Legislator Rechtsprechung & Gesetzgebung
BGE 102 V 36 KI-generiert

AHV Pension Payment Competence: Guardianship vs. Compensation Fund

Geschäftsnummer BGE 102 V 36
Gericht / Behörde
Rechtsordnung Schweiz · Bundesgericht (BGer / BGE) (CH)
Ausgang Abgewiesen (Dismissed)

Legislator-Zusammenfassung

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AHV Pension Payment Competence: Guardianship vs. Compensation Fund The case addresses the competence boundary between AHV (Old-Age and Survivors' Insurance) implementation bodies and guardianship authorities regarding the suitable use of benefits. The situation concerns the payment of AHV/IV pensions, particularly child pensions, when the beneficiary is under guardianship or subject to a supervision order. The court reasoned that in cases of formal guardianship (Bevormundung), the responsibility for ensuring the suitable use of pensions rests with the guardianship authorities, and the compensation fund (Ausgleichskasse) is obliged to pay the pension exclusively to the guardian or a person designated by them, as this competence falls under the guardian's wide-ranging financial authority (Art. 76 para. 2 AHVV). However, if the guardianship authority has only ordered educational and household supervision (Erziehungs- und Haushaltkontrolle) without removing parental power or restricting financial competence, the civil law relationship does not prejudge the payment decision, allowing the compensation fund to exercise its discretion in determining who receives the child pensions. The court emphasized that family law institutions constitute an order that social insurance law presupposes and must generally take precedence, but the scope of this precedence is determined by the civil law competence granted to the guardianship body.

Legislator-Regeste

Amtlich

Regeste Gewährleistung zweckmässiger Rentenverwendung (Art. 45 AHVG und 76 AHVV). - Es ist Sache der vormundschaftlichen Behörden und nicht der AHV-Durchführungsorgane, über die zweckmässige Verwendung der dem Vormund gemäss Art. 76 Abs. 2 AHVV ausbezahlten Renten zu wachen. - Wird bloss eine Erziehungs- und Haushaltkontrolle angeordnet, so hat die Ausgleichskasse frei zu prüfen, wem die Kinderrenten auszuzahlen sind.

Schlagwörter

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vormundschaftliche Angelegenheit Kinderrente Ausgleichsfonds Zahlung der Leistungen elterliche Haftung institutionelle Zuständigkeit

Zitierte Gesetzesbestimmungen

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Zitierte Rechtsprechung

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Zentrale Rechtsfragen, extrahiert von Legislator

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Art. 45 AHVG

Cited in the reasoning as a basis for the scope of social security provisions regarding the diligent use of pensions, although the primary ruling relies on the precedence of family law.

Art. 76 AHVV

Cited in the reasoning as the foundational provision governing the delegation of pension payment and supervision when a beneficiary is under guardianship.

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C-861/2018 (2020-12-17)
«…rdre juridique donné pour les assurances sociales et s'imposent généralement à ces dernières (ATF 112 V 97 consid. 2b ; 102 V 36 et les références; cf. également UELI KIESER, ATSG-Kommentar, 4e éd., 2020, art. 13a LPGA n. 4). Il s'ensuit en particu…»
C-4381/2013 (2015-04-08)
AVS Contribution Refund Denied: Spouse's Continued Swiss Domicile Bars Claim
«…dre juridique donné pour les assurances sociales et s'imposent géné- ralement à ces dernières (ATF 112 V 97 consid. 2b, 102 V 36 et les réfé- rences; cf. également UELI KIESER, ATSG-Kommentar, Zurich/Bâle/Ge- nève 2009, art. 13a LPGA n° 2). Il s'en…»
AB.2003.00089 (2004-07-20) · zh
Pension Payment Priority: Guardianship vs. Municipal Reimbursement
«…echtlichen Normen über die Gewährleistung zweckmässiger Rentenverwendung dies ebenfalls zuliessen (BGE 118 V 88 Erw. 5, 102 V 36, 103 V 131; vgl. Jürg Maeschi, Kommentar zum Bundesgesetz über die Militärversicherung, Bern 2000, S. 127, Art. 12 N 20…»
AB.2003.00089 (2004-07-19) · zh
Guardian Receives Ward's Pension Payments Over Municipality's Claim
«…echtlichen Normen über die Gewährleistung zweckmässiger Rentenverwendung dies ebenfalls zuliessen (BGE 118 V 88 Erw. 5, 102 V 36, 103 V 131; vgl. Jürg Maeschi, Kommentar zum Bundesgesetz über die Militärversicherung, Bern 2000, S. 127, Art. 12 N 20…»
BGE 118 V 88
«…cht ist, wird dies mit dem Argument bejaht, das Sozialversicherungsrecht setze gleichsam das Familienrecht voraus ([BGE 102 V 36](https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/clir/http/index.php?lang=de&type=show_document&page=1&from_date=&to_dat…»

Volltext

Urteilskopf

102 V 36

9. Auszug aus dem Urteil vom 23. Januar 1976 i.S. Fellmann gegen Ausgleichskasse des Kantons Luzern und Verwaltungsgericht des Kantons Luzern

Regeste

Gewährleistung zweckmässiger Rentenverwendung (Art. 45 AHVG und 76 AHVV).

