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BGE 104 IV 261 KI-generiert

Federal Tribunal Rules on Priority on Narrow Roads and Driver's Knowledge of Vehicle Dimensions

Geschäftsnummer BGE 104 IV 261
Gericht / Behörde
Rechtsordnung Schweiz · Bundesgericht (BGer / BGE) (CH)
Ausgang Teilweise gutgeheissen (Partially Allowed)

Legislator-Zusammenfassung

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Federal Tribunal Rules on Priority on Narrow Roads and Driver's Knowledge of Vehicle Dimensions In a case concerning a driver accused of violating traffic regulations, the Federal Tribunal ruled on two issues: the priority rule for narrow roads and the driver's knowledge of vehicle dimensions. Regarding **Article 9 para. 2 VRV** (priority rules), the Court found that the rule granting priority to heavier vehicles on narrow roads, where passing is not possible, does not apply if vehicles can pass without mutual hindrance or without one vehicle occupying the other's lane; since the lower court failed to establish that passing a semi-trailer and two cars was impossible or that the semi-trailer was impeded, the conviction on this ground was overturned and remitted for acquittal. Regarding **Article 19 para. 2 SCC** (mistake of fact), the Court confirmed that a professional driver, especially of an oversized vehicle, is obligated to know the exact width of their vehicle, independent of the vehicle registration document which does not contain the precise measurement; therefore, the driver’s claim of an unculpable mistake of fact about his semi-trailer's excessive width (2.45m) was rejected as the error was deemed self-inflicted due to a lack of due diligence.

Legislator-Regeste

Amtlich

Regeste 1. Art. 9 Abs. 2 VRV. Kein besonderes Vortrittsrecht, wenn Fahrzeuge ohne gegenseitige Behinderung aneinander vorbeifahren können (E. 1). 2. Art. 19 Abs. 2 StGB. Der Fahrzeugführer, namentlich der Lenker eines überbreiten Motorwagens, muss die genaue Breite seines Fahrzeuges kennen. Begeht er zufolge Unkenntnis der Abmessung eine Widerhandlung gegen eine Verkehrsvorschrift, z. B. eine Verkehrsbeschränkung, kann er sich nicht auf unverschuldeten Irrtum berufen (E. 2).

Schlagwörter

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Strassenverkehrsrecht Fahren trotz Führerausweisentzugs Verletzung von Sicherheitsbestimmungen Sachverhaltsirrtum Bagatellunfall Fahreignungsuntersuchung

Zitierte Gesetzesbestimmungen

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Zentrale Rechtsfragen, extrahiert von Legislator

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Art. 19 Abs. 2 StGB

The court confirmed the finding that the vehicle driver could not rely on an excusable error regarding ignorance of the vehicle's width, citing this provision.

Art. 9 Abs. 2 VRV

The appeal concerning the alleged violation of the right of way rule for heavy vehicles was partially upheld based on this provision.

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Spätere Entscheide, die dieses Urteil zitieren (9)

