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BGE 105 IV 70 KI-generiert

Art. 45 VZV, Art. 22 SVG. Aberkennung ausländischer Führerausweise. Der Aberkennung eines deutschen Führerausweises steht keine staatsvertragliche Regelung zwischen der Schweiz und der BRD entgegen (E. 2a). Der Entzug des schweizerischen Führerausweises schliesst auch die Aberkennung eines allfälligen ausländischen Führerausweises ein. Ein Wohnsitz des Führers in der Schweiz ist nicht erforderlich (E. 2b).

Geschäftsnummer BGE 105 IV 70
Gericht / Behörde
Rechtsordnung Schweiz · Bundesgericht (BGer / BGE) (CH)

Legislator-Zusammenfassung

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Driver License Withdrawal Validity Against International Treaty A driver challenged his conviction for continued driving despite a Swiss driving license withdrawal, arguing that an international treaty between Switzerland and Germany precluded Swiss authorities from restricting the validity of his German driving license, especially since he did not have Swiss residency. The Federal Supreme Court rejected this claim, ruling that no treaty between Switzerland and Germany prevents the Swiss authorities from revoking a foreign driving license based on domestic law (Art. 45 VZV), as international agreements explicitly permit contracting states to restrict the use of foreign licenses within their territories. Furthermore, the court held that the withdrawal of the Swiss license effectively included the denial of all driving privileges in Switzerland, encompassing the automatic non-recognition of any foreign license, and the determination of the driver's dominant stay in Switzerland made the local canton competent, regardless of residence according to general civil law.

Legislator-Regeste

Amtlich

Regeste Art. 45 VZV, Art. 22 SVG. Aberkennung ausländischer Führerausweise. Der Aberkennung eines deutschen Führerausweises steht keine staatsvertragliche Regelung zwischen der Schweiz und der BRD entgegen (E. 2a). Der Entzug des schweizerischen Führerausweises schliesst auch die Aberkennung eines allfälligen ausländischen Führerausweises ein. Ein Wohnsitz des Führers in der Schweiz ist nicht erforderlich (E. 2b).

Schlagwörter

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Führerausweisentzug Fremdes Recht Gültigkeit des Vertrages Aufenthaltsbewilligungen Anerkennung von Staaten Lizenzvertrag

Zitierte Gesetzesbestimmungen

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Spätere Entscheide, die dieses Urteil zitieren (12)

