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BGE 101 IV 52 KI-generiert

Art. 217 StGB. Böser Wille bei Vernachlässigung der Unterstützungspflicht gegenüber der geschiedenen Ehefrau kann auch dann vorliegen, wenn das Einkommen des Zahlungspflichtigen den Notbedarf der zweiten Familie nicht deckt.

Geschäftsnummer BGE 101 IV 52
Gericht / Behörde
Rechtsordnung Schweiz · Bundesgericht (BGer / BGE) (CH)

Legislator-Zusammenfassung

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Malicious Intent in Spousal Support Neglect Despite Minimal Second Family Income The Federal Supreme Court affirmed that malicious intent ("böser Wille") in the neglect of support obligations towards a divorced spouse (Art. 217 SCC) can exist even if the obligor's income barely covers the necessary living expenses of the second family. The Court reasoned that malicious intent means prioritizing the needs of the narrower, second family members over the spousal support beneficiary, and this neglect is not excused merely because the income marginally covers the second family's needs. The obligor is only subject to the payment obligation to the extent that his income would be legally seizable in debt collection proceedings, meaning that even if the obligor's existence minimum is barely covered, a proportional part of their income may still be subject to garnishment in favor of the divorced spouse; consequently, the accusation of malicious intent only ceases if the debtor voluntarily pays the portion of the maintenance contribution corresponding to the legally attachable amount of his income.

Legislator-Regeste

Amtlich

Regeste Art. 217 StGB. Böser Wille bei Vernachlässigung der Unterstützungspflicht gegenüber der geschiedenen Ehefrau kann auch dann vorliegen, wenn das Einkommen des Zahlungspflichtigen den Notbedarf der zweiten Familie nicht deckt.

Schlagwörter

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nacheheliche Unterhaltspflicht Schuldtilgung Mindesteinkommen Ehegatte Familienangehöriger hypothetisches Einkommen des Ehegatten

Zitierte Gesetzesbestimmungen

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Zitierte Rechtsprechung

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BGE 74 IV 156
Der böse Wille liegt in der pflichtwidrigen Zurückstellung der Beitragsberechtigten hinter die Glieder der engeren Familie (BGE 74 IV 156 ff.
BGE 79 IV 112
BGE 79 IV 113
Zuzumuten ist dem Pflichtigen die Leistung bloss in dem Umfange, in welchem er sein Einkommen bei einer Betreibung pfänden lassen müsste (BGE 79 IV 113).
BGE 68 III 27
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Spätere Entscheide, die dieses Urteil zitieren (7)

BGE 123 IV 17
Forgery by unauthorized employee signing company letterhead; branch manager's liability for qualified disloyal management through fictitious guarantees.
«…valablement Z., bien qu'ils aient été destinés et propres à le faire croire aux bailleurs de fonds éventuels (cf. [ATF 101 IV 52](https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/clir/http/index.php?lang=de&type=show_document&page=1&from_date=&to_dat…»
P/20790/2010 (2015-11-28) · ge
Appellant Convicted for Bodily Harm and Failure to Pay Child Support Upheld on Appeal
«…réalisée, le débiteur doit avoir disposé des moyens matériels pour verser tout ou partie des aliments impayés (ATF 101 IV 52; 76 IV 109; 73 IV 178; BJP 1987 no 187) - dont le paiement revêt un caractère prioritaire…»
P/11595/2005 (2009-01-26) · ge
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«…ent réalisée, le débiteur doit avoir disposé des moyens matériels pour verser tout ou partie des aliments impayés (ATF [101 IV 52](https://justice.ge.ch/apps/decis/fr/decis/search?query=101%20IV%2052); [76 IV 109](https://justice.ge.ch/apps/decis/fr…»
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«…to ai suoi obblighi ed alle sue forze, e non in base ad un effettivo guadagno minore o inesistente (Rep 1985 p. 87; DTF 101 IV 52; CCRP 23 settembre 1993 in re K.). Nella fattispecie basta la constatazione che, per il periodo oggetto del procedimen…»
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«…ent réalisée, le débiteur doit avoir disposé des moyens matériels pour verser tout ou partie des aliments impayés (ATF [101 IV 52](https://justice.ge.ch/apps/decis/fr/decis/search?query=101%20IV%2052); [76 IV 109](https://justice.ge.ch/apps/decis/fr…»
BGE 121 IV 272
«…Eingriff in seinen Notbedarf nur insoweit zuzumuten ist, als bei einer Lohnpfändung in diesen eingegriffen würde ([BGE 101 IV 52](https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/clir/http/index.php?lang=it&type=show_document&page=1&from_date=&to_dat…»
72.2008.21 · ti
Maintenance Non-Payment, Driving Without License, and Refusal to Submit to Drunk Driving Test
«…to ai suoi obblighi ed alle sue forze, e non in base ad un effettivo guadagno minore o inesistente (Rep 1985 p. 87; DTF 101 IV 52; CCRP 23 settembre 1993 in re K.). Nella fattispecie basta la constatazione che, per il periodo oggetto del procedimen…»

Volltext

Urteilskopf

101 IV 52

14. Auszug aus dem Urteil des Kassationshofes vom 12. März 1975 i.S. X. gegen Y. und Staatsanwaltschaft des Kantons Aargau.

Regeste

Art. 217 StGB.

Böser Wille bei Vernachlässigung der Unterstützungspflicht gegenüber der geschiedenen Ehefrau kann auch dann vorliegen, wenn das Einkommen des Zahlungspflichtigen den Notbedarf der zweiten Familie nicht deckt.

Erwägungen ab Seite 52

BGE 101 IV 52 S. 52

Aus den Erwägungen:

Mit dem Merkmal des bösen Willens verlangt das Strafgesetzbuch mehr, als dass der Unterhaltspflichtige vorsätzlich seine Pflicht nicht erfülle. Der böse Wille liegt in der pflichtwidrigen Zurückstellung der Beitragsberechtigten hinter die Glieder der engeren Familie (BGE 74 IV 156 ff. und BGE 79 IV 112 f.). Die Pflichtwidrigkeit entfällt nicht schon dann, wenn das Einkommen nur knapp den Notbedarf der zweiten

BGE 101 IV 52 S. 53

Familie deckt. Nicht ganz zutreffend ist allerdings die Behauptung der Vorinstanz - im Anschluss an STRATENWERTH (Schweizerisches Strafrecht, BT II, S. 396) -, das Bundesgericht anerkenne ausser der völligen Leistungsunfähigkeit keinerlei Gründe als zureichend, die Zahlung der Alimente zu verweigern. Zuzumuten ist dem Pflichtigen die Leistung bloss in dem Umfange, in welchem er sein Einkommen bei einer Betreibung pfänden lassen müsste (BGE 79 IV 113). Gewiss kann dabei unter Umständen das Existenzminimum unterschritten werden, doch kommt es dann zu einer bloss teilweisen Pfändung, d.h. es wird nur ein proportional herabgesetzter Teil des Unterhaltsbeitrages eingetrieben. Würde das Existenzminimum des Beschwerdeführers und seiner zweiten Frau seine Einkünfte übersteigen, so könnte zugunsten der geschiedenen Ehegattin nur so viel gepfändet werden, dass sie verhältnismässig gleich viel an ihren Unterhaltsanspruch erhält, wie dem Schuldner an sein Existenzminimum verbleibt (BGE 68 III 27 und ständige Praxis). Demnach entfällt der Vorwurf des bösen Willens, wenn der Schuldner von sich aus einen entsprechenden Teil des Unterhaltsbeitrages zahlt.