P/11500/2024 (2025-05-23) · ge
Bus Driver Acquitted in Traffic Violation Case Involving Near-Miss and Minor Injury
«…ssible), c'est-à-dire si un véhicule circulant correctement ne peut en croiser un autre sans empiéter sur sa voie (ATF [104 IV 261](https://justice.ge.ch/apps/decis/fr/decis/search?query=104%20IV%20261) = JdT 1979 I 444 n. 40). Selon ledit article, l…»
1C_588/2020 (2021-11-25)
«…pour la première fois un véhicule avec remorque (sur le caractère évitable ou non d'une erreur sur les faits: cf. ATF 104 IV 261 consid. 2; et d'une erreur sur l'illicéité: cf. arrêts 1C_539 du 5 février 2015 consid. 5.2.2 et 5.2.3; 1C_333/2014 du…»
Jug.2018.66 (2018-01-10) · vd
State v. [Appellant Name]: Assault and Battery; Putative Necessity Defense Rejected
«…t des précautions voulues est punissable pour négligence si la loi réprime son acte comme infraction de négligence (ATF 104 IV 261). Lorsque l'auteur, en raison d'une représentation erronée des faits, se croit en situation de danger, alors qu'objecti…»
Jug.2016.253 (2016-06-14) · vd
Prosecution Appeal Upheld, Necessity Defense Rejected in Speeding Case
«…t des précautions voulues est punissable pour négligence si la loi réprime son acte comme infraction de négligence (ATF 104 IV 261). Lorsque l'auteur, en raison d'une représentation erronée des faits, se croit en situation de danger, alors qu'objecti…»
Jug.2016.160 (2016-05-12) · vd
Appellant v. State: Assassination Conviction Upheld Despite Diminished Responsibility Claim
«…t des précautions voulues est punissable pour négligence si la loi réprime son acte comme infraction de négligence (ATF 104 IV 261). Lorsque l'auteur, en raison d'une représentation erronée des faits, se croit en situation de danger, alors qu'objecti…»
Jug.2016.62 (2016-01-06) · vd
Cantonal Conviction Upheld: Violence Against Authorities and Revocation of Suspended Sentence
«…t des précautions voulues est punissable pour négligence si la loi réprime son acte comme infraction de négligence (ATF 104 IV 261, JdT 1979 I 444). Il faut donc, pour que l’auteur bénéficie de l’état de nécessité licite ou excusable, qu’au vu des ci…»
6B_1159/2013 (2014-12-03)
«…5 E. 2). 2.3. Beim Entscheid über die bedingte Entlassung steht der zuständigen Behörde ein weites Ermessen zu ( BGE 104 IV 261 ). Das Bundesgericht greift in die Beurteilung der Bewährungsaussicht nur ein, wenn sie ihr Ermessen über- oder untersc…»
Jug.2013.85 (2013-02-27) · vd
Traffic Violation, Accident Failure to Report, and Probation Revocation Appeal
«…t des précautions voulues est punissable pour négligence si la loi réprime son acte comme infraction de négligence (ATF 104 IV 261, JT 1979 I 444). L'ivresse au volant ainsi que toutes les autres infractions à la LCR en vertu de l'art. 100 de cette l…»
Jug.2012.74 (2012-02-13) · vd
State v. Driving While Suspended with Necessity Defense Rejection
«…t des précautions voulues est punissable pour négligence si la loi réprime son acte comme infraction de négligence (ATF 104 IV 261, JT 1979 I 444). L'ivresse au volant (Weissenberger, Kommentar zum Strassenverkehrsgesetz: Bundesgerichtspraxis, Zurich…»

Volltext

Urteilskopf

104 IV 261

59. Auszug aus dem Urteil des Kassationshofes vom 28. November 1978 i.S. F., E. und H. gegen Staatsanwaltschaft des Kantons Solothurn

Regeste

1. Art. 9 Abs. 2 VRV. Kein besonderes Vortrittsrecht, wenn Fahrzeuge ohne gegenseitige Behinderung aneinander vorbeifahren können (E. 1).

2. Art. 19 Abs. 2 StGB. Der Fahrzeugführer, namentlich der Lenker eines überbreiten Motorwagens, muss die genaue Breite seines Fahrzeuges kennen. Begeht er zufolge Unkenntnis der Abmessung eine Widerhandlung gegen eine Verkehrsvorschrift, z. B. eine Verkehrsbeschränkung, kann er sich nicht auf unverschuldeten Irrtum berufen (E. 2).

Erwägungen ab Seite 261

BGE 104 IV 261 S. 261

Aus den Erwägungen:

1. Den Beschwerdeführern wird eine Verletzung der Vorschrift des Art. 9 Abs. 2 VRV vorgeworfen, die bestimmt, dass schwere Motorwagen vor leichten den Vortritt haben, wenn auf schmalen Strassen das Kreuzen nicht möglich ist. Unmöglich ist das Kreuzen auf solchen Strassen, wenn bei korrekter Fahrweise

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ein Fahrzeug die Fahrzone des andern beanspruchen muss, nicht aber, wenn jedes Fahrzeug ohne Benützung der Fahrfläche des andern seine Fahrt fortsetzen kann (vgl. SCHULTZ, Die strafrechtliche Rechtsprechung zum neuen Strassenverkehrsrecht, S. 157).

