Legislator Rechtsprechung & Gesetzgebung
BGE 102 IV 83 KI-generiert

Art. 148, 18 Abs. 2 StGB. Die Bereicherungsabsicht muss nicht ausschliessliches Motiv sein; es genügt, dass sie mitbestimmend ist.

Geschäftsnummer BGE 102 IV 83
Gericht / Behörde
Rechtsordnung Schweiz · Bundesgericht (BGer / BGE) (CH)

Legislator-Zusammenfassung

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Fraud Conviction Intent Sufficiency A conviction for fraud requires proof of intent to enrich, but this intention does not need to be the sole motive; it is sufficient if it is a co-determining factor, even if other deep-seated, personality-driven, or impulsive motives were equally or more significant. The court affirmed a conviction for fraud based on the finding that the accused, who was in a precarious financial situation, acted with the intention of gaining a financial benefit, even if other factors like a craving for prestige played a role, because the financial advantage was not merely an indifferent or undesirable side effect of the actions, satisfying the requirements of art. 148 and 18 sec. 2 of the Swiss Criminal Code.

Legislator-Regeste

Amtlich

Regeste Art. 148, 18 Abs. 2 StGB. Die Bereicherungsabsicht muss nicht ausschliessliches Motiv sein; es genügt, dass sie mitbestimmend ist.

Schlagwörter

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Nachweis des Vorsatzes Betrug Leistungsbetrug Einstellung des Betrugsverfahrens Bereicherungsabsicht Dolus causam dans

Zitierte Gesetzesbestimmungen

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Art. 277bis Abs. 1 BStP
Die Vorinstanz stellt in tatsächlicher Hinsicht und damit für den Kassationshof verbindlich fest (Art. 277bis Abs.
Art. 148 StGB
Die Bereicherungsabsicht war also mitbestimmend, was nach Art. 148 StGB genügt.

Zitierte Rechtsprechung

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BGE 69 IV 80
Täter vielleicht gleichgültige oder gar unerwünschte Nebenfolge eines von ihm erstrebten andern Erfolges ist (BGE 69 IV 80, BGE 72 IV 125, BGE 74 IV 45, BGE 98 IV 66, BGE 101 IV 207).
BGE 72 IV 125
Täter vielleicht gleichgültige oder gar unerwünschte Nebenfolge eines von ihm erstrebten andern Erfolges ist (BGE 69 IV 80, BGE 72 IV 125, BGE 74 IV 45, BGE 98 IV 66, BGE 101 IV 207).
BGE 74 IV 45
Täter vielleicht gleichgültige oder gar unerwünschte Nebenfolge eines von ihm erstrebten andern Erfolges ist (BGE 69 IV 80, BGE 72 IV 125, BGE 74 IV 45, BGE 98 IV 66, BGE 101 IV 207).
BGE 98 IV 66
Täter vielleicht gleichgültige oder gar unerwünschte Nebenfolge eines von ihm erstrebten andern Erfolges ist (BGE 69 IV 80, BGE 72 IV 125, BGE 74 IV 45, BGE 98 IV 66, BGE 101 IV 207).
BGE 101 IV 207
Täter vielleicht gleichgültige oder gar unerwünschte Nebenfolge eines von ihm erstrebten andern Erfolges ist (BGE 69 IV 80, BGE 72 IV 125, BGE 74 IV 45, BGE 98 IV 66, BGE 101 IV 207).
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Spätere Entscheide, die dieses Urteil zitieren (15)

