Barbeträge von Fr. 174'500.-- und DM 610.-- sowie ein bei der Schweizerischen Kreditanstalt unter ihrem Namen angelegter Betrag von Fr. 5'013.20 wurden von der Bezirksanwaltschaft Zürich einstweilen beschlagnahmt.

BGE 107 IV 158 S. 159

Auf Ersuchen der Bezirksanwaltschaft Zürich anerkannte die Staatsanwaltschaft des Kantons Aargau am 16. Februar sowie erneut am 23. März 1981 die Zuständigkeit des Kantons Aargau zur Verfolgung und Beurteilung sämtlicher P. V. zur Last gelegten Taten.

P. V. verübte in der Nacht vom 30./31. März 1981 im Bezirksgefängnis Zürich Selbstmord. Die Bezirksanwaltschaft Zürich schlug der Staatsanwaltschaft des Kantons Aargau daraufhin vor, dass jeder Kanton die gegen sie angehobene Untersuchung selbständig abschliesse; sie erklärte sich bereit, der Einfachheit halber die im Kanton Aargau angehobene Untersuchung in die von ihr zu erlassende Einstellungsverfügung einzubeziehen. Dem widersetzte sich die Staatsanwaltschaft des Kantons Aargau unter Hinweis auf den von ihr anerkannten Gerichtsstand; sie hielt dafür, die aargauischen Behörden seien insbesondere auch zum Entscheid über die Einziehung der beschlagnahmten Gegenstände und Gelder befugt. Die Bezirksanwaltschaft Zürich und sodann auch die Staatsanwaltschaft des Kantons Zürich beharrten demgegenüber darauf, die zürcherischen Gerichte, welche die Mittäter von P. V. zu beurteilen hätten, seien hiefür zuständig.

B.- Die Staatsanwaltschaft des Kantons Aargau stellte am 30. Juni 1981 bei der Anklagekammer das Begehren, "es sei die örtliche Zuständigkeit zum Entscheid über die Einziehung beschlagnahmter Werte (Bargeld, Bankguthaben und Drogen), bzw. die Bedeutung einer an sich bestehenden Einigung über den Gerichtsstand bezüglich der Einziehung gemäss Art. 58 StGB von beschlagnahmten Werten zu bestimmen".

Die Staatsanwaltschaft des Kantons Zürich beantragte "Eintreten auf das Begehren und Abweisung des Ersuchens zur Zeit, solange der Richter des Kantons Zürich nicht über die Verteilung der Gelder entschieden hat".

Erwägungen

Aus den Erwägungen:

1. Nach den Akten haben sich die Strafbehörden der Kantone Aargau und Zürich dahin geeinigt, dass jener die Verfolgung und Beurteilung der sämtlichen von P. V. verübten strafbaren Handlungen übernehme. Das wird von der Staatsanwaltschaft Zürich in ihrer Vernehmlassung denn auch nicht bestritten. Ein nachträglicher Wechsel des vereinbarten Gerichtsstands wäre nur aus triftigen Gründen zulässig (BGE 98 IV 208 E. 2 mit Hinweisen).

BGE 107 IV 158 S. 160

Solche Gründe werden von der Staatsanwaltschaft des Kantons Zürich nicht geltend gemacht und liegen aufgrund der Akten auch nicht vor. Insbesondere vermag der Tod eines Beschuldigten an der zwischen den Kantonen getroffenen Gerichtsstandsabrede nichts zu ändern.

2. Der Kanton, dessen Zuständigkeit feststeht, ist zur Verfolgung und Beurteilung strafbarer Handlungen nicht nur verpflichtet, sondern auch berechtigt (Art. 351 StGB). Diese Berechtigung schliesst insbesondere die Befugnis ein, das Strafverfahren durch Entscheid abzuschliessen. In einem solchen Entscheid ist stets auch über das endgültige Schicksal beschlagnahmter Gegenstände zu befinden (HAUSER, Grundzüge des Strafprozessrechts, S. 83; derselbe, Kurzlehrbuch des Schweiz. Strafprozessrechts, S. 177). So waren die fraglichen Vermögenswerte und Drogen in der Verfügung der Bezirksanwaltschaft Zürich vom 21. Oktober 1980 denn auch zutreffend "zu Handen des definitiv erkennenden Gerichtes einstweilen beschlagnahmt" worden.

Es ist demnach offensichtlich, dass die Strafbehörden des Kantons Aargau, nicht jene des Kantons Zürich zur Einziehung zuständig sind, nachdem die aargauischen Behörden die Verfolgung und Beurteilung der von P. V. begangenen Straftaten übernommen hatten und die in Frage stehenden Gegenstände und Gelder unbestrittenermassen bei P. V. sichergestellt worden waren, wie das aus den Beschlagnahmeverfügungen hervorgeht. Insoweit war der Gerichtsstand zwischen den beiden Kantonen trotz der seinerzeit durch die Staatsanwaltschaft des Kantons Aargau erklärten Anerkennung streitig, und er ist deshalb von der Anklagekammer zu bezeichnen.