Legislator Rechtsprechung & Gesetzgebung
BGE 103 IV 22 KI-generiert

Defamation Offense Requires Abstract Reputational Harm Standard

Geschäftsnummer BGE 103 IV 22
Gericht / Behörde
Rechtsordnung Schweiz · Bundesgericht (BGer / BGE) (CH)
Ausgang Gutgeheissen (Allowed)

Legislator-Zusammenfassung

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Defamation Offense Requires Abstract Reputational Harm Standard A conviction for defamation or slander requires an utterance that is, in itself, capable of damaging a person's reputation, irrespective of whether the recipient believes the accusation or not. The lower court erred by dismissing charges stemming from a letter sent to two authorities responsible for hunting regulation, reasoning that the authorities were likely to verify the claims and, having done so, the letter lacked the abstract potential for reputational harm under Articles 173 et seq. of the Swiss Penal Code. The Supreme Court clarified that the suitability for reputational damage is abstract and not contingent on the recipient's actual belief or verification capability; defamatory statements are considered abstract endangerment offenses, and this standard remains the same even when the recipient is a competent public authority capable of reviewing the facts.

Legislator-Regeste

Amtlich

Regeste Art. 173 f. StGB. Eignung zur Rufschädigung. Eine Äusserung ist schon ehrenrührig, wenn sie an sich geeignet ist, den Ruf zu schädigen, unabhängig davon, ob der Dritte die Beschuldigung oder Verdächtigung für wahr hält oder nicht.

Schlagwörter

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üble Nachrede Klageschrift Rügeprinzip Strafbarkeit der Medien gesetzliche Auskunftspflicht Art der Zuwiderhandlung

Zitierte Gesetzesbestimmungen

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Zentrale Rechtsfragen, extrahiert von Legislator

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Art. 173 f. StGB

This provision defines the criminal offense regarding defamation, which is the subject of the Tribunal's finding on the applicable legal concept of reputational harm.

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Spätere Entscheide, die dieses Urteil zitieren (75)

6B_10/2026 (2026-04-28)
Dismissal of defamation convictions for derogatory allegations made against a neighbor in administrative building permit proceedings
«…auf hin, dass der Tatbestand auch erfüllt ist, wenn Behörden von ehrverletzenden Äusserungen Kenntnis nehmen (vgl. [BGE 103 IV 22](https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=show_document&page=1&from_date=&to_d…»
SST.2025.102 (2025-10-21) · ag
Defamation conviction upheld for "provocateur" and "liar" letter in building dispute.
«…erungen wurden deshalb von Dritten – dazu zählen ent- gegen der Auffassung des Beschuldigten bereits Behörden (vgl. BGE 103 IV 22 E. 7; vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_844/2018 vom 13. September 2019 E. 2.2) – zur Kenntnis genommen. Es ist unerheb…»
SST.2025.103 (2025-10-21) · ag
Defamation in Administrative Complaint
«…erungen wurden deshalb von Dritten – dazu zählen ent- gegen der Auffassung der Beschuldigten bereits Behörden (vgl. BGE 103 IV 22 E. 7; vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_844/2018 vom 13. September 2019 E. 2.2) – zur Kenntnis genommen. Es ist unerheb…»
P/29506/2024 (2025-05-07) · ge
Prosecutor's Refusal to Prosecute Defamation and Privacy Claim Upheld
«…contre l'honneur sont consommés dès qu'un tiers prend connaissance de la déclaration portant atteinte à l'honneur (ATF [103 IV 22](https://justice.ge.ch/apps/decis/fr/decis/search?query=103%20IV%2022) consid. 7 p. 23 ; arrêts du Tribunal fédéral [6B…»
P1 23 149 (2024-10-15) · vs
Association President Defamation Appeal Over False Accusations at Show
«…inträchtigenden Aussagen sein. Unerheblich ist, ob der Adressat die Beschuldigung oder Verdächtigung für wahr hält (BGE 103 IV 22). Die Frage der Wahrheit einer Aus- sage betrifft nicht die Tatbestandsmässigkeit, sondern die Strafbarkeit. Der Täter…»
P/23793/2017 (2024-08-19) · ge
Assault and Violence Against Authority Upheld, Defamation Reduced to Insult on Appeal
«…ger abstrait. Ils sont consommés dès qu'un tiers prend connaissance de la déclaration portant atteinte à l'honneur (ATF 103 IV 22 consid. 7 p. 23 ; arrêts du Tribunal fédéral 6B_491/2013 du 4 février 2014 consid. 5.2.1 et 6B_106/2012 du 26 septembre…»
P/8804/2020 (2024-05-21) · ge
Defamation of Bar Exam Commission President for Professional Accusations
«…ce du caractère offensant de l'allégation poursuivie ou qu'il ait éprouvé ou non du mépris pour la personne visée (ATF [103 IV 22](https://justice.ge.ch/apps/decis/fr/decis/search?query=103%20IV%2022) ; B. CORBOZ, Les infractions en droit suisse, Vo…»
P/9185/2020 (2023-11-28) · ge
Conviction Upheld for Defamation Following Accusations Against Social Service Employees
«…rs ait ou non éprouvé un quelconque mépris pour la personne visée et qu'il ait ou non tenu l'allégation pour vraie (ATF 103 IV 22 consid. 7). 2.3.6. Indépendamment de la preuve de la vérité et de la bonne foi (voir infra ch. 2.3.7), les règles géné…»
6B_313/2023 (2023-10-23)
«…nsommés dès qu'un tiers prend connaissance de la déclaration portant atteinte à l'honneur ( ATF 125 IV 177 consid. 3a, 103 IV 22 consid. 7; plus récemment: arrêts 6B_69/2016 du 29 septembre 2016 consid. 2.3.1; 6B_491/2013 du 4 février 2014 consid.…»
SB220264 (2023-09-15) · zh
Defamation Conviction Affirmed in Co-Ownership Dispute Emails
«…1. Auflage 2022, Art. 173 N 2; BSK StGB-RIKLIN, 4. Auflage 2018, Vor Art. 173 StGB N 12 ff.; BGE 131 IV 154 E. 1.2; BGE 103 IV 22 E. 7). Massgeblich ist der nach objektiven Kriterien zu ermittelnde Sinn einer Äusserung, den ihr ein unbefangener Höre…»
SST.2022.255 (2023-06-13) · ag
Defamation and Insult Conviction Upheld for Spitting and False Accusations
«…richts 6B_440/2019 vom 18. November 2020 E. 2.4.1, nicht publ. in: BGE 147 IV 65). Auch Behörden gelten als Dritte (BGE 103 IV 22; Urteil des Bundesgerichts 6B_844/2018 vom 13. September 2019 E. 2.2; RIKLIN, in: Basler Kommentar, Strafrecht II, a.a.…»
P/11226/2020 (2023-05-04) · ge
Criminal Defamation Conviction Upheld Against Private Sphere Allegations
«…édure judiciaire, soit sa sphère privée. L'absence de préjudice pour la victime n'est, de surcroît, pas relevante (ATF 103 IV 22 consid. 7 = JdT 1978 IV 49). **2.3.5.** Les appelants ne pouvaient ignorer qu'accuser une personne de la commission d'…»
SK1 2021 33 (2022-12-15) · gr
Guardian Fee Criticism Not Slander
«…enrührig, wenn sie an sich, für den Fall, dass sie geglaubt werden sollte, geeignet ist, den Ruf zu schädigen (vgl. BGE 103 IV 22 E. 7; Franz Riklin, in: Niggli/Heer/Wiprächtiger [Hrsg.], Basler Kommentar Schweizerische Strafprozessordnung [StPO], 2…»
SB220184 (2022-11-04) · zh
Criminal Appeal: False Accusation, Forgery, Defamation, and Fraud
«…, Schweizerische Zeitschrift für Strafrecht 1983, S. 36), wobei die blosse Eignung zur Rufminderung bereits genügt (BGE 103 IV 22 E. 7). Die ehrenrührigen Äusserungen müssen ferner eine gewisse Erheblichkeit auf- weisen (RIKLIN, Basler Kommentar, S…»
P1 22 4 (2022-08-10) · vs
Partial Overturn of Defamation Conviction Based on Shifting Context of Accusations
«…ls auch unwahre Aussagen sein. Unerheblich ist, ob der Adressat die Beschuldigung oder Verdächtigung für wahr hält (BGE 103 IV 22). Die ehrverletzende Äusserung muss sich auf Tatsachen oder ein gemischtes Werturteil – im Gegensatz zu reinen Werturte…»

Volltext

Urteilskopf

103 IV 22

6. Auszug aus dem Urteil des Kassationshofes vom 21. Februar 1977 i.S. Trümpy c. Langenegger

Regeste

Art. 173 f. StGB. Eignung zur Rufschädigung.

Eine Äusserung ist schon ehrenrührig, wenn sie an sich geeignet ist, den Ruf zu schädigen, unabhängig davon, ob der Dritte die Beschuldigung oder Verdächtigung für wahr hält oder nicht.

Erwägungen ab Seite 22

BGE 103 IV 22 S. 22

Aus den Erwägungen:

7. Die Vorinstanz brachte Art. 173 und 174 StGB deswegen nicht zur Anwendung, weil das als ehrverletzend eingeklagte Schreiben vom 27. Juni 1973 an zwei Behörden gerichtet wurde, die für den geordneten Jagdbetrieb zuständig seien, nämlich an den Gemeinderat Zumikon und an die Kantonale Jagd- und Fischereiverwaltung. Von diesen sei ohne weiteres zu erwarten gewesen, dass sie die als blosse Vermutung formulierte Beschwerde durch Aktenbeizug überprüfen, was auch geschehen sei. Die Anzeige sei daher gar nicht geeignet gewesen, den Ruf der Ankläger im Sinne von Art. 173 f. StGB zu schädigen. Es müsse dem Bürger möglich sein, von einer Behörde die Überprüfung des Verhaltens von Personen zu verlangen, die deren Aufsicht unterstehen; dies zumindest soweit, als der Behörde die Überprüfung aufgrund der ihr zur Verfügung stehenden Informationsmittel möglich sei.

Wenn die Vorinstanz dem Schreiben des Beschwerdegegners die Eignung zur Rufschädigung mit der Begründung abspricht, dass die Briefempfänger in der Lage waren, die Wahrheit der Äusserung zu überprüfen und sie dies auch getan hätten, so geht die Vorinstanz von einem falschen rechtlichen Begriff der Eignung zur Rufschädigung aus. Diese Eignung ist abstrakter Natur. Massgeblich ist nicht, ob der Dritte der

BGE 103 IV 22 S. 23

Beschuldigung oder Verdächtigung, so wie sie zu verstehen ist, tatsächlich Glauben schenkt oder ob wenigstens damit ernsthaft zu rechnen sei. Eine Äusserung ist im Sinne von Art. 173 f. StGB schon dann ehrenrührig, wenn sie an sich, d.h. für den Fall, dass sie geglaubt werden sollte, geeignet ist, den Ruf zu schädigen. Die üble Nachrede und die Verleumdung sind insoweit abstrakte Gefährdungsdelikte. Der Täter ist daher selbst dann strafbar, wenn der Dritte die Unwahrheit der Äusserung sofort erkennt oder wenn nach den konkreten Umständen zu erwarten ist, er werde die Unwahrheit der Äusserung sofort erkennen.

Der Begriff der Eignung der Äusserung zur Rufschädigung ist kein anderer, wenn der Dritte, an den sich die Äusserung richtet, eine zuständige Behörde ist. Das Gesetz macht diese Unterscheidung nicht. Es besteht auch kein Anlass, eine ausfüllbedürftige Gesetzeslücke anzunehmen. Es ginge zu weit, Verleumdungen und üble Nachreden immer dann freizugeben, wenn sie an eine zuständige Behörde gerichtet werden, die den Sachverhalt nachprüfen kann. Zu Unrecht wurde daher der Äusserung die rufschädigende Eignung abgesprochen und damit der Tatbestand der Verleumdung, eventuell der üblen Nachrede verneint.

Ebensowenig gibt es einen so weit gefassten Rechtfertigungsgrund, der es unter beliebigem Vorwand gestatten würde, einen andern bei einer Behörde, deren Aufsicht er untersteht, eines unehrenhaften Verhaltens zu bezichtigen.