S2 2024 4 (2025-02-11) · zg
Appeal Regarding Attempted Fraud and Assault Convictions and Cost Allocation
«…halte, auf Erlangung des Vorteils ge- richtet sei; er wolle die Bereicherung für den Fall, dass sie eintrete (BGE 102 IV 83). In der vorliegenden Sachverhaltskonstellation folge tatsächlich ohne Weiteres aus der eventualvor- sätzli…»
SB.2022.24 (2024-05-17) · bs
Appeal of Fraud Conviction and Sentencing Modification for Asset Misuse
«…ein muss, sie aber zumindest mitbestimmend ist. Damit genügt eine bloss eventuelle Absicht nicht (BGE 105 IV 330 E. 2c, 102 IV 83 E. 1; Niggli/Mäder, in: Basler Kommentar Strafrecht, 4. Auflage 2019, Art. 146 StGB N 270 f.). **3.2.2.2** Angriffsmit…»
SB.2021.68 (2022-09-08) · bs
Attempted Fraud Acquittal Due to Lack of Unlawful Enrichment Intent
«…ss, sie muss aber zumindest mitbestimmend sein. Damit genügt eine bloss eventuelle Absicht nicht (BGE 105 IV 330 E. 2c, 102 IV 83 E. 1; Niggli/Mäder, in: Basler Kommentar, 4. Aufl., Basel 2019, Art. 146 StGB N 270 f.; Stratenwerth/Bommer, BT I, § 15…»
DG200213 (2022-04-11) · zh
Corporate Fraud, Embezzlement, and Bribery Trial and Sentencing
«…ngestrebten anderen Erfolges erscheint (Urteil 6B_689/2010 vom 25. Oktober 2010, E. 4.1.; vgl. auch BGE 101 IV 207; BGE 102 IV 83 f.). - 695 - 1.3. Gewerbsmässigkeit 1.3.1. Das qualifizierende Element…»
2021.03.12.sr.1 (2021-03-12) · bl
Appeals Court Modifies Convictions for Breach of Trust and Embezzlement, Reduces Sentence Due to Delay.
«…StGB müsse die Absicht der unrechtmässigen Bereicherung ein Dolus ersten Grades sein. Der vom Strafgericht erwähnte BGE 102 IV 83 stamme aus dem Jahr 1970 und nehme Bezug auf den Tatbestand des Betruges, weshalb er vorliegend auch nicht brauchbar se…»
501 2018 51 (2019-05-29) · fr
Attempted Insurance Fraud Conviction Upheld Despite Appeal
«…n'a pas à être le mobile exclusif de l'auteur ; il suffit qu'il soit l'un des éléments qui l'ont déterminé à agir (ATF 102 IV 83). En d’autres termes, il n’est pas nécessaire que l’enrichissement soit le seul mobile de l’auteur. Il faut cependant q…»
STBER.2018.60 (2019-04-10) · so
Defamation in Zoning Dispute: False Accusations of Report Falsification
«…n, dass die – von ihm zu beweisenden – Tatsachen «für ihn in guten Treuen ernsthafte Verdachtsgründe sein durften» (BGE 102 IV 83 f.). Das Mass der erforderlichen Sorgfalt richtet sich, wie bei der Fahrlässigkeit gemäss Art. 12 StGB, nach den Umstän…»
SB.2016.115 (2018-10-31) · bs
Appellant v. State: Reversal of Fraud Conviction Due to Lack of Intent
«…Bereicherung nur dann mit Eventualabsicht, sofern er die Bereicherung selbst unbedingt anstrebt (BGE 105 IV 330, E. 2c, 102 IV 83, E. 1, 101 IV 177, E. II.7; Niggli/­Riedo, in: Basler Kommentar Strafrecht II, 4. Auflage, Basel 2019, Vor Art. 137 N 8…»
ZB.2017.19 (2017-09-26) · bs
Director Liability for Delayed Bankruptcy Notification Overturned
«…Täters eine notwendige Nebenfolge der Erreichung seines eigentlichen Handlungsziels ist (BGE 101 IV 177 E. II.8 S. 207, 102 IV 83 E. 1 S. 83 f. und 105 IV 330 E. 2c S. 335). Damit ist eine dem direkten Vorsatz zweiten Grades entsprechende Absicht au…»
BEZ.2017.13 (2017-09-20) · bs
Creditor's Claim Against Former Director for Corporate Duty Breach and Embezzlement Overturned on Appeal
«…Täters eine notwendige Nebenfolge der Erreichung seines eigentlichen Handlungsziels ist (BGE 101 IV 177 E. II.8 S. 207, 102 IV 83 E. 1 S. 83 f. und 105 IV 330 E. 2c S. 335). Damit ist eine dem direkten Vorsatz zweiten Grades entsprechende Absicht au…»
Jug.2017.289 (2017-07-05) · vd
Appeal Regarding Fraud, Forgery, and Misuse of Assets with Confirmation of Complementary Sentences
«…in de s’enrichir lorsque l’auteur a envisagé l’enrichissement et qu’il l’a accepté pour le cas où il se produirait (ATF 102 IV 83). La notion d’enrichissement désigne toute forme d’amélioration de la situation patrimoniale, y compris temporaire (Dup…»
6S.414/2004 (2005-02-28)
«…des Vorteils gerichtet ist; er muss die Bereicherung für den Fall, dass sie eintritt, wollen ( BGE 105 IV 330 E. 3c; 102 IV 83 E. 1; 101 IV 177 E. II 8, S. 207; Stratenwerth/Jenny, Schweizerisches Strafrecht, Bes. Teil I, 6. Aufl., Bern 2003,…»
6P.29/2004 (2004-07-03)
«…chwerdeführer gar unerwünschte Nebenfolge eines von ihm erstrebten anderen Erfolgs (siehe dazu BGE 105 IV 330 E. 2c; 102 IV 83 ; 101 IV 177 E. II/8 S. 207). Im Übrigen hat die F.________AG von ihren getäuschten Kunden nicht nur Gelder zum Zweck…»
BGE 105 IV 330
«…Erstreben der Bereicherung nicht ausschliessliches Motiv des Handelns sein; es genügt, dass es mitbestimmend war ([BGE 102 IV 83](https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/clir/http/index.php?lang=de&type=show_document&page=1&from_date=&to_dat…»
DG200213 · zh
Commercial Fraud and Mismanagement Sentencing with Asset Disposition
«…ngestrebten anderen Erfolges erscheint (Urteil 6B_689/2010 vom 25. Oktober 2010, E. 4.1.; vgl. auch BGE 101 IV 207; BGE 102 IV 83 f.). - 695 - 1.3. Gewerbsmässigkeit 1.3.1. Das qualifizierende Element…»

Volltext

Urteilskopf

102 IV 83

21. Auszug aus dem Urteil des Kassationshofes vom 20. Mai 1976 i.S. M. gegen Generalprokurator des Kantons Bern.

Regeste

Art. 148, 18 Abs. 2 StGB.

Die Bereicherungsabsicht muss nicht ausschliessliches Motiv sein; es genügt, dass sie mitbestimmend ist.

Erwägungen ab Seite 83

BGE 102 IV 83 S. 83

Aus den Erwägungen:

1. Der Beschwerdeführer wirft dem Obergericht vor, es habe bei den drei Betrugsfällen nicht berücksichtigt, dass nach dem psychiatrischen Gutachten der Grund seines Handelns "zumindest ebensosehr in tieferliegenden, persönlichkeitsbedingten, triebhaften Motiven" gelegen habe. Mit der Annahme, er habe sich auch von Bereicherungsabsicht leiten lassen, verletze die Vorinstanz das Gesetz; Schuldspruch wegen Betrugs setze voraus, dass der Täter bewusst die einzelnen Tatbestandsmerkmale verwirklicht habe. Das sei nicht der Fall, wenn er überwiegend aus triebhaften Motiven handle, denn dann fehle eine freie Verwirklichung der Bereicherungsabsicht. Das Bestehen einer "untergeordneten" Bereicherungsabsicht genüge nicht.

In einer von der Vorinstanz wörtlich übernommenen Äusserung hat der Gutachter indessen nicht ein Überwiegen des triebhaften Handelns angenommen, sondern bloss festgestellt, dieses sei von zumindest gleich grosser Bedeutung wie die Bereicherungsabsicht gewesen. Dass die Vorinstanz trotzdem die Bereicherungsabsicht bejahte, verletzt das Gesetz nicht. Es genügt schon eine bloss mitgewollte oder in Kauf genommene Bereicherung. Voraussetzung ist, dass die Absicht des Täters selbst dann, wenn er die Bereicherung bloss für möglich hält, auf Erlangung des Vorteils gerichtet ist, er will die Bereicherung für den Fall, dass sie eintritt. Anders verhält es sich, wenn die Erlangung des Vorteils nur eine notwendige, dem

BGE 102 IV 83 S. 84

Täter vielleicht gleichgültige oder gar unerwünschte Nebenfolge eines von ihm erstrebten andern Erfolges ist (BGE 69 IV 80, BGE 72 IV 125, BGE 74 IV 45, BGE 98 IV 66, BGE 101 IV 207). Die Vorinstanz stellt in tatsächlicher Hinsicht und damit für den Kassationshof verbindlich fest (Art. 277bis Abs. 1 BStP), dass der Beschwerdeführer, der sich in prekärer finanzieller Lage befand, auch in Bereicherungsabsicht gehandelt hat, dass diese auf der Hand liege, auch wenn Geltungssucht mitgespielt haben möge. Der Vermögensvorteil war demnach für den Beschwerdeführer nicht bloss gleichgültige oder gar unerwünschte notwendige Folge seines Handelns. Die Bereicherungsabsicht war also mitbestimmend, was nach Art. 148 StGB genügt.