- Es ist Sache der vormundschaftlichen Behörden und nicht der AHV-Durchführungsorgane, über die zweckmässige Verwendung der dem Vormund gemäss Art. 76 Abs. 2 AHVV ausbezahlten Renten zu wachen.

- Wird bloss eine Erziehungs- und Haushaltkontrolle angeordnet, so hat die Ausgleichskasse frei zu prüfen, wem die Kinderrenten auszuzahlen sind.

Erwägungen ab Seite 36

BGE 102 V 36 S. 36

Aus den Erwägungen:

Nach Art. 76 AHVV obliegt es im allgemeinen den Ausgleichskassen, unter bestimmten Voraussetzungen die Anordnungen zu treffen, die eine zweckmässige Verwendung der Renten gewährleisten. Ist aber der Rentenberechtigte bevormundet, so ist die Rente gemäss Art. 76 Abs. 2 AHVV einzig dem Vormund oder der von diesem bezeichneten Person auszuzahlen. Absatz 3 des gleichen Artikels bestimmt weiter, die einer Drittperson oder Behörde ausbezahlten Renten dürften von diesen nicht mit Forderungen gegenüber dem Rentenberechtigten

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verrechnet werden und seien ausschliesslich zum Lebensunterhalt des Berechtigten und der Personen, für die er zu sorgen hat, zu verwenden. Diese Bestimmungen gelten gestützt auf Art. 84 IVV auch auf dem Gebiete der Invalidenversicherung.

Die dargelegte Ordnung beinhaltet unter anderem eine Kompetenzabgrenzung zwischen Ausgleichskassen und anderen Verwaltungsorganen, welche an einer zweckmässigen Rentenverwendung interessiert sind, insbesondere den Vormundschafts- und Fürsorgebehörden. Nach Sinn und Zweck dieser Kompetenzabgrenzung kann es nicht Sache der Durchführungsorgane der AHV sein, zu prüfen, wie der Vormund die Rente verwendet; dies zu beurteilen fällt vielmehr in die Zuständigkeit der vormundschaftlichen Behörden. Nach der Rechtsprechung decken jedenfalls Art. 45 AHVG und dessen Ausführungsbestimmungen keine Kassenverfügungen, die klaren vormundschaftlichen Anordnungen der hierfür zuständigen und verantwortlichen Organe widersprechen. Wo Verfügungen gemäss Art. 76 AHVV mit vormundschaftsrechtlichen Anordnungen kollidieren, gebührt diesen der Vorrang. Diese Prinzipien gründen nicht zuletzt darauf, dass die Institutionen des Familienrechts eine Ordnung darstellen, die von der Sozialversicherung vorausgesetzt wird und dieser daher grundsätzlich vorgehen muss. Das Gericht verweist auf EVGE 1959 S. 197 ff., 1951 S. 138 ff., ZAK 1948 S. 24; BINSWANGER, Kommentar zum AHVG S. 198; ferner sinngemäss auf BGE 97 V 178 (betreffend den prinzipiellen Vorrang des Familienrechts) sowie auf BGE 99 V 44.

Anscheinend schliesst das Bundesamt für Sozialversicherung aus BGE 99 V 44, dass jeglicher Verwaltungsakt eines vormundschaftlichen Organs im Bereich der AHV für die Ausgleichskassen verbindlich sein müsse. Dies trifft indessen nicht zu. Wenn schon, wie dargelegt, die zivilrechtliche Ordnung dem Sozialversicherungsrecht vorgeht, dann bestimmt sich auch nach der zivilrechtlichen Ordnung, welche Kompetenzen dem vormundschaftlichen Organ zustehen. Ist eine Vormundschaft angeordnet, dann gehen die damit verbundenen Befugnisse allerdings sehr weit; sie umfassen namentlich die finanziellen Belange (vgl. Art. 413 ZGB). Das bedeutet im Bereich der AHV u.a., dass bei angeordneter Vormundschaft - gestützt auf die klare zivilrechtliche Regelung - der Vormund

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zu bestimmen hat, wem die Rente auszuzahlen ist, und dass die Ausgleichskasse sich dessen Anordnungen fügen muss.

Ganz eindeutig ist die Regelung auch dann, wenn die Vormundschaftsbehörde nur dem einen Elternteil die elterliche Gewalt entzogen und daneben bloss eine Erziehungs- und Haushaltkontrolle angeordnet hat. Die finanziellen Kompetenzen jenes Elternteils, der die elterliche Gewalt nach wie vor innehat, sind alsdann in keiner Weise beschnitten. Diese zivilrechtliche Regelung der Verhältnisse präjudiziert somit die Frage nicht, an wen Kinderrenten auszuzahlen sind.