SK 2021 529 (2023-05-02) · be
Swiss Court Upholds Fraud Conviction and Revokes Conditional Release Due to Recidivism
«…reichbar und damit illusorisch wäre sowie der Sinn der Bestimmung unterlaufen würde (vgl. BGE 139 IV 305 E. 3.2; 105 IV 70 E. 2b m.H.; 95 IV 168 E. 2.; RENÉ SCHAFFHAUSER, Grundriss des schweizerischen Strassenverkehrs- rechts, B…»
CR.2019.0020 (2019-11-12) · vd
Appellant Challenges Administrative Speeding Warning Based on Prior Criminal Ordinance Finding
«…mis qui pourrait être acquis ultérieurement à l'étranger suite à un changement de domicile (ATF 139 IV 305 consid. 3.2; 105 IV 70 consid. 2b; 95 IV 168 consid. 2). Vu ce qui précède, l'autorité cantonale pouvait *a fortiori* prononcer un avertissem…»
IV.2018.178 (2019-04-25) · sg
Appeal Against Revocation of Foreign Driving License Based on Prior Unsuitability Finding
«…Seite 7/10 Publikationsplattform St.Galler Gerichte Bestimmung unterlaufen würde (BGE 105 IV 70 E. 2b, BGer 6B_9/2014 vom 23. Dezember 2014 E. 1.5). Das gegen den Rekurrenten mit Verfügung vom 10. Januar 2011 au…»
IV.2018.178 (2019-04-25) · sg
Administrative Commission Upholds License Revocation Based on Prior Psychological Assessment Finding of Unfitness
«…Seite 7/10 Publikationsplattform St.Galler Gerichte Bestimmung unterlaufen würde (BGE 105 IV 70 E. 2b, BGer 6B_9/2014 vom 23. Dezember 2014 E. 1.5). Das gegen den Rekurrenten mit Verfügung vom 10. Januar 2011 au…»
CR.2018.0045 (2019-02-15) · vd
Appeal Against Two-Year Driving License Withdrawal for Repeated Traffic Offenses
«…pourrait être acquis ultérieurement à l'étranger suite à un changement de domicile (ATF 139 IV 305 consid. 3.2 p. 309, 105 IV 70 consid. 2b p. 71 s., 95 IV 168 consid. 2 p. 170). L'Accord du 18 juin 2015 sur la circulation routière entre la Conféd…»
603 2017 17 (2017-04-13) · fr
Driving Privilege Reinstatement Procedural Costs Dispute
«…altsort des Betroffenen bestehen (Urteil BGer 1C_162/2007 vom 1. November 2007 E. 3; vgl. auch BGE 102 Ib 290 E. 2; BGE 105 IV 70), und sofern die sich als zuständig ansehende Behörde dafür objektiv überhaupt in Betracht kommt (Urteil KG BL [KGVVE],…»
CR.2015.0007 (2015-09-08) · vd
Motorist Appeal of Security Withdrawal and New Waiting Period for Driving While Withdrawn
«…sion de préciser que le domicile du titulaire à l'étranger ne s'oppose pas au retrait du permis de conduire suisse (ATF 105 IV 70 consid. 2b; 102 Ib 290 consid. 3). La question, qui consiste à savoir quelle est l'autorité compétente pour délivrer un…»
6B_9/2014 (2014-12-23)
«…inklusive Motorfahrräder zu führen. Er wurde demnach mit einem umfassenden Fahrverbot für die Schweiz belegt (vgl. BGE 105 IV 70 E. 2 mit Hinweis; 95 IV 168 E. 1). Die Wiedererteilung des Führerausweises wurde davon abhängig gemacht, dass der Be…»
B.2011.186 (2011-12-15) · sg
Foreign License Holder Warning Upheld Against Double Jeopardy Claim
«…sgesetzes (SR 741.01, abgekürzt SVG) verweist, ist unbestritten (vgl. dazu BGE 1C.59/2010 vom 12. Juli 2010 E. 4.2; BGE 105 IV 70, E. 2.a; Weissenberger, Kommentar zum Strassenverkehrsgesetz, Zürich/St. Gallen 2011, N 6 vor Art. 16 ff. SVG). 4.2.1…»
B.2011.186 (2011-12-15) · sg
Foreign Driver's License Warning Sanction Application
«…sgesetzes (SR 741.01, abgekürzt SVG) verweist, ist unbestritten (vgl. dazu BGE 1C.59/2010 vom 12. Juli 2010 E. 4.2; BGE 105 IV 70, E. 2.a; Weissenberger, Kommentar zum Strassenverkehrsgesetz, Zürich/St. Gallen 2011, N 6 vor Art. 16 ff. SVG). 4.2.1…»
CR.2008.0185 (2009-02-13) · vd
Swiss License Withdrawal Upheld Despite Foreign Residency in Drunk Driving Case
«…e domicile du titulaire à l’étranger ne s’oppose pas au retrait du permis de conduire suisse (ATF 102 Ib 290 précité et 105 IV 70 consid. 2 b). b) Dans le cas présent, le tribunal de céans constate que, selon les fichiers administratifs de l’autori…»
52.1999.62 (1999-11-26) · ti
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«…Svizzera un'eventuale licenza di condurre straniera. Non occorre che il conducente abbia un domicilio in Svizzera (DTF 105 IV 70). Queste regole valgono per tutte le misure amministrative riguardanti i conducenti (Schaffhauser, op. cit., N. 2638 i…»

Volltext

Urteilskopf

105 IV 70

18. Auszug aus dem Urteil des Kassationshofes vom 2. Februar 1979 i.S. Sch. gegen Staatsanwaltschaft des Kantons Zürich (Nichtigkeitsbeschwerde)

Regeste

Art. 45 VZV, Art. 22 SVG. Aberkennung ausländischer Führerausweise.

Der Aberkennung eines deutschen Führerausweises steht keine staatsvertragliche Regelung zwischen der Schweiz und der BRD entgegen (E. 2a). Der Entzug des schweizerischen Führerausweises schliesst auch die Aberkennung eines allfälligen ausländischen Führerausweises ein. Ein Wohnsitz des Führers in der Schweiz ist nicht erforderlich (E. 2b).

Erwägungen ab Seite 70

BGE 105 IV 70 S. 70

Aus den Erwägungen:

2. Der Beschwerdeführer macht hinsichtlich des fortgesetzten Führens trotz entzogenem Führerausweis geltend, die schweizerischen Behörden seien aufgrund eines Staatsvertrages zwischen der Schweiz und der BRD nicht berechtigt, die Gültigkeit eines deutschen Führerausweises einzuschränken, wenn der Inhaber in der Schweiz keinen Wohnsitz habe. Diese Voraussetzung habe bei ihm zugetroffen, weshalb er befugt gewesen sei, mit seinem deutschen Ausweis weiterhin ein Motorfahrzeug zu führen.

a) Die Ansicht des Beschwerdeführers, die Einschränkung der Gültigkeit seines deutschen Ausweises verstosse gegen einen Staatsvertrag, geht offensichtlich fehl. Nach Art. 45 Abs. 1 der Verordnung des Bundesrates über die Zulassung von Personen und Fahrzeugen zum Strassenverkehr vom 27. Oktober 1976

BGE 105 IV 70 S. 71

(VZV, SR 741.51) können ausländische Führerausweise nach den gleichen Bestimmungen aberkannt werden, die für den Entzug des schweizerischen Führerausweises gelten. Inwiefern sich diese Bestimmung mit einer zwischenstaatlichen Vereinbarung nicht vertragen soll, vermag der Beschwerdeführer selber nicht darzutun. Tatsächlich besteht auch keine abweichende staatsvertragliche Regelung zwischen der Schweiz und der BRD. Das internationale Abkommen über den Kraftfahrzeugverkehr vom 24. April 1926, das von der Schweiz und Deutschland ratifiziert worden ist, enthält keine Bestimmungen über nationale Führerausweise, sondern nur über den internationalen Führerausweis und erklärt in Art. 7, dass ein solcher Ausweis von jedem Vertragsstaat aberkannt werden kann (BG 13 S. 549). Ferner sieht das noch nicht ratifizierte Übereinkommen über den Strassenverkehr vom 8. November 1968, dessen deutscher Text von der Schweiz, der BRD und Österreich ausgearbeitet wurde, in Art. 42 ausdrücklich vor, dass ausländische Führerausweise von den Vertragsstaaten für ihr Hoheitsgebiet aberkannt werden können.

b) Der Beschwerdeführer bestreitet sodann, dass der Kanton Zürich zur Aberkennung seines deutschen Führerausweises zuständig gewesen sei mit der Begründung, er habe in der Schweiz keinen Wohnsitz gehabt. Der Einwand hält nicht stand. Massgebend ist der Wohnsitzbegriff des Art. 22 SVG. Danach ist auch dem Führer, der keinen Wohnsitz in der Schweiz besitzt, der Führerausweis an dem Ort zu entziehen bzw. abzuerkennen, an dem er sich vorwiegend aufhält (Abs. 2). Nach den Akten steht einwandfrei fest, dass der Beschwerdeführer seit Jahren in der Schweiz lebt und mit seiner Familie in Thalwil wohnt, wo sich auch der Standort des Fahrzeuges befindet. Damit war die Zuständigkeit des Kantons Zürich gegeben, der zudem auch das Administrativverfahren eingeleitet hat (Abs. 3).

Durch den Entzug des schweizerischen Führerausweises vom 25. April 1977 wurde dem Beschwerdeführer die zum Führen eines Motorfahrzeuges erteilte Polizeibewilligung widerrufen und damit das Recht abgesprochen, von seinem Führerausweis in der Schweiz Gebrauch zu machen (STAUFFER, Der Entzug des Führerausweises, S. 13, 85, 142). Das Verbot, ein Motorfahrzeug zu führen, erstreckte sich ausdrücklich auf das ganze Gebiet der Schweiz und galt für alle Motorfahrzeugkategorien, war somit umfassend. Solche generelle Fahrverbote

BGE 105 IV 70 S. 72

schliessen notwendig auch die Aberkennung ausländischer Führerausweise ein, insbesondere in Fällen wie dem vorliegenden, wo die kantonale Behörde zufolge Unkenntnis des deutschen Führerausweises keine Veranlassung hatte, eine besondere Aberkennungsverfügung zu erlassen. Bliebe ein ausländischer Führerschein trotz dem Entzug der schweizerischen Bewilligung dennoch gültig, so wäre der Zweck des angeordneten Fahrverbots nicht nur unerreichbar und damit illusorisch, sondern es verstiesse auch gegen den Sinn des Art. 45 Abs. 2 VZV, der zwingend vorschreibt, dass mit dem Entzug des schweizerischen Führerausweises immer auch ein ausländischer Ausweis des Betroffenen aberkannt werden muss.