Die Vorinstanz stellt in tatsächlicher Hinsicht nirgends fest, ein Kreuzen der beteiligten Fahrzeuge sei an der fraglichen Stelle, wo sie ohne gegenseitige Berührung aneinander vorbeifahren konnten, unmöglich gewesen. Ebensowenig kann dem angefochtenen Urteil entnommen werden, das Sattelmotorfahrzeug sei beim Kreuzen von einem der beiden Personenwagen in seiner Fahrt behindert worden, wie die Verletzung des Vortrittsrechts voraussetzt (vgl. Art. 14 Abs. 1 VRV). Auch werden keine näheren Angaben darüber gemacht, wie das Kreuzen vor sich ging, insbesondere, wie weit die Personenwagen nach rechts auswichen bzw. mit welchem seitlichen Abstand sie am Sattelschlepper vorbeifuhren und ob dieser bereits vor, während oder erst nach dem Kreuzen über den Asphaltbelag hinaus geriet. Fehlen aber bestimmte Anhaltspunkte für eine Behinderung des Sattelschleppers, so muss angenommen werden, das Kreuzen sei möglich gewesen. Das angefochtene Urteil ist daher aufzuheben und die Sache zur Freisprechung der Beschwerdeführer von der Anschuldigung der Verletzung des Art. 9 Abs. 2 VRV an die Vorinstanz zurückzuweisen.

2. Der Beschwerdeführer macht geltend, er habe um die Überbreite (2,45 m) seines Sattelmotorfahrzeuges nicht gewusst, da er weder beim Erwerb von der Fachfirma noch bei den mehreren Vorführungen des Wagens von der kantonalen Motorfahrzeugkontrolle darauf aufmerksam gemacht worden sei und auf die Richtigkeit des Fahrzeugausweises vertraut habe, der keine entsprechende Auflage enthalte. Unter diesen Umständen habe er keine Veranlassung gehabt, die Breite des Fahrzeuges selber nachzumessen. Demzufolge liege auch kein selbstverschuldeter Sachverhaltsirrtum vor, wie die Vorinstanz angenommen habe.

Die Fahrzeugbreite bildet Gegenstand sowohl genereller wie besonderer, d.h. örtlich begrenzter Verkehrsbeschränkungen. Um diese befolgen zu können, muss der Fahrzeugführer, insbesondere der Lenker schwerer Motorwagen, die häufig Überbreiten aufweisen, die genaue Breite seines Fahrzeuges kennen. Diese kann dem Fahrzeugausweis nicht entnommen werden,

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weil das genaue Mass der Breite im Ausweis nicht eingetragen wird. Es ist selbst dann aus ihm nicht zu ersehen, wenn das Fahrzeug gemäss Fahrzeugausweis nur zum Verkehr auf den für 2,5 m breite Fahrzeuge geöffneten Strassen zugelassen ist und ein Breitezeichen zu tragen hat. Der Fahrzeugführer muss sich daher ausnahmslos auf andere Weise als durch Einsicht in den Fahrzeugausweis von der genauen Breite seines Fahrzeuges zuverlässig Kenntnis verschaffen. Besteht aber eine allgemeine Pflicht, die Breite des Fahrzeuges zu kennen, und kann ihr nur durch andere Vorkehren als die Einsicht in den Fahrzeugausweis genügt werden, so hätte der Beschwerdeführer als Transportunternehmer und Berufschauffeur bei pflichtgemässer Vorsicht seinen Irrtum vermeiden können. Die Vorinstanz hat somit zu Recht angenommen, der Sachverhaltsirrtum des Beschwerdeführers sei selbst verschuldet.