Art. 34 OG; Stillstand der Fristen, ausser für Strafsachen. Strafsachen sind einzig Verfahren, mit denen das Bundesgericht als Strafgerichtsbehörde befasst ist, nicht die bei ihm als Organ der Staats- oder Verwaltungsrechtspflege hängigen.
Legislator-Zusammenfassung
KI-generiertConstitutional Complaint Timeliness and Judicial Vacation Period Application A litigant filed a constitutional complaint with the Federal Supreme Court on September 14, 1977, challenging a judgment of the lower court that was served on August 3, 1977. The lower court considered the filing to be late because it treated the matter as a "criminal case," for which the statutory deadlines do not pause during the judicial vacation period (July 15 to August 15) under Article 34 of the Federal Judiciary Act (OG). The Federal Supreme Court reversed this finding, reasoning that under Article 34 OG, the term "criminal cases" applies only to proceedings before the court when it acts as a federal criminal judicial authority, but not when it is seized as an organ of constitutional or administrative justice; therefore, for a constitutional complaint (a matter of constitutional or administrative justice), the thirty-day deadline was subject to the judicial vacation period, meaning the period began on August 16, 1977, and the filing on September 14, 1977, was timely.
Legislator-Regeste
AmtlichRegeste Art. 34 OG; Stillstand der Fristen, ausser für Strafsachen. Strafsachen sind einzig Verfahren, mit denen das Bundesgericht als Strafgerichtsbehörde befasst ist, nicht die bei ihm als Organ der Staats- oder Verwaltungsrechtspflege hängigen.
Schlagwörter
KI-generiertZitierte Gesetzesbestimmungen
KI-generiertVerwandte Entscheide
KI-generiertSpätere Entscheide, die dieses Urteil zitieren (21)
Volltext
Urteilskopf
103 Ia 367
58. Auszug aus dem Urteil des Kassationshofes vom 14. November 1977 i.S. K. gegen Staatsanwaltschaft und Obergericht des Kantons Thurgau
Regeste
Art. 34 OG; Stillstand der Fristen, ausser für Strafsachen. Strafsachen sind einzig Verfahren, mit denen das Bundesgericht als Strafgerichtsbehörde befasst ist, nicht die bei ihm als Organ der Staats- oder Verwaltungsrechtspflege hängigen.
Erwägungen ab Seite 367
BGE 103 Ia 367 S. 367
Aus den Erwägungen:
1. Gesetzlich bestimmte Fristen stehen in der Zeit vom 15. Juli bis und mit 15. August still, ausser in Straf- sowie in Schuldbetreibungs- und Konkurssachen (Art. 34 OG). Ob eine Strafsache vorliegt, entscheidet sich unter der Herrschaft dieser Bestimmung nicht nach materiell-rechtlichen, sondern nach ausschliesslich verfahrensrechtlichen Gesichtspunkten. Als Strafsachen im Sinne dieser Bestimmung gelten demzufolge einzig Verfahren, mit denen das Bundesgericht als eidgenössische Strafgerichtsbehörde befasst ist (BIRCHMEIER, Bundesrechtspflege, S. 37), während die bei ihm als Organ der Staats- oder Verwaltungsrechtspflege hängigen nicht zu diesen gerechnet werden können. Für diese steht daher die Beschwerdefrist in der Zeit vom 15. Juli bis und mit 15. August still.
BGE 103 Ia 367 S. 368
Der Beschwerdeführer hat die staatsrechtliche Beschwerde gegen das ihm am 3. August 1977 eröffnete Urteil der Vorinstanz am 14. September 1977 eingelegt, also noch vor Ablauf der mit dem 16. August 1977 beginnenden dreissigtägigen Beschwerdefrist. Die Beschwerde ist daher entgegen der Auffassung der Vorinstanz an die Hand zu